Ausführlicher Inhalt zu Nirgendwo in Afrika

Szenenfoto "Es ist wunderschön, aber hier können wir doch nicht bleiben!" (Jettel zu Walter)

Im Januar 1938 erhält Jettel Redlich (Juliane Köhler) die erlösende Nachricht von ihrem Mann Walter (Merab Ninidze): Die Ausreise aus Deutschland nach Kenia für sie und ihre fünfjährige Tochter Regina (Lea Kurka) ist gesichert. Walter Redlich, der als jüdischer Anwalt in Deutschland nicht mehr praktizieren darf, arbeitet bereits in Kenia als Verwalter auf der Farm Rongai.

Dort angekommen, packt Jettel nach der ersten Wiedersehensfreude das Entsetzen über die primitiven Zustände auf Rongai. So hatte sich die Tochter aus gutbürgerlichem Haus ihr neues Leben nicht vorgestellt, in dem selbst Zwiebeln und Zucker purer Luxus sind und Farmbesitzer Morrison (Steve Weston) ihren Mann nur mit Kost und Logis entlohnt. Auch die freundliche Unterstützung des schon erfahreneren Emigranten Süßkind (Matthias Habich) kann daran nichts ändern. Doch Jettel will das Ausmaß der Tragödie nicht wahrhaben, die sich in der Heimat abzeichnet und die ihr Überleben, ganz gleich unter welchen Umständen, zum einzig Wichtigen macht. Regina blüht dagegen in Afrika auf. Schnell schließt das früher so schüchterne Mädchen Freundschaft mit dem einheimischen Koch Owuor (Sidede Onyulo), argwöhnisch beäugt von Jettel.


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Die verwöhnte Jettel, der ein neues, todschickes Abendkleid im Gepäck wichtiger war als der dringend notwendige Kühlschrank, kann sich mit ihrer neuen Heimat zunächst nicht abfinden. Für sie ist Kenia nur ein ungeliebter Ort, dessen Sprache und soziale Spielregeln ihr fremd sind und an dem sie nicht mal ein Stück Fleisch auf den Teller bekommt. Walter hat im Gegensatz zu seiner Frau erkannt, dass nur die Flucht sie vor dem sicheren Tod in Deutschland bewahrt hat. Dennoch glaubt er in den Augen seiner Frau ein Verlierer zu sein, der nicht einmal für ein regelmäßiges Einkommen und Essen sorgen kann. Die Ehe der Redlichs gerät in eine Krise.

"Wir reisen eine weite Strecke miteinander, aber was im anderen drin ist, wissen wir nicht" (Walter über Jettel)

Bei Kriegsausbruch internieren die Engländer alle Deutschen als potentielle Feinde - auch die jüdischen Emigranten. Während die Männer in einer britischen Kaserne landen, bringt man die Frauen - mangels anderer Unterkünfte - im Nobelhotel Norfolk in Nairobi unter. Dort lernen Jettel und ihre Tochter die resolute Bayerin Frau Sadler (Bettina Redlich) kennen, mit deren achtjähriger Tochter Inge (Julia Leidl) sich Regina schnell anfreundet.

Während der Haft erwacht Jettel zum ersten Mal aus ihrer Passivität und erreicht mit einem Brief an die Behörden, dass die Frauen ihre internierten Männer besuchen dürfen. Doch die Freude über das Wiedersehen wird von einer Hiobsbotschaft getrübt: Morrison hat Walter gekündigt und ohne Arbeitsplatz hat er keine Chance, aus dem Lager entlassen zu werden. Jettels Bitte um Hilfe beim Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Edward Rubens (Andrew Sachs), bleibt ohne Erfolg. Erst der britische Soldat Robert Green (David Michaels) bietet der attraktiven Deutschen Hilfe an - nicht uneigennützig. Auf Ol Joro Orok, der Farm eines Freundes von Green, finden die Redlichs schließlich bezahlte Arbeit und ein neues Zuhause. Nur Walter kämpft noch lange mit seiner Eifersucht, weil er sich nicht sicher ist, welchen "Preis" Jettel wohl für diese Hilfe an Green gezahlt hat. Für Regina ist die Welt auf Ol Joro Orok erst wieder in Ordnung, als auch Owuor und ihr Hund "Rummler" dort auftauchen. In dem Pokot-Jungen Jogona (Peter Lenaeku) findet das unkomplizierte Mädchen einen gleichaltrigen Freund.

Szenenfoto "Dieses Land hat unser Leben gerettet. Aber es ist nicht unser Land" (Walter Redlich)

Ol Joro Orok 1940: Regina hat die Farm inzwischen verlassen, um die Nakuru School zu besuchen. Auch wenn sie als Deutsche auf dem englischen Internat Außenseiterin ist, lebt sie sich dank ihrer Freundin Inge schnell ein, lernt die neue Sprache und erhält am Schuljahresende sogar ein Lob für ihre guten Aufsätze. Als Ferienlektüre gibt Schulleiter Arthur Brindley (Anthony Bate) Regina Dickens' "Stories of Children" mit. Anregung für die inzwischen 12-jährige (Karoline Eckertz) für Lesestunden mit ihrem Freund Jogona (Silas Kerati).

Szenenfoto Eines Tages erfahren die Redlichs, dass Jettels Mutter und ihre Schwester zur Zwangsarbeit nach Polen verschleppt wurden, was deren sicheren Tod bedeutet. Das Schicksal von Walters Vater bleibt ungewiss. Doch selbst in ihrer Trauer finden die beiden zunächst nicht zueinander.

Ab 1943 dringen endlich auch gute Nachrichten von den Niederlagen der Nazitruppen im Afrikakrieg bis nach Kenia. Als die Briten Walter eine Stelle beim Militär anbieten, ist er sofort bereit, dafür nach Nairobi zu ziehen. Doch Jettel will nicht noch ein weiteres mal ihre Koffer packen und von vorne beginnen und bleibt alleine auf der Farm. In den folgenden Monaten führen die beiden eine Wochenendehe und Süßkind verbringt fast mehr Zeit auf Ol Joro Orok als Walter. Jettel hält erfolgreich, mit zunehmendem Selbstbewusstsein und mit wachsender Zufriedenheit den Farmbetrieb aufrecht. In ihrer Einsamkeit entwickelt sich die einst so unselbständige Frau zu einer erwachsenen und starken Persönlichkeit.

Nachdem der Krieg endlich vorbei ist, erhält Walter 1947 das Angebot, als Richter am Frankfurter Amtsgericht nach Deutschland zurückzukehren. Ob ihn seine Familie zurück nach Deutschland begleitet, oder Jettel bei Süßkind in Kenia bleibt, ist ungewiss...

© Fotos: Constantin Film © 1994 - 2010 Dirk Jasper