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Senator Entertainment stieg als Finanzier mit ein, Intermedia Films als Weltvertrieb. Hanno Huth von Senator und Guy East sowie Nigel Sinclair von Intermedia fungieren als Executive Producer.
Jagger und Pearman begeisterte an dem Roman vor allem, wie raffiniert zwei Geschichten in ihm verwoben sind - die von der Aufdeckung des geheimen Enigma-Codes und die um das Geheimnis einer wunderschönen Frau. "Die Story spielt 1943, in dem Jahr, in dem ich geboren wurde", erklärt Jagger. "Auf Grund des Official Secrets Act erfuhr niemand bis zum Anfang der 70er Jahre von der Arbeit der Codebrecher, sie war eines der letzten Kriegsgeheimnisse. Ich selbst wusste kaum etwas darüber, bis ich das Buch las und fasziniert davon war." Für Jagger bildete Bletchley Park mit seiner bunt zusammengestellten Mischung aus Männern und Frauen, aus Linguisten, Elektroingenieuren, Mathematikern und den Siegern von Kreuzworträtsel-Wettbewerben eine Art Mikrokosmos der britischen Gesellschaft zu jener Zeit. "Es ist eine großartige Kulisse für ein Drama. Der Krieg an sich intensiviert zudem alle Emotionen, daher ist das Buch sowohl eine große Liebesgeschichte als auch ein historischer Krimi."
Außerdem ist er stets sehr stark involviert in Produktion der Live-Tourneen und Dokumentationen der Rolling Stones, was, wie er betont, große Parallelen mit dem Filme produzieren aufweist: ein großes Budget verwalten, eine große Gruppe kreativer Menschen für ein gemeinsames Ziel zusammen bringen und über die Zeit auch zusammen halten, um über einen kurzen Zeitraum sehr intensiv miteinander zu arbeiten. Sicher gäbe es Unterschiede zwischen der Musikindustrie und dem Filmbusiness, sagt er, aber eben auch viele Gemeinsamkeiten: "Man darf das Gesamtbild nie aus den Augen verlieren, während man die Details ausarbeitet. Vor allem aber darf man niemals seine ursprüngliche Idee aufgeben."
Nachdem er die Filmrechte an dem Buch erworben hatte, erfuhr Jagger, dass eine der seltenen Vier-Rad-Enigma-Maschinen der deutschen Kriegsmarine bei Sotheby´s versteigert werden sollte, und kaufte sie. Sie wurde bei den Filmaufnahmen eingesetzt, zusammen mit einer Enigma mit drei Rädern und zwei speziell angefertigten Nachbauten.
Mick Jaggers Partnerin in Los Angeles, Victoria Pearman, war hauptverantwortlich dafür, sowohl den Geist des Romans als auch historische Authentizität zu wahren. Sie stellte sich der aufwändigen Aufgabe, einige der damaligen Codeknacker aufzuspüren, die inzwischen alle weit über 80 waren, und einen von ihnen konnte sie sogar zu einem Cameoauftritt in dem Film überreden. "Eines unserer wichtigsten Anliegen war, im Film der Arbeit der Menschen in Bletchley Park gerecht zu werden und ihren Beitrag zum Gewinn des Krieges ausreichend zu würdigen. Wir wussten, dass Tom Stoppard großen Respekt vor der historischen Authentizität der Geschichte hatte. Wir gewannen Robert Harris als Mitglied des Produktionsteams und informierten ihn stes über den aktuellen Stand des Drehbuchs. Im Laufe des Entwicklungsprozesses wurden Tom und er glücklicherweise sogar echte Freunde. Robert versteht, dass Film ein anderes Medium ist als ein Roman und wir im Film nicht sein gesamtes Material verwenden können."
Apted war begeistert vom geschichtlichen Hintergrund der Story. "In jener Zeit wurde ich geboren, und heute, wo ich in Amerika lebe, fühle ich mich von dieser Phase neuer Geschichte immer stärker angezogen. Es ist ausgesprochen interessant, eine Geschichte quasi auf dem angestammten James-Bond-Territorium zu entwickeln, aber aus einem völlig anderen Blickpunkt zu erzählen - und von real existierenden Helden zu erzählen."
Apted sah seine Herausforderung darin, die richtige Balance zu finden - einerseits die komplizierten Kniffe des Decodierens zu erklären, ohne das Publikum zu langweilen, und es andererseits mit der parallel erzählten Liebesgeschichte zu fesseln: "Stoppards Drehbuch lässt die beiden Geschichten, mehr noch als der ursprüngliche Roman, synchron ablaufen, d.h. dass mit dem Rätsel der Liebesgeschichte auch das Geheimnis der Enigma gelöst ist. Apted findet das Thema der Codes und Chiffren aber auch spannend für die heutige Kinozielgruppe: "Es ist eine Generationensache", sagt er. "Junge Menschen beschäftigen sich damit, beinahe als wollten sie die Älteren dadurch herausfordern, während sich die Älteren meist weigern, sich mit neuen Technologien zu beschäftigen."
Scott kniete sich tief in die Rolle hinein, studierte die entsprechende Geschichtsperiode intensiv, lernte die komplizierten Details des Decodierens und die Funktionsweise einer Enigma-Maschine. "Diese Zeit hat mich unwiderstehlich angezogen, und auch die Rolle gefiel mir, da ich einen solchen Charakter wie Jericho noch nie gespielt hatte. Er ist ein Gehirnmensch, ein Genie, und ich mußste mich sozusagen in seinen Kopf einschleusen, um zu verstehen, wie er funktioniert.
Als Schauspieler sucht man immer nach etwas, das einem helfen kann, eine Person zu verstehen, und hier konnte ich die Enigma und die Codes dazu nutzen. Ich habe mich die gesamten fünf Monate bis zum Drehbeginn damit beschäftigt und kann heute eine Enigma auch bedienen." Er beschreibt die Codeknacker in Bletchley Park als Helden wider Willen: "Was sie leisteten, ist ganz außergewöhnlich. Sie waren nicht tapfer in einem körperlichen Sinne, aber um den deutschen Funkverkehr zu entschlüsseln, haben sie sich selbst bis zur Erschöpfung ausgebeutet. Sie waren der Sache so stark verpflichtet, dass sich einige von ihnen selbst heute, über 50 Jahre später, weigern, genau zu erklären, was sie damals im Krieg gemacht haben. Eine immens große Anzahl von Leuten - am Ende waren es über 12.000 - wurden in diesem kleinen Gebiet, in der Nähe von Milton Keynes, ungefähr 40 Meilen nördlich von London, zusammengezogen, also schufen sie sich ihre eigene soziale Umgebung, um den Krieg erträglich zu machen, gründeten Gesellschaftsclubs, Musik- und Sportvereine."
Scott reizte es, einen Mann zu spielen, der stets am Rande eines nervösen Zusammenbruchs steht, und um dies auch körperlich spüren zu lassen, nahm er für die Rolle an Gewicht ab. Für Mick Jagger als Produzent ist er voll des Lobes. "Er kaufte die Rechte und war entschlossen, den Stoff auch auf die Leinwand zu bringen. Bevor die Filmaufnahmen losgingen, nahm er allen Schauspielern eine Auswahl von Musik aus jener Zeit auf, um uns in die richtige Stimmung zu versetzen. Er kennt sich enorm gut aus mit dem historischen Hintergrund und ist ein echter Enthusiast."
Jagger war begeistert von ihrer Arbeit. "Sie interpretiert Stoppards Script einfach wunderbar: Hester ist eine intelligente Frau, die sich unterfordert fühlt." Apted erklärt: "Die Figur von Hester darf sich am Anfang nicht ins Geschehen drängeln, mußs aus dramaturgischem Effekt notgedrungen ein wenig unauffällig bleiben. Aber ihrer Schönheit, ihrem Charme und Sex-Appeal kann man sich nicht entziehen. Kate ist ein brillantes Chamäleon. Sie kann sehr verwirrend aber auch durch und durch normal und gewöhnlich erscheinen - und genau Letzteres macht eine Qualität aus, weil sich das Publikum mit Hester identifizieren kann: Sie verwandelt sich vom Durchschnittsmädchen zur Heldin." Er ist sicher, dass sie eine lange und erfolgreiche Karriere führen wird: "Sie trifft ihre Rollenauswahl sehr intelligent."
Kate Winslet gefiel vor allem, dass der Film in Kriegszeiten spielt. "Es ist ein Abenteuerfilm, der in einer sehr sexy Zeit angesiedelt ist: wo junge Menschen dazu bestimmt sind, ganz für den Moment zu leben. In mancher Hinsicht vergleiche ich Hester mit der George aus Enid Blytons Fünf Freunde-Büchern: Sie liebt Abenteuer, sie gibt nicht auf, bis sie ihr Ziel erreicht hat, und am Ende hat sie es geschafft."
Ganz bewusst hat Winslet sich nicht in die Geheimnisse des Decodierens eingearbeitet: "Hester arbeitet in Bletchley Park eher auf der Verwaltungsebene, also würde sie nichts mit diesen Dingen zu tun haben, und ich wollte nichts verstehen, von dem Hester nichts weiß." Um für ihre Rolle zu recherchieren, traf sich Winslet stattdessen mit einer Reihe von Menschen, die damals in Bletchley Park gearbeitet haben. "Die meisten von ihnen liebten ihre Arbeit, manche haben dort sogar ihre Partner kennen gelernt und geheiratet. Unglaublicherweise waren sich die meisten über die Wichtigkeit ihrer Arbeit damals gar nicht bewusst und begriffen sie auf Grund der Geheimhaltung auf dem Gelände erst viel später. Hester und Claire arbeiten zum Beispiel in verschiedenen Baracken, so dass sie nicht genau wissen, was die andere eigentlich macht."
Um sicher zu gehen, dass auch die Szenen, in denen an den Codes getüftelt wird, die Zuschauer mitreißen, achtete Apted darauf, dass die Schauspieler ebenso bunt zusammengestellt und ungewöhnliche Typen waren wie die echten Menschen, die damals daran arbeiteten. Damit bezieht er sich auf eine Bemerkung Winston Churchills, der nach einem Besuch in Bletchley eine Rede vor den versammelten Codeknackern hielt, die er allesamt für schlecht gekleidete und unhöfliche Exzentriker hielt. Er habe den verantwortlichen für Bletchley zwar gesagt, sie wollten unter jedem Stein nach passenden Mitarbeitern suchen, erklärte er, aber er habe nicht geglaubt, dass sie ihn so wörtlich nehmen würden ...
Bletchley Park selbst stand der Produktion nicht als Location zur Verfügung. Koproduzent David Brown erklärt, warum: "Obwohl Bletchley Park inzwischen unter Denkmalschutz steht und als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich ist, sind um das Gelände herum eine Menge moderner Gebäude entstanden, und die Baracken sind sehr heruntergekommen." Als Außenansicht von Bletchley Park doubelte man daher Chicheley Hall, ein wunderschönes, großes Anwesen nördlich von London, um das man Baracken aufstellte, wie sie damals den Tausenden, die 1943 auf dem Gelände arbeiteten, als Behausung dienten.
Szenenbildner John Beard und sein Team bauten u.a. sechs große Computer für den "bomb room" nach, die sie nach Ende der Dreharbeiten Bletchley als Ausstellungsstücke schenkten. Als er Hintergrundmaterial für seinen Roman zusammentrug, hatte Robert Harris den ehemaligen MI5-Mitarbeiter Tony Sale kennen gelernt, der die Kampagne gegründet hatte, Bletchley Park 1991 davor bewahrte, abgerissen zu werden. Auch Tom Stoppard holte sich beim Schreiben des Drehbuchs Ratschläge bei Sale, der schließlich von der Produktion als technischer Berater mit an Bord geholt wurde. "Zu wissen, dass stets jemand über deine Schulter schaut, der sich mit der Sache auskennt, war eine immense Erleichterung der Dreharbeiten."
Nicht zuletzt genoss Apted die Vorteile, die die Produzenten Mick Jagger und Lorne Michaels mitbrachten: "Beide sind im Showbusiness unheimlich erfolgreich, künstlerisch wie auch finanziell. Beide haben ein sicheres Gespür dafür, was die Menschen sehen wollen, ihr Feedback ist daher sehr hilfreich."
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| © Fotos: Senator © 1994 - 2009 Dirk Jasper |