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Szenenfoto Er ist der einzige Schüler dunkler Hautfarbe an der Palmetto Grove Academy, einer honorigen Privatschule im tiefsten amerikanischen Süden. Und dennoch hat Odin James (Mekhi Phifer) keinen Grund, sich isoliert zu fühlen oder sich als Minderheit zu sehen - wozu er dank unerschütterlichen, auf Kraft und Integrität gegründeten Selbstbewusstseins auch viel zu stolz wäre.

Als Basketballspieler macht Odin die lebenswichtigen Punkte, führt sein Schulteam bis ins Halbfinale der Landesmeisterschaft und darf sich Hoffnung auf eine Zukunft in der NBA machen. Seine tiefe Liebe zur klugen wie unprätentiösen Studentin Desi Brable (Julia Stiles) ist von gegenseitigem Respekt und wachsender Reife geprägt. Und als er wegen dieser Beziehung von Desis Vater, seines Zeichens auch Schuldirektor (John Heard), aus unverkennbar rassistischen Beweggründen angegriffen wird, stellt sich Coach Goulding (Martin Sheen), der Trainer der Basketballmannschaft vor Odin, der an der Akademie uneingeschränkte Autorität genießt. So prallen alle potenziellen Probleme ab und es scheint nur logisch, dass Odin zum "most valuable player" der Saison erklärt wird. Bejubelt von der Schülerschaft und der strahlenden Desi, teilt er die Trophäe mit seinem guten Freund und Mitspieler Michael Casio (Andrew Keegan). "Ich liebe ihn wie einen Sohn", hört Odin zuletzt den Trainer sagen.

Das Leben könnte nicht sonniger sein. Es sei denn, man ist wie Hugo Goulding (Josh Hartnett) der leibhaftige Sohn des Trainers und vertritt brütend die Ansicht, dass man viel eher ein Anrecht auf Vaterliebe oder Popularität hätte.

Nur nach außen ist Hugo ein geduldiger, bei Bedarf gefährlich schmeichelhafter Student, der seelische Verletzungen und zwischenmenschliche Enttäuschungen klaglos hinnimmt und schlimmstenfalls wegen seines Hangs zum Zynismus von der aufmerksamen Desi geschnitten wird. Niemand ahnt, wie sehr Neid und Eifersucht an Hugo fressen - noch verschlimmert dadurch, dass auch er Odin bewundert und sich für diese diffuse Haßliebe vielleicht mehr verachtet, als er es artikulieren kann. Doch der Punkt ist erreicht, an dem er glaubt, sich wehren und als Schwächerer wie in einem Endspiel mit versteckte Fouls durchsetzen zu müssen.

So nimmt Hugo schon seit geraumer Zeit Steroide, um seine Kraft auf dem Basketball-Court zu potenzieren. Doch weil er glaubt, in den Augen seiner Mitschüler und seines Vaters erst wirklich glänzen zu können, wenn Odins Stern verblasst, richtet er seine gesamten Energien darauf, den guten Freund und nichts ahnenden Rivalen zu schwächen und zu kompromittieren.

Weil er im Verborgenen seine Pläne schmiedet, schickt Hugo den leicht zu beeinflussenden Mitschüler Roger Rodriguez (Elden Hanson) vor. Ein Sohn reicher Eltern, der hoffnungslos um Desi buhlt und deshalb mit Hugo gegen Odin paktiert. Roger provoziert auf Hugos Geheiß Schlägereien, derweil geflüsterte Gerüchte dafür sorgen, dass das Teamwork zwischen Odin und seinem besten Basketballpartner Michael gesprengt wird.

Szenenfoto Doch das wahre Ziel von Hugos hinterhältigen Attacken ist die Liebe zwischen Odin und Desi. Während die beiden sich einander körperlich und emotional öffnen, ohne vor den Problemen einer gemischtrassigen Beziehung die Augen zu verschließen, sät Hugo bereits Zwietracht und Entfremdung. So beginnt er des Basketball-Stars Unerschütterlichkeit ins Wanken zu bringen, indem er ihn an seiner schwächsten Stelle trifft - den Gefühlen.

"Weiße Mädchen sind Schlangen, Bruder" ist einer dieser vielen vergifteten Sätze, die Hugo seinem schwarzen Freund Odin zuwispert, der sich gegen aufkeimendes Misstrauen und angeknackste Illusionen wehrt. Doch indem er Desis Mitbewohnerin Emily (Rain Phoenix) mit süßer Lust zum Verrat lockt und alle anderen durch geschickte Rankünen ins offene Messer laufen lässt, weckt er Odins Eifersucht, die sich in Schmerz und Wut steigert.

Szenenfoto Während Hugo aus dem Schatten mit zunehmender Besessenheit und Selbsttäuschung seine Fäden zieht, droht Odin der Boden unter den Füßen wegzubrechen. Er ist unkonzentriert und unbeherrscht im Basketballspiel, nimmt Aufputschmittel und legt zu Coach Gouldings Fassungslosigkeit vor einem essentiellen Spiel brutalen Jähzorn an den Tag. Nicht minder heikel die Lage in seinem Liebesleben, wo er die perplexe Desi mit Vorwürfen eindeckt, fast überzeugt von ihrer Untreue und tragischerweise nicht ahnend, dass er die Liebe seines Lebens zu ersticken droht.

Doch selbst inmitten dieser gewaltigen Unruhen an der Palmetto Grove Academy gelingt es Hugo kaum, als ruhender Pol inmitten des Sturms näher an die Seite seines Vaters zu geraten. Die Zuspitzung der Ereignisse ist unvermeidlich - zumal Hugo die einmal in Gang gesetzte Tragldie nicht mehr aufhalten könnte, wenn er wollte.

In der Nacht vor dem wichtigsten Basketballspiel der Saison entladen sich die aufgestauten Emotionen, Lügen und Ängste aller Beteiligten. Und bevor die vermeintlich Erwachsenen um Coach Goulding ansatzweise begreifen können, unter welchem realen und künstlich erzeugten Druck ihre Söhne und Töchter, Schüler und Spieler zerbrochen sind, ist es zu spät für die Opfer - und die Täter ...

Dirk Jasper FilmLexikon
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