Ausführlicher Inhalt zu Freche Biester!

Szenenfoto Irgendwo, im provinziellen Herz von Texas, erreicht ein bisher perfektes Teenagerleben einen ungeahnten Tiefpunkt. Im Sheriffdepartment von Splendona wird Starla Grady (Jane McGregor), sichtbar berauscht und nicht ganz bei Sinnen, für die Akten fotografiert und schließlich, von zwei Polizistinnen gestützt, torkelnd in ihre Zelle geschleppt. Wie konnte ein gutes amerikanisches Mädchen so tief fallen, wie sich Rachelust hinter Gittern in einem bitteren Schwur sammeln? Vergeben will Starla für immer vergessen, denn "wenn ich hier jemals rauskomme, und Gott ist dafür mein Zeuge, wird jemand dafür bezahlen!"

Nur wenige Wochen zuvor sonnt sich Starla noch im Glanz ungetrübten Glücks. Ihre Liebe zu Texas, der Wiege Präsident Eisenhowers und natürlich Mary Kays von "Mary Kay Cosmetics", ist so groß, dass sie die Landesgrenze nie überschritten hat. In ihrer Schule hält die 17-jährige Hof, regiert unangefochten als Cheerleader-Queen und Freundin von Kyle (Matt Czuchry), dem Traumboy und Star-Quarterback der Splendona High.

Ihren Karrierewunsch, als berühmte TV-Moderatorin Amerika täglich mit einem Lächeln begrüßen zu können, verfolgt sie mit stählerner Entschlossenheit, einem akribischen Lebensplan und der Gewissheit, blond, ehrgeizig und eine klassische Texas-Beauty zu sein. Auch wenn Randolph (Jesse James), ihr altkluger, 11-jähriger Albtraum von Bruder, in ihrem Erscheinungsbild partout Ähnlichkeiten zu Drag Queens zu erkennen glaubt.

Vom Vorschlag ihrer Mutter, als erste Familie Splendonas eine französische Austauschschülerin aufzunehmen, hält Starla allerdings wenig, schließlich mußs es genügen, den Franzosen in zwei Weltkriegen den Hals gerettet zu haben. Und wie sollte sie auch Zeit für eine Exotin aus einem Land haben, in dem Frösche nicht im Teich, sondern in der Pfanne landen? Schließlich gibt es Wichtigeres zu tun, zum Beispiel die Misswahl der örtlichen Rinderzüchter zu gewinnen.

Szenenfoto Unbeeindruckt von Protestvegetarierinnen, die auf der Bühne zu Boden gestreckt werden, oder kulturellen Fehleinschätzungen ihrer Mom, die beim Mozartvortrag einer jungen Cellistin ihre Verachtung gegenüber japanischer Musik outet, schafft es Starla, unter die letzten Drei des Schönheitswettbewerbs zu kommen. Doch als ihr im Finale der sichere Sieg zu entgleiten droht, weil das Publikum ihre Begeisterung über die eigene, vorgetragene Biografie nicht teilen mag, mußs Starla eine ungeliebte Karte ausspielen. Und so tobt die Menge, als sie ihr karitatives Herz öffnet und verkündet, die erste Austauschschülerin Splendonas als ihren Gast zu begrüßen. Ohne zu ahnen, dass mit diesem Import aus Frankreich eine Tour der Leiden beginnt.

Szenenfoto Schnell ist der große Tag gekommen, an dem sich am Flughafen mit Béret, Brille und züchtig geschlossener weißer Bluse Genevieve LePlouff (Piper Perabo) ihrer amerikanischen Gastfamilie vorstellt. Während Bruder Randolph peinlich berührt die Augen verdreht, beweisen Vater und Mutter Grady stolz ihre umfangreichen Französischkenntnisse, die Kreuzworträtselniveau kaum erreichen. Und natürlich ist Genevieve kurz darauf Mittelpunkt eines riesigen Barbecues, an dem der ganze Ort die überraschend unauffällige Seine-Sirene staunend beglotzt. Durch ihre bescheidene Art gewinnt die offensichtlich hilfsbedürftige arme französische Seele rasch Starlas Vertrauen.

So erfährt sie intimste Geheimnisse, dass etwa Starlas beste Freundinnen Ashley Lopez (Alexandra Adi) und Tanner Jennings (Nicki Aycox) "wirklich süß, aber auch große Schlampen sind", darf Starlas Trophäenwand mit allen Auszeichnungen bewundern und die geheime Liste mit den 50 Schritten sehen, die Starla einmal zur Kollegin von Katie Couric, zur Moderatorin von "Good Morning America" machen sollen. "Dein Leben ist so formidabel", zieht Genevieve schließlich ein Fazit ihrer Verehrung und mietet sich damit scheinbar unkündbar im Herzen ihrer Gastgeberin ein.

Szenenfoto Von nun an gehört Genevieve zur Clique der drei Powergirls, darf beim täglichen Triumphmarsch durch die Schulkorridore sich ein bisschen im Glanz der Königin sonnen, darf solidarisch lachen, wenn wieder einmal Doreen, die rebellische Vegetarierin und offensichtliche Schullesbe, mit einer Salve Spott in den Tag entlassen wird. Schließlich lernt Genevieve Ed Mitchell (Trent Ford), den Schulfotografen, kennen, der in der unscheinbaren Französin mit seiner Kamera das Potenzial entdeckt, dass ihr und nicht Starla in wenigen Tagen eine ganze Seite in der neuen Ausgabe der Schulzeitung einbringen wird.

Obwohl ihre Öffentlichkeitsarbeit damit einen empfindlichen Rückschlag erleidet, versucht der amerikanische Modellteenager, keimende Eifersucht zu unterdrücken. Schließlich hat das arme Pariser Mädchen ihre große Liebe Jean-Marie nach einem Autounfall in den Fluten der Seine verloren, was Ashley und Tanner zum solidarischen Chorus hinreißen lässt: "Ertrunken in der Seine, das ist ja sooooo Titanic!".

Szenenfoto dass der harmlos wirkende Pariser Import zielstrebig eigene Pläne verfolgt und auch schon bei Kyle mit dem unschuldigen Geständnis "Tief im Inneren bin ich sehr warm" vorgefühlt hat, ahnt Starla nicht. Längst ist Genevieve eine enge Freundin und die letzte Rettung, um ihren drohenden Absturz im Französischunterricht aufzufangen, der für ihre Cheerleaderkarriere das Aus bedeuten würde. Denn obwohl Starla all ihre Attribute flirtend ins Gefecht geworfen hatte, fordert ihr, von kurzen Röcken sonst hypnotisierter Lehrer Monsieur Duke eine Topnote in der mündlichen Prüfung. Andernfalls ist Schluss mit Pom Poms, Hüftschwung und königlichem Status.

Vom Glück geblendet, dass Genevieve für sie ein Prüfungs-Tape anfertigen will, übersieht Starla, dass die Aufnahmetaste bevorzugt dann aktiviert wird, wenn sie über die Schule und deren hohe Loserquote lästert, toleriert sie, dass Genevieve bei der rituellen Morgenparade durch die Schule erstmals auch Huldigungen erfährt und bei Daddy längst einen Stein im Brett hat. Doch als der große Tag mit der mündlichen Prüfung kommt, verdrängt Desaster den erwarteten Triumph. Arglos die auswendig gelernten Antworten Genevieves nachplappernd, gibt Starla auf die Frage ihres Lehrers "Wo ist die Bibliothek?" eine denkwürdige Antwort: "Die Bibliothek ist in der Stadtmitte. Vielleicht können wir uns dort nachmittags zu lockerem Sex verabreden. Wir können es wie wilde Wiesel treiben, während uns eine ältere Nonne dabei beobachtet."

Szenenfoto Die Konsequenz solch unerhörter, in Splendona sicher ungehörter Angebote ist dramatisch. Starla stürzt als Cheerleader ab und wird von Genevieve ersetzt, die mit kreisenden Dirty-Dancing-Hüften auf Anhieb zur neuen Sensation der Schule aufsteigt. Starlas bisher zart keimendes Misstrauen blüht schlagartig auf und treibt sie zur schlimmsten Demütigung. Sie fragt ihren kleinen, perfekt französisch parlierenden Bruder um Hilfe, lässt ihn ihre Prüfungsantworten übersetzen.

Und so kommt es, dass der Aufschrei eines zornigen amerikanischen Mädchens alle Barrieren überwindet, bis auch das letzte Rind an der Staatsgrenze verängstigt die Ohren abdreht.

Szenenfoto "Miststück, jetzt wird abgerechnet", stimuliert sich nun ein zur texanischen Furie mutierter Teenager, stürmt sturzbetrunken eine Party, um mit amerikanischer Schlagkraft Frankreich eine Lehre zu erteilen. Mit letzter Kraft zieht Ed den tobenden Tornado aus der Prügelei und tröstet Starla mit einem zärtlichen Kuss. Doch mit seinem Mitgefühl bleibt er allein. Freundinnen und Familien solidarisieren sich mit dem endlich etwas vom Glück kostenden französischen Mädchen, wenden sich von Starla ab, an deren freiem Fall sich nun auch Doreen lustvoll weidet: "Ich liebe Dein neues Parfüm "Over".

Doch ein gutes Herz findet immer Platz zum Vergeben. Genevieves Beteuerungen, vom märchenhaften Leben ihrer Gastgeberin einfach überwältigt worden zu sein, finden bei Starla erneut ein offenes Ohr. Versöhnt mit der Welt und berauscht von Pilzen, die Genevieve unbemerkt morgens in den Mixer warf, küsst Starla die Blumen, schwebt in Trance durch die Schule und überredet Monsieur Duke, ihr mit einem neuen Tape eine letzte Chance zu geben. Und so kommt es, dass die ganze Klasse an Starlas vertraulichen Worten über die miese Schule und ihre Verlierertypen Anteil nehmen darf, dass plötzlich ein Messer in ihrer Tasche gefunden wird und der einstige Stolz Splendonas einsam in einer Gefängniszelle landet.

Szenenfoto Als sich die Türen nach dunklen, demütigenden Stunden wieder für sie öffnen, erlebt Starla eine faustdicke Überraschung. Ausgerechnet ihr kleiner Bruder, der einzige Kratzer in ihrem früheren glanzvollen Leben, hat ihre Strafe bezahlt und ihre Rehabilitierung in die Wege geleitet: "Denn niemand", so der furchtlose Knirps, "hält meine Familie zum Narren und kommt damit auch noch durch!"

Zusammen mit Ed beginnen Bruder und Schwester nun in Genevieves Biografie zu wühlen, finden heraus, dass die echte Genevieve in Paris, drei Grabsteine hinter Jim Morrison, ewigen Frieden genießt, den die falsche aber auf keinen Fall finden soll. Beim Wettbewerb der örtlichen Radiostation, auf dem Nachwuchsmoderatorinnen ein Stipendium gewinnen können, kommt es schließlich zum Thronduell zwischen der jungen Ex-Königin von Splendona und ihrer intriganten Rivalin. Ein Spektakel, vom dem in Texas noch in Jahren gesprochen werden wird ...

Dirk Jasper FilmLexikon
© Fotos: Constantin Film © 1994 - 2010 Dirk Jasper