Produktionsnotizen zu Mr. Undercover

In der weltberühmten TV-Show "Saturday Night Live" hat er viele unvergessliche Figuren geschaffen - nun erweckt der Vollblut-Komödiant Chris Kattan den erschreckend gefühlvollen Sohn eines Mafia-Bosses zum Leben, der die undankbare Aufgabe erhält, das FBI zu infiltrieren: Mr. Undercover. Kattan hat versucht, seiner Rolle ein Feingefühl zu schenken, das dem Comedy-Publikum gefallen wird: "Corky ist kein Idiot - er hat nur keinen Sinn dafür, dass es schlechte Dinge in der Welt gibt. Er blockiert einfach alles Negative", erklärt der Komiker. "Sein Leben ist sehr einfach und nett, es gibt nichts Unnormales. Alles ist kuschelig, voll rosa Wölkchen und singenden Vögeln. Und dann wird er in diese Situation geschubst, in der einfach alles negativ ist - da kann er nicht mehr funktionieren. Alles fällt auseinander."

"Er glaubt zum Beispiel, sein Vater sei Landschaftsplaner und nehme ständig an wirklich wichtigen Landschaftsplanungs-Meetings teil", fährt Kattan fort. "Sie müssen ganz wichtig sein, weil große, eindrucksvolle Typen mit Sonnenbrillen an diesen echt wichtigen Treffen teilnehmen. Ja, man kann sagen, dass Corky das wahre Wesen seiner Familie verleugnet."

Für den Produzenten Robert Simonds passte die Figur des Corky Romano perfekt zum komödiantischen Talent seines Hauptdarstellers: "Ich kenne die Arbeit von Chris aus fünf Staffeln "Saturday Night Live", und ich wollte ihn unbedingt in diesem Film haben", sagt Simonds. "Der Film wurde im wahrsten Sinn des Wortes auf sein Talent zugeschneidert. Er hat ein unglaubliches Gespür für Körperkomik, aber er kombiniert sie mit einer sehr charmanten, zugänglichen Leinwand-Präsenz. Er ist einfach komplett liebenswert."

"Chris schafft es immer wieder, dass ich mich schlapp lache", grinst Simonds. "Ich hatte keinen Moment Zweifel, dass er allein einen Film tragen könnte. Also haben Dave Garrett und Jason Ward, die Autoren von Mr. Undercover, diese Figur geschaffen, den süßesten, gefühlvollsten Menschen, den man sich vorstellen kann - der aber nicht mit dem kleinsten Druck umgehen kann."

"Dave und Jason hatten die Idee für einen Film, der umgekehrt funktioniert wie Donnie Brasco, ergänzt Chris Kattan. "Sie haben das Skript geschrieben, und es war unglaublich komisch. Ich hatte ein paar großartige Momente, und die Geschichte war wirklich gut."

"Es ist schon merkwürdig", erinnert sich Simonds, "wir haben diesen Film nie wirklich als Mafia-Komödie betrachtet. Der Film ist eher eine Komödie, die sich unter anderem auf Chris' Talent als Vollblut-Komödiant stützt. Im Grunde handelt der Film von einer völlig unausgeglichenen Männer-Familie, in der drei extrem gewalttätig sind und der Vierte die sanfteste Seele auf der Welt - der unter Druck aber völlig zusammenbricht. Also haben wir ihn in eine Situation gesteckt, die den größtmöglichen Druck auf ihn ausübt."

"Corky ist so einzigartig, weil er eine so großherzige, verletzliche Seele ist, die gleichzeitig so transparent und gefühlvoll ist", pflichtet ihm der Regisseur Rob Pritts bei. "Als er mit Situationen umgehen mußs, die seinem Wesen widerstreben, mußs er lernen, mehr auf eigenen Füßen zu stehen, und so wird er immer selbstsicherer."

Kattans Körperlichkeit diktierte im Regelfall die Art, wie der Film gedreht wurde. Pritts gab während der gesamten Drehzeit seinem Kameramann immer wieder die knappe Anweisung: "Bleib in der Totalen." "Man mußs Chris in der Totalen filmen, weil er sich so schnell bewegt", lächelt Pritts. "Er hampelt viel herum. Er ist einer der schnellsten Schauspieler, die ich je gesehen habe. In einer Sekunde ist er links im Bildausschnitt, in der nächsten ganz rechts. Man mußs ihn an der langen Leine lassen, damit man seiner Körperkomik genügend Raum geben kann. Vieles von dem, was er tut, kommt aus seiner Improvisation. Er probt manchmal etwas direkt vor der Aufnahme, aber wenn wir dann drehen, macht er etwas völlig anderes. Also war es wichtig, dass wir immer in der Totalen blieben."

"Chris Kattan ist so ein lustiger Typ", fährt Pritts fort. "Als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen und erfahren habe, dass er die Rolle spielen sollte, wollte ich Teil seiner Energie werden." Pritts hat im Laufe seiner Karriere zahlreiche Preise für seine komödiantischen TV-Werbespots gewonnen und war begeistert, dass er mit Mr. Undercover sein Kino-Debüt geben konnte. "Es ist eine gewaltige Belohnung, wenn man sieht, wie sich eine Figur über einen Zeitraum von acht Wochen vor den eigenen Augen entwickelt", sagt er.

Bevor Corky dazu berufen wird, sich um die Familiengeschäfte zu kümmern, werden wir Zeuge, wie er seinen Tag als Assistenztierarzt zu meistern versucht. In einer Szene verursacht er pures Chaos, indem er in einige Käfige mit Nagern und Reptilien stolpert. Als sich der Raum mit flüchtenden Tieren füllt, kriecht eine große Schlange in Corkys Hosenbein. Chris Kattan zeigte Courage und meinte, die einzige Möglichkeit, die Szene realistisch zu filmen sei, eine echte Schlange aus seinem Reißverschluss zu ziehen. Ein Tiertrainer saß bei der Aufnahme hinter ihm, hatte eine Hand zwischen seinen Beinen und führte den Kopf der Schlange durch das Hosenbein zum geöffneten Reißverschluss seiner Hose. Es gab keine Probe. Die Szene mußste schnell abgedreht werden, denn wenn sich die Schlange in Kattans Hose zu wohl gefühlt hätte, hätte sie sich um sein Bein geschlungen, um Halt zu finden. Alle waren ziemlich nervös - besonders Kattan - aber alles funktionierte wie geplant.

Corkys Talent, mit Tieren umzugehen, kommt später im Film erneut zur Geltung, wenn er das Leben eines verletzten Dackels durch Erste Hilfe rettet. Während eines von mehreren Takes begann er, dem Hund eine "Mund-zu-Schnauze-Beatmung" zu verabreichen , indem er in einen alten Öltrichter blies und ein Stück Lakritz benutzte, um das Maul des Hundes geöffnet zu halten. Der Hund hielt sich ein paar Takes lang recht tapfer, aber dann begann er, die Lakritze zu fressen.

Aus der Tierklinik wird Corky bald in die Welt der Verbrechensbekämpfung gestoßen, als Pops seine Hilfe sucht, um dem Gefängnis zu entgehen. "Die Familie will, das Corky undercover als FBI-Agent das Beweismaterial stiehlt, das Pops in den Knast bringen kann", erläutert Kattan. "Die Komik entwickelt sich, wenn er sein Polo-Shirt ablegt und Jackett und Krawatte anzieht. Er kann nicht mal eine Waffe halten."

Corky, der Fisch, der nun auf dem Trockenen liegt, wird von seinen Brüdern mit einer neuen Identität ausgestattet - einem Lebenslauf, der seine wahren Fähigkeiten ein bisschen übertreibt. "Er kommt also zum FBI, und alle sind wahnsinnig begeistert von ihm, weil er so tolle Referenzen hat", ergänzt Vinessa Shaw, die Agent Kate Russo, Corkys Herzdame beim FBI, spielt. "Er hat in Harvard graduiert, kennt sich in Kampfsportarten aus und spricht verschiedene Sprachen fließend und er mußs das alles tatsächlich vortäuschen, um an die Beweise zu kommen und seinen Vater zu retten. Das ist wirklich sehr komisch."

"Corky schafft es innerhalb kürzester Zeit, das FBI völlig auf den Kopf zu stellen", gibt Richard Roundtree zu Protokoll, der Howard Shuster, den Leiter des FBI-Büros, spielt. "Als er ankommt, sind alle sehr strenge, harte, sehr stereotype Agenten. Aber es dauert nicht lange, bis wir alle die grellen Krawatten tragen, die Corky trägt. Wir übernehmen seinen unorthodoxen Stil - sogar ich, als sein Boss."

"In einem Drama wäre unsere Geschichte eine tolle Coming-of-Age-Story gewesen: eine sanfte Seele wird durch die Umstände härter", sagt Simonds. "Aber Mr. Undercover ist eine Komödie - also geht es darum, wie Corky die Welt ändert, und nicht, wie die Welt Corky ändert."

Die liebe Familie: Die Besetzung von Mr. Undercover "Es war toll, die Familie zusammenzustellen", erinnert sich Rob Pritts. "Wir wollten auf keinen Fall eine typische Mafia-Familie, wie man sie schon tausendmal im Kino und im Fernsehen gesehen hat." Für ihn und die anderen Filmemacher war es von höchster Priorität, eine realistische Familie zu schaffen, die trotz allem komödiantische Sensibilität hat.

"Wir wollten Chris Kattan mit den besten, intensivsten Schauspielern umgeben, die wir bekommen konnten", erklärt Produzent Robert Simonds. "Ich denke, man braucht auch Highlights in den Nebenrollen, damit die Comedy funktioniert. Die ganze Komik des Films entspringt aus dieser extrem unter Druck stehenden, aber dennoch realistischen Welt. Wenn das nicht vorgegeben wäre, wären selbst die besten Schauspielerleistungen vergebens gewesen, und meiner Meinung nach funktionieren Filme nicht besonders gut, wenn sie sich nicht auf dieses Konzept verlassen."

"Gleichzeitig wollten wir natürlich Schauspieler mit großem komödiantischen Talent haben", fährt Simonds fort. "Schließlich handelt es sich hier um eine Komödie, und wir wollten ein Gleichgewicht zwischen Realismus und Lachern erzeugen. Um diese Balance zu erreichen, brauchten wir Darsteller, die gleichermaßen komisch und leidenschaftlich sein können." Dies im Hinterkopf, boten Simonds und Pritts die Rollen von Peter und Paulie, Corkys älteren Brüdern, Chris Penn und Peter Berg an.

"Chris und Pete waren unsere erste Wahl, die Rollen sind speziell für sie geschrieben worden", sagt Simonds. "Beide sind sehr konzentrierte, akribische Schauspieler - ein Volltreffer. Sie schenkten uns eine Familie für Corky, die genau so furchteinflößend ist, wie wir sie als Gegensatz zum komödiantischen Wesen von Chris Kattan brauchten."

"Chris und Peter waren großartig", pflichtet ihm Pritts bei. "Ihre Figuren sind als kernige Typen konzipiert, an denen sich Kattan reiben konnte. Ähnlich wie Ecken und Kanten, oder die Seiten eines Pools. Sie waren die Basis, an der er sich abstoßen konnte - dann schwamm er in die Mitte und hatte seinen Spaß."

"Peter und ich sind bei unserem Pops geblieben, und wir kümmern uns um die Familiengeschäfte", erklärt Peter Berg. "Wir sind beide loyale Söhne unseres Papas. Und Corky - der ist nicht so ganz richtig im Kopf. Er ist hysterisch. Er ist sehr unkoordiniert. Er rempelt und stolpert herum und zerbricht alle möglichen Dinge. Im Grunde ist er eine physische und soziale Peinlichkeit für seine Familie." Berg verrät, dass die Figur des Paulie ein großes Geheimnis hat: "Immer wieder bricht seine Aggressivität aus ihm heraus. Aber dafür gibt es einen Grund, es ist nicht einfach irrationale, freischwebende Feindseligkeit. Er gibt eine Quelle dafür, und zu dieser Quelle kehrt er zurück. Corky hilft ihm auf diesem Weg, und das stellt sich für Paulie als sehr therapeutisch heraus."

"Peter ist der ältere Bruder, der Einzige mit ein wenig Gespür", erklärt Penn seinen Part. "Ich bin derjenige mit Köpfchen. Aber man wird im Lauf der Geschichte etwas über mich herausfinden, was ich nicht länger verbergen kann ..."

Für Chris Penn war es ein Vergnügen, mit Chris Kattan zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig genoss er die Freiheiten, die Regisseur Rob Pritts seinen Schauspielern gewährte. "Wir haben viele verschiedene Zugänge zu den Szenen ausprobiert", erinnert sich Penn. "Rob gibt einem die Ideen, wie man Dinge unterschiedlich angehen kann. Es gab niemals nur eine Art und Weise, eine Szene zu spielen, es gab immer mehrere. Aber es gab immer eine, die aus den anderen hervorstand, und die haben wir dann im Film verwendet."

Für die Rolle von Pops, dem Patriarchen der Familie, wandten sich die Filmemacher an den vielfachen Emmy-Gewinner Peter Falk, der als grantig-genialer Inspektor Columbo weltweit bekannt und beliebt ist. "Peter Falk bringt eine einzigartige, kraftvolle Präsenz auf die Leinwand, aber gleichzeitig ist sein Spiel von einer subtilen Vielschichtigkeit", erläutert Simonds. "Man nimmt ihm nicht nur den skrupellosen Mafia-Boss ab, sondern auch den enttäuschten Vater von Corky."

"Pops Problem mit Corky besteht darin, dass er so leichtgläubig ist", gibt Peter Falk zu Protokoll. "Er ist so naiv. Und er ist nicht gerade einverstanden damit, dass Pops ein Gauner ist. Darum erzählt Pops seinem Sohn, er sei Landschaftsplaner. Und Corky glaubt ihm. Es ist wohl der Humor des Herrn, dass ausgerechnet Pops einen so naiven Sohn hat."

"Ich glaube, er liebt alle drei Söhne", erklärt Falk seine Figur. "Aber vielleicht mag er Corky besonders gern. Er ist total ahnungslos, wenn es um die Geschäfte des Mob geht. Er denkt darüber nach, ob eine Katze Husten oder ein Hund eine eingewachsene Kralle hat. Das sind die Dinge, die ihn interessieren. Im Kreise der Mafiosi ist Corky für Pops natürlich eine Peinlichkeit. Und das ist das Problem mit Corky."

Auch Peter Falk gefiel die Arbeit mit Chris Kattan. "Ich bin sicher, dass Chris einer der begabtesten, talentiertesten jungen Komiker ist, die wir in letzter Zeit hatten", lobt Falk seinen Partner. "Er ist außergewöhnlich. Er kann alle möglichen verschiedenen Figuren verkörpern, und er hat eine erfrischende Art. Er ist einzigartig." Falk verbrachte die meiste Zeit der Dreharbeiten flach auf dem Rücken liegend, weil seine Figur einen Herzanfall erlitten hatte. "Ich trug wunderschöne seidene Pyjamas, hatte einen eleganten, goldsamtenen Morgenmantel. Ich war im Himmel", lacht er.

Nachdem die Familie besetzt war, wandten sich die Filmemacher dem FBI zu. Vinessa Shaw, die ihren schauspielerischen Durchbruch an der Seite von Tom Cruise in Stanley Kubricks Eyes Wide Shut hatte, bekam die Rolle von Kate Russo, einer begabten jungen Agentin, die doppelt so hart arbeiten mußs, um sich in einer Abteilung voller harter Jungs zu beweisen.

"Russo nimmt ihren Job sehr ernst", sagt Shaw. "Sie ist der Typ Frau, die eines Tages die Chefin des FBI sein könnte, aber auf dem Weg dahin immer wieder mit dem Netzwerk der alten Kerle in Konflikt gerät. Das macht sie allerdings nur noch zielstrebiger. Sie ist sich nicht sicher, was sie von Corky halten soll, als sie ihn das erste Mal trifft, weil er das totale Gegenteil der Männern ist, mit denen sie sonst im Job zu tun hat."

"Vinessa stellt Russo als äußerst smarte, kompetente FBI-Agentin dar", lobt Simonds seine Hauptdarstellerin. "Der Witz in ihrer Situation ist, dass sie glaubt, Corky sei der Super-Agent, aber sie sieht nur diesen trotteligen, emotionalen Typen - und sie weiß nicht, wie sie damit umgehen soll, weil alle anderen in ihrem beruflichen Umfeld mit steinernen Mienen rumlaufen."

"Sie denkt, ich sei ein kleiner Idiot", grinst Chris Kattan. "Ich bin hin und weg von ihr, aber ich bin nicht gerade der Vorzeige-Agent des FBI, und das macht sie ein bisschen skeptisch. Aber dann entdeckt sie den wahren Corky und seine Sorge um Menschen und Tiere - und sie verliebt sich in ihn."

"Ich glaube, Kate Russo ist die erste Frau unter achtzig Jahren, die Corky kennenlernt", schmunzelt Rob Pritts. "Er verliebt sich zum allerersten Mal, also ist es eine kindliche, unschuldige Schwärmerei - sogar für einen Mann in seinem Alter."

Vinessa Shaw fand es anstrengend, mit Chris Kattan zu drehen, weil sie aus dem Lachen nicht mehr herauskam. "Es war so komisch", erinnert sie sich. "Es gab Szenen, in denen konnte ich einfach kein ernstes Gesicht mehr aufsetzen. Alle sagten: Komm schon Vinessa, wir wollen die Szene zu Ende bringen, aber ich konnte einfach nicht mehr. Wir haben uns komplett kaputt gelacht."

Richard Roundtree, der den FBI-Boss Howard Shuster spielt, pflichtet ihr bei: "Es ist sehr schwierig, mit Chris zu arbeiten. In der ersten Nacht der Dreharbeiten konnte ich ihn nicht ansehen, weil ich dann immer sofort lachen mußste - seine Gesichtsausdrücke waren einfach umwerfend. Es hat ihn sicher ein bisschen irritiert, weil ich keinen Augenkontakt aufnehmen konnte, ohne in Lachen auszubrechen. Ich habe immer an ihm vorbeigeschaut oder auf den Boden gesehen."

"Für die Rolle von Shuster wollten wir einen der coolsten Männer der Welt haben. Und das ist Shaft", gibt Simonds zu Protokoll und erinnert damit an die Figur, die Richard Roundtree in den siebziger Jahren berühmt gemacht hat. "Es war schon komisch, dass wir diesen unglaublich starken, charismatischen Anführer hatten und ihm all das Chaos vor die Nase setzten, das Corky entfacht. Die Komik entwickelt sich aus vielen Szenen, in denen dieser kraftvolle Charakter unter dem Fluch von Corky steht."

Matthew Glave, der in seiner Laufbahn schon so viele eindringliche Figuren in Filmen wie Eine Hochzeit zum Verlieben und der TV-Serie Emergency Room gespielt hat, ist Brick Davis, die rechte Hand von Howard Shuster. "Ich bin der eifersüchtige, gemeine Agent Nummer eins, und mußs mich um einen neuen Kollegen kümmern, der drauf und dran ist, mich auszustechen", sagt Glave. "Er spricht sieben Sprachen, hat den schwarzen Gürtel in fünf verschiedenen Kampfsportarten, ist ein fantastischer Schütze und Sportler - und ich bin ihm die ganze Zeit auf den Fersen. Schließlich kann das alles nicht mit rechten Dingen zugehen."

"Brick ist ein Typ, der in gewisser Weise den Zuschauer repräsentiert", ergänzt Rob Pritts. "Er glaubt keine Sekunde lang, dass Corky wirklich zum FBI gehört. Brick Davis glaubt von Anfang an, dass Corky alles nur vortäuscht. Also spielt er auf die harte Tour. Und er überwacht jeden Schritt, den Corky macht, mit Argusaugen."

"Brick ist ein Jäger", grinst Richard Roundtree, der in Mr. Undercover den Boss von Brick Davis spielt. "Er handelt strikt nach den Regeln und kann absolut nicht verstehen, dass jemand so unorthodox sein kann. Das geht ihm unter die Haut." "Ich habe mit Matthew schon bei Eine Hochzeit zum Verlieben zusammengearbeitet, und ich wusste, dass er genau der Richtige für diesen Part ist", bemerkt Robert Simonds. "Was ich so an ihm schätze ist, dass er - obwohl seine Figur Brick, also Backstein, heißt und er einen Betonschädel spielt - eine Intelligenz in die Rolle bringt, die sie nicht nur glaubwürdig, sondern auch noch komisch macht. Es ist die Art, wie Matthew Brick spielt, diesen hyperkorrekten Agenten, der das System zu seinem Vorteil nutzt und nun aus der Bahn geworfen wird, weil dieser komplett unkonventionelle Kerl alle Regeln außer Acht lässt. Meine Lieblingsszene aus dem Film ist die, wenn Brick psychisch zusammenbricht. Matthew ist umwerfend in dieser Szene."

"Meine Szenen sind so lustig, weil ich meinen Hass auf Corky ausspielen konnte und dieser Hass im Laufe der Geschichte immer größer wird", sagte Glave." Ich mußte nach ihm schnappen, ihn herumschubsen, schütteln? all sowas. Ich mußste sogar aus einem Fenster springen", lacht er.

Glave arbeitete so gern mit Chris Kattan zusammen, weil ihnen beiden bei der Improvisation ihrer Bewegungen so viel Freiraum zugestanden wurde. "Alle arbeiteten hervorragend zusammen", erinnert sich der Schauspieler. "Wir dachten uns ständig neue Dinge aus: Hey, wie wär's, wenn wir das mal so versuchen? Oder: Vielleicht sollte ich dich mal so schütteln. Er machte Spaß, so zu arbeiten. Chris ist ein Schauspieler mit sehr starker physischer Präsenz. Er ist so unglaublich schnell mit seinem komödiantischen Timing, mit seinem Körper. Er ist wirklich gut. Aber die Nahaufnahmen waren schwierig", sagt Glave, der sich immer zusammenreißen mußste, um nicht loszulachen. "Chris hat ein Gummigesicht. Er ist ein echt lustiger Typ."

Als Darsteller eines FBI-Agenten freute sich Glave besonders darauf, Mr. Undercover mit seiner besten Freundin Bridgett anzusehen - die ist nämlich, genauso wie ihr Ehemann, wirklich FBI-Agent. Glave erklärt, dass es stets interessant war, sich mit ihr über den Job zu unterhalten, auch wenn er sie bei den Vorbereitungen für seinen Part nicht konkret konsultiert hatte. "Meine Unterhaltungen mit ihr sind immer ein bisschen anders als die Gespräche mit anderen Freunden", erläutert er. "Ich rede mit anderen Schauspielern, und die erzählen normalerweise Dinge wie: 'Weißt du, das Vorsprechen? ich hab die Rolle nicht bekommen.' Und wenn ich mit ihr telefoniere erzählt sie mir Sachen wie: 'Wir stürmten da rein, und es waren neun von unseren Leuten, die in den Raum stürzten, und alle hatten Waffen!' Es ist eben ein komplett anderer Lebensstil. Vielleicht haben FBI-Agenten meistens Papierkram zu erledigen, aber die Geschichten, die sie erzählen können, sind spannender als die meiner anderen Freunde."

Glave brauchte glücklicherweise nicht die Hilfe seiner Freundin an jenem Tag, an dem neben dem Drehort ein wirklicher Raub stattfand. Die Crew drehte in Downtown Los Angeles, als ein Dieb, der vor einem Laden ein Fahrrad geklaut hatte, um die Ecke bog und mitten in den Set fuhr - mitten in die Film-Crew in der auch echte Polizisten als Berater der Filmemacher arbeiteten. Er bremste, als sei nichts gewesen, aber er aufhalten. Sie schnappten ihn und gaben das Fahrrad dem Besitzer zurück.

Fred Ward spielt Leo, den langjährigen Berater von Pops. "Er ist der engste Freund der Familie, eine Art Außenseiter, der in ihren Kreis aufgenommen wurde", erklärt Pritts. "Leo ist derjenige, der den Plan ausheckt, Corky als Spitzel ins FBI einzuschleusen. Und die Familie ist ziemlich strikt dagegen, weil keiner glaubt, dass Corky dieser Aufgabe gewachsen sein könnte."

Pritts erinnert sich daran, dass die Besetzung von Leo recht schwierig war. "Die Rolle ist nicht typisch italienisch", gibt er zu Protokoll. "Es ist eher ein Geschäfts-Ding. Wir haben eine ganze Reihe von Namen auf unserer Liste gehabt, aber als jemand Fred Ward vorschlug, dachten wir alle: Wow! Das gesamte Ensemble von Mr. Undercover ist wirklich phänomenal."

Dirk Jasper FilmLexikon
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