Produktionsnotizen zu From Hell
Ein Blick in die Hölle - Lebensunwürdige Zustände in Whitechapel In From Hell - der Titel bezieht sich auf die Absenderadresse eines Briefes, den der Ripper an den Bürgerwehr-Chef Lusk geschickt hatte - geht es um Menschen, die in verschiedenen Formen der Hölle leben und versuchen, sich selbst unter den widrigsten Umständen irgendwie durchzukämpfen. Im Mittelpunkt stehen fünf mittellose Prostituierte, die bisweilen nur durch ihre gemeinsame Freundschaft die Kraft zum Überleben finden. Diese Freundschaft wird hart auf die Probe gestellt, als eine Reihe brutaler Morde ihre Nachbarschaft erschüttert.

Mary Kelly (Heather Graham), Kate Eddowes (Lesley Sharp), Liz Stride (Susan Lynch), Dark Annie Chapman (Katrin Cartlidge) und Polly Ann Nicholls (Annabelle Apsion) existieren am äußersten Rand der Gesellschaft. Ihren mageren Lohn verdienen sie sich damit, dass sie ihren Körper verkaufen. Dafür blickt man auf sie herab und verspottet sie. Obwohl sie nichts von Wert besitzen, werden sie von einem Monster bedroht, das es auf das Einzige abgesehen hat, was sie besitzen: ihr Leben.

Heather Graham berichtet: "Meine Figur und ihre Freundinnen leben in diesem fürchterlichen Slum und nagen ständig am Hungertuch. Jeder Tag ist ein einziger Kampf. Ein Schlafplatz gilt bereits als Luxus. Das Einzige, was Mary Kelly zum Weitermachen antreibt, ist ihr Traum von der Rückkehr nach Irland, wo sie als junges Mädchen glücklichere Tage erlebt hat."

In einer frühen Szene des Films erwachen die Frauen nach einer unbequemen Nacht, die sie aneinander gefesselt auf einer Bank verbrachten - damit sie nicht auf den Boden fallen können. Eine Horrorvorstellung! Am Morgen erscheint der Vermieter, um sie loszubinden und wieder auf die Straße zu schicken, wo sie sich die nötigen Pennys für ihr Essen und die nächste Übernachtung verdienen müssen. Die Frauen sind gefangen in einem unnachgiebigen, endlosen Kampf ums Überleben. "Das Leben dieser Frauen ist grausam und finster", sagt Lesley Sharp. "In ihrem Alltag sind sie ständig bedroht - von Zuhältern, von gewalttätigen Freiern, von Straßenverbrechern, von Krankheiten und Sucht."

Eine zusätzliche Bedrohung stellt das unheimliche Geheimnis dar, auf das die Frauen unwissentlich gestoßen sind und das das Königshaus - und damit auch ihr Leben - in Gefahr bringt.

Die einzige Autoritätsperson, die sich offensichtlich um den Schutz dieser bemitleidenswerten Frauen sorgt, ist Inspektor Fred Abberline (Johnny Depp). Abberline selbst befindet sich allerdings in einer schweren Lebenskrise. Von unerträglichen Erinnerungen geplagt, sucht er die kurzfristige Flucht in den Opiumrausch. Die Sucht verstärkt seine hellseherischen Fähigkeiten, die Abberline einerseits wertvolle Einsichten gestatten, ihn aber auch zur Handlungsunfähigkeit verdammen.

"Abberline ist vom Leben übel mitgespielt worden", meint Johnny Depp. "Er hat Frau und Kind verloren und schleppt sich mit Drogen durch die trüben Tage." Der Inspektor, der nach Jahren bei der Polizei längst nicht mehr in Whitechapel seinen Dienst versieht, wird in das heruntergekommene Viertel zurückversetzt, um die Nachforschungen im Fall Jack the Ripper zu leiten.

Die ausführende Produzentin Amy Robinson erzählt: "Abberline ist ein Protagonist, wie man ihn aus den klassischen Romanen des 19. Jahrhunderts kennt. Er ist ein Held mit Fehlern, der gewaltige innere Kämpfe auszufechten hat, während er sich mit den erschreckenden Ereignissen auseinandersetzen muß."

Dem Inspektor steht der stattliche Sgt. Godley (Robbie Coltrane) zur Seite. Er ist ein loyaler Freund, der sich immer dann um Abberline kümmert, wenn er "den Drachen jagt", sprich: sich im Opiumrausch befindet.

"Godley ist ein unkomplizierter schottischer Polizist, der seine Schlussfolgerungen zieht, wenn ihm handfeste Beweise vorliegen - also so etwas wie ein blutverschmiertes Messer und Aussagen von Augenzeugen", sagt Coltrane. "Er ist fasziniert von Abberlines Intuition und unorthodoxen Methoden. Das entspricht zwar nicht im Geringsten seinem Naturell, aber er akzeptiert Abberlines Visionen als authentisch und handelt auch entsprechend."

Johnny Depp sagt: "Godley ist die einzige Person auf der Welt, der Abberline Gehör schenkt und die er respektiert. Godley hält ihn am Leben, fungiert als eine Art Beschützer. Er ist sein bester Freund."

Als die Morde in Whitechapel eskalieren, werden die beiden Beamten von ihren Vorgesetzten massiv in ihrer Arbeit behindert: Sie sind mehr daran interessiert, die Verbrechen unter den Teppich zu kehren, als ihre Aufklärung zu unterstützen. Die einzige Ausnahme ist der berühmte Sir William Gull (Ian Holm), der Leibarzt der Königlichen Familie, der mächtig genug ist, es sich erlauben zu können, dem verpönten Inspektor bei seinen Ermittlungen zu assistieren.

"Gull ist sich absolut sicher, dass die Morde von einem Mann mit außerordentlichen medizinischen Kenntnissen begangen worden sein müssen", erklärt Holm. "Der Killer besitzt offenkundige Kenntnisse der Chirurgie, die kein Metzger oder Arbeiter haben kann. Jeder Mord offenbart dasselbe bizarre, schreckliche Ritual."

Gull informiert Abberline über die Instrumente, die vermutlich zum Einsatz gekommen sind, und die Art, in der die Morde wahrscheinlich durchgeführt wurden. Dank Gulls Hilfe findet Abberline heraus, dass die Morde Teil eines fürchterlichen Komplotts sind, in das der Orden der Freimaurer involviert ist, die wiederum auf direkten Befehl der Monarchie handeln.

Der Freimaurerorden ist ein Geheimbund, dem im Lauf der Jahrhunderte einige der reichsten und mächtigsten Männer der Welt angehörten. Die Freimaurer sind von jeher Gegenstand zahlreicher Verschwörungstheorien, vermutlich aufgrund ihrer geheimnisvollen Initiationsriten und ihrem Schweigegelübde.

Die Idee, dass den Morden von Jack the Ripper eine Verschwörung der Krone zugrunde liegt, kennt in Europa viele Anhänger, besonders in Großbritannien, wo der Fall mit ähnlicher Inbrunst verfolgt wird wie das Attentat auf JFK in den USA. Auch Alan Moore vertritt in seinem Comicroman "From Hell" die Theorie, dass das Königshaus verantwortlich für die Morde ist. Zuerst wurde "From Hell" 1999 in zehn Teilen in der Anthologie "Taboo" veröffentlicht. Die Hefte, die Zeichnungen des Künstlers Eddie Campbell enthalten, wurden von dem Produzenten Don Murphy optiert.

Murphy sagt: "Alan Moore ist der Meister des grafischen Romans. Ich bin ein Fan von Comicbüchern und bewundere seine Arbeit schon seit Jahren. Ich war sofort hingerissen von "From Hell", ohne überhaupt gewusst zu haben, dass es da um Jack the Ripper geht. Es ist eine brillante, komplexe und obsessive Geschichte, die auf ausführlichen Nachforschungen beruht und mit Seiten voller Fußnoten aufwartet."

Moores Vorlage wurde von den Autoren Terry Hayes und Rafael Yglesias in ein Drehbuch umgesetzt. Yglesias betrachtet den Verschwörungsansatz von einer metaphorischen Warte.

"Ob die britische Monarchie nun tatsächlich in die Ripper-Morde involviert war oder nicht, spielt keine Rolle. Die Wucht der bloßen Anschuldigung gegen die herrschende Klasse wird so oder so nicht gemindert", sagt Yglesias. "dass die Polizei grundsätzlich ablehnte, die Reichen als Verdächtige auch nur in Betracht zu ziehen, spricht Bände über die viktorianische Ära. Die Schattenseiten der Gesellschaft wurden ausschließlich als Fehler der Armen und der Unterschicht angesehen."

Als Mitglied der Unterschicht sowie als Prostituierte ist Mary Kelly die Gesellschaft angesehener Männer nicht gewohnt, zumindest nicht, wenn sie nicht arbeitet. Aus Misstrauen und Furcht davor, ausgenutzt zu werden, ist sie zunächst nicht bereit, Abberline bei seinen Nachforschungen zu unterstützen.

"Mädchen, die damals auf der Straße gearbeitet haben, waren sehr vorsichtig", sagt Allen Hughes. "Mary Kelly glaubt, dass Abberline nur ein weiterer Typ ist, der sie ausnutzen will. Seine Anständigkeit und Aufrichtigkeit sorgen dafür, dass sie ihre Verschlossenheit aufgibt. Langsam fasst sie Vertrauen zu ihm."

Als sich ihre Beziehung zu vertiefen beginnt, stellt sich ihnen etwas in den Weg, das wesentlich bedrohlicher ist als soziale Moral und Klassenunterschiede. Vielmehr ist es ein aus Verschwörungen und finsteren Absichten geschmiedeter Dolch, der auf sie gerichtet wird - und er befindet sich in der Hand eines verrückten Mörders, der in die Geschichte eingehen wird.

Rückblickend hat der Ripper gar nicht einmal Unrecht, wenn er behauptet, er hätte das 20. Jahrhundert ermöglicht. Der Kult um seine Person begründete eine neue Ära der Boulevardpresse und des Berühmtheitsbewusstseins. Die britischen Zeitungen stürzten sich sofort begeistert auf die Geschichte, die mittlerweile längst zur Legende geworden ist.

Johnny Depp, der sich mit den Einzelheiten des Falls bestens auskennt, merkt an: "Vor Jack the Ripper gab es einige hundert Zeitungen in London. Auf der Höhe der Mordserie tauchten tausende weitere Blätter auf." Jack the Ripper, der teilweise auch von der Presse geschaffen wurde, avancierte zum ersten Star der Regenbogenpresse.

Der Ripper-Fall war auch dafür verantwortlich, dass die forensischen Kriminalwissenschaften, die sich in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen befanden, weiterentwickelt wurden. Allen Hughes sagt: "Wenn dich die Polizei damals nicht in der Nähe des Opfers mit Blut an den Händen schnappte, dann waren die Chancen ziemlich gering, dass man überhaupt gefasst wurde. Es gab keine Standardabläufe wie die Abnahme von Fingerabdrücken oder Bluttests. Aber dieser Fall half dabei, neue wissenschaftliche Erkenntnisse voranzutreiben und neue Werkzeuge zur Ergreifung von Tätern zu entwickeln."

Jack the Ripper wurde niemals gefasst. Es ist das Geheimnis seiner Identität, sein Wagemut, seine Verbrechen an öffentlichen Plätzen durchzuführen und seine Fähigkeit, immer wieder zu entkommen, die die Öffentlichkeit seit mehr als einem Jahrhundert beschäftigt. "Er ist die perfekte Nemesis für einen Film", gesteht Robbie Coltrane.

Und Albert Hughes merkt an: "Unsere Herausforderung war es, ein wohl bekanntes Geheimnis voller Legenden zu nehmen und ihm mit Hilfe unseres Einfallsreichtums eine neue Dimension zu verleihen."

Allen Hughes sagt: "Den Opfern von Jack the Ripper wurde niemals ein menschliches Gesicht zugestanden. Wir wollten ihnen Leben einhauchen. Sie waren nicht einfach nur Mordopfer. Sie waren menschliche Wesen."

Winter im Sommer - Der Dreh in Prag Eingemummt in Parkas, Handschuhe und Mützen, macht sich die Crew von From Hell fertig für einen weiteren Nachtdreh. Regen und Kälte sind an der Tagesordnung. Mit einiger Sicherheit werden sich die Temperaturen wieder um den Gefrierpunkt einpendeln.

Es ist mitten im Juli.

"Unglaublich. Das Wetter ist lächerlich kalt für einen Sommer", gibt der ausführende Produzent Tom Hammel zu Protokoll. "Alle sagen, dass es so etwas hier noch nie gegeben hat. Wenn es damals in London so kalt gewesen wäre, wäre Jack the Ripper sicherlich zu Hause geblieben."

Die Ironie ist, dass das Thermometer nur Tage früher, als man die Tagesaufnahmen unter Dach und Fach brachte, auf 36 Grad Celsius geklettert war - der heißeste Tag in Prag seit 139 Jahren.

Aber das unberechenbare Wetter war nicht die einzige Herausforderung, die der Dreh in der Tschechischen Republik mit sich brachte. Die Stadt Prag erwies sich wider aller Erwartungen als höchst unbrauchbares Double für das Londoner Viertel Whitechapel, in dem sich der Hauptteil der Handlung abspielt.

Der Oscar ®-prämierte Ausstatter Martin Childs erklärt: "Trotz seiner Vielzahl wunderschöner alter Gebäude hat Prag nur wenig Ähnlichkeit mit dem London der viktorianischen Ära. Bedauerlicherweise trifft das auch auf London selbst zu, da im Lauf der letzten 100 Jahre ein Großteil der damaligen Architektur zerstört wurde. Wir konnten einfach keinen Ort finden, der aus allen Blickwinkeln ausgesehen hätte wie Whitechapel. Also waren wir gezwungen, das gesamte Viertel eigenhändig mitten auf einem Feld nachzubauen. Das entpuppte sich als unerwarteter Höhepunkt der gesamten Unternehmung."

Mit Fotos und detaillierten Zeichnungen als Vorlage entwarf Childs das gesamte 170 mal 170 Meter große Set binnen einer Woche. Ein Team aus 170 Zimmermännern, Malern und Handwerkern arbeitete sieben Tage die Woche und errichtete das komplette Set in nur zwölf Wochen. Das Tüpfelchen auf dem i war die Fertigstellung der Straßen, die mit hunderten von jahrhundertealten Kopfsteinen gepflastert wurden, die man sich aus ansässigen Brauereien und öffentlichen Einrichtungen geborgt hatte.

"Wir hatten großes Glück, dass Prag zum Zeitpunkt des Drehs an vielen Stellen umgebaut wurde und man viele der alten Straßen aufriss", sagt Childs. "So konnten wir uns viele der benötigten Kopfsteine von der Stadt ausleihen." Lachend fügt er hinzu: "Sie warten darauf, dass wir sie zurückbringen, damit sie die Straßen wieder eröffnen können."

Das Einzige, woran sich das tschechische Team die Zähne ausbiss, war die Herstellung von authentisch aussehenden britischen Ziegeln. Deshalb ließ Childs zwei britische Maler einfliegen, die sich um die richtige Färbung und das entsprechende Altern der Außensets kümmerten.

Zu den Wahrzeichen von Whitechapel, die im Film gezeigt werden, gehören das Ten Bells Pub, Commerce Street und Christ Church sowie die jeweiligen Orte, an denen die Opfer des Rippers gefunden wurden. Sie ließ man allesamt so aussehen, wie es 1888 der Fall gewesen sein mag. "Wir wollten die definitive Darstellung des Whitechapel von damals abliefern", sagt Albert Hughes. "Und dieses Set kommt dem echten Whitechapel so nahe, wie es nur möglich ist."

Dialekte und Inetensität - Die Schauspieler in From Hell Die Schauspieler gingen ebenso inspiriert an die Arbeit. Immer ganz vorn dabei: Johnny Depp. Er kommentiert: "Ich war völlig sprachlos, als ich zum ersten Mal die Gassen entlangging. Es war unglaublich. Die Hughes-Brüder nehmen jedes Detail ungemein wichtig. Die Leichen mußsten genau die richtige Körperposition haben. Das Kopfsteinpflaster mußste aussehen wie damals. Selbst die zerbrochenen Fensterscheiben wurden Fotos aus der Zeit nachempfunden. Martin Childs hat unglaubliche Arbeit geleistet."

Depps Interesse an Jack the Ripper reicht zurück bis in seine Jugend, als er Bücher und Artikel zum Thema regelrecht verschlang. "Ich habe mich schon immer für düstere Dinge interessiert, ganz besonders als ich jung war", meint der Schauspieler. "Ich habe etwa 25 Bücher, vielleicht sogar mehr, über den Fall gelesen. Es gibt so viele verschiedene Theorien, und jede könnte richtig sein. Es ist unmöglich, die Wahrheit zu wissen. Ich habe schon immer geglaubt, dass man daraus einen tollen Film machen könnte, wenn man es richtig anpackt."

Tatsächlich war es die sorgfältige Herangehensweise der Hughes-Brüder, die für Depp den Ausschlag gab. Die Regisseure sind seit ihrem siebten Lebensjahr fasziniert von den berühmt-berüchtigen Morden. Damals sahen sie einen Bericht über den Ripper in einer Episode von Leonard Nimoys "In Search Of". "Das war so furchterregend, dass man den Fall einfach nicht mehr vergessen konnte", erinnert sich Albert Hughes. "Seither haben wir alles über Jack the Ripper gesammelt, was wir in die Hände bekommen konnten: Bücher, Filme, Dokumentationen."

Johnny Depp, der von den vorangegangen Hughes-Filmen nach eigenem Bekunden "völlig weggeblasen" wurde, war auch überaus beeindruckt von dem umfassenden Wissen der Brüder über das Thema. "Allen und Albert haben eine große Begeisterung für das Material und haben mehr Recherche betrieben, als ich es jemals zuvor bei einem Regisseur erlebt habe", bemerkt Depp. "Ich kenne mich auch gut mit der Geschichte aus. Ich weiß die richtigen Fragen. Und sie kennen alle Antworten."

Allen Hughes sagt: "Johnny bringt nicht nur sein unglaubliches schauspielerisches Können in die Rolle ein, sondern auch seine einzigartige kantige und geheimnisvolle Persönlichkeit. Er drückt unglaublich viele Emotionen aus, ohne nur ein einziges Wort zu sagen. Ihm sind viele Nuancen und Subtexte absolut bewusst, die niemand anderem auch nur ansatzweise auffallen."

Depp gewöhnte sich für seine Rolle einen Ostlondoner Cockney-Akzent an, "um Abberlines Arbeiterklassenherkunft ganz deutlich zu unterstreichen. Tatsächlich kommt er aus Dorset, aber dieser Akzent klingt viel zu bizarr. Dort wird wirklich komisch geredet."

Dialogcoach Gerry Grennell sagt, dass Depps Cockney, das er sich in nur wenigen Tagen aneignete, "exzellent" sei. Ian Holm kann dieser Aussage nur zustimmen: " Johnny Depp ist ein herausragender Darsteller. Sein Akzent ist makellos."

Auch Heather Graham setzt einen Akzent ein: Sie spricht mit irischem Dialekt, was das Publikum ebenso überraschen wird wie ihr feuerrotes Haar. Zumindest die ausführende Produzentin Amy Robinson ist fest davon überzeugt: "Wir haben viele junge Schauspielerinnen für die Rolle vorsprechen lassen - tolle Schauspielerinnen, die sehr interessant waren. Aber als Heather ins Zimmer kam, strahlte sie etwas ganz Besonderes aus, als wollte sie unbedingt gerettet werden. Ich glaube, genau das war es, was die Regisseure in ihrer Mary Kelly suchten. Sie mußste jemand sein, der nicht verbittert sein durfte. Als Zuschauer mußste man emotional sofort um sie bangen. Das vorherrschende Gefühl sollte sein: Wir müssen dieses Mädchen aus Whitechapel rausholen. Sie darf nicht sterben!"

Sie fährt fort: "Ihr rotes Haar sieht wunderbar aus im Kontrast zu ihrer Haut und ihren Augen. Heathers Gesicht hat eine wunderbare Form und eine starke erwachsene Ausstrahlung. Überhaupt könnte es in ihrem Leben und ihrer Karriere im Moment nicht besser laufen."

Allen Hughes sieht die Dinge ähnlich: "Eigentlich wollten wir eine unbekannte britische Schauspielerin für die Rolle der Mary Kelly, aber nachdem wir Heather gesehen hatten, wussten wir einfach, dass es keine andere sein konnte. Sie strahlt eine Verletzlichkeit und Zartheit aus, die absolut unwiderstehlich ist."

Neben Heather Graham wurden mit Lesley Sharp, Susan Lynch und Katrin Cartlidge drei angesehene britische Darstellerinnen als Whitechapel-Prostituierte engagiert. Johnny Depp hatte Cartlidge und Lynch in "Naked" (1993) gesehen und beschreibt ihre Darstellungen als "absoluten Wahnsinn. Diese Mädels können einfach alles."

Lesley Sharp sagt: "Unsere Hauptaufgabe in dem Film war es, eine glaubwürdige Kameradschaft zwischen unseren Figuren entstehen zu lassen. Das war nicht weiter schwer, denn wir verstehen uns blendend und haben viel Respekt voreinander."

Susan Lynch merkt an: "Lesley und Katrin waren schon immer meine großen Helden. Sie sind wunderbare Schauspielerinnen, die herausragende Leistungen vor der Kamera vollbringen. Für mich ist es ein großes Erlebnis, dieser Besetzung anzugehören."

Für Katrin Cartlidge wurde der Spaß an der Arbeit mit Johnny Depp durch ihre erste gemeinsame Szene allerdings etwas getrübt: "In meiner ersten Aufnahme mit Johnny lag ich tot am Boden und er beugte sich über mich, um meinen Atem zu riechen. Ich mußste die ganze Zeit über denken: Er blickt dem hässlichsten Ding in die Augen, das er jemals gesehen hat. Meine Kehle ist durchschnitten, meine Eingeweide sind über meine Schultern geworfen und drei Fliegen tanzen auf meinem Gesicht. So wollte ich Johnny Depp eigentlich nicht kennen lernen."

Blut und drastische Spezialeffekte waren bei dieser Produktion unausweichlich mit der Arbeit der Schauspielerinnen verbunden. Der Umgang mit dem fürchterlichen Schicksal, das all ihre Figuren erwartete, war für sie nicht leicht zu verdauen, wenn man bedenkt, dass Genauigkeit und Realismus ein Hauptanliegen der Filmemacher war. Das Make-up und die Plastikprothesen nahmen die Darstellerinnen vor allem emotional gewaltig mit. "Ich habe es nicht einmal ertragen, mich selbst im Spiegel zu betrachten, als die Make-up-Abteilung an mir herumlaborierte", gesteht Katrin Cartlidge. "Ich hatte richtige Gänsehaut."

Die von Susan Lynch gespielte Figur, Liz Stride, war das Einzige der Ripper-Opfer, das versucht hat, sich gegen ihn zu wehren, als sie begriff, in die Hände eines Monsters gefallen zu sein. "Das war die schwierigste und anstrengendste Szene, die ich jemals gespielt habe", gesteht Lynch, die zu fliehen versucht, aber gefangen und zu Boden geworfen wird, wo der Ripper dann sein blutiges Handwerk beendet. "Obwohl wir das ja nur nachgestellt haben, ist das Gefühl der Hilflosigkeit und des Überwältigtwerdens traumatisch. Es ist ein Gefühl extremer Angst. Ich glaube, Liz litt von allen Opfern von Jack the Ripper am meisten, weil sie lang genug überlebte, um sich bewusst zu sein, dass ihr Ende gekommen war. In diesem einen schrecklichen Moment wurde ihr klar, dass es in Kürze mit ihr vorbei sein würde."

Detailliebe im Extrem - Die Bluttaten des Rippers Um die Bluttaten des Rippers genau nachzustellen, setzte das Team prosthetische Puppen ein, die bis ins letzte Detail den wahren Opfern nachempfunden waren. Die Puppen wurden von Millennium Effects hergestellt, die schon für ihre Arbeit an Der Soldat James Ryan viel Lob geerntet hatten. Ein Team aus zwölf Künstlern und Handwerkern arbeitete neun Wochen rund um die Uhr und brachte Haare, Zähne, Augen und die benötigten Wunden an.

Diese Körper waren so erschreckend realistisch, dass die Schauspielerinnen sie gar nicht erst ansehen wollten. Effektdesigner Steve Painter sagt: "Wir wollten so detailgenau wie möglich arbeiten, bis an unsere Grenzen gehen, um sowohl den Wunsch der Hughes-Brüder nach Genauigkeit zu erfüllen als auch unser Streben nach Perfektion. Schauspieler lassen sich zudem von der Sorgfalt und Genauigkeit inspirieren, die im kreativen Prozess des Filmemachens an den Tag gelegt werden."

Painter und sein Team nahmen ihre Arbeit schon Monate vor Beginn des eigentlichen Drehs auf. Sie recherchierten bei Scotland Yard und wühlten sich durch Berge von Hintergrundmaterial. "Es gelang uns, einige ausgesprochen seltene Fotos aufzutreiben, die die Grundlage für unsere Arbeit an den Puppen bildeten", sagt Painter. "Wir hatten Zugang zu den Berichten der Leichenbeschauer, die Einblicke zuließen, in welcher Körperstellung die Leichen gefunden wurden. Außerdem verrieten sie absolut genau die Stelle, Größe und Tiefe der einzelnen Verletzungen."

Körperformen aus Silikon wurden an den Schauspielerinnen vermessen und in den Londoner Studios von Millennium geformt. Danach wurden sie entsprechend der Körper der Opfer bearbeitet und angekleidet. "Nur wenn man einen Körper in dreidimensionaler Form und mit allen genauen Details sieht, kann man ermessen, was der Ripper tatsächlich getan hat. Und das ist ausgesprochen schrecklich", merkt Painter an.

Painters Team setzte für den Film auch bahnbrechende Make-up-Effekte ein. Einer dieser Effekte setzte sechs verschiedene Einstellungen und einen geheimen chemischen Trick voraus, denn man sieht, wie sich eine Kehle vor unseren Augen öffnet. Dieser eine Stunt mußste mehr als zwei Stunden vorbereitet werden und konnte erst kurz vor Sonnenaufgang fertig gestellt werden.

Die explizite Darstellung der Morde war den um Authentizität bemühten Filmemachern aus historischen Gründen wichtig. Nur wenn man die Vorgehensweise des Rippers und die schiere Gewalt seiner pathologischen Taten mit eigenen Augen sieht, lässt sich ein Einblick in das kranke Gehirn des Mörders gewinnen.

Der Hauptkomplize des Rippers ist ein Mann namens Netley, ein einfacher Typ, der ahnungslos in die entsetzliche Spirale des Schreckens gerät. Vom souveränen und autoritären Auftreten des Rippers verführt, macht er den entscheidenden Schritt hin zu einem Abgrund, den der Ripper selbst als Hölle bezeichnet. Netley wird von Jason Flemyng gespielt, den man neben Brad Pitt in Guy Ritchies Snatch - Schweine und Diamanten sehen konnte.

Flemyng sagt: "In gewisser Weise ist Netley nur eine ahnungslose Schachfigur, doch er macht sich schuldig, weil er nicht den Mut aufbringt, das Böse zu beenden, als er das Groteske der Taten erkennt. In kleinerem Ausmaß werden wir alle damit in unserem Alltag konfrontiert. Wir wollen nichts Böses tun, aber haben auch nicht den Willen, etwas Gutes zu tun."

Ganz besonders wollten die Hughes-Brüder den Opfern des Rippers gerecht werden: Sie sollten als authentische Figuren gezeichnet werden, mit Stärken und Schwächen. "Wenn man sich mit der Unterklasse einer Gesellschaft beschäftigt, dann stößt man zwangsläufig auf verzweifelte Situationen, die menschliche Emotionen und Schwächen freilegen", erklärt Albert Hughes. "Man findet manchmal edle, manchmal nicht so schöne Versuche, der täglichen Tretmühle des Lebens etwas Befriedigendes abzugewinnen. Genau dafür stehen diese Frauen."

Immer um Authentizität bemüht - Höchstleistungen des technischen Teams Mit einem beeindruckenden Steadicam-Schwenk über die Slums von Whitechapel führt From Hell in die Welt der Frauen ein, die sich über Wasser halten, indem sie ihren Körper verkaufen. Der Schwenk beginnt in etwa 15 Meter Höhe. Mit einem Kran wird der Steadicam-Kameramann langsam auf Bodenhöhe herabgelassen, von wo aus er Heather Graham durch die nächtlichen Gassen des heruntergekommenen Viertels folgt und einen Einblick in das dort vorherrschende menschliche Elend gibt. "Das war unglaublich, das Ten Bells Pub und die Christ Church nach sieben Jahren der Vorbereitung in Lebensgröße zu erleben."

Schlechtes Wetter plagte das Whitechapel-Set, aufgebaut in der Nähe des kleinen Städtchens Orech, während des gesamten Drehs, und dieser ganz bestimmte Abend bildete keine Ausnahme. Schwere Regenfälle zwangen die Filmemacher, die Aufnahmen um mehrere Stunden zu verschieben, bevor man das gewünschte Pensum in den frühen Morgenstunden unter Dach und Fach gebracht hatte. Da man für den Dreh immer wieder Regenwetter benötigte, war eine gleichmäßige Dusche aus einem Wasserwerfer ein weiterer ständiger Begleiter des Drehs. "Wer London darstellen will, der braucht Regen", wie Kameramann Peter Deming erklärt, "während Nebel eher überflüssig ist."

"Wann immer es in einem Film eine Szene gibt, die in London bei Nacht spielt, sieht man den typischen Nebel, speziell in einem Krimi oder einem Thriller", sagt Deming. "Wir setzen aber bestenfalls Dunst ein, um für die nötige Atmosphäre zu sorgen, aber vermeiden sämtliche Nebelklischees. Im Herbst 1888 war das Wetter in London nämlich ungewöhnlich klar."

Weil es Deming um viel Atmosphäre ging, er aber gleichzeitig eine gewisse Wärme beibehalten wollte, benutzte er anamorphische Objektive und Kodak-Filmstock. Noch vor Beginn der Produktion probierte er die Objektive in Los Angeles aus und setzte alle möglichen Filmstocks ein, um die richtige Kombination für den Film zu finden. Obwohl das anamorphische Widescreen-System mehr Licht beansprucht und nicht allzu viel Tiefe liefert, gefällt Deming die gesamte Komposition, die Farbsättigung und die vollständige Nutzung des Negativs. Er schwächte das Licht ab und machte es weicher, indem er Seidenstrümpfe über die Objektive drapierte. Den Rückblenden verlieh er eine völlig gegensätzliche Qualität. Sie wurden auf positivem Filmmaterial gedreht. Zusätzlich zu den zahlreichen Aufnahmen mit Steadicam und Schwenks auf Schienen gibt es eine aufwendige Einstellung, die mit Motion-Control erzielt wurde und einen Zeitsprung von Nacht zu Tag erlaubt. So kann in einer Einstellung zuerst der Ripper vor seinem Opfer stehen und Stunden später, an der gleichen Stelle, Inspektor Abberline.

Deming arbeitete bei der Realisierung der filmischen Vision nicht nur eng mit den Hughes-Brüdern, sondern auch mit Ausstatter Martin Childs und Kostümdesignerin Kym Barrett zusammen. Barrett meint, dass das Feeling der Geschichte eher einem modernen Mystery-Thriller entspricht. "Obwohl From Hell in der Vergangenheit angesiedelt ist, ist der Film sehr aggressiv und hip. Das ist definitv kein vermoderter Ausflug ins viktorianische Zeitalter", meint sie. "Vielmehr wird eine ausgedachte Realität geboten, die sich aus den sehr schrägen Perspektiven einiger ziemlich kaputter Figuren zusammensetzt. Vor allem Abberline und Jack the Ripper betrachten die Welt durch den Zerrspiegel ihrer eigenen Abhängigkeiten."

Barrett sammelte sich ihre Recherchematerialien in Bücherei-Dokumenten und Fotos zusammen. Besonders wertvoll waren zwei Portfolios eines britischen Fotografen, der das Leben der einfachen Leute im 19. Jahrhundert mit seiner Kamera festgehalten hatte - sehr ungewöhnlich für diese Zeit. "Fotografie und Literatur dieser Epoche setzten sich ausschließlich mit der Oberschicht auseinander", sagt sie. "Die Unterprivilegierten spielten weder in der Kunst noch in der Gesellschaft eine Rolle. Sie wurden im Grunde komplett ignoriert."

Die Frauen waren in ihrer Bewegungsfreiheit extrem eingeschränkt. Die kunstvolle, einengende Kleidung der damaligen Zeit war einer der Gründe, warum Liz Stride keine Chance hatte, ihrem Mörder zu entkommen. Barrett berichtet: "Diese Frauen wurden stigmatisiert wegen ihres unakzeptablen Lebensstils und der dazugehörigen Kleidung. Und schließlich wurden ihnen die Korsette und Schichten von Kleidern auch noch zum Verhängnis, weil man in ihnen weder fliehen noch sich verteidigen konnte."

Barrett entwarf eine große Bandbreite an Kostümen, die sich von der verschwenderischen Garderobe Königin Victorias zu den dreckbeschmutzten Lumpen der Bewohner von Whitechapel erstreckte. Mary Kelly, Kate Eddowes, Liz Stride und Dark Annie Chapman besitzen jeweils nur ein Kleid, das mit Hüten und Schmuck akzentuiert wird. Heather Graham sagt: "Das war unser alltäglicher Witz unter uns Schauspielerinnen: Na, was ziehst du denn heute an? Hmm, mal sehen. Ich glaube, ich ziehe das eine Kleid an, das ich besitze!" Weil man ihren Filmfiguren so entsetzlich brutale Gewalt zufügt, mußsten die Designerin und ihr 14-köpfiges Team einige Duplikate für jedes der Kleider anfertigen. Barrett, die davor bereits mit einem anderen Filmemacher-Brüderteam gearbeitet hatte (mit den Wachowskis an Matrix, bereitete sich in London mit dem bekannten Kostümverleiher John Bright auf den Film vor. Gemeinsam schneiderten, liehen oder kauften sie mehr als 400 Kostüme. Sie setzte ganz bestimmte Farben, vor allem Rot, ein, um die Spannung und Sinnlichkeit der Geschichte perfekt zu unterstützen.

Für Inspector Abberline entwarf sie einen einfachen schwarzen Anzug, der gleichzeitig die Trauer um seine verstorbene Frau, seinen Wunsch nach Unauffälligkeit und sein allgemeines Desinteresse an seinem Äußeren versinnbildlicht. Sir William Gull legt dagegen ausgesprochen viel Wert auf jedes Detail. Er ist stets makellos bekleidet. Der Ripper wiederum kleidet sich mit großem Flair, um, so Barrett, "einen Weg zu finden, sich in seinen immer groteskeren Zwängen nicht vollends zu verlieren".

Ein kurzer Blick in das Heim des Rippers gipfelt in einer Kamerafahrt, die sich von dem in den Spiegel blickenden Ripper zu einem Gemälde an der Wand bewegt, das als Großaufnahme gezeigt wird. Dabei handelt es sich um William Hogarths "Die Früchte der Grausamkeit" aus dem Jahr 1751. Man sieht darin einen großen Raum voller Männer, die lüstern einen auf dem Rücken liegenden nackten Körper betrachten, den Kopf in einem Schraubstock, der unerträglichen Foltern ausgesetzt ist.

Streifzug durch Tschechische Schlösser - Die Locations von From Hell Die zuvor geschilderte Szene wurde im Schloss Hrádek gedreht, das eineinhalb Stunden von Prag entfernt liegt. Hrádek ist ein Bau der mitteleuropäischen Gotik mit dunklem Holzinterieur und merkwürdigen Kunstwerken, die den exzentrischen Geschmack des Rippers widerspiegeln. Es ist eines von sechs Schlössern, die im Film eingesetzt werden.

Im Opo?cno-Schloss, Ort des ersten Drehtags, wurde die Szene gefilmt, in der Königin Victoria und Lord Hallsham "ein Problem" diskutieren, das die gesamte Handlung in Bewegung setzt. Im zehnten Jahrhundert als slawisches Fort gebaut, wurde Opo?cno 1425 von den Hussiten angegriffen und schwer beschädigt. Nachdem es in den folgenden Jahrhunderten immer wieder den Besitzer wechselte, fiel es 1634 dem Heiligen Römischen Reich zu und wurde später von der aristokratischen Familie Colloredo übernommen. Im 18. Jahrhundert wurden barocke Renovierungen vorgenommen. Heute ist es komplett mit mittelalterlichen und asiatischen Waffen, Renaissance-Gemälden, böhmischem Kristall, Glasarbeiten aus Venedig und zahlreichen Tiertrophäen und Fellen angefüllt.

Schloss Minisek, 45 Minuten von Prag entfernt, war die vielseitigste und nutzvollste Location für die Produktion. Sieben verschiedene Sets konnte man dort errichten: die Büroräume und die Residenz von Inspector Abberline, die Verhörzelle und das Aktenlager der Special Branch, die königlichen Ställe von Königin Victoria, Netleys Apartment und eine verwahrloste Bude im East End.

Das Prager Schloss, eine der beliebtesten Touristenattraktionen Europas, diente als beeindruckende Außenlocation (für eine Explosion im Hauptquartier der Special Branch) und stellte in der Bibliothek zudem zwei wunderbare Innensets. Herrliche Fresken finden sich an der Decke, das Dekor ist atemberaubend; tausende Bücher, bisweilen mehrere hundert Jahre alt, sind dort untergebracht. Die bestens gesicherte Örtlichkeit konnte dank ihrer zahlreichen Räume als Studienzimmer von Königin Victoria im Buckingham Palace und als Bibliothek, in der Abberline die Geheimnisse der Freimaurer recherchiert, genutzt werden.

"Das ist eine spektakuläre Location", sagt Martin Childs. "Es ist eine typisch mitteleuropäische Bibliothek, die wir mit allen möglichen Stilen und weltlichen Kunstwerken ausstatteten, sozusagen Überbleibsel des britischen Empire-Stils. Das Studienzimmer der Queen ist voller chinesischer Ornamente."

Schloss Doksany, vormals ein Jesuitenkloster, wurde als Totenhalle eingesetzt, in der Abberline den Körper des ersten Opfers im Film, Martha Tabram, untersucht.

Schloss Kacina gilt als wichtigstes Schloss des Empire-Stils in Böhmen. Erbaut von 1806 bis 1818, war das 17-Zimmer-Schloss Zuhause einer der ältesten tschechischen Adelsfamilien, der Choteks, deren Stammbaum sich bis ins Jahr 1181 zurückverfolgen lässt. Hier wurde ein Geheimtreffen der Freimaurer gefilmt, bei dem die Verschwörung initiiert wird, die die Schreckensherrschaft des Rippers möglich macht.

Kacina liegt in der Stadt Kutná Hora, wo sich auch eine legendäre Kirche aus menschlichen Knochen befindet. Die viktorianische Architektur dieser Gemeinde war die geeignete Kulisse für eine Londoner Straßenszene mit Johnny Depp und Heather Graham. Dutzende von Schulmädchen im Teenageralter schlenderten vorbei, ohne zu wissen, dass sich ihr Liebling Johnny Depp inmitten der Schauspieler und Statisten der Szene aufhielt. Kutná Hora kommt oft als Location bei Drehs in der Tschechischen Republik zum Einsatz. Der beste Beweis dafür ist das Scoutteam von "The Affair Of The Necklace" (2001), das während des Drehs von From Hell später am Tag vorbeischaute.

Das Wirtschaftsinstitut von Prag, in dem Madeleine Albright während des Gipfeltreffens im Jahr 1994 untergebracht war, diente als Polizeihauptquartier von Sir Charles Warren. Das 1871 errichtete Gebäude ist eine Kopie Versailles, allerdings in einem kleineren Format, und war ironischerweise einst ein Waisenhaus der Freimaurer.

Zu weiteren wichtigen Drehorten gehören der Olsany-Friedhof, wo Abberline erstmals Mary Kelly trifft - einer der wenigen Friedhöfe in Tschechien, der nach Ansicht von Childs für einen Friedhof des protestantischen England gehalten werden kann; eine Lagerhalle in Spalovna Vysocany, die für Innenaufnahmen in einem Hospital eingesetzt wurde, in dem Abberline Dr. Gull aufsucht; und das berühmte Nationalmuseum am Wenzelsplatz, einer der beliebtesten Treffpunkte während der Samtenen Revolution im Jahr 1989. Das beeindruckende Innere des Museums dient als Kulisse für eine Benefizveranstaltung, bei der Abberline erstmals auf Dr. Gull trifft. Der Ehrengast dieser Veranstaltung? Niemand Geringerer als John Merrick, der Elefantenmensch.

Merricks Auftritt ist eine witzige Episode, die auf mehr als einem bloßen Zufall beruht, wie Albert Hughes erklärt: "Merrick lebte in einer Wohnung, von der aus man die Tatorte zu Fuß erreichen konnte. Tatsächlich wurde er in einem Krankenhaus am Ende der Straße versorgt. Es gibt in diesem Fall einige merkwürdige Verbindungen zu ihm."

Die Entwicklung dieser bemerkenswerten Figur war eine der beeindruckendsten Leistungen von Millennium Effects. Ihr erfahrenster Techniker, Anthony Parker, fungierte als lebende Leinwand bei der Erschaffung dieses grotesk verunstalteten Mannes. Millennium studierte ganze Bände mit Untersuchungen des London Hospital und erhielt die Erlaubnis, sich die Körperformen Merricks anzusehen. Es dauerte sechs Stunden, die in mehrmonatiger Arbeit hergestellten Prothesen an Parkers Körper anzupassen. "Es ist das erste Mal, dass ein Filmpublikum den Elefantenmensch in Farbe und so detailgenau zu sehen bekommt", sagt Steve Painter. "Er ist wunderbar in die Handlung verwoben und unterstützt den gewünschten historischen Effekt." Außerdem unterstreicht er die Faszination der Gesellschaft für alles Merkwürdige.

Die Innensets von Whitechapel, die in den Hostivar-Studiohallen in Prag aufgebaut wurden, umfassen das Ten Bells Pub, wo sich Mary Kelly und ihre Freundinnen die meiste Zeit treffen, um der eiskalten Nachtluft zu entkommen; eine chinesische Opiumhöhle, in der Abberline seine hellseherischen Visionen hat; und Miller's Rents, eine winzige und triste Wohngelegenheit, wo die Frauen häufig ein einziges enges Bett teilen.

Ausgerechnet in Raum 13 dieser Behausung wurde das letzte und am schrecklichsten zugerichtete Opfer des Rippers gefunden. Es war die letzte bekannte Bluttat eines Wahnsinnigen, der seine Zerstörungslust an denen ausließ, die sich am wenigsten wehren konnten.

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