Produktionsnotizen zu Ocean's Eleven
Wie der Plan ausgeheckt wurde 1959 war Produzent Jerry Weintraub bereits ein erfolgreicher Konzert-Entrepreneur und arbeitete mit Frank Sinatra zusammen, als der Originalfilm Ocean's Eleven (Frankie und seine Spießgesellen, 1960) in Las Vegas gedreht wurde. "Damals wollte das Publikum vor allem Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis, Jr., Peter Lawford und Joey Bishop gemeinsam auf der Leinwand erleben", sagt Weintraub. "Die hätten auch das Telefonbuch vorlesen können - der Film hätte trotzdem viel Erfolg gehabt."

Weintraub schlug dem renommierten Drehbuchautor Ted Griffin vor, ein cleveres Remake des legendären Films auf das heutige Publikum zuzuschneiden - durch diesen Film etablierte sich damals der Ausdruck "Rat Pack" in Amerika als fester Begriff für den legendären Freundeskreis um Sinatra. "Ich kannte den Originalfilm gar nicht, konnte mich also nicht an ihm orientieren", berichtet Griffin. "Aber ähnliche Filme dienten mir natürlich als Vorbild - etwa "Gesprengte Ketten", "Die glorreichen Sieben" und "Die gefürchteten Vier". Das Grundkonzept des neuen Ocean's Eleven entspricht dem Original, aber wir siedeln es im heutigen Las Vegas an.

1960 hätte das Publikum diesen Überfall als völlig unwahrscheinlich empfunden - aber heute ist er durchaus nicht mehr so unmöglich. Auch die heutigen Tricks von Betrügern und Bauernfängern sind nicht mehr das, was sie zur Zeit der Depression in den 30er-Jahren waren. Das Gewerbe hat sich überlebt. Heute wird auf anderer Ebene gepokert, denn das Geld existiert praktisch nur noch im Computer - nicht einmal die Banken haben Bares. Mit einer Ausnahme: Die Casinos arbeiten nach wie vor mit richtig harter Währung."

Als besonderes Problem empfand Griffin, alle elf Hauptfiguren ständig auf interessante Weise in die Handlung zu integrieren - niemand durfte unterwegs verloren gehen. "Der Film stellt elf Typen in den Mittelpunkt, dazu noch Julia und Andy", erklärt Griffin. "Ich mußste also bei den Szenen mit den kleineren Rollen äußerst ökonomisch vorgehen. Wenn man an Filme à la "Das dreckige Dutzend" zurückdenkt, erinnert man sich an sechs oder sieben aus dem Dutzend, aber an die übrigen eben nicht. Ich hatte jedoch den Ehrgeiz, jede einzelne Rolle unvergesslich zu gestalten. Hinzu kam der Anspruch, die Team-Mitglieder nicht zum Abklatsch bekannter Ensemble-Film-Klischees zu machen - denn in Filmen zum Beispiel über Bomberbesatzungen gibt es immer einen Typen aus Brooklyn, einen aus Texas und so weiter."

Griffin fand für jedes Problem eine Lösung und lieferte ein intelligentes und fantasievolles Drehbuch ab, das Weintraub dem gefeierten Regisseur Steven Soderbergh als nächstes Projekt vorschlug. "Steven las das Buch und rief mich dann an - seine Reaktion war überwältigend enthusiastisch", erinnert sich Weintraub. "Er sagte, er wollte den Film machen, weil er es gar nicht abwarten könnte, ihn auf der Leinwand zu sehen."

"Als ich Teds Skript las, war ich gleichzeitig begeistert und verunsichert", gibt Steven Soderbergh zu. "Begeistert war ich, weil ich noch nie ein Drehbuch gelesen hatte, das perfekter Unterhaltung so nahe kommt. Ein Film über einen Raubüberfall mit großer Starbesetzung kann gar nicht besser funktionieren - das gilt für alle Aspekte der Story. Verunsichert war ich, weil das Projekt aufwändiger ist als alles, was ich je gemacht habe. Hier ist ein Inszenierungsstil gefragt, den ich noch nicht ausprobiert hatte - ich mußste ihn mir erst selbst beibringen. Dabei hatte ich weniger Angst davor, etwa mit dem Kameramann nicht zurecht zu kommen - vielmehr fragte ich mich, ob ich die umfangreiche Technik beherrsche, die bei solch einem Film zum Einsatz kommt.

Derartige Dreharbeiten laufen ganz anders ab als bei meinen letzten Filmen mit dem Highlight Traffic - da ging es um die Schilderung schmutziger Milieus, um existenzielle Probleme. ,Ocean' ist genau das Gegenteil. Ich bin überzeugt, dass der Film dramaturgisch sehr präzise durchkonstruiert, durchkomponiert sein mußs. Ich sah mir daraufhin eine Menge Filme von Regisseuren an, die meiner Meinung nach genau diesen visuellen Stil hervorragend beherrschen, und ich versuchte nachzuvollziehen, wie sie das hinbekommen haben."

Auch von einem anderen klassischen Abenteuerfilm ließ Soderbergh sich inspirieren: "Ich habe in Interviews immer wieder betont, dass "Der weiße Hai" zu meinen Lieblingsfilmen zählt", sagt er. "Ein echter Klassiker des Unterhaltungskinos. Ich schätze Filme, die ihr Thema überzeugend und ohne viel Getue auf den Punkt bringen. Ich sehe Ocean's Eleven als meine Chance, einen Film zu machen, der nichts weiter will als von Anfang bis Ende bestens zu unterhalten - ein Film, auf den man sich ohne Bedauern oder Peinlichkeiten gerne einlässt."

Natürlich ließ sich Soderbergh diese Herausforderung und auch den Spaß nicht entgehen, die mit der Umsetzung von Griffins Drehbuch auf ihn zukamen - er übernahm die Regie. "Meiner Meinung nach liegt ein Großteil des Vergnügens an solchen Supercoup-Filmen à la "Der Clou" oder "Diebe haben's schwer" gerade in jenen Sequenzen begründet, die der Rekrutierung des Teams gewidmet sind. Es bringt einfach Spaß zu beobachten, wer angeworben wird, was für Typen das sind und wie sie miteinander auskommen.

Der Trick besteht darin, den Plan für den Überfall zwar vorzustellen, allerdings nicht in allen Details, weil ja nicht alles vorher verraten werden soll. Diesen goldenen Mittelweg zu finden ist sehr schwierig, denn die Zuschauer denken immer schon voraus, sind schneller als die Geschichte. Ted hat diese Balance wunderbar hinbekommen. Das Drehbuch funktioniert: Alle Personen werden vorgestellt, wir lernen sie eingehend kennen, wir können uns ein recht gutes Bild davon machen, wie der Überfall ablaufen wird. Doch wenn es dann los geht, merken wir, dass wir durchaus nicht über alles Bescheid wissen. Und dann laufen Dinge schief, die auch die handelnden Personen nicht vorhersehen konnten. Der Spaß besteht darin zu beobachten, wie sie improvisieren müssen, um das Ding doch noch durchzuziehen."

Wie das Team zusammengestellt wird Regisseur Steven Soderbergh entwickelte für sein Remake von "Frankie und seine Spießgesellen" ein ganz präzises Konzept. "Von vornherein mußs klar sein, wie der Film einzuordnen ist", erklärt er. "Wenn ich behaupte, dass Ocean's Eleven einer vergangenen Epoche der Filmgeschichte Reverenz erweist, heißt das: Unser Film vermeidet Effekthascherei, es gibt keine Toten, niemand wird bloß aus Spaß verunglimpft oder lächerlich gemacht. Wahrscheinlich ist dies der harmloseste Film, den ich je gemacht habe. Und zwar ganz bewusst. Ich will leichte Unterhaltung bieten - düstere und gemeine Aspekte haben meiner Meinung nach in dieser Art Film keinen Platz."

Neben dem Stil, der Atmosphäre und der aufwändigen Ausstattung spielte bei Soderberghs Konzept vor allem die Besetzung des Ensembles eine entscheidende Rolle. "Ich hatte den Eindruck, eine Menge Stars würden diesem Film gut tun, gerade weil es um ein ausgewogenes Ensemble geht", sagt Soderbergh. "Aber wir mußsten natürlich darauf achten, dass wir die richtigen Stars fanden, die richtige Besetzung, denn dieses Team wird von Kameradschaft zusammengehalten - so etwas könnte man dem Publikum nur schwer vortäuschen. Wir mußsten das Gefühl erzeugen, dass die Stars sich in dieser Gruppe wohl fühlen. Andererseits darf auch nicht der Eindruck entstehen, die Schauspieler hätten mehr Spaß bei der Arbeit als das Publikum beim Anschauen." Und einen weiteren wichtigen Aspekt mußsten Soderbergh und Produzent Jerry Weintraub bedenken. "Ich fand immer schon, dass sich der Originalfilm Ocean's Eleven wunderbar für ein Remake eignet", erzählt Weintraub. "Das Problem dabei: Wie bekommt man eine ähnlich hochkarätige Besetzung zusammen, ohne das Budget zu sprengen?"

Die Antwort erschien in Gestalt von George Clooney, Steven Soderbergh Partner in der gemeinsamen Produktionsfirma Section Eight. "Als Ersten haben wir George besetzt, den ich von Anfang an in der Rolle des Danny gesehen habe", sagt Soderbergh. "George war wie ich der Meinung, dass wir viele Stars besetzen sollten. Gleichzeitig stand fest, dass in diesem Fall niemand sein übliches Honorar verlangen konnte. George steckte freiwillig zurück und brachte damit den Ball ins Rollen."

"Seit über 40 Jahren produziere ich Filme, und ich habe es noch nie erlebt, dass ein Schauspieler von sich aus die Gage reduziert", kommentiert Weintraub. "Neu ist mir auch, dass sich ein Schauspieler bereit erklärt, mit jedem einzelnen Kollegen zu sprechen, um so die Wunschbesetzung zusammenzubekommen. George verzichtete als Erster auf seine übliche Gage, und dann bemühten sich Steven und George um den Rest unserer Besetzung."

Dabei vermieden Soderbergh und Clooney sorgfältig jeden Vergleich mit den Darstellern des ursprünglichen Films. "Der Originalfilm ist wohl eher berüchtigt, als dass man ihn gut nennen könnte", bemerkt Soderbergh. "In Ocean's Eleven war das Rat Pack erstmals gemeinsam in einem Film zu sehen. Die Jungs traten auf, als ob sie den Ausdruck ,cool' erfunden hätten. Keiner von uns wollte sich mit ihnen und ihrem Ansatz vergleichen. So etwas kann man gar nicht nachmachen. Wir schlugen also eine völlig andere Richtung ein."

"In Wahrheit kennt kaum jemand den Originalfilm", stellt George Clooney fest. "Man glaubt immer nur, sich daran zu erinnern, weil die Jungs so ultracool auftraten. Niemand kann Frank und Sammy und Dean das Wasser reichen - so cool werden wir nie sein. Aber wir haben eine wirklich tolle Story."

Die Spieler Danny Ocean

George Clooney spielt Danny Ocean. Er ist auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen worden und frisch geschieden. Er ist der Kopf hinter dem ausgeklügelten, wahnwitzigen - vielleicht sogar selbstmörderischen - Überfall auf Terry Benedicts Casinos. "Als Danny Ocean ist George Clooney die perfekte Besetzung, weil er selbst eine Führungspersönlichkeit ist", sagt Produzent Jerry Weintraub. "Ein wunderbarer Schauspieler, der während der Dreharbeiten immer für gute Stimmung sorgt - sogar abends nach Drehschluss."

Rusty Ryan

Brad Pitt spielt Rusty Ryan, Danny Oceans rechte Hand. Danny vertraut ihm blind. "Danny und Rusty sind Kameraden alter Schule", erklärt Drehbuchautor Ted Griffin. "Sie leben nach einem Ehrenkodex, der uns heute etwas altmodisch vorkommt. Sie wirken wie Revolverhelden, nachdem der Wilde Westen gezähmt worden ist. Danny hat die Idee, und Rusty setzt sie um. Danny kann einem Scheich Sand verkaufen, aber oft genug gibt er sich auch Blößen, und Rusty passt dann auf ihn auf. Er ist Danny immer zwei Schritte voraus und ahnt schon, wenn der mal wieder Mist baut."

Dazu Steven Soderbergh: "Rusty will mitmischen, weil er lange bei keinem großen Ding dabei war - er möchte unbedingt wieder auf einer Ebene arbeiten, die ihm von seinem Potenzial her zusteht. Als wir ihn kennen lernen, verkauft er sich weit unter Wert. Jetzt bekommt er endlich die Gelegenheit, ein Spiel zu wagen, das seinen Fähigkeiten gerecht wird."

Laut Pitt "lässt Rusty sich auf den Coup ein, weil sein Leben in die Sackgasse führt. Er stand einst an der Spitze seiner Zunft - jetzt führt er eine Poker-Schule für Teenies. Als Danny mit seinem Plan auftaucht und drei Casinos ausrauben will, hat Rusty nur auf ihn gewartet. Selbst wenn er nicht daran glaubt, dass das Ding klappen kann." "Keiner könnte Rusty besser spielen als Brad Pitt", kommentiert Weintraub. "Er ist nicht nur ein cooler Typ, er hat auch genau wie Rusty diese Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung."

Linus Caldwell

Matt Damon spielt Linus Caldwell, einen begabten Newcomer, auf dem eine schwere Hypothek lastet. "Linus ist der Neuling in der Runde", sagt Griffin. "Als Anwärter mußs er immer die Drecksarbeit machen. Aber mit diesem Ding verdient er sich seine Sporen."

"Ich wollte unbedingt dabeisein, weil ich es nicht ertragen hätte, wenn der Film ohne mich enstanden wäre", sagt Damon. "Linus' Vater war ein bekannter Gauner, Linus ist also mit Betrügereien aufgewachsen. Mit seinen flinken Fingern kann er jedermann spielend die Wertsachen abluchsen. Als Danny ihn aufsucht, backt er jedoch kleine Brötchen - als Taschendieb in der S-Bahn von Chicago. Natürlich will er bei dem Ding mitmachen, weil er dabei endlich kräftig absahnen kann. Wenn der Coup klappt, werden noch seine Enkel davon schwärmen. Damit hätte er ausgesorgt. Und irgendwie wünscht sich doch jeder, dass man Vegas mal kräftig schröpft - weil ja fast jeder mal dort Geld verloren hat. Interessant wird die Geschichte, als wir im Laufe der Handlung erfahren, dass Danny gar nicht am Geld interessiert ist. Er will seine Frau und sein Leben zurück. Letztlich geht es also um eine große Liebesgeschichte."

Terry Benedict

Andy Garcia spielt Terry Benedict, den Danny Ocean mit seinem Raubüberfall aufs Korn nimmt. "Benedict ist größenwahnsinnig, herrschsüchtig und auf skrupellose Weise effektiv", sagt Soderbergh. "Als seine Übernahme von Reuben Tishkoffs Hotel nicht zügig genug vorankommt, zieht er Tishkoff einfach den Boden unter den Füßen weg. Das bereitet ihm keine schlaflosen Nächte, er bereut absolut nichts."

Andy Garcia fand die Aufgabe sehr reizvoll, einmal einen so hemmungslosen Bösewicht zu verkörpern. "Benedict gehören drei der größten Casinos in Las Vegas", sagt Garcia. "In solch eine Position gelangt man sicher nicht per Bewerbungsschreiben. Er hat sich mit unerschütterlichem Selbstvertrauen und rigorosem Egoismus nach oben gearbeitet. Er genießt es, über sein Reich zu herrschen. Und er kennt keine Skrupel. Ich hatte gleich den Eindruck, dass ich mit dieser starken und ausgeprägten Rolle etwas anfangen konnte - und dass es Spaß bringen würde."

"Terry Benedict ist im Film der Oberschurke", sagt Clooney. "Für Andy bedeutet das: Er steht elf Typen gegenüber, die schon lange zusammenarbeiten, Seilschaften geschlossen haben. Er ist derjenige, den niemand ausstehen kann. Das ist nicht so leicht. Andy hat sich mit Todesverachtung in die Rolle gestürzt. Zwischen den Einstellungen machten wir Pause und erzählten uns Witze. Dann sagte Steven wieder: ,Action!', und Andy verwandelte sich schlagartig in den Fiesling. Er hat uns wirklich provoziert, ihn fix und fertig zu machen!" "Andy Garcias Terry Benedict bildet den perfekten Gegenpol zu George Clooney Danny Ocean", stellt Weintraub fest. "Beide sind ausgezeichnete Schauspieler. Man kann sich durchaus vorstellen, dass Julia Roberts' Tess mit Andy zusammen ist. Aber man kann sich auch vorstellen, dass Danny sie sich zurückholt."

Tess Ocean

Julia Roberts spielt Tess Ocean. Nach der Scheidung und Dannys Verhaftung baut sie sich ein neues Leben auf, sie arbeitet als Konservatorin in der Gemäldegalerie in Terry Benedicts Bellagio Casino. Und sie wird seine Freundin - was Danny nicht verborgen bleibt. Clooney und Soderbergh schickten das Ocean's Eleven-Drehbuch an Roberts und legten einen 20-Dollar-Schein bei - mit dem Hinweis: "Wir haben gehört, dass du jetzt 20 pro Film bekommst."

"Erzählen Sie das nicht Jerry Weintraub - aber für die Gelegenheit, wieder mit Steven Soderbergh zu arbeiten, hätte ich die 20 Dollar akzeptiert", lacht Roberts. "Zu unser ersten Leseprobe konnte Julia nicht kommen, also las ich mit Ted Griffin ihren Text - was übrigens gar nicht funktionierte", sagt Clooney. "Wenn die falschen Leute die Dialoge lesen, wirkt das lächerlich. Doch sobald Julia Roberts übernimmt, gehen die Aktien nach oben. Die Leinwand strahlt, wenn sie auftaucht."

"Als ich das Skript las, freute ich mich umso mehr, weil meine Rolle das reinste Vergnügen ist. Der Dialog hat den scharfzüngigen Biss einer Komödie aus den 40er-Jahren. Danny und Tess liefern sich so präzise Wortwechsel, dass man deutlich die verschiedenen emotionalen Ebenen spürt, über die sie kommunizieren. Also ist die Arbeit an diesen Szenen auch die angenehmste. Die Arbeit mit George gestaltet sich allerdings schwierig, weil wir uns typmäßig sehr ähnlich sind - wie Bruder und Schwester. Ich sollte abweisend und ernsthaft auftreten, kicherte aber dauernd wie eine Zwölfjährige. Irgendwann um 3 Uhr morgens fragte Steven sich wahrscheinlich, warum er ausgerechnet uns beide zusammengebracht hat", erzählt Julia Roberts. "Unsere gemeinsamen Szenen haben echt Spaß gemacht", sagt Clooney. "Man kommt sich vor wie in einem alten Film von Howard Hawks, denn die beiden beharken sich ständig, ohne dass einer Oberwasser bekommt. Und so sollte es letztlich ja auch sein."

"George ist eben ein Obercharmeur", fügt Roberts hinzu. "Einen Großteil des Films verbringe ich damit, so zu tun, als ob ich mich davon überhaupt nicht beeindrucken lasse. Das war natürlich lustig, weil ich wahrscheinlich die einzige Frau auf der Welt bin, die so was tun würde. Es geschah George ganz recht, endlich mal zu erleben, wie das ist, wenn ein Girl nicht gleich weiche Knie bekommt und ihn anhimmelt."

Begeistert lotet Roberts den komplexen Charakter der schlagfertigen und blendend schönen Tess aus: "Steven und George haben eine so verführerische Besetzung zusammenbekommen - und ich bin die einzige Frau. Aber Tess ist mehr als das. Da laufen Intrigen ab, auch sie hat ihr Päckchen zu tragen. Alle Beziehungen im Film sind höchst kompliziert. Eigentlich ist Tess mit Terry befreundet, aber sie wird ständig mit ihrer Beziehung zu ihrem Ex-Mann konfrontiert. Nichts ist also, wie es scheint. Es war interessant, Tess' Weg zu finden."

Soderbergh freute sich sehr darauf, mit Roberts in einem ganz anderen Genre zu arbeiten. "Natürlich gewinnt Julia als Tess für mich eine besondere Qualität, weil wir beide bereits Erin Brockovich gemacht haben - Erin stammt aus der Arbeiterklasse, hat kaum Geld", sagt Soderbergh. "Im neuen Film ist Tess die Filmdiva im klassischen Sinn. Sie trägt atemberaubende Kostüme, ist sehr schlagfertig und weiß sich zu benehmen."

"Ich bin in diesem Film so eine Art unheimliche Fremde", beschreibt Roberts ihre Rolle. "Ich trete auf, verschwinde wieder, die Jungs sagen nette Dinge über mich und schlagen sich meinetwegen die Köpfe ein. Einfach traumhaft."

Basher Tarr

Don Cheadle spielt den militaristischen Sprengstoffexperten Basher Tarr. "Rusty stellt Basher im Team vor", sagt Cheadle. "Basher soll vor allem den Strom in Las Vegas für eine sehr präzise vorgegebene Zeitspanne lahm legen. Er mußs sich mit einer nur unzureichenden technischen Ausrüstung herumschlagen und dabei immer bedenken, dass das Team keine Spuren hinterlassen darf. Er mußs sich also ein Verfahren ausdenken, das auf geniale Weise funktioniert, gleichzeitig aber unbemerkt bleibt."

Cheadle hat mit George Clooney bereits Out Of Sight und "Fail-Safe - Befehl ohne Ausweg" gedreht. Ihm wird nachgesagt, dass er "in seinen Rollen unsichtbar wird". Als Soderbergh ihn bat mitzumachen, legte Cheadle Wert darauf, seine Rolle deutlich anders anzulegen als seine Darstellung des Sammy Davis, Jr. in dem viel gepriesenen biografischen HBO-Film "The Rat Pack" (Frankie, Dean und Sammy tun es)."Don wußte, dass Basher in einer früheren Drehbuchfassung ein Typ aus der Londoner Arbeiterklasse war", sagt Soderbergh. "Er schlug vor, diesen Aspekt wieder aufzunehmen, ich war einverstanden, und es funktionierte wunderbar."

"Was das Fachwissen auf seinem Spezialgebiet angeht, ist Basher allen Team-Mitgliedern überlegen", sagt Griffin. "Ich stelle mir vor, dass er in seiner politischen Vergangenheit ein rabiater Anarchist war. Er ist wahrscheinlich weniger an dem Geld interessiert als daran, ein Riesending erfolgreich durchzuziehen."

Livingston Dell

Eddie Jemison spielt den Überwachungsexperten Livingston Dell, der mit seiner Ängstlichkeit das ganze Unternehmen gefährdet. "Wir hatten bei diesem Film den Ehrgeiz, nicht alle Beteiligten als supercool zu zeigen", sagt Griffin. "Und Eddie Jemison nahm sich das besonders zu Herzen. Ständig hat Livingston ungefähr fünf Tassen Kaffee zu viel getrunken. Er wirkt wie der Schultrottel."

"Livingston dient im Ensemble als Gegenpol zu den abgeklärten Profis", sagt Jemison, der vor 17 Jahren Soderberghs Kommilitone am College in Baton Rouge/Louisiana war. Der Regisseur besetzte ihn später als "namenlosen Nummernkopfmann" in "Schizopolis". "Vom Stil her passt Livingston überhaupt nicht zu den anderen Typen. Er ist überhaupt nicht cool, ganz im Gegenteil. Aber sie brauchen nun mal einen Computerspezialisten, der sich mit Überwachungssystemen auskennt - und das ist sein Spezialgebiet. Er kommt mit seinen Mitmenschen einfach nicht zurecht - deswegen ist er auch mit seinen Maschinen verheiratet. Ich glaube, im Drehbuch wird er als ,ständig in Schweiß gebadet' beschrieben."

Natürlich arbeitete Jemison gern wieder mit Soderbergh, aber ausschlaggebend war etwas anderes: "Mir gefiel vor allem, dass in diesem Film praktisch keine Gewalt vorkommt. Es gibt spannende Situationen, aber Schusswaffen spielen kaum eine Rolle. Ich finde es toll, in einem großen Film mitzumachen, der sich auf die überraschenden Wendungen in der Handlung konzentriert und nicht auf platte Brutalitäten ausweicht."

Frank Catton

Bernie Mac spielt Frank Catton, der an den Kartentischen der Trump Plaza in Atlantic City arbeitet und als Erster von Danny rekrutiert wird. "Frank ist ein Gauner, der auf seine Chance wartet, als Danny ihn aufsucht", beschreibt Bernie Mac seine Rolle. "Weil er gesessen hat, arbeitet er jetzt unter dem falschen Namen Ramon Escalante. Danny spricht ihn an, weil er jemanden braucht, der sich im Bellagio auskennt. Frank will unbedingt das große Geld machen - deswegen lässt er sich nach Las Vegas versetzen."

"Mit Bernie habe ich meine ersten Szenen gedreht", erzählt George Clooney. "Die Dreharbeiten begannen in New Jersey. Ich kenne ihn aus verschiedenen Filmen - er ist wirklich sehr komisch. Aber hier ging es um eine Rolle für einen echten Schauspieler. Er mußste sich in die Figur versetzen, Frank Catton ganz ernsthaft spielen und trotzdem witzig wirken. Bernie kam herein und schüttelte die Rolle locker aus dem Ärmel. Er bringt unglaubliches Talent mit - er schaut uns ganz ernsthaft in die Augen, und trotzdem müssen wir losprusten."

Reuben Tishkoff

Elliott Gould spielt Reuben Tishkoff, den einstigen Hotelkönig von Las Vegas, der von dem aalglatten Unternehmer Terry Benedict sehr unsanft ausgebootet wird. "Reuben ist in einer ganz anderen Las-Vegas-Ära groß geworden", erklärt Gould. "Er war mal ganz oben, aber dann hat Terry Benedict ihm das Wasser abgegraben. Mit dem Mirage, dem MGM Grand und dem Bellagio konnte er nicht mithalten - er mußste verkaufen. Und zwar zu Benedicts Bedingungen. Als besonders beleidigend empfindet Reuben, dass Benedict sein altes Hotel abreißen will, um an seiner Stelle ein weiteres Hotelmonster hochzuziehen. Deswegen erklärt Reuben sich bereit, Dannys Unternehmen zu finanzieren. Das Geld bedeutet ihm nichts - er will einfach wieder im Geschäft mitmischen - und er will sich rächen."

"Für Tishkoff ist der Coup eine sehr persönliche Sache", sagt Soderbergh. "Benedict hat ihn fertig gemacht - jetzt will Tishkoff den Spieß umdrehen. Auch das bringt Spaß im Kino: Wenn man eine Respektsperson erlebt, vor allem, wenn sie über viel Geld verfügt, und sie dann die Hosen runterlassen mußs. Wie sollte man dabei keine Genugtuung verspüren!"

George Clooney freute sich besonders darüber, dass Gould zum Team stieß, denn die beiden haben bereits 1984 bei der Sitcom-Serie ER - Emergency Room gemeinsam vor der Fernsehkamera gestanden. ER - Emergency Room war meine erste Serie überhaupt, und Elliott hat mir damals sehr dabei geholfen, mich an die Arbeitsatmosphäre am Set zu gewöhnen", sagt George Clooney. "Er spielte die Hauptrolle, behandelte aber das gesamte Team zuvorkommend und mit Respekt - ob nun Schauspielerkollege, Crewmitglied oder Gastdarsteller. Der Mann hat Klasse. Er hat mir gezeigt, wie gut Dreharbeiten laufen können, wenn man alle Beteiligten mit einbezieht."

Saul Bloom

Carl Reiner spielt Saul Bloom, den von diversen Zipperlein geplagten alten Profi, der seinen Ruhestand unterbrechen mußs, um bei dem Überfall eine entscheidende Rolle zu übernehmen. "Ich habe mir Saul immer wie eine Frau vorgestellt, der man früher ständig den Hof gemacht hat - das ist jetzt schon lange vorbei, aber sie hat sich ihren Stolz bewahrt", sagt Soderbergh. "Als Rusty Saul zum Mitmachen überreden will, tut der zunächst so, als ob ihm das völlig egal ist, obwohl er natürlich unbedingt dabei sein möchte. Er will auf keinen Fall zugeben, wieviel ihm dieser Coup bedeutet."

"Saul ist ein Versager", erklärt Reiner, der 1976 für Produzent Jerry Weintraub die Komödie "Oh, Gott" inszeniert hat. "Als er die Chance bekommt, endlich mal auf der Seite der Gewinner zu stehen, packt er die Gelegenheit beim Schopf. In seiner großen Zeit war er wahrscheinlich mal ein ausgefuchster Betrüger. Doch als Rusty ihn aufspürt, kann er sich nicht mal mehr Pferdewetten leisten - er ist bei den Hundewetten angekommen. Danny und Rusty wissen aber, dass er mal ein erstklassiger Trickbetrüger war und dass er sich gut verstellen kann. Deswegen setzen sie ihn ein."

Um Terry Benedicts Vertrauen zu erschleichen, verwandelt Saul sich in Lyman Zerga, einen hartgesottenen Geschäftsmann unbestimmter Herkunft. "Saul weiß sehr genau, wie er als Lyman Zerga auftreten mußs", bestätigt Reiner. "Das Rollenspiel macht ihm riesigen Spaß - denn dadurch wird er zu einem Dreh- und Angelpunkt des Plans. Natürlich genießt er es, als Großkotz aufzutreten und seine Einsätze auf den Spieltischen des VIP-Saals zu platzieren. Fast vergisst er dabei, dass er nicht sein eigenes Geld verspielt!"

Turk & Virgil Malloy

Scott Caan und Casey Affleck spielen die Zwillinge Turk und Virgil Malloy die sich mit Autos bestens auskennen. "Die Malloys sind glücklich, wenn sie im Wagen sitzen und sich streiten können", sagt Soderbergh. "Das ist ihre Lieblingsbeschäftigung. Wenn sie dafür sogar bezahlt werden, geht für sie ein Traum in Erfüllung."

"Turk und Virgil verwandeln sich während des Coups fünf- oder sechsmal", sagt Griffin. "Ihr Spezialgebiet ist das Fahren, aber sie sind auch Meister des schnellen Kostümwechsels. Die Inspiration zu diesen Figuren stammt aus meiner Kindheit, als ich lange Autofahrten neben meinem Bruder auf dem Rücksitz aushalten mußste." "Scott und ich streiten uns ständig", sagt Affleck. "Wir kappeln uns, reizen uns immer wieder gegenseitig - was echt Spaß macht. Doch obwohl die Zwillinge sich andauernd in den Haaren liegen, bilden sie ein äußerst effektives Team."

"Casey und ich haben denselben Arbeitsstil", sagt Caan. "Wir haben einen Zug durch die Gemeinde gemacht und merkten gleich, dass wir beide gern improvisieren - was Steven uns manchmal auch erlaubt. In meinem Beruf reagiere ich am liebsten aus der Situation heraus. Casey kann das hervorragend. Jedesmal setzt er mir noch eins drauf."

Yen

Der chinesische Akrobat Shaobo Qin gibt mit Ocean's Eleven sein Filmdebüt als erstaunlich wendiger "Schlangenmensch" des Teams. "Yen hat seinen Namen von einem meiner früheren Mitschüler, der in der Grundschule mehr Spott als alle anderen ertragen mußste", gesteht Griffin. "Auf diese Weise möchte ich das wiedergutmachen."

"Meine Spezialität sind die chinesische Stangennummer und die Tonnennummer, bei der ich meinen Körper zu einem sehr kleinen Zylinder zusammenrolle", erklärt Qin per Dolmetscher. "Ich habe die Rolle vor allem bekommen, weil ich das kann. Sie brauchten jemanden, der sich in einen sehr engen Raum zwängen und Wege benutzen kann, die jedem sonst verwehrt sind."

"Als wir Shaobo engagierten, wussten wir nicht mal, ob er überhaupt schauspielerische Fähigkeiten hat", sagt Weintraub. "Wir brauchten vor allem einen Akrobaten mit seinen speziellen Fähigkeiten. Aber wir haben Glück gehabt. Er spricht zwar kaum Englisch, aber Steven hat ihn angeleitet, George hat ihm einiges gezeigt - und irgendwie hat er es verstanden und ausgeführt. Ich weiß heute noch nicht, ob er kapiert, worum es in der Story wirklich geht."

Steven Soderbergh - Der Mann mit den Ideen dass so viele Spitzendarsteller bereit waren, in Ocean's Eleven mitzuwirken, kann Steven Soderbergh sich und seinem hervorragenden Ruf als Regisseur zugute halten. Der Film ist eine echte Ensembleleistung - keiner der Starnamen wird auf dem Plakat hervorgehoben - und das galt auch für die Dreharbeiten.

"Wir haben es hier mit einem großen Ensemble zu tun, und Gespräche in der Küche mit dem Baby im Arm gibt es diesmal nicht", sagt Julia Roberts im Hinblick auf ihre Rolle in Erin Brockovich. "Daran kann man ablesen, wie sehr Steven auf unterschiedliche Stoffe und Erzählweisen Wert legt. Er ist ein Meister seines Fachs, beim Dreh ruhig, ausgeglichen, umgänglich und offenherzig. Ich kenne eine Menge netter Leute, mit denen ich gern zusammen bin. Aber wenn sie künstlerisch nicht begabt sind, dann gehe ich eben lieber mit ihnen essen. Wenn Steven also Groschenromane schreiben würde, stände einem Dinner nichts im Wege, aber arbeiten würde ich nicht mit ihm."

"Bei Stevens Dreharbeiten herrscht immer eine lockere Atmosphäre", stellt George Clooney fest. "Ich habe den Eindruck, dass alle Beteiligten mehr leisten, wenn sie sich geborgen fühlen, keinen Hinterhalt fürchten müssen oder Angst haben, in irgendwelche Fettnäpfchen zu treten. Er ist so gut vorbereitet, dass der Hauptteil der Arbeit schon getan ist, bevor wir überhaupt am Set erscheinen." Don Cheadle freute sich sehr, wieder mit Soderbergh zu drehen. "Die Arbeit gestaltet sich angenehm, weil ich weiß, dass er mir vertraut - und nicht nur das: Er lädt mich ein, mich selbst einzubringen, zeigt Interesse und Neugier auf das, was ich selbst zur Sache beitragen kann", sagt Cheadle. "Er nimmt diese Anregungen auf und baut sie in den Film ein. Ich habe es noch nie erlebt, dass jemand so entspannt arbeitet wie Steven. Ich habe Situationen erlebt, in denen ich dachte: ,Also wenn er jetzt nicht in die Luft geht - mir wäre längst der Kragen geplatzt.' Aber das passiert nie. Er erreicht das, was er sich vorgenommen hat - auch ohne wie ein Fünf-Zentner-Gorilla durchs Studio zu toben."

"Durch Stevens Adern mußs Marmelade fließen", pflichtet Andy Garcia ihm bei. "Er ist sehr sanftmütig - höchst konzentriert, ohne angespannt zu sein. Er schafft eine hervorragende Atmosphäre am Set, hat immer ein offenes Ohr für Anregungen und ermuntert uns dazu. Er sorgt für eine Stimmung, die unsere Arbeit sehr fördert. Er kann sehr gut zuhören, ist ein echter Schauspielerregisseur. Er bewundert Schauspieler, weiß ihre Arbeit zu würdigen, freut sich einfach, sie bei ihrem Einsatz zu beobachten."

"Steven gibt ganz einfache Anweisungen - klar und präzise", sagt Matt Damon. "Manche Regisseure reden eine halbe Stunde auf mich ein - das verwirrt mich eher. Er inszeniert intuitiv and schnell. Weil er den gesamten Film im Kopf hat, kann er unmissverständlich formulieren, was er will. Umso leichter fällt es uns, in unsere Rollen einzutauchen." "Es gehört auch zu meinen Aufgaben als Regisseur zu verhindern, dass jemand sich daneben benimmt", sagt Soderbergh. "In einer Umgebung wie dieser merkt natürlich jeder, wenn sich jemand wie ein Idiot aufführt. Unsere Darsteller sind zu sehr Profis, um sich gehen zu lassen.

Sie kämen gar nicht auf die Idee, uns den Tag zu vermiesen, indem sie sich aufplustern und schlechte Manieren zeigen. Im Gegenteil, sie genießen die gemeinsame Arbeit - also genau das, was man sich immer wünscht. Belegen lässt sich das damit, dass die Darsteller auch in den Pausen immer am Set bleiben, sich unterhalten, Blödsinn anstellen und geduldig warten, bis die Kamera wieder einsatzbereit ist. Keiner zieht sich in seinen Wohnwagen zurück. Das werte ich immer als gutes Zeichen. Manchmal war das sogar problematisch, weil ich sie beim Geschichtenerzählen unterbrechen und zur Arbeit zurückholen mußste. Vor allem Carl Reiner hatte sich als Häuptling etabliert. Er kennt die besten Storys der Welt und kann irre komisch erzählen. Ich hoffte, dass er für mich als Regiekollegen Verständnis aufbringen würde, aber da hatte ich mich gründlich verrechnet. Er hat regelrecht Hof gehalten."

Laut Reiner hat "Steven zwei meiner Lieblingsfilme des letzten Jahres gemacht. Ich habe mich ja mehr oder weniger aufs Altenteil zurückgezogen, akzeptiere aber hie und da eine Rolle als Darsteller. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich das Glück haben würde, einen derart tollen Job zu kriegen. Ich habe 15 Filme inszeniert und in vielen mitgespielt. Aber ich habe nie jemanden kennen gelernt, der wie Steven Soderbergh aussieht, vorgeht oder inszeniert. Er ist in jeder Hinsicht ein Original. Er dreht keine Einstellung zu viel und denkt sich Kamerawinkel aus, die mir nicht im Traum einfallen würden. Er verlässt sich völlig auf seinen Instinkt. Und er hat immer Recht."

"Stevens Regiestil lässt sich gleichermaßen auf kleine, große und epische Filme anwenden", behauptet Weintraub. "Und ihm liegt die Arbeit mit den Schauspielern. Er lässt ihnen eine Menge Freiraum, kommt ihnen nicht in die Quere. Er zügelt sie, wenn sie vom Weg abkommen, beteiligt sie aber aktiv am Schaffensprozess. Deswegen schätzen ihn die Darsteller so sehr. Sie wissen, dass er duchs Objektiv schaut und nicht auf einen Monitor. Er beobachtet ganz genau, was sie machen, und er schneidet den Film schon im Kopf."

"Ich habe früher Frank Sinatra und Ella Fitzgerald immer als Instrumente, nicht als Sänger bezeichnet", fährt Weintraub fort. "Sie waren Teil des Orchesters. Soderbergh ist eine wandelnde Kamera. Panavision hat er gar nicht nötig. Wenn er die Kamera an sein Gehirn anschließen könnte, würde er der Film ganz allein drehen. Er sieht, was du und ich nicht wahrnehmen können. So wie Picasso auf einer weißen Leinwand malte, nimmt Steven mit seinen Augen Dinge wahr, die ich nicht sehen kann. Dieses Talent ist ihm von Gott gegeben - es besteht darin, dass er den Film denkt. Er denkt die Story. Er denkt sich in die nächste Einstellung hinein. Er denkt den Bildaufbau. Er denkt Farbe. Er denkt an das, was als nächstes kommt. Er weiß es einfach. Ganz unbeschreiblich."

Über die Produktion "Technisch gesehen ist dies ein Film, den Leute wie Steven Spielberg, David Fincher und John McTiernan mit links drehen", lacht Steven Soderbergh. "Ich kann das nicht. Für mich bedeutet es harte Arbeit. Als wir halb fertig waren, fragte ich mich ernsthaft, worauf ich mich da eingelassen habe."

Der berühmte Las Vegas Strip mit seinen luxuriösen Hotels und Casinos stellt den größten Schauplatz des Films. "Was mich besonders beunruhigt hat, als ich das Drehbuch las, war die Menge der Szenen, die wir im Casino drehen mußsten", gibt Soderbergh zu. "Freunde von mir hatten in Vegas gedreht und berichteten, dass die Hotels Dreharbeiten normalerweise nur an Wochentagen zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens gestatten. Diese Aussicht war mir gar nicht geheuer. Aber wie sich herausstellte, kamen uns die Casinos, vor allem das Bellagio, uneingeschränkt entgegen."

Diese großzügige Kooperationsbereitschaft lässt sich mit zwei Worten erklären: Jerry Weintraub. "Mit Jerry hatten wir ein Ass im Ärmel, von dem wir gar nichts wussten", sagt George Clooney. "Wir kannten ihn als Produzent und als Organisator von jeder Menge großer Konzertveranstaltungen. Aber wir hatten keine Ahnung, was er als Produzent alles auf die Beine stellen kann. Er ist ein wahrer Showman, was Steven und mir garnicht liegt. Jerry hat uns allein in Las Vegas Produktionsmittel im Wert von etlichen Millionen Dollar besorgt - einfach weil er die richtigen Leute kennt. Er ist bei jedermann dort hoch angesehen."

"Ohne Jerry wäre das alles buchstäblich nicht möglich gewesen", fügt Soderbergh hinzu. "Denn dann hätten wir wie jede andere Produktion versuchen müssen, eine Drehgenehmigung zu bekommen. Ganz erstaunlich, wie er den Verantwortlichen die Story verkauft hat - er stellte uns als ein Team vor, das keinerlei Unannehmlichkeiten verursachen würde - Schäden im Casino sollte es nicht geben, und außerdem ist der Film durchaus kein schlechtes Aushängeschild für Las Vegas."

Aus den Luxushotels am Strip wählten die Filmemacher das Bellagio aus, um dort fünf Wochen lang den Hauptteil des Films, Innen- wie Außenaufnahmen zu drehen. In den exklusiven abgeschirmten Villen des Hotels richteten sich auch die Darsteller während ihres Aufenthalts in Las Vegas häuslich ein. "Wir suchten uns das Bellagio aus, weil es das schönste, luxuriöseste und wichtigste Hotel von Las Vegas ist", sagt Weintraub. "Hinzu kommt, dass es zum Zeitpunkt unseres Vertragsabschlusses Steve Wynn gehörte, mit dem ich eng befreundet bin. Ich habe schon früher Filme in seinem Mirage Hotel gedreht. Er weiß also, wie ich arbeite - er brauchte sich um den Ruf seines Hotels keine Sorgen zu machen. Und das, obwohl wir das Hotel doch ausrauben wollten! Es ergab sich dann, dass er das Hotel an Kirk Kerkorian verkaufte, bevor wir überhaupt zu drehen begannen. Aber auch mit Kerkorian bin ich seit langem befreundet, also lief alles wie geplant."

Dennoch gestalteten sich die Verhandlungen über die umfangreichen Dreharbeiten im Bellagio für Weintraub und Co. reichlich kompliziert. "Wir stellten ihnen unseren Drehplan für das Hotel vor, und ständig hieß es: ,Nein, so geht das nicht' und ,Nein, nein, nein, nein'", erinnert sich Weintraub. "Darauf machten unsere Executive Producers John Hardy und Susan Ekins mit Bobby Baldwin, dem Leiter der Mirage Resorts, und Terry Lanni, dem Vorstandsvorsitzenden und Leiter des MGM/Mirage, einen Besichtigungsrundgang durch das Hotel. Susan und John haben ihnen gezeigt, was Steven vorhatte, und Bobby Baldwin gab daraufhin grünes Licht. Man mußs sich dabei klar machen, dass wir den Hotelbetrieb völlig auf den Kopf gestellt haben. Drei oder vier Tage lang wurde die Auffahrt für die Wagen und der Parkplatz-Service speziell für uns völlig abgesperrt. Also mußsten alle Hotelkunden, auch die VIPs, in der Betonhalle des normalen Parkhauses einchecken. Wir durften die Wasserspiele im Teich und die Springbrunnen abstellen. Wir sperrten das Treibhaus und den botanischen Garten, wir sperrten die Rezeptionshalle mit der berühmten Glasstatue von Dale Chihuly, und einmal haben wir sogar den Spielsaal für VIPs mit Beschlag belegt."

"Einfach verblüffend", erinnert sich Soderbergh. "Wir brauchten uns zeitlich überhaupt nicht einzuschränken. Wir durften einen ganzen Flügel des Bellagio-Casinos auch während des Tages absperren, um dort zu drehen. Sogar die Wasserspiele wurden speziell auf unsere Filmmusik programmiert. Als Ausgleich ist der Film natürlich praktisch ein zweistündiger Werbespot für Las Vegas und das Hotel."

Produktionsdesigner Phil Messina kommentiert: "Ich habe das nicht in Quadratmetern ausgerechnet, aber ich schaute es mir auf dem Grundriss an: Ich schätze mal, dass wir während der Dreharbeiten im Bellagio jederzeit über 25 bis 30 Prozent der Casinofläche verfügen konnten. Das hat es noch nie gegeben. Uns wurde alles erlaubt, und das verdanken wir direkt dem hohen Ansehen, das Jerry im Hotel genießt. Wir haben sogar Sub-Unternehmen im Hotel behindert, die nicht unbedingt davon profitierten: Das Restaurant Le Cirque erlaubte uns, die Front mit einer falschen Fassade komplett abzudecken. Unser Team fing um Mitternacht mit der Arbeit an, als das Restaurant schloss, und ließ es hinter einer Wand völlig verschwinden. Morgens filmten wir dann dort unsere Szene, und die Wand war wieder abgerissen, als das Restaurant um 16 Uhr öffnete."

Las Vegas aus dem Blickwinkel des Produktionsdesigners Soderbergh holte viele Mitarbeiter seiner früheren Filme ins Ocean's Eleven-Team, darunter auch Produktionsdesigner Phil Messina, der Traffic und Erin Brockovich mitgestaltet hatte, und Kostümbildner Jeffrey Kurland (Erin Brockovich). Mehr als die Hälfte der Prduktionscrew war ebenfalls an einem oder beiden dieser Filme beteiligt, etliche Mitarbeiter arbeiten seit seinen frühen Filmen im Kernteam des Regisseurs.

"Ich erklärte Phil und Jeffrey, dass ich als Regisseur den Film im Laufe der Handlung stilistisch immer theatralischer gestalten möchte - das war die Vorgabe auch für ihren Bereich", erklärt Soderbergh. "Für den Anfang stellte ich mir sanftes Licht und milde Farben vor, denn der Film sollte sich ja in dieser Hinsicht steigern. Es war also Zurückhaltung angesagt, bis der Schauplatz nach Las Vegas wechselt. Aber auch dann stellte ich mir zwar einen knalligen Look vor, aber er sollte nicht wie ein James-Bond-Film aussehen."

"Ich orientiere meine Farbpalette am Bellagio Hotel", sagt Messina. Ich nenne das Benedicts zwei Welten: wie er sich einerseits in der Öffentlichkeit präsentiert und was er andererseits anstellt, um die Öffentlichkeit zu überwachen. Wir verwenden viele erdfarbene Schattierungen, warmes Rot und Gelb. Ich habe versucht, alle Inneneinrichtungen, die Mirador-Suite, die Galerie und den Kassenschalter in diesen Farbtönen zu gestalten, während die Szenen in den Räumen hinter den Kulissen eine kältere Farbpalette aufweisen. Ich versuche den Gegensatz zwischen ,vor' und ,hinter den Kulissen' deutlich herauszuarbeiten."

Messina berichtet, dass er 20 verschiedene Sets entwarf und bauen ließ. Hinzu kommen etliche Teil-Sets, die in vorhandene Schauplätze eingepasst wurden. "Zu den größten Sets, die wir vor Ort installierten, gehört der Kassenschalter im Casinosaal des Bellagio", erzählt er. "Wir brauchten einen Zugang vom Casinosaal zu den Hinterräumen. Ich hatte gleich zu Anfang die Idee, dass dort ein Schalter sein mußs, der einen solchen Zugang ermöglicht. Das Schwierigste dabei war, für den Schalter überhaupt Platz zu finden, denn wenn man sich Casinos anschaut, stellt man fest, dass dort keinerlei Platz verschwendet wird. Das Problem bestand darin, ein Set im Saal aufzubauen, ohne die Hotelgäste mehr als nötig zu stören.

Das Set mußste dort wochenlang stehen, durfte aber nicht den Weg versperren. Das war also eher ein logistisches Problem - es ging gar nicht darum, was im Film am besten aussieht. Das Bellagio-Management räumte uns also einen Bereich frei, in dem wir den vergitterten Schalter installierten - von der Decke zum Boden, etwa 25 Meter lang, mit Eisen- und Messingstäben vergittert. Dann bauten wir auch noch ein Stück Flur dazu, damit die Filmhelden durch die Tür ins Casino gelangen können. Es war besonders wichtig, diese Verbindung zu unserem Set herzustellen. Die Tür soll sich öffnen und den Blick auf den gesamten Casinosaal freigeben." Der vergitterte Schalter wurde in Los Angeles vorgefertigt und nach Las Vegas verfrachtet. "Ich habe den vorhandenen Kassenschalter in unser Set integriert", sagt Messina. "Etwa ein Dutzend Techniker, Zimmerleute und Elektriker des Bellagio haben uns beim Aufbau geholfen - eine echte Teamarbeit."

"Phil setzt in jedem Fall Ideen um, die wir bei der Besichtigung des echten Schauplatzes entwickelt hatten", sagt Soderbergh. "Wir haben nur bestimmte Elemente hinzugefügt, einige Bauten, einige Scheinwerfer, die den Look über das Normale hinausheben. Ich merkte, dass die Hotelverantwortlichen von Phils Set schwer beeindruckt waren. Zunächst wollten sie uns beim Aufbau helfen, aber das war nicht möglich. Aber sie haben zugeschaut und mit angepackt, als Phil mit seiner Crew den Schalter aufbaute. Sie gaben später zu, eine Menge gelernt zu haben. Ein Angestellter des Casinos sagte, dass im Casinosaal ständig Dinge ausgetauscht oder hinzugefügt werden müssen, und dass sie in Zukunft einige Techniken anwenden wollten, die sie unserer Ausstattungsabteilung abgeguckt haben. Sie waren von Phils hervorragender Bauweise sehr angetan und gaben schließlich zu, dass sie selbst das nicht so solide und detailfreudig wie Phil hinbekommen hätten. Wahrscheinlich wird das Publikum uns unbesehen abnehmen, dass alle unsere Filmbauten tatsächlich zum Bellagio gehören. Jedenfalls hoffe ich das."

Während der Aufnahmen in Las Vegas enstanden auch drei Flashback-Sequenzen. "Das Gute an den Rückblenden: Sie bestehen nur aus kurzen Schnipseln", sagt Messina. "Denn ich habe mir mit unserem Aufnahmeleiter Ken Lavet jedes Casino in Las Vegas angesehen - es ist schon erstaunlich, aber es gibt praktisch keines, das den Stil einer früheren Epoche beibehalten hat."

Für die Rückblende in die 70er-Jahre wählten die Filmemacher das Flamingo-Hotel aus, die 60er-Jahre werden durch das Barbary Coast repräsentiert, und die 80er vom Caesar's Palace. Dazu Messina: "Wir haben alte Spielautomaten aufgetrieben und versuchten dann, alle im Bild vorhandenen modernen Elemente irgendwie abzudecken. Wir kamen uns vor wie im Theater: Man baut das Bühnenbild tagsüber auf und reißt es anschließend sofort wieder herunter. Das gab ein ziemliches Durcheinander, aber Spaß hat es gemacht."

"Dieser Film bildet das genaue Gegenteil zu Traffic'", sagt Soderbergh. "Denn damals wählten wir praktisch nur Schauplätze, die wir ohne große Veränderung sofort benutzen konnten. Ich denke mal, dass Phil sich nach Traffic mit dem Entwurf und der Installation all dieser Sets richtig austoben konnte."

Messina kommentiert: "In diesem Film kommen keine privaten Wohnräume vor. Nur Reuben Tishkoffs Haus wird gezeigt. Ansonsten ausschließlich Hotelzimmer, Flure, Aufzugschächte und gewerbliche Räume. Schon früh kamen Steven und ich auf die Idee, mit Tishkoffs Haus auf die 50er- und 60er-Jahre zu verweisen, weil er noch ein Mann alter Schule ist. Wir suchten also nach ausladenden Wohnhäusern aus den 50er-Jahren und mußsten feststellen, dass es diese Art Architektur in Las Vegas nicht mehr gibt. In einem Buch über moderne Häuser in Palm Springs fanden wir, was wir suchten, und dort haben wir dann auch Tishkoffs Haus gefilmt."

Ganz zu Anfang konzipierte Messina den Tresor tief unter dem Bellagio. "Auf jeden Fall sollte er aus metallischen Oberflächen bestehen, weil ich Stevens Vorliebe für glänzende Oberflächen kenne", sagt der Designer. "Aber der Entwurf entpuppte sich als sehr kompliziert, weil der Tresor im Film sehr stark frequentiert wird. Man mußs einen Wagen hineinschieben können, und die Tür hatte bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen, damit man sie von innen wie von außen gut ins Bild bekam. Der Tresor mußs zwei Explosionen überstehen und anschließend wieder wie neu aussehen. Auch Stuntsequenzen finden darin statt - wir bauten also eine Decke ein, die sich mit Motorkraft komplett abheben lässt."

Soderbergh spricht Messina seine Bewunderung aus, wenn er sagt: "Man hat wirklich das Gefühl, als ob alle Szenen im Bellagio entstanden sind. Ich vergesse immer wieder, dass wir die Mirador-Suite im Studio nachgebaut haben. Im Film sieht sie genau wie die übrigen Hotelräume aus. Nach ein paar Stunden ist man reichlich verwirrt, weil man nicht mehr wahrnimmt, dass man sich im Filmstudio befindet. Einmal saß mein Regieassistent auf der Couch und blätterte instinktiv durch die Speisekarte des Zimmerservice, die auf dem Tisch lag. Man konnte genau sehen, wie er dachte: ,Was bestelle ich mir jetzt mal?' Die Ausstattung war so naturgetreu, dass man es mit der Angst bekam."

"Meine Planung bezieht sich überwiegend auf die Ausleuchtung der Räume", erklärt Messina. "Praktischerweise haben wir die Scheinwerfer voll in unsere Sets integriert. Anders als bei Traffic und Erin Brockovich spielt dieser Film häufig in geschlossenen, engen Räumen. Sobald das bauliche Konzept abgesegnet war, führten wir zahlreiche Tests mit Ausleuchtung durch. Ein gutes Beispiel ist der Tresor. Es gab kaum Möglichkeiten, irgendwo Scheinwerfer zu verstecken - wir mußsten die Beleuchtung gleich einbauen.

Außerdem mußsten wir etwa 150 Meter Flur ausstatten, die jenen Bereich des Hotels darstellen, den nur die Angestellten zu sehen bekommen. Es gab ,Zählräume', den Zugang zum Aufzug, den Konferenzraum, den Pausenraum, das ,Himmelsauge', das Verhörzimmer. Statt jeden Raum einzeln zu bauen, wollte ich ein großes, zusammenhängendes Set errichten, das durch nur einen Flur verbunden ist. Denn ich weiß, dass Steven die daraus entstehenden Möglichkeiten zu nutzen weiß - wenn ich alles mit einem Flur verbinde, dann filmt er es auch als verbundenes System. Tatsächlich verwendet er viele Fahraufnahmen, in denen die ganze Sequenz der Räume zu sehen ist."

Zwei weitere Sets erforderten eingehende Vorab-Überlegungen. Einmal das ,Himmelsauge', jener Raum, in dem die Spieltische des Casinos per Monitor überwacht werden. Laut Messina ist "das echte ,Himmelsauge' ganz auf praktische Nutzung eingerichtet. Viele Filmszenen sind hier angesiedelt, und ich wusste natürlich, dass man dort letztlich immer nur auf Monitore starrt. Deswegen wollte ich den Hintergrund interessant gestalten, um Steven auch für die Gegenschüsse verschiedene Möglichkeiten anzubieten. Ich habe das Set also so gestaltet, dass Steven seine Blickwinkel frei wählen konnte. Dadurch wirkten diese Szenen lebendiger, und jede weitere Szene bietet neue optische Reize."

"Die meisten Überwachungsräume sind derart funktional gestaltet, dass sie schlicht langweilig wirken", kommentiert Soderbergh. "Da hatte Phil die Idee, den Raum kreisförmig anzulegen und in verschiedene Ebenen zu gliedern: Glas, dann die Monitore, dann ein Zwischenraum und schließlich die Wand. Das erzielt eine Tiefenwirkung und vermeidet den Zellencharakter. Wir haben auch die Beleuchtung vorher abgesprochen. Phil richtete sie so ein, dass ich praktisch ohne jeweilige Vorbereitung mit dem Drehen anfangen konnte."

In Bezug auf die Monitore erklärt Messina, dass "uns das Bellagio auch hier sehr entgegen kam. Wir konnten uns in das Hotel-Videosystem einklinken und stundenlang die tatsächliche Monitorüberwachung mitschneiden. Dieses Material haben wir dann umkopiert, abgemischt und den Szenen angepasst, die wir in unseren Sets gedreht haben. Wir durften nur Aufnahmen verwenden, in denen man die Rücken der Spieler sieht, beziehungsweise Totalen des Saals von hoch oben. Man kann keine Gesichter erkennen. Diese Szene wird von Kontrasten bestimmt."

Messina und sein Team entwarfen außerdem einen Apparat namens "Kneifer", der in der Handlung eine Schlüsselfunktion übernimmt. "Das Ding haben wir speziell für den Film entworfen", sagt Messina. "Aber es gibt tatsächlich einen Kneifer. Im Grunde handelt es sich um einen Teilchenbeschleuniger, mit dem man elektromagnetische Impulse aussenden kann. Wir haben uns vorher eingehend mit dieser Materie befasst, denn unser Apparat sollte sich möglichst an echten Vorbildern orientieren. Per Internet nahmen wir Kontakt zu Wissenschaftlern auf, und wir fanden Leute, die mit diesen Teilchenbeschleunigern arbeiten. Unser Requisiteur besuchte ein Labor im Norden Kaliforniens, wo ein Kneifer benutzt wird, er brachte Fotos und Diagramme mit. Natürlich wollte ich das Ding nicht 1:1 kopieren, ich ließ mich nur von den optisch interessanten Aspekten inspirieren."

Die Spieler werden kostümiert In den vorbereitenden Diskussionen mit Kostümbildner Jeffrey Kurland formulierte Soderbergh den Wunsch, die Kleidung der Darsteller in gewisser Weise zu übertreiben. "Wir versuchten einen Weg zu finden, um die Outfits der Hauptdarsteller und der Komparsen theatralisch zu akzentuieren, ohne sie dabei unrealistisch erscheinen zu lassen", sagt Soderbergh. "Das war die Vorgabe für Jeffrey. Er mußste für die elf Mitglieder des Teams mehrere unterschiedliche Outfits entwerfen, dazu für Julia und Andy. Außerdem war er für die Statisten zuständig. Er hatte echt alle Hände voll zu tun."

"Die Einteilung des Skripts nach für mich relevanten Kriterien lief genauso wie bei anderen Filmen", erinnert sich Kurland. "Allerdings handelte es sich diesmal um ein riesiges Projekt. Der Film spielt in der Gegenwart - man hätte die Kostüme also von der Stange kaufen können. Aber Steven legte großen Wert darauf, dass ich für alle Beteiligten eigene Entwürfe lieferte. Wir haben uns also ausführlich über die Hauptpersonen und seine Auffassung unterhalten. Dann fing ich an zu skizzieren. Jeder Schauspieler übernimmt eine klar umrissene Rolle, was besonderen Spaß macht. Ich präsentierte Steven die ganze Parade für jeden einzelnen Darsteller. Und auf einem weiteren Blatt zeichnete ich alle Figuren zusammen, damit er sich einen Überblick verschaffen konnte.

Natürlich mußste Kurland sich auch mit Phil Messina absprechen, um ein gemeinsames Filmkonzept zu entwickeln. "Die Arbeit mit Phil erscheint mir, als ob ich einen weiteren Arm zur Verfügung hätte", berichtet Kurland. "Wir tauschten uns über Farbkonzepte und Ideen aus. Als ich erzählte, dass ich Terry Benedict einen leicht asiatischen Look verpassen wollte, entwarf Phil auch Benedicts neues Hotel mit einem deutlich fernöstlichen Touch. Und wir stimmten die Farben der Möbelpolster ab, damit die Darsteller in seinen Möbeln nicht unsichtbar werden."

Auch Messina hat von dieser Zusammenarbeit profitiert: "Jeffrey und ich haben uns genau abgesprochen über die metallischen Elemente im Angestelltentrakt, und ironischerweise verwendet er bei seinen Kostümen häufig glänzende Stoffe. Die Idee stammt von uns beiden, und beide haben wir uns um den Glitzer-Look bemüht - er glitzert wortwörtlich. Auch die Farben in der Galerie haben wir abgestimmt, denn dort regiert Tess. Dort können wir Tess in ihrer Umgebung zeigen. Julias Garderobe passt sich dem Bellagio an, weil dort Benedict das Sagen hat. Wir beide gestalten ihre Suite eher als Bestandteil von Benedicts Welt, in der sie gefangen ist."

"Die Szenen in Tishkoffs Garten und Haus entstanden ja in Palm Springs, das in diesem Fall für Las Vegas einspringt", verrät Kurland. "Wir orientieren uns dort an kühlen Wüstenfarben, mit ein paar stärkeren Akzenten zwischendurch. Jeder Schauplatz bekommt sein eigenes Farbkonzept. Die elf Jungs tragen vorwiegend Sandfarben und gedämpfte Töne. Reuben passt da nicht ganz hinein, aber das entspricht ja seiner Rolle. Jeder Darsteller trägt eine ganze Reihe von Kostümen - und anhand von Einzelzeichnungen habe ich Steven die Verwandlungen demonstriert. Ich glaube, jeder wechselt das Outfit mindestens zehnmal, und wenn ich mich recht erinnere, mußs George sich 26-mal umziehen, Rusty 24-mal, Elliott 12- oder 14-mal. Außerdem fertigte und entwarf ich auch während der Produktion je nach Bedarf ständig weiter Kostüme."

Den Einstieg fand Kurland über Danny und Rusty, weil die beiden sich den komplizierten Coup ausdenken. "Danny ist der solidere Typ von beiden - er sieht klassisch aus, wie Cary Grant auf der Leinwand. George Clooney kann praktisch alles tragen, und er sieht immer top aus. Danny hat zwar die Idee, aber Rusty setzt sie um. Er spielt also eine Schlüsselrolle und hat eine ausgeprägte Persönlichkeit. Brad wünschte sich ausdrücklich, die Rolle mit mir zu erarbeiten. Bei mehreren Anproben entwickelten wir für ihn einen schicken Stromlinien-Look. ,Wie ein Rennfahrer' beschreibt Brad das."

"Carl Reiners Look für Saul orientiert sich am Stil der amerikanischen Ostküste", fährt Kurland fort. "Ich stelle mir vor, dass er aus Brooklyn stammt, jetzt ist er ganz unten angekommen und fristet in Florida sein Dasein. Seine Verwandlung in Lyman Zerga wirkt natürlich ganz enorm."

"Als ich Carl traf, nachdem er meine Skizzen gesehen hatte, sagte er: ,Du hast die Rolle für mich geschaffen.' Genau wie Elliott Gould ist Carl noch in der alten Theatertradition und im Live-Fernsehen groß geworden - die beiden haben eine ganz andere Einstellung zu ihren Kostümen."

"Reuben Tishkoff, gespielt von Elliott Gould, repräsentiert das alte Las Vegas. Ich schlug vor, dass Elliott eine überdimensionale Brille tragen sollte, und er war begeistert. Während unserer Anproben experimentierte er mit seiner Stimme und Gestik. Bei der dritten Anprobe rauchte er bereits Zigarre - dabei ist Elliott Nichtraucher. Auch Reubens Schmuck charakterisiert die Rolle. Der symbolbeladende Diamantenschmuck wurde speziell für ihn in New York angefertigt. Hier vor Ort haben wir das Armband mit seinem Namen und den Ring machen lassen - in Absprache mit Requisiteur Steve Melton. Das war sehr angenehm, denn ich mußste einfach nur die Zeichnung liefern, und Steve kümmerte sich darum, das die Entwürfe umgesetzt wurden."

"Don Cheadle und Steven beschlossen, dass Basher aus der Londoner Unterschicht stammt. Ich sprach mich mit Don ab - beide fanden wir, dass Basher ein echter Kommisskopf sein mußs und wahrscheinlich Mitglied jeder europäischen Revolutionsmiliz gewesen ist. Ich habe mich ein wenig an den britischen Rockern der späten 60er- und frühen 70er-Jahre orientiert, das Ganze aber ins Militärische verlagert."

"Die Malloy-Brüder (gespielt von Casey Affleck und Scott Caan) kleiden sich völlig unterschiedlich. Der eine eher konservativ, der andere flippiger. Wie bei Brüdern üblich, hacken sie ständig aufeinander ein. Dennoch bilden sie ein echtes Team. Jeder schlüpft in sechs verschiedene Verkleidungen und nimmt sechs verschiedene Persönlichkeiten an: als Kellner, Wachpersonal, schwarze Sheriffs, Krankenwagenbesatzung, Touristen und Ballon-Auslieferer. Das war gar nicht so einfach."

"Der abgedrehteste Typ von allen ist allerdings Bernie Mac, der den Frank Catton darstellt. Wir wollten ihm einen echt coolen Ostküsten-Look verpassen, der seinem Aussehen entspricht. Egal, was Bernie trägt - er sieht immer spitze aus. Ich habe ihm reichlich Buntes und viele Schichten übereinander angezogen."

"Auch mit Andy Garcia hatte ich meinen Spaß. Benedict ist das genaue Gegenteil von den Elf. Der Mann regiert Las Vegas, ist stinkreich und sehr stilbewusst. Auch Andy hat einen sehr ausgeprägten Stil und kleidet sich sehr sorgfältig."

"Shaobo Qin einzukleiden, machte echt Spaß, denn Yen ist ein chinesischer Akrobat, und wir wissen nicht genau, für welchen Zirkus oder welche Truppe er eigentlich arbeitet. Aber das Zelt wirkt sehr spektakulär, und ich gestaltete seine Kostüme ganz klassisch. Der Stil orientiert sich an der Gegenwart, hat aber einen ausgesprochen chinesischen Touch."

"Schließlich Julia, die einzige Frau im Film. Ich kleide sie jetzt zum fünften Mal ein, und jedes Mal war völlig anders. Kleider wie diese habe ich noch nie für sie entworfen. Ihr Look ist sehr selbstbewusst, intelligent, schick und sexy. Ich verwende vorwiegend solide Farben, Grau, Schwarz und einmal knalliges Rot. In einer Szene trägt sie ein Kleid aus goldenen Pailletten. In einer bestimmten Situation vermeiden wir den Glamour-Look, um Tess Oceans wahre Persönlichkeit zu zeigen, die sich von ihrem Auftreten in Benedicts Machtbereich abhebt. Wenn sie bei Benedict ist, setzen wir mit traumhaften Juwelen besondere Akzente.

Der Schmuck stammt von Tiffany & Co. Tiffany hat noch nie Juwelen verliehen - das ist dort einfach nicht üblich. Und ich mache normalerweise kein Productplacement - für beide Seiten war es also das erste Mal. Die Zusammenarbeit jedoch hätte nicht besser sein können. Sie schickten uns Fotos von verschiedenen Stücken und schließlich das echte Schmuckstück, damit ich endgültig entscheiden konnte. Sie haben speziell für uns die Größe angepasst und auch bestimmte Halsketten für Julia verändert, sie waren mehr als hilfsbereit. Nachdem ich eine Vorauswahl getroffen hatte, zeigte ich sie Julia, und gemeinsam mit Steven trafen wir die endgültige Entscheidung. Zu ihrem rotem Kleid trägt Tess ein Halskette mit schwarzen Tahiti-Perlen mit Diamantverschluss und passenden Ohrringen. Außerdem trägt sie einen Ring mit einem lupenreinen gelben Diamanten, eingefasst von Dreiecken aus Diamanten."

Neben den Hauptdarstellern betreute Kurland auch die Kostüme aller Statisten des Films. Manchmal mußste er 400 Leute am Tag einkleiden, die den Casinosaal bevölkerten. Hinzu kommen die drei Drehtage für die Rückblenden in drei verschiedene Jahrzehnte. Und in der Boxkampf-Szene im MGM Grand ging es um Tausende von Komparsen.

"Der Aufwand war gewaltig", erklärt Kurland. "Unsere Kostümschneiderei in Las Vegas umfasste 2000 Quadratmeter - ein Schneider unterstützte uns, fünf Mitarbeiter nähten. Jeden Tag haben wir Hunderte von Statisten eingekleidet, und so ging das wochenlang. Wir baten die Statisten, selbst verschiedene Outfits mitzubringen. Natürlich hatten sie nicht immer das Passende, und die meisten wollten als festliche Kleidung etwas Schwarzes tragen. Also haben wir schließlich 98 Prozent selbst eingekleidet. Wir ließen uns Lastwagenladungen voll Kostümen aus Los Angeles kommen.

Auch die Uniformen der Bedienung, der Barmänner und der Dealer an den Kartentischen sind mein Design. Wir haben sie vom Hotel absegnen lassen, denn nur so konnten wir den Look des Films voll und ganz kontrollieren. Alles ist auf Farbe und schimmernde Stoffe abgestimmt."

Eine Nacht in der Boxarena Wer während des Boxkampfes zwischen Lennox Lewis und Wladimir Klitschko im MGM Grand genau aufpasst, kann in dieser Szene zwei Darsteller des Originalfilms "Frankie und seine Spießgesellen" entdecken: Angie Dickinson und Henry Silva.

"Diese zwei Drehtage waren sehr anstrengend", erinnert sich Soderbergh. "Der Saal war von Tausenden von Statisten bevölkert, und die Szene sollte ins absolute Chaos münden." Soderbergh staunte über die physische Präsenz der beiden Schwergewichtler. "Ich war überrascht, wie groß die Boxer sind", sagt er. "Natürlich hatte ich über ihre Maße gelesen, aber wenn man neben ihnen steht, wirken sie wie Giganten.

Dabei sind sie sehr freundlich, hochintelligent, und sie zeigten viel Verständnis für die Abläufe der Aufnahmen. Unsere Vorgabe war, dass der Champion und sein Herausforderer im Ring nur so tun, als ob. Man braucht die richtigen Leute, um so etwas problemlos hinzubekommen. Lennox und Vlad haben sich buchstäblich toll geschlagen. Nach jedem Take rief ich ,Cut!', sie stießen ihre Boxhandschuhe gegeneinander und verzogen sich in ihre Ecke. Das beruhigte mich sehr, denn wir konnten es uns wirklich nicht leisten, dass die beiden etwa tatsächlich aufeinander losgingen. Was wäre passiert, wenn diese beiden Kolosse einen echten Streit angefangen hätten?"

Gemeinsam bis zum Schluss Es gelang Soderbergh und seinem fähigen Team, die Kameradschaft und das intensive Zusammenspiel des Darsteller-Ensembles in Ocean's Eleven auf Film festzuhalten - aber das ist nicht nur den hochkarätigen Schauspielern und dem fantasievollen Kulissenzauber zu verdanken. "Als wir in Las Vegas ankamen, haben wir uns im Produktionsteam bewusst darum bemüht, dass die elf Teammitglieder auch nach Drehschluss zusammenblieben", sagt Jerry Weintraub. "Das fiel uns nicht schwer, denn sie mochten sich. Und sobald sie ein bisschen Freizeit abseits des Sets hatten, entwickelten sich richtige Freundschaften zwischen ihnen. So etwas kann für Geld nicht kriegen. Es ist wahrlich aufregend zu erleben, wenn Schauspieler gar nicht abwarten können, wieder gemeinsam vor die Kamera zu treten. Während meiner vielen Jahren im Showgeschäft hat wohl kein Film so viel Spaß gemacht wie dieser."

George Clooney stimmt ihm zu: "Als Matt Damon seine Rolle abgedreht hatte, rief er aus Paris an und sagte, dass er uns und den Dreh vermisste. Das mußs man sich mal vorstellen - ausgerechnet aus Paris ruft er an, nur um uns das zu erzählen."

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