Im Bann des Jade Skorpion
Filmkritik von Julia Franke
Szenenfoto

Wie jedes Jahr gelangt der neue Film von Woody Allen, in Venedig vorgestellt, erst mit mehrmonatiger Verspätung in die deutschen Kinos. Im Bann des Jade Skorpion ist eine amüsante Genre-Übung des großen Meisters.



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New York, 1940: Der Versicherungsfahnder C.W. Briggs (Woody Allen) liebt seine Arbeit, aber er hasst inbrünstig seine neue Kollegin Betty Ann Fitzgerald (Helen Hunt). Daher amüsieren sich die versammelten Kollegen köstlich, als ein Hypnotisator die beiden in Trance versetzt: In diesem Zustand befolgen sie nicht nur jeden Befehl des titelgebenden "Jade Skorpions", sondern sind auch noch blind ineinander verliebt. Anschließend erinnern sich beide an nichts.

Doch die Episode ist nicht zu Ende, denn der Hypnotisator hat weiterhin Macht über die beiden ... und bald steht C.W. Briggs zum ersten Mal in seiner Karriere vor einem scheinbar unlösbaren Fall von Schmuckdiebstahl.

Die Geschichte, obwohl amüsant, geht nicht über einen durchschnittlichen Fernseh-Krimi hinaus, vor allem, da die Lösung dem Zuschauer von Anfang an verraten wird. Doch es macht Spaß zu sehen, wie Allen auf zahlreiche Filme aus den dreißiger und vierziger Jahren anspielt: So erinnern die rotzfrechen Dialoge zwischen Briggs und Fitzgerald an die Screwballkomödien von Howard Hawks wie ("Leoparden küsst man nicht") und ("Sein Mädchen für besondere Fälle").

Besonders deutlich sind die Zitate aus dem Schwarze-Serie-Krimi ("Tote schlafen fest"), als Briggs in der Villa, in die eingebrochen wurde, mit der schönen lebenslustigen Tochter des Hauses flirtet, gespielt von Charlize Theron: "Ah, Sie sind also der Privatdetektiv?" - "Nein, ich bin nur Versicherungsfahnder." - "Ich hatte Sie mir größer vorgestellt." - "Nächstes Mal komme ich auf Stelzen." (Bekanntlich ist Woody Allen genau wie Humphrey Bogart, dessen Philip Marlowe in "The Big Sleep" diese Replik entstammt, eher klein gewachsen.)

Allen spielt, wie bereits in seinem letzten Film Schmalspurganoven, nicht den gewohnten intellektuellen Stadtneurotiker. Sein Briggs ist ein überzeugter Junggeselle und knallharter Praktiker und trägt sogar eine andere als die seit Jahrzehnten von Woody Allen gewohnte Brille.

Untermalt von den gewohnten Jazz-Klängen aus jener Zeit, wird Im Bann des Jade Skorpion Freunde von Woody Allen und des klassischen Hollywood-Kinos amüsieren, ist aber kaum geeignet, neue Fans zu schaffen. Kein großer Film, aber ein gelungener Spaß.

"Dieser Artikel erschien am 2. Dezember 2001 "Sonntag" (Freiburg)."

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