Produktionsnotizen zu Was tun, wenn's brennt?

" Was tun, wenn's brennt? erzählt von sechs ehemaligen Hausbesetzern in Berlin, die in den 80er Jahren kreative Anarchie betrieben haben und 13 Jahre später von ihrer Vergangenheit eingeholt werden," umreißt Produzentin Andrea Willson das nunmehr dritte Filmprojekt, das sie als Geschäftsführerin für die Deutsche Columbia Pictures Filmproduktion realisiert hat, und fügt hinzu: "Es ist eine Geschichte, wie sie berlinerischer nicht sein könnte."

dass Was tun, wenn's brennt? den Zuschlag erhielt, hatte aber weniger mit der Location der Handlung, als vielmehr mit der Klasse des Drehbuchs zu tun. Andrea Willson erzählt: "Es kommt nicht oft vor, dass man ein Drehbuch findet, das so wunderbar ist. Obwohl die Geschichte an keinem anderen Ort als Berlin spielen könnte, erzählt sie doch von sehr universellen Werten, wie Freundschaft, Verrat und verlorenen Idealen. Es ist auch eine wunderbare Momentaufnahme einer ganz bestimmten Generation, der Generation der Anfang 30-jährigen, die heute erfolgreich im Beruf sind, aber vor 15 Jahren vielleicht noch rebelliert haben und auf die Straße gegangen sind."

Auch Jakob Claussen von der Claussen + Wöbke Filmproduktion, der das Projekt als einer der ausführenden Produzenten betreut, hält die Hauptstadt für einen wichtigen Faktor bei der Handlung: "Berlin ist sozusagen der heimliche Hauptdarsteller. Gewiss, Hausbesetzer gab es auch in anderen Großstädten, aber keine Stadt war in den letzten Jahren solch drastischen Veränderungen unterworfen wie die neue Hauptstadt. Die Unterschiede sind so offensichtlich. Zwei der sechs Freunde in der Geschichte leben ja als anachronistische Überbleibsel immer noch in einem der letzten besetzten Häuser. Sie sind wie ein altes Ehepaar und halten eher gezwungener Maßen an den alten Idealen fest. Den beiden kann man sehr schön dieses neue Berlin gegenüber stellen. Es gibt kaum eine Stadt in Deutschland, die sich so spektakulär verändert hat."

Was tun, wenn's brennt? ist der zweite Film, den die Deutsche Columbia Pictures Filmproduktion mit Claussen + Wöbke produziert, nachdem man im Frühjahr 2000 mit der ersten gemeinsamen Produktion, Anatomie, den erfolgreichsten deutschen Film des gesamten Kinojahres auf die Leinwand gebracht hatte. "Unser Selbstvertrauen ist nach dem Erfolg von Anatomie gestiegen", meint Claussen. "Die positive Erfahrung nimmt einem viele Schwellenängste. Als kleine Firma waren wir immer vorsichtig, mit wem wir Partnerschaften eingehen, und hatten natürlich vor allem Bedenken gegenüber Partnern, die deutlich größer sind als wir. Im Streitfall hätten wir doch stets die schwächere Position. Doch bei Andrea Willson ist das nötige Vertrauen da, auf das sich eine gute Zusammenarbeit aufbauen lässt."

Andrea Willson gibt das Kompliment an den Produktionspartner zurück: "Wir sind froh, dass wir bei einem so großen Projekt wie Was tun, wenn's brennt? wieder mit Claussen + Wöbke, unseren großartigen Partnern bei Anatomie, arbeiten und auf ihr Knowhow vertrauen konnten. Allein hätten wir solch einen Stoff nicht bewältigen können." Und das ist mehr als nur ein Lippenbekenntnis, denn bei Was tun, wenn's brennt? handelt es sich um das bislang aufwändigste Filmprojekt für beide Produktionsfirmen, wie die Produzentin berichtet: "Das Buch ist aufwändig und komplex. Es gab mehr als 80 Drehmotive, normalerweise sind es kaum mehr als 40. Der Dreh selbst war eine gewaltige Herausforderung, schon allein wegen der Jahreszeit - wir haben mitten im Winter gefilmt, und da hat man nicht viel Tageslicht. Dazu kamen viele Nachtdrehs, die fürs Team sehr anstrengend waren. Und wer einen Ensemblefilm dreht, mußs sich nicht um einen, sondern in unserem Fall um sieben Hauptdarsteller kümmern."

Die Umwege bis zum Dreh - Odyssee eines Drehbuchs Bevor man sich über derartige Probleme den Kopf zerbrechen mußste, hatte der Stoff von seinen Anfängen bis zur Produktion eine lange Strecke zurückgelegt. Die Geschichte basiert auf einer Idee der beiden Autoren, Stefan Dähnert und Anne Wild. Dähnert erinnert sich an die Anfänge: "Eigentlich wollten wir die Geschichte einer Clique erzählen, die sich nach langen Jahren wieder trifft. Häufig kommt man dabei aber an den Punkt, dass sich alle gegenseitig nur erzählen, wie es damals war. Das ist nicht sehr dramatisch. Wir haben aber nach einem erzählerischen Ansatz gesucht, wie man mit Vergangenheit umgehen kann, ohne sie pausenlos heraufzubeschwören. So kamen wir auf die Idee mit dem Brandsatz, wegen dem sich die Ereignisse von damals wiederholen und die handelnden Figuren in der Gegenwart auf etwas reagieren müssen, was sie in der Vergangenheit gemacht haben."

Er stimmt mit den Produzenten überein, dass Berlin eine der Hauptrollen im Film spielt: "Es ist eine ganz spezifische Berlin-Geschichte. Das Klima im Berlin der 80er Jahre war so unverwechselbar. Natürlich spielen wir auch ein wenig ironisch damit, dass Berlin mittlerweile Hauptstadt ist und sich das Klima gewaltig gewandelt hat." Über den Hausbesetzer-Background sagt der Autor: "Wer in den 80er Jahren in diesem Alter in Berlin war, kam automatisch mit dieser Szene in Berührung. Aber autobiographisch ist der Film nicht. Es gibt Vorbilder - die sich allerdings selbst nicht wiedererkennen würden."

Lange feilten die beiden Autoren an dem Drehbuch, bevor sie an ausgesuchte Produzenten herantraten. Und auf Umwegen gelangte es schließlich zur Claussen + Wöbke Filmproduktion. Jakob Claussen berichtet: "Das war zu einem Zeitpunkt, an dem wir nicht in der Lage gewesen wären, den Stoff allein zu finanzieren. Das Buch wurde schnell von einer anderen Firma gekauft." Dort ruhte der Stoff dann fast ein Jahr lang. "Als ich dann hörte, dass die Firma den Film wohl nicht realisieren würde und weiterverkaufen wollte, habe ich Andrea Willson von der Deutsche Columbia Pictures Filmproduktion auf Was tun, wenn's brennt? aufmerksam gemacht", sagt Claussen. Interessanterweise kannte die Produzentin den Stoff bereits, da er ihr von den Autoren als Leseprobe zugeschickt worden war. Claussen weiter: "Sie war begeistert von dem Stoff und sehr enttäuscht, dass er damals bereits verkauft war. Unter der Maßgabe, dass wir den Film gemeinsam mit ihr produzieren, kaufte sie den Stoff schließlich."

Andrea Willson erklärt: "Stefan Dähnert und Anne Wild hatten das Ziel, eine Geschichte zu erzählen, in der sie die 80er Jahre wieder auferstehen lassen wollten, ohne sie aber in den 80ern spielen zu lassen. Genau das ist ihnen mit Was tun, wenn's brennt? gelungen. Die Geschichte spielt zwar im Hier und Jetzt, aber die Vergangenheit holt die sechs Freunde ein und trägt sie in diese Zeit zurück." Zur Effektivität ihrer Geschichte trägt ihrer Meinung nach auch bei, dass Dähnert und Wild ihre "Hausaufgaben" gemacht hatten: "Die Autoren haben wahnsinnig gut recherchiert. Das merkte man spätestens beim Dreh. Echte Hausbesetzer von damals haben uns Details erzählt, wie sie auch im Skript festgehalten sind. Gleichzeitig beweisen die Autoren einen wunderbaren Humor, obwohl die Geschichte eigentlich sehr dramatisch und ernsthaft ist."

Debütant mit Blick fürs große Bild - Die Suche nach dem Regisseur Während die Autoren in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Columbia Mitarbeiterin Ellen Winn-Wendl das Drehbuch noch einmal überarbeiteten, begann die Suche nach einem geeigneten Regisseur für diesen nicht leicht zu visualisierenden Stoff. "Andrea Willson, Thomas Wöbke und ich haben überlegt, wo die Herausforderungen für das Projekt liegen würden", argumentiert Jakob Claussen. "Neben der komplexen Schauspielführung ist Was tun, wenn's brennt? auch ein Projekt, das aufgrund seiner starken Atmosphäre und der vielfältigen Action visuell große Ansprüche an den Filmemacher stellt. Sehr schnell stießen wir auf Gregor Schnitzler, der uns aufgrund seiner Arbeit für "Team Berlin" und zahlreicher Videoclips prädestiniert für die Aufgabe zu sein schien. Er hatte zwar noch nie ein Projekt dieser Größe bewältigen müssen, aber der letzte Schritt für einen Produzenten ist es eben, Vertrauen aufzubringen und seiner Intuition zu vertrauen."

Andrea Willson stimmt zu: "Uns fiel gleich auf, dass er ein Gespür für große Kinobilder hat, auch wenn er davor noch keinen Kinofilm gemacht hat. Gregor hatte sofort den richtigen Zugang zu dem Stoff. Er hat das Alter der Protagonisten: Er ist Mitte 30, Berliner, hat damals in einer Indie-Band Musik gemacht und die Zeit von damals bewusst miterlebt."

Gregor Schnitzler kann sich noch gut an das erste Treffen erinnern: "Andrea, Thomas und Jakob hatten mich zu einem Gespräch eingeladen. Dabei haben sie mir das Buch in die Hand gedrückt. Ich habe es studiert und einige Anmerkungen gemacht. In unseren Gesprächen hat sich schnell gezeigt, dass wir ein gutes Team wären." Vor allem aber war der Filmemacher von dem Drehbuch beeindruckt: "Es hat eine außerordentliche Geschwindigkeit, Humor, eine hohe Authentizität und schafft es, ohne erhobenen Zeigefinger Dinge über Freundschaft auszusagen, die sich einfach über die gezeigten Szenarien abspielen."

Auch der Berlin-Aspekt sagte ihm zu: "Berlin ist unheimlich wichtig für Was tun, wenn's brennt? Hier ist in den 80er Jahren am meisten passiert. Keine Stadt in Deutschland hat eine ähnliche Urbanität wie Berlin. Und auch Hausbesetzung ist ein Thema, bei dem man automatisch auf Berlin zu sprechen kommt. Das Thema ist allerdings universell. Dazu kommt, dass jede der Figuren einen eigenen Handlungsbogen hat und auch eine Auflösung ihrer eigenen Problematik findet."

Unerschrocken stellte sich der Kinodebütant seiner bislang größten Herausforderung: "Die Größe des Projekts an sich macht für mich keinen Unterschied. Vieles war zeitaufwändiger, aber sonst habe ich nicht unbedingt anders gearbeitet als sonst auch. Eine Herausforderung ist die Arbeit mit sechs Schauspielern. Das erfordert ein gutes Maß an Konzentration - in allen Blickwinkeln. Das war eine gänzlich neue Erfahrung." Entsprechend setzte Schnitzler auch beim Herangehen an den Stoff seine Prioritäten: "Nichts ist wichtiger als die Figuren. Wegen eines schönen Bildes werde ich sicher nicht die Darsteller zerquetschen oder sie einfach nur dekorativ in der Gegend drapieren. Ebenso wichtig für die Erzählweise ist ein gewisses Tempo und der Witz der Story. Dennoch ist Was tun, wenn's brennt? natürlich auch ein sehr großer Film. Man mußs sich nur die Machart, die Sets ansehen, die zu beeindruckenden Totalen förmlich einladen. Ich habe mir ein paar Spielereien mit Filmgeschwindigkeiten oder bei der Visualisierung von Emotionen erlaubt, aber das erdrückt nie das Zusammenspiel der sechs Freunde."

Sechs Freunde sollt ihr sein - Die richtigen Darsteller fürs Ensemble Für die Besetzung des Films wandten sich die Produzenten an Nessie Nesslauer, die davor bereits fast alle anderen Filme des Produzententeams gecastet hatte - wie z.B. Anatomie, "23" und "Crazy" - und dabei heutige Stars wie Franka Potente, August Diehl oder Anna Loos entdeckte. Jakob Claussen sagt: "Diesmal hatten wir eine besondere Aufgabe für sie: Wir wollten Til Schweiger für die Rolle des Tim haben und wir wollten einen Ensemblefilm drehen. Eines unserer Vorbilder war "Der große Frust" (1983) von Lawrence Kasdan, in dem sich ehemalige Collegefreunde anlässlich der Beerdigung eines ihrer Freunde treffen und sich mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen."

Gregor Schnitzler unterstützt die Aussage des Produzenten: " Was tun, wenn's brennt? ist definitiv ein Ensemblefilm, auch wenn der von Til Schweiger gespielte Tim im Mittelpunkt steht. Er ist der Typ, der sich all die Jahre kompromisslos treu geblieben ist. Aber es geht vor allem um die ganze Gruppe: Jeder der sechs Freunde könnte eine Identifikationsfigur sein."

Natürlich war sich Claussen der möglichen Schwierigkeiten bei diesem Ansatz bewusst: "Die große Frage, die wir uns immer wieder gestellt haben, bei der Arbeit am Drehbuch und bei der Besetzung, war, funktioniert ein Star wie Til Schweiger auch als Teil eines Teams oder ist er so stark und sticht so sehr heraus, dass die anderen in seinem Schatten stehen. Ich bin sehr froh, dass sich schon sehr bald herausgestellt hat, dass es funktioniert. Er ist sicherlich Primus inter pares, auch weil er der bekannteste von allen ist. Aber er nimmt sich auch zurück und die anderen sind so stark, dass es funktioniert."

Große Verantwortung kam den Autoren zu, alle sechs Hauptfiguren der "Gruppe 36" gleich stark mit eigenen Subplots zu bedienen. Als hilfreich erwies sich eine dreitägige Lesung, bei der die Darsteller die Gelegenheit hatten, sich mit ihren Figuren und den Dialogen vertraut zu machen. Claussen erinnert sich: "Anhand der Resultate haben wir noch einmal letzte Änderungen vorgenommen, um das Ensemble gerecht zu bedienen."

Die Autoren hätten mit den Schauspielern nicht glücklicher sein können: "Die Besetzung ist ausgezeichnet. Wenn man das Projekt endlich loslässt und die Ideen der Produzenten und des Regisseurs dazukommen, gibt es ohnehin noch einmal einen wahnsinnigen Kick. Die Figuren jetzt in Fleisch und Blut zu sehen, erlaubt einem noch einmal einen neuen Blick auf das Ganze."

Andrea Willson war sich des Spagats, einen Star vom Format eines Til Schweiger in einem Ensemblefilm mit fünf weiteren starken Charakteren zu besetzen, ebenfalls bewusst. Aber sie betont: "Uns war wichtig, dass die Besetzung authentisch ist. Sicherlich sticht Til Schweiger aufgrund seiner Bekanntheit aus dem Ensemble heraus. Aber wir haben ihn besetzt, weil wir uns keinen besseren für die Rolle vorstellen können. Seine charmante, jungenhafte Art passt wunderbar zu Tim, der ja nicht erwachsen werden will, gleichzeitig aber auch eine große Verletztheit hat, weil ihn seine Freunde verlassen haben."

Ein Kinostar in einem Ensemblefilm - Til Schweiger ist Tim Til Schweiger selbst belastete sich mit solchen Problemen nicht. Vielmehr findet er: "Ich kann mich kaum an Filme erinnern, die allein auf meinen Schultern gelastet hätten. Auch die Filme, die ich selber hergestellt habe, wie Der Eisbär oder Knockin' On Heaven's Door, waren Ensemblefilme. Mit meinem Namen wird zwar geworben, weil der Name Til Schweiger bekannt ist, aber die Filme selbst sind meistens Ensemblefilme. Aber das ist kein Parameter, nach dem ich Rollen aussuche. Ich bin sehr vorsichtig geworden und schaue immer das ganze Package an: Drehbuch, Regisseur, Produzenten, Besetzung, Kameramann. Danach wähle ich aus."

Ähnlich pragmatisch ging er das gesamte Projekt an: "Anfangs hat mich die Rolle gar nicht so gereizt. Ich habe zu Gregor Schnitzler gesagt: Bist Du sicher, dass ich den Tim spielen soll? Ich würde mich viel mehr als Maik sehen. Er war aber überzeugt davon, dass ich der ideale Tim wäre. Ich fand das Drehbuch unheimlich gut - das beste Drehbuch aus Deutschland, das ich seit Jahren gelesen habe. Ich wollte gerne mit den Produzenten Jakob Claussen, Thomas Wöbke und Andrea Wilson arbeiten. Dazu der Verleih und, last but not least, das Treffen mit Gregor Schnitzler gaben den Ausschlag."

Mit der gleichen Ruhe und Gelassenheit ging Regisseur Gregor Schnitzler die Arbeit mit Deutschlands größtem Kinostar an: "Ich hatte keine Berührungsängste, weil ich Til Schweiger davor nicht wirklich kannte. Ich hatte seine Filme gesehen, aber das kann ich nicht als Maß nehmen, wie er selbst ist. Ich habe mich auf ihn eingelassen, wie er hier beim Dreh war. Diese Rolle kann man ohnehin nicht in einen Topf werfen mit den Dingen, die er davor gemacht hat." Die offene und direkte Art des Regisseurs scheint gut angekommen zu sein, denn Til Schweiger sagt: "Gregor ist klasse, er gefällt mir unheimlich gut. Mein Eindruck beim ersten Treffen wurde nicht enttäuscht. Es macht sehr viel Spaß ihm zuzusehen, wie er sich hinter seinem Monitor wie ein kleiner Junge freut. Mir geht es bei der Arbeit nicht anders, und es ist gut, einen Regisseur zu haben, der seine Begeisterung mitteilt. Das überträgt sich auch auf die Schauspieler. Er ist unglaublich exakt, er weiß, was er will. Ich prophezeie ihm eine große Zukunft."

Enthusiasmus und Begeisterung zeichneten aber auch den Star aus, wie Jakob Claussen befindet: " Til Schweiger überrascht mich als Schauspieler und Mensch fortwährend. Ich habe noch nie einen Schauspieler mit ähnlich großer Freundlichkeit und Begeisterung über andere Kollegen sprechen hören als ihn."

Unmittelbaren Zugang zur Thematik von Was tun, wenn's brennt? hatte Schweiger durch persönliche Erfahrungen: "Mein jüngerer Bruder war Hausbesetzer, und an den mußste ich auch immer wieder denken, als ich mir den Tim vorgestellt habe. Ich selbst war damals nicht dabei, aber ganz unpolitisch war ich auch nicht. Ich war auf Friedensdemos, aber war nie in irgendeiner Szene und eigentlich ganz normal. Ich habe auch andere Musik gehört. Ich mochte damals schon lieber Soul, Funk und House." Entsprechend beschreibt er auch die Figur, die er zu spielen hatte: "Tim ist ein Romantiker und der einzige der Gruppe von damals, der seinen Idealen treu geblieben ist. Er hat sich nicht selbst verkauft und träumt immer noch von einer besseren Welt und einer besseren Gesellschaft. Als einziger ist er bei Hotte geblieben, der seine Beine verloren hat. Durch den unglückseligen Umstand, dass die alte Bombe explodiert, sieht er die Chance, die Gruppe von damals wieder zu vereinen."

Großes Lob für seine Professionalität erhält Schweiger auch von seinen Kollegen. Martin Feifel, der den Weggefährten Hotte spielt, sagt: "Ich habe mich sehr gefreut, Til endlich einmal kennenzulernen. Ich war angenehm überrascht von seinem Enthusiasmus, wie er sich gleich in die Arbeit gestürzt hat. Man hat nie den Eindruck, dass er ein Star ist. Gewiss kommt er aus einer größeren Filmwelt, als wir anderen sie bislang jemals erlebt haben. Er geht sehr direkt an die Arbeit und nähert sich seiner Figur unmittelbar übers Spiel - eine Herangehensweise, die sich deutlich unterscheidet vom darstellerischen Ansatz, wenn man das Theater als Background hat. Aber die Arbeit macht viel Spaß und ist sehr erfrischend. Für die Rolle könnte man keinen Besseren besetzen."

Amtliche Suche nach fünf Hausbesetzern - Das Ensemble wird komplettiert Nachdem Jakob Claussen, Andrea Willson und Gregor Schnitzler sich die Zusage von Til Schweiger gesichert hatten, gingen sie an die Besetzung der fünf Freunde von Tim, die in den 80er Jahren mit ihm im besetzten Haus lebten, den folgenschweren Brandsatz platzierten, und sich später nach einem tragischen Ereignis in alle Richtungen zerstreuen. Vor allem war es wichtig, starke Schauspieler mit Charisma und voller Individualität zu finden, die neben dem Star des Films bestehen konnten.

Tims langjähriger Weggefährte, der im Rollstuhl sitzt, seine Lebenslust nicht verloren hat und nach 13 Jahren der letzte ist, der mit Tim noch im besetzten Haus lebt, ist das Berliner Urgestein Hotte. Er wird von Martin Feifel gespielt, der über seine Figur sagt: "Durch einen Unfall bei einer Demonstration hat Hotte seine Beine verloren. Für die ganze Gruppe war das ein sehr einschneidendes Ereignis, das sie letztlich sprengte. Davor war Hotte immer der Antreiber, mit seinem imposanten Äußeren, seiner Energie, seinen Ideen und auch seinem unverkennbaren Humor, der sehr anarchistisch und respektlos ist." Feifel hat viel Sympathie für die Figur: " Ich kann es mir ja nur ausmalen, aber die Vorstellung, so beschnitten zu sein und auf einmal keine Beine mehr zu haben, hat dafür gesorgt, dass er als einziger der Sechs wirklich stehengeblieben ist. Selbst Tim hat sich auf seine Weise verändert, auch wenn er bei Hotte geblieben ist. Auf einmal nur noch quietschend durch die Welt rollen zu können, hat ihn sehr verbittert, was er aber hinter seinem grobschlächtigen Humor verbirgt."

Der Münchner Schauspieler fühlte sich ganz direkt von dem Filmstoff angesprochen: "Ich war damals tatsächlich bei einigen Gruppierungen dabei, die beim Häuserkampf mitgewirkt haben oder gegen die Haftbedingungen für Terroristen demonstriert haben. Ich hatte durchaus aktiven Kontakt zur Szene." Das erklärt auch seinen zunächst kritischen Ansatz, sich diesem Thema in Form eines großen Unterhaltungsfilms voller Humor und Action zu nähern: "Es ist immer ein bisschen heikel, das Thema in einer Fiktion anzugehen. Wo bleibt man zu sehr an der Oberfläche? Wird man den Leuten gerecht, die diesen Kampf seriös gefochten haben? Ist die Unterhaltungsebene angebracht? Nach einem Gespräch mit Gregor Schnitzler habe ich mich für den Film entschieden. Wir erzählen ganz klar eine Fiktion, die aber immer noch genügend realistische Ansätze verfolgt. Ich habe auch mit meinem Bruder diskutiert, der stärker in der Szene drin war, und habe entdeckt, dass es im wahren Leben durchaus Parallelen gibt, was aus den einzelnen Leuten in den zehn Jahren danach geworden ist."

Darüber hinaus erlebte er den Dreh als rundum positive Erfahrung: "Die Vorbereitung war von Produktions- und Regieseite ungeheuer schön. Gregor ist mit einer unglaublichen Ruhe und Konzentration an die Sache herangegangen. Man konnte ihn immer anrufen, Tag und Nacht, wenn es Probleme gab. Wir haben viele Lesungen gemacht. Schon beim ersten Casting hatte ich ein gutes Gefühl. Er wirkt sehr jung, aber er bringt eine große Fantasiewelt mit. Er lebt das Gedrehte richtiggehend mit, wenn er vor dem Videomonitor sitzt und mitgeht, als wäre er selbst mit dabei. Das hat eine animierende Kraft. Wenn er zum Beispiel den Eindruck hat, dass das Gespielte zu oberflächlich bleibt, geht er sofort dazwischen und bringt uns ohne große Anweisungen auf den richtigen Pfad."

Tims große Liebe war Flo, deren Weggang er nie ganz verwunden hat. Insgeheim fiebert er dem Wiedersehen mit ihr entgegen, auch wenn er feststellen mußs, dass sie sich mit am stärksten verändert hat. Flo wird von der jungen Österreicherin Doris Schretzmayer gespielt, die unmittelbar nach der Lektüre des Buches einfach wusste, dass sie alles tun würde, um die Rolle zu kriegen: "Ich habe mir gesagt: Ich mußs die Flo spielen, das bin ich. Es ging gar nicht anders. Mir gefällt an der Geschichte, dass es um Leute geht, die mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden, mit den Dingen, die sie noch nicht verarbeitet haben. Sie sind zerrissen zwischen dem, was sie sich aufgebaut haben, und dem, was sie hinter sich gelassen haben. Und das trifft nicht nur auf Flo zu, sondern auch auf die anderen."

Schretzmayer beschreibt ihren Charakter Flo als "Figur, die ich sehr gerne mag. Sie hat das Gefühl, endlich ihren Platz im Leben gefunden zu haben. Nach Jahren der Einsamkeit und Suche ist sie jetzt in einer Situation, in der sie glücklich ist. Und dann wird sie plötzlich von ihrer Vergangenheit eingeholt, ihr altes Leben tritt in ihr jetziges Leben und will noch einmal bearbeitet werden. Das reißt sie hin und her." Der Grund dafür ist simpel: "Tim war Flos erste große Liebe. Eine sehr wilde, abwechslungsreiche Beziehung mit Höhen und Tiefen. Wie man weiß, sind das Beziehungen, die einen auf Dauer krank machen. dass sie Tim verlassen hat, war also eine Kopf- und keine Herzensentscheidung. Es war einfach nicht gut für sie, immer von Heute auf Morgen zu leben, immer gegen, aber nie für Etwas zu sein. Aber ganz ausgestanden war die Angelegenheit nie. Und wenn das nach 13 Jahren wieder zurückkommt, ist das Gefühl einfach wieder da."

Motor der Gruppe war damals neben Tim der exzentrische Maik, der es mittlerweile als Chef und Kreativkopf seiner eigenen Werbeagentur zu Geld und Ansehen gebracht hat. Sebastian Blomberg, der bereits in Anatomie zu sehen war, spielt diesen schrägen Typen: "Maik wird von der Gruppe als ziemlich zynisches Arschloch aufgefasst, als Kotterschnauze vor dem Herrn, ein Typ, der eigentlich vor nichts Skrupel hat und alles, was er denkt, auch ausspricht. In seiner Werbeagentur haben ihm diese Eigenschaften sicherlich geholfen, aber ihre Ursprünge finden sich schon damals."

Um den richtigen Ansatz für die Figur zu finden, suchte Blomberg das Gespräch mit seinem Regisseur: "Wir waren uns einig, dass Maik eine Figur ist, die in dem einen wie dem anderen Zusammenhang Grundcharaktereigenschaften hat, die sie jeweils nutzen konnte. Er ist innerhalb einer Gruppe die Leader-Figur, er reißt das Ruder schnell an sich, ist Ideengeber, initiiert Sachen, ist der aktive Part, der Sachen schnell ausdenkt und umsetzt. Das hat ihm damals geholfen, als er die Gruppe der Hausbesetzer mit Tim anführte. Und das wiederholt sich, als die Sechs wieder zusammenkommen. Wieder reißt Maik die Sachen an sich und befindet sich damit in einer Konkurrenzsituation zu Tim."

Angesprochen fühlte sich Blomberg vor allem von dem Grundthema des Drehbuchs: "Mir gefiel, wie in dem Drehbuch ein sehr deutsches Thema aufgegriffen wurde, das in den 80er Jahren viele Menschen bewegt hat. Gerade an der Figur des Maik lässt sich das gut nachvollziehen, weil wir alle Leute kennen, die früher radikal waren und heute Rechtsanwälte oder Politiker sind, und man die Frage stellt: Haben sie ihre Ideale verraten? Verleugnen sie sich selbst, um Macht an sich zu ziehen und eine Stellung in der Gesellschaft zu haben? Dieser Konflikt macht ja auch den Reiz unserer Geschichte jenseits seines Unterhaltungswertes aus: Wie sind die Leute geworden, wie haben sie sich verändert?"

Großen Anteil am Gelingen des vielfältigen Stoffes trägt nach Ansicht des Schauspielers Regisseur Gregor Schnitzler: "Gregor hat die große Qualität, dass er sehr neugierig auf Schauspieler ist, unsere Angebote sehr ernst nimmt und uns zuhört. Er selbst hat eine genaue Vorstellung davon, wie eine Szene sein soll. Und doch nimmt er sich die Freiheit, spontan auf Spielangebote von uns einzugehen. Für mich ist das sehr befreiend, weil man den Eindruck erhält, der Dreh ist ein lebendiger Vorgang. Das überträgt sich auf die Schauspieler."

Die politische Antriebskraft in der Gruppe war Nele, die sich selbst wohl am wenigsten träumen ließ, was eines Tages aus ihr werden würde. "Nele war in den 80er Jahren eine Autonome, eine Radikale, die wusste, wie man Steine schmeisst", erklärt Nadja Uhl, die im letzten Jahr bei der Berlinale mit einem Silbernen Bären für ihre Rolle in "Die Stille nach dem Schuss" ausgezeichnet worden war und die Nele mit einer ganz besonderen Intensität versieht. "Die hat ihre Ideale auch mit illegalen Mitteln vertreten. Hauptsache gegen den Staat, und das mit allen Mitteln. Ihre Wandlung, die ich sehr spannend finde, hätte sie sich wohl selbst niemals träumen lassen: Sie mußs als alleinstehende Mutter zwei Kinder großziehen, was ihr ziemlich über den Kopf wächst. Sie hat ihren Alltag zu meistern, aber wird von einer Vergangenheit eingeholt, die sie sich eigentlich gar nicht leisten kann."

Um die Rolle zu spielen, mußste sich Nadja Uhl nur an die eigene Vergangenheit erinnern: "Die Geschichte hat viel mit meiner persönlichen Geschichte zu tun. Ich habe vor ein paar Jahren in Leipzig selbst als Instandbesetzerin in einem besetzten Haus gelebt, weil wir keine Wohnung gefunden haben. Es gibt schon Momente im Film, wo ich dachte: Genau, so war's!" Aufgrund der eigenen Erfahrungen fühlte sie sich von der Geschichte von Was tun, wenn's brennt? auch unmittelbar angesprochen: "Ich treffe immer wieder Leute von damals, wo ich denke: Was ist denn aus denen geworden? Wo ist der Schwung hin. Dabei mußs ich mich nur selbst ansehen: Ich mache mittlerweile meinen Job, verdiene mein Geld, lebe meinen Alltag und habe nicht unbedingt Lust, in einer Wohnung zu wohnen, wo der Wind durchpfeift und der Ofen nicht in Gang zu bringen ist. Gleichzeitig versuche ich mir ein paar meiner schrägen Gedanken und auch den Kontakt zu Freunden von damals zu bewahren. Das ist ein guter Spiegel für das, was einmal war."

Komplettiert wird das Sextett von Terror, einst der wildeste der Gruppe, der auf den ersten Blick eine Wandlung um 180 Grad mitgemacht hat. Auf den ersten Blick, wohlgemerkt, denn Matthias Matschke, der in der Rolle besetzt wurde, befindet: "Terror ist auf dem Sprung zum Staatsanwalt. Wenn man zurückblickt und ihn auf dem Super-8-Material zu Beginn des Films betrachtet, dann könnte man meinen, dass es irgendwo einen Riss in seinen Handlungen gegeben haben mußs. Ich glaube, das ist nicht unbedingt so. In der Gruppe fühlte er sich aufgehoben und hatte seine Position. Seine Schwächen kaschierte er damit, etwas mehr aufzufallen als die anderen. Dann gab es den Zerfall der Gruppe. Nach diesem Schnitt hat er sich entschieden, die Belange, die ihn schon damals beschäftigten, jetzt juristisch zu lösen."

Für Matschke gab das Drehbuch den Ausschlag für die Mitarbeit: "Das Drehbuch gefällt mir, weil es so klar ist. Man könnte es fast als Standardgeschichte bezeichnen. Beim Spielen ist es spannend, weil man stets die Vergangenheit der Figur im Kopf haben mußste. Reizvoll war auch der Dreh der Super-8-Szenen, die die Gruppe in den 80er Jahren zeigen. Der Rhythmus beim Drehen war ganz anders, die Einstellungen sind länger, so dass man Szenen auch mal durchspielen konnte, wobei dann wiederum Sachen passierten, die nicht genau geplant waren. Dadurch konnte man gut absetzen, was Terror früher war und wie er jetzt ist und wie sich das zusammensetzt."

Unisono erklären die Schauspieler, dass sie vor allem die Arbeit im Team sehr schätzten. "Diese Gruppe setzt sich aus lauter Individualisten zusammen, und das gilt auch für uns Schauspieler im Film", meint Nadja Uhl. "Das ergänzt sich gut. Wir haben die Disiziplin und das Interesse, gemeinsam einen guten Film zu machen. Keiner tanzt aus der Reihe, um irgendwelche Privilegien einzufordern. Es geht um die Arbeit und den Film. Das haben alle begriffen. Der Rest ist Individualität und eigene Sicht auf Dinge - wie die Figuren im Film. Konträre Charaktere, konträres Denken: daraus ergibt sich auch Konfliktstoff, der im Film ja auch teilweise sehr komisch wirkt." Und Martin Feifel fügt hinzu: "Gregor Schnitzler und Nessie Nesslauer haben es geschafft, eine sehr bunte Gruppe mit sechs Individualisten zusammenzustellen, die aber auch in der Gruppe funktionieren. Es geht um das Team und nicht um Solotrips, das war allen klar. Sehr gezielt haben wir deshalb auch die Super-8-Aufnahmen aus der Vergangenheit ganz am Anfang gedreht. Das waren Spaßdrehs, bei denen alles erlaubt war. Das half wunderbar, sich in der Gruppe zurecht zu finden."

Freundschaft und die Last der Vergangenheit - Worum geht's in Was tun, wenn's brennt? "Freundschaft, Liebe, Geborgenheit, Verrat, eingebettet in einen Teil deutscher Geschichte", nennt Til Schweiger als übergeordnete Themen für Was tun, wenn's brennt? Eine Aussage, die sich auch in den Antworten der anderen Beteiligten widerspiegelt. "Das große Thema des Film ist Freundschaft, zerbrochene Liebe, die vielleicht wieder aufblüht", schlägt Matthias Matschke vor. "Vor allem beschreibt der Film die Möglichkeit, dass man in jeder Situation des Lebens neu anfangen kann". Autor Stefan Dähnert stimmt ihnen zu: "Das Thema des Films ist Freundschaft und Zeit. Was bleibt von Freundschaft nach zehn oder 13 Jahren Trennung übrig? Wo sind die gemeinsamen Berührungspunkte? Außerdem interessierte uns das Gegenüberstellen von persönlichem Geschick und gesellschaftlicher Realität."

"Vergangenheitsbewältigung ist für mich das Thema", überlegt Doris Schretzmayer. "Dinge, die einen einholen. Liebe, die man noch nicht abgeschlossen hat. In diesem Film kann jeder sehr viel aus der eigenen Biografie wiederfinden. Wenn man zum ersten Mal im Leben in einem Alter ist, wo man eine eigene Geschichte hat, so ab 25, dann blickt man zurück und überlegt, wohin habe ich mich entwickelt, was ist aus mir geworden. Wie reagiert man, wenn man alte Fotos von sich ansieht? Das finde ich sehr interessant." Einen ähnlichen Ansatz hat Jakob Claussen: "Für mich geht es primär darum, dass man als Individuum versucht, den eigenen Idealen treu zu bleiben.

Als junger Mensch, der noch nicht weiß, wie manche Dinge in der Welt funktionieren, und der Sachzwänge noch nicht so richtig einkalkuliert, hat man Wünsche und Träume, wie man später einmal sein will, für welche politischen Umstände man kämpfen möchte, in welcher Art von Gesellschaft man sich zu leben wünscht. All dem im zunehmenden Alter treu zu bleiben und daran festzuhalten, das ist das zentrale Thema des Films, das mich ganz unmittelbar berührt. Ich bin nie Hausbesetzer gewesen, ich habe mich in der Szene auch nicht ausgekannt. Aber der Film könnte auch in einem anderen Umfeld spielen und immer noch die gleichen zentralen Fragen stellen."

Wieder eine andere Perspektive offeriert Martin Feifel: "Es gibt einen großen Generationenunterschied. Die Leute, die in den 80er Jahren groß geworden und heute zwischen 30 und 40 sind, hatten eine große Kreativität und Kraft, auch im Kampf gegen etwas. Man hat sich mit den Dingen beschäftigt und zusammengeschweißt. Der heutigen Generation fehlt manchmal dieser zielgerichtete Ansatz, der Sachen kritisch beleuchtet. Ich wäre nicht damit zufrieden nur abzuhängen, was zu trinken, ein bisschen Musik zu hören und ein bisschen Love Parade. Der Film zeigt auch, wie schön es sein kann, seine Energie zu kanalisieren."

Klaus Löwitsch sieht die Dinge direkter: "Eigentlich ist Was tun, wenn's brennt? ein anarchistischer Film. Ich lebe zwar in der Ordnung, weil ich zu dämlich bin, um Anarchist zu sein, aber konstruktive Anarchie ist etwas, womit ich nicht auf Kriegsfuß stehe. Der Film könnte provozieren, weil er ja durchaus die Frage stellt, ob Tim und Hotte, diese beiden Don Quijotes, nicht vielleicht das wahrhaftigere Leben führen."

Allgemeiner äußern sich Nadja Uhl und Sebastian Blomberg. "Der Film erzählt von einer Zeit und von Menschen, die in dieser Zeit etwas getan haben, dessen Konsequenz sie Jahre später in einer ganz anderen Zeit, in einem ganz anderen Leben, in einem ganz anderen Rahmen wieder einholt", meint Nadja Uhl, während Blomberg sagt: "Es geht um sechs Individualisten, die gezwungen sind miteinander auszukommen. Über die äußeren Sachzwänge erleben sie, dass sie bestimmte menschliche Qualitäten im Zusammenspiel mit den anderen entfalten. In einer Krisensituation können sie alle über sich selbst hinauswachsen."

Abschließend erklärt Produzentin Andrea Willson: "Jeder kann sich mit dem Thema des Films identifizieren: Wir alle kommen in ein Alter, in dem wir alte Freunde wiedertreffen oder auf ein Ereignis von damals aufmerksam gemacht werden. Wir halten dann inne und reflektieren darüber, was aus uns geworden ist, ob wir unsere Träume und Ideale umgesetzt haben. Das Thema ist ernst. Eine Herausforderung für uns Produzenten besteht auch darin, einen Weg zu finden, dieses ernste Thema kommerziell und mit großem Unterhaltungswert umzusetzen und ihm dennoch gerecht zu werden."

Dirk Jasper FilmLexikon
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