Miracle - Ein Engel für Dennis P.

Ausführlicher Inhalt

In seinen Träumen wäre Dennis P. gern ein cooler Rapper, der mit dem Skateboard durch Kopenhagen groovt. Bewundert wegen seiner Stärke und seines Stils. Doch wenn er aufwacht, hat die Wirklichkeit ihn wieder. Dann ist Dennis einfach nur ein ganz normaler zwölfjähriger Junge, der sich mit viel Phantasie und und einer ausgesprochenen Vorliebe für Four-Letter-Words durchs Leben kämpft.


Im Badezimmer schaut er morgens als allererstes nach, ob ihm endlich an den entscheidenden Stellen Haare gewachsen sind. Leider vergebens. Anschließend nervt ihn seine weinerliche Mutter, die auch nach acht Jahren noch nicht über den Tod ihres Mannes hinweg gekommen ist. Dennis würde beim Frühstück gerne über seine Pläne fürs Wochenende sprechen, statt dessen mußs er sich die immergleichen Geschichten über seinen Vater anhören, dessen Karriere als Standarttänzer durch einen einzigen falschen Schritt zerstört wurde. Was für ein Start in den Tag!

Auf dem Weg zur Schule kommt Dennis an einer Kirche vorbei, aus der ihm - wie im Traum - ein Engel im strahlend weißen Anzug zuwinkt. Ein seltsamer Hoffnungsschimmer. Dann steht Mathe auf dem Stundenplan, nicht gerade sein Lieblingsfach. Der widerlich boshafte Lehrer Sandstrøm holt Dennis an die Tafel, um ihn nach allen Regeln der Kunst fertig zu machen. Und das vor den Augen seines heimlichen Schwarms Karen Elise!

Nach dem Unterricht treffen sich Dennis und sein bester Freund Mick in Giorgos Imbissstube. Sie reden über die Mädchen in ihrer Klasse und bald wird klar: Auch Mick ist in Karen Elise verliebt. Der gutmütige Giorgos, der zu allen Gelegenheiten eine passende oder unpassende Lebensweisheit beisteuert, warnt die Jungen: Eine schöne Frau hat schon manche Männerfreundschaft zerstört.

Als Dennis nach Hause kommt, dirigiert seine Mutter in ihrer Tanzschule noch einen ihrer Kurse übers Parkett. Dennis zieht sich ins Wohnzimmer zurück und legt eine alte Rockplatte auf: Dirty Angel. Doch kaum hat er angefangen, zu den ersten Takten seinen Frust abzutanzen, steht plötzlich seine Mutter hinter ihm. Fuchsteufelswild zieht sie den Stecker raus. Ausgerechnet Dirty Angel. Mit bebender Stimme erzählt Mona P. ihrem Sohn von jenem Abend, an dem sein Vater vom rechten Weg des Standarttanzes abgekommen war, angetrunken den Rock n´Roll in sich entdeckte und genau zu dieser Platte wild tanzend vom Dach des Hauses stürzte. Sie nimmt Dennis das Versprechen ab, diese teuflische Musik nie mehr zu spielen.

Auch der nächste Tag endet für Dennis wenig erfreulich: um zur Party seines Klassenkameraden Paul gehen zu können, hatte er seiner Mutter vorgeflunkert, er werde bei Mick übernachten. Wegen der vielen Hausaufgaben für Mathe und so. Doch der Schwindel war aufgeflogen, als ihnen ausgerechnet Micks Mutter im Supermarkt über den Weg lief. Mona P. schäumt und Dennis bekommt für den Rest des Tages Hausarrest. Also hockt er abends allein in seinem Zimmer und zermartert sich das Hirn, ob es seinem Freund Mick im wilden Partygetümmel wohl gelingen wird, Karen Elises Herz zu erobern.

Am nächsten Morgen geht Dennis in die Kirche, in der ihm der Engel erschienen war. Er wendet sich an Gott, weil er jemand braucht, mit dem er über seine Sorgen reden kann. Unter Tränen erzählt er von seinem traurigen Zuhause, von Karen Elise und von seinem Kummer, als einziger Junge in seiner Klasse noch keine Schamhaare zu haben. Und Gott antwortet ihm: er schickt den Engel im weißen Anzug. Umgeben von einem gewaltigen Chor und auf einem Motorrad sitzend. Der Bote Gottes sieht dem toten Vater des Jungen verblüffend ähnlich. Und er bringt gute Nachrichten: Weil der Himmel sich nicht um alles selber kümmern kann, stattet er Dennis mit einer Engel-Lizenz für mittlere Wunder aus. Damit kann der Junge sein Leben so verändern, wie er es erträumt. Eine Bedingung jedoch stellt der himmlische Beistand: Dennis P. darf nie mehr fluchen. Beim ersten Four-Letter-Word heißt es: Game over.

Dennis kann sein Glück kaum fassen. Zu Hause verwandelt er als erstes seinen mickrigen Radiorekorder in eine monströse Stereo-Anlage. Gewissermaßen zu Übungszwecken. Und es funktioniert. Dann wünscht er sich Schamhaare und schon ist das Problem gelöst. Ruckzuck. Überglücklich beschließt er nun, Karen Elise zu einem Ausflug einzuladen. Dumm nur, dass plötzlich Mick auftaucht, und sich den ganzen Tag nicht abschütteln lässt. Aber wofür hat Dennis die Lizenz: Bevor sich die Jungen am Abend trennen, sagt er seinem Freund voraus, dass er in Zukunft nur noch in grauenhaft spießigen Klamotten herumlaufen wird.

Zuhause erwartet ihn seine Mutter, außer sich vor Angst und Migräne. Was hätte draußen nicht alles passieren können: ein Autounfall, wilde Messerstechereien oder gar sexueller Mißbrauch durch einen perversen Pädophilen. Dennis mußs nicht lange überlegen. Energisch schickt er seine Mutter ins Bett und am nächsten Morgen ist sie wie ausgewechselt. Sie will sich Make-Up, neue Garderobe und Dessous kaufen. Zeit, um ihrem Sohn ein Schulbrot zu schmieren, hat sie leider nicht. Dennis ist mit sich zufrieden.

Aber dann passiert dem Jungen mit der Lizenz für mittlere Wunder ein Missgeschick: Im Vertrauen auf seine neuen Kräfte beschimpft er Lehrer Sandstrøm vor der ganzen Klasse als aufgeblasene, sadistische Null. Da rutscht ihm ein Fluch heraus und er hat seine Gabe verwirkt. Entsetzt flieht Dennis auf die Schultoilette. Verzweifelt betet er um eine zweite Chance. Und der Engel, der bereits rauchend in der Nebenkabine auf ihn wartet, hat Erbarmen. Als Sandstrøm auftaucht, um den offensichtlich wahnsinnig gewordenen Jungen zurück zu holen, kann Dennis sein Werk vollenden: Er verwandelt den Lehrer in seinen demütigen Diener, der ihm sogar noch das Toilettenpapier nachträgt. Endlich scheinen alle Sorgen aus der Welt.

Doch die "mittleren Wunder" entwickeln bald schon ein merkwürdiges Eigenleben, so dass Dennis alle Hände voll zu tun hat, nicht den Überblick zu verlieren: Sandstrøm etwa bleibt ihm bis zur Wohnung auf den Fersen, um sich unterwürfig nach seinen weiteren Wünschen zu erkundigen. Und seine Mutter, die sich mittlerweile wie ein wildgewordener Teenager aufführt, findet auch noch Gefallen an dem "niedlichen kleinen Mann".

Dann erscheint Mick. Er möchte mit ihm über den seltsamen Zwischenfall im Unterricht sprechen. Doch Dennis hat jetzt andere Sorgen. Er schiebt seinen Freund schnell ab, zuvor aber wünscht er ihm noch eine satte Abneigung gegen Karen Elise an den Hals. Sicher ist sicher. Nun will Dennis sich endlich um das "Problem Sandstrøm" kümmern, da klingelt es schon wieder. Diesmal steht Karen Elise vor der Tür. Auch sie kommt wegen seiner sonderbaren Mutprobe am Vormittag.

Dennis strahlt. Vielleicht kann er seine Traumfrau ja sogar ohne Zauberei für sich gewinnen. Verlegen gesteht er ihr seine Liebe - und erfährt, dass sie sich wohl doch mehr aus Mick macht. Dem Mädchen kann geholfen werden: wenige Sekunden später ist Karen Elise für Dennis entflammt und stürzt sich voller Verlangen auf ihn. Etwas zu heftig und etwas zu handgreiflich, wie Dennis meint. Und dann platzt auch noch Mick dazwischen, um seinen Freund vor der grauenhaften Karen Elise zu warnen. Im Handumdrehen kommt es zwischen dem erbosten Mick und dem verliebten Mädchen zu einem Streit, bei dem nicht nur die Kopfkissen-Federn durchs Zimmer fliegen. Vollkommen entnervt lässt sich Dennis P. erneut zu einem Fluch hinreißen. Wieder ist die Lizenz verfallen. Und diesmal wohl endgültig.

Dennis P. flieht auf den Dachfirst, wo sein Engel schon auf ihn wartet. Traurig erzählt der Junge ihm, in welchem Schlamassel er inzwischen steckt. Und er bittet um Hilfe, auch wenn das - wie er weiß - gegen die himmlischen Regeln verstößt. Er wendet sich deshalb auch nicht an Gott, sondern an den Freund, der vielleicht einmal sein Vater war. Der Engel ist gerührt und gesteht dem Jungen noch einen letzten Wunsch zu. Dennis mußs nicht lange überlegen. Er wünscht sich, dass seine Wunder rückgängig gemacht werden.

Leicht fällt Dennis die Rückkehr zum normalen Leben nicht: In seinem Zimmer mußs er mitansehen, wie Karen Elise und Mick sich küssen. Anschließend entdeckt er seine Mutter und Sandstrøm im Wandschrank. Die beiden verstehen sich offensichtlich blendend. Dennis ist irritiert. Doch immerhin scheint seine Mutter wieder Spaß am Leben zu haben, während Sandstrøm verspricht, als neuer Freund des Hauses den alten Ärger im Klassenzimmer zu vergessen. Schließlich wächst sich auch Dennis´ haariges Problem ganz von selber aus. Und kaum hat er seinen Triumpf über die Dächer Kopenhagens herausgeschrieen, da trifft er Julie, die mit ihren Eltern gerade ins Nachbarhaus gezogen ist. Julie erkundigt sich nach seinem Namen und will ihn wiedersehen, obwohl er vor lauter Herzklopfen kaum ein Wort herausgebracht hat. Das Leben kann so wundervoll sein.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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