Produktionsnotizen zu Unterwegs in die nächste Dimension

Nach zehn Filmen zum Thema Buddhismus war es für mich an der Zeit, spirituelle Wege anderer Kulturen zu zeigen, denn kein Weg ist wahrer als der andere, jeder hat subjektiv seine Berechtigung. Das sehen die Anhänger eines bestimmten Weges oft nicht so. Vielfach verlangten sie bei den Dreharbeiten zu Unterwegs in die nächste Dimension, dass sie, wenn sie schon in einem Film unter anderen erscheinen, dann zumindest an letzter Stelle stehen, sozusagen als die Krönung der spirituellen Suche. Doch mir geht es mit diesem Film nicht darum, einen bestimmten Guru zu propagieren. Der Film ist ein Plädoyer für mehr Toleranz gegenüber Andersgläubigen und für die großen potentiellen Kräfte, die in jedem Menschen vorhanden sind. Auf welchem Weg der Einzelne sie entfaltet, ist seine ganz persönliche Entscheidung. Entsprechend unterschiedlich reagieren die Zuschauer auf die sechs gezeigten Wege im Film.

Unterwegs zu den Heilern Don Agustin Rivas Vasquez / Peru
wurde 1933 in Tamshiyacu (Rio Amazonas), Peru geboren. Er bekleidet den höchsten Rang der peruanischen Heiler- und Schamanentradition. "Die Pflanzen des Dschungels sind meine Lehrmeister'', sagt er. "Gleich Vitaminen dringen sie in den Körper ein und fördern die unterschiedlichsten Visionen." Für ihn sind Pflanzen Bewusstseinsträger. Er arbeitet mit solchen Pflanzenwesen, die nicht nur einen körperlichen sondern auch seelischen Reinigungsprozess auslösen, der zur Gesundung von sehr schweren Leiden führen kann. So auch bei Maria aus Österreich, die wir im Film sehen. Neben seinem Heilzentrum betreibt Don Agustin im Regenwald verschiedene soziale und ökologische Projekte.

Laurence Cacteng / Philippinen
lebt in der nördlichen Bergregion der Philippinen und steht in der Tradition der Chirurgen ohne Messer. Er gehört einer aktiven christlichen Brudergemeinschaft an, in der wöchentliche Bibelstunden und Gottesdienste praktiziert werden. Parallel dazu gehören Tieropfer an Mutter Maria und lokale Gottheiten genauso zu seinem Glaubenskonzept. Es scheint, dass er mit bloßer Hand organische Teile aus den Patienten heraus operiert, während Blut aus der Haut austritt. Wie der Film deutlich macht, handelt es sich hierbei um eine theatralische Darstellungsweise positiver Energiearbeit. Das Blut und die herausoperierten Partikel haben dabei mehr mit dem praktizierten Animalismus zu tun, als mit dem Patienten. Dafür sind die nachweisbaren Behandlungserfolge vielleicht auf seine christliche Nächstenliebe zurückzuführen. Laurence Cacteng erscheint jedenfalls nicht als Trickbold oder Scharlatan, sondern leistet hohe altruistische, liebevolle Konzentrationsarbeit auf die Probleme der Hilfesuchenden und kann ihre Leiden dadurch offenbar mindern.

Evgeni Bondarenko/ Russland
arbeitete ursprünglich als leitender Ingenieur in einer Fabrik für optische Suchgeräte. Durch den Kontakt mit Geologen, die nach Bodenschätzen suchten, entdeckte er bei sich eine besondere Fähigkeit: Er konnte die Fundorte der Bodenschätze vorab in seiner Hand fühlen, während er über die Landkarten der zu untersuchenden Gegenden strich. Bald nutzte der russische Staat sein Können und ließ ihn Kriegsschiffe und U-Boote der NATO auf den Weltmeeren lokalisieren. Nach der Auflösung der Sowjetunion wurde 1989 diese Art der Spionage, die es auch auf amerikanischer Seite gab, eingestellt. Evgeni Bondarenko verlegte sich darauf, Menschen zu helfen. Hunderte radioaktiv verseuchte Kinder in Tschernobyl profitierten von seiner heilsamen Konzentrationskraft. Heute hat er den Ehrgeiz, diese geistigen Kräfte wissenschaftlich nachzuweisen.

Lhamo Dolkar ?/ Nepal
wurde in Tibet geboren und vom Dalai Lama als Orakel und schamanistische Manifestation kosmischer Kräfte anerkannt. Wenn Lhamo Dolkar in Trance fiel, ergriff die tibetische Gottheit Dorje Yudronma von ihr Besitz und wirkte durch ihren Körper, indem sie die physischen, psychischen und spirituellen Probleme von Hilfe- suchenden behandelte. Erst nach langjährigem Kampf um ihre Anerkennung konnte Lhamo Dolkar ihre heilenden Fähigkeiten voll entfalten. Sie praktizierte tibetisch-schamanistische Rituale und saugte dabei in Trance den Hilfesuchenden die Krankheit aus dem Körper. Sie hat auf diese Weise vielen Menschen geholfen und war im letzten Jahrzehnt für ihre hellseherische Art, die moralischen Verfehlungen ihrer Patienten offen zu benennen sehr gefürchtet. Sie starb plötzlich mit 67 Jahren im Februar 2001.

Sayagyi U Shine /Myanmar
ist Alchimist und Heiler aus Myanmar (ehemaliges Burma). Über eine große persönliche Krise ist er zu seinen Fähigkeiten gekommen. Nachdem er 15 Jahre Menschen geholfen hat, ihre Fremdbesetzungen zu entdecken und zu entfernen, entwickelte er ein Heilmittel, dass in einem komplizierten, alchimistischen Verfahren hergestellt wird. Die Zusammensetzung des sogenannten Gold Ash Powder wurde ihm in Träumen vermittelt. U Shine ist in weiten Teilen Süd-Ost-Asiens wegen seiner großen Heilerfolge, insbesondere bei AIDS, sehr bekannt. Er ist Gründer und Leiter eines Heilungs- und Ausbildungszentrums in der Nähe von Rangoon.

Hi-Ah Park / Korea
ist eine koreanische Seelenpflegerin und Künstlerin. Mit Hilfe von rituellen Ekstasetänzen führt sie ihre Patienten in einen Trancezustand, den man in Korea Moa nennt. Dabei begibt sie sich mit ihnen auf eine Non-Duale Ebene. In diesem Zustand arbeitet sie direkt mit der Seele, dort wo jede Krankheit und Heilung entsteht. Sie war in Korea die erste Frau, die zur Hofmusikerin ausgebildet wurde. Die schamanistische Initiation erhielt sie erst mit 41 Jahren. Ihre Praktiken waren den traditionellen Schamanen Koreas zu unorthodox. Daher ging sie in die USA, von wo aus sie heute weltweit arbeitet.

Dirk Jasper FilmLexikon
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