Ausführlicher Inhalt zu Eine Hexe in unserer Familie

Die siebenjährige Maria hat es wirklich nicht leicht mit ihrem kleinen Bruder Lillen. Der Knirps, von allen liebevoll "Fröschlein" genannt, färbt die Haare ihrer Barbie, versteckt seine Klamotten in ihrem Puppenhaus und rennt ständig mit einem albernen Plastikschwert hinter ihr her. Und das alles an einem einzigen, ganz gewöhnlichen Morgen. Kein Wunder, dass Maria sich zum Frühstück weder Joghurt noch Tee, sondern nur noch ein eigenes Zimmer wünscht. Doch daran, so erklären ihre Eltern, ist im Moment nicht zu denken.


Auf dem Weg zur Schule trifft Maria dann die gleichaltrige Makka. Das Mädchen ist neu in der Stadt und plustert sich mächtig auf, um Maria zu beeindrucken. Sie prahlt damit, das schrecklichste Buch der ganzen Welt zu besitzen und - noch besser - eine echte Zauberkugel. Maria, die von dem allmorgendlichen Kleinkrieg mit ihrem Bruder immer noch genervt ist, reagiert skeptisch. Aber als Makka ihr erzählt, das die magische Kugel sogar Menschen verschwinden lassen kann, siegt die Neugier. Sie folgt ihrer neuen Freundin und wünscht sich von dem geheimnisvoll leuchtenden Kristall, endlich keinen kleinen Bruder mehr zu haben.

Wenig später wird Maria krank. Die berufstätigen Eltern finden zunächst niemanden, der tagsüber auf ihre Tochter aufpasst. Dann bietet eine Bekannte die Hilfe des Kindermädchens Gerda an. Marias Eltern sind erleichtert. Als die alte Dame am nächsten Morgen erscheint, wirkt sie - in einen weiten Schal gehüllt und mit vielen Runzeln im Gesicht - freundlich und fürsorglich. Doch kaum sind Gerda und ihr kleiner Schützling allein, geschehen höchst merkwürdige Dinge: Als eine Wespe durch die Wohnung fliegt, schlägt die alte Frau zu und verspeist das Insekt - mit sichtlichem Genuss. Anschließend zaubert sie gruselige Schattenspiele auf die Tapete, um Maria aufzuheitern.

Als Gerda für einen Moment das Zimmer verläßt, meldet sich Makka aufgeregt am Fenster. Sie hat das Kindermädchen morgens kommen sehen, und sie hat einen schrecklichen Verdacht: Gerda mußs eine Hexe sein. Zum Beweis zeigt Makka Maria ein Bild aus ihrem Hexenbuch. Und wirklich: Die Zeichnung hat verblüffende Ähnlichkeit mit Gerda. Makka weiß auch, warum die Hexe gekommen ist: Sie will Lillen holen, weil das Marias Wunsch an die Zauberkugel war. Maria erschrickt: Klar, sie wollte ein eigenes Zimmer. Aber dass Fröschlein in der Suppe gekocht wird, das wollte sie sicher nicht.

Bevor Gerda wieder auftaucht, klettert Makka heimlich ins Kinderzimmer und versteckt sich unter Marias Bett. Die beiden Mädchen wollen noch eine Hexenprobe durchführen - nur um ganz sicher zu sein. Sie warten, bis sich die alte Dame zu einem Nickerchen zurückgezogen hat und ihre gurgelnden Schnarchtöne zu hören sind. Dann tauchen sie ihren Kopf - so wie in Makkas Buch beschrieben - in einen Eimer mit Wasser. Wenn sie jetzt eine Stunde lang keine Luft holen mußs, dann steht fest: Das Kindermädchen ist eine Hexe! Und tatsächlich: Gerda bleibt sehr, sehr lange unter Wasser. Als sie endlich verstört hochschreckt, läuft Makka schnell weg und Maria flunkert etwas von einem Schwelbrand im Wohnzimmer, um die eigenartige Überschwemmung zu erklären. Die alte Frau glaubt den Schwindel und ist sogar noch dankbar.

Oben im Kinderzimmer wartet Makka auf Maria, um sich zu verabschieden. Bevor sie geht, warnt sie ihre Freundin: Wenn das Kindermädchen sie zu einem Spaziergang in den Wald einlade, dann bestehe allerhöchste Gefahr. Doch es ist wie verhext: kaum ist Makka verschwunden, da redet Gerda wirklich schon von einem Ausflug. So könne Maria mal auf andere Gedanken kommen. Und das kleine Fröschlein würden sie natürlich auch mitnehmen.

Abends versucht Maria, mit ihren Eltern zu sprechen. Doch die glauben nicht an Spuk und Hexerei. Über die lebhafte Phantasie ihrer Tochter können sie nur schmunzeln. Maria begreift, dass sie alleine um das Leben ihres kleinen Bruders kämpfen mußs und lernt vorm Einschlafen vorsichtshalber schon mal einen Anti-Hexen-Zauberspruch.

Am nächsten Morgen ruft sie Gerda an und gaukelt ihr vor, wieder gesund zu sein. Doch so leicht lässt sich die alte Frau nicht abwimmeln. Sie will trotzdem kommen - wenn auch etwas später, weil sie gerade die Handwerker im Haus hat. Also holt Maria schnell ihre Freundin Makka zu Hilfe und gemeinsam bauen sie so viele Hexenfallen wie möglich, die sie im ganzen Haus verteilen. Zum Schluß wollen sie sogar - nur um ganz sicher zu gehen - eine Wespe schlucken. Doch weil gerade keine im Zimmer umherschwirrt, müssen sie sich mit einer Fliege begnügen. Zum Glück schmeckt die auch nicht sehr viel ekliger als Spinat. Da klopft es an der Haustür. Die Freundinnen verhalten sich still. Als sie nichts mehr hören, hoffen sie schon, die Hexe vertrieben zu haben. Doch plötzlich steht Gerda mitten im Zimmer. Wie aus dem Nichts.

Kaum hat sich Maria von dem Schrecken erholt, mußs sie sich ein gehöriges Donnerwetter anhören, weil die Wohnung wie eine Müllhalde aussieht. Doch geistesgegenwärtig versichert Maria, dass die von der Decke hängenden Zwiebeln, Schallplatten und Möhren lediglich die Überbleibsel einer wilden Party vom Vortag seien. Seufzend macht sich Gerda daran, das Chaos zu beseitigen.

Oben im Kinderzimmer will Makka ihre Freundin trösten: Zwar hätten sie es nicht geschafft, die Hexe zu vertreiben, doch schließlich ginge es ja nur um ihren Bruder. Maria reagiert sauer. Sie wirft Makka vor, mit ihrer vermaledeiten Zauberkugel an allem schuld zu sein. Makka ist verletzt und wehrt sich. Fast sieht es so aus, als würden sich die beiden Mädchen ein für allemal zerstreiten, doch dann wird ihnen klar, dass sie Gerda noch gar nicht überführt haben: Vielleicht ist das Kindermädchen ja überhaupt kein böses Zauberwesen. Vielleicht war alle Aufregung umsonst.

Sie beschließen, die alte Dame mit einem traurigen Lied auf die Probe zu stellen. Hexen können nämlich laut Hexenbuch nicht weinen. Und als Gerda, gerührt von dem herzerwärmenden Gesang, Tränen vergießt, die bis in den Tee tropfen, sind sie erleichtert. Doch ihre Freude währt nur kurz: Sekunden später entdeckt Maria im Gesicht der alten Frau einen langen spitzen Kinderfreßzahn. Jetzt gibt es keinen Zweifel mehr: Das Kindermädchen ist gekommen, um Fröschlein zu holen. Und morgen schon soll der verfluchte Ausflug stattfinden. Als dann auch noch Makkas Zauberkristall durch ein dummes Mißgeschick zerbricht, bevor Maria die Gelegenheit hatte, ihren Wunsch zurückzunehmen, wissen sie wirklich nicht mehr weiter. Die Wunderkugel war ihre letzte Hoffnung.

In der darauffolgenden Nacht kommt Maria nicht zur Ruhe. Sie hat Alpträume. Sie sieht ihren kleinen Bruder in einem Holzkäfig und davor die böse Hexe, grausam lachend. Um halb fünf weckt sie Lillen. Sie bringt das noch schlaftrunkene Fröschlein in den Kindergarten und schärft der Erzieherin ein, keine Fremden hereinzulassen, vor allem keine Hexe. Dann kehrt sie nach Hause zurück und wartet - niedergeschlagen und mutterseelenallein - auf die Ankunft des Kindermädchens. Doch als Gerda wenig später gut gelaunt erscheint, klettert auf einmal Makka aus dem Schrank. Sie will ihre beste Freundin nicht im Stich lassen.

Die alte Frau und die beiden Mädchen spazieren los und setzen mit einem Boot auf eine einsame Insel über, auf der eine riesige, scheinbar verlassene Burg steht. Hier sei sie früher einmal Fremdenführerin gewesen, erzählt Gerda den Kindern. Im Licht einer lodernden Fackel, die unheimliche Schatten wirft, folgen die beiden Freundinnen der Kinderfrau durch das düstere Gemäuer. Gerda führt sie über eine enge Kellertreppe und durch endlose, dunkle Flure. Plötzlich stehen sie in der Burgküche und sehen einen riesigen Kessel, aus dem es schon gefährlich dampft und brodelt. Maria und Makka erstarren vor Entsetzen. Mit letzter Kraft rennen sie los - nur weg. Zurück durch den finsteren Keller und die geheimnisvollen Gänge.

Nach endlosen Minuten haben sie endlich ins Freie gefunden, da dreht sich Maria noch einmal um: Und sie entdeckt ihren kleinen Bruder, der ihr strahlend aus einem Fenster der Burg zuwinkt. Ohne nachzudenken rennt Maria zurück. Sie mußs Fröschlein retten. Hinter ihr Makka. In letzter Sekunde entdecken die Mädchen Gerda und den Jungen in der Küche. Fröschlein scheint die Gefahr nicht zu ahnen. Fröhlich rührt er in dem sprudelnden Suppentopf. Doch Maria reißt ihn fort. Sie fleht Makka an, mit dem Jungen zu fliehen. Sie selber ist bereit, sich für ihren Bruder als Hexenmahlzeit zu opfern.

Aus dem dampfenden Kessel leuchtet die Suppe gefährlich gelb und giftig. Ängstlich beobachtet Maria jede Regung der höhnisch feixenden Hexe. Da erscheint plötzlich ein Koch und schaltet das Licht an. Er begrüßt Gerda. Beide freuen sich über das Wiedersehen und erzählen von der guten alten Zeit, in der die alte Frau als Fremdenführerin in der Burgküche aushelfen durfte. Und dann taucht auch noch die Erzieherin auf, die mit ihrer Kindergartengruppe einen Ausflug in das alte Gemäuer unternommen hatte. Sie ist auf der Suche nach dem Ausreißer Lillen. "Fröschlein kommt in die Suppe", lacht der Junge. Und jetzt ist es wirklich nur ein Spaß.

Als die Kinder abends wieder zu Hause sind, nehmen sie Gerda das Versprechen ab, ihnen zum Abschied noch einmal zu zuwinken. Schließlich haben sie das Kindermädchen nach den Abenteuern der letzten Tage richtig lieb gewonnen. Doch kaum hat die alte Frau das Haus verlassen, ist sie wie vom Erdboden verschluckt. Enttäuscht schauen Makka und Maria auf die menschenleere Straße. Da fegt ein Besen durch die Luft. Mittendrauf sitzt Gerda und wie von Zauberhand werden die Seiten in Makkas Buch bis zu einem Bild umgeblättert, auf dem die gute Hexe den Mädchen freundlich zuwinkt.

Zwei Wochen später hat Maria Geburtstag. Und was bekommt sie geschenkt? Ein eigenes Zimmer. Für Maria ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Und als Fröschlein - temperamentvoll wie immer - auch in ihren neuen Reich erst einmal aufräumt, weiß sie, dass ihr kleiner Bruder zwar eine schreckliche Nervensäge ist, sie ihn aber um nichts in der Welt hergeben möchte.

Dirk Jasper FilmLexikon
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