Produktionsnotizen zu A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn

A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn basiert auf den Ereignissen im Leben von John Forbes Nash, Jr., und ist frei adaptiert nach seiner Biographie "A Beautiful Mind" von Sylvia Nasar. In einer Kleinstadt im US-Bundesstaat West Virginia wurde Nash am 13. Juni 1928 in einer Mittelklassefamilie geboren - und seit über 50 Jahren ist er in der Welt der Wissenschaft eine faszinierende Gestalt. Seine Pionierleistung in der Erforschung der Spiel- und Entscheidungstheorie machte ihn bereits in den 50er Jahren zu einem gefeierten Star der "neuen Mathematik", doch während der langen Jahre, in denen die Schizophrenie sein Leben bestimmte, verschwand Nash völlig aus den wissenschaftlichen Kreisen.

Dennoch wurde diese Theorie während seiner langjährigen Abwesenheit zum grundlegenden Bestandteil des Geschäfts- und Wirtschaftslebens. 1994 hatte Nash sein Leben wieder im Griff und war wieder als Dozent aktiv. Er wurde gemeinsam mit John C. Harsanyi und Richard Selten für "ihre Pionierarbeit bei der Analyse von Gleichgewichten in der Theorie der nichtkooperativen Spiele" mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet (nichtkooperative Spiele sind jene, bei denen es keine außenstehende Autorität gibt, die ein System von festgelegten Regeln kontrolliert).

Der Plan für die Verfilmung von A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn begann damit, dass Produzent Brian Grazer in der Zeitschrift Vanity Fair einen Artikel über John Forbes Nash, Jr. las und völlig fasziniert war von dieser Biographie, verfasst von Sylvia Nasar. Sie schrieb über dieses Mathematik-Genie, ein international gefeierter Wissenschaftler, der alles an die Schizophrenie verlor. Was die Geschichte wirklich außergewöhnlich machte war die Tatsache, dass sich Nash später so weit von seiner Krankheit erholte, dass er seine Arbeit wieder aufnehmen konnte und schließlich mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

"Ich liebe diese Geschichte, denn sie handelt vom Überleben", berichtet Grazer. "Begeistert war ich, da es sich um ein Genie handelt, und außerdem geht es um die Wurzel allen Wettbewerbs." Nachdem Grazer einen Vorabdruck der von Sylvia Nasar verfassten Biographie über Nash gelesen hatte, stürzte er sich in seinen eigenen Wettbewerb, um die Filmrechte an diesem Buch zu erwerben. "Ich erkannte, dass diese Geschichte für das Publikum eine tiefgehende Erfahrung sein könnte", erzählt Grazer.

Als Drehbuchautor engagierte der Produzent dann Akiva Goldsman, der eine ganz besondere Perspektive auf dieses Projekt mit einbrachte: Seine Eltern sind der Therapeut Tev Goldsman und die renommierte Kinderpsychologin Mira Rothenberg, die gemeinsam in ihrem Familienwohnsitz in Brooklyn eines der ersten "Gruppentherapiezentren" für emotional gestörte Kinder in Amerika gegründet haben. Akiva Goldsman ist Seite an Seite mit Kindern aufgewachsen, die in ihren eigenen halluzinatorischen Welten lebten. Sein einmaliges Verständis für diese Thematik sowie sein Wunsch, die dramatische Spannung zwischen Wirklichkeit und Wahnsinn auszuloten, machten ihn zu Grazers einzig möglichem Wunschautor.

Goldsman baute außergewöhnliche Ideen für den Aufbau der Erzählstruktur in dieses Drehbuch ein. "Es ist keine Nacherzählung der Lebensgeschichte von Nash", erläutert der Autor. "Ich habe versucht, die Architektur seines Lebens - das Genie, der schizophrene Zusammenbruch, den Nobelpreis - zu begreifen und davon ausgehend eine semifiktive Geschichte zu erschaffen." Goldsman wurde von der Writers Guild of America für seine Arbeit an A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn nicht unter "Drehbuch", sondern unter "Geschrieben von" aufgelistet - diese Autorennennung ergeht nur bei herausragend innovativer Arbeit und Neuschaffung in Anlehnung an die ursprüngliche Materialvorlage.

Obwohl viele Regisseure dieses Projekt gerne verwirklicht hätten, stellten Grazer und Ron Howard, sein Partner bei Imagine Entertainment, schon bald fest, dass sie bezüglich der Herangehensweise an die Adaption dieses Stoffes ganz und gar auf der gleichen Wellenlänge waren. "Ron hat sich bei den Herausforderungen in allen erdenklichen Genres bewährt", meint Grazer. "Seine besondere Stärke liegt darin, dreidimensionale Figuren zu erschaffen; und bei diesem Film ist genau dies von grundlegender Bedeutung."

Beide Partner hatten bereits jahrelang nach einem Projekt gesucht, dessen Thema Geisteskrankheit und ihre Auswirkungen auf die Menschen und ihre Familien sein sollte. "Wenn man sich erst einmal darüber informiert, stellt man überraschenderweise fest, dass geistige Erkrankungen sehr weit verbreitet sind", erklärt Howard. "Die Menschen finden nicht immer die genauen Worte, um sie zu beschreiben, aber die meisten haben auf irgendeine Weise Erfahrungen damit gemacht. Die Geschichte von John Nash ist eine erstaunliche, kraftvolle Reise. Doch so einzigartig dieser Mann auch ist, so ist seine Lebensgeschichte dennoch sehr allgemeinverständlich, denn es ist eine herzzerreißend menschliche Geschichte."

Grazer und Howard fühlten sich außerdem zu der Liebesgeschichte hingezogen, die den Kern von A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn ausmacht. "John Nashs siegreicher Kampf gegen die geistige Umnachtung bestand nicht nur darin, dass er die Schizophrenie besiegt oder den Nobelpreis gewonnen hat", sagt Grazer. "Der wahre Sieg in diesem Film gründet darauf, wie die Liebe zwischen ihm und seiner Frau Alicia überlebt, wächst und sich entwickelt."

"Es ist eine wunderbar reife Romanze", fügt Howard hinzu. "Ihre Beziehung war überaus komplex, genau wie die Herausforderungen, die Alicia und John gemeinsam zu meistern hatten. John Nashs Lebensgeschichte ist unglaublich heldenhaft, und das Gleiche gilt für Alicia. Sie ist eine sehr interessante Figur - eigentlich so etwas wie die Ballkönigin: schön, intelligent und sehr an John Nash interessiert. Doch sie bekommt eben nicht das, was sie erwartet hat. Ihre Ehe wird zu einer unglaublich großen Aufgabe für sie als menschliches Wesen."

Nasar, die Autorin der Biographie von Nash, fühlte sich durch Alicias Mut inspiriert: "Ohne Alicia hätte Nash niemals überlebt", erzählt sie. "Meiner Meinung nach ist Alicia die Heldin des Buches und auch die Hauptdarstellerin des Films."

Nasar war sehr davon angetan, dass dieses Projekt von Grazer und Howard verfilmt werden sollte. "Ich habe nicht erwartet, dass sie einen Dokumentarfilm machen würden", betont sie. "Nash's Geschichte ist ja eher wie ein Märchen, und so kann man sie auf verschiedene Arten erzählen, denn es ist eine reichhaltige und emotional kraftvolle Story. Das Drehbuch hat die Essenz dieser Lebensgeschichte eingefangen."

Besetzung für ein Genie A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn versammelt ein einzigartiges Schauspieler-Ensemble: große Stars, renommierte Veteranen, vielversprechende Newcomer, die gemeinsam eine intensive Wirkung entfalten. "Einige der Schauspieler strahlen stets eine Prise Gefahr aus - besonders bedrohlich wirken Russell Crowe, Ed Harris und Christopher Plummer", erzählt Howard. "Sie sind umgeben von einer gewissen Unvorhersehbarkeit und Mehrdeutigkeit, die uns in einem Film, der als biographisch und intelektuell gilt, überraschen kann. Man spürt ständig eine deutliche innere Anspannung, wenn sie auf der Leinwand agieren - so als stünde man immer ganz kurz vor einer heftigen Explosion."

Grazer und Howard besetzten die Hauptrolle des John Nash mit Oscar-Preisträger Russell Crowe bereits lange bevor der Schauspieler mit Gladiator weltweit Erfolge feiern konnte. "Ich legte mich auf Russell fest, da er sich auch ganz ohne Worte so intensiv mitteilen kann - und genau das brauchten wir für John Nash", erläutert Grazer, der besonders von Crowes Darstellung in L.A. Confidential und The Insider ganz begeistert war.

Auch Regisseur Howard war erklärter Crowe-Fan: "Wir erzählen hier die Geschichte eines Menschen, der in seinen Kreisen als eine Art Adonis galt. Russells Aussehen und Statur sowie sein Charisma waren unerlässlich, ebenso sein Intellekt, seine mentale Widerstandskraft und seine Sensibilität. Er ist eine selten gelungene Mischung - und so wichtig für diese Geschichte. Sowohl Brian als auch ich selbst wollten dem Film eine besondere Note verleihen, und nicht einfach einen sentimentalkitschigen Blick auf das Leben dieses Mannes werfen. Und genau das wollte Russell eben auch." Crowe hatte viele Gründe für die Teilnahme an diesem Projekt; auf das Drehbuch reagierte er sofort besonders intensiv: "In das Drehbuch sind einige ganz besondere Tricks eingebaut", berichtet der Schauspieler. "Akiva Goldsman hat unglaublich gute Arbeit dabei geleistet, die herausragenden Elemente in der Geschichte von John Nash zu identifizieren, um sie dann zu einer mitreißenden Geschichte zusammenzusetzen."

Crowe wusste auch die Möglichkeit zu schätzen, der Schizophrenie ein menschliches Gesicht zu verleihen: "Es war einfach wichtig, klarzustellen, dass ein Schizophrener genau wie jeder andere Mensch ist, der an einer bestimmten Krankheit leidet. Sein Leben ist noch immer ?normal', er kann sich noch immer verlieben, Kinder bekommen, Pläne machen, Ziele erreichen."

Dieser Film stellt für Crowe außerdem eine besondere Errungenschaft dar, denn er wollte schon lange mit Howard und Grazer zusammenarbeiten. "Rons Oeuvre als Filmemacher ist absolut makellos", meint Crowe. "Er und Brian arbeiten gemeinsam besonders gut, und die Filme, die sie zusammen verwirklicht haben, sind alle sehr beeindruckend."

Zu den Filmen von Grazer und Howard gehörten u.a. auch "Eine Wahnsinnsfamilie" (1997) mit Jennifer Connelly in der vielbestaunten Hauptrolle. Seither hat die Schauspielerin in weiteren aufsehenerregenden Filmen wie z.B. "Requiem for a Dream" und "Pollock" mitgewirkt. Sehr bald wusste Howard, dass er Jennifer Connelly für die Rolle der Alicia wollte. "Sie hat sich in den letzten Jahren unglaublich entwickelt. Sie ist sehr intelligent, wunderschön und überaus integer. Und sie verfügt über eine starke Leinwandpräsenz", erklärt der Regisseur. "Außerdem verstand sie völlig, was diesen Film so mitreissend und beeindruckend macht."

Auch die Chemie zwischen Crowe und Connelly stimmte: "Wir haben etliche Schauspielerinnen mit Crowe vorlesen lassen", erzählt Grazer. "Wenn man diese Lesungen im kleinen Kreis abhält, spürt man sofort, ob die Chemie zwischen den Darstellern stimmt. Man mußs herausfinden, ob die Schauspielerin ihn so stark herausfordert und anspornt, dass er dann auch sein Bestes geben kann. Jennifer hat sich selbst übertroffen."

Die Filmemacher engagierten Ed Harris als William Parcher, Nashs Vorgesetzter im Verteidigungsmi-nisterium. Mit Ed Harris hatten die Filmemacher bereits bei Apollo 13 zusammengearbeitet, und dieser Film brachte dem Schauspieler eine Oscar-Nominierung ein. Howard war der Meinung, dass Harris den undurchsichtigen, düsteren Charakter seiner Filmrolle sehr genau treffen würde. "William Parcher ist ein Regierungsagent, der John Nash anwirbt und in eine mysteriöse Welt hineinlockt - das wird schließlich noch komplizierter und gefährlicher, als Nash jemals erwartet hatte", erzählt Howard. "Ed Harris ist undurchschaubar - man kann sich nie sicher sein, was er als nächstes vorhat. Außerdem ist er ein kraftvoller Schauspieler, der Schulter an Schulter mit Russell bestehen kann."

Wenn schon die Rede von Schulter an Schulter ist, so mußs gesagt werden, dass am Abend vor Beginn der Dreharbeiten sowohl Crowe als auch Harris auf der Oscar-Verleihung anwesend waren. Beide waren in der Kategorie Bester Schauspieler nominiert, Crowe für Gladiator und Harris für "Pollock", in dem er auch Regie geführt hatte. Oscar-Gewinner Crowe meinte hierzu im Spaß: "Es war vielleicht nicht die beste Art, eine Beziehung zu beginnen. Aber Ed ist der vollendete Gentleman." Crowe und Harris waren nicht die Einzigen aus dem Filmteam, die an jenem Abend vor Beginn der Dreharbeiten bei den Oscars anwesend waren. Kameramann Roger Deakins war nominiert für O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee, und Kostümdesignerin Rita Ryack war für Der Grinch nominiert.

Das Team in Princeton - und der geheimnisvolle Dr. Rosen A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn beginnt mit Nashs Ankunft in der Princeton-Universität, die wenige Jahre zuvor zum angesehensten Ausbildungszentrum für höhere Mathematik geworden war. Obwohl Nash im Umgang mit seinen Mitmenschen wenig geschickt ist, schließt er doch Freundschaft mit seinen Kommilitonen Sol und Bender, die gemeinsam mit ihm im Wheeler-Labor am MIT arbeiten.

Für die Rolle des Sol engagierten die Filmemacher Adam Goldberg, der eine Nebenrolle in Der Soldat James Ryan sowie in EdTV hatte. Anthony Rapp, der in dem erfolgreichen Musical "Rent" am Broadway eine Hauptrolle spielte, verkörpert Bender. "Wir sind Nashs Gefährten", sagte Rapp über das Duo. "Wir meckern an ihm herum, weil er so exzentrisch ist, doch gleichzeitig sind wir die Kerle, die ihn durch sein Leben begleiten."

Charles wiederum, der Zimmergenosse von Nash in Princeton, bestärkt ihn noch weiter in seinem exzentrischen Verhalten. Der britische Schauspieler Paul Bettany, der in Ritter aus Leidenschaft als Chaucer mitwirkte, fühlte sich als Charles rundherum wohl. "Charles spiegelt das chaotische Element in John wider", erklärt Bettany. "Das ermöglicht es ihm, wilde Dinge zu tun, wie z.B. Tische aus dem Fenster zu schmeißen."

Ein Princeton-Student namens Hansen tritt mit Nash in einen erbitterten Wettbewerb. "Sie sind beide absolut davon überzeugt, dass sie eine besondere, schicksalhafte Bestimmung haben", meint Josh Lucas, der Hansen spielt und zuvor in "You Can Count on Me" eine Nebenrolle hatte. "Hansen stammt offensichtlich aus gutem Hause und ist mit dem goldenen Löffel im Mund auf die Welt gekommen, doch von Nash fühlt er sich zutiefst bedroht."

Judd Hirsch, der eine Oscar-Nominierung für "Eine ganz normale Familie" erhielt, spielt Professor Helinger, Nash's Doktorvater in Princeton. "Wir wollten für diese Rolle keinen seelenlosen Bürokraten", betont Howard. "Wir brauchten jemanden mit persönlichem Charisma, der neben Russell auf der Leinwand bestehen konnte. Judd ist genau die richtige Besetzung, denn er strahlt Intellekt und Menschlichkeit aus, und er setzt sich überall durch."

In A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn arbeitet Russell Crowe erneut an der Seite von Christopher Plummer, der hier Dr. Rosen spielt. "Russell ist einer der vielseitigsten Darsteller der Gegenwart", meint der gefeierte Film- und Theaterveteran Plummer, der zuvor neben Crowe bereits in The Insider zu sehen war. "Hier vertieft er sich wieder in eine Rolle, die ihm offensichtlich riesigen Erfolg bringen wird. Er ist genau der Richtige für eine so anspruchsvolle Figur, denn er widmet jedem noch so kleinen Detail seine volle Aufmerksamkeit."

Trotz der vielen Filme, die jeder von ihnen bereits gedreht hat, waren sich Howard und Plummer zu-vor noch nie begegnet. "Dr. Rosen tritt in Nashs Leben genau zu dem Zeitpunkt, an dem Nash sich nicht sicher sein kann, wem er überhaupt noch vertrauen darf", sagt Howard. "Deshalb war es wirklich wichtig, einen Schauspieler zu besetzen, der Vielschichtigkeit und Tiefe zu bieten hat. Christopher Plummer ist einer dieser großartigen Darsteller, der in jeder Szene so subtil und spannend vorgeht."

Plummer hat diese Herausforderung angenommen: "Es ist eine interessante Rolle, denn zu Beginn ist Dr. Rosen etwas schroff, und das Publikum kann sich wohl keinen Reim darauf machen, wer oder wie er ist", erklärt der Schauspieler. "Ich fand das Drehbuch hervorragend - nicht nur weil es gut geschrieben und gut aufgebaut ist, sondern weil es unweigerlich anrührend wirkt, herzzerreißend, und weil es gleichzeitig sehr hart und unsentimental ist."

Plummer wusste auch Howards Regiearbeit zu schätzen: "Er ist wie einer dieser altmodischen Regisseure, er vertraut seinem Team. Meiner Meinung nach sind die besten Regisseure diejenigen, die genau wissen, wen sie für eine Rolle besetzen müssen. Wenn die Rollen erst einmal besetzt sind, lassen sie die Schauspieler praktisch in Ruhe, denn sie werden zu einer Familie - und zu seiner Familie hat dieser Regisseur uneingeschränktes Vertrauen."

Den Richtigen Ton treffen Die Filmemacher behandelten jeden Aspekt von A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn mit großem Respekt. "Es ist viel Kreativität in die Erzählung eingeflossen, doch wir haben uns bestimmte Freiheiten erlaubt, um ein ganzes Leben in einem Film darstellen zu können - aber wir zeigen hier eine echte Lebensgeschichte", sagt Howard. "Wir sind so originalgetreu wie möglich an diese Geschichte herangegangen und haben uns an der Wirklichkeit orientiert."

Um den realistischen Aspekt noch zu verstärken und die emotionale Kraft von A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn zu maximaler Wirkung zu entfalten, entschieden sich die Filmemacher dafür, die Geschichte chronologisch abzudrehen. Es kommt nur höchst selten vor, dass die Szenen eines Films in eben der Reihenfolge gedreht werden, in der sie sich dann abspielen - ein wahrer Luxus für das gesamte Team. Obwohl dies logistisch äußerst schwierig ist, bedeutet es auch eine große Hilfestellung für die Schauspieler; auf Crowes Vorschlag hin wurde bei A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn dieses Verfahren umgesetzt. Als Schauspieler hatte Ron Howard unter der Regie von George Lucas in "American Graffiti" bereits auf diese Weise gearbeitet, und als Regisseur war er bei Apollo 13 innerhalb seiner drei Hauptdrehorte ebenso vorgegangen, sodass er sich der Vorteile dieser Methode absolut bewusst war.

"Dieser Film verlangt höchste Schauspielkunst und ist eine emotionale Herausforderung", sagt Howard. "In den drei Monaten Drehzeit erlebten wir ein ganzes Leben. Russells Entwicklung als John Nash ist komplex und emotionsgeladen, sie beinhaltet von Szene zu Szene tiefe psychologische Wandlungen - und er altert im Verlauf des Films um 40 Jahre. Die chronologische Arbeitsweise ist deshalb so wirkungsvoll, weil die Schauspieler sich eng verbunden fühlen mit dem, was sie tun. Die Arbeit entwickelt sich viel natürlicher. Alle Schauspieler waren begeistert."

Sehr hilfreich war es außerdem für Howard und den Kameramann Roger Deakins. "Der Stil des Films ändert sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, er wandelt sich zwischen den verschiedenen Phasen in Nashs Leben", berichtet Howard. "Die Nuancen, die Beleuchtung und die Gesamtkomposition veränderten sich je nach seinem psychologischen und emotionalen Zustand, seinem Stressniveau und entsprechend der emotionalen Verbindung, die er zu Alicia hat oder nicht hat, sowie entsprechend seiner Beziehung zu seinen Kollegen und in Anbetracht seiner eigenen Gedanken."

"Beim chronologischen Drehen konnten Roger und ich unsere Entscheidungen viel exakter und harmonischer treffen. Wir hatten die Möglichkeit, uns durch das inspirieren zu lassen, was die Schauspieler taten und durch das, was wir während der Dreharbeiten über die Geschichte erfuhren."

Bevor die Dreharbeiten am 27. März 2001 in Princeton, New Jersey, begannen, setzte Howard zwei Wochen lang Proben mit den Schauspielern an. "Wir haben die Szenen strukturiert, um zu sehen, wie sie wirkten", erzählt Drehbuchautor Goldsman.

Während der Vorproduktion wurde John Nash höchstpersönlich von Regisseur Howard und dem ausführenden Produzenten Todd Hallowell eingeladen, um über sein Werk zu sprechen. Die Filmemacher hatten vor, den Stil des Mathematikers bei seiner Arbeit an der Tafel zu studieren, und außerdem wollten sie versuchen, seine Theorie zumindest ansatzweise zu verstehen. "Der große Vorteil war jedoch, dass wir Nash sahen, wie er als Nash wirklich ist und wie er in seiner eigenen Welt funktioniert", berichtet Howard.

" A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn ist kein Mathe-Unterricht", fügt er hinzu, "aber trotzdem haben wir unglaublich viel Arbeit investiert, um alles möglich realistisch darzustellen. Wir haben ebenso präzise gearbeitet wie im Fall des Kontrollzentrums und der Flugabläufe von Apollo 13."

Mathematik-Professor Dave Bayer vom Barnard College war jeden Tag am Set und fungierte bei den Dreharbeiten als Berater; außerdem begleiteten ihn diejenigen Schauspieler, die bei den Princeton-Szenen mitwirken, um seine Kollegen kennenzulernen.

Russell Crowe betreibt bekanntlich regelmäßig vertiefte Recherchen zur Vorbereitung auf seine Rollen - bei der Darstellung von John Nash mußste er nun erfinderisch vorgehen, denn er verkörpert nicht nur ein Kapitel im Leben des Wissenschaftlers, sondern spielt eine Zeitspanne nach, die 47 Jahre umfasst. "Das Schwierige daran war, dass - obwohl Nash in Mathematiker-Kreisen berühmt war - er doch keine öffentliche Person wurde", sagt Crowe. "Es gibt keine wirkliche Dokumentation über ihn, also hatte ich keinerlei Material über seine Zeit als junger Mann."

Crowe sah sich neuere Videos des Mathematikers an, las Sylvia Nasars Biographie "A Beautiful Mind" und studierte die Schriften von Nash. Außerdem setzte er sich mit Dokumentationen zum Thema Schizophrenie auseinander und versuchte herauszufinden, wie der Geist eines Mathematik-Genies wirklich arbeitet: "Nashs Innenleben entspricht viel eher dem, was wir einen künstlerischen Geist nennen würden, und weniger dem typischen Wissenschaftler", stellte Crowe fest. "Er kann eine Reihe von Gleichungen einfach betrachten und dann sofort die Antwort erkennen."

Aufgrund ihrer Terminpläne konnten sich Crowe und Nash vor Beginn der Dreharbeiten nicht persönlich treffen, doch Nash, der in Princeton lebt, besuchte die Filmemacher kurz nach Beginn des Drehs vor Ort. "Ich habe ihn getroffen, und allein dadurch, dass ich vor ihm stehen konnte, habe ich wertvolle Erkenntnisse gewonnen", erinnert sich Crowe, der Nash zu einem Tee einlud, während sie den Dreh beobachteten. Bei einem weiteren Besuch von Nash, als das Team im Juni erneut in Princeton drehte, begleiteten ihn seine Frau Alicia und sein Sohn Johnny.

Connelly war dankbar, dass sie Alicia Nash persönlich kennenlernen konnte. "Es war wundervoll, direkt mit ihr sprechen zu können und an ihren Erinnerungen teilzuhaben", sagt Connelly. "Als ich sie fragte, ob es etwas gäbe, das sie mir sagen wolle, oder ob sie etwas ganz Bestimmtes gerne im Film wiedersehen wolle, meinte sie nur: ?Du machst das schon'."

Auch all die anderen Schauspieler identifizierten sich mit ihren Rollen. Zusätzlich zur Recherchearbeit, die darin bestand, sich Filme aus den 40er und 50er Jahren anzusehen und Bücher über die Nachkriegszeit zu lesen, lernten manche noch, "GO" zu spielen, das komplizierte, 3000 Jahre alte Brettspiel, das in A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn die Rivalitätskämpfe unter den Princeton-Stundenten entfacht.

Der Look Während der intensiven Vorbereitungen zu A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn stellte Produktionsdesigner Wynn Thomas fest, dass sich der Campus von Princeton, wo das Team zwei Wochen lang drehte, in den vergangenen 50 Jahren kaum verändert hat. "Ron nannte die Zeit, die Nash in Princeton verbrachte, immer die "Life Magazine-Abteilung" des Films", sagt Thomas. "Und genauso idyllisch fühlt man sich dort noch heute."

Kostümdesignerin Rita Ryack hatte für ihre Nachforschungen Zugang zu Photoarchiven und zu Personen, die John Nash persönlich kannten. Zu Crowes Garderobe gehören Kleidungsstücke, die Nash auch getragen hat, wie z.B. seine Turnschuhe Marke "Converse All-Star", die damals in Princeton sicher ganz und gar nicht üblich waren.

Die anderen Universitäten, die in A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn vorkommen - MIT und Harvard -, wurden im Film durch Schulen in New York wiedergegeben. "Das Bronx Community College verfügt über eine Reihe neoklassizistischer Gebäude, die von Stanford White entworfen wurden", erklärt Produktionsdesigner Thomas. Die Backsteingebäude und der Kolonial-Stil der Architektur des Manhattan College in der Bronx waren stellvertretend für Harvard.

Nach seinen frühen Jahren in Princeton unterrichtet Nash am MIT und arbeitet im Wheeler-Labor, einem "think-tank", der Ideenschmiede, in der die damaligen Top-Wissenschaftler während des Kalten Krieges für das Militär arbeiteten. Thomas errichtete dieses Labor für den Film in einem leerstehenden Flügel des imposanten Gebäudes des Garden State Krebszentrums, einer Forschungseinrichtung in Belleville, New Jersey. Auch ein spektakulärer Raum des Pentagon, mit Wänden voller Zahlen, die Nash decodieren soll, wurde im Untergeschoss der Fordham University in der Bronx nachgebaut. Die riesigen Rechner im Stil der 50er Jahre, die für diese Szene benötigt wurden, wurden ebenfalls von Thomas' Team nachgebaut.

Die geheime Kommandozentrale von William Parcher, vollgestopft mit futuristischem technischem Gerät, beeindrucken Nash im Film sehr. Parchers Computer, die zu der Zeit, in der diese Szene spielt, überaus modern waren, basieren auf Vorlagen aus den 60er Jahren.

Diese Kommandozentrale und das dazugehörige Büro wurden auf einer Bühne am Military Ocean Terminal in Bayonne, New Jersey, errichtet - der Drehort wurde zu einer in sich geschlossenen Welt mit schrägen Wänden. "Ich habe mich dafür ent-schieden ein Set zu bauen, das keine geraden Wände hat - denn Nashs Sicht auf diese Welt ist auch ziemlich schräg", erläutert Thomas.

Die Szene, in der Nash und Alicia auf den Ball in der Residenz des Gouverneurs von Massachusetts gehen, wurde in der Fairleigh Dickinson University in New Jersey gedreht; hierzu benötigte man Hunderte von Statisten in entsprechender Galakleidung mit ausladenden Röcken und altmodischen Unterröcken. Als Kontrast dazu trägt Alicia eine elegante schwarze Robe mit einer roten Schleife am Rücken. "Sie hatte eine so zierliche, schlanke Figur; alle Frauen um sie herum sehen wie große Sahnetorten aus", berichtet Kostümdesignerin Rita Ryack. "Unsere Absicht war es, Alicia so aussehen zu lassen, als wäre sie von einer magischen Aura umgeben."

In der Hochzeits-Szene trägt Connelly ein Kleid von Priscilla of Boston; gedreht wurde in der St. Mark's Church im East Village in Manhattan. Kurz nach der Hochzeit findet sich Nash in Dr. Rosens Praxis wieder, einem üppig ausgestatteten Raum, der von einem Gemälde beherrscht wird, das in Freuds Haus hing. "Als Nash in diesem Raum erwacht, soll er desorientiert wirken, genauso verloren sein wie das Publikum", sagt Thomas. "Wir wollen die Zuschauer auf die gleiche Reise mitnehmen, die auch Nash durchmacht."

Dieser Standard wurde für den gesamten Film durchgesetzt. Spezialeffekte z.B. zeigen, wie Nash im Geiste Zahlen ordnet, während er mathematische Probleme löst. Die Filmemacher wollten die Geschichte aus Nashs Blickwinkel erzählen - denn so wäre die geistige Umnachtung besser zu verstehen.

" A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn begibt sich auf kraftvolles, dramatisches Terrain", sagt Howard. "Der Film behandelt Genie, Wahnsinn, Liebe, Angst und Kreativität. Die Erzählweise ist sehr humanistisch geprägt, sehr zugänglich. Es steckt viel Liebe in dieser Arbeit."

Außerdem ist dies ein Film, bei dem sich die Men-schen am Set während der Arbeit wohlfühlten. Während Crowe für seine Rolle als 70jähriger geschminkt war, lief er gerne unerkannt durch die Straßen der Innenstadt von Princeton. Greg Cannom, der Crowe auch für den The Insider schminkte, hat hier so realistisch gearbeitet, dass der Schauspieler bei den Dreharbeiten zur Nobelpreis-Szene mit einem der vielen Ehrengäste im Auditorium verwechselt wurde.

Die Dreharbeiten zu A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn wurden am 28. Juni 2001 in Bayonne, New Jersey, abgeschlossen.

Dirk Jasper FilmLexikon
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