Der Himmel von Hollywood

Produktionsnotizen

Leon de Winters Erfolgsroman "Der Himmel von Hollywood" beruht auf einer Vielzahl zufälliger Beobachtungen und gezielter Recherchen des Autors, die er während seiner häufigen Aufenthalte in Santa Monica, Kalifornien gemacht hat. Der niederländische Schriftsteller ist einer der europäischen Top-Autoren seiner Generation. Er veröffentlichte über zwanzig Bücher und schrieb zahlreiche Drehbücher. Mehrfach inszenierte er auch selbst Filme. Als er Der Himmel von Hollywood für die Leinwand adaptierte, entschied er sich, das Projekt auch als Produzent weiter zu begleiten. Es sollte das erste Projekt der von ihm und Eric Pleskow gegründeten Produktionsfirma Pleswin Entertainment werden.

Eric Pleskow über die Sicht seines Partners auf die Traumfabrik: "Oft sehen Außenstehende oder Besucher den Gang der Dinge in Hollywood völlig anders als die Einheimischen. Das Thema des Scheiterns, das Leon hier so ins Auge stach, haben viele, die sich hier ihr Leben eingerichtet haben, gründlich aus ihrer eigenen Wahrnehmung verbannt. Unzählige Menschen fühlen sich von dieser Stadt und ihrer Industrie angezogen - ohne dass sie wirklich Fuß fassen können. Als Leon hier recherchierte, haben wir uns oft getroffen, und ich erinnere mich sehr lebhaft, wie ihn die Lebensumstände und die existenzielle Unsicherheit vieler Leute, die ihr Leben lang in schäbigen Hotels hausen, mitgenommen haben. Diese Eindrücke haben in ihm seinen typischen grimmigen Humor aktiviert, und davon lebt sowohl der Roman als auch sein Drehbuch."

Was Pleskow außerdem gefiel an diesem Stoff, war das Thema der alternden Schauspieler: "Was kommt eigentlich nach den 15 Minuten Rampenlicht, in dem, Andy Warhol zufolge, jeder in seinem Leben mal steht? Und wie gehen die Leute damit um? Das ist bitter, vielfach aber auch kurios."

De Winter und Pleskow sahen ihren ersten Film als ein international und unabhängig von den Studios finanziertes Projekt, für das sie die Senator Entertainment AG gewannen, mit Gerhard Meixner als Produzent und Hanno Huth als Executive Producer, sowie Blue Riders Pictures, die Jeff Geoffray und Walter Josten als Koproduzenten einsetzten.

Die Suche nach dem bestmöglichen Regisseur für ihre schwarze Komödie führte die Produzenten bald zu Sönke Wortmann, der mit seinen bisherigen Arbeiten großes Talent für anspruchsvolle Unterhaltung bewiesen hat. Mit seinem intuitiven Verständnis für Stimmung und Atmosphäre war es sowohl für de Winter als auch für Pleskow klar, "dass Sönke unser Mann ist".

Pleskow weiß genau, wovon er spricht. Er war der Erste und für lange Zeit der Einzige, der in Hollywood auf europäische Regisseure bei der Bearbeitung amerikanischer Stoffe setzte: "Schauen Sie sich nur "Midnight Cowboy" an. John Schlesinger hat New York anders gesehen, als irgendein Amerikaner es je gekonnt hätte, und das machte den besonderen Kick dieses Films aus. Oder nehmen Sie Einer flog übers Kuckucksnest. Das Stück lag vierzehn Jahre rum, wurde von einem Studio zum anderen geschoben, und erst nachdem ich Präsident von United Artist geworden war, konnte ich mir erlauben, was ich schon lange vorhatte, nämlich Milos Forman mit diesem Film zu betrauen. Ich hatte seine tschechischen Filme gesehen, und damit hatte ich genügend Anhaltspunkte, dass er derjenige war, den ich für dieses Projekt wollte. Oder Amadeus, der zweite Film, den ich mit Forman gemacht habe: ich habe wieder gesagt, wir brauchen einen europäischen Regisseur dafür, jemanden, der die Sensibilität vom alten Kontinent mitbringt, ohne damit die Amerikaner auszuschließen oder zu verschrecken. Solche Überlegungen haben auch bei der Entscheidung für Sönke Wortmann eine große Rolle gespielt."

Sönke Wortmann sieht das so: "Wenn ein europäischer Regisseur einen solchen Film macht, dann sieht der selbstverständlich anders aus als bei einem US-Regisseur. Vielleicht weil wir auf andere Dinge achten und uns entsprechend andere Dinge auffallen. Das hat nichts damit zu tun, dass dieses besser und jenes schlechter wäre - oder umgekehrt."

Gemeinsam mit Leon de Winter unternahm Sönke Wortmann den Feinschliff des Drehbuchs, eine Zusammenarbeit, die ihm als eine große Bereicherung in Erinnerung geblieben ist: "Ich habe diese fortgeschrittene Phase der Drehbuchbearbeitung oft als sehr konfliktreich erlebt, einfach weil sich Autoren und Regisseure in unterschiedlichen Medien bewegen und es beiden Seiten schwer fällt, die Übersetzung vom einen Universum ins andere zu unternehmen. Probleme dieser Art gab es mit Leon nicht, zum einen weil er selbst Filme inszeniert hat, aber auch weil er der Produzent ist. Es geht ihm nicht um ein schönes Buch auf Zelluloid, sondern darum, dass wir ein aufregendes Kino-Stück in die Welt bringen."

Mit dem fertig gestellten Drehbuch fiel es nicht schwer, genau die Darsteller für das Projekt zu interessieren, die von vorn herein die Wunschkandidaten für die Verkörperung der drei Hollywood-Recken waren: Burt Reynolds, Rod Steiger und Tom Berenger.

Burt Reynolds wurde als Kage Mulligan besetzt, einen Schauspieler, der den Kampf gegen seine inneren Dämonen bereits vor einiger Zeit verloren hat und seit etlichen Jahren von den Produzenten gemieden wird, weil er als 'Risikofaktor' am Set verschrieen ist. Burt Reynolds über seine Figur: "Er gehört fast zum Bodensatz des Show-Betriebs. Er ist ein Held, dem alles heldenhafte verloren gegangen ist und der sich nur mit Sarkasmus über Wasser hält. Viel lieber würde er allerdings gern Licht am Ende des Tunnels finden."

Charakterdarsteller Tom Berenger spielt Tom Greener, dessen Karriere ebenfalls nur noch ein Scherbenhaufen ist, zum einen weil er Pech hatte, zum anderen, weil er einige ziemlich unglückliche Entscheidungen getroffen hat: "Obwohl tragisch, ist die Stimmung fast beschwingt, und ich mag, dass die Geschichte solide 'geerdet' ist. Die ganze Hysterie, die in Hollywood herrscht, ist ja schön und gut, aber es gibt eben auch noch etwas anderes als Glamour und Karriere."

Der Dritte im Bunde: Rod Steiger. Er spielt Floyd Benson. Die Tage, als man ihn noch 'den Oscar-Preisträger' nannte, sind lange vorbei. Inzwischen arbeitet er als Aushilfs-Elektriker: "Ich war sehr glücklich mit diesem Floyd Benson. Die Rolle ist wunderbar geschrieben, und außerdem freue ich mich, dass ich bei dieser intelligenten Komödie mitwirken kann. Bisher hatte man für mich eher die traurigen oder tragischen Typen parat."

Executive Producer Pleskow hat mit jedem der drei Stars bereits in der Vergangenheit gearbeitet. Für ihn war die Produktion, "ein bisschen wie ein Schulball mit lauter Ehemaligen."

Über die Besetzung von Paula Carver, der weiblichen Hauptrolle, berichtet Sönke Wortmann: "Die Entscheidung war schwierig, weil ihre Rolle einerseits nicht sehr umfangreich ist, sie aber dennoch gewissermaßen das Zentrum der Geschichte darstellt. Jacqueline Kim bedeutete ein frisches, nicht von einem festen Image geprägtes Gesicht, und auch die Tatsache, dass sie von asiatisch-amerikanischer Herkunft ist - also ein Stück Amerika darstellt, das die 'reinen' Amerikaner gar nicht so gern haben - entsprach unseren Wunschvorstellungen von diesem zwielichtigen, geheimnisvollen Mädchen.

Die 34 Tage dauernden Dreharbeiten von Der Himmel von Hollywood begannen am 15. März vergangenen Jahres. Gedreht wurde in Los Angeles mit einer einwöchigen Unterbrechung für die Aufnahmen in Las Vegas.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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