Informationen und Hintergründe zu Vanilla Sky
Szenenfoto Ausgangspunkt für Vanilla Sky ist der spanische Thriller (Öffne deine Augen), den Regisseur Alejandro Amenábar 1997 drehte. Produzentin Paula Wagner, Tom Cruise und Cameron Crowe gefiel der Film so sehr, dass sie in einem Remake eine Möglichkeit für ihre erneute Zusammenarbeit sahen.

"Wir schauten 'Abre Los Ojos' einzeln und zusammen an", erzählt Wagner, "und wir wussten alle, das ist das richtige Projekt. Für uns ist Vanilla Sky wie eine Cover-Version eines großartigen Songs. Wir zollen dem Originalfilm Tribut, aber wir hoffen, auch unsere eigenen Nuancen und Interpretationen einbringen zu können."

"Mit Vanilla Sky wollte ich das Publikum auf eine moderne, emotionale Reise mitnehmen", sagt Crowe. "Ich denke, Menschen schauen sich Filme an, um in eine andere Welt versetzt zu werden, und dieser Film führt uns ganz sanft zu einem bizarren und leidenschaftlichen Ort in unseren Herzen. Wir haben diesen Film so konstruiert - visuell und von der Geschichte her - dass er mehr und mehr verrät, je genauer man hinsieht. Wie tief auch immer sie in das Innere eintauchen wollen, ich hatte den Wunsch, sie bei diesem Film dort zu treffen."

Wagner ist sich sicher, dass Vanilla Sky nicht nur die Erwartungen der Filmemacher erfüllt, sondern auch die des Kinopublikums.

"Der Film geht an die Grenzen", sagt sie. "Er durchbricht die Muster konventionellen Filmemachens, und ist doch zugleich sehr zugänglich, warm und gefühlvoll. Es gibt viele Elemente und Ebenen, und am Ende weiß man ein bisschen mehr über die Wahrheit des Lebens."

Und tatsächlich ist Vanilla Sky in vielerlei Hinsicht weit mehr als ein normaler Hollywood-Film. So fügt Crowe hinzu, dass er auch einen tieferen Einblick in die Bedeutung von Liebe und Sex im neuen Jahrtausend geben wollte, und dass "Abre Los Ojos" als Katalysator dafür diente, sich diesem spannenden Thema anzunehmen.

"Ich wollte einen Film drehen über die Welt des schnellen Sex und über junge Erwachsene, die die Verantwortung für ihr Leben übernehmen", erklärt Crowe. "'Abre Los Ojos' inspirierte mich dazu, meine eigene Meinung dazu zu sagen. Es war wie eine perfekte Laborschale, um diese Thematik zu erforschen. Hoffentlich haben wir dabei einen coolen Dialog mit Amenábars Originalfilm schaffen können."

Hierzu vergleicht Wagner den Regiestil von Cameron Crowe mit dem eines Dirigenten, der ein Symphonie-Orchester leitet. "Cameron orchestrierte Vanilla Sky so wunderschön", sagt sie. "Es war seine Vision. Er setzte all die Künstler ein, all die Noten und all die Töne, und feilte an jeder einzelnen Darstellung."

Natürlich ist die Leistung eines Schauspielers nur so gut wie der Dialog, mit dem er oder sie arbeiten kann, und Vanilla Sky ist, wie alle Drehbücher von Crowe, mit vielen denkwürdigen Dialogen durchsetzt, die dem Zuschauer noch lange, nachdem der Film vorüber ist, im Kopf bleiben. "Irgendwie hat Cameron die Fähigkeit, eine mensch-liche Erfahrung in einem einzigen Satz auszudrücken", erläutert Wagner, und fügt hinzu, dass der Autor und Regisseur von Anfang an seine ganz eigene Vision des Stoffes hatte, wenngleich dies sein erstes auf einem anderen Film basierendes Drehbuch ist.

"Es ist ein romantischer Thriller über die Suche nach der ewigen Natur der Liebe", sagt Wagner. "Er ist emotional, witzig, aber auch spannend wie die Figur des David Aames, der die ewigen Wahrheiten über die Liebe, sich selbst und die Welt erkennt. Cameron hatte eine tiefe Verbindung zu der Geschichte und den Charakteren."

So begeistert wie Crowe über den Filmstoff als solches war, so begeistert war er auch über die erneute Zusammenarbeit mit Tom Cruise.

" Tom Cruise ist ein Geschenk für jeden Regisseur", sagt er. "Bei allem, was er macht, ist er wie eine Art emotionales Zentrum, und in unserem Film macht er aus David Aames einen Jedermann, mit dem sich das Publikum identifizieren kann. Tom fängt das wahre Leben ein. Er schafft es, alles, was man mit einem Drehbuch ausdrücken will, auf die Leinwand zu bringen, und er arbeitet unermüdlich solange, bis man zufrieden ist."

Umgekehrt hat Tom Cruise für seinen Regisseur nur Lob übrig, ebenso wie für den Film. "Ich glaube, Vanilla Sky ist brillant und definitiv ein Beweis für Camerons Fähigkeit des Geschichtenerzählens", sagt Cruise. "Er ist ein phantastischer Schreiber, ein phantastischer Regisseur und er arbeitet phantastisch mit Schauspielern zusammen. Wenn man mit ihm arbeitet, wächst man ständig und fordert sich selbst heraus."

Auch seine Filmfigur beschreibt Cruise mit großer Leidenschaft. Ebenso wie Crowe sagt auch er über David Aames, er sei wie eine Art "Prinz von New York", der alles in die Wiege gelegt bekam, hart an gar nichts gearbeitet hat, und im Grunde die Fassade eines Menschen ist, von der jeder glaubt, dies wäre erstrebenswert."

"Er ist ein Mann mit viel Potential; der Film zeigt seine Reise zur Selbster-kenntnis", erklärt Cruise. "Es ist der Preis, den er dafür zahlt, sorglos mit den Gefühlen anderer Menschen umgegangen zu sein. Es ist eine großartige Figur für einen Schauspieler."

Die Liebe seines Lebens erscheint David in Form der kleinen und sinnlichen Sofia Serrano, gespielt von Penélope Cruz. Sofia, ehrgeizig und optimistisch, strahlt eine positive, bodenständige Lebenskraft und Sexualität aus, die in Davids feinmaschige Welt aus Schmarotzern, Speichelleckern und Opportunisten einbricht. Sie ist das letzte "arglose" Mädchen in New York City, wie es David Aames sagt.

Cruz sagt, sie wollte diese Rolle, die sie insgeheim ihr eigen nennt, unbedingt haben, denn bereits in "Abre Los Ojos" porträtierte sie die Figur der Sofia. Und es war nicht schwierig, Crowe, Cruise und Wagner davon zu überzeugen, dass auch in der Neuverfilmung sie alleine die Sofia war.

"Die Besetzung von Penélope ist ein Beispiel dafür, wie wir dem Originalfilm Tribut zollen", sagt Wagner. "Zugleich aber hat sie unter der Regie von Cameron einen komplett anderen Charakter erschaffen."

" Penélope Cruz in der Rolle der Sofia Serrano war mein Traum", gibt Crowe zu. "Sie stellt eine wunderbare Verbindung zu Amenábars ursprünglicher Inspiration dar und ganz im Vertrauen, ich habe damals auch gehört, sie wollte jeden verfolgen, der es gewagt hätte 'Abre Los Ojos' ohne sie neu zu verfilmen." Crowe lacht und fügt hinzu, dass er dachte, "hey, DAS ist die Art von Leidenschaft, wie ich sie bei meiner Hauptdarstellerin sehen will".

Crowe erzählt weiter, dass die Leidenschaft, die Penélope und Tom in ihre Rollen einbrachten, zu einer wundervollen Chemie auf der Leinwand führte.

"Durch die Kamera hindurch habe ich mich in dieses Paar verliebt", sagt er. "Ich bin jeden Tag zur Arbeit gegangen und war gespannt darauf, ihre gemeinsamen Szenen zu sehen, zu beobachten, was ihre Figuren gegenseitig aus sich herausholten."

"Wir arbeiteten wirklich sehr hart, aber hatten eine tolle Zeit zusammen", gibt Cruise zu, der auch eine Menge über seine Filmpartnerin zu sagen hat. "Penélope bringt eine Realität und Menschlichkeit in ihre Figur ein, und das mit solcher Anmut und Perfektion. Es ist kein Wunder, dass sich jeder sofort in sie verliebt, und genau das passiert David Aames."

Obwohl die Rolle von Cruz in "Abre Los Ojos" und Vanilla Sky auf dem Papier dieselbe ist, besteht sie darauf, dass die beiden Sofias völlig verschiedene Frauen sind.

"Es war wirklich nicht dieselbe Rolle, und ich hatte das Gefühl, einen gänzlich anderen Film zu drehen", sagt sie. "Cameron holte so sehr viel mehr aus der Liebesgeschichte zwischen Sofia und David heraus. In Vanilla Sky lernt man durch ihre Beziehung sehr viel mehr über Sofia als Person. Deshalb hatte ich nie das Gefühl, einfach eine Rolle zu wiederholen, die ich schon einmal gespielt hatte."

Penélope Cruz ist eine freundliche und offene Frau, deren unglaubliche Schönheit auf den ersten Blick einige schräge, geistreiche und engagierte Charakterzüge verbirgt - so ist sie zum Beispiel ein großer Fan der abgedrehten Zeichentrickserie "South Park", und sie kann über sich selbst lachen. So machten sich Crowe und Kameramann John Toll gerne einen Spaß daraus, während ihrer Szenen kleine gemeine Notizen für die Schauspielerin am Set zu verstecken. Wegen ihrer Reaktionen auf diese Streiche ebenso wie ihrer gelegentlichen Wortverwechslungen mußste sich die gebürtige Spanierin des öfteren von ihren Kollegen aufziehen lassen, und Tom Cruise verpasste ihr den Spitznamen "Lupe". Wahrscheinlich rief Regisseur Crowe während der Dreharbeiten "Action, Lupe" mindestens genauso oft wie "Action, Penélope".

"Mir machte das nichts aus. Alle waren so nett, und all die Scherze waren lieb gemeint", sagt Cruz, die Crowes Vornamen spaßeshalber mit einer spanischen Betonung aussprach: "camarón" - was auf Spanisch soviel wie "Shrimp" bedeutet.

Ganz allgemein spielten Namen am Set von Vanilla Sky keine geringe Rolle: da war die Ähnlichkeit zwischen den Nachnamen von Tom und Penélope, und Regisseur Crowe und Schauspielerin Diaz hören auf denselben Vornamen. Das konnte während der Dreharbeiten schon zu Verwirrung führen. Schließlich entschied sich Cameron Diaz, auf "CD" zu reagieren.

"Ja, die Lösung war, mich CD zu nennen. Es dauerte ein bisschen, bis ich mich daran gewöhnt hatte, denn in der Regel bin ich die einzige Person im Raum mit dem Namen Cameron", erzählt Cameron Diaz. "Leute sprachen Cameron Crowe an und ich reagierte ganz automatisch. Es war immer sehr überraschend, aber nicht schlimm. Eigentlich hat es sogar Spaß gemacht, einen neuen Namen zu haben".

Diaz sagt über ihre Filmfigur, Julie Gianni, sie sei trotz der Sicherheit und dem Reiz, die sie nach außen transportiert, eine verwundbare Frau. Sie sieht sich in einer emotional schwierigen Situation, in der viele Frauen stehen.

"Julie ist das typische gutgelaunte Mädchen, das immer weiß, wie man Menschen und vor allem auch Männer dazu bringt, sich ganz ohne Druck wohlzufühlen. Aber das reicht ihr nicht mehr, besonders nachdem sie David Aames kennenlernt und sich in ihn verliebt. Sie wollen keinerlei Verpflichtungen eingehen, was zuerst auch gut funktioniert. Aber wir lernen Julie dann im Film zu einer Zeit kennen, in der sie der Beziehung eine neue Richtung geben möchte, und das beeinflusst ihr ganzes Leben."

Diaz erklärt, dass sie sich zu der Rolle hingezogen fühlte, weil Julie nicht nur eine einzigartige Persönlichkeit hat, sondern weil sie auch eine Figur ist, in der Frauen sich wiederfinden.

"Sie ist 27 Jahre alt, nicht in einer wirklich festen, bindenden Beziehung und ihre berufliche Karriere ist in der Schwebe", sagt Diaz. "Sie fühlt sich isoliert, sogar verzweifelt, und dann lernt sie David Aames kennen. Sie liebt ihn, und er scheint für sie die gleichen Gefühle zu haben, aber die Beziehung kommt irgendwie nicht recht in Gang. Langsam erkennt sie, dass er sie nicht beschützen wird, dass er nicht ihr Ritter sein wird, und sie verliert ein bisschen ihre Standfestigkeit."

Und sie fügt hinzu: "Ich glaube, alle Frauen haben in ihrem Leben diesen Moment durchgemacht, wenn sie von einer Beziehung einfach nicht das bekommen, was sie sich davon erwarten, aber anstatt zu gehen, versuchen sie es weiter. Ich denke, wir alle sind auf dem Weg nach Hause schon einmal an der Wohnung eines Kerls vorbeigefahren, um zu sehen ob bei ihm das Licht an ist, weil er nicht angerufen hat. Und Julie ist an diesem Punkt, mit sehr schwerwiegenden Konsequenzen. Ich verstand, was sie durchmachte. Es war reiner Schmerz, und wenn man Schmerzen empfindet, dann macht man Dummheiten. Wenn sie eine zweite Chance hätte, wenn sie es schaffen würde, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen, dann würde Julie wahrscheinlich manches anders machen."

Allerdings war das Verhältnis von Diaz zu ihrem Co-Star Cruise außerhalb des Leinwandgeschehens sehr viel besser als das zwischen Julie und David Aames.

"Tom brachte eine absolute Menschlichkeit in seine Rolle ein", sagt Diaz. "Denn er selbst besitzt all das, was David Aames nicht hat; er sorgt sich um andere, er ist engagiert und großzügig. David Aames mag all den Charme haben, den Tom hat, aber er kann nicht für Menschen da sein. Er kann sich an nichts und niemanden binden, nicht an seine Freunde, nicht an seine Karriere. Er lebt in einer selbstgefälligen Welt, was nicht heißen soll, dass er ein schlechter Kerl ist. Es ist einfach so, dass er das Leben auf Distanz hält, auf eine sehr ansprechende aber letztlich einsame Art und Weise."

Auch zwischen den beiden Leinwand-Rivalinnen Diaz und Cruz entstand eine gute Arbeitsbeziehung, und gemeinsam mit ihrem Film-Mann Cruise hatten sie eine tolle Zeit. Zwar hatten die Stars nicht allzu viele Szenen zusammen, aber an den Tagen, an denen alle drei auf dem Drehplan standen, waren sie unzertrennlich, lachten und machten Witze zwischen den Aufnahmen. Sowohl Cruz als auch Diaz führen diese glückliche Atmosphäre nicht zuletzt auf die Leidenschaft zurück, die Crowe und Cruise in das Projekt einbrachten.

"Cameron und Tom machen sich so viele Gedanken und würdigen andere, dass es immer ein Vergnügen war, an den Set zu kommen", sagt Diaz. "Es gab diese Atmosphäre von Freundschaft und Verspieltheit, die einen sicheren Platz schuf, der einem ermöglichte, die beste Arbeit abzuliefern, die Figuren und ihre Beziehungen zu erforschen."

Laut Cruz war besonders ihre Zusammenarbeit mit Cruise sehr lehrreich. Oft probten die zwei außerhalb des Sets, und er forderte sie heraus mit neuen Dialogen, aber auch weniger offensichtlichen künstlerischen Feinheiten wie verschiedenen Tönen, oder auch spanischen Ausdrücken oder Emotionen. Es war ähnlich, als würden Jazz-Musiker miteinander proben und sich gegenseitig inspirieren.

"Es war eine sehr organi-sche Art der Schauspielerei", sagt Cruz. "Cameron und Tom verschafften ei-nem das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, um mit neuen Ideen zu spielen. Cameron ermutigte mich auch, Experimente zu wagen. Er sprach während der Aufnahmen ständig mit mir, schlug mir verschiedene Aspekte im Bezug auf meine Figur vor. Es war eine tolle Arbeitsweise, wirklich spannend."

Und Cameron Diaz stimmt ihr zu: "Mit Cameron und Tom wollte ich schon seit langem gerne einmal zusammenarbeiten, also war das hier eine großartige Gelegenheit. Cameron ist der netteste Mensch der Welt. Er ist so großzügig und talentiert. Er weiß wirklich, wie man präsent ist, und er liebt seine Darsteller absolut. Tom ist eine solche Unterstützung und war in jeder Sekunde für uns ansprechbar was die Schauspielerei angeht, und so war die Arbeit immer sofort und jederzeit zufriedenstellend. Und Cameron, er weiß, was er will. Sein Stil ist so entspannt, und wenn man etwas macht, was ihm gefällt, dann begeistert er sich total dafür, und man kann gar nicht anders, als es ihm recht machen zu wollen. Am Set herrschte eine wunderbare Atmosphäre, und das Team Tom und Cameron war bewundernswert. Sie liegen kreativ absolut auf einer Wellenlänge, sie sprechen dieselbe Sprache und sie haben eine großartige Chemie, die sie mit großer Freude und Energie vermitteln. Uns hat die Zusammenarbeit auf menschlicher Ebene wirklich Spaß gemacht."

Dieses Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit auch bei Crowe, der zugibt, ein großer Fan seiner Stars zu sein, und das nicht nur aufgrund ihrer schauspielerischen Fähigkeiten, sondern auch aufgrund ihrer Persönlichkeiten.

"Das sind Leute, die einfach jede Minute des Arbeitsprozesses extrem genießen, und ich wurde von ihnen inspiriert", sagt Crowe. "Penélope stürzt sich mitten hinein in die Erfahrung des Filmemachens, Cameron Diaz ist genauso und Tom ist dafür ja geradezu legendär. Es ist schon sehr bezeichnend, dass viele der größten Stars dies alles als einen großen kreativen Prozess lieben. Die Freude daran zeigt sich in ihrem Spiel."

" Cameron Diaz, Penélope Cruz, Jason Lee, Kurt Russell, all diese Leute sind Profis, und sie haben sich wirklich voll in diesen Film eingebracht", fügt Cruise hinzu. "Wir waren wie eine Gemeinschaft, die mit derselben Absicht und auf ein gemeinsames Ziel hinarbeitet - den besten Film zu machen, den wir machen können. Tatsächlich ist jedes Set, auf dem Cameron arbeitet, von Großzügigkeit und Zusammengehörigkeit geprägt."

Neben dem Pluspunkt, von Camerons erkenntnisreicher Regiearbeit zu profitieren, konnte sich Diaz auch noch über ein zusätzliches Geschenk des Regisseurs freuen: einen Song für ihre Filmfigur.

"Julie steht in ihrer Karriere an einem Übergangspunkt vom Model zur Sängerin, und sie hat ein Album gemacht", erklärte Diaz. "Da hat sie nun also diese CD, die sie in der Stadt unter die Leute bringt, um zu versuchen, andere für ihre Musik zu interessieren. Ihre Lieder sind natürlich von ihrem Leben inspiriert, und das Lied, das wir im Film hören, trägt den passenden Titel "I Fall Apart". Nun, Cameron Crowe ist ja mit Nancy Wilson von der Gruppe "Heart" verheiratet. Ich bin mit der Musik dieser Band aufgewachsen und früher starrte ich neidvoll auf die Albumcover dieser talentierten, schönen Frauen. Meine Schwester und ich hatten echte Ehrfurcht vor ihnen, wir haben sie bestimmt 400mal "live in concert" gesehen. Also, eines Tages sagte mir Cameron, 'Wir haben diesen Song, von dem wir möchten, dass Du ihn singst. Naja, Nancy hat daran gearbeitet und sie möchte vorbeikommen und ihn dir vorsingen, um zu hören, was Du darüber denkst.' Ich dachte, Nancy Wilson will MEINE Meinung hören? Ich war total platt." Später nahmen Diaz und Wilson "I Fall Apart" im gleichen Studio auf, in dem "Fleetwood Mac" ihr bahnbrechendes Album "Rumors" eingespielt hatten.

"Das war eine richtig coole Erfahrung", sagt Diaz. "Natürlich mußsten sie ein bisschen von Nancys Stimme zu meiner hinzufügen, aber ich bin trotzdem total glücklich darüber."

Es ist keine Überraschung, dass Musik ein wesentlicher Teil von Crowes Arbeit als Regisseur ist. Mit der Hilfe von Produzent Scott Martin, der sozusagen der inoffizielle DJ auf dem Set war, verwendete Crowe eine ausgewählte Palette an Musik während der Produktion. Indem er Martin einen Schlüsselteil eines bestimmten Songs vor oder auch während verschiedener Aufnahmen abspielen ließ, gab er den Schauspielern eine Stimmung und einen neuen Weg der Inspiration vor. Diese Methode hatte er bereits während der Dreharbeiten zu "Almost Famous - Fast berühmt" eingesetzt, mit hervorragenden Ergebnissen. Bei "Almost Famous - Fast berühmt" tendierte er allerdings zu klassischer Rockmusik, und obwohl er auf dem Set von Vanilla Sky einige Beatles-Songs einsetzte, ließ er doch meist eher neuartigere Sachen laufen, wie importierte Tanzmusik und Techno.

Die Schauspieler liebten die musikalische Untermalung. Während des einwöchigen Drehs einer Partyszene lief die Musik am Set nonstop, auch während der Aufnahmen und während die Crew die Einstellungen vorbereitete. Während der gesamten Dreharbeiten herrschte eine Art Partystimmung, und die Techniker, Kameraleute und Elektriker tanzten bei Aufbau und Einrichten der Kulissen und der Technik.

"Musik bedeutet mir sehr viel und oftmals ist sie der Startschuss für einen Film", sagt Crowe. "Oft fängt es mit einem Lied an, und im Fall von Vanilla Sky war das der Song 'By Way of Sorrow' von einer großartigen, wenig bekannten Künstlerin namens Julie Miller, der alles ins Rollen brachte. Daher spielten wir die Musik die ganze Zeit am Set, und es ändert die Art, wie alle arbeiteten. Es verändert sogar die Art, in der die Schauspieler agieren."

Dieser musikalische Arbeitsansatz war für Jason Lee, der David Aames besten Freund Brian Shelby spielt, keine Überraschung. Lee ist kein Neuling was die Filme von Cameron Crowe angeht, hat er doch in "Almost Famous - Fast berühmt" den Leadsinger Jeff Bebe gespielt. Lee, selbst ein äußerst talentierter Musiker mit einem beeindruckenden privaten Studio in seinem Apartment, sagt, die Musik am Set helfe ihm dabei, die Einstellung zu einer Szene und zu den Cha-rakteren darin zu finden.

"Die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander sind Cameron wichtig", sagt Lee. "Da ist zum Beispiel Jerry Maguire - Spiel des Lebens, ein Film über die Reise eines Sportagenten. Aber in dem Film ging es um so viel mehr als um nur das, weil Cameron Regie führte. Er findet Momente und Kleinigkeiten, die die Figuren über das Offensichtliche hinausheben und zu etwas Realem machen. Bei "Almost Famous - Fast berühmt" war das Wort, das er öfters als jedes andere gebraucht hat, das Wort 'real'. 'Das mußs real sein. Die Beziehungen müssen real sein. Die Situationen müssen real sein. Die Bühnenpräsenz der Band mußs real sein. Dies ist kein Film über 70er Jahre-Klischees. Es ist ein Film über Menschen, die Beziehungen zueinander haben und ähnliche Erfahrungen teilen. Er spielt nur zufällig im Jahr '73'."

Lee erklärt, dass für Cameron immer die Charaktere zuerst kommen, und das gilt gerade für Vanilla Sky, wo Fantasie und Realität ineinander übergehen.

"Wir haben die Fantasie-Aspekte immer als Realität gespielt, und bei anderen Regisseuren kann so etwas zum Fallstrick werden", bemerkt Lee. "Aber bei Cameron fühlt man sich von Anfang an immer sicher. Man weiß, dass für ihn die Figuren an erster Stelle stehen." Aus diesem Grund, fügt Lee hinzu, wurde aus seiner Rolle auch weit mehr als nur der sprichwörtliche "Freund in der Nebenrolle".

"Brian Shelby ist ein guter, treuer Freund von David Aames. Sie sind seit über 20 Jahren befreundet, und David bezahlt Brian für seinen ersten Roman. Ich spiele den 'besten Freund' nicht zum ersten Mal, diese Rolle hatte ich schon in vielen Filmen. Ich bin derjenige, der immer von irgend etwas oder irgend jemandem beeinflusst wird. Das kann ja nun irgendwann langweilig werden. Aber Cameron verlangt Substanz, und er zielt nie auf das Augenscheinliche. Brian verändert sich im Lauf des Filmes allmählich, aber generell besitzt er immer Integrität und Würde. Und deshalb, obwohl David Aames der Typ ist, der die Popularität, die Frauen und das Geld hat, findet Brian das alles ganz cool und witzig, auch wenn David dann verabscheuungswürdige Dinge tut. Es ist sogar so, dass Brian seinen Freund David respektiert und bewundert, selbst mit seinen schlimmsten Eigenheiten. Man könnte sagen, Brian besitzt genug Größe, um David seine eigene Welt zu lassen."

Tom Cruise fügt hinzu, dass nicht nur seine Figur des David Aames an Brian glaubt, sondern auch er, Tom Cruise, an Jason Lee als Darsteller glaubte, und wusste, dass er eine derart wichtige Rolle im Film entsprechend spielen konnte.

"Jasons Figur ist, wie immer, unglaublich", sagt Cruise. "Dies ist mein zweiter Film mit Jason, und es ist ein Geschenk, mit Leuten zu arbeiten, die mit deinen eigenen Empfindlichkeiten vertraut sind", sagt Crowe.

"Ich habe schon immer Regisseure bewundert, die wiederholt mit bestimmten Schauspielern zusammenarbeiten. So stützte sich Billy Wilder oft auf bestimmte feste Schauspieler. Sie schwirrten durch seine Filme und gaben ihnen sozusagen etwas Fortlaufendes, und als Fan macht es einem Spaß, das zu verfolgen."

Kurt Russell spielt den Psychiater Curtis McCabe. Obwohl Russell rein technisch gesehen kein Veteran von "Almost Famous - Fast berühmt" war, hatte er doch eine Verbindung zu Camerons Film: seine Stieftochter Kate Hudson spielte darin die bezaubernde Penny Lane. Durch den Besuch am Set von "Almost Famous - Fast berühmt" hatte Russell einen ersten Geschmack davon bekommen, wie die Arbeit an Vanilla Sky aussehen könnte.

"Ich war ein paarmal am Set von ?Almost Famous - Fast berühmt' und sehr beeindruckt von der Art, wie Cameron arbeitete", erinnert sich Russell. "Tom und ich sind schon lange Freunde, und wir sprechen schon seit zehn Jahren davon, einmal zusammenzuarbeiten, aber irgendwie kamen nie die richtigen Umstände dafür zustande. Ich stand mittlerweile an einem Punkt, an dem ich mich fragte, in welche Richtung ich mich beruflich weiterentwickeln sollte, und was ich wirklich wollte, war, mit hervorragenden Leuten zusammenzuarbeiten. Zugegebenermaßen habe ich nicht einmal das Drehbuch gelesen. Darum ging es mir nicht. Ich wollte die Gelegenheit haben, mit Kol-legen wie Cameron Crowe und Tom Cruise zu arbeiten, und ich dachte, das müsste einfach klasse werden. Ich war wirklich dankbar, dass sich diese Möglichkeit schließlich ergab, und dass sie mich dabei haben wollten."

Glücklicherweise hatte Russell bei der Arbeit an diesem Film tatsächlich eine gute Zeit. In den meisten seiner Szenen stand er mit Cruise vor der Kamera, und zwischen den Aufnahmen lachten die zwei gerne und oft, und probten ihre Texte miteinander. Selbst als während einer besonders intensiven Szene plötzlich mysteriöserweise ein Deckenleuchter seinen Geist aufgab, reagierten sie mit Lachen.

"Ich hatte eine tolle Zeit bei der Arbeit mit Tom", sagt Russell. "Es gibt eben einfach ein paar Menschen, mit denen man eine Kameradschaft teilt. Tom und ich haben eine Menge Gemeinsamkeiten im Leben, Dinge, die wir mögen. Außerdem: ich mochte schon immer seine Arbeit. Er ist extrem unterhaltsam und ein sehr guter, erfahrener Schauspieler.

Russell beschreibt den ausgefeilten Schauspielstil von Cruise. "Wir hatten einige emotional aufgeladene Szenen zusammen, und Tom hat sie mit viel Leichtigkeit und Eleganz bewältigt. Zum Beispiel, als Mc-Cabe versucht, David - also seine sprichwörtliche und seine figurative Maske - aus dem Alptraum herauszuziehen, da hat sich Tom praktisch total eingeklinkt. Er findet die Wahrheit. Ich finde auch, dass Tom extrem flexibel ist in seiner Fähigkeit, eine Textzeile zu nehmen und sie auf zwanzig verschiedene Arten zu spielen und dabei immer die Geschichte auf wahre und packende Weise zu erzählen. Diese Fähigkeit, eine Geschichte mittels der Charaktere voranzutreiben, ist sehr bewundernswert, im Vergleich dazu, dass manche Kollegen in solchen Situationen Dinge tun, die mich einfach aus dem Film herausreißen."

Russell, der Crowe als "Teil dieses Packs wahrhaft großer Regisseure" bezeichnet, erzählt auch über seine Bewunderung für den Filmemacher.

"Seine Perspektive ist einzigartig und meiner Meinung nach, unglaublich genau auf den Punkt", sagt er. "Ich denke, das empfinden auch andere Schauspieler, wenn sie mit ihm arbeiten. Seine Instinkte machen Sinn; also im Bezug darauf, was er verlangt, dass Du es ausprobierst und fühlst. Und wie er das vermittelt, das ist eben eine Art, wie sie wirklich große Regisseure haben. Das Leben ist interessant und jede beliebige Szene kann in einer Vielzahl von Möglichkeiten ausgedrückt werden. Aber Cameron ist nur an der einen Möglichkeit interessiert, die das wahrhaftigste Gefühl oder die größte Erkenntnis ausdrückt. Seine Arbeit besitzt einen sehr realistischen und zugleich stilisierten Ansatz, aber alles ist in emotionaler Wahrheit verankert."

Natürlich hat Russell das Drehbuch dann doch irgendwann gelesen mehrfach. "Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, fand ich es fesselnd", erinnert er sich. "Beim siebten oder achten Mal merkte ich, dass ich mit jedem Lesen ein neues Stück des Puzzles begriff. Wahrscheinlich wird es interessant sein, zu sehen, ob hier nicht einer dieser Filme herausgekommen ist, von denen man beim vierten und fünften Mal Sehen mehr und mehr versteht."

"Ich war schon immer ein Fan von Kurt Russell", sagt Crowe. "Er hat eine so mühelose, sympathische und irgendwie tiefgehende Qualität. Es macht einfach Spaß, ihn spielen zu sehen. Er arbeitet härter, wenn etwas nicht funktioniert. Er möchte es den anderen recht machen und man selbst möchte es ihm recht machen."

Cruise, der nicht nur seit Jahren ein Fan, sondern auch ein enger Freund von Russell ist, kann dem nur zustimmen. "Cameron und ich sprachen darüber, wer den Psychiater spielen könnte, und wir entschieden beide, dass Kurt die Rolle bekommen müsse", sagt Cruise. "Also kam er zu den Dreharbeiten, machte zwei Wochen lang seine Aufnahmen, und es klappte einfach perfekt."

Crowe, der die gesamte Produktion sehr genossen hatte, fasst seine Erfahrung über die Zusammenarbeit mit Russell und den anderen Darstellern zusammen: "Es war eine wirklich fabelhafte Kollaboration."

Dirk Jasper FilmLexikon
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