Produktionsnotizen zu Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt

Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt zeigt uns eine neue Art der Zeichentrickkunst. Walt Disney Pictures und das Trio jener Filmemacher, das uns bereits Zeichentrick-Meisterwerke wie "Die Schöne und das Biest" (1991) und Der Glöckner von Notre Dame beschert hat - Produzent Don Hahn und die Regisseure Kirk Wise und Gary Trousdale - nehmen die Kinozuschauer in ihrem jüngsten animierten Abenteuer Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt mit auf eine fantastische Tauchfahrt. Seine kühne visuelle Interpretation und die atemberaubende, leinwandfüllende Animation macht Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt zu einer aufregenden und fantasievollen filmischen Reise an einen faszinierenden, mystischen Ort.



Die ausdrucksvolle Animation der Charaktere, die Mischung aus hochentwickelten digitalen und handgezeichneten Spezialeffekten und eine rasante, temporeiche Story tun ihr übriges, um aus Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt ein einzigartiges Erlebnis zu machen. Die mitreißende Musik des berühmten Komponisten James Newton Howard unterstreicht die Palette der Gefühle und dramatischen Ereignisse, die sich auf der Leinwand abspielen.

In Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt wird ein unerfahrener junger Abenteurer zur Schlüsselfigur bei der Entdeckung eines jahrhundertealten Geheimnisses, als er sich einer Gruppe draufgängerischer Entdecker anschließt, um das legendäre verlorene Königreich zu suchen. Im Zentrum von Disneys ambitioniertem jüngstem Zeichentrickfilm steht der naive, aber entschlossene Kartograph und Linguist Milo Thatch, der davon träumt eine Suche zu beenden, die sein verstorbener Großvater, ein berühmter Entdecker, Jahre zuvor aufgenommen hatte.

Nachdem ein lange verschollenes Tagebuch mit neuen Hinweisen auf den Ort des versunkenen Reiches aufgetaucht ist und ein exzentrischer Milliardär sich bereit erklärt, eine Expedition zu finanzieren, gibt es kein Zurück mehr: Milo führt Commander Rourke und sein Team zu dem schwer zugänglichen Königreich unter dem Meer - doch was sie dort vorfinden, hätten sie in ihren kühnsten Träumen nicht erwartet. Und ihre Ankunft in Atlantis setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die nur Milo wieder stoppen kann.

In enger Zusammenarbeit mit dem Autor Tab Murphy, der schon das Skript des Disney-Blockbusters Tarzan geschrieben hatte, und einem Team von talentierten Story-Autoren unter der Leitung von John Sanford, begannen Hahn, Trousdale und Wise, in einem langen Storyboard-Prozess Handlungselemente und Figuren aus ihren Ideen zu entwickeln. Kevin Harkey, Chris Ure, Todd Kurosawa, Kelly Wightman und Dean DeBlois vervollständigten das Story-Team und brachten ihre Visionen in den Prozess ein. Auch David Reynolds fügte zusätzliches Material zum Drehbuch hinzu.

Von Anfang an hatten die Regisseure ein klares Konzept vor Augen, wie der Film aussehen sollte. Wise und Trousdale, beide erklärte Fans des populären Comiczeichners Mike Mignola, zu dessen Werken "Hellboy" und "Bram Stoker's Dracula", die Comic-Adaption des Films von Francis Ford Coppola, zählen, stellten ein mutiges Team zusammen, um das Design und den Stil für Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt zu entwickeln. Nachdem sie den Art Director Dave Goetz engagiert hatten, der zuvor bereits mit ihnen an Der Glöckner von Notre Dame gearbeitet hatte, holten sie auch Mignola ins Boot, dessen flacher, grafischer und schichtweise angeordneter Zeichenstil das Design der Produktion maßgeblich beeinflusste.

Das Ergebnis dieser Mischung aus dem klassischen Disney-Look und Mike Mignolas Handschrift - ein Stil, der schnell "Disnola" getauft wurde - gab dem Film einen verwegenen, expressiven Look, der sich von allen anderen Zeichentrickfilmen des Studios abhob. Mignola selbst half, das Königreich Atlantis zu gestalten, und er stellte es als notleidendes tropisches Paradies mit südost-asiatischer Anmutung dar. Sein Stil betimmte letztlich den ganzen Film vom Look der Figuren bis hin zur Gestaltung der Hintergründe. Durch die zeitliche Ansiedlung der Geschichte im Jahr 1914 war es dem künstlerischen Team möglich, auch Elemente aus dem Maschinenzeitalter und der Industrialisierung mit dem fantasievollen grafischen Stil Mignolas zu kombinieren.

Um diesen kennzeichnenden Look zu kreieren, wurden Lisa Keene als Leiterin der Hintergundabteilung, der Layout Supervisor Ed Ghertner und der Künstlerische Koordinator Chris Jenkins ins Team geholt. Zu den anderen kreativen Köpfen gehörten der Leiter der Digitalen Produktion Kiran Joshi, der Leiter der Effekte Marlon West, der Clean-Up Supervisor Marshall Toomey, der Scene Planning Supervisor Tom Baker und Color Models Supervisor Karen Comella. Ellen Kenesha schnitt den Film. Eine weitere Schlüsselfigur der Produktion war die Koproduzentin Kendra Haaland.

Um den gewaltigen, ausgedehnten Landschaften und den aufwändigen Schauplätzen des Filmes gerecht zu werden, entschlossen sich die Filmemacher, Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt in CinemaScope zu präsentieren. Dieses leinwandfüllende Widescreen-Format kam bisher nur selten bei einem Animationsfilm zum Einsatz - unter anderem bei Susi und Strolch, "Dornröschen und der Prinz" (1959) und Das grosse Krabbeln. Die Wirkung ist ganz außergewöhnlich.

Eine Widescreen-Präsentation erfordert einen besonderen Zugang zur Bildkomposition und zusätzliche Animationen, um die größere Leinwandfläche zu füllen. "Die CinemaScope-Leinwand ist rund 30 Prozent größer als eine normale Leinwand", erläutert Hahn. "Sie hat eine sehr intensive, berauschende Wirkung auf das Publikum. Action- und Abenteuerfilme sind am besten geeignet, diese Wirkung zu nutzen, und Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt nutzt die Möglichkeiten der breiten Leinwand zu seinem größtmöglichen Vorteil."

Um ein Maximum an Glaubwürdigkeit für die atlantische Zivilisation zu schaffen, baten die Filmemacher den Sprachwissenschaftler Marc Okrand, eine originale, lesbare und artikulierbare Sprache zu entwickeln. Okrand hatte für einige "Star Trek"-Filme vorher bereits Wörter für die vulkanische und die klingonische Sprache kreiert, und für Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt erfand er nun Hunderte von Wörtern, die sich die Sprecher zu eigen machen mußsten. Die atlantische Sprache besteht aus einem Alphabet mit 29 Buchstaben und beruht auf indoeuropäischen Dialekten, folgt aber ihren eigenen grammatikalischen Regeln.

Darüber hinaus wurden für Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt die spektakulärsten animierten Effekte in der Geschichte der Disney-Studios geschaffen, die in einer perfekten Kombination aus traditioneller 2D-Animation und digitaler 3D-Animation verschmolzen. Der Künstlerische Koordinator Chris Jenkins schätzt, dass in 1.850 bis 2.150 Meter Film irgendeine Form der Spezialeffekte verarbeitet wurden. Allein in 30 Prozent des Films spielen die digitalen Effekte - 362 an der Zahl - eine wesentliche Rolle. Darüber hinaus kam in mindestens einem halben Dutzend Szenen "Deep Canvas" zum Einsatz, ein spezielles Verfahren, das für Tarzan entwickelt wurde und es auf digitalem Wege ermöglicht, Hintergründe zu erstellen und zu manipulieren, um so dem Bild mehr Tiefe zu verleihen. Unter den dynamischen visuellen Effekten in Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt sind Explosionen, lavaspuckende Vulkane, feuerspeiende Fliegen, glühende Kristalle, Laserstrahlen, atmosphärische Effekte, Flutwellen, Luftblasen und Massenszenen.

Die mitreißende Filmmusik von James Newton Howard unterstreicht die Wirkung dieses atemberaubenden Action-Abenteuers. Regisseur Kirk Wise bemerkt: "Er gibt dem Film Tiefe und wirklich große Gefühle. Er behandelt unseren Zeichentrickfilm wie einen Live-Action-Film, und seine Mitarbeit war von unschätzbarem Wert."

Zusätzlich zum Score des Films nutzte Howard sein musikalisches Talent, um in Zusammenarbeit mit der weltweit gefeierten Songschreiberin Diane Warren (die auch den Text schrieb), den Schluss-Song des Films zu komponieren. Das Stück trägt den Titel "Where the Dream Takes You" und wird von der Sängerin Mya interpretiert.

Ein weiteres Highlight des Films ist eine stattliche Flotte fantasievoller Land- und Seefahrzeuge, die eigens für Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt entworfen wurden. Die Größe und Form dieser Fahrzeuge variiert von dem massiven Leviathan - dem mechanischen Hüter von Atlantis - über die hochentwickelte Ulysses - das rund 300 Meter lange U-Boot der Abenteurer - bis hin zu dem kristallbetriebenen, fliegenden Steinfisch, der den Atlantern als Transportmittel dient. Auch die Fahrzeuge der Entdecker spielen eine wichtige Rolle - zu den dampfbetriebenen Lastwagen und Maschinen aus dem Jahr 1914 gehören das Ausgrabungsgerät von Buddler, der Küchenwagen von Cookie und andere Transportfahrzeuge. Beim Finale des Films kommt sogar das gyroskopische Notfall-Evakuierungs-Luftschiff, kurz Gyrop-Evak, zum Einsatz: Ein aufblasbares, mit Propellern ausgestattetes Luftschiff, das speziell für eine Notfall-Evakuierung gestaltet wurde.

Die Animation von Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt begann im Jahr 1997, als das Produktionsteam sein vorläufiges Maximum von 350 Künstlern, Animatoren und Technikern erreicht hatte. Obwohl der größte Teil der Produktion in Kalifornien stattfand, lieferte Disneys Animationsstudio in Paris mit etlichen Hintergründen, Cleanup-Animationen und Digitaleffekten sowie mit Zeichnungen und Animationen von Helga Sinclair einen wesentlichen Beitrag.

Die Filmemacher versammelten ein Top-Team von Animatoren um sich, um ihr großes Figuren-Ensemble zum Leben zu erwecken. Viele der Leitenden Animatoren (darunter John Pomeroy, Ron Husband, Dave Prukisma, Tony DeRosa, Mike Cedeno und Shawn Keller) arbeiten seit zwei Dekaden für Walt Disney Feature Animation. Unter ihnen waren etliche, die bereits Figuren mit entwickelt hatten (darunter Mike Surrey, Russ Edmunds und Randy Haycock). Wieder andere (zum Beispiel Marie Bardwell und Yoshi Tamura) übernahmen erstmals Leitungsfunktionen bei der Produktion von Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt.

"Wir haben ein fantastisches Team für die Arbeit an diesem Film zusammengestellt", erzählt Hahn stolz. "Viele können auf eine lange Berufserfahrung zurückblicken, an erster Stelle natürlich Gary und Kirk, und das Kernteam hat bereits mit ihnen an "Die Schöne und das Biest" und bei Der Glöckner von Notre Dame gearbeitet. Sie haben hervorragend miteinander kommuniziert und hatten bei der Produktion viel Spaß. Was das kreative Talent angeht, konnten wir in die Vollen greifen - und darüber hinaus haben wir auch noch ein paar neue, großartige Talente entdeckt."

Und sein Chef Thomas Schumacher, Präsident von Walt Disney Feature Animation, gibt zu Protokoll: " Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt gab unserem kreativen Team die großartige Gelegenheit, das Action- und Abenteuer-Genre auf den Zeichentrickfilm zu übertragen. Don, Kirk und Gary haben alle Vorteile des Mediums genutzt, um eine mitreißende Geschichte zu erzählen. Sie sind Meister in dem, was sie tun, und dieser Film reflektiert einen neuen Level ihrer Reife als Geschichtenerzähler und als Filmemacher. Der Film selbst hat einen einzigartigen, noch nie dagewesenen Look und Stil und ein fantastisches Ensemble von Figuren, die das Publikum lieben wird. Jeder scheint eine eigene Vorstellung von Atlantis zu haben, und es hat uns viel Spaß gemacht, etwas über diese Theorie zu lernen und schließlich unsere eigene mythologische Vision zu diesem faszinierenden Thema zu spinnen."

Die Urspünge des Projekts Die Idee für einen Disney-Film über Atlantis geht zurück auf das Jahr 1992, als das Studio begann, ein Projekt über den legendären Mythos zu entwickeln. Aber erst im Herbst des Jahres 1996, nachdem die Arbeit an Der Glöckner von Notre Dame abgeschlossen war, widmeten sich Don Hahn, Kirk Wise und Gary Trousdale ihrem nächsten Projekt. Das Trio begann Ideen zu diskutieren, die auf dem einzigartigen Flair traditioneller Disney-Live-Action-Filme wie "20.000 Meilen unter dem Meer" (1954), "Dschungel der 1000 Gefahren" (1960) oder "Die Abenteuer des Kapitän Grant" (1962) fußten und gleichzeitig zeitgenössischen Abenteuern wie der "Indiana Jones-Serie" Tribut zollten.

"Wir haben uns entschlossen, jenes großartige Genre der Action-Abenteuer wieder zum Leben zu erwecken, das Walt Disney in den fünfziger Jahren berühmt gemacht hatte und das Regisseure wie George Lucas und Steven Spielberg durch Krieg der Sterne und "Jäger des Verlorenen Schatzes" (1981) in den letzten Jahren verjüngt hatten", erklärt Don Hahn. "Wir hatten einen leinwandfüllenden, epischen Film im Sinn - natürlich als Animationsfilm. Es gibt einen gewaltigen Bereich namens Adventureland in den Disneyland-Vergnügungsparks, und wir sagten wir uns: Lasst uns einen Abstecher dorthin machen! Wir sind oft genug die Main Street entlang gelaufen und durch das Schloss ins Fantasyland gelangt - diesmal wollten wir die Abzweigung nehmen, nach links ins Adventureland gehen und dort ein bisschen Spaß haben."

"Wir haben uns sehr viel über coole Entdecker-Stories unterhalten - besonders diejenigen, die unter der Erdoberfläche stattfinden und sich mit verlorenen Welten, unbekannten Zivilisationen und Monstern beschäftigen", erinnert sich Wise. "Schließlich haben wir uns auf ein Team von Entdeckern geeinigt, das die verlorene Zivilisation von Atlantis finden sollte. Als wir mehr zu dem Thema recherchierten, haben wir alles mögliche entdeckt, von der bestdurchdachten wissenschaftlichen Forschungstheorie bis hin zu den seltsamsten, abgefahrensten Mutmaßungen, die man sich vorstellen kann. Wir haben bemerkt, dass man eine höchst unterhaltsame, auf historischen Wurzeln basierende Geschichte konstuieren kann, wenn man ein bisschen Wissenschaft mit einer Menge verrückter Fantasie vermischt."

Um sich auf die Produktion vorzubereiten, unternahmen Hahn, Trousdale, Wise, Art Director Dave Goetz und die Künstlerischen Leiter mehrere Recherche-Reisen. Sie besuchten zahlreiche Museen, um die Kleidung und Maschinen der Ära des Ersten Weltkriegs zu studieren. Sie bestiegen U-Boote im Hafen von Baltimore. Im U.S. Army Ordnance Museum in Maryland schauten sie sich alte Panzer und die weltweit größte Sammlung gepanzerter Fahrzeuge an. In New Mexico hielten sie in den Carlsbad Caverns und stiegen rund 240 Meter hinab, um sich dort die unterirdischen Pfade anzugucken, die als Inspiration für den Zugang zu Atlantis im Film dienten.

Drei aus einem Holz: Don Hahn, Kirk Wise und Gary Trousdale arbeiten wieder zusammen Erst zweimal haben sie erfolgreich zusammengearbeitet, und schon können Produzent Don Hahn und die Regisseure Gary Trousdale und Kirk Wise auf eine beneidenswerte Erfolgsbilanz zurückblicken. Aber was noch wichtiger ist: Die drei haben Spaß an ihrer gemeinsamen Arbeit. Seit über zehn Jahren arbeitet das Trio zusammen, und in dieser Zeit haben sie nicht nur zwei der beliebtesten Zeichentrickfilme aller Zeiten geschaffen - sie hatten bei der Arbeit auch noch eine gute Zeit.

"Kirk und Gary sind Freunde geworden. Eigentlich sind sie sogar wie Brüder", beschreibt Hahn die Beziehung seiner Regisseure. "Ich arbeite so gern mit ihnen zusammen, weil sie brillante Geschichtenerzähler sind. Das ist es, was sie auszeichnet. Manche Regisseure sind fantastische Illustratoren, andere können hervorragend mit der Kamera umgehen. Aber wenn man das Publikum nicht packe und es in eine gefühlsmäßige Bindung mit den Figuren eines Films versetzen kann, mit den Schauplätzen und der Geschichte, die man erzählen will, dann ist alles für die Katz. Ich denke, dass Kirk und Gary in erster Linie wirklich gut darin sind, uns für eine Geschichte zu begeistern. Es ist ungefähr so, wie wenn man die Schichten einer Zwiebel abpellt. In Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt zum Beispiel entdecken wir das wahre Gesicht der Figuren erst langsam im Laufe des Films. Anfangs wirken sie wie eine Bande hartgesottener Söldner, die auf Entdeckungsreise geschickt werden. Dann finden wir heraus, dass jeder von ihnen eine Vergangenheit hat. Dann bemerken wir, wie wichtig ihre Vergangenheit für sie ist. Und dann erkennen wir, welche Pläne sie für die Zukunft haben."

Trousdale gibt das Kompliment zurück: "Niemand kennt sich in unserem Geschäft so gut aus wie Don. Und zwar auf beiden Seiten - der Produktionsseite und der kreativen Seite. Er kennt die Kunstform des Zeichentrickfilms. Er ist stets unser kreativer Partner und der dritte Mann im Raum, der mit uns zusammen den Film macht. Und außerdem macht es Spaß, ihn um sich zu haben. Er hat einen verschlagenen Sinn für Humor." "Zudem ist Don ein ziemlich guter Coach", ergänzt Wise. "Er hat uns immer ermutigt, es ein bisschen besser zu machen, ein bisschen komischer, ein bisschen dramatischer. Er hat einen exzellenten Instinkt. Er ist definitiv mit Herz und Seele Produzent."

"Ich bin Jiminy Cricket für ihren Pinocchio", bringt Hahn seine Beziehung zu dem Regie-Duo auf den Punkt. "Mein Job als Produzent ist es, ein gutes Team zusammenzustellen und ihr Gewissen zu sein. Ich mag es, bei einer Aufnahme-Session dabei zu sein und zu fragen: Sollten wir nicht mal dies und das versuchen? Oder wie sieht's denn damit aus? In fünfzig Prozent der Fälle widerspicht man mir, aber sie tolerieren stets, dass ihr Gewissen mit ihnen spricht." "Ich glaube, dass Gary und ich so gut zusammenarbeiten liegt daran, dass wir versuchen, bei unserer Arbeit Spaß zu haben und unbeschwert zu bleiben, selbst in den größten Krisen", erläutert Wise seine erfolgreiche Partnerschaft mit Trousdale. "Es hilft ungemein, dass wir beide auf der gleichen Wellenlinie liegen, was Humor und Inszenierung angeht." "Und darüber hinaus brechen wir beide niemals gleichzeitig zusammen", grinst Trousdale. "Wenn ich wegen irgend etwas deprimiert bin, sagt Kirk immer sowas wie: Es ist nicht so schlimm! Das kriegen wir schon wieder hin."

Ein animiertes Ensemble - Die Figuren werden zum Leben erweckt Für Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt wurde das größte Figuren-Ensemble gezeichnet, das jemals für einen Disney-Zeichentrickfilm geschaffen wurde. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, wurde ein Top-Team von Zeichnern unter Vertrag genommen, die den Figuren glaubwürdig und unterhaltsam Leben einhauchen sollten.

Für den zentralen Part von Milo Thatch wandten sich die Regisseure an John Pomeroy, einen Zeichentrick-Veteranen, der zuletzt für Captain John Smith in Pocahontas und die Titelfigur des "Feuervogel", dem Strawinski-Segment aus Fantasia 2000 verantwortlich war.

Pomeroy, der sich in seiner Freizeit dem Schaffen von eindrucksvollen Gemälden militärischer Konflikte und historischer Momente widmet, nutzte die Chance, den draufgängerischen Abenteurer zu zeichnen: "Von dem Moment an, in dem mir Don Hahn die Geschichte erzählte wusste ich, dass ich an diesem Film mitarbeiten wollte", erinnert sich Pomeroy. "Ich konnte mich hervorragend in meine Figur versetzen, weil ich selbst Geschichtsbücher verschlinge. Meine Frau hat mich sogar 'Milo' genannt, weil sie meint, ich sei mit der Figur verschmolzen. Wie Milo tendiere ich dazu, meine Umwelt nicht mehr wahrzunehmen, wenn ich mich auf meine Arbeit konzentriere. Er hat eine sehr liebenswerte Naivität, und er ist jemand, mit dem man sich leicht identifizieren kann. Milo hat wunderbare Ideen und Theorien, aber er wird von der Hierarchie des Museums erdrückt. Er ist ein Underdog, und das hat ihn mir so sympathisch gemacht. Als Figur spannt er einen großen Bogen, und wir sind Zeuge, wie er sich physisch, spirituell und mental verändert. Ich liebe es, wenn ich sehe wie Milo über seine Gefährten siegt. Es ist sehr capraesk."

"Es war fantastisch, mit Michael J. Fox zu arbeiten", schwärmt Pomeroy über den Schauspieler, der in der englischsprachigen Originalfassung Milo Thatch seine Stimme leiht. "Er ist ein wahrer Virtuose am Mikrofon, er begreift die Situationen auf der Leinwand und er kann sie präzise herausarbeiten. Er hat außerdem emotionale Nuancen improvisiert, die wir nicht im Drehbuch hatten und damit seine Figur sehr sympathisch gestaltet. Michael ist darüber hinaus unglaublich komisch und hat Milo seinen eigenen Sinn für Humor mitgegeben. Es war eine reine Freude, mit ihm an diesem Charakter zu arbeiten. In fast 30 Jahren im Animationsgeschäft habe ich keine ähnliche Erfahrung gemacht."

"Die Figur des Milo hat Ecken und Kanten, und das finde ich sehr erfrischend", fährt Pomeroy fort. "Nach der ersten Aufnahmesession mit Michael J. Fox passte alles zusammen - durch die Synchronisation konnte ich mir die Bilder vorstellen. Ich wusste, wie der Mund und die Augen aussehen mußsten. Der Stil von Mignola war sehr herausfordernd und machte Spaß. Ich mußste mir keine Gedanken machen, ob die Anatomie auch korrekt war, solange sie die visuelle Struktur des Films grafisch repräsentierte. Das entspricht in etwa dem flachen grafischen Stil von "Dornröschen und der Prinz."

Für Michael J. Fox war es "eine Ehre", die Rolle von Milo Thatch zu gestalten. "Es war wirklich cool zu beobachten, wie das Projekt entwickelt wurde", bemerkt er. "Normalerweise weißt du, wie ein Film aussieht, wenn du ihn drehst. Hier bezog ich meine Informationen, worum es bei der Figur gehen sollte, nur aus Bildern. Man arbeitet auf eine ganz besondere Weise miteinander, und das macht mit großen Spaß."

"Was ich mit Milo gemeinsam habe, ist der Sinn für Abenteuer und Rechtschaffenheit", ergänzt Fox. "Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich nicht unterschiedlich verhalten, wenn sie allein oder mit anderen Menschen zusammen sind. Milo ist so jemand. Er ist auf seine Suche konzentriert und glaubt daran, dass er diese Suche aus den richtigen Gründen angetreten ist. Er hat Schwächen, und das weiß er, aber gleichzeitig lässt er sich dadurch in seinen Erwartungen an sich selbst nicht beschränken - er weiß, dass er seinen Herausforderungen gewachsen ist. Er ist jemand, der daran glaubt, dass die Welt mehr zu bieten hat als das, was wir mit bloßem Auge erkennen können und dass da draußen Magie ist. Dieser Optimismus macht ihn zu einer so großartigen Figur, und ich habe in vielen Dingen die gleiche Einstellung. Es ist toll, eine solche Rolle zu spielen.

"Ich habe schon immer die Mythen und Fantasien geliebt, in denen alles möglich ist", schmunzelt Fox. "Außerdem mag ich die Vorstellung, dass es da draußen Dinge gibt, über die wir nichts wissen. Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt repräsentiert jede kindliche Fantasie über Abenteuer, Entdeckung und das Wissen um etwas, von dem die Erwachsenen um dich herum keine Ahnung haben. Die Animatoren von Disney erschaffen Magie und benutzen die höchstentwickelten Computereffekte, um Dinge zu tun, die man auf keine andere Art und Weise tun kann."

Für Commander Rourke war der Zeichentrickveteran Mike Surrey zuständig, der die freche Meerkatze Timon in Der König der Löwen (1994) und das vorlaute Gorillamädchen Terk in Tarzan gestaltet hatte.

"Rourke ist eine so interessante Figur, weil er sehr viel Raffinesse und Sarkasmus hat", erklärt Surrey. "Anfangs war es ziemlich schwer, eine so kantige Figur ohne natürliche Linien im Mignola-Stil zu zeichnen, aber man findet Wege, einen gezeichneten Charakter herauszuarbeiten und ihn nicht nur eindimensional darzustellen."

"Bei der Animation von Rourke habe ich die Szenen am meisten genossen, in denen er ärgerlich wurde", gibt Surrey weiter zu. "Ihm diese Gefühle zu geben und selbst darin einzutauchen war großartig. Es machte mir viel Spaß auszuprobieren, wie wütend und aufbrausend man ihn darstellen konnte, und dabei diese Seite an ihm zu ergründen."

Der Leitende Zeichner Mike Cedeno wurde verpflichtet, den König von Atlantis zum Leben zu erwecken, den weisen, 25.000 Jahre alten Herrscher und Bewahrer des größten Geheimnisses seiner Zivilisation. Als Beschützer seiner Tochter, Prinzessin Kida, und der atlantischen Bewohner wird er durch die Ankunft der Fremdlinge alarmiert und widersteht deren Versuchen, mit ihnen Freundschaft zu schließen.

"Der König ist ein sehr alter Mann, der außerdem noch blind ist", erläutert Cedeno seine Figur. "Die Aufgabe, einen solchen Charakter zu animieren erforderte viel Einfühlungsvermögen, und durch die Arbeit an dem Film bin ich als Zeichner an dieser Aufgabe gewachsen. Seine Bewegungen sind so fein, dass man sich besondere Wege erarbeiten mußs, um seine Emotionen darzustellen. Bei der Recherche für die Figur habe ich viel Zeit beim Blindeninstitut von Los Angeles verbracht und beobachtet, wie diese Menschen ihre Hände gebrauchen und wie sie zuhören."

Randy Haycock, der vorher den Schurken Clayton in Tarzan animiert hatte, war für die Animation von Prinzessin Kida verantwortlich, der weiblichen Hauptfigur des Films. Kida ist schön, mutig und tapfer, und die neugierige junge Frau ist von Milo und seinen Freunden fasziniert. Sie findet sogar heraus, dass die Eindringlinge der Schlüssel sind, um die Vergangenheit von Atlantis zu verstehen.

"Prinzessin Kida ist das emotionale Zentrum des Films", stellt Haycock klar. "Sie bringt Milo dazu, sich in Atlantis zu verlieben, und sie motiviert ihn, die mutigen Schritte zu tun, derer er in der Klimax des Films fähig ist. Als ich mit der Arbeit an dem Film begann, habe ich befürchtet, dass sich alle Figuren nur um die Action und das Abenteuer drehen würden und dass es keine Möglichkeit geben würde, sich ihnen emotional zu nähern. Die Regisseure haben mir erklärt, dass die Charaktere selbst für die Entwicklung des Abenteuers sorgen und dass man sich um sie sorgen würde - sonst wären einem die Ereignisse herzlich egal. Sie haben meine Sorge von Anfang an verstanden."

"Als ich die Figur entwickelt habe, habe ich ein Notizbuch mit etlichen Bemerkungen über sie angelegt", erklärt Haycock. "Ich kann keine Figur gestalten, wenn ich ihre Persönlichkeit nicht kenne. Ich stelle mir immer drei Fragen: Wer ist diese Figur? Woher kommt die Figur? Warum ist die Figur dort, wo sie gerade ist? Diese Fragen helfen mir zu verstehen, was das Ziel einer Figur ist und wie ihre Entwicklung aussieht. Diese Technik habe ich von einigen der besten Disney-Animatoren gelernt, mit denen ich zu tun hatte. In gewisser Weise stehen wir heute auf den Schultern dieser Giganten."

Sein Kollege Shawn Keller hatte die Aufgabe, sowohl den exzentrischen Milliardär Preston B. Whitmore als auch den Koch Cookie, seines Zeichens Herrscher über den Küchenwagen, zu animieren. Keller, seit 22 Jahren Disney-Veteran, genoss die Arbeit an diesen beiden schrägen Vögeln. "Preston Whitmore ist eine Art Howard Hughes", erläutert er. "Er hat eine Menge spaßiger Eigenarten, mit denen man spielen kann, und seine physischen Bewegungen sind sehr ausgedehnt und übertrieben. Und Cookie ist ebenfalls ein sehr physischer Charakter."

Ein weiterer Leitender Zeichner, der gleich für zwei Figuren von Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt engagiert wurde, war Dave Pruiksma. Der talentierte Künstler, zu dessen Repertoire Mrs. Potts aus "Die Schöne und das Biest" und der Sultan aus Aladdin gehören, war für Mrs. Packard, die weltverdrossene Kommunikationsoffizierin, und Fenton Q. Harcourt, Milos schwülstigen Chef im Museum, zuständig. "Packard zu animieren war der Heuler", grinst Pruiksma. "Selbst wenn die Hölle losbricht, wenn alle Alarmsirenen um sie herum ertönen und die Menschen um ihr Leben laufen, bleibt sie ruhig und beendet das Telefongespräch mit ihrer Freundin Madge."

Tony DeRosa, ein 19-jähriger Disney-Zeichner, der zuletzt für eine Figur in der "Feuervogel-Suite" in Fantasia 2000 verantwortlich war, überwachte die Entwicklung von Gaetan Boudelaire, alias Buddler. "Boudelaire lebt in seiner eigenen Welt", sagt DeRosa. "Er hat diese seltsame Leidenschaft für Dreck, und das einzige, das er noch mehr liebt als Dreck sind seine Ausgrabungen. Er trägt diesen wunderbaren Helm mit der fernglasartigen Schutzbrille und allen möglichen Gadgets, die er ausklappen kann: eine Lampe, eine Pinzette und sogar einen Pinsel und eine Kehrichtschaufel. Die größte Herausforderung bei der Animation war es, diese rundliche, dicke Figur dem Mignola-Stil anzupassen. Ich habe seine Umrisse sehr einfach gestaltet, besonders das Gesicht."

Die Figur der Helga Sinclair, Rourkes glatter und schattenhafter Stellvertreterin, wurde unter der Leitung von Yoshi Tamura in Disney's Paris Animation Studios animiert. "Der Mignola-Stil passte grafisch ausgezeichnet zu Helga", erläutert Tamura. "Sie spielte mit ihrer Silhouette, und ihre Schlüsselposen waren für uns sehr wichtig. In meiner Vorstellung war sie jemand wie Veronica Lake oder eine der anderen großen Schauspielerinnen der alten Schwarzweiß-Krimis."

Der Leitende Animator Russ Edmunds, der zuletzt Tarzans liebevolle Mutter Kala gezeichnet hatte, animierte für Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt den sprengstoffliebenden Vincenze "Vinny" Santorini. "Die Zeichnungen von Mike Mignola waren der Startpunkt für das Design von Vinny", erklärt Edmunds. "Er ist sehr stilisiert, seine Augen sind wie Dreiecke, er hat O-Beine und einen gigantischen Schnurrbart. Er benutzt sehr oft seine Hände und seine Augenbrauen, und hat einen sehr trockenen Sinn für Humor."

Ron Husband, ein Zeichner, der seit 26 Jahren für Disney arbeitet und zuletzt den Elch für die "Feuervogel-Suite" in Fantasia 2000 animierte, gestaltete den gütigen Dr. Sweet. "Es war ein Privileg, an der ersten echten afroamerikanischen Figur in einem Disney-Zeichentrickfilm zu arbeiten", sagt Husband. "Als afroamerikanischer Künstler fühle ich mich sehr geehrt, diese Tür mit aufgestoßen zu haben. Ich wollte Sweet als sehr liebenswerten, glaubwürdigen Charakter darstellen."

Anne Marie Bardwell zeichnet bereits seit 27 Jahren und überwachte für diesen Film die Animation von Anna Ramirez, die Chefmechanikerin der Expedition. "Anna spiegelt die komplette Palette der Emotionen wieder", gibt Bardwell zu Protokoll. "In diesem Moment schreit sie jemanden an, im nächsten gibt sie ihm einen Kuss auf die Wange. Eine der Herausforderungen bei ihrer Animation war ihr Haar. Wir wollten es sehr voluminös haben, und es sollte dauernd in Bewegung sein. Das bedeutete, dass wir die inneren Linien ihrer Haare leichter darstellen und sie nicht wie eine Silhouette zeigen konnten. Um dies zu erreichen, mußsten wir mehr Zeichnungen erstellen und den Details mehr Aufmerksamkeit schenken."

"Diese Figur ist so präzise ausdefiniert und vollkommen, dass ich manchmal das Gefühl hatte, ich sei nur ihr Leiter", ergänzt Anne Marie Bardwell. "Sie ist nicht meiner Vorstellung entsprungen, sondern durch mich ans Licht gekommen."

Die Art Direction für ein Abenteuer - Dave Goetz und Mike Mignola entdecken einen neuen Look für einen antiken Ort Die Visualisierung eines so reichhaltig fantasievollen Ortes wie Atlantis stellte die Filmemacher ebenso wie die Künstlerischen Leiter vor eine der herausforderndsten, aber auch befriedigendsten Aufgaben ihrer Karriere. Unter der Anleitung von Dave Goetz, der vorher bereits mit Hahn, Trousdale und Wise an Der Glöckner von Notre Dame gearbeitet hatte, und mit einem Produktionsteam, dem auch der Comiczeichner und Grafiker Mike Mignola angehörte, begann sich ein frischer, originärer Look für das verlorene Königreich zu entwickeln.

"Wir haben mit dem angefangen, von dem wir sicher waren, dass wir es nicht wollten", erläutert Wise. "Wir wollten keine Wassermänner oder Fischmenschen mit Kiemen, die in einer großen Kuppel unter Wasser leben und herumschwimmen. Wir wussten, dass Atlantis die Mutter unserer eigenen Zivilisation sein sollte, und so haben wir in der Architektur vieler antiker Zivilisationen gestöbert, um ein Konzept zu erstellen, wie die von Atlantis hätte aussehen können. Wir haben viele verschiedene Kulturen als Grundlage genommen - ein paar chinesische Einflüsse, ein bisschen Südamerika, ein bisschen Mittlerer Osten und so weiter? Dann haben wir eine visuelle Synthese geschaffen. Wir hatten im Sinn, dass das Publikum Atlantis als einen Ort ansieht, der alle anderen Kulturen beeinflusst."

"Unsere Bemühungen, einen Look für Atlantis zu kreieren sollten sich möglichst weit weg von der üblichen Annahme bewegen, dass es sich um eine Stadt mit griechischen Säulen irgendwo unter Wasser handelt", ergänzt Goetz. "Kirk und Gary hatten klare Vorstellungen davon, was sie wollten. Sie waren fasziniert von dem mutigen grafischen Stil von Mike Mignola. Er spielte mit schwarzen Schatten und Silhouetten, sich überlappenden Oberflächen und Schichten und eckigen Formen bei den Charakteren. Künstlerisch beeinflusst wurden wir auch von Postern aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, weil deren große, schwarze schattige Schablonen gut zu den Designs von Mignola passten. Wir haben den Begriff 'Posterisierung' benutzt, um die dunklen Silhouetten und flachen Farbflächen zu beschreiben, die wir in den Film einarbeiten wollten. Die Kombination von Mignolas Stil und dem, was wir bei Disney normalerweise zeichnen, wurde oft als 'Disnola' bezeichnet."

"Ein weiterer großer Einfluss auf das Design für Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt war der industrielle technologische Look des Jahres 1914", fährt Goetz fort. "Wir hatten Fahrzeuge und Requisiten im Sinn, die das klobige, verbaute Gefühl von eisernen Platten und Nieten vermitteln. Alles sollte nach heutigem Maßstab ein bisschen unbeholfen wirken. Es gibt nichts Aerodynamisches oder im heutigen Sinne Hübsches, das man sich ansehen kann. Und wir sind absichtlich dem viktorianischen Look mit seinen Filigranarbeiten, dem Samt und Messing aus dem Weg gegangen."

"Die Stadt Atlantis selbst entstand aus südostasiatischen und indischen Einflüssen", sagt Goetz. "Sie ist sehr feucht und tropisch und vermittelt die Anmutung eines gefallenen Paradieses. Es gibt viele Steinruinen, die mit Pflanzen und Reben überwuchert sind." Mike Mignola, der seit über 16 Jahren als Comiczeichner und -Autor arbeitet, wurden durch die Erfahrung der engen Zusammenarbeit die Augen geöffnet. "Ich verbringe meine Zeit normalerweise allein und abgeschieden in einem Raum, in dem ich mit niemandem reden mußs. Dann wurde ich in eine Welt gestoßen, in der sich die Menschen dauernd in Meetings treffen, und es war, als sei ich wieder in der High School. Es war aufregend und machte Spaß. Als ich das Studio zum ersten Mal besuchte, war es für mich fast eine surreale Erfahrung. Ich war so aufgeregt, weil diese Leute wussten, wer ich war und mich tatsächlich an ihrem Film mitarbeiten lassen wollten. Ich habe sie gefragt, ob ich am Look der Stadt und der Atlanter arbeiten könne, weil das für mich jungfräuliches Gebiet war. Und sie haben mir meine eigene Nische geschaffen."

"Für mich war es von Anfang an ziemlich klar, wie Atlantis aussehen sollte", fährt Mignola fort. "Es war einfach in meinem Kopf und ich hatte mit ihm viel Freude. Ich hatte die Idee, dass Atlantis ein Berg sei und wir nur die oberste Spitze sehen können. Ich konnte das tun, was ich am liebsten tue: Kleine Puzzlesteine aus allen möglichen Referenzen zusammensetzen und zu einer netten, stimmigen Silhouette verbinden."

"Es war eine fantastische Erfahrung, und das ganze Projekt hat eine traumhafte Qualität bekommen", schließt Mignola. "Es ist überwältigend, die kompletten Animationen zu sehen, die aus meinen Designs hervorgegangen sind. Ich habe keine Ahnung, warum das ausgerechnet mir passiert ist, aber ich bin glücklich, dass es so gekommen ist. Ich denke, dass die Comicfans von der erstaunlichen Grafik des Films begeistert sein werden. Ich kann mich an keinen anderen Film erinnern, der aussieht wie dieser oder der unsere Hardware und die Technologie präsentiert. Allein die U-Boote sind jenseits unserer Vorstellungskraft, und die Ausstattung der Räume hat mir den Atem geraubt."

Lisa Keene, die Künstlerische Leiterin der Hintergründe, und ihr Team hatten die Aufgabe, den Stil Mignolas anzupassen. "Über die Jahre haben wir uns daran gewöhnt, viele Details in unsere Hintergünde einzuarbeiten und zu rendern", bemerkt sie. "In Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt verlangte es der Stil, dass wir uns zurückhalten. Mignolas grafischer Stil erforderte es, dass wir zum Anfang unserer Ausbildung zurückkehrten und die Wichtigkeit der Beleuchtung oder Schattierung neu erkennen, die Formen und Umgebung einer Szene letztlich beschreiben. Auch wenn ein Objekt flach und grafisch gestaltet ist, kann es Tiefe haben, wenn man es im rechten Verhältnis und in einer atmosphärischen Perspektive zeigt. Der Film war für uns eine lehrreiche Erfahrung, und die Herausforderung für das Hintergrund-Team war es, die Umwelt auf simpelste effektivste Art und Weise glaubwürdig und angenehm zu gestalten."

Eine weitere Schlüsselfigur, die den Filmemachern bei der Definition des Looks, nach dem sie suchten, half, war der Künstlerische Koordinator Chris Jenkins. Er war das Bindeglied zwischen der künstlerischen Seite und der Produktionsseite und in dieser Funktion verantwortlich für die Zuteilung der Mittel. Darüber hinaus half er den verschiedenen Abteilungen, ihre Ziele zu erreichen und die besten Resultate für die Leinwand zu schaffen.

" Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt war ein komplizierter Film, weil es sich um so ein großes Action-Abenteuer handelt", erläutert Jenkins. "Wir hatten ein großes Figuren-Ensemble, alle mit ziemlich extravaganten Kostümen und Waffen, eine enorme Anzahl traditioneller und digitaler Effekte, und das ganze sollte auch noch in CinemaScope gedreht werden. Unsere oberste Priorität war es, sicherzustellen, dass die künstlerische Qualität genauso gut wenn nicht sogar besser als bei den Filmen der Vergangenheit war. Wir haben Workbooks benutzt und die Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen so unkompliziert wie möglich gehalten, und das war der Schlüssel zum Erfolg des Filmes."

Für den Künstlerischen Leiter des Layouts, Ed Ghertner, brachte das breite CinemaScope-Format einige interessante Herausforderungen mit sich. "Der Film verlangt durch seine actionorientierte Geschichte nach diesem Format", erklärt er. "Dieses Format gibt uns ein größeres peripheres Blickfeld, also mußsten wir das komplette Sichtfeld ausfüllen. Die Wirkung ist viel emotionaler. Das Format gibt uns mehr Raum, in dem sich die Figuren bewegen können, und das erlaubt uns längere Szenen. Andererseits müssen die Figuren in diesen Szene auch aktiv bleiben, sonst wirken sie uninteressant."

Marshall Toomey, der Künstlerische Leiter der Cleanup-Abteilung, mußste seine Arbeit ebenfalls dem Mignola-Stil und dem CinemaScope-Format anpassen. "Bei diesem Film haben wir wegen der Figuren, der Massenszenen und all der stilistischen Elemente, die das Comic-Design von Mike Mignola vorschrieb, Tonnen von Bleistiften verbraucht", gibt Toomey lächelnd zu Protokoll. "Wir mußsten sicherstellen, dass die Charaktere mit ihrem flachen, kantigen Aussehen in eine dreidimensionale Welt passen. Die Zeichner der Figuren haben uns viel Spielraum gegeben, mit dem wir arbeiten konnten, und es war unser Job, in unseren Reinzeichnungen die emotionale Essenz ihrer Figuren zu erhalten, die sie mit ihren Rohzeichnungen vorgelegt haben. Unsere Abteilung mußste ständig in Kontakt mit den Kollegen der Character Animation bleiben, damit die Qualität der Schauspielerei und der Emotionen erhalten bleibt. Es ist wie eine gute Ehe zwischen unseren beiden Abteilungen. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir die Beschaffenheit der Figuren bei der Produktion des Films erhalten haben. Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt ist definitiv eines meiner Lieblingsprojekte."

Ein Feuerwerk der visuellen Effekte - Die Verschmelzung von 2D- und 3D-Bildern " Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt ist wahrscheinlich der ambitionierteste Effekt-Film, den Disney Feature Animation jemals produziert hat", erklärt Don Hahn. "Gary und Kirk hatten stets vor, ein großes Science-Fiction-Abenteuer zu inszenieren, und dazu gehört, dass der Zuschauer an einen Ort entführt wird, den er nie zuvor gesehen hat. Dieser Film gab uns die Gelegenheit, all die netten Spielsachen zu benutzen, die wir in der Hinterhand hatten, um damit etwas ganz Spezielles zu erschaffen. Wir haben versucht, alle Trümpfe auszuspielen - so wie wir es in der Ballsaal-Sequenz in "Die Schöne und das Biest" oder der Hydra-Szene in Hercules getan haben. Mit Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt wollten wir einen hybriden Film schaffen, bei dem das Publikum nicht sagt: Oh, das sind die großen computeranimierte Szenen."

Kiran Joshi war in seiner Funktion als Computer Graphics Imagery (CGI) Supervisor dafür verantwortlich, die 362 Effekt-Aufnahmen von Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt zu überwachen. Er und sein Team von 22 Modellbauern, Software-Experten und Animatoren von digitalen Figuren und Effekten waren für aufregende Elemente wie den Leviathan, die Steingiganten und die Land- und Seefahrzeuge zuständig. Seine Abteilung arbeitete außerdem eng mit dem Team der visuellen Effekte unter der Leitung von Marlon West zusammen, um die 3D-Effekte mit den traditionellen 2D-Bildern zu verbinden.

" Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt war ein Durchbruch für Disney Feature Animation, weil die digitalen Elemente noch nie zuvor in solcher Perfektion mit den traditionellen, handgezeichneten Elementen verbunden worden waren", erklärt Joshi nicht ohne Stolz. "Es gibt etliche Aufnahmen in dem Film, bei denen digitale Figuren und Effekte nahtlos mit den eher konventionell animierten Effekten vermischt und kombiniert wurden. Statt ein paar augenscheinliche, spektakuläre Digitaleffekte zu schaffen wollten wir unsere Arbeit den ganzen Film über der Story dienlich einsetzen. Wir haben die CGI-Jungs schon früh in die Produktion eingebunden, und dadurch konnten wir konkret planen und uns den Herausforderungen stellen, die die komplexen Figuren und Effekte mit sich brachten. Bei dem Film konnten wir auch die 'Deep Canvas'-Technik nutzen, mit der gezeichnete 3D-Umgebungen gestaltet werden können und die erstmals bei der Produktion von Tarzan zum Einsatz kam. Mit dieser Technik konnten wir etlichen Szenen Bewegung und dynamischen Fluss verleihen."

Zu den kompliziertesten digitalen Elementen des Films zählen die Fahrzeuge, die sich vom gigantischen Leviathan bis hin zu Rourkes Konvoy von sieben Lastwagen und dampfbetriebenen Fahrzeugen bewegen. Die atlantischen Krieger reiten beim Höhepunkt des Films eine Armada fliegender Fische, und die steinernen Giganten erwachen unter der Oberfläche, um ihre Stadt zu beschützen - auch sie wurden per Computeranimation gestaltet.

Mike Merell, der die Leitung bei der digitalen Animation des Leviathan und der Steingiganten übernahm, erklärt: "Man mußs einen enormen Aufwand auf die Details verwenden, wenn man etwas wie den Leviathan erschaffen will. Das knifflige Design und die komplizierten Bewegungsabläufe und Musterungen machten es unmöglich, ihn per Hand zu animieren. Mit dem Computer waren wir in der Lage, ein dreidimensionales Modell zu designen und zu bauen und dann ein bewegungsfähiges Skelett dafür zu erstellen. Die Figur selbst hat mehr als 100 bewegliche Teile, inklusive der animierten Gesichtsausdrücke. Er ist zwar nicht sehr lange auf der Leinwand zu sehen, aber wir haben für ihn von Anfang bis Ende fast vier Jahre gebraucht."

West und sein Team von 30 Zeichnern haben sowohl traditionelle Zeichentechniken als auch ihre Computer benutzt, um Effekte wie Luftblasen, Flutwellen, Seestürme, lavaspuckende Vulkane, feuerspeiende Fliegen, Explosionen, glühende Kristalle, Laserstrahlen, Schmutz, Staub und eine Vielzahl atmosphärischer Effekte zu kreieren.

"Die Abteilung der visuellen Effekte war für alles verantwortlich, was sich bewegt - außer den Figuren selbst", bemerkt West. "Und das bedeutete wirklich alles, vom kleinsten Requisit bis hin zu dem gigantischen U-Boot Ulysses. Eine unserer größten Herausforderungen war es, die Balance der Art Direction zwischen dem comicartigen Stil von Mike Mignola und den Anforderungen, die Effekte realistisch zu gestalten, herzustellen. Das Publikum hat zum Beispiel eine ganz bestimmte Vorstellung von Feuer. Also mußs sich Feuer im Film so verhalten wie in der Realiät. Gleichzeitig wollten wir aber auch Mignolas grafischem Look gerecht werden und große, kühne Flächen benutzen. Das Feuer im Film hat keine inneren Details oder hell leuchtende Ecken. Es sieht umwerfend aus - nur nicht so detailliert und ausgearbeitet wie wir es normalerweise tun."

Die atlantische Sprache Nicht viele Filme können für sich in Anspruch nehmen, dass eine eigene Sprache für sie geschaffen wurde, aber im Falle von Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt geschah genau dies. Um die Glaubwürdigkeit der Zivilisation hervorzuheben, wandten sich die Filmemacher an den Linguisten Marc Okrand, der für die Atlanter eine les- und sprechbare Sprache erfinden sollte. Okrand, der für "Star Trek"-Filme und -Episoden bereits vulkanische Wörter kreiert und die klingonische Sprache geschaffen hatte, nahm die Herausforderung an. Der Designer und Disney-Veteran John Emerson arbeitete mit Okrand und den Filmemachern zusammen - sie schufen ein geschriebenes Alphabet mit zahlreichen interessanten Kritzeleien und Vokalen mit Pünktchen darüber.

"Atlantisch ist ein wichtiges Element des Films und nicht nur Augenwischerei", bemerkt Okrand. "Es ist die Sprache realer Menschen, und das war für mich der Unterschied zu den Kreaturen aus dem Weltraum. Die Filmemacher wollten, dass die atlantische Sprache eine große Rolle im Film spielt. Es sollte nicht der Eindruck erweckt werden, dass diese Leute nur anders sprechen, weil sie woanders leben. Die Sprache selbst ist eine der Figuren. Also haben wir überlegt, wie wir die Sprache einbauen können, wie sie sein und wie sie benutzt werden sollte. Einige unserer Unterhaltungen drehten sich speziell um den Film und den Plot, und andere darum, wie Sprachen und Schriftsysteme generell in einem Film funktionieren. Bei der klingonischen Sprache mußste sich das Tonsystem nicht mit dem einer menschlichen Sprache decken - aber für atlantisch mußste dies der Fall sein."

"Phonetisch gesehen ist atlantisch eine einfache Sprache", fährt Okrand fort. "Aber grammatikalisch unterscheidet es sich sehr stark von englisch. Man kann Dinge tun, die man im Englischen nicht tun kann. Die Anorndung der Wörter ist teilweise völlig anders, teilweise arbeiten die Suffixe völlig anders. Die Verben sind stark abgewandelt. Die geschriebene Form unterscheidet sie sich nochmals von der Sprache. Atlantisch geht hin und her. Man beginnt in der linken oberen Ecke und arbeitet sich nach rechts durch. Am Ende der Zeile geht man - immer noch rechts - nach unten und liest dann in der zweiten Zeile von rechts nach links. Die Buchstaben sind sehr komplex. Es gibt 29 Buchstaben und zehn Zahlen, die unseren Ziffern 0 bis 9 entsprechen. Im Atlantischen gibt es kein 'c', weil man es in der Sprache durch ein 's' oder ein 'k' ersetzen kann. Darüber hinaus haben wir einen einzigen Buchstaben für die 'sh'-, 'th'- und 'ch'-Laute."

Die Tatsache im Hinterkopf, dass Atlantis die Wurzel aller modernen Zivilisationen und - der Grundidee des Films gemäß - in der Nähe von Island liegen sollte, benutzte Okrand indoeuropäisch als Basis bei der Kreation der Sprache.

"Die Menschen, die derzeit in dieser Region leben, sind die Nachkommen einer Gruppe von Menschen, die Anthropologen und Linguisten Indo-Europäer nennen", erläutert Okrand. "Obwohl die Indo-Europäer schon lange nicht mehr existieren, konnte ich eine rekonstruierte Sprache studieren, die sie mutmaßlich gesprochen haben. Das nutzte ich als Grundlage, bevor ich Töne gesucht habe, die für viele Sprachen gelten und wiederum andere, die mit keinem besonderen Idiom in Verbindung gebracht werden. Was die Grammatik angeht, wollte ich etwas erfinden, das sich von englisch unterscheidet. Also haben wir zum Beispiel die Verben ans Ende einer Satzkonstruktion gestellt. Ich habe speziell für die Dialoge des Films Hunderte von Wörtern erfunden und sogar ein atlantisches Wörterbuch entwickelt. Wenn ein Wort keine indo-europäische Basis hatte, habe ich in anderen antiken Sprachen geforscht, um eine Idee zu bekommen. Ich habe kein einziges gebräuchliches Wort übernommen."

Der Sound von Atlantis - Die Toneffekt-Zaubereien von Gary Rydstrom Neben den Abenteuern und der Spannung des Films unterstreicht eine breite Palette von Tönen und Soundeffekten die einzigartige, atemberaubende Atmosphäre von Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt. Der siebenmal mit einem OSCAR® ausgezeichnete Sound Designer und -Mixer Gary Rydstrom - zu dessen Credits für Disney und Pixar die Animationsfilme Hercules, Toy Story, Toy Story 2 und Das grosse Krabbeln zählen - war für diese wichtige Phase der Produktion verantwortlich.

"Die Arbeit an einem Zeichentrickfilm ist schwieriger, als man sich jemals vorstellen kann", bemerkt Rydstrom. "Man mußs jedes kleine Sound-Detail erzeugen, sonst ist der Film nicht glaubwürdig. Der Ton hilft, die Stimmung zu setzen und dem Film Größe und Gewicht zu geben. Und die Größe von Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt ist enorm. Er unterscheidet sich außerdem von jedem anderen Animationsfilm, an dem ich bisher gearbeitet habe, weil er sich wie ein Live-Action-Film verhält, der zufällig gezeichnet worden ist."

"Eine der größten Hürden des Filmes war es, die Balance zwischen der Atmosphäre von 1914 und der außerweltlichen, ätherischen Umgebung von Atlantis zu wahren", fährt er fort. "Das erzeugte nette Kontraste. Ein gutes Beispiel ist der gewaltige Leviathan, der mechanische Hüter des Eingangs zur Stadt, der Elemente einer organischen, lebenden Kreatur mit den mechanischen Tönen einer alten Karre aus dem Jahr 1914 kombiniert. Er macht knirschende, steinige Töne und kann dich dennoch mit kristallener Energie abknallen."

Für das atlantische Ambiente schuf Rydstrom die Töne einer üppigen tropischen Atmosphäre mit dem dauernden Rauschen von Wasserfällen und dem Zischen der Dampfstöße eines naheliegenden Vulkans. Um einigen Szenen zusätzliche exotische Qualität zu verleihen, kreierte er die Geräusche seltsamer Tiere aus der Ferne. "Manchmal haben wir echte Tiergeräusche wie das Quaken der Frösche oder das Kreischen von Affen benutzt und sie langsamer abgespielt. Andere Töne haben wir musikalsich erzeugt, indem wir verschiedene Pfeifen und Flöten geblasen haben. Lava ist im Prinzip rumpelnder Schlamm, also haben wir Druckluft in Schlammpfützen gesprüht, um das Blubbern und Gurgeln zu erzeugen, das wir dafür brauchten."

Die Töne für die vielen Fahrzeuge in dem Film waren eine weitere Herausforderung, der sich Rydstrom stellen mußste. "Alles sollte Baujahr 1914 sein, also haben wir viel Zeit damit verbracht, die Geräusche alter Maschinen zu simulieren. Das große U-Boot hat einen Art mechanischen Herzschlag, der von den konstanten Bewegungen der Kolben herrührt. Wir haben in einem Stahlwerk metallene Schläge aufgenommen und sie in den Rhythmus eines Herzschlages transportiert - aber das war nur eine Art, diesen Effekt zu erzielen. Wir gingen auf Ausstellungen und Kongresse und nahmen die Geräusche alter Autos und Maschinen auf - Model-A-Autos, Zweizylinder-Motoren und merkwürdige Dampfmaschinen - um eine möglichst große Auswahl an Geräuschen für den Fahrzeugkonvoi zu haben."

Rydstrom schlug etliche innovative Pfade ein, um Atlantis eine geradezu ätherische Qualität zu verleihen. Er bat Marc Okrand darum, einige Gesänge in der atlantischen Sprache zu schreiben, um Rohmaterial für die Geräusche in der Kristallkammer zu haben. Ein gemischter Chor nahm die Gesänge auf, und man kann sie während einiger Schlüsselmomente des Films hören. Der Sound und die Tonlagen der Kristalle selbst wurden erzeugt, indem man über die Ränder von Kristallgläsern strich und andere Glas-Harmonien aufnahm.

"Meine Lieblinge in dem Film sind die fliegenden Steinfische", gibt Rydstrom zu. "Wir gestalteten sie als eine Art primitiver Raumschiffe. Die Herausforderung war, einen Ton für sie zu kreieren obwohl sie gar keine beweglichen Teile haben. Ich habe mir überlegt, was man hören mag, wenn man mitten im Nirgendwo an einem zweispurigen Highway steht und ein Auto vorbeikommt. Man kann es schon lange vorher hören, und es macht ein sehr musikalisches Geräusch. Und wenn es wieder in der Ferne verschwindet, ergibt es eine Art nachhallendes Wimmern. Wir waren in der Lage, so einen Ton zu aufzunehmen, ihn zu filtern und ihn höher und tiefer abzuspielen, um die Energie zu illustrieren, die den Fisch antreibt.

Wir haben einen stotternden Ton hinzugefügt, den Steine machen, die aneinanderschlagen. Wir haben das getan, was wir auch für ein Raumschiff in einem Science-Fiction-Film tun, mit dem Unterschied, dass diese Geräusche von Steinen hervorgerufen und von einem Kristall angetrieben werden. Es gibt Momente in diesem Film, in denen eine ganze Armada dieser Fische losfliegt, und die erinnern mich an die Raumjäger in Krieg der Sterne, aber hier handelt es sich um ein völlig anderes Sound-Konzept. Es machte verdammt viel Spaß, den Ton zu kreieren."

Dirk Jasper FilmLexikon
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