Produktionsnotizen zu Feuer, Eis und Dosenbier

Nachdem Drehbuchautor Mathias Dinter für die Hofmann & Voges Filmproduktion schon eine Reihe von Drehbüchern verfasst hatte, interessierte er sich auch für das Inszenieren, denn auf der Filmakademie in Ludwigsburg hatte er neben dem Drehbuchschreiben auch Regie studiert: "Einen aktuellen Kurzfilm hatte ich bereits inszeniert, und als die Vorbereitungen zu Feuer, Eis und Dosenbier schließlich konkret anliefen, vertraute mir Produzent Philip Voges den Film an."

"In unserer Variante des Buddy-Movie-Genres wollen wir unsere Helden - eigentlich sind sie liebenswerte Deppen - aus ihrer gewohnten Kohlenpott-Umgebung reißen: Es geht um das klassische Komödienprinzip ,Ein Fisch auf dem Trockenen'", beschreibt Dinter sein Konzept. "Warum nicht mal die Alpen, fragten wir uns - was Produzent Voges sehr interessierte, denn die Skiorte Ischgl, Sölden und St. Anton entwickeln sich mittlerweile zu einem ausgewachsenen ,Ballermann in den Bergen'. In dem für die Helden völlig ungewohnten Umfeld funktioniert Komödie hervorragend. Bald kam auch Heidi dazu, und mit ihr und dem Öhi die gesamte Öko-Bergwelt-Nummer, die den Gegenpol zum eiskalten Tycoon Tronald Dump und seiner Plastikwelt auf LSD bildet."

"Den Kontrast zwischen der beschaulichen Ski-Idylle und der Partyhochburg in den Alpen fanden wir sehr spannend", berichtet Produzent Philip Voges, der mit seinem Partner Mischa Hofmann nach etlichen Fernseherfolgen im Kino den Buddy-Movie-Hit Erkan & Stefan landete. "Auf RTL 2 gibt es in jedem Winter aufs Neue Reportagen darüber zu sehen, was in den Partymetropolen wie Ischgl, Sölden und St. Anton abgeht: Jahrmarktsbuden, Disco, Tina Turner tritt da auf - eine echte Fun-Factory. In Berichten des Spiegel und in der Zeit war zu lesen, dass die Wirte dort sogar eine Achterbahn aufstellen möchten, weil das der Zukunftstrend zu sein scheint."

"All das wollten wir auf witzige Art beleuchten", fährt Voges fort. "Die jungen Zuschauer sollen sich darin wiedererkennen, mit den Protagonisten lachen - und über sie. Wir schicken Josch und Türlich aus dem Flachland in die Berge und reagieren damit auf die Tatsache, dass Skifahren längst nichts Exklusives mehr hat. Nicht nur finanzkräftige Hamburger fahren im Frühjahr in die Alpen, heute ist das ein Breitensport, auch Snowboarden hat sich durchgesetzt. Insofern ist der prollige Kohlenpottler auf der Skipiste gar nicht so abwegig - wir gestalten unsere Helden nicht zuletzt durch ihr Outfit so pop-kulturig, dass sich die Kids im Zuschauerraum wiedererkennen können."

Zwei Flachland-Deppen auf der Alm "Nicht erst seit Erkan & Stefan sind wir daran intessiert, jungen und populären Comedians eine Plattform zu schaffen", sagt Produzent Voges. "Ich bin ein Fan der "Bullyparade" und habe Michael ,Bully' Herbig über meinen TV-Film "ie Bademeister" kennen gelernt", berichtet Dinter. "Über Bully kam ich dann auf Rick Kavanian, die beiden haben ja schon lange vor Der Schuh des Manitu zusammengearbeitet. Weil Rick gleich einverstanden war, suchte ich gar nicht weiter." Auch Kavanian wurde als Autor und Darsteller mit der "Bullyparade" bekannt. Und nicht zuletzt profilierte er sich als "Grieche" im Superhit Der Schuh des Manitu. "Wir sind große Fans von ihm und wollen ihm Gelegenheit geben, das weiter auszubauen", erklärt Voges.

Josch-Darsteller Axel Stein wurde von Executive Producer Christoph Müller (Goldkind Filmproduktion) vorgeschlagen. "Sie haben früher schon zusammengearbeitet, beide kommen aus Wuppertal", erzählt Dinter. "Ich war sofort einverstanden, weil ich natürlich weiß, dass Axel bestens geeignet ist." "Axel war auch meine erste Wahl", bestätigt Voges. "Denn er hat in Harte Jungs, Schule und jetzt aktuell in dem sicher ebenso erfolgreichen "Knallharte Jungs" bewiesen, dass er ein großer Comedian ist."

Dennoch war damit die Konstellation der Hauptfiguren noch nicht abgeschlossen. "Witzigerweise stellten wir uns die Rollenverteilung anfangs genau umgekehrt vor: Rick sollte Josch spielen, und Axel den Türlich", erinnert sich Dinter. "Aber bei den ersten Leseproben kam uns dann die Idee: Lasst uns das umdrehen, das funktioniert besser. Es gab damit auch keinerlei Probleme, obwohl die beiden bei ihrer Arbeit sehr unterschiedlich vorgehen. Axel spielt mehr aus dem Bauch heraus, er ist auch privat sehr lustig und bringt viel von seinem eigenen Wesen in die Rolle ein. Rick kommt dagegen aus der komödiantisch-schauspieltechnischen Ecke, er macht sich die Rolle zu eigen und erarbeitet sie ganz akribisch."

Auch Herbert Fux war als Öhi sehr schnell gecastet. "Den wollte ich einfach haben", sagt Nachwuchsregisseur Dinter bewundernd. "Herbert ist filmisches Urgestein, hat schon ,Hexen bis aufs Blut gequält' und sich mit Kinski durch Italien geballert. Ich freute mich riesig, als er zusagte - wir hatten am Set viel Spaß. In einer Szene sollte der Öhi flambierten Enzian trinken. Der Ausstatter präparierte das Glas mit Benzin, das für die Kamera wunderbar brannte, weil es eine gut sichtbare, gelbe Flamme abgibt. Der Öhi sollte das brennende Glas nehmen und nur damit anstoßen - doch Herbert stieß an, pustete die Flamme aus und schluckte alles runter. Wir stopften ihn mit Kohletabletten voll, und ich fürchtete schon, dass ich meinen Öhi-Darsteller verloren hatte. Aber er hat den Oktanschock zum Glück gut überstanden."

Dem Öhi macht der skrupellose amerikanische Industrielle Tronald Dump das Leben schwer. Dump ist ein Superbösewicht, der jedem Bond-Film Ehre machen würde - Christoph M. Ohrt leiht ihm sein Profil. "Christoph wollte ich dabei haben, weil ich ihn schon von früher kannte, und weil er auch in amerikanischen Serien mitgewirkt hat", berichtet Regisseur Dinter. "Dieses amerikanische Auftreten und vor allem sein Komödien-Timing, das er zum Beispiel in ,Nur über meine Leiche' wunderbar demonstriert hat, waren genau das Richtige für den Part des Tycoons."

Die Suche nach der perfekten Heidi gestaltete sich dagegen schwieriger: Etwa 60 Schauspielerinnen wurden getestet. Das lag auch daran, dass die Filmemacher sehr unterschiedliche Auffassungen darüber hatten, wie Heidi eigentlich aussehen soll. "Nicht mal auf die Haarfarbe konnten wir uns einigen", sagt Dinter. "Ich bin mit der Zeichentrickserie aufgewachsen, für mich ist Heidi immer schwarzhaarig gewesen - das entspricht übrigens auch dem Originalroman von Johanna Spyri. Aber andere Leute haben die Heidi aus Joseph Vilsmaiers McDonald's-Werbespot oder aus amerikanischen Verfilmungen im Kopf - ein blond-bezopftes Mädel. Ich suchte also zunächst eine Schwarzhaarige, die möglichst Schweizerin sein sollte und wie ein echtes Babe aussah - gar nicht so einfach. Erst sehr spät, zwei, drei Wochen vor Drehbeginn kam dann Eva Habermann hereinspaziert, und sie war - Spot on! - genau das, was wir haben wollten. Sie trug ein Dirndl, hatte Fondue und Enzianblumen mitgebracht. Ihre Ziege hatte sie nur deswegen nicht dabei, weil sie die am Hamburger Flughafen zurücklassen mußste - wegen der Maul- und Klauenseuche."

"Es geht bei der Heidi nicht nur darum, dass sie möglichst schweizerisch wirkt - sie braucht viel Sex-Appeal, eine gewisse naive Erotik", erklärt Produzent Philip Voges. "Genau das bringt Eva Habermann fantastisch rüber, wobei sie gleichzeitig das Schwyzerische sehr schön darstellt. Sie hat das Comedy-Timing drauf, bringt Star-Power mit - all das erwies sich bei den Dreharbeiten als goldrichtig."

Mathias Dinter bestätigt das: "Eva hat eine technisch sehr präzise Art zu spielen - ich denke, das hat sie bei internationalen Produktionen wie ,Lexx - The Dark Zone' gelernt. Sie spielt direkt für die Kamera und hat auch mit abstrakten Figuren keinerlei Problem - und das ist die Heidi im Grunde. Für uns war völlig klar: Die nehmen wir!"

Als die smarten Vertreter der Bergwacht besetzt wurden, ging es Dinter darum, den Figuren einen besonderen Kick zu geben - Franz und Falco sollten nach seinen Vorstellungen möglichst von "Fernsehschönlingen" gespielt werden, die vom Publikum voll mit ihren bekanntesten Rollen identifiziert werden - Andreas Elsholz (Gute Zeiten, schlechte Zeiten) ist solch ein Typ. "In jeder Rolle, die er spielt, wird er als Andreas Elsholz wahrgenommen", sagt Dinter. "Wobei wir diesen Umstand in unserem Film zunächst aufnehmen, um dann das Klischee völlig zu brechen - die umschwärmten Bergwächter stellen sich später als komplette Vollidioten heraus."

"Ich habe Andreas also angerufen und ihm sofort reinen Wein eingeschenkt: ,Ich möchte das öffentliche Image von Andreas Elsholz verarschen'", berichtet Dinter. "Er war nicht nur sofort dazu bereit - es war ihm sogar ganz recht. Er möchte bewusst davon wegkommen, wie er bisher wahrgenommen wird. Thorsten Feller hat einen ähnlichen Hintergrund, ist auch aus einer Soap-Serie bekannt, und die beiden funktionieren als Duo sehr gut. Bei den Testvorführungen gab es die ersten Lacher schon, als Andreas Elsholz' Name im Vorspann erschien - die Leute fragen sich: Was soll denn das? Und wenn er dann als Strahlemann auftritt und seine Brille abnimmt, sind die Zuschauer begeistert - diese Art Selbstparodie kommt bestens an."

Österreich in der Hohen Tatra "Ein Film in den Alpen mit Schnee, Slapstick und Stunts kostet viel Geld - wir hatten aber nur die Hälfte des Budgets, das etwa ,Bully' Herbig für Der Schuh des Manitu zur Verfügung stand", berichtet Produzent Voges. Und Regisseur Dinter fügt hinzu: "Unsere Entscheidung, in der slowakischen Hohen Tatra zu drehen, hat uns eine Menge Geld gespart. Denn sonst hätten wir den Film in Österreich gemacht - mit einem deutschen Stab und österreichischen Hotelpreisen."

"Wir haben schon eine Menge Erfahrung mit Dreharbeiten im Ausland", fährt Voges fort. "Das spart Kosten, und deswegen sehen unsere Filme aufwändiger aus, als sie tatsächlich sind. In diesem konkreten Fall arbeiten wir wie früher schon sehr gut mit dem Prager Dienstleister Wilma-Film zusammen, einem deutsch-tschechischen Produzenten, der sich auf internationale Produktionen spezialisiert und derzeit an einem amerikanischen Film arbeitet."

Auch die Innenaufnahmen entstanden vor Ort im Prager Studio und mit tschechischem Stab. dass die Techniker dort sehr versiert sind, weiß Philip Voges: "Das sind hervorragend ausgebildete Leute, die uns wunderbare Sets gebaut haben." Und Mathias Dinter schwärmt: "Eine Dekoration wie das Innere der Öhi-Hütte schütteln diese Profis einfach aus dem Ärmel. Es reicht ihnen, wenn man sagt: ,Also, wir brauchen eine Hütte, die so aussieht wie in dem Märchenfilm "Drei Nüsse für Aschenbrödel" - dann wissen sie Bescheid und liefern sie uns."

Für die Außenaufnahmen schlug das Produktionsteam sein Basiscamp im slowakischen Poprad auf. Ein Schneesturm in den Bergen und fortgewehte Kantinenzelte war noch das geringste Problem. Denn trotz der guten Zusammenarbeit mit Wilma-Film brachten die Umstände Schwierigkeiten mit sich. "In der Hohen Tatra gibt es keine Infrastruktur, wie wir sie uns wünschen", stellt Dinter fest. "Wenn man schnell etwas besorgen mußs, dann dauert es eben mindestens acht Stunden, bis man es aus Prag herbeischaffen kann. Und die Menschen vor Ort sind Filmaufnahmen ganz einfach nicht gewohnt. Wir bekamen also nicht sofort die Unterstützung, die wir zum Beispiel für Drehgenehmigungen oder bei der Absperrung eines Schauplatzes brauchen."

Auch sprachlich gab es Schwierigkeiten - für die Deutschen sowieso. Und das Team bestand großenteils aus Tschechen, Prager Technikern - in der Hohen Tatra wird jedoch Slowakisch gesprochen. "Aber auch das ließ sich regeln, denn die beiden Länder gehörten ja mal zusammen, man ist die Kooperation gewohnt", sagt Dinter.

Nicht alle Probleme ließen sich voraussehen, wie die Filmemacher schnell feststellten. "So winzig das Skigebiet in der Hohen Tatra ist - es gibt dort mehrere kleine Ex-Kommunistenmafias, die alles unter Kontrolle haben und jeden Tag ausbezahlt werden mußsten", erzählt Dinter. "Die Skipisten waren unter zwei Mafias aufgeteilt, die Parkplätze gehörten einer dritten Mafia. Wir haben das so hautnah gar nicht mitbekommen, denn im wesentlichen regelte das unser Dienstleister, und der bekam einige Schwierigkeiten. Wenn mal ein mit Filmausrüstungsgegenständen beladenes Schneegefährt 20 Meter in ,Feindesgebiet' hineinfuhr, dann mußsten dort hohe Wogen geglättet werden."

"dass die Parkplätze als ,bewacht' galten, war der größte Lacher", berichtet Dinter weiter. "Es gibt im Film die Szene, in der eine Autoscheibe zerplatzt - diese Scheibe war aus einem Autobus geklaut, und irgendwelche Leute haben sie dann unseren Ausstattern angedreht. Wir dachten natürlich, die Scheibe stammte von einem Schrottplatz. Aber nein, sie kam von einem bewachten Parkplatz - das Schmiergeld für die Bewachung wurde eben vom Geld der Filmproduktion überboten."

Wie macht man aus der Hohen Tatra ein österreichisches Fun-Zentrum à la Ischgl oder Sölden? "Eine echte Herausforderung, die unsere Ausstatter vor Ort sehr gut gelöst haben", sagt Produzent Voges. "Und der parodistische James-Bond-Touch ist ein spezieller Bonus." Die Hohe Tatra ist das kleinste Skigebiet Europas - was die Aufnahmen erschwerte, denn Berge ragen dort nur in einem Blickwinkel von 40 Grad ins Bild - so bald man sich umdreht, blickt man auf eine grau-grüne Ebene voller hässlicher Industrieschlote.

"Unser Problem bestand darin, einen eindeutigen Skifilm ausgerechnet zwischen März und Oktober zu drehen - der Schnee schmolz uns langsam weg, wir haben uns immer mehr den Berg hoch gearbeitet", sagt Dinter. "Später mußsten wir für die Szenen in der Fußgängerzone lastwagenweise Schnee herankarren." Das ging gar nicht anders, denn Kunstschnee kam bei der vorhandenen Infrastruktur nicht in Frage - Ein Löschfahrzeug, das schnell mal einen Schaumteppich legt, gibt es dort einfach nicht. "Ich hätte auch gar nichts dagegen gehabt, die Szenerie wie in Hollywood zum Beispiel mit Kunstschnee aus Kartoffeln zu verfremden, denn das würde ja gut zu den abstrakten Elementen unserer Geschichte passen", meint Dinter. Doch nein - der Schnee war genauso echt wie die Minustemperaturen bei den Dreharbeiten - unwillkürlich leiden die Zuschauer mit, wenn sie erleben, wie sich Tronald Dumps Lockvögel, halbnackte Bikinibabes, durch den Schnee kämpfen, um die Helden Türlich und Josch zu verführen. "Die Mädchen haben wie echte Pfadfinder die Zähne zusammengebissen", sagt Dinter. "Zunächst trugen sie noch fleischfarbene Strumpfhosen, aber der Kamera ist die unechte Farbe nicht entgangen - wir mußsten sie ihnen vom Leibe schneiden. Allerdings half uns dabei das hervorragende Kostümteam - die Mädchen wurden zwischen den Einstellungen gut verpackt und wieder aufgewärmt."

Dagegen traf es Darsteller Jonas Gruber als Geißenpeter wirklich hart - gleich am ersten Drehtag mußste er draußen im Schnee nackt in eine Tonne steigen und sich waschen. "Ich dachte mir: Das ist vielleicht ganz gut - erstmal abkochen und in die Kälte schicken, dann habe ich später keinen Ärger mehr mit ihm", schmunzelt Dinter. "Jonas mußs in der Rolle des Geißenpeter ständig stottern, und das macht er absolut brillant - ein hartes Stück Arbeit. Eine Woche vor Drehschluss kam seine Freundin zu mir und fragte, ob das noch lange so weiter gehen würde - der Jonas hörte auch nach Drehschluss nicht mehr mit dem Stottern auf! Leider mußste ich ihr sagen: Für drei Szenen brauche ich ihn noch."

Slapstick - eine Frage der Technik "Mir bringt es Spaß, den Humor zeitweilig etwas abstrakter zu gestalten", sagt Dinter. "Wir durchbrechen die ,vierte Wand' des Illusionskinos und erinnern die Zuschauer daran, dass sie im Kino sitzen. Die Helden dürfen sich manchmal durchaus direkt ans Publikum wenden. Oder wir benutzen bei der Ski-Abfahrt Rückprojektionsaufnahmen und zeigen dann plötzlich, wie die Darsteller im Studio vor der Leinwand sitzen und von der Windmaschine durchgepustet werden. - Statt dass wir uns bemühten, eine absolute überzeugende Rückprojektion hinzubekommen, retteten wir uns einfach in einen Gag."

Andererseits ist in Feuer, Eis und Dosenbier längst nicht alles mit der Hand gemacht - es gibt durchaus Tricks, die perfekte Illusionen erzeugen. Verantwortlich für die im Computer generierten Effekte ist die Trickschmiede Scanline, die bereits den Wilden Westen Spaniens in Der Schuh des Manitu mit überzeugenden Bildern kreierte.

"Die Unterstützung des Computers ist heute bei der Bildbearbeitung unverzichtbar, egal, wie begrenzt das Budget auch ist", berichtet Philip Voges. "Und sei es nur, um vom Negativ einen Kratzer zu entfernen. Auch bei kleinen Tricks, wenn zum Beispiel die Darsteller an Drähten hängend durch den Raum schweben, entfernt man die Drähte anschließend per Computer aus dem Bild. Ein angemessener Teil des Budgets ist also immer für solche Veredelung vorgesehen, und wir haben eine ganze Reihe von Tricks produziert, die später zum Teil sogar dem Schnitt zum Opfer fielen, einfach weil sie das Tempo unserer Story beeinträchtigten."

Das Höhlenlabor, in dem der abgefeimte Schurke Tronald Dump seinen teuflischen Plan umsetzen will, zeigt eine gewaltige Zeitbombe in einem kolossalen Gewirr von Rohren und Maschinen. "70 Prozent dessen, was wir da sehen, haben wir so übernommen, wie wir es vorfanden", sagt Dinter. "Diese merkwürdigen Maschinen befinden sich auf einem Hochvoltaik-Messgelände für Transformatoren in Bechovice bei Prag - es handelt sich um alte DDR-Apparaturen, mit denen man die Isolierungen von Hochspannungsmasten misst. Wir entdeckten diese Räume während unserer Motivsuche und waren sofort begeistert: Das sieht ja genau aus wie die James-Bond-Filme der 60er-Jahre. Keine Frage: Hier drehen wir!"

In die vorhandene Kulisse installierte man nur noch die eigentliche Bombe, eine Weltkarte und zwei Computerkonsolen, die im Hintergrund blinken. Diese Aufnahmen in Dumps Labor fanden ziemlich zu Anfang der Dreharbeiten statt. Dazu Dinter: "Das half den Schauspielern sehr, denn angesichts dieser Dekoration meinten sie: ?Jetzt kapieren wir endlich, in welche Richtung der Film läuft.' Hier konnte ich augenfällig demonstrieren, was für einen Schwachsinn wir vorhatten!"

Nicht nur das Bild parodiert zahlreiche Vorbilder aus dem Agentenfilm-Genre, auch der Soundtrack unterstützt den Eindruck des Déjà-vu unter äußerst schrägen Vorzeichen. Dafür sorgt Ralf Wengenmayr, der bereits die Soundtracks zu "Bully" Herbigs überaus erfolgreichen Kinofilmen Erkan & Stefan und Der Schuh des Manitu lieferte.

Auf den Hund gekommen "Ich habe als Anfänger alle Fehler gemacht, die man nur machen kann: Dreharbeiten mit Kindern, mit Tieren und abhängig vom Wetter im Schnee", sagte Mathias Dinter, der mit Feuer, Eis und Dosenbier sein Debüt als Regisseur gibt. "Aber wir haben uns durchgebissen."

"Die Kinderdarsteller, die Heidi und Türlich in der Anfangsszene darstellen, waren absolute Profis", fährt er fort. "Aber der Bernhardiner war ein absoluter Albtraum. Uns wurde gesagt, dass er trainiert ist - später fanden wir dann heraus, dass er von einem Bauernhof stammt und in seinem Leben noch nicht einmal eine Treppe hochgelaufen ist. Er konnte gar nichts - er ließ sich ausschließlich mit Speck in der Tasche motivieren. Entsprechend professionell hat er sich verhalten. Er war nur eine stinkende Sabbermaschine und tat garantiert nie das, was er sollte. Am schlimmsten war die erste Szene des Films, in der der Bernhardiner die Gans aus ihrem Nest verbellen soll. Denn die blieb stur darin sitzen - schließlich mußsten wir ihr eine Schnur ans Bein binden und sie aus dem Nest herauszerren."

Komödie - eine Frage des Geschmacks "Wir wenden uns mit Feuer, Eis und Dosenbier an junge Männer - entsprechend ist die Komik auf ihren Geschmack ausgerichtet", beschreibt Mathias Dinter sein Komödienkonzept. "Peinlichkeiten kommen da bestimmt besser an als ein gut konstruierter Witz. Wir haben bei den Testvorführungen immer wieder gestaunt - aber die meisten Lacher bekamen die Furze des Bernhardiners - oder Josch, wenn er auf die Fresse fällt. Bananenschalengags sind immer ein Erfolg. Unser Genre lässt sich etwa als "Cheech & Chong" treffen "Dumm und dümmer" beschreiben. Und was ist der denkwürdigste Gag in "Dumm & dümmer"? Die stundenlange Dünnschiss-Aktion. So weit wollte ich nicht gehen, aber unsere Sexszene mit der Oma bewegt sich in diese Richtung." Und Produzent Philip Voges bestätigt: "Die Szene mit der Oma war bei den Testvorführungen der größte Brüller."

"Man mußs dabei nur aufpassen, dass die Szene vom Bild her nicht peinlich wird", weiß Dinter. "Vieles wird über das Off suggeriert, also über wackelnde Lampen und ähnliches. Dann kann man darüber lachen, ohne dass es wirklich peinlich berührt. Wir merken bei Testvorführungen: Je mehr man tatsächlich zeigt, desto schwieriger kommt das Publikum damit klar. Aber wenn wir es im Hitchcockschen Sinne so anlegen, dass sich das meiste im Kopf abspielt, amüsieren sich die Zuschauer köstlich dabei."

"Ich glaube, das Kino war schon immer dazu da, Tabus zu brechen", reflektiert Voges. "In Deutschland hat das lange nicht funktioniert, der Humor war immer recht altbacken - bis sich Mitte der 90er-Jahre durch Harald Schmidt, Stefan Raab und andere ein neuer Trend durchsetzte: Sie lachen auch über Randgruppen, lachen mit ihnen und nicht zuletzt über sich selbst - niemand wird verschont." Und über Feuer, Eis und Dosenbier sagt er: "Die Hauptfiguren sind die größten Deppen - deswegen können wir auch über Witze lachen, die sie manchmal über andere machen. Selbst in der Sexszene wird nicht die Oma verunglimpft, der Witz geht ja auf Joschs Kosten."

Das beste Rezept kennt Voges aus Erfahrung: "Uns hat die Geschichte beim Entwickeln viel Spaß gemacht, und dieser Spaß überträgt sich eben auch auf die Zuschauer."

Dirk Jasper FilmLexikon
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