Produktionsnotizen zu Suck My Dick

Es begann alles durch puren Zufall. Im Juni 2000 lernten sich Oskar Roehler und Werner Koenig auf einer Filmparty kennen und der Regisseur erzählte dem Produzenten und Helkon Vorstand von seinem neuen Drehbuch. Bereits am nächsten Tag, im Flugzeug auf dem Weg von München nach Los Angeles, hatte Koenig Roehlers Script in den Händen, das er noch während des Fluges las. Begeistert von der Provokation, von der eigenwilligen Phantasie des Autors, rief Koenig nach der Landung in L. A. Oskar Roehler an. "Wir werden dieses Projekt noch in diesem Herbst drehen!"



Koenig erkannte das Erfolgspotential von Suck My Dick schon im Anfangsstadium. Kaum fünf Monate später war Drehbeginn. Die Entscheidung für das Projekt Suck My Dick war dennoch mutig und erforderte von der ersten Sekunde an hohes Engagement ? das war auch Werner Koenig sofort klar. Den anstößigen Titel zu behalten, das war ein gewagtes Unterfangen ? vermutet man hinter Suck My Dick doch eher Pornographie als Satire und Intellekt. Das Projekt wurde kurzerhand umgetauft und hieß einige Monate "Dr. Dickhirn" ? nach dem Titel des Romans, den der Filmheld schreibt. Letztendlich aber entschied man sich doch für den treffenderen Titel Suck My Dick (dazu mehr im Interview mit Oskar Roehler).

Werner Koenig hatte mit Oskar Roehler einen Regisseur gefunden, der schon mehrere Low-Budget-Produktionen erfolgreich abgeschlossen hatte, jüngst eindrucksvoll bewiesen mit dem preisgekrönten Film Die Unberührbare. Suck My Dick zu drehen war letztendlich nur möglich, weil man Darsteller gewinnen konnte, die auf einen großen Teil ihrer Gage verzichtet haben: Theater- und Fernsehcharakter Edgar Selge, Filmstar Katja Flint, den Modedesigner Wolfgang Joop und den Rebell Ralf Richter sowie viele befreundete Schauspieler und Stars wie Hannelore Elsner, Vadim Glowna, Dieter Laser, Natalia Wörner, Franziska Walser, Eva Mattes, Zora Holt und Mo Asumang. So sind zum Beispiel auch der ehemalige VOX-Chef Michael Gaißmayer oder auch der amerikanische Regisseur Buddy Giovinazzo in kleinen Rollen zu sehen.

Das Recruiting verlief zum Teil spontan, so wurden Komparsen auch mal auf der Straße angesprochen, Crewmitglieder brachten ihre Bekannten, Freunde und Freundinnen mit etc. Oskar Roehler gelang es, die Leute für ein ungewisses Projekt zu faszinieren und am Schluss ein außergewöhnliches Darsteller-Ensemble zusammenzustellen.

Gedreht wurde an 30 Tagen, vom 24. Oktober bis zum 7. Dezember 2000. Die Vorbereitungen für den Dreh hatten in kürzester Zeit stattgefunden. Nur eineinhalb Monate vor Start war das Team von München nach Berlin gezogen. Von Anfang an arbeiteten alle unter hohem Druck und großer Anspannung. Für Oskar Roehler war Suck My Dick eine Berlin-Story, hier kennt er sich aus, hat viele Freunde und Kontakte in der Szene. Gedreht wurde vor allem im Studio Berlin Adlershof (Studio E) und unter anderem in der Paris Bar, in der Buchhandlung des Kaufhaus DUSSMANN, im Hilton-Hotel, beim FAB (Fernsehen aus Berlin), in den KWB Kabelwerken und in Privatwohnungen ? sowie in den Straßen von Berlin.

Überschattet wurden die Dreharbeiten durch den für alle unfassbaren Tod von Produzent und Helkon Vorstand Werner Koenig. Er starb am 12. November (nach 13 Drehtagen) bei einem Lawinenunglück in den Schweizer Alpen.

Dirk Jasper FilmLexikon
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