Produktionsnotizen zu Der Herr der Ringe - Die Gefährten

Tolkien Adaptieren - Peter Jackson erweckt die Fantasie zum Leben

"Mich interessieren die Themen Freundschaft und Opferbereitschaft. Dies ist eine Geschichte über Überleben und Mut, über die letzte Klippe, die die Menschheit auf dem Weg zur Zivilisation nehmen mußs."


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Als J.R.R. Tolkien den ersten Band von Der Herr der Ringe veröffentlichte, ließ sich The London Sunday Times zu der Behauptung hinreißen, die Welt könne nunmehr in zwei Arten von Menschen aufgeteilt werden: "Die, die Der Herr der Ringe gelesen haben, und die, die es noch tun werden." Die Buchwelt wurde förmlich im Sturm erobert. Vor Tolkien hatte es kein Schriftsteller der Gegenwart gewagt, ein Epos zu erdenken, dessen Ausmaße sich mit den klassischen Legenden von Homer und Chaucer messen lässt. Gleichzeitig war die Mär so packend und allgemeingültig, dass sich Leser aller Altersgruppen und Nationalitäten von den Ereignissen in Mittelerde fesseln ließen.

Tolkiens Mittelerde traf einen Nerv, weil sie es dem Leser einerseits gestattete, in eine weit entfernte fantastische Welt einzutauchen. Gleichzeitig streifte der Autor in seiner Erzählung zutiefst menschliche Themen. Beinahe umgehend nach Veröffentlichung bildete sich eine Fangemeinde, die das Buch nicht nur einfach schätzte, sondern verehrte. 1965 erschien die erste Paperback-Fassung in Amerika und entwickelte sich sofort zum Phänomen, zum beispiellosen Bestseller. Spätestens seit den späten 60ern gilt das Buch uneingeschränkt als ein Stück klassische Literatur, als mußs für jede neue Generation, die an die Unendlichkeit menschlicher Vorstellungskraft glaubt. Aber das Buch wurde auch zum Symbol der Gegenkultur, die die vorherrschenden Themen von Umweltbewusstsein und Auflehnung gegen die Kräfte der Korruption und Krieg begeistert aufgriff und für sich reklamierte. Neben Arthur C. Clarkes "2001: A Space Odyssey" wurde die Trilogie zur literarischen Ikone dieser Zeit. Und nicht zuletzt stand Tolkiens Werk Pate für ein neues Unterhaltungsgenre - Fantasy - und öffnete einem neuen lukrativen Markt für Bücher, Videos, Rollenspiele, Computergames, Comichefte und Filme Tür und Tor.

Auch Peter Jackson wurde in seiner Jugend stark von Tolkien beeinflusst. Ein Einfluss, der sich in Filmen wie "Heavenly Creatures" (1994) oder "The Frighteners" (1996) niederschlug, in der Jackson selbst Welten voller Träume, Fantasien und Albträume visuell überzeugend zu Leben erweckte. Nicht von ungefähr war Jackson schon lange überzeugt davon, dass es höchste Zeit sei, Der Herr der Ringe in seiner ganzen Pracht und vollen Länge auf die Leinwand zu bringen. Aber er war sich auch bewusst, dass man sich die ambitionierteste Filmproduktion aller Zeiten auflasten würde, wenn man der literarischen Vorlage gerecht werden wollte. Dennoch ließ ihn der Gedanke nicht mehr los, dass die Möglichkeiten modernster Effekt-Technologien so weit fortgeschritten sein könnten, die Legenden und Landschaften Tolkiens auf Zelluloid wahr werden zu lassen - und seiner brillanten Vorstellungskraft Rechnung zu tragen.

Jackson wartete eine Weile ab, um zu sehen, ob sich ein anderer Filmemacher an das kolossale Unterfangen wagen würde. Als sich nichts tat, fasste er den Entschluss, mit der Leidenschaft eines wahren Fans alles daran zu setzen, Tolkiens modernen Mythos auf die Leinwand zu bringen. Seine eigene ehrgeizige Reise nahm ihren Ausgang, wie er sich erinnert: "Ich hatte nur ein Ziel vor Augen: Ich wollte das Publikum auf eine glaubhafte und überzeugende Weise in die fantastische Welt von Mittelerde befördern. Ich wollte alle großen Momente des Buchs nehmen und die modernsten Technologien einsetzen, um den Zuschauern Abende im Kino zu schenken, die sie niemals wieder vergessen werden."

Von Anfang an war klar, dass die Unternehmung gigantische Ausmaße annehmen würde. Jackson wusste, dass er bis an seine Grenzen und darüber hinaus würde gehen müssen, wenn er sich seinen Traum tatsächlich erfüllen wollte. "Bisher habe ich sieben Jahre meines Lebens in dieses Projekt investiert", merkt er an. "In jedem Aspekt des Unterfangens steckt mein Herzblut. Aber das ist das Mindeste, was wir Tolkien und seinen Fans auf der ganzen Welt schulden. Sie verdienen unseren vollsten Einsatz."

Jackson begann seine persönliche Odyssee, indem er mit Fran Walsh und Philippa Boyens eine Trilogie von Drehbüchern in Angriff nahm. Allein dieser Prozess nahm drei Jahre in Anspruch. Für den ersten Teil, Der Herr der Ringe - Die Gefährten, legten sie ihr besonderes Augenmerk auf Tolkiens lebhafte Beschreibungen von Figuren und Landschaften. Sie wurden von der Hoffnung geleitet, eine visuell wahrhaftige und lebendige Welt zu schaffen, die den Zuschauer förmlich in die Abenteuer hinein ziehen sollte. Es sollte nicht mehr möglich sein, sich dem Reiz und der Spannung der Handlung wieder zu entziehen. Man sollte jeder neuen Wendung regelrecht entgegenfiebern.

"Von Anfang an wollte ich nicht einen typischen Standard-Fantasyfilm machen", berichtet Jackson. "Ich hatte etwas im Sinn, das sich viel, viel echter anfühlen sollte. Tolkien schreibt auf eine Weise, die alles zu wahrem Leben erweckt. Wir wollten dieses realistische Gefühl einer zum Leben erwachten steinalten Welt gleich im ersten Film etablieren, und dann wollten wir uns im Verlauf der Handlung immer weiter steigern. Wir nahmen das Buch ständig als Leitfaden zur Hand, nicht nur beim Verfassen des Drehbuchs, sondern auch während der kompletten Produktion. Bei jeder Szene studierte ich unmittelbar davor noch einmal den entsprechenden Teil des Buches. Und die Schauspieler taten das gleiche. Man fand jedes Mal eine Inspiration, es hat sich immer gelohnt."

Doch Jackson fügt sogleich hinzu: "Aber ich mußs auch sagen, dass es uns immer wichtig war, dass die Menschen, die die Bücher nicht kennen oder noch nie von Hobbits, Zwergen und Elben gehört haben, von den Filmen wenigstens ebenso fasziniert, überrascht und begeistert sein sollten."

Jackson wusste, dass er nicht jede Zeile von Tolkiens epischer Trilogie in Bilder würde fassen können und gewisse Änderungen an dem Roman würde vornehmen müssen. Aber er machte es sich zur Aufgabe, sich jener Emotion zu verpflichten, die er selbst empfunden hatte, als er die Bücher zum ersten Mal las.

Er erklärt: "Wenn sich Fragen ergaben, wie wir weiter vorgehen sollten, schloss ich ganz einfach meine Augen und stellte mir die Figuren in meinem Kopf vor - wie es wohl Millionen Leser vor mir getan haben, um die Bücher als persönliche Filme in ihrem Kopf lebendig werden zu lassen. Auf diese Weise hatte ich immer das Gefühl, dass ich die Figuren und die Szenen bereits kennen würde, bevor wir mit dem Drehen begannen."

Je mehr die Drehbuchautoren von Tolkien lasen, desto mehr Nuancen entdeckten sie in den Figuren, Ländern und Abenteuern. "Je mehr Zeit man in Tolkiens Welt verbringt", sagt Philippa Boyens, "desto komplexer wird sie. Man kann sich frei bedienen, aber weil die Größe des Ganzen so gewaltig ist, mußs man die richtigen Entscheidungen treffen."

Für Jackson kristallisierte sich der Kampf zwischen Gut und Böse, Natur und Maschinen, Freundschaft und den Mächten der Verderbtheit als zentrales Thema heraus.

"All die großen Themen der Trilogie werden in Der Herr der Ringe - Die Gefährten vorgestellt", erklärt der Regisseur. "Am offensichtlichsten ist natürlich der Kampf zwischen Gut und Böse, aber es geht auch darum, wie Freundschaft selbst in einer Zeit des Umsturzes und riesiger Veränderungen überdauert. Diese Themen sollten das Rückgrat unseres Films werden."

"Bei der Adaption von Der Herr der Ringe - Die Gefährten versuchen wir, diesen Themen gerecht zu werden", fährt Jackson fort. "Es ist unmöglich, ein Buch hundertprozentig in einen Film zu übersetzen - zumal es sich in unserem Fall um ein mehr als 1000-seitiges Buch handelt. Also haben wir uns Mühe gegeben, all die Dinge in das Drehbuch einzuarbeiten, die Tolkien selbst am wichtigsten waren, als er das Buch schrieb. Und darauf bauten wir den Film auf."

Für Boyens lag der Schlüssel zur Bearbeitung Tolkiens in der absolut realistischen Behandlung des Schicksals der Figuren und ihrer individuellen Missionen. Sie sollten Figuren aus Fleisch und Blut werden, die auf einer ganz echten Erde leben - allerdings einer Erde vor 7000 Jahren, in der Bäume reden, Elben magische Kräfte haben und Zauberer Machtkämpfe austragen. "Jede einzelne Figur in Tolkiens Vorlage hat eine wunderbar persönliche Geschichte und eine ganz eigene faszinierende Reise vor sich", sagt sie. "Wir betrachteten jede Figur einzeln und versuchten, ihre persönliche Entwicklung in den Vordergrund zu stellen."

Das fertig gestellte Drehbuch überraschte schließlich sogar eingefleischte Tolkien-Fans. "Sie hatten diese Figuren mit einer Wärme und Emotion gezeichnet, dass man sich nicht nur mit den Geschichten, sondern auch den Figuren absolut identifiziert", erinnert sich Produzent Barrie M. Osborne, der mit seinem Science-Fiction-Thriller Matrix selbst filmisches Neuland betreten hatte. "Ich fühlte mich an die "Die Pate"-Saga erinnert, weil es darin ähnlich viele Figuren gibt, zu denen man eine persönliche Bindung herstellt. Manche stürzen, andere werden zu Helden."

In den Tagen der Vorbereitung reifte ein weiterer Entschluss in Peter Jackson: Er wollte alle drei Filme auf einmal drehen - ein Unterfangen, das vor ihm noch nie jemand in der Filmgeschichte gewagt hat. "Um der epischen Natur der Geschichte gerecht zu werden, mußsten wir die Filme als eine große Geschichte erzählen. Es sind drei Filme, die drei ganz unterschiedliche Erlebnisse sein werden, aber erst gemeinsam ergeben sie eine absolut unvergessliche Einheit."

Aus Jacksons Entscheidung ergab sich ein rekordverdächtiger Aufwand an Zeit, Material und Einsatz einer riesigen Crew, um diese Produktion bewältigen zu können. Allein an der Logistik hätten sich andere die Zähne ausgebissen, aber Jackson fühlte sich von der Aufgabe inspiriert: "Als Regisseur ergaben sich für mich aufgrund der gigantischen Ausmaße der Produktion unglaubliche Möglichkeiten, Dinge auszuprobieren, die vor mir noch nie jemand versuchen konnte. Die Vielfalt der Geschichte ist unglaublich. Jeder Teil ist erfüllt von intimem, bewegendem Drama, gewaltigen Schlachten, aufregenden Spezialeffekten, überraschenden Wandlungen im Charakter der Figuren. Alle Emotionen, die man sich vorstellen kann, werden abgedeckt. Für mich war es eine kontinuierliche Herausforderung. Und für das Publikum ist es hoffentlich ein andauernder Quell für Unterhaltung und Freude."

Schließlich gab es nicht wenige, die die Ansicht vertraten, dass Peter Jackson dem Projekt näher stand, als es "menschlich" vernünftig gewesen wäre. "Die Darsteller haben mich oft als Hobbit bezeichnet", gesteht Jackson. "Ich bin mir sicher, sie haben es als Witz gemeint. Aber ganz ehrlich: Das Leben der Hobbits - gutes Essen und ein bequemer Stuhl vor dem Kaminfeuer - entspricht ziemlich genau meinen Vorstellungen von einem guten Leben. Besonders, nachdem ich drei Filme am Stück abgedreht habe."

Die Vielen Kulturen des Ringes - Die Besetzung und die Figuren

" Der Herr der Ringe - Die Gefährten verlangte von unseren Darstellern ein Höchstmaß an Einsatz: Sie mußsten Schwertkampf, Reiten, Kanufahren, die elbische Sprache, Bergsteigen erlernen und gleichzeitig nicht vergessen, dass sie die hypnotische Magie von Tolkiens Figuren auf die Leinwand zu transportieren hatten. Sie haben ihre Aufgabe bravourös gemeistert."

Im Zentrum der Geschichte von Der Herr der Ringe - Die Gefährten stehen neun Arten von Kreaturen bzw. Kulturen, die man in Mittelerde findet: Hobbits, Zwerge, Menschen, Elben, Zauberer, Ents, Orks, Ringgeister und Uruk-Hais.

Jede Kultur hat ihre eigene Lebensform, ihre eigenen Umgangsformen, Mythen, Arten sich zu kleiden und sogar zu kämpfen. In Der Herr der Ringe - Die Gefährten kann man sie allesamt detailliert ausgearbeitet auf der Leinwand erleben. Damit legen die Filmemacher den Grundstein für ein lebendiges, atmendes Universum, das weit über unsere eigene Welt hinausgeht.

Hobbits zum Beispiel sind gemütlich und naturliebend, eine beinahe kinderartige Gemeinde, die von Landwirtschaft lebt. Hobbits sind ein kleinwüchsiges Völkchen mit fellbewachsenen Füßen, die in tief in das hügelige Umland des Auenlandes gegrabenen Erdlöchern hausen und die einfachen Dinge des Lebens schätzen: sie rauchen Pfeife, essen für ihr Leben gern und erzählen sich am liebsten ausführlichste Geschichten.

Elben dagegen sind noble, elegante, magische Wesen, deren Uhr langsam abläuft. Sie sehen dieser Tatsache mit bittersüßer Erkenntnis entgegen und sind sich bewusst, dass sie bald wenig mehr als ein Mythos sein werden.

Zwerge sind kleingewachsen, aber sehr zäh und ausgestattet mit einem starken Sinn für Gerechtigkeit und einer Liebe für alles Schöne.

Zauberer sind ausgesprochen mächtig, können ihre Fähigkeiten aber für gute und böse Dinge einsetzen, je nachdem, wie es um ihre Disposition bestellt ist. Die Menschen in Der Herr der Ringe - Die Gefährten sind eine aufstrebende Spezies, deren Blüte erst noch bevorsteht.

Die weiteren Lebewesen sind noch fantastischer: Da gibt es die mit Blättern bedeckten Ents, die mit aller Macht ihre Kinder, die Bäume, beschützen; die verunstalteten Orks, die für den bösen Zauberer Saruman kämpfen; und die bösartigen, schwarz gewandeten Ringgeister, die sich im Schwebezustand zwischen tot und lebendig befinden und in der grausamen Schattenwelt von Sauron darben.

Um all diese bemerkenswerten Wesen zu Leben erwecken zu können, bedurfte es einer ungemein vielseitigen Besetzung - die außerdem bereit sein mußste, Monate im Herzen von Neuseeland zu verbringen, wo Tolkiens legendäre Trilogie gedreht werden sollte. Es war eine Gruppe von Schauspielern gefragt, die ihre Figuren durch drei Kapitel voll packender Veränderungen begleiten mußsten.

Im ersten Teil, Der Herr der Ringe - Die Gefährten, erhalten die Schauspieler die Gelegenheit, ihre Figuren und deren individuelle Missionen vorzustellen. Im Mittelpunkt der Handlung steht der kleine Frodo Beutlin, ein schüchterner aber aufrichtiger Hobbit, der die schwere Verantwortung auf seine Schultern nimmt, den einen Ring zu zerstören. Trotz der Unterstützung seiner Gefährten ist es Frodo ganz allein, der die Last des Rings auf sich nehmen und seinen ständigen Verlockungen widerstehen mußs. Für diese Rolle wählten die Filmemacher den 20-jährigen Elijah Wood, weil sie von seiner Energie, seiner Ausstrahlung und seiner überzeugenden Glaubwürdigkeit begeistert waren.

"Elijah strahlt eine Aufrichtigkeit aus, die ihn für die Rolle absolut prädestiniert", beobachtet Barrie M. Osborne. "Er hat das Talent, seine Figur durch einen beachtlichen Wandlungsprozess zu schicken, der in Der Herr der Ringe - Die Gefährten seinen Ausgang nimmt."

Wood beschreibt Frodo als "einen sehr neugierigen Abenteurer". Er sagt: "Frodo lebt in einer Zeit, in der die meisten Hobbits am liebsten unter sich bleiben wollen. Aber Frodo ist anders. Er will das heimische Auenland verlassen und den Rest der Welt und all ihre Wunder sehen."

Und genau das macht er in Der Herr der Ringe - Die Gefährten. Wood war überrascht, wie echt (und überhaupt nicht wie eine Fantasyfigur) der Hobbit ihm schon zu Beginn seiner Reise erschien. "Für mich war er lebendig", gibt Wood zu. "Wir drehten den Film so, dass für uns nie ein Zweifel bestand, dass Frodo und all die anderen tatsächlich einmal gelebt hatten. Wenn man mir die Ohren- und Fußprothesen angelegt hatte, wusste ich ganz genau, wie es sein würde, ein Hobbit zu sein. Es klingt bizarr, aber ich hatte immer den Eindruck eine historische Figur zu spielen, als hätte es Hobbits tatsächlich einmal gegeben."

Einer von Frodos engsten Vertrauten bei seiner Aufgabe, den einen Ring zu zerstören, ist der alte und weise Zauberer Gandalf, der in Der Herr der Ringe - Die Gefährten erste Kostproben seiner Macht gibt. Gandalf wird von dem renommierten Film- und Bühnenstar Ian McKellen gespielt, der begeistert war, solch eine magische Rolle übernehmen zu können.

"Für mich ist Gandalf der archetypische Zauberer", erzählt McKellen. "Als er Gandalf erdachte, spielte Tolkien, vermute ich, mit allen möglichen Vorstellungen und Erscheinungsbildern von Zauberern in Geschichten und Märchen. Gandalf ist ein Verwandter von Merlin, aber auch von Prospero. Gleichzeitig ist er eine völlig eigenständige Figur."

"Wenn die Geschichte richtig losgeht und die Reise beginnt und große Dinge auf dem Spiel stehen, trägt er viel Wichtiges zum Bund des Ringes bei", fährt McKellen fort. "Er erweist sich als geborener Krieger."

Frodos Mission, den einen Ring zu zerstören, beginnt mit seinem Onkel, Bilbo Beutlin, ein in die Jahre gekommener Hobbit, der in jüngeren Jahren auf einer langen Reise heldenhafte Taten vollbracht hat, von denen er immer noch zehrt. Bilbo wird von Ian Holm gespielt. Holm sagt, dass "Bilbo mir sehr ähnlich ist. Nach außen ist er ein bisschen ruppig, aber er hat ein Herz aus Gold. Er ist ein kleiner Zeitgenosse, dem immer wieder irgendwelche Dinge zustoßen. Aber wenn es darauf ankommt, dann kann man sich auf ihn verlassen".

Holm ist seit langer Zeit ein Fan des Werks von Tolkien. Die Darstellung einer so bekannten Figur wie Bilbo vergleicht er mit der Interpretation eines anderen legendären Charakters aus der Literatur: "Bilbo zu spielen ist ein bisschen, als würde man Hamlet darstellen. Ich meine damit, das ist meine Version von Bilbo, genau so, wie ich nur meine eigene Version von Hamlet spielen könnte. Er ist eine unsterbliche Figur. Aber als Schauspieler kann man ihn nur so spielen, wie man ihn selbst sieht. Und darauf mußs man vertrauen."

Barrie M. Osborne sagt über die Wahl Holms: "Er holt alle Nuancen aus der Figur heraus. Er trifft die typische Widerborstigkeit der Hobbits ganz genau, aber, und das ist noch viel wichtiger, er offenbart, was hinter der rauen Schale steckt."

Drei Hobbit-Freunde begleiten Frodo auf seiner Reise: Sam, Merry und Pippin, die von Sean Astin, Dominic Monaghan und Billy Boyd gespielt werden. Astin ist als eine der bewegendsten und wichtigsten Figuren der gesamten Trilogie zu sehen, er verkörpert den auf den ersten Blick ganz gewöhnlich wirkenden Samweis Gamdschie, der sich als Frodos treuester und bester Freund erweist.

"Sean Astin ist eine perfekte Wahl für die Rolle, weil er eine gewisse Jovialität aber auch das richtige Verständnis für Sams innere Konflikte mitbringt", sagt Barrie M. Osborne. "Von Vorteil ist natürlich auch, dass er und Elijah Wood tatsächlich sehr gute Freunde sind. Diese Vertrautheit ist perfekt für die Beziehung, die sich zwischen den beiden im Film entwickelt."

Astin fühlte sich von Anfang an dieser Figur nahe, die alle guten Eigenschaften des Hobbitseins auf sich zu vereinen scheint. "Für mich ist er die Personifizierung von Bescheidenheit, Einfachheit, Ehrlichkeit und Loyalität - der ultimative Hobbit", sagt Astin. "Vor allem ist er erfüllt von einer unbesiegbaren Freundschaft mit Frodo, die so stark ist, dass er seinem Freund bereitwillig in ein Abenteuer folgt, dessen Ausgang mehr als ungewiss ist."

Astin sieht Sam auch als einfachen Mann vom Land, als Bauern im besten Sinne. "Wenn ich an ihn denke, dann stelle ich mir eine ländliche Figur vor, einen Bauern, dessen Hände immer irgendwie mit Erde in Kontakt sind", merkt er an. "Er ist nicht das kultivierteste Wesen im Bund des Ringes, aber das macht er mit seiner ernsthaften Entschlossenheit wieder wett."

Dominic Monaghan ist ein junger britischer Darsteller, der sich in Der Herr der Ringe - Die Gefährten erstmals einem großen Publikum vorstellt. Er verkörpert den Witz, die Cleverness und die gut gelaunte Lebensfreude des Hobbits Meriadoc Brandybock, der ebenfalls einer der engsten Freunde Frodos ist. "Wie die meisten Hobbits gewinnt Merry allen Dingen immer positive Seiten ab", meint Monaghan. "Aber nicht einmal er selbst ist sich bewusst, wie mutig er tatsächlich sein kann. Als sie sich zu Beginn der Reise den ersten gefährlichen Situationen stellen müssen, wird er ein wichtiges Mitglied des Bunds des Ringes."

Monaghan fährt fort: "Am Anfang von Der Herr der Ringe - Die Gefährten wollte ich vor allem klarstellen, dass Merry ein ziemlich gewitzter, sarkastischer und lustiger Junge ist, der noch nicht ganz erwachsen ist. Aber zahlreiche unglaubliche Erlebnisse und Abenteuer werden dafür sorgen, dass sich die Figur verändert, reifer und verantwortungsbewusster wird."

Für die Rolle des sehr komischen Hobbits Pippin Tuk wählten die Filmemacher den aufstrebenden schottischen Darsteller Billy Boyd. Der hatte seine Freude daran, dass seine Figur "ein Händchen dafür hat, in Fettnäpfchen zu treten". Aber er zeigte sich auch bewegt von Pippins Wandlung im Verlauf der Odyssee. "Von Anfang an ist für Pippin wichtig, dass sich sein ganzes Leben um Freundschaft dreht", erklärt Boyd. "Seine Freunde im Auenland liebt er mehr als alles andere."

Als Pippin mit seinen Freunden zu der Reise aufbricht, an deren Ende der eine Ring zerstört werden soll, entdeckt er eine Welt, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. "Mit einem Mal werden die Dinge für Pippin sehr ernst und finster. Er stolpert durch Sümpfe und trifft magische Kreaturen, obwohl er doch viel lieber im heimischen Pub mit den Ladys schäkern würde", gibt Boyd zu. "Aber das ist es, was seiner Figur die nötige Dynamik verleiht. Selbst inmitten eines Krieges verliert er nie die schönen Dinge aus den Augen, die das Leben zu bieten hat."

Zum Bund des Rings stößt mit Boromir ein weiterer tapferer Mensch, dem allerdings der nötige Respekt vor der gewaltig zerstörerischen Kraft des einen Ringes fehlt. Boromir wird von Sean Bean gespielt, dem es gefiel, dass seine Figur "ganz menschliche Schwächen in den Bund trägt". Er erklärt: "Boromir ist ehrenhaft und mutig, aber er hat auch eine unumstößliche Meinung zu allen Dingen. Am Anfang sieht er den einen Ring lediglich als Lösung für die Probleme seines Volkes. Aber er mußs feststellen, dass die Dinge nicht ganz so eindeutig sind, speziell als er den Verführungen des Ringes zu erliegen beginnt."

Dann gibt es noch Elrond, den von Hugo Weaving gespielten unsterblichen Halbelben, der über ein großes Wissen über den Ring verfügt. Weaving hatte große Freude daran, solch einen weisen und doch wehmütigen Helden zu spielen. "Elrond ist so weise, so gut, so nobel, und doch verfügt er, man verzeihe mir den Ausdruck, über eine echte Menschlichkeit. Es gibt eine Seite an ihm, die daran verzweifelt, dass sich die Völker in einem ständigen Kriegszustand miteinander befinden. Er versteht, wie schwer es für all die Wesen ist, das Böse in ihrem Leben abzuschütteln."

Der Bund des Ringes wird von einem Elb und einem Zwerg komplettiert: Legolas, dem Schwert kämpfenden Sohn eines Elbenkönigs, gespielt von dem Newcomer Orlando Bloom, und Gimli, dem beherzten Axtkämpfer, der im Bund die Khazad, die Zwerge von Mittelerde vertritt. Er wird von John Rhys-Davies gespielt. Die zahlreichen Schlagabtausche zwischen dem ungestümen Zwerg und dem eleganten Elb sind eine beständige Quelle für befreienden Humor. Orlando Bloom erklärt: "Elben sehen Zwerge als verdreckte Kreaturen, die von der Erde stehlen, ohne im Austausch etwas zurückzugeben. Aber Legolas und Gimli beginnen, Respekt voreinander zu entwickeln und die gegenseitigen Unterschiede mehr und mehr zu schätzen. Sie lernen, sich in Kampfsituationen aufeinander zu verlassen - und miteinander zu lachen."

Rhys-Davis (der im Original auch die Stimme für die komplett Computer generierte Figur des Baumbart beisteuert) gefiel es, dass Der Herr der Ringe - Die Gefährten den Startschuss gibt für etwas, was Kinogänger schon lange nicht mehr erleben durften: ein episches Serienabenteuer. "Ich glaube, dass heute ein gewaltiges Bedürfnis nach Abenteuer und einem dynamischen Leben besteht, das es nur in der Vorstellung geben kann... oder aber in Filmen wie diesem. Tolkien stillt diesen Hunger, denn tief in unseren Herzen können wir uns nichts aufregenderes vorstellen, als Teil einer heroischen Zivilisation aus Elben, Hobbits, Zwergen und den Menschen von Mittelerde zu sein."

Als Gegner des Bundes kristallisiert sich Saruman der Weiße heraus, einst der Anführer des Weißen Rats, der aber mittlerweile längst den finsteren Versuchungen von Saurons Macht nachgegeben hat. Saruman will Frodos Ring und setzt zu diesem Zweck seine Armee speziell dafür gezüchteter Uruk-Hais - groteske, kriegsliebende Kreaturen - ein.

Obwohl er schon viele mythische Figuren gespielt hat, ist Lee noch nie in ein so gewaltiges Projekt wie Der Herr der Ringe - Die Gefährten involviert gewesen. "Hier wurde ein komplettes Universum neu geschaffen", bemerkt er. "Geschichte, Sprachen und Kulturen werden hier vereint, um eine regelrechte Traumlandschaft wahr werden zu lassen."

Saruman lebte zwar bereits vor 7000 mythischen Jahren, dennoch erkennt Lee sein finsteres Spiegelbild überall in der modernen Welt: "So wie ich es sehe, unterscheidet sich das Böse von heute nicht allzu sehr von dem, was wir in Mittelerde erleben. Die Menschen werden immer nach Macht gieren, und Saruman will Saurons Macht. Für mich ist er nicht nur das Sinnbild des Bösen, sondern eine sehr reale Figur."

Eine weitere höchst geheimnisvolle Figur, die in Der Herr der Ringe - Die Gefährten vorgestellt wird, ist Aragorn, ein heroischer menschlicher Krieger, den man nur unter dem Namen Streicher kennt. Viggo Mortensen spielt ihn mit der ihm typischen Intensität. Peter Jackson sagt: "Viggo vereinnahmte die Figur so total, dass es mir schwer fällt, die beiden getrennt voneinander zu betrachten." Und Barrie M. Osborne fügt an: "Er gehört zu der Gattung von Schauspielern, denen bei einer Kampfszene mit einem Schwert ein Zahn ausgeschlagen wird und die dann tatsächlich darum bitten, ihn mit Klebstoff wieder anzukleben, damit man die Szene fertig drehen kann. Er wurde Aragorn - und er spielt die Rolle mit großer Energie und beispielloser Power."

Mortensen fühlte eine starke persönliche Verbindung zu dem Projekt: "Ich bin keltischer und skandinavischer Abstammung, also wurde ich mit den Mythen groß, die Tolkien zu Der Herr der Ringe - Die Gefährten inspirierten. Es ist ein Teil meiner Herkunft." Fasziniert zeigte sich der Schauspieler auch von Aragorns ursprünglicher Art von Heldentum. "Er kann in der Natur überleben, von ihr leben, ihre Zeichen lesen und damit glücklich sein. Er braucht niemanden, mußs sich auf nichts und niemanden verlassen außer auf sein eigenes Wissen und seine eigenen Entdeckungen." Er stellt aber auch fest: "Jetzt mußs er Verantwortung übernehmen, und es ist nicht klar, wohin ihn das führen wird."

Zwei der wichtigen weiblichen Figuren von Der Herr der Ringe - Die Gefährten werden ebenfalls in Der Herr der Ringe - Die Gefährten vorgestellt: die stolze Elbin Arwen, die sich in Aragorn verliebt und von der strahlenden Liv Tyler gespielt wird, und die mächtige Elbenkönigin Galadriel, die von der für einen Oscar nominierten Schauspielerin Cate Blanchett dargestellt wird.

Liv Tyler fühlte sich von Arwen, der unsterblichen Elbenprinzessin, magisch angezogen. "Arwen bringt einen Hauch von Weiblichkeit in diese Mär aus Mittelerde", sagt Liv Tyler. "Während ein Krieg tobt, hat sie sich verliebt und ist damit das Rückgrat und die Motivation für Aragorn geworden, immer weiter zu kämpfen."

Auch Cate Blanchett war von der Stärke ihrer Filmfigur angetan: "Die Darstellung Galadriels war faszinierend, weil sie wie eine Ikone ist und tatsächlich diejenige ist, die Frodo einer Prüfung unterzieht. Außerdem vermittelt sie eine bedeutsame Botschaft über die Wichtigkeit, Verantwortung für sich selbst und seine Aktionen zu übernehmen. Und schließlich mußs ich gestehen, dass ich schon immer spitze Ohren haben wollte."

Das komplette Ensemble mußste sich im Vorfeld der Dreharbeiten in altertümlichen Künsten und Sprachen unterrichten lassen. Dazu zählten zahlreiche Ausbildungen: im Schwertkampf mit Meisterchoreograph Bob Anderson, im Reiten mit Pferdespezialist Dave Johnson und ein Kurs in Elbensprache mit den Dialogtrainern Andrew Jack und Rosin Carty.

Jack und Carty erdachten sich einen eigentümlichen Akzent und präzise Kadenzen für das Elbische, das zum Teil auf dem Keltischen beruhte, aber doch eine ganz eigene Sprache war. Sie gaben den Elbisch sprechenden Darstellern als Hausaufgaben Übungen, in denen sie vor dem Spiegel eigenartige Geräusche und Grimassen machen sollten, um zu lernen, die Gesichtsmuskeln auf eine völlig neuartige Weise einzusetzen. Als Resultat erlernten die Darsteller ihre Akzente beinahe automatisch. Jack und Carty unterrichteten die Schauspieler, als müssten sie eine neue Sprache von Grund auf erlernen und nicht einfach nur die Dialoge des Drehs.

Zusätzlich zum technischen Training war es Voraussetzung, dass jeder Schauspieler körperlich in Topform sein mußste - nicht einfach nur, weil der Bund des Rings Berge besteigt, Ströme durchschreitet und während der gesamten Trilogie heftigen Kampfeshandlungen unterworfen wird, sondern auch, weil der auf 274 Tage veranschlagte Dreh kein Zuckerschlecken sein würde. Dominic Monaghan, der den Hobbit Merry spielt, sagt: "Wir alle begannen unsere Fitnessprogramme lange bevor der Dreh losgehen sollte. Und auch während des Drehs arbeiteten wir ständig mit unseren Trainern. Nicht nur war der Dreh eine wahre körperliche Herausforderung, mit seinen ständigen gewaltigen Sprüngen und großen Schlachten und solchen Sachen - auch die langen Arbeitsstunden verlangten nach körperlicher Ausdauer und Fitness. Jeder, der nicht in Form gewesen wäre, hätte das alles nicht durchstehen können."

Peter Jackson fasst zusammen: "Für mich erwachte das Projekt so richtig zum Leben, als die Besetzung an Bord kam und jeder seine persönliche Interpretation der Figuren mitbrachte. Ihnen ist es zu verdanken, dass Der Herr der Ringe - Die Gefährten realistischer geworden ist, als ich es mir je hätte vorstellen können."

Wie sieht Mittelerde aus? - Die Designs von Der Herr der Ringe - Die Gefährten

"Das größte Erfolgserlebnis war es zu beobachten, wie all diese kleinsten Teile aus Polystyrene, Metall und Holz sich zu einer Welt zusammenfügten, die so real ist, dass man glaubt, die Figuren des Films könnten dort tatsächlich leben. Wir malten mit Tolkiens Palette, so gut wir konnten."

Bis jetzt existierte Tolkiens Mittelerde nur in der Vorstellung der Leser und in wunderbar detaillierten, aber limitierten Illustrationen der Romane. Aber in Der Herr der Ringe - Die Gefährten werden all die magischen Orte - die Hobbitlöcher von Hobbingen, die waldigen Schneisen des Elbenrefugiums in Lorien, das verrauchte Innere des Gasthofs zum Tänzelnden Pony und die miteinander verbundenen Netzwerke von Untergrundhöhlen in den Minen von Moria - zu prachtvollem Leben erweckt.

Eine Richtlinie hatte Peter Jackson für das visuelle Design von Der Herr der Ringe - Die Gefährten: Alles sollte auf bestechende Weise realistisch wirken. Aber wie sollte man eine komplette Fantasie realistisch erschaffen? Jackson wusste, dass die Antwort eine unglaubliche Liebe zum Detail voraussetzte. Also nahm er WETA, Neuseelands innovativste Spezialeffektfirma, unter Vertrag und gab ihr unter der Aufsicht der Leiter Richard Taylor und Tania Rodger einen Auftrag: WETA sollte Mittelerde kreieren, vom Inneren der Hobbitlöcher bis zum Gipfel des Schicksalsbergs, und erst dann mit der Arbeit zufrieden sein, wenn alle Mitarbeiter aus ganzem Herzen daran glaubten, dass Mittelerde vor ihren Augen wirklich existierte.

Taylor ging an die Arbeit, wie ein General einen Krieg vorbereitet. Er setzte eine Crew von 120 Technikern ein und teilte sie in sechs wichtige Abteilungen ein:

WETA Digital, eine gesonderte Abteilung der Firma, übernahm die Herausforderung, mit bahnbrechenden technologischen Mitteln sämtliche computergenerierten Kreaturen und Effekte von Der Herr der Ringe - Die Gefährten (siehe das Kapitel: Spezialeffekte) entstehen zu lassen.

Bevor WETA an die Arbeit gehen konnte, mußsten die Filmemacher zunächst einmal Tolkiens lebhaft geschilderte Beschreibungen in eine dreidimensionale Vision umsetzen. Dazu wandte man sich an zwei Männer, die Tolkiens Universum besser kennen als jeder andere: die Konzeptkünstler Alan Lee und John Howe, die die Harper-Collins-Editionen von Der Herr der Ringe - Die Gefährten illustrierten. Frei von den Restriktionen eines Formats gingen Lee und Howe an die Arbeit und zeichneten wie die Verrückten. Das Resultat waren grundlegende Skizzen von Wesen, Gebäuden und Landschaften, die es ermöglichten, dass Hobbingen, Lorien, Mordor und so weiter in der fertigen Filmfassung so quicklebendig erscheinen.

Lee und Howe ließen sich von ihrer eigenen Begeisterung für Tolkiens Werk inspirieren und produzierten hunderte von lebensechten Zeichnungen, die später als Vorbild für Storyboards, Modelle der zahlreichen Landschaften und Regionen von Mittelerde und bisweilen sogar komplette Sets, die unter der Aufsicht von Ausstatter Grant Major entstanden, dienten. Neben diesen lebensgroßen Sets kamen zahlreiche Miniaturen zum Einsatz - diese Modelle waren derart detailliert und kunstvoll gestaltet, dass man die etwas größeren schließlich liebevoll "Bigaturen" taufte.

"Als Konzeptkünstler geht man durch Tolkiens Welt wie durch ein Minenfeld, aber irgendwie mußs man dem eigenen Urteil und der eigenen Vision vertrauen. Tolkiens Beschreibungen sind so wunderschön und poetisch, und doch lassen sie einem immer noch genügend Raum für eigene Überlegungen und Vorstellungen", meint Alan Lee.

Lee hatte von jeher versucht, seine Illustrationen so echt und real wie möglich erscheinen zu lassen, aber jetzt sahen er und Howe sich vor eine Herausforderung gestellt, die größer als alles war, an dem sie bislang gearbeitet hatten: Ihre Illustrationen mußsten so reichhaltig und genau sein, dass man sie als Vorbild für Miniaturen, Modelle und Sets benutzen konnte. Lee erinnert sich an die magischen Momente, wie Hobbingen aus den zauberhaften Beschreibungen Tolkiens in detaillierte Zeichnungen und später lebensechte Sets umgesetzt wurde: "Wir hatten so viele Skizzen angefertigt und so viele Gespräche geführt und dann den ganzen Herstellungsprozess mitverfolgt. Aber irgendwann stand da vor uns dieser absolut reale Ort, in dem Gras auf den Dächern der Behausungen wuchs und Rauch aus den Kaminen kam. Das war die Erfüllung eines lebenslangen Traums."

Die Miniatur-Abteilung wurde von dem Kameramann Alex Funke angeführt, der für seine Effekte für "Die totale Erinnerung - Total Recall" (1990) einen Oscar erhalten hatte. Funke und sein Team filmten unglaubliche 64 Sets, einige davon die komplexesten, die jemals für einen Film entstanden waren. Unter denen, die man in Der Herr der Ringe - Die Gefährten sieht, sind der königliche Wald von Lothlorien, dessen Baumhäuser durch Hängebrücken verbunden sind und der von magischen Lichtern beleuchtet wird, und das Land der Zwerge, das man als Kahzad-Dum kennt.

Viele der Sets, ob groß oder klein, wurden aus Polystyrene geschnitten, ein Material, das wie Holz, das Tausende von Jahren gealtert ist, aussehen kann. Es kommt zum Beispiel beim Gasthof zum Tänzelnden Pony oder den Steinskulpturen am Eingang von Minas Tirith zum Einsatz. WETA ließ sich einige beeindruckende Innovationen einfallen und setzte eine Polyurethan-Spritzmaschine ein, die man eigentlich dazu verwendet, Gummimäntel auf Ölbohrinseln in der Nordsee zu sprühen.

"Auf diese Weise konnten wir in einer Woche bewältigen, was uns auf traditionelle Weise einen Monat Zeit gekostet hätte", erklärt Richard Taylor. "Mit dieser Maschine konnte man alles formen. Mit ihr konnten wir 100 Helme an einem Tag herstellen. Ohne sie hätten wir all die benötigten Welten nicht entstehen lassen können."

Ausstatter Grant Major überwachte die Entstehung der lebensgroßen Innensets, darunter das feinst ausgearbeitete Elbenkönigtum Bruchtal, die grasigen Hügel von Hobbingen und die endlosen Minen von Moria. Realismus und genaueste Detailarbeit waren auch für seine Arbeit oberstes Gebot, wobei durchaus auch Raum für die eine oder andere fantastische Idee - wie die Erdbauten der Hobbits oder zahlreiche Escher-artige Labyrinthe - war.

Die Sets von Bruchtal sollten beispielsweise die Kultur der Elben reflektieren, die sehr künstlerisch und eng verbunden ist mit Wäldern und Natur. Es ist ein Ort der Heiterkeit und Gelassenheit, in dem wölbende Gehwege sanfte Bäche mit beruhigenden hölzernen Gazebos verbinden. "Blätter ziehen sich als Leitmotiv durch die Sets. Dazu kommen handgeschnitzte Statuen, Pfeiler und Türrahmen. Selbst die Türen stammen direkt aus dem Wald", merkt Major an. "Wir brachten sogar Art-Nouveau-Einflüsse unter, die die elegante Ader der Elben widerspiegeln." Major wollte Bruchtal eine "geheimnisvolle Aura" verleihen, also baute er im Hintergrund 15 Meter hohe Türme, die andeuten sollen, dass es an diesem Ort noch viel zu entdecken gibt, was der Zuschauer nicht zu sehen bekommt.

Viele von Majors Sets wurden in Peter Jacksons Three Foot Six Wellington Studios errichtet. Dort baute man zum Beispiel die Minen von Moria, durch die die Gefährten reisen müssen. Graue Granitwände wurden pausenlos von WETA-Mitarbeitern angesprüht, um den Eindruck von feuchten, juwelenverkrusteten Höhlen zu vermitteln, ein Netzwerk an Kammern, die sich unter dem gesamten Zwergenland Kahzad-Dum erstrecken.

Die eine wichtige Eigenschaft, die Major beim Bau der Sets zu beachten hatte, war Belastbarkeit: "Tausende von Menschen trampelten durch unsere Sets. Manchmal hauten Leute Äxte in den Boden. Also mußsten die Bauten einiges aushalten können. Pro Quadratmeter mußsten sie 269 Kilo tragen können." Major arbeitete Hand in Hand mit WETA Digital, um sicherzustellen, dass man in die Sets in der Postproduktion computergenerierte Bilder einfügen konnte.

Er mußste sogar Gartenarbeit leisten. Um Hobbingen entstehen zu lassen, bepflanzte die große Pflanzenabteilung ein Jahr vor Drehstart 140 Kubikmeter mit Gemüse und Pflanzen. "Wir begannen schon ein Jahr früher, weil die Landschaften so wie auf natürliche Weise gewachsen aussehen", erläutert Major. "Wir haben immer versucht, jedes Set so real wie möglich erscheinen zu lassen."

Jeder, der Hobbingen betrat, fühlte sich an einen anderen Ort versetzt. Ian McKellen sagt: "Hobbingen war eigentlich gar kein Filmset. Es war ein echtes Dorf an der frischen Luft, mit wachsenden Pflanzen und blühenden Blumen, singenden Vögeln, Insekten... Nichts daran war Plastik oder unecht."

WETA geht an die Arbeit - Über Masken, Menschen und große Designs

"Die Beiträge von Richard Taylor, Tania Rodger und ihrem WETA Workshop waren von grundlegender Bedeutung bei der Zusammenstellung des Films. Sie verstanden mein Bestreben, dass jeder Aspekt der Produktion so echt wie nur möglich wirken sollte. WETA hat alle nötigen Sonderanstrengungen unternommen, um jedes noch so kleine Detail hinzukriegen."

Peter Jackson traf im Vorfeld des Drehs von Der Herr der Ringe - Die Gefährten eine weitere ambitionierte Entscheidung: Die Produktion sollte jeden einzelnen Gegenstand in Mittelerde neu herstellen. Das hatte einen durchaus logischen Sinn, da ja nichts in Mittelerde tatsächlich existieren kann. Aber diese simple Idee löste ein logistisches Unterfangen aus, wie es in der Geschichte des Films absolut einmalig ist.

Um eine Vorstellung von der schieren Größe der Mission Mittelerde zu erhalten, hier eine kleine Auflistung:

WETAs Team überwachte die Herstellung all dieser Gegenstände - und das in einer konzertierten Aktion, die dem Mobilisieren einer ganzen Armee gleichkam. WETA-Chef Richard Taylor war der General, der seine Truppen zu unglaublichen Leistungen anfeuerte.

"Ich würde sagen, dass wir uns ziemlich fanatisch auf dieses Projekt gestürzt haben", gibt Taylor zu Protokoll. "Wir wollten dem geschriebenen Wort von Tolkien absolut gerecht werden. Die Leute, die ich anstellte, brachten allesamt eine große Bewunderung und Begeisterung für Tolkien mit zum Projekt und gingen mit einem ganz neuen Ansatz an die Designs heran. Das komplette Design jedes Gegenstands, der in der Trilogie erwähnt wird, wurde wieder und wieder überdacht und überprüft. Die Vorgabe war: Alles mußste echt wirken."

Zusätzlich zu der üblichen Crew, die an Filmen arbeitet, engagierte WETA Eisenschmiede, Lederarbeiter, Skulpteure und Experten in mittelalterlichen Rüstungen. Ein spezieller Latexschaumofen lief 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche auf Hochbetrieb, um Hobbitohren und -füße, Uruk-Hai-Arme und -Beine und andere Prothesen herzustellen.

"Das Maß an Realität der Arbeiten von WETA war so hoch, dass man ein Schwert erst einmal in die Hand nehmen mußste, um festzustellen, ob es echt oder aus Gummi war. So gut sehen ihre Sachen aus", lobt Peter Jackson.

Neben den Waffen und Requisiten mußste WETA noch einige der einfallsreichsten Kreaturen von Mittlelerde überzeugend zum Leben erwecken. Dazu gehören Horden von Orks, von denen keiner dem anderen gleichen durfte. Die Künstler der Firma entwarfen graue, faltige Hautanzüge, die an die Haut von Elefanten erinnern, und schwarze Rüstungen, die auf den Exoskeletten von Insekten basierten. So gelang ihnen der furchterregende, Insekten-treffen-Mittelalter-Look der gnadenlosen Ritter Sarumans.

Jede einzelne der 200 Ork-Masken ist ein Unikat - eine individuell geformte Maske aus Latexschaum und Silikon und bestückt mit Yak-Haaren, die Büschel für Büschel auf unterschiedliche Art angeklebt oder eingeflochten wurden. WETA entwarf auch die blaugefärbten Fußprothesen mit ihren langen geschwungenen Klauen, die aus den kniehohen Stiefeln der Orks hervorragen. Vervollständigt wurde der Look mit diversen Lagen von Dreck aus Mittelerde.

"Ich wollte, dass die Orks wie römische Krieger aussehen", sagt Richard Taylor, "die von ständiger Furcht vor ihren Anführern angetrieben werden."

Ork-Blut gefällig? WETA hält auch dafür das richtige Rezept bereit. Die Company produzierte eine teerartige Flüssigkeit, die man aus Schlachtenwunden strömen ließ. Beim Dreh der Schlachtenszenen gab es tatsächlich Crew-Mitglieder, die ununterbrochen damit beschäftigt waren, die Truppen mit Blut zu beschmieren.

Das Effektteam um Steve Ingram, Richard Cordobes und Blair Foord ließ sich den Spaß nicht entgehen und nahm Einfluss auf das natürliche Umfeld, indem sie mit Feuerwehrschläuchen und Windmaschinen nach Belieben Regen, Schnee, Feuer und Stürme erzeugten, sowie große Mengen von Nebel, Rauch und Dunst, die mit speziellen Flüssigkeiten herbeigezaubert wurden. Außerdem legte das Team falsche Flüsse und Ströme an, die durch die unechten Wälder in den Studiohallen flossen.

Während der gesamten Produktionen gab es für WETA nur eine "Bibel", von der man sich inspirieren ließ: Tolkiens Romane. "Wir fotokopierten entsprechende Passagen aus den Büchern und befestigten sie überall in den Workshops, in denen unsere Leute arbeiteten", erklärt Richard Taylor. "Tolkiens Geist begleitete uns während der ganzen Zeit."

Die Größe jeder einzelnen Figur, von den ein Meter großen Hobbits bis zum gewaltigen Bergtroll, mußste von WETA und der Kostümabteilung ebenfalls in Betracht gezogen werden. Taylor bemerkt: "Wir mußsten fast alles doppelt, in zwei verschiedenen Größen herstellen. Die mathematische Herausforderung allein war gewaltig. Aber nur so konnte man Tolkien und seiner Vorstellungskraft gerecht werden - eine Welt in vielen verschiedenen Größen."

Mittelerde Down Under - Die Locations in Neuseeland

"Neuseeland ist Mittelerde. Dort findet man jede geologische Formation oder geographische Landschaft, die man sich nur vorstellen kann... und einige, die darüber hinausgehen."

Eine Grundvoraussetzung für die Umsetzung von Mittelerde für die Trilogie Der Herr der Ringe - Die Gefährten war ein Drehort, dem man abnehmen würde, dass er so aussieht, wie man sich die Erde vor 7000 Jahren vorstellt. In Neuseeland findet man immer noch ursprüngliche, ungezähmte und unbewohnte Landschaften, die von jeglicher modernen Technologie unberührt sind. "In Neuseeland steckt die Essenz europäischer Landschaften", meint Peter Jackson. "Gleichzeitig haben die Landschaften eine ausgesprochen fantastische Qualität, die sie für Der Herr der Ringe - Die Gefährten regelrecht prädestinieren."

In Neuseeland erlebt man es nicht selten, dass sich wie in Mittelerde im Hintergrund mächtige Bergformationen auftürmen, während sich im Vordergrund dicht mit Gras bewachsene Hügel finden. Peter Jackson und sein Team durchkämmten die zwei Inseln des Landes, um die schönsten und am besten verborgenen Gegenden ausfindig zu machen. Dank der unglaublichen Vielfalt an Landschaften konnten sie sämtliche Locations der Trilogie, z. B. Hobbingen, Bree, Bruchtal, Moria, Rohan, Mordor und Gondor, ausfindig machen. Neuseelands aktive Vulkane erwiesen sich als sehr praktisch, weil man auch ohne große Umstände einen Drehort für den Schicksalsberg fand, in dessen Schmiede Sauron den einen Ring herstellte. In Der Herr der Ringe - Die Gefährten ist er kurz zu sehen; im dritten Teil, "Die Rückkehr des Königs", wird er eine wichtige Rolle spielen. Von den beachtlichen Bergketten in Queenstown zu den Wüsten von Tongarino erstreckten sich die gewählten Locations, in denen Hunderte von Schauspielern und Teammitgliedern an die Arbeit gingen.

"Mittelerde kommt uns vertraut vor, aber als Zuschauer will man nicht richtig wissen, wo dieser Ort ist. Das ist das Tolle an Neuseeland, mit seinen Feldern, die an England erinnern, Bergen, die man für die Schweizer Alpen halten könnte, oder herrlichen, unberührten Seen, wie man sie aus Italien kennt. dass sich dieser eklektische Mix von Drehorten in einem kleinen Land findet, wo es sehr einfach ist, eine große Filmcrew von Punkt A nach Punkt B zu befördern, war natürlich phänomenal", meint der assoziierte Produzent Rick Porris.

Als Jackson und seine Leute zu den Hügeln von Matamata auf der nördlichen Insel kamen, wussten sie, dass sie ihr Hobbingen gefunden hatten. Das Format der kleinen, grasbewachsenen Hügel passte perfekt zu den etwa ein Meter großen Hobbits und ihren Gehöften. Für die Schauspieler war es, als wäre die Fantasie zum Leben erwacht. "Mit echtem Moos, echtem Gras, echten Bäumen und, dank des Designteams, echt aussehenden Gehöften war es, als wäre die ländliche Existenz der Hobbits real. Neuseeland ist wahrhaftig ein magischer Ort. Für mich bedeutete es, dass ich nicht meine Imagination anzapfen mußste, weil Hobbingen echt war und Gandalf sich dort wie zu Hause fühlen konnte", meint Ian McKellen.

Viele der Locations stehen unter Naturschutz und werden vom New Zealand Department of Conservation beschützt. Es versteht sich von selbst, dass die Filmemacher das Land mit allem gebührenden Respekt behandelten. Die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, kamen vor Drehstart sogar zu den Studiohallen, um die Produktion zu segnen.

Natürlich sind nicht alle Landschaften, die es in Der Herr der Ringe - Die Gefährten zu sehen gibt, pures, natürliches Neuseeland. Bisweilen wurde die beeindruckende Szenerie mit Hilfe computergenerierter Spezialeffekte noch vorteilhafter zur Geltung gebracht. "Mit ein bisschen digitalem Zauber waren wir in der Lage, noch ein paar schroffe kleine Berge oder Gebäude, die es niemals gegeben hat, einzufügen. Neuseeland verfügt über beeindruckende Landschaften, und mit ein wenig Hilfe aus dem Computer verwandelten wir sie endgültig in Mittelerde", sagt Peter Jackson.

"Wir hatten eine Crew, die fast komplett aus Kiwis, also Neuseeländern, bestand. Von Seiten der Crew kamen viele innovative Konzepte und Technologien, die den Dreh dieses Mammutprojekts überhaupt erst ermöglichten", erzählt Barrie M. Osborne.

Von Hobbits zu Elben - Die Kostüme und das Make-up

"Bei einem Projekt dieser Größenordnung mußs man Designs präsentieren, die glaubhaft sind. Und bei diesem Film gab es während der 274 Drehtage nicht einen Tag, an dem die Kostüme nicht real aussahen oder sich real anfühlten."

Im Herzen jeder Kultur steckt ihre Kleidung und ihre Erscheinung. Mittelerde bildet keine Ausnahme. Kostümdesignerin Ngila Dickson sah sich bei ihrer Aufgabe, ein ganzes Universum von Wesen einzukleiden, vor die Herausforderung ihres Lebens gestellt. Obwohl sie es von ihrer Arbeit an den Fernsehserien "Xena: Princess Warrior" und "Hercules" bereits gewohnt war, einfallsreiche altertümliche Garderoben herzustellen, übertraf Tolkiens Universum alles, was sie sich bisher hätte träumen lassen. Sie mußste nicht nur Hunderte von Figuren, sondern auch neun grundsätzlich verschiedene und nicht im mindesten zu vergleichende Kulturen einkleiden. Mit einem Team von 50 Schneidern, Bestickern, Flickschustern und Juwelieren machte es sich Dickson zur Aufgabe, jedes Kostüm der jeweiligen Figur genau anzupassen, ihre jeweilige Persönlichkeit zu reflektieren und so funktional wie möglich zu machen.

Die Menge an Kostümen war atemberaubend. Für jede Kultur wurden jeweils ungefähr 150 Kostüme angefertigt. Zu der gewaltigen Anzahl kam noch die Tatsache, dass viele individuelle Kostüme in zwei Größen hergestellt werden mußsten: eines für den Schauspieler und eines für das entweder größere oder kleinere Double, mit dem die Totalen gedreht wurden.

Die Hobbitkostüme hatten absolute Priorität - und erwiesen sich als besonders hart zu knackende Nuss. "Wenn man diese kleinen Typen in Gehröcken und kurzen Hosen herumlaufen lässt, mußs man sich schon gewaltig anstrengen, wenn man will, dass das glaubwürdig aussieht", erklärt Dickson.

Dickson löste die Aufgabe, indem sie die ländlich-idyllische Natur der Hobbits herausstellte. Sie setzte ausgesprochen natürliche Stoffe und starke Gewebe ein und ließ sich von europäischen Kulturen inspirieren. Die Hobbits tragen Gehröcke in Naturtönen - grün, gelb und braun - mit Metallknöpfen. Gleichzeitig unterstrich sie die Verspieltheit ihrer Statur und ihres Lebensstils. "Ich habe immer ein paar schräge Verrücktheiten untergebracht, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen", meint Ngila Dickson. "Die Beine ihrer Hosen und die Ärmel ihrer Hemden sind immer etwas zu kurz, ihre Knöpfe sind zu groß, und ihre Krägen entbehren jeglicher Proportion. Ich habe sogar ihre Taschen höher, als es üblich ist, angesetzt. Wenn sie also ihre Hände in ihre Taschen stecken, sieht das immer ein bisschen komisch aus."

Für die Elben entschied sich Dickson für zeitlose Eleganz, moosige Grüntöne, baumrindenartige Brauntöne, herbstliches Scharlachrot, eine androgyne Qualität und einen Hauch von Antiquiertheit. "Sie passen genau in ihr Umfeld", sagt Dickson. "Und sie berühren die Erde kaum mit ihren Füßen. Also wählte ich sehr, sehr leichte Lagen von Stoffen für sie aus." Die Elbenkostüme wurden aus indischer Seidenbrokade gemacht, die Dickson wusch, bleichte, färbte und abschmirgelte, um den Kleidern einen metallischen Schimmer zu verleihen, der ganz natürlich und nicht zu glamourös oder lieblich aussieht.

Die Elben tragen auch Seidensamt, in den Art-Nouveau-Blätterdesigns eingeätzt wurden. Selbst ihre Ärmel sind geformt wie Blätter und schmiegen sich um die Arme der Schauspieler. An ihren Füßen tragen sie kniehohe Lederstiefel, die zu ihrer weidenartigen Erscheinung beitragen.

Eine weitere Herausforderung war das Kostüm des Zauberers Gandalf. Wochenlang bastelte Dickson an den Entwürfen für seinen Hut, das ultimative Kennzeichen eines Zauberers. "Ich wollte etwas Beeindruckendes, Altertümliches und Magisches, aber er sollte sich nicht zu sehr aufdrängen", erzählt die Kostümdesignerin. "Unsere ersten Zeichnungen sahen aus, als würde Ian McKellen ein Schiff auf seinem Kopf tragen. Aber schließlich einigten wir uns auf das perfekte Design, praktisch und geheimnisvoll zugleich."

Den weiblichen Figuren verlieh Dickson eine ätherische Qualität. Die zwei Hauptelbinnen des Films, Cate Blanchett und Liv Tyler, sollten mit dieser Ästhetik ausdrücken, welch einer zauberhaften Kultur sie angehören. Dickson bezeichnet die beiden als "die Engel der Geschichte".

Nachdem Dickson die Kostüme entworfen hatte, mußste sie die fertigen Modelle wieder "ruinieren". Das soll heißen, sie mußste sie altern und getragen aussehen lassen, damit sie so wirkten, als hätten sie bereits zahllose Abenteuer in Mittelerde überstanden. Zu Beginn des Films tragen die Hobbits beispielsweise saubere weiße Hemden, aber schon bald werden sie in zahllosen Schlachten verschmutzt und mit Blut beschmiert.

Im Fall von Aragorns zerrissenem, dreckbespritztem Kostüm übernahm Viggo Mortensen selbst den Alterungsprozess. "Er nahm sein Outfit mit nach Hause, weil er buchstäblich in das Kostüm hineinwachsen wollte. Er schwitzte darin, lebte darin, flickte es sogar selbst, wie es auch Aragorn gemacht hätte. Etwas besseres kann man sich als Kostümdesigner nicht wünschen: dass die Schauspieler am Entstehungsprozess ihrer Kostüme teilnehmen und sie auf diese Weise zu einem Teil ihrer Figur machen."

Peter King und Peter Owen arbeiteten eng mit Dickson und Peter Jackson zusammen, die für die Frisuren und das Make-up zuständig waren. Als ihre Hauptherausforderung erwiesen sich alsbald die Haare der Figuren, die sich in Der Herr der Ringe - Die Gefährten von dem bauchlangen Bart Gandalfs über die dünnen Büschel auf den Köpfen der Orks zu den flachsblonden Locken Galadriels erstreckten. King und Owen mußsten Hunderte von Perücken herstellen, die nicht wie Perücken aussehen durften. Tatsächlich wurde 300 handgemachten Perücken in einem gigantischen Schnellkochtopf in den Workshops von WETA die gewünschte Dauerwelle verpasst.

Die Make-up-Künstler arbeiteten eng mit den Prothesenspezialisten zusammen, um Merkmale wie spitze Ohren mit dem Gesamtlook der Figuren zu koordinieren. Auch sie mußsten ihrer Arbeit eine Mischung aus Dreck, Blut, Kratzern und Schnitten hinzufügen, je weiter die Reise der Gefährten voranschreitet. Nach einer Zeit wurden die Mitarbeiter der Make-up-Abteilung nur noch "The Mud Men" genannt.

Egal, um welches Kostüm es sich handelte, für jedes Stück Garderobe, für jede Perücke, für jeden Stiefel war es von großer Wichtigkeit, dass er viel aushalten konnte. Man darf nicht vergessen, dass die Schauspieler über Felsen klettern, durch Ströme waten, im Untergrund kriechen und mit Schwertern aufeinander losgehen mußsten. "Jedes Kostüm war auf lange Lebensdauer ausgerichtet", erklärt Dickson. "Sie mußsten einiges aushalten!"

Letztlich ist es der Kostümdesignerin wichtig, dass ihre Kreationen nicht herausstechen. Vielmehr hofft sie, dass sie nahtlos mit dem Rest der Kulisse verschmelzen und nicht von der gewaltigen Reise der Gefährten ablenken. "Je weniger die Details auffallen, desto besser haben wir unsere Arbeit gemacht", sagt Dickson. "Denn das bedeutet, dass die Kostüme dazu beigetragen haben, dass man sich in der Geschichte verliert."

Digitales Neuland - Die visuellen Effekte

"Bei den digitalen Effekten ließ ich mich von der gleichen Philosophie leiten wie bei allen anderen Aspekten des Films. Ich wollte, dass die Monster echt wirken - vom Dreck unter den Fingernägeln eines Bergtrolls zu den blutunterlaufenen, hervorquellenden Augen von Gollum."

Peter Jackson und sein Team entwarfen nicht nur eine tatsächliche Mittelerde, sie gestalteten auch ein komplettes digitales Universum für Der Herr der Ringe - Die Gefährten. Diese überaus anspruchsvolle Arbeit wurde von WETA Digital übernommen. Die in Neuseeland ansässige F/X-Firma versammelte ein Topteam von Computerkünstlern, Animatoren, Modellspezialisten, Kompositoren und Software-Ingenieuren, die bereit waren, Jahre ihres Lebens in das Erschaffen niemals zuvor gesehener Effekte zu stecken.

WETA Digital investierte zudem in eine historische Neuerung beim Dreh eines Live-Action-Spielfilms: Die Company erstellte eine riesige Datenbank, in die jedes einzelne Bild, das für Der Herr der Ringe - Die Gefährten geschossen wurde, gespeichert wurde. Mit dieser digitalen Bibliothek kann man auf Knopfdruck jeden einzelnen Gegenstand, der in dem Film zu sehen ist, anwählen, analysieren und bearbeiten. Das heißt, dass jedes einzelne Element der Trilogie - von Landschaften über die Lichtquellen hin zu Hobbits auf Pferden - digital manipuliert werden kann.

Aber die wirkliche kreative Power von WETA Digital lässt sich sicherlich am besten ablesen an den bösartigen und bedrohlichen Figuren, die in Der Herr der Ringe - Die Gefährten auftreten. Kreaturen wie Gollum, Baumbart, der Balrog oder das Auge Saurons wurden komplett digital animiert.

Eine der aufregendsten Figuren wird in Der Herr der Ringe - Die Gefährten vorgestellt: Es ist der Gollum, der als hobbitartige Kreatur namens Smeagol geboren wurde, aber durch seine eigene Begegnung mit dem einen Ring in ein wesentlich beängstigenderes Wesen verwandelt wurde.

"Ich glaube, dass der Gollum eines der fortgeschrittensten Digitalwesen ist, das man bisher gesehen hat", vermutet WETA-Chef Richard Taylor. "Vergesst all eure Vorstellungen davon, wie CGI aussieht, weil Gollum in einer völlig anderen Liga spielt."

Gollums Existenz wurde ermöglicht durch eine Kombination modernster Computeranimation und komplexer Motion-Capture-Technologie, bei der so genannte fluid dynamics zum Einsatz kamen. Peter Jackson wollte den typischen "computergenerierten Look" vermeiden. Stattdessen lässt das peinlich genaue Design Gollum realistische Bewegungen machen, die auf tatsächlichen organischen Muskeln und Knochen basieren, die man unter seiner durchsichtigen Haut sehen kann. Die Computerkünstler studierten sogar Anatomiebücher, um einen glaubwürdigen Blick auf das Innere von Gollum unter seiner Haut zu gestatten.

"WETA schuf eine gewaltige Menge an Codes, um Gollum zu erschaffen", merkt Jackson an. "Sie entwickelten neue Modellcodes, neue Hautcodes, neue Muskelcodes. Er ist verblüffend lebensecht, und wir waren in der Lage, ihm endlos viele Gesichtsausdrücke zu geben, von unbeschreiblich böse - wie Gollum - bis zu höchst sympathisch - wie Smeagol."

Die Filmemacher sicherten sich überdies die Dienste des hoch geschätzten Charakterdarstellers Andy Serkis, der eine große Bandbreite an Stimmen - von melancholisch bis bedrohlich - für Gollum beisteuerte. Barrie M. Osborne erzählt: "Es ist unerlässlich, dass Gollum wie eine echte Figur wirkt. Wir bringen ihn als animierte Figur auf die Leinwand, aber er mußs eine echte emotionale Tiefe ausstrahlen - eine Figur, die von der Macht des einen Ringes zerfressen wurde. Andy Serkis hat die darstellerische Größe, sowohl mit seiner stimmlichen Bandbreite, als auch mit seinem pantomimischen Können, das wir mit den Motion-Capture-Kameras eingefangen haben, eine tolle Darstellung abzugeben."

Mitten rein ins Getümmel um den Ring - Stunts & Action

"Für diesen Film mußsten die Schauspieler außerordentlich gut in Form sein. Zum einen wegen der Schlachten, die sie zu überstehen haben. Zum anderen, weil der Bund des Rings über Wasser, unter der Erde und über die Berge reist, um den Ring zu zerstören."

Auch bei der Action von Der Herr der Ringe - Die Gefährten ließ sich Peter Jackson nicht lumpen und stellte sicher, dass die von George Marshall Ruge koordinierten Stunts so gestaltet wurden, wie man sie noch in keinem Film gesehen hat. Er war nicht nur verantwortlich für die Choreographie gewaltiger Schlachtenszenen voller altertümlicher (und neu erfundener) Kampftechniken, sondern arbeitete auch eng mit den Schauspielern und Stuntleuten zusammen, wenn sie auf hohen Klippen zu balancieren, Schlossmauern zu erklimmen, aus Booten zu fallen und auf Pferderücken durch Wälder zu jagen hatten. Die Stunts in diesem Film sind auch deshalb so einzigartig, weil es in der Saga so viele Figuren gibt, die allesamt die unterschiedlichsten Kampfstile pflegen. Es war die Aufgabe der Stuntabteilung, Schlachten in vielen unterschiedlichen Größen und mit immer wieder anderen Stilen und Bewegungen zu inszenieren.

Bob Anderson, der bereits Berater bei Krieg der Sterne war und Errol Flynn unterrichtete, kam mit an Bord, um die Darsteller in verschiedenen Fechttechniken zu unterrichten. Anderson, ein Experte auf dem Gebiet mittelalterlicher Waffen, las die Romane und entwickelte nach den Beschreibungen Tolkiens Kampfmethoden, die den einzelnen Kulturen im Film gerecht werden sollten. Er befand beispielsweise, dass Hobbits so klein sind, dass es Sinn macht, wenn sie im Team kämpfen. Eine Armee von Stuntleuten erhielt Sondertraining, um auf die Kampftechniken der Orks, der Uruk-Hais, der Ringgeister, der Elben und anderer Zivilisationen in Tolkiens Universum eingestimmt zu werden. Zudem lud man einen britischen Bogenspezialisten ein.

Die Stunts verlangten nicht nur den menschlichen Mitgliedern der Produktion alles ab. Auch Tiere kamen zum Einsatz: In Der Herr der Ringe - Die Gefährten gibt es etwa 250 Pferde zu sehen. 70 davon waren speziell darauf vorbereitet worden, den Bund des Rings durch die Landschaften von Mittelerde zu tragen. Unter ihnen finden sich fünf Miniaturpferde, die von den Hobbits geritten werden, und zwei stolze weiße Andalusier, die als Gandalfs nobles Pferd Schattenfell zum Einsatz kamen. Diese Abteilung wurde von Tiertrainer Dave Johnson, Pferdekoordinator Steve Old, den technischen Beratern in Pferdefragen John Scott und Lyle Edge sowie Pferdestuntkoordinator Casey O'Neill geleitet.

Peter Jackson war es wichtig, das Pandämonium der Schlachten realistisch und nachvollziehbar darzustellen - vom Adrenalinschub der Massen und den hämmernden Hufen der Pferde zu den herzzerreißenden Schreien und den heldenhaften Rufen im Hintergrund. Aber egal, wie komplex und fortgeschritten die Stunts und Effekte im Verlauf von Der Herr der Ringe - Die Gefährten sind: Jackson richtete seinen Fokus vor allem auf einen einfachen Feind: den Ring. "Ich finde es so unglaublich interessant an der Der Herr der Ringe - Die Gefährten-Trilogie, dass der ultimative Gegenspieler in dieser epischen Geschichte kein Feuer speiender Drache oder Killerroboter oder riesiger Hai ist. Der Feind ist ein kleines Ding", meint Peter Jackson. "Das Böse ist eher psychologisch, nicht greifbar. Und jeder Beteiligte wird im Verlauf der Geschichte damit konfrontiert."

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