Produktionsnotizen zu Heist - Der letzte Coup

Keiner hat längere Finger als Gaunerkönig Joe Moore. Kaltblütig und unerschütterlich gerade angesichts des scheinbar Unausweichlichen, cool auch unter extremem Druck - Joe versteht es, Diebstahl, Betrug und schlau ausgeheckte Täuschungmanöver zum Kunstwerk zu erheben. Gaunerkomplize und Crew-Mitglied Don Pincus beschrieb Joe im Film so: "Der Mann ist sowas von cool - wenn der ins Bett geht, dann zählen die Schafe ihn!"

Obwohl er das Talent im Blut hat und eine Menge Erfahrung mitbringt, liegt Joes Erfolg doch vor allem in seiner Vorbereitung. "Klauen kann jeder", weiß Joe. "Kompliziert wird's erst beim Abhauen."

Und Joe findet sehr bald heraus, dass es durchaus nicht genügt, dem Auge des Gesetzes zu entgehen - er mußs seine überragenden Fähigkeiten und seine sprichwörtliche Hartnäckigkeit einsetzen, um von seinem verbrecherischen Leben ein für allemal loszukommen. Falls es bei diesem Job hart auf hart kommt, dann nützt ihm auch sein Plan B nichts.

"Joe ist ein aufgeweckter Junge - ihm liegt an dem Drumherum mindestens so viel wie an dem Geld, das er stiehlt", beschreibt Oscar-Preisträger Gene Hackman seine Rolle. "Er genießt sein Leben in vollen Zügen - solche Energie würden wir insgeheim wohl alle gern in uns spüren." Rebecca Pidgeon ist vor allem mit drei früheren David-Mamet-Filmen bekannt geworden: "State and Main", Die unsichtbare Falle und Winslow Boy. Diesmal spielt sie Fran - sie ist mit Joe verheiratet und die einzige Frau im Team. "Joe ist der König, der Held, der Tüftler, der Organisator der Einbrüche", erklärt Pidgeon. "Er wirkt geheimnisvoll und sehr attraktiv."

Und er ist schlau genug, sich mit einem Häuflein hochspezialisierter Diebe wie Fran zu umgeben - atemberaubend schön, verschlagen und verlässlich wie ein Chamäleon. "Sie ist äußerst gefährlich", warnt Pidgeon. Warum? Joe formuliert es so: "Sie könnte sich sogar aus einem Sonnenbrand herausreden."

Genau wie Joe passt sich Fran jeder Situation instinktiv an; sie tut alles, um Problemen auszuweichen? ob sie sich nun "verkleidet" - so überwacht sie einen undurchsichtigen Geschäftspartner auf ihre ganz eigene Art - oder gar vor ein Auto läuft; Joes Kollege Don Pincus nutzt diese Option in einem bestimmten Moment, um für seine Kumpane Zeit zu gewinnen. "Das ist ein alter Bauernfänger-Trick namens ,Fallen lassen und abtauchen'", sagt Taschenspieler und Schauspieler Ricky Jay, der in Heist - Der letzte Coup den Pincus spielt, für David Mamet aber auch schon in "Haus der Spiele", "Things Change - Mehr Glück als Verstand", "Homicide - Mordkommission", Die unsichtbare Falle und "State and Main" aufgetreten ist. "Der Trick ist uralt - kleine Betrüger lassen sich tatsächlich von Autos anfahren, um die Versicherung zu kassieren."

Neben Pincus gehört auch Joes langjähriger Kollege Bobby Blane zum Team - der renommierte Darsteller Delroy Lindo übernimmt diese Rolle. Ein Bruch ohne Blane an Bord wäre für Joe undenkbar. "Joe und Bobby kommunizieren offensichtlich mit einer Art Steno-Sprache", sagt Lindo, der zu Gottes Werk und Teufels Beitrag und Schnappt Shorty unvergessliche Auftritte beisteuerte. "Das zeugt von ihrer tiefen Freundschaft."

"Wegen seines Alters wird Joe Moore nicht mehr von allen für voll genommen, aber er hat durchaus noch alles im Griff", sagt Hackman. "Er schart eine Bande äußerst fähiger Komplizen und Mitverschwörer um sich, die auf praktisch jeden nur denkbaren Fall vorbereitet sind - und wenn sie ihr Ding drehen, dann fast ohne Gewalt."

Allerdings nur so lange, bis ein sorgfältig eingefädelter Überfall nicht ganz planmäßig funktioniert. Joe und seine Crew räumen am helllichten Tag ganz ruhig einen Juwelierladen aus, als sie von einer ahnungslosen jungen Verkäuferin überrascht werden. Pincus zieht seine Waffe, doch um an das Mädchen heranzukommen, ohne dass sie losschreit - und das wäre ihr Ende -, hält Joe ihn mit einem Handzeichen davon ab und trifft die folgenschwere Entscheidung, seine Maske abzunehmen.

Joe schlägt das Mädchen bewusstlos und rettet ihr damit das Leben - aber sein Gesicht wird von der Überwachungskamera aufgenommen. Der Rest des Überfalls läuft wie am Schnürchen, doch da Joes Gesicht jetzt auf Video "eingebrannt" ist, hält er es für das Beste, sich zur Ruhe zu setzen. Ihm bleibt ja Fran, das von ihm selbst gezimmerte wunderschöne Boot und ein fetter Anteil am Juwelenraub - das langt für die sprichwörtliche Südseeinsel.

Auftritt Bergman, der zwielichtige "Geschäftsmann" (Danny DeVito), der den Juwelenraub eingefädelt hat. Er hat bereits ein neues Ding vorbereitet, zu dem Joe den Tipp geliefert hat. Es geht darum, Schweizer Gold zu entwenden, doch das Risiko ist sehr hoch. Als Bergman Joe dazu überreden will, lehnt der dankend ab - auch weil sein Gesicht jetzt bekannt ist. Pech. Bergman besteht darauf, dass Joe den Goldraub mit seinem Team durchzieht, bevor es auseinanderbricht, und er weigert sich einfach, den Männern ihre Anteile am Juwelencoup auszuzahlen, wenn sie nicht auch das Gold an Land ziehen. Joe wirft ein, dass er das Ding nicht mehr nötig hat - er braucht nicht mehr als seinen ausgemachten Anteil. "Jeder braucht Geld", belehrt ihn Bergman. "Deshalb nennt man es Geld."

"Der Einsatz ist hoch", sagt der umtriebige Schauspieler, Produzent und Regisseur Danny DeVito, der bereits Davids Mamets begeistert aufgenommenes Drehbuch "Hoffa" (Jimmy Hoffa) mit sich selbst in einer Hauptrolle inszeniert hat. "Bergman und Moore müssen ihre gesamte Existenz in die Waagschale werfen. Genau genommen müssen alle Teammitglieder im Film mit existenziellen Problemen fertig werden. Da heißt es Nerven behalten oder durchdrehen. Ein Tropfen reicht, das Fass läuft über, und ein ganzes Leben geht den Bach runter."

Joe sitzt fest - er braucht die Kohle, um seinen Lebensabend zu finanzieren, aber bei Bergman beißt er auf Granit. Wider besseres Wissen beugt er sich Bergmans Bedingungen. Um Joe im Auge zu behalten und seine eigenen Interessen zu wahren, besteht Bergman darauf, dass sein sehr von sich überzeugter, aber unerfahrener Neffe Jimmy Silk bei der Operation Gold mitmacht. Silk soll dafür sorgen, dass Joe sich nicht aus dem Staub macht, bevor das Ding gedreht ist und - was noch wichtiger ist -, dass Joe nachher beim vereinbarten Treffpunkt erscheint, um die Beute zu teilen.

"Silk hält sich für aalglatt, so glatt wie Seide, nach der er sich nennt", sagt der versierte Sam Rockwell, der zuletzt einen entwaffnend sympathischen Schurken in "Charlie's Angels" (3 Engel für Charlie) spielte. "Er weiß, wie man den Fuß in die Tür bekommt. Ein schwerer Junge ist er eigentlich nicht, eher ein cleverer Junge."

Aber Silk legt sich sehr bald mit Moore, Blane und Pincus an - er ist noch feucht hinter den Ohren, greift zu schnell zur Waffe und macht sich in die Hose, wenn die Cops auftauchen. Außerdem sorgt er sich ein bisschen zu sehr um das Wohlergehen von Joes Frau. Um seinerseits sicher zu gehen, bittet Joe Fran, auf Silk aufzupassen - so wie sie aussieht und so wie der sich aufführt, ist das ein Kinderspiel. Fran erfüllt Joe offensichtlich jeden Wunsch - auch den Auftrag mit Silk. Ihr ständiger Spruch ist: "Joe, wenn du es sagst, dann hast du auch recht."

Joe mußs jederzeit damit rechnen, von den Cops erkannt zu werden, und unter Jimmy Silks wachsamen Augen gestalten sich die Vorbereitungen durchaus nicht einfacher. Unter diesen verschärften Bedingungen tüftelt Joe mit seinem Team jenen Plan aus, mit dem sie ein Schweizer Transportflugzeug um etliche Millionen in Goldbarren erleichtern wollen. So einfach wie einer Oma die Handtasche klauen ist die Sache also nicht. Das Flugzeug ist massiv gesichert. Joe & Co. müssen nicht nur dem Airport-Sicherheitsdienst, der Polizei, dem FBI und den Zollbeamten immer einen Schritt voraus sein - sie müssen auch einander scharf im Auge behalten? denn Schritt für Schritt lernt Joe auf die harte Tour, dass hier nicht nur sein Plan abgewickelt wird, um an das Gold zu kommen. "Immerhin sind das schließlich Räuber", stellt Danny DeVito fest. "Sie haben zwar sehr lange eng zusammengearbeitet, aber jetzt liegen die Nerven blank. Jetzt heißt es nur noch: Jeder gegen jeden."

Doch im Zentrum von Heist - Der letzte Coup steht die Partnerschaft zwischen Joe, Blane und Pincus. "Die drei haben eine faszinierende Beziehung", findet Hackman. "Es gibt da ein stilles Einverständnis, man kennt sich wirklich gut, die Vertrauensbasis ist da. Sie haben so lange zusammengearbeitet, dass sie ihr Verhalten genau einschätzen können. Denn es gibt so etwas wie Ganovenehre."

"Ehre und Treue sind was Wunderbares, aber wohl doch recht selten", bemerkt Autor/Regisseur David Mamet, der das Thema Treue immer wieder ins Zentrum seiner berühmten Filme stellt. "Doch warum sollte man diese Eigenschaften nicht ebenso unter Dieben wie in anderen Bereichen der Gesellschaft finden?"

Dank der ausgeklügelten Tarnung, sorgfältig präparierter falscher Fährten und Fluchtplänen für alle nur erdenklichen Notfälle scheint Jakes risikoreicher Goldraub wie ein Uhrwerk abzulaufen, bis jemand - oder besser alle - übers Ohr gehauen werden. "Interessant ist der Film vor allem und gerade deshalb, weil man nie genau weiß, was eigentlich los ist - wer die Beute hat und wer nicht", sagt Hackman. "Man hat bis zum Schluss keine Ahnung, wie das Ganze ausgehen wird." "Der Film funktioniert wie die russische Babuschka-Puppe", fügt Delroy Lindo hinzu. "Hinter dem einen Trick steckt noch einer und noch einer."

"In Heist - Der letzte Coup geht es um Loyalität - wer steht für den anderen ein, wer hält sein Wort?" sagt Danny DeVito. "Das Ganze ist äußerst komisch, aber dennoch schauen wir diesen Gaunern sehr ernsthaft auf die Finger. Man mußs jede Sekunde verflixt aufpassen, denn wenn man sich nur eine kleine Blöße gibt, nutzt sie der andere aus. Bei so viel Geld bleibt keine Zeit, persönliche Probleme auszudiskutieren. Man mußs die Problemlösungen der Situation anpassen."

Unübliche Verdächtige Nachdem David Mamet als Drehbuchautor und Art Linson als Produzent den sehr erfolgreichen "The Untouchables - Die Unbestechlichen" zusammen gedreht hatten, wollten sie diesmal die Story einer Einbrecherbande im Stil des Film noir erzählen. Heraus kam "Heist", ein intelligentes und kompliziertes Ensemblespiel um einen meisterhaft eingefädelten Goldraub.

Um die beiden Genres zu vereinen, war ein Fachmann nötig: Der für den Oscar nominierte Pulitzer-Preisträger David Mamet legt mit "Heist" bereits seinen neunten Film als Autor/Regisseur vor. "Im Film noir kommen zwei wesentliche Elemente zum Tragen", erklärt Mamet. "Das eine ist Gewalt, das andere Ironie. Meiner Meinung nach unterscheidet sich das Genre dadurch vom einfachen Gangsterfilm. Gangsterfilme sind grundsätzlich sentimental. Gewalttätig, aber sentimental. Der Film noir ist gewalttätig, aber unsentimental, viel frostiger als der Gangsterfilm. Gewalt ist gefühlsbetont - wenn man sie als emotionslos zeigt, wirkt sie fast automatisch ironisch."

Auch wenn Mamet Heist - Der letzte Coup als Film noir bezeichnet, so entziehen sich seine Filme doch grundsätzlich jeder üblichen Genrezuordnung - häufig hat man sie als ein eigenes Genre bezeichnet. Über 20 Filme hat Mamet als Drehbuchautor oder als Autor/Regisseur geprägt, und seit den 70er-Jahren gibt er dem Theater immer wieder frische Impulse - kein Wunder also, wenn Cineasten und Theaterfans ruppige, temporeiche, stakkatoartig abgefeuerte naturalistische Dialoge als "mametesk" bezeichnen. Aber nicht nur die stilisierte Sprache fällt in Mamets Filmen auf, sondern vor allem die Begeisterung der Darsteller - sie sprechen bei ihm Dialoge, die ihnen niemand sonst vorsetzt.

"Die Arbeit mit einem Autor plus Regisseur ist immer interessant", sinniert Gene Hackman. "Es fasziniert mich zu erleben, wie ein Regisseur versucht, Probleme zu lösen, die sich bei der Arbeit ergeben - Probleme, die er sich möglicherweise selbst eingebrockt hat, weil er ja das Drehbuch geschrieben hat. David ist dabei sehr flexibel - wenn das tatsächlich mal passiert, bekommt er die Sache sauber in den Griff."

"Ich bin ein sehr, sehr großer Fan von David Mamet", sagt Danny DeVito enthusiastisch. "Was er zustande bringt, ist wahre Kunst. Er geht absolut klar und logisch vor. Als Schauspieler bin ich stark gefordert, weil er seine ganz eigene Sprache kreiert. Aber auch das bringt Spaß - sich seine Sprache einzuverleiben. Es ist wirklich eine Mordsgaudi, einen Schurken zu spielen und all diese Sprüche zu klopfen. Solche Dialoge begeistern mich."

Sam Rockwell kann dem nur beipflichten: "Mein Text besteht aus wirklich coolen Sprüchen. In einer Szene halte ich vor Fran einen langen Monolog - davon kann ein Schauspieler nur träumen. So ähnlich wie Bogart am Ende von "Die Spur des Falken" oder Nicholson am Ende von "Chinatown"."

Ricky Jay ist Off-Broadway unter Mamets Regie in seiner immens erfolgreichen Soloshow "Ricky Jay and His 52 Assistants" aufgetreten - er zieht Parallelen zwischen dem unverkennbaren Schreibstil des Autor/Regisseurs und seinem eigenen Werdegang als Zauberer: "Mein Mentor war der inzwischen verstorbene Guy Vernon - viele halten ihn für den Meister der Taschenspielertricks. Er soll mal gesagt haben: "Ein guter Zauberkünstler bringt mit seinem Auftritt den Verstand schrittweise dazu, auf geniale Weise sein logisches Denkvermögen selbst außer Kraft zu setzen." Und genauso empfinde ich auch das, was David schreibt."

Als Gene Hackman das Drehbuch zu Heist - Der letzte Coup erstmals las, gefiel ihm, "wie clever Joe Moore ist, wie schlau er und seine Komplizen ihr Ding durchziehen und dabei so wenig Gewalt wie möglich anwenden. Hier geht es um Fingerfertigkeit, um einen scharfen Verstand, und um das Einplanen von allen nur denkbaren Problemen und Hindernissen."

"Ich bin sofort auf die Sprache des Drehbuchs abgefahren", sagt Delroy Lindo. "Davids Dialoge sind immer doppeldeutig - dauernd sagen die handelnden Personen das eine, meinen aber etwas anderes, was die Sache besonders kompliziert, denn wir versuchen die Emotionen, die sich hinter der Fassade der Worte verbergen, so klar und deutlich wie möglich herauszuarbeiten."

Wie in anderen Mamet-Filmen zieht sich das Leitmotiv Loyalität auch durch Heist - Der letzte Coup, und Mamet hält bei seiner kreativen Arbeit ebenfalls große Stücke auf sie. Neben seinen ständigen Hauptdarstellern Rebecca Pidgeon und Ricky Jay hat er auch andere gute Bekannte in "Heist" besetzt: Patti LuPone spielt die US-Zoll-Agentin Betty Croft, deren Geheimnis sie die Karriere kosten könnte; und Jim Frangione ist in zahlreichen Mamet-Stücken aufgetreten, er hat auch in den Filmen "State and Main", Die unsichtbare Falle und "Homicide - Mordkommission" mitgewirkt. Hier spielt er den wohlhabenden D.A. Freccia, den potenziellen Käufer des Bootes. "Wenn David fragt: ,Machst du mit?', dann ist völlig egal, worum es geht", sagt Tony-Preisträgerin Patti LuPone, die seit 1976 mit Mamet auf der Bühne zusammenarbeitet - sie ist in fünf seiner Stücke aufgetreten und übernahm auch eine Rolle in "State and Main". "Ich bin immer für ihn da. Er ist ein Schauspielerregisseur, er respektiert uns, und das spürt man auch auf der Leinwand."

"Ich hatte das Glück, eine ganze Reihe von Filmen mit David zu machen", sagt Ricky Jay. "Was diesen von anderen unterscheidet: Hier geht es nicht um konventionelle Trickbetrüger, sondern um einen Überfall und die Milieubeschreibung einer kriminellen Subkultur."

Im Zuge seiner Arbeit an den neun von ihm selbst verfilmten Drehbüchern hat Mamet ein Team begabter Schauspieler und Crew-Mitglieder um sich geschart. Als er das Drehbuch schrieb, stand dennoch durchaus noch nicht fest, wer welche Rolle übernehmen würde. "Allerdings habe ich mir von Anfang an Rebecca Pidgeon als Fran vorgestellt, aber in Bezug auf die anderen Rollen wusste ich nur, dass wir hervorragende Darsteller brauchten", verrät Mamet. " Gene Hackman war von entscheidender Bedeutung, um den Film überhaupt produzieren zu können - ebenso Danny DeVito. Ohne die beiden wäre das wohl kaum gelaufen. Als Schauspieler sind sie umwerfend, und die Arbeit mit ihnen ist ein einziges Vergnügen."

In Heist - Der letzte Coup treffen sich Gene Hackman, Danny DeVito und Delroy Lindo wieder, die bereits in der Gangsterkomödie "Get Shorty" (Schnappt Shorty) gemeinsam vor der Kamera standen. "Es ist immer schön, wenn man Freundschaften bei Dreharbeiten vertiefen kann", sagt Hackman über seine Schnappt Shorty-Kollegen. "Mit Danny kann man Pferde stehlen, und vor der Kamera ist er ein vollendeter Profi - man schaut ihm gerne bei der Arbeit zu. Und Delroy ist ein starker, dynamischer Schauspieler. In jeder Szene kann man sich auf ihn verlassen - ein solider, toller Kollege." "In Bezug auf Schnappt Shorty bedaure ich immer noch, nicht mehr Szenen direkt mit Gene gespielt zu haben", sinniert Delroy Lindo. "Aber dieser Wunsch wird mir bei dem jetzigen Film wirklich voll erfüllt."

"Der Mann ist mein Idol", sagt DeVito über Hackman. "Er war immer ein brillanter Darsteller. Was er auf die Beine gestellt hat, ist vorbildlich."

"Gene gehört wohl zu den besten Schauspielern der Welt", sagt Sam Rockwell, den man altersmäßig vergleichsweise noch als Nachwuchsstar bezeichnen mußs. "Ich staune immer noch, wenn ich mir klar mache, dass ich mit ihm arbeiten darf. Mein Traum ist in Erfüllung gegangen. Um das zustande zu bringen, was er geschafft hat, mußs man wahrlich ein guter Mensch sein. Er ist von tiefer Humanität geprägt."

Der Schauplatz des Verbrechens Produktionsdesigner David Wasco hat bereits bei "Oleanna" mit Mamet zusammengearbeitet. Diesmal bekam er die Aufgabe, zusammen mit Kameramann Robert Elswit die Atmosphäre eines altmodischen Film noir aus Hollywood zu gestalten. "Zunächst hatten wir vor, mit prächtigen Schauwerten großen Eindruck zu machen", sagt Wasco. "Aber in einem Gangsterfilm der Schwarzen Serie würde das wohl nicht überzeugen."

Mamet wünschte sich Bilder wie aus den 40er-Jahren - in gedämpften Schwarzweißtönen -, um sein Faible für den Film noir und sein ständiges Thema Loyalität zu unterstreichen. "Deshalb habe ich die meisten Farben weggelassen", beschreibt Wasco seine Arbeit. "Farbe kommt durch die Dialoge, durch die Figuren in den Film. Die Schauplätze wirkten überwiegend braun, grau und schön gedämpft - dadurch wirken die Gesichter der Schauspieler besonders auffällig."

Die Story spielt zwar in und um New York City, Boston und in Neuengland, aber die Filmemacher wählten als Drehort Montreal, das alle Schauplätze doubelt. Die Landschaft und die Architektur sind der an der amerikanischen Ostküste sehr ähnlich. Außerdem durfte das Team auf dem Gelände des Mirabel International Airport 40 Kilometer nördlich von Montreal drehen - dadurch war die nötige Authentizität der Produktion gewährleistet. Jede Szene, vom Flughafen bis zur Toilette einer Tankstelle, vom Industriehafen bis zu Joes Hauptquartier im Yachthafen, entstand an Originalschauplätzen in und um Montreal. Insgesamt waren etwa 60 Locations nötig, um der Story und den Helden von "Heist" den angemessenen Hintergrund zu liefern.

Als großer Vorteil bei der Arbeit auf dem Mirabel International Airport erweist sich die erstaunliche Ruhe dort - der voll ausgerüstete Flughafen wird nämlich vorwiegend für Luftfrachten und internationale Charterflüge genutzt. Nur so war es möglich, für den Höhepunkt des Films, während des Goldraubs, einen explodierenden Feuerball direkt auf der Rollbahn zu inszenieren.

Das Boot, das Joe so ans Herz gewachsen ist und im Film eine Schlüsselrolle spielt, ist eine von Hand gefertigte, gediegene 15-Meter-Segeljolle, Baujahr 1957. Mamet verlangte, dass die Jolle eine Reling komplett aus Messing sowie ein Sprungbrett bekam. Dazu Wasco: "All das haben wir von Hand extra für diesen Zweck anfertigen lassen und nahtlos in dieses unbezahlbare, handgefertigte Requisit eingefügt. Wir durften nicht mal einen Nagel in dieses Schmuckstück schlagen. Alle Extras mußsten wir mit Klammern anschrauben und in eine perfekte Passform bringen - so wie wenn Handwerker Holz ohne Nägel verarbeiten, überhaupt ohne Metall? mit intensiver Vorbereitung ist das durchaus machbar."

Wascos Konzept der gedämpften Farben schlug sich in allen Aspekten nieder - die Ausstattung der Drehorte, die Requisiten, aber auch die Schauplätze selber. "Alles sollte unauffällig aussehen", erklärt Wasco. "Der Film spielt zwar in der Gegenwart, aber David gestaltet seine Filme gern so, dass sie zeitlich nicht genau einzuordnen sind. Bei den Autos bemühten wir uns vorwiegend um große amerikanische Limousinen der 70er- und 80er-Jahre - große Schlitten ohne knallige Farben."

Auch Kostümbildnerin Renee April hielt sich bei ihren Entwürfen eng an Mamets Vorgaben. "David wollte Film noir - das bedeutet: keine Farben, keine besonders ausgeprägten Modelle", sagt sie. "Vor allem wollte er alles vermeiden, was man mit dem Jahr 2000 in Verbindung bringen könnte. Der Zuschauer kann also nicht genau ausmachen, in welcher Zeit der Film wirklich spielt. Viele Kostüme erinnern an die 40er-, 50er- und 60er-Jahre. Und den Anzug, den Delroy Lindo in der Juwelierladen-Szene trägt, haben wir nach einem Modell aus den 30ern geschneidert."

April verrät, dass sie sich bei den Kostümen für Rebecca Pidgeon an Jean Seberg in Godards "Außer Atem" orientierte. Tatsächlich hat auch Pidgeon sich ihre langen braunen Locken abgeschnitten und ihr Haar blond gefärbt, um der Fran den Look der "toughen Femme fatale" zu verpassen. "In diesem Film soll man die Kostüme möglichst gar nicht wahrnehmen", sagt April. "Und das haben wir wohl geschafft. Meistens laufen die Helden in irgendwelchen Verkleidungen herum, und dabei müssen sie sich nahtlos in ihre Umgebung einpassen. Manchmal weiß man nicht einmal genau, ob sie sich überhaupt verkleidet haben. Denn der Zuschauer darf absolut nichts als sicher annehmen."

"Ich habe mir nie vorstellen können, mal in einem Film noir aufzutreten", sagt Sam Rockwell. "Heist - Der letzte Coup entwickelt seinen ganz eigenen Stil. Die Dialoge sind ebenso stilisiert - für mich klingt das so, wie Bogie und Bacall miteinander geredet haben. Sich als Gangster verkleiden, mit diesen wunderbaren Kollegen zusammenzuarbeiten, fantastische Dialoge zu sprechen - darauf habe ich mein ganzes Leben hingearbeitet. Von so etwas kann man nur träumen."

Dirk Jasper FilmLexikon
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