Produktionsnotizen zu Hearts in Atlantis

In Hearts in Atlantis geht es um einen Jungen, dem sich durch die Freundschaft mit einem geheimnisvollen Fremden eine völlig neue Welt auftut. Am Anfang des Films kehrt der 50-jährige Bobby Garfield (David Morse) in seine Heimatstadt zurück, um einem Jugendfreund die letzte Ehre zu erweisen. "Durch die Rückkehr erinnert sich Bobby an einen verklärten Moment in seiner Kindheit - genau jenen Augenblick, in dem aus dem Kind ein Jugendlicher wurde", sagt Regisseur Scott Hicks. "Jene Wochen mit dem faszinierenden Ted verändern Bobbys Leben. Er tritt quasi durch eine Tür in seine Zukunft und wird erwachsen - der Mann, der er heute ist."

Auf dieser Reise in die Vergangenheit fühlt sich Bobby magisch von dem Haus angezogen, in dem er aufgewachsen ist - heute nur noch eine Ruine. Und durch das Fenster, von dem er das Haus seiner Freundin Carol Gerber beobachtete, schaut er nun zurück in die damalige Zeit ... in jenen letzten Sommer seiner Kindheit. "In diesem Moment stürmen all die Erinnerungen wieder auf ihn ein. Die seltsame Macht, die Ted in jenen entscheidenden Tagen auf ihn ausübte, wird Bobby bis an sein Lebensende bestimmen", erklärt Hicks.

An seinem elften Geburtstag mußs Bobby (gespielt vom Newcomer Anton Yelchin) mit einer großen Enttäuschung fertig werden: Er hat sich so sehr ein Fahrrad gewünscht, aber stattdessen schenkt ihm seine Mutter (Hope Davis) einen Mitgliedsausweis für die Stadtbücherei. "Liz vernachlässigt ihn, denkt eigentlich nur an sich selbst. Durch ihr eigenes schweres Schicksal hat sich in ihr eine große Wut aufgestaut", sagt Davis, die mit ihrer Darstellung in dem romantischen Drama "Next Stop Wonderland" zur Kritikerfavoritin aufstieg. "Sie ist eine alleinstehende Mutter, aber in den 50er-Jahren waren nur zwei Prozent der Frauen ihrer Altersgruppe nicht verheiratet. Sie versucht sich durchzuschlagen, doch ständig legt man ihr Steine in den Weg - wenigstens glaubt sie das -, weil ihr das Kind wie ein Klotz am Bein hängt."

"Im Drehbuch übernehme ich einen bezeichnenden Satz aus dem Buch: ,Sie wünschte, sie wäre woanders.'", sagt Drehbuchautor William Goldman. "Liz hat es nicht leicht. Bösartig ist sie nicht. Sie hat sich das einst anders vorgestellt, wollte nicht mit 35 in einem stupiden Job versauern, während der Chef ihr nachstellt und sie das Kind am Hals hat. Sie hatte ganz andere Träume. Aber man kann ihr wirklich nicht vorwerfen, dass sie sich nach einem besseren Leben sehnt."

"Bobby kommt nicht sehr gut mit seiner Mutter aus", sagt Anton Yelchin. "Aber er ist ganz in Ordnung und hat eine Menge auf dem Kasten. Mit fünf hat er den Vater verloren, und jetzt hat er gar nichts mehr. Aber das ändert sich schlagartig, als Ted Brautigan einzieht." Ted taucht plötzlich in der Pension auf, in der Bobby und Liz wohnen. Seine ganze Habe trägt er in Einkaufstüten mit sich herum. Bobby findet ihn sofort sympathisch, doch Liz reagiert misstrauisch. "Ted taucht aus dem Nichts auf", sagt Anthony Hopkins, der kürzlich seine Oscar-preisgekrönte Rolle aus Das Schweigen der Lämmer in dem weltweiten Hit Hannibal wieder aufnahm. "Seine Geschichte bleibt im Dunkeln, etwa so wie in dem klassischen Western "Mein großer Freund Shane". Er verbirgt ein Geheimnis, aber dennoch ist er durchaus kein zwielichtiger Typ, sondern ein guter Mensch, äußerst mitfühlend. Er hat nichts Unheimliches an sich."

Bobby verhält sich zunächst zurückhaltend, aber mit der Zeit freunden sich die beiden an. "Ted ist unglaublich intelligent", sagt Anton Yelchin. "Er weiß auf alles eine Erklärung, erzählt Bobby von Dichtern und Schriftstellern, die Bobby völlig fremd sind. Bobby findet Ted faszinierend, denn solch einen erstaunlichen Mann hat er noch nie kennengelernt."

Ted bezahlt Bobby dafür, dass er ihm die Zeitung vorliest, weil er seine schwachen Augen schonen mußs. Und er hat auch eine weitere Aufgabe für ihn. "Es gibt böse, gewissenlose Männer, die hinter mir her sind. Die sind gefährlich", sagt Ted. Bobby soll die Augen offen halten und aufpassen. Dafür bekommt er einen Dollar pro Woche. "Ted zieht in die obere Wohnung und übernimmt in gewisser Weise die Vaterrolle für Bobby", sagt Regisseur Scott Hicks. "Seine Mutter kümmert sich nicht um Bobby. Einen Vater hat er nicht, emotional klafft da also eine große Lücke. Die füllt Ted ein paar kurze Wochen aus, und so erklärt sich sein nachhaltiger Einfluss auf Bobby."

Allmählich erfährt Bobby mehr über seinen neuen Nachbarn und Freund. "Mit der Zeit stellt Bobby fest, dass Ted eine außergewöhnliche Fähigkeit besitzt: Er sieht Dinge durch ein ,Fenster', wie er es nennt", sagt Hicks. "Das passiert ganz unerwartet. Bobby und Ted unterhalten sich abends, und Ted sagt: ,Vielleicht kannst du später noch etwas für mich erledigen, Bobby, und vielleicht kannst du dir dann das Fahrrad kaufen.' Aber Bobby hat ihm natürlich noch gar nichts von dem Fahrrad erzählt. Das ist also der erste Hinweis, und weitere folgen später, bis Bobby langsam versteht, dass Ted ungewöhnliche Gaben hat, die er anwenden kann, wenn er jemanden berührt - dann öffnet sich ihm nämlich ein Fenster zur Seele des anderen."

Gleichzeitig geht es mit Liz Garfield immer mehr bergab. "Die Mutter lehnt Bobby ab, weil sie offenbar jeden Menschen ablehnt", sagt Hopkins. "Sie mag Fremde überhaupt nicht. Sie ist kein schlechter Mensch, aber sehr verschlossen. Ihr missfällt, dass Ted den Jungen beeinflusst, denn das mußs sie annehmen. Tatsächlich stimmt das gar nicht. Ted ist ganz einfach Bobbys Freund, fast wie ein Schutzengel."

Doch Teds Gabe macht ihn auch angreifbar. "Einige zwielichtige Gestalten sind ihm auf den Fersen, sie werden ,niederträchtige Männer' genannt", sagt Hopkins. "Das sind keine Marsmenschen oder Gespenster. Ted besitzt eine besondere Gabe, er ist eine Art Medium. Keine Cassandra, aber er hat Eingebungen, starke Visionen. Und deswegen jagt ihn eine bestimmte Agentur. Vielleicht sind das Regierungsagenten, vielleicht die CIA oder das FBI. Irgendeine Geheimorganisation. Vielleicht die Mafia. Das bleibt unklar, wir wissen es nicht. Aber die undurchsichtigen Typen sind hinter ihm her, weil er diese Fähigkeiten besitzt und sie für ihre Zwecke einsetzen soll."

Unterdessen erreicht Bobbys Freundschaft mit Carol Gerber ein neues Stadium. "Außer Bobby hat Carol nie einen Jungen erlebt, der sie nett behandelt", sagt Mika Boorem. "Er ist der einzige. Und genauso geht auch sie ihm nicht mehr aus dem Kopf. Das ist gegenseitig. Sie verstehen sich prächtig, und diese Freundschaft hält ihr Leben lang." "Bobby kapiert überhaupt nicht, dass er sie liebt", sagt Hope Davis. "Er merkt nur, dass er sie gern zur Schule begleitet, sie ist einfach seine beste Freundin - eine wunderbare, unschuldige Beziehung, die so ganz anders ist als das, was seine Mutter erlebt hat. Egal, was er in seinem Leben durchmachen wird - die Erinnerung an Carol wird ihm immer ein fester Halt bleiben."

Für Goldman ist der Hinweis auf das sagenhafte Atlantis die beste Metapher für die Erlebnisse der Hauptfiguren. "Der Vergleich passt wunderbar, Ted erwähnt ihn an einem herrlichen Sommerabend, als alle sich wohl fühlen. Doch Ted weiß genau, dass dies nicht von Dauer sein wird. Aber er ist der Einzige, dem das klar ist."

Bobbys Leben wird sich sehr bald und sehr dramatisch ändern. "Wir erleben die Geschichte zu einem Zeitpunkt im Leben des Jungen, als er eine Ahnung von den Gefahren der großen Welt bekommt", sagt Hicks. "In mehr als einer Hinsicht ist es der letzte Sommer seiner Kindheit. Gefühlsmäßig macht er entscheidende Erfahrungen, er mußs sich einschneidenden Veränderungen stellen. Doch Bobby ist noch ein Kind, er mußs all diese Dinge verarbeiten, ohne ihnen wirkungsvoll begegnen zu können, selbst wenn er mitten im Geschehen sitzt. In Momenten wie diesem merkt man, wie unwägbar und kompliziert das Leben sein kann. Und wer das noch nie erlebt hat, der bekommt hier eine Ahnung davon, was die Zukunft bringt."

Von den Storys zur Story Als der Bestsellerautor Stephen King 1999 seine viel gepriesene Sammlung miteinander verbundener Geschichten unter dem Titel Hearts in Atlantis (Atlantis) veröffentlichte, sicherte sich Castle Rock Entertainment die Filmrechte, denn die Produktionsfirma kann bereits eine ganze Reihe erfolgreicher King-Verfilmungen vorweisen, von Stand By Me - Das Geheimnis eines Sommers über Misery, Die Verurteilten bis zum aktuellen The Green Mile.

Der Schriftsteller, Drehbuchautor und Oscar-Preisträger William Goldman hat bereits für seine Filmfassung des King-Romans Misery viel Lob erhalten, und nach der Lektüre von Atlantis war er sofort bereit, es für den Film zu bearbeiten. "Ich war sehr gerührt", sagt Goldman, der bereits am nächsten King-Drehbuch nach dem epischen Science-Fiction-Bestseller "Dreamcatcher" schreibt. "Ich schätze King vor allem, wenn er keine exotischen Monster, sondern menschliche Monster in den Mittelpunkt stellt. Was mir in Atlantis am meisten nahegeht, sind die existenziellen Probleme, mit denen Bobby, Carol und Ted sich herumplagen müssen. Das ist so anrührend und wunderbar herausgearbeitet. Als Erzähler ist er ganz einfach hervorragend."

Kings Buch besteht aus vier Novellen und einer Kurzgeschichte - Goldman wählte für den Film den ersten und längsten Text "Low Men in Yellow Coats" und die abschließende Shortstory "Heavenly Shades of Night Are Falling". "Stephen King hat eine zeitlose Geschichte geschaffen", sagt Regisseur Scott Hicks. "Es war unsere Aufgabe, sie so gut wie möglich in Bilder umzusetzen, aber vor allem die eine Story hat es mir angetan. Bobbys Beziehung zu Ted und seiner Mutter Liz, zu seinen Kindheitsfreunden ging mir unter die Haut. Ein Film mußs auf eigenen Füßen stehen, und eine Story verändert sich unter den Bedingungen des anderen Mediums. Das haben wir auch mit ,Atlantis' versucht. Die Essenz dessen, was Stephen King geschaffen hat, bleibt natürlich erhalten: die sehr intensiven Beziehungen. Man hat das Gefühl, dass er in dieser Story eigene Kindheitserfahrungen verarbeitet."

Sobald Hicks an Bord war, mußsten sich die Filmemacher dem entscheidenden Problem stellen: der Besetzung. Sie konnten nicht ahnen, dass ihr Favorit für die Rolle des Ted, nämlich Anthony Hopkins, gerade Goldmans neuestes Sachbuch "Which Lie Did I Tell?" las, während er in Florenz Hannibal drehte: Hopkins: "Das Buch beschreibt seine Erfahrungen mit Kathy Bates und Misery. Das war gut zu lesen, und ich wünschte mir, auch mal in einer Stephen-King-Verfilmung mitzumachen. Drei oder vier Tage später tauchte mein Agent in Florenz auf und sagte: ,Ich habe dir ein Buch mitgebracht, und dazu das Drehbuch von Bill Goldman: Hearts in Atlantis von Stephen King.' Also, ich empfand das als die Gunst der Stunde. Es ist ein sanfter kleiner Film, keine Riesengeschichte, und sie hat mir einfach gefallen."

Um sich in die Figur des Ted hineinzuversetzen, blickte Hopkins ganz einfach in seine eigene Vergangenheit zurück. "Ted Brautigan erinnert mich an meinen Großvater mütterlicherseits", sagt er. "Als Kind habe ich ihn sehr gut gekannt. Und er hat mich auch sehr gemocht. Er hat mich nachhaltig beeinflusst - sehr behutsam, aber doch sehr nachhaltig. Er machte mir Mut, weckte Hoffnungen in mir, denn er bewies mir, dass ich nicht der Trottel war, für den ich mich selber hielt. So lange er lebte, hat er mich aufgebaut - und genau das tut auch Ted Brautigan mit dem Jungen."

Hopkins konnte sich gut in eine Filmszene hinein versetzen, in der Ted und Bobby in Erinnerungen an den berühmten Footballspieler Bronko Nagurski schwelgen, der in den 40er-Jahren einen völlig unwahrscheinlichen Sieg gegen die Chicago Cardinals holte. Dieses Ereignis dient als Prüfstein für Bobbys Erinnerung an seinen Vater. "Die Szene stammt von Bill Goldman, er beschreibt, wie er den legendären Footballstar Nagurski in den 40er-Jahren erlebt hat", berichtet Hopkins. "Eine wunderbar allegorische kleine Szene, die mir ausnehmend gut gefällt." "Im Film wird berichtet, dass sowohl Bobbys Vater als auch Ted Bronko Nagurski in diesem traumhaften Spiel live miterlebt haben", fügt Goldman hinzu. "Ich habe das Spiel als ganz kleiner Junge selbst gesehen, und es hat mich wirklich tief beeindruckt."

Bei der Suche nach dem richtigen Kinderdarsteller für Bobby Garfield war Hicks zu keinem Kompromiss bereit - er ließ sich von Castle Rock schriftlich bestätigen, dass die Dreharbeiten nicht ohne einen geeigneten Bobby beginnen würden. "Als Ted hatten wir einen der besten Schauspieler der Welt unter Vertrag: Anthony Hopkins", sagt Hicks. "Doch Bobbys Rolle ist genauso bedeutend - ein Elfjähriger, der neben Hopkins bestehen mußs. Es gibt keine Szene, in der Hopkins im Film allein auftritt - Bobby ist immer dabei. Wir brauchten also ganz offensichtlich einen besonders begabten Jungen. Das ist schon ein Problem."

Während der mühevollen Suche wurden Hunderte von Kindern getestet. Schließlich landete Anton Yelchins Videocassette auf dem Tisch von Hicks und seiner Produzentin Kerry Heysen. "Wir schauten uns die Cassette an und sagten sofort: ,Der ist ja umwerfend'", erinnert sich Hicks. "Irgendetwas an ihm hat uns sofort angesprochen. Und seit ich Anton als Schauspieler kennen gelernt habe, ist mir klar, dass er nicht lügen kann. Vor der Kamera ist er absolut aufrichtig. Bobby, Antons Rolle, erlebt eine große Bandbreite von Gefühlen. Ein schwierige Aufgabe - aber dieser Junge hat sie mit Bravour gemeistert."

Anton Yelchin bestand darauf, seinen Filmpartner als Sir Anthony Hopkins anzusprechen, auch nachdem der ihm vorschlug, einfach "Tony" zu sagen. Während der Dreharbeiten hat Hopkins Yelchin sogar Klavierstunden gegeben. Er nennt den jungen Darsteller "einen außergewöhnlichen Jungen. Da kommt man schon ins Grübeln - ich konnte mit elf nicht mal zusammenhängende Sätze hervorbringen. Und eines Tages habe ich Anton einfach gefragt: ,Wie schaffst du's nur, all das hinzukriegen? Woher kommt diese Begabung?' Er ist tatsächlich sehr talentiert. Alles will er ganz genau wissen. Er nimmt begierig auf, was man ihm über alle nur erdenklichen Themen erzählt. Ich komme mit Kindern gewöhnlich nicht gut aus. Aber bei Anton ist das anders. Ich behandele ihn so respektvoll wie einen Erwachsenen."

"Er ist wirklich nett", sagt Yelchin über Hopkins. "Ich besuchte ihn oft in seinem Wohnwagen, und er hat mir auf dem Klavier ,Für Elise' und die ,Mondscheinsonate' beigebracht. Das ist eine große Ehre, ich kann's gar nicht fassen, dass ich einen solchen Schauspieler und Menschen kennen lernen durfte." Über Hicks sagt Yelchin: "Er ist sehr freundlich und sehr ruhig. Ich hatte keine Hemmungen, mit Scott zu reden, wenn ich was nicht verstanden habe oder selbst eine Idee hatte. Ich mag ihn sehr. Mit ihm zu arbeiten war eine große Ehre und ein großes Vergnügen."

Als Bobbys Kinderfreundin Carol besetzten die Filmemacher Mika Boorem, die schon mit ihrer Darstellung in Der Patriot positiv aufgefallen ist. "Mika bringt als junge Schauspielerin hervorragende Fähigkeiten mit", sagt Hicks. "Sie kann ihre Gefühle jederzeit abrufen, und sie geht sehr überlegt an ihre Arbeit. Ihr Auftritt in ,Der Patriot' hat mich voll und ganz überzeugt. Ich sprach mit den Leuten, die bei dem Film damals mit ihr gearbeitet haben, und die sagten: ,Ja, sie ist klasse, aber weißt du, da kann sie nur einen Bruchteil dessen zeigen, was wirklich in ihr steckt.' Und sie haben Recht. Mika ist wirklich ein Phänomen."

"Wenn man sich vorstellt, mit Scott Hicks und Anthony Hopkins einen Film gemeinsam zu machen!" sagt Boorem. "Einfach toll. Und Anthony Hopkins ist sehr hilfsbereit. Einmal drehten wir eine sehr dramatische Szene, in der ich in Tränen ausbreche, und nach jeder Wiederholung hat er mich in den Arm genommen und fest gedrückt. Das war sehr nett."

Zum Team der Kinderdarsteller gehört auch Will Rothhaar als Sully-John, den Hicks als "das genaue Gegenteil von Bobby" beschreibt. "Will ist ein echter Profi, sportlich und durchtrainiert, was er in seine Rolle als Sully einbringt. Genau das brauchten wir als Gegenpart in dieser Freundesclique."

Für die schwierige Rolle von Bobbys Mutter Liz erhielt die allseits geschätzte Schauspielerin Hope Davis den Zuschlag. "Hope hat das gewisse Etwas - echt faszinierend, sie zu beobachten", kommentiert Hicks. "Sie zögert überhaupt nicht, wenn es darum geht, auch die menschlichen Schwächen ihrer Rolle auszuloten. Die gemeinsame Arbeit mit ihr war eine sehr interessante Erfahrung." Auch Davis war begeistert von der Chance, mit Hopkins zu drehen. "Ich habe ihn vor 15 Jahren in England auf der Bühne erlebt", sagt sie. "Als Schauspieler ist er äußerst zuvorkommend, er arbeitet sehr konzentriert. Mit einem Kollegen seines Kalibers zu arbeiten ist eine echte Bereicherung. Einfach wunderbar."

Auf den Spuren von Atlantis in Connecticut Der Produktionsdesignerin Barbara C. Ling fiel die schwierige Aufgabe zu, eine amerikanische Kleinstadt im Jahr von 1960 zu erschaffen. Der Schlüsselschauplatz des Jahrmarkts, auf dem Bobby und Carol sich erstmals küssen und wo Bobby an einen Kartenbetrüger gerät, war dabei noch ihr geringstes Problem. "Barbara Ling kann ganz wunderbar in Bildern denken, sie hat die Organisation ihrer Aufgaben blendend im Griff, und sie versteht es, Mitarbeiter mit ewig guter Laune zu begeistern", sagt Regisseur Hicks. "Das ist eine außergewöhnliche Gabe, und sie hat den Film mit ihrer unerschütterlichen Energie geprägt. Denn sie wurde bis zum Anschlag gefordert. Das sagt sich so einfach: Wir brauchen einen historischen Jahrmarkt. Aber wo findet man Karussells und Achterbahnen, die schon 1960 nicht mehr neu waren? Die Antwort lautet - überall in den Vereinigten Staaten verstreut. Man holt sie also alle nach Virginia Beach in Virginia, was aber wie Connecticut aussehen soll. Also: wirklich harte Arbeit. Aber Barbara ist unermüdlich, fügt sich toll ins Team ein."

Von den Firmen Kissel Bros. und Funtime Carnival aus Cincinnati/Ohio besorgte Ling sich zwölf Karussells und Schaubuden, mit denen sie den riesigen Jahrmarkt im Stil der 60er-Jahre gestaltete. Das gesamte Set wurde auf dem Gelände der Kaserne Fort Story gleich neben dem historischen Leuchtturm am Kap Henry in Virginia Beach errichtet. Ling und ihr Ausstattungsteam verwendeten große Sorgfalt auf die Gestaltung der Schaubuden und Esszelte, um so einen Rummelplatz des Jahres 1960 bis ins Detail nachzubilden. Um diese entscheidenden Szenen mit Leben zu erfüllen, wurden außerdem über 300 Komparsen in der Sommerkleidung jener Zeit gebraucht.

Als ähnlich kompliziert erwies sich die Beschaffung der Kostüme, aber Hicks konnte sich auf den großen Erfahrungsschatz der Kostümbildnerin Julie Weiss 12 Monkeys, American Beauty verlassen, die für ihre Arbeit auch schon für den Oscar nominiert war. "Julie ist eine Art amerikanischer Nationalschatz in Person", sagt Hicks. "Eine ganz ungewöhnliche Persönlichkeit mit unbestechlichem Auge. Sie bringt es fertig, Stoffe bündelweise auf die Erde zu werfen, so dass man sich schon fragt, was das alles soll, aber dann merkt man, wie vor unseren Augen eine optische Palette entsteht. Sie bringt eine wunderbare Genialität mit, der man Raum zur Entfaltung geben mußs. Das ist gar nicht so einfach. Aber sie hat die ungeheure Fähigkeit, sich in das Design hineinzuversetzen."

Das nostalgische Ambiente sollte das Markenzeichen des Films werden - darauf legte Hicks größten Wert. Um dies zu gewährleisten, engagierte er Kameramann Piotr Sobocinski, der ebenfalls schon einmal für den Oscar nominiert war. Hicks schätzt vor allem seine Filme "Drei Farben: Rot" und Kopfgeld. "Als wir uns kennen lernten, waren wir sofort auf derselben Wellenlänge", erinnert sich Hicks. "Piotr hat auf Anhieb verstanden, dass der Film zu einem enormen Teil über das Bild wirkt. Und es gab bestimmte Aspekte, die ich der an sich schon wunderbaren Geschichte hinzufügen wollte, um das emotionale Erlebnis für den Zuschauer noch intensiver zu gestalten. Daran haben wir sehr eng zusammengearbeitet." Es war für alle Beteiligten sehr traurig, als der gerade 43-jährige Piotr Sobocinski kurz nach Ende der Dreharbeiten im März 2001 verstarb.

Dirk Jasper FilmLexikon
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