Ausführlicher Inhalt zu Das Reich und die Herrlichkeit

Szenenfoto Die nordkalifornische Sierra Nevada im Jahre 1867. Zwischen majestätisch zerklüfteten Felsen und scheinbar ewigem Winter trotzen die Leute des dahingewürfelten Städtchens Kingdom Come allen Widrigkeiten und trösten sich mit Träumen von Reichtum, wenn ihr Geld nicht für Besuche im Saloon oder im Hurenhaus reichen sollte.



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Denn dass in dieser Gegend auch nach Ende des großen Goldrausches noch Glück zu finden ist und nach der Migration von einer halben Million Menschen eine neue Existenz im unerschlossenen Westen Amerikas möglich ist, das versinnbildlicht niemand besser als Dillon (Peter Mullan). Ihm gehört alles in Kingdom Come, bis hin zum Herzen der exotischen portugiesischen Einwanderin Lucia (Milla Jovovich). Und der Pionier-Patriarch achtet mit harten, aber gerechten Regeln darauf, dass sich daran nichts ändert.

Szenenfoto Vor Jahren hat er eine Goldmine gefunden und ist nun im Begriff, sein kleines Reich zu einer Kapitale auszuweiten - denn als der junge Landvermesser und Routenplaner Dalglish (Wes Bentley) im Auftrag der Central Pacific Railroad in die Minenstadt kommt, ist endlich die Chance greifbar nahe, dass Kingdom Come ans Streckennetz der Zukunft und die Prosperität des erblühenden Kontinents angeschlossen wird.

Doch Dillon, der Gefolgsamkeit gewohnt ist und Regelbrüche höchstpersönlich mit Peitschenhieben ahndet, mußs bald erkennen, dass er Dalglish weder kaufen noch mit bedrohlich stiller Autorität beeindrucken kann - so bleibt ihm vorerst nichts anderes übrig, als die Ergebnisse der Landvermessung abzuwarten. Zumal auch andere Neuankömmlinge die Aufmerksamkeit der Männer in Anspruch nehmen.

Szenenfoto Während das Hurenhaus Nachschub bekommt, bleiben die Beweggründe der sichtlich angeschlagenen Durchreisenden Elena (Nastassja Kinski) mysteriös. Sie verbirgt sich vor aller Augen, während ihre aufrechte und lebenshungrige Tochter Hope (Sarah Polley) schon bald die Gastfreundschaft des sonderbar gerührten Dillon annimmt und ihrerseits einen Flirt mit Dalglish beginnt. Dieser gipfelt jedoch bei gemeinsamen Ausritten in die unberührte Umgebung in höflicher Kommunikation. Zumal Dalglish kein junger Mann von Traurigkeit ist und in Begleitung seines Mitarbeiters Bellinger (Julian Richings) vornehmlich Spaß im Bordell hat, wo Lucia die souveräne, unantastbare Chefin ist und sich Bellinger prompt in eine Französin verliebt.

Es dauert nicht lange, bis sich die geschäftlichen und privaten Verhältnisse der Beteiligten dramatisch verschieben, auch wenn die Konflikte kaum nach außen getragen werden. So stellt sich erschütternderweise heraus, dass Dillon einst mit Elena verheiratet war (und rechtlich immer noch ist) und sie vor zwanzig Jahren samt des gemeinsamen Babys Hope zugunsten einer Handvoll Gold aufgegeben hat.

Szenenfoto Er war blutjung, verzweifelt und betrunken. Seither basiert Dillons gesamte Existenz als erwachsener Mann darauf, dass er seine junge Familie verkauft hat. Und obwohl er in einem bitteren Gespräch mit Elena keinen Zweifel daran lässt, dass er seine Schande seither jeden Tag bereut und nie wieder einen Tropfen getrunken hat, herrscht eine Traurigkeit zwischen den beiden, die sie unausgesprochen dulden. Was sie jetzt noch können, ist Begrenzung des Schadens. So weiß Hope nicht, dass Dillon ihr leiblicher Vater ist - und soll es nach Elenas Willen auch nie erfahren. Nur finanziell möge er bitte für seine Tochter Sorge tragen. Denn Elena hat nicht mehr lange zu leben.

Szenenfoto Dillon reagiert, wie es seine Art ist. Wortlos. Konsequent. Und im Wissen, dass er sich für die verdrängte Vergangenheit nie vergeben wird, aber vielleicht in der Gegenwart einiges wieder gutmachen kann. Doch selbst das geht nicht, ohne andere zu verletzen. Ohne es zu erklären, beendet er seine Beziehung mit Lucia und bricht ihr das Herz. Erst sehr viel später wird sie erfahren, warum Dillon nicht anders kann als bei jenen Erlösung zu suchen, in deren Schuld er sich fühlt - anstatt bei ihr.

Danach heiratet Dillon Elena symbolisch und öffentlich, weil niemand etwas von ihrer Bindung weiß und nunmehr Hopes Erbe sicher gestellt ist. Er lässt für die beiden Frauen Berge versetzen, das denkbar schönste Haus errichten und holt Spezialisten heran, die Elenas Krankheit bekämpfen sollen. Doch obwohl bei all seinen aufrichtigen, zutiefst einfühlsamen Bemühungen die alte Liebe zwischen Dillon und Elena wieder zu spüren ist, soll es ihm nicht vergönnt sein, weiteres Unglück zu verhindern.

Szenenfoto Denn als Dalglish in Absprache mit den Eisenbahnern entscheidet, dass die Eisenbahn hier wegen geografischer Hindernisse unmöglich verlegt werden kann, bleiben Dillon nicht viele Mittel, sein Lebenswerk Kingdom Come zu retten. Er will die übliche Härte wählen. Richter und Henker in einer Person sein und zunächst Dalglish und dessen Leute erschießen, die sich seinen Warnungen wiederholt widersetzen. All dies in der Hoffnung, sowohl seine Autorität als auch seine Leute beisammen zu halten.

Doch Dillon ist nicht mehr der selbe. Er weiß, dass sich seine Tochter Hope in genau diesen jungen Mann verliebt hat - oder er sieht den anklagenden Blick von Lucia. Genug Unrecht ist geschehen. Er geht zu Elena und weicht ihr nicht mehr von der Seite, bis ihr feines Lebenslicht erlischt.

Szenenfoto Hope weiß inzwischen, was es um die Beziehung zwischen ihrer Mutter und Dillon auf sich hat, doch während die Menschen Kingdom Come in Scharen in Richtung einer besser gelegenen Heimstatt verlassen, ist sie zu unerfahren und verwirrt, um mit ihren Gefühlen fertig zu werden. Sie hat eine Mutter verloren, einen Vater gefunden und droht in Dalglish den Mann ihres Lebens zu verlieren. Also vertraut sie ihrem Herzen, wie sie es von ihrer Mutter gelernt hat. Dillon bleibt zurück. Und während Hope in der Ferne Dalglish findet und es die Zeit der Wahrheit für alle ist, steigen am Horizont Rauchschwaden auf. Sie kommen aus Kingdom Come ...

© Fotos: Concorde © 1994 - 2009 Dirk Jasper