Produktionsnotizen zu Im Fadenkreuz - Allein gegen Alle

Produzent John Davis und sein Team von Davis Entertainment hatten sich für Im Fadenkreuz - Allein gegen Alle vorgenommen, einen Film zu realisieren, der mehr zu bieten hat als nur Action und aufwendige Pyrotechnik. Ihr erklärtes Ziel war es, einen Kriegsfilm in Szene zu setzen, bei dem Action, modernste Effekte, Politik und - vor allem - Herz eine perfekte Symbiose miteinander eingehen. "In diesem Film gibt es mehr Action, als ich bisher auf der Leinwand gesehen habe", sagt Davis, "aber es steckt noch einiges anderes darin. Wir wollten das Genre ins 21. Jahrhundert transportieren, die Schwierigkeiten moderner Kriegsführung offen legen und auch zeigen, welche Auswirkungen sie auf die Männer und Frauen hat, die ihrem Land dienen."

Im Film ist die Hauptfigur, Chris Burnett, ein Gefangener genau dieser Sachzwänge. Frustriert darüber, dass er wegen der heiklen politischen Situation in Bosnien - der Film spielt zu keiner genau definierten Zeit, sondern laut Filmemacher "übermorgen" - keine Kampfeinsätze fliegen darf, steht Burnett kurz davor, seinen Dienst zu quittieren. Der Ausführende Produzent Wyck Godfrey erläutert: "Er ist ein Mann, der keinen Sinn in seiner Arbeit mehr sieht. Er hat keine Mission mehr und fühlt sich deshalb fehl am Platz."

Burnetts Einstellung erregt den Ärger des erfahrenen Militärs Admiral Reigart, der glaubt, dass Burnett nicht versteht, was es heißt, seinem Land zu dienen. "Reigart ist ein harter, altmodischer Kerl, der immer noch an das glaubt, was er tut", so Regisseur John Moore. "Er findet, dass Burnett nicht gerade ein guter Soldat ist, und der wiederum hält Reigart und dessen Methoden für vollkommen antiquiert." Godfrey fügt hinzu: "Die Armee ist für Reigart sein Leben, und nun hat er jemanden vor sich, der das Militär tatsächlich in Frage stellt."

Interessanterweise gab es diesen Konflikt zwischen den beiden Männern in den ersten Drehbuchentwürfen nicht. Da hatte man sich noch darauf konzentriert, die Geschichte von zwei Piloten zu erzählen, die nach ihrem Absturz hinter feindlichen Linien ums Überleben kämpfen. Es war schließlich die Idee von Kodrehbuchautor Zak Penn, zwei parallele Erzählstränge zu entwickeln. Während ein Handlungsstrang vom Kampf der Abgeschossenen im Feindesland erzählt, dreht sich der andere um die fieberhaften Rettungsversuche ihrer Kameraden und Vorgesetzten. Zudem verstärkte Penn den politischen Aspekt der Story. Er wollte, laut eigener Aussage, dem Plot einen gewissen "Tom-Clancy-Touch" geben.

So kommt denn auch die NATO, repräsentiert durch Admiral Piquet, gespielt von Joaquim de Almeida, ins Spiel. Der will Reigart nicht gestatten, ein Rettungskommando loszuschicken, weil er dadurch den überaus fragilen Frieden in der Region gefährdet sieht.

Penn war es auch, der aus dem "Top Gun"-Piloten Chris Burnett einen "durchschnittlichen" Navigator machte. "Dies unterscheidet Burnett auch von den typischen Hollywood-Helden," erklärt Penn. "In Im Fadenkreuz - Allein gegen Alle geht es folglich nicht um waghalsige Düsenjägerpiloten, sondern um einen normalen Mann, der mit einer ungewöhnlichen Situation fertig werden mußs."

Als es dann um die Besetzung von Burnetts Rolle ging, wollte Davis diesen Part unbedingt "gegen den Strich besetzen". So entschied man sich schließlich für Owen Wilson, der sich ursprünglich als Komiker in Filmen wie Meine Braut, ihr Vater und ich, "Durchgeknallt" und "The Royal Tenenbaums" - bei den beiden letztgenannten Filmen war er zudem Koautor - einen Namen gemacht hat. "Eine perfekte Wahl", wie John Davis findet.

"Wir brauchten jemanden, der uns etwas ganz anderes geben konnte. Und genau das leistete Owen", führt Davis aus. "Er ist charismatisch, er ist witzig und auch in den Action-Szenen war er perfekt. Er ist ein Naturtalent, mit dem man sich gerne identifiziert. Vergleichbar durchaus mit den einstigen Leinwandhelden Jimmy Stewart, Gary Cooper oder Steve McQueen. Er hat einfach das, was man das gewisse Etwas nennt."

Wilsons Improvisationsgabe und sein schräger Humor beeindruckten Regisseur John Moore nachhaltig. So besteht Moore darauf, dass "Owen der beste Improvisator ist, den ich je gesehen habe. Man erklärt ihm irgendetwas, er denkt kurz darüber nach und schon spielt er die Szene so, als hätte er sie schon seit Monaten geprobt."

Und Wilson selbst? Ihm gefiel der Part des unkonventionellen Helden: "Es war einfach toll, immer wieder etwas anderes auszuprobieren. In Armageddon - Das jüngste Gericht war ich Astronaut, in Shang-High Noon Cowboy und nun bin ich Pilot." Aber was dem Darsteller bei Im Fadenkreuz - Allein gegen Alle am meisten gefiel, war die Möglichkeit, an der Seite von Gene Hackman zu arbeiten: "Ich habe das Gefühl, dass ich mit Genes Filmen groß geworden bin, etwa mit "Brennpunkt Brooklyn" oder "Freiwurf". Es ist eine echte Ehre, neben ihm zu spielen." Kein Wunder also, dass Owen Wilson sich freute, als er schon bald darauf von Wes Anderson in "The Royal Tenenbaums" wieder an der Seite von Hackman besetzt wurde.

Um sich für seinen Part in Im Fadenkreuz - Allein gegen Alle optimal vorzubereiten, zog Owen Wilson für einige Zeit auf eine Marine-Basis, lebte dort mit Soldaten zusammen, machte deren Überlebenstraining mit und ließ sich in die Geheimnisse der F/A-18-Superhornet-Düsenjäger einweisen.

Owens Partner Gene Hackman war seinerseits als ehemaliger Marine-Funker mit dem Militär und dessen Gebräuchen bestens vertraut. Der zweifache Oscar-Preisträger beeindruckte die Filmemacher mit seinem Wissen über die Armee. Hackmans Fähigkeiten auf dem Gebiet der Funk-Kommunikation waren für den Film zudem überaus nützlich, da die einzige Verbindung zwischen Reigart und dem abgeschossenen Burnett schließlich auf diesem Wege stattfindet. Obendrein gefiel dem Team die Art, mit der Hackman an seinen Part heranging. Er wirkt authentisch, strahlt Respekt und Autorität aus - oder, um es mit den Worten des Militärberaters Capt. David Kennedy, US Navy, auszudrücken: "Gene ist ein geborener Anführer."

Kennedy weiter: "Gene hat genau begriffen, dass ein Offizier für Leben und Sicherheit seiner Untergebenen verantwortlich ist." Exakt das hat auch Hackman an der Rolle gereizt: "Reigart ist zwar ein harter Mann, aber er ist auch seinem Gewissen verpflichtet. Wenn er von irgendetwas überzeugt ist, geht er bis zum Äußersten. Dazu gehört, dass er die volle Verantwortung für seine Männer übernimmt. Um sie zu retten, würde er jederzeit seine Karriere aufs Spiel setzen." Diese Loyalität, die gegenseitige Abhängigkeit von Reigart und Burnett gepaart mit der spannenden Überlebensgeschichte hinter feindlichen Linien machten letztendlich auch den Reiz des ganzen Films aus und unterscheiden ihn von vergleichbaren Werken.

Neben Wilson, Hackman und Joaquim de Almeida haben noch Olek Krupa, David Keith, Gabriel Macht und Charles Malik Whitfield Hauptrollen übernommen. So spielt Krupa Lokar, den mehr als zweifelhaften serbischen Kommandanten, der Burnett jagt, Keith Master spielt Chief O'Malley, Reigarts rechte Hand, Gabriel Macht spielt den Piloten Stackhouse, Burnetts Freund, und Whitfield Sergeant Rodway von den U.S. Marines, der Reigart beim ultimativen Rettungsunternehmen begleitet.

Nachdem die Hauptrollen besetzt waren, galt es nun, den richtigen Regisseur zu finden. Da Produzent John Davis nicht weniger als das Kriegsfilm-Genre neu erfinden wollte, beschloss er, "außerhalb des (Hollywood-)Systems" nach dem geeigneten Mann zu suchen. Fündig wurde er schließlich bei der Übertragung der MTV Music Video Awards 1999, genauer gesagt, bei einer Werbeunterbrechung, in der ein SEGA-Spot ausgestrahlt wurde. "So einen Werbeclip hatte ich bis dahin noch nie gesehen", erinnert sich Davis. "Er war ein richtiger kleiner Spielfilm mit einer Abenteuerhandlung und einer Verfolgungsjagd, in die Hubschrauber und Motorräder verwickelt waren. Es gab jede Menge wüste Stunts zu sehen und der visuelle Stil wie auch der rasante Schnitt haben mich einfach umgehauen." Der Regisseur war gefunden. Nur wenige Tage, nachdem der Spot gelaufen war, hatte John Moore den Vertrag in der Tasche, der ihm garantierte, mit Im Fadenkreuz - Allein gegen Alle sein Spielfilm-Debüt zu geben.

"Allein schon bei seinem zwei- bis dreiminütigen Spot konnte man sehen, dass John ganz anders arbeitet als die meisten Filmemacher", sagt Davis. "Er benutzt eine ganz eigene, frische Filmsprache. Seine Kamera wirkt wie die Verlängerung seines Arms." Und Wilson fügt hinzu: "John hat eine fremde Welt entworfen, eine, die noch niemand von uns gesehen hat. Wie Burnett erkundet auch der Zuschauer feindliches Terrain, befindet sich mitten in einer Hölle, aus der es scheinbar kein Entrinnen gibt."

Moore hat sich auch sehr intensiv mit den technischen Aspekten auseinander gesetzt.

Zum Beispiel die Szene, in der sich Burnett und Stackhouse mit dem Schleudersitz retten. So eine Szene gab es schon in zahllosen anderen Filmen zu sehen - aber nicht so wie bei John Moore. Bei ihm sieht man, wie sich die einzelnen Schrauben lösen, und so spürt der Zuschauer förmlich, wie sich die Piloten in Sicherheit katapultieren. "Wenn man den Schleudersitz betätigt, ereignen sich innerhalb von 1,2 Sekunden 164 mechanische Vorgänge", präzisiert Moore. "Ich wollte diesen Prozess spürbar machen. Nicht nur dieses lapidare ,Dach weg, Sitz raus und Schirm auf' zeigen."

Möglichst visuell zu sein war eines von Moores ganz großen Anliegen. Um dies zu erreichen, war ihm kein Trick, kein Effekt zu schade. Er benutzte unterschiedliche Kameras und Kameraaufhängungen, änderte die Bildgeschwindigkeit pro Sekunde sowie die Blendenzeiten, nahm Szenen aus verschiedensten Winkeln auf - alles nur, um möglichst hautnahe Action zu erzeugen. "Stets fragten wir uns", so Moore, "wie können wir aus dieser Sequenz mehr herausholen? Jeder Stunt mußste richtig spektakulär wirken. Ich wollte keinesfalls etwas zeigen, was man als "typisch Hollywood" bezeichnen könnte."

Ein weiteres gutes Beispiel für Moores Geschick, Standardsituationen "aufzupeppen", stellt die Sequenz dar, die in der Raffinerie spielt. Die ehemalige Öl-Fabrik ist mit Stolperdrähten vernetzt, an denen tückische Claymore-Minen hängen. Diese Stolperdrähte zerreißt ein mit Soldaten besetzter Wagen zufällig bei der Verfolgung Burnetts und löst die Minen aus. In einem traditionellen Hollywood-Film - und so war es auch hier ursprünglich geplant - hätte Burnett die Fußangeln entdeckt und die Minen dann einzeln und mühevoll entschärft. Er sieht er sie zwar auch, aber bevor er etwas dagegen tun kann, explodieren sie. Alles, was Chris nun noch bleibt, ist um sein Leben zu laufen, während links und rechts von ihm nach dem Domino-Prinzip die Sprengsätze hochgehen.

Obwohl reichlich Action geboten ist, hat John Moore stets darauf geachtet, möglichst nahe an der Realität zu bleiben. "Die Tricks und die Action sollten keinesfalls zum Selbstzweck werden", so der Regisseur. "Ich wollte erreichen, dass die Action die Handlung unterstützt - nicht umgekehrt." Um den Zuschauer noch stärker zu verunsichern, hat der Filmemacher zudem jede Menge ironische und absurde Elemente in seine Szenen eingebaut. Diese spiegeln perfekt die verrückte Welt wider, in der Burnett sich bewegt: etwa das Kind, das in der Raffinerie seelenruhig zwischen den Stolperdrähten der Minen spielt, oder die beiden Männer, die den abgeschossenen Marine in ihrem Lastwagen mitnehmen. Der eine trägt eine Sonnenbrille wie Elvis, der andere, mit einem Gewehr bewaffnet, ein zerschlissenes T-Shirt, das ein Bild des Rappers Ice Cube ziert.

Diese Szenen, wie übrigens auch die meisten anderen, wurden in der Nähe der slowakischen Hauptstadt Bratislava gedreht, wo die Schauspieler und das Team wohnten. Die Action-Szenen entstanden, Stunden vom nächsten Hotel entfernt, in der Abgeschiedenheit der wildromantischen Karpaten. Weitere Sets waren eine Ziegelei und die fiktive Stadt ,Hac', welche die Filmemacher unter der Leitung des Produktionsdesigners Nathan Crowley sozusagen aus dem Nichts errichteten.

Hac zu bauen war nicht die einzige Herausforderung, der sich Produktionsdesigner Nathan Crowley stellen mußste. Er "baute" auf einer Plattform auch den "zugefrorenen See" des spektakulären Finales, der mit reflektierender Farbe bemalt und anschließend eingewachst wurde, um wie echtes Eis anzumuten. Anschließend entwarf er die rund 13 Meter hohe Engelsstatue, deren halb weggeschossenes Gesicht und ramponierter Körper bezeugen, wie lang in dieser Region schon der Krieg tobt. Nachdem die Figur fertig gestellt war, mußste sie in einzelne Teile zerlegt via Hubschrauber zum "See" gebracht und dort wieder zusammengesetzt werden.

Neben dem Kaltwetter-Element Eis war für diese Produktion auch noch jede Menge Schnee von Nöten. Leider spielte jedoch das Wetter nicht wie geplant mit. Die Slowakei erlebte den wärmsten Winter seit Menschengedenken - mit der Folge, dass ein ganzer Wald mittels Kunstschnee aus London "beschneit" werden mußste - sicherlich eine der größten "Schneebestellungen" der Filmgeschichte.

Für die Innenaufnahmen des Flugzeugträger U.S.S. Carl Vinson belegte das Team von Im Fadenkreuz - Allein gegen Alle gleich drei Hallen der Koliba Studios von Bratislava. Der riesige Set entpuppte sich bald als wahres Labyrinth, was zur Folge hatte, dass sich Team und Schauspieler immer wieder verliefen. Dieses Problem wurde dadurch gelöst, dass die Artdesign-Mannschaft Orientierungspläne zeichnete, die allen sicheres "Navigieren" ermöglichten. Laut Produktionsdesigner Crowley wiederum bestand das größte Problem darin, "das gesamte Innenleben dieses riesigen Schiffes - Schalter, Hydraulik, Radar, Instrumentenanzeigen, Navigationstafeln etc. - zum Laufen zu kriegen." Um die nötige Ausrüstung zu bekommen, reiste er nach Westirland, wo er alte Boeing-707-Teile aufkaufte, die er mit seinem Team neu verkabelte und so "wieder zum Leben erweckte".

Für die notwendigen Außenaufnahmen auf dem Flugzeugträger mußste eng mit dem US-Verteidigungsministerium zusammengearbeitet werden. Die Behörde, ohne deren freundliche Unterstützung die Produktion wahrscheinlich gar nicht erst zustande gekommen wäre, erwies sich als überaus kompetent und hilfsbereit. Nach sechsmonatiger sorgfältigster Vorbereitung, zahllosen Verhandlungen sowie logistischen Schachzügen und Planspielen war es dann endlich so weit: Schauspieler und Team durften auf zwei verschiedenen Flugzeugträgern drehen.

Zunächst brachte ein kleines Techniker-Team fünf Tage auf dem Flugzeugträger U.S.S. Constellation zu, um Starts, Landungen und andere Action-Szenen zu drehen. Dann, nachdem die Dreharbeiten in der Slowakei endgültig abgeschlossen waren, mußsten Team und Schauspieler sich innerhalb von zwei Tagen an Bord der U.S.S. Carl Vinson einfinden, um schließlich die nur dort zu realisierenden Szenen aufzunehmen.

Moore nutzte seinen einwöchigen Aufenthalt auf dem Schiff voll aus. "John genoss es, auf dem Flugzeugträger zu sein, während die Jets starteten und landeten", erinnert sich Produzent John Davis. "Sein Ehrgeiz war es, die tollsten Flugaufnahmen auf Filmmaterial zu bannen, die man je auf der Leinwand gesehen hat. Dafür war er bereit, Kopf und Kragen zu riskieren."

Regisseur John Moore bestätigt Davis' Aussagen voll und ganz. Aber er fügt auch gleich hinzu, dass es ungeheuer herausfordernd war, unter diesen Extrembedingungen zu drehen: "Der Lärm war infernalisch und bisweilen sogar schmerzhaft. Es war heiß und eng und mit Männern zu arbeiten, die ohnehin 24 Stunden pro Tag und sieben Tage die Woche Dienst tun und jederzeit einsatzbereit sein müssen, ist ungeheuer nervenaufreibend. Es war ungefähr so", witzelt er, "als würde man in einer Mülltonne leben, auf die jemand beständig mit einem Baseball-Schläger einschlägt."

Dirk Jasper FilmLexikon
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