Produktionsnotizen zu Banditen

Die Produzenten Michael Birnbaum und Michele Berk entwickelten die Story von Banditen und holten schließlich Harley Peyton mit an Bord, der mit der Arbeit am Drehbuch betraut wurde. Sofort war allen bewusst, dass sie ein ganz besonderes Projekt mit großem Potential vorbereiteten.



Oscar®-Gewinner Barry Levinson wurde auf das Skript aufmerksam und fand umgehend Gefallen daran: "Es ist eine sehr interessante Komödie mit einer ganz ungewöhnlichen Energie. Die Geschichte hat Bewegung und nimmt immer mehr Fahrt auf, gleichzeitig wird der Einsatz für alle Beteiligten immer höher."

Er fährt fort: "Besonders gefiel mit die Idee, dass sich diese beiden Typen in die gleiche Frau verlieben. Was mir nicht mehr aus dem Kopf ging, war das Zitat von Kate, die sagt, dass sie sich nicht zwischen einem von beiden entscheiden kann, weil sie zusammen den perfekten Mann ergeben. Das ist ein interessantes Konzept."

Auch Bruce Willis war angetan, als er das Drehbuch erstmals in Händen hielt. Als erster der drei Hauptdarsteller sagte er seine Mitwirkung an Banditen zu - ein Jahr, bevor die erste Klappe fallen sollte. Mit Billy Bob Thornton und Cate Blanchett gesellten sich zwei weitere Topstars zu ihm. Eine bessere Besetzung kann sich eine Produktion kaum wünschen: Jeder einzelne von ihnen kann einen Film mühelos alleine tragen, aber gemeinsam ist dieses Trio außergewöhnlich charismatischer Talente wohl nicht zu überbieten.

Barry Levinson sagt über die Besetzung: "Der Film hält eine ganze Reihe von Überraschungen bereit. Ich glaube, Billy Bob hat man noch nie in einer Rolle wie dieser gesehen. Und Cate betritt unbestritten schauspielerisches Neuland - die Figur der Kate ist Lichtjahre von Elizabeth entfernt. Und Bruce? Nun, man hat ihn bereits in einigen komischen und auch in romantischen Rollen gesehen. Aber dieser Film ist romantisch und komisch zur gleichen Zeit. Und obendrein ist Bruces Figur Joe ein harter, manchmal unberechenbarer Typ - die Kombination macht den Reiz aus."

Alle am Filmset empfanden es als großes Privileg, mit einem Filmemacher vom Format Levinsons arbeiten zu dürfen. Drehbuchautor Peyton verrät: "Wenn Komödien verfilmt werden, dann setzt man die Witze und die großen emotionalen Momente meistens förmlich in Anführungszeichen. Jede Subtilität bleibt auf der Strecke. Barry geht anders an die Sache ran, sucht lieber nach der Wahrheit der einzelnen Situationen. Eines der ersten Dinge, die Bruce Willis zu mir sagte, als ich das Set besuchte, war, dass er bei dem Film so ein gutes Gefühl hätte, weil er so echt sei."

Außerdem sagt Peyton: "Wenn man derartige Schauspieler in Hochform zur Verfügung hat und einen Regisseur wie Barry, der sie führt, dann ist das Ergebnis unglaublich. Sie sind alle so komisch und verstehen ihre Figuren perfekt. Sie unterstützen das Drehbuch nicht nur, sie machen es besser."

Barry Levinson genießt die Arbeit mit Schauspielern und ist offen für Improvisation, wenn es darum geht, den Funken der Inspiration für die einzelnen Szenen zu finden. "Ich experimentiere die ganze Zeit", erklärt Levinson. "Ich versuche ständig, immer noch andere Seiten an einer Szene zu entdecken, die ich bislang übersehen habe. Manche Ideen entpuppen sich schnell als Fehler, aber auch sie sind oft ein guter Ausgangspunkt, wenn man einen neuen Ansatz für eine Szene finden will. Filmemachen ist ein Vorgang der Entdeckung. Im Rahmen eines Drehbuchs gibt es immer Raum, das Unerwartete zu finden und geschehen zu lassen."

Bruce Willis' Joe ist die attraktive Heldenfigur, für den sich die Dinge immer zu fügen scheinen, ohne dass er selbst eine Hand dafür rühren müsste. Peyton sagt: "Joe macht sich nicht viel Gedanken über die Dinge, die er tut. Und Selbstreflexion zählt auch nicht zu seinen Stärken. Er ist ein Mann der Tat - und gehört nicht zu den Typen, die sich pausenlos ihren Kopf zerbrechen."

Der von Thornton gespielte Terry ist das genaue Gegenteil. Terry wälzt alles Mögliche bis zum Geht-nicht-mehr in seinem Kopf hin und her, wie es nur ein waschechter Neurotiker kann. Die Welt steckt für ihn voller Rätsel, die er zu lösen versucht, ohne jemals mit dem Resultat zufrieden zu sein. Zahllose Phobien sind die Folge. Es ist die Art von Rolle, in der Thornton über sich selbst hinauswächst - und Levinson wusste, dass er perfekt für den Part war.

"Ich wünschte, ich hätte dieses Drehbuch geschrieben", sagt Billy Bob Thornton, der selbst schon mit einem Oscar® für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde. "Mein erster Gedanke war: Welch eine perfekte Rolle und welch ein perfekter Filmstoff. Manchmal liest man ein Drehbuch und denkt: Das ist ganz schön breit und allgemein angelegt. Aber dieser Film ist realistisch. Das Drehbuch ist manchmal aberwitzig, aber alles ist völlig plausibel."

Über Blanchetts Figur Kate sagt Peyton: "Das ist eine schwer zu spielende Rolle. Sie gehört zu den Leuten, die noch nicht gefunden haben, wonach sie im Leben suchen - und auch nicht wissen, was es ist, bis es so weit ist. Sie mußs sich zwischen zwei Männern entscheiden. Und da diese Entscheidung sehr ungewöhnlich ist, war es sehr wichtig, welche Schauspielerin diese Figur spielen würde. Wenn es nur um sexuellen Heißhunger ginge, würde der ganze Film nicht funktionieren. Wenn man die Entscheidung aber als exzentrische Wahl einer im Grunde sehr unschuldigen Seele darstellt, dann fügen sich alle Teile perfekt zusammen."

Banditen war eines dieser Drehbücher, bei dessen Lektüre man lauthals loslachen mußs", meint Blanchett. "Und als ich wusste, wer für die Rollen von Joe und Terry besetzt worden war, konnte ich mir gar keine anderen Darsteller als Bruce und Billy Bob vorstellen. Ich wusste einfach, dass dieser Film mit den beiden Schauspielern größer werden würde, als man nach der ersten Lektüre vermutet."

Blanchett stimmt mit Thornton überein, dass die Basis des Films seine Realitätsverbundenheit ist. "Wenn ich über etwas lache, dann mußs dem etwas Reales, Wahres zu Grunde liegen", erklärt die Schauspielerin. "Auch dann, wenn es sich um etwas Hyper-Reales handelt, wie es ja bei den meisten absurden Dingen der Fall ist. Es mußs immer ein Korn Wahrheit dabei sein. Und Barry beherrscht das perfekt. Man mußs sich nur seine bisherigen Filme ansehen - zum Beispiel "Diner": Auch der ist komisch und gleichzeitig finster."

Cate Blanchett freute sich dementsprechend auf die Arbeit mit dem Regisseur: "Man neigt dazu, Filmen Stempel aufzudrücken und sie Genres zuzuordnen. Barry arbeitet in seinem eigenen Genre, in dem unglaubliche Komik ebenso ihren Platz hat wie berührende Wahrhaftigkeit. Er erforscht Höhe und Breite jeder einzelnen Szene und lotet ihr komisches Potential aus."

Levinson ist von seiner Hauptdarstellerin nicht minder angetan: "Sie ist die führende Schauspielerin ihrer Generation."

Ein viertes Bandenmitglied ist Joes junger Cousin Harvey J. Pollard, der von dem Newcomer Troy Garity gespielt wird. Pollard träumt von einer Zukunft als berühmter Stuntman in Hollywood. Doch bis es soweit ist, macht er begeistert bei Joes und Terrys Gang mit und steht bei ihren Banküberfällen Schmiere.

"Ich habe ein Probeband von ihm gesehen", erinnert sich Barry Levinson. "Ich war begeistert von der Unberechenbarkeit Troys. Er hat eine starke physische Präsenz. Die Art, wie er seine Hände bewegt und Dinge anpackt, machen seine Erscheinung höchst interessant. Troy ist ein einzigartiger Typ und genau diese Qualität setzte ich so oft ein wie ich konnte."

Garity sagt über die Figur, die er zu spielen hatte: "Er ist ein hoffnungsloser Romantiker - ein Held, der seine Haut abstreifen will. Als Vorbild für Pollard nahm ich den Golden Retriever meiner Mutter und Clint Eastwood - den Hund, weil er eine starke Loyalität seiner Familie gegenüber besitzt, und Clint Eastwood, weil Pollard nichts lieber wäre als ein überlebensgroßer Held."

Abgesehen von Aufnahmen in einer Studiohalle in Los Angeles, wurde Banditen an knapp 60 Drehorten in Oregon und Kalifornien gedreht.

Die erste Location war das Oregon State Penitentiary in Salem, wo das Filmteam auf überraschend große Unterstützung stieß - wenn man bedenkt, dass Levinson dort einen Gefängnisausbruch filmte. Mehr als 150 Sträflinge, die als Statisten eingesetzt wurden, befanden sich bei besagter Szene in der Nähe des Ortes, der die Pforte zur Freiheit darstellte. Als es Joe und Terry mit einem Lastwagen gelingt, das Gefängnishaupttor zu durchbrechen, bedurfte es nicht viel Motivation, die Männer zum Jubeln und Anfeuern zu bringen - bei jeder einzelnen Klappe!

Levinson erklärt seine Entscheidung, fast alle Szenen von Banditen an Originalschauplätzen zu drehen: "Der Film sollte nicht so aussehen wie eine Sitcom, wie das bei Filmen häufig der Fall ist, die romantische und komische Aspekte vereinen. Einerseits sollte der Film sehr echt aussehen, gleichzeitig wollte ich ihm einen stilistisch ganz eigenen Look verpassen."

Dirk Jasper FilmLexikon
© Fotos: Constantin Film © 1994 - 2010 Dirk Jasper