Produktionsnotizen zu Greenfingers - Harte Jungs und zarte Triebe

1998 erschien in der "New York Times" der Artikel "Free To Grow Bluebells In England" von Paula Deitz, der von englischen Strafgefangenen handelte, die sich als Gärtner betätigten. Diese Zeilen inspirierten Regisseur Joel Hershman zu dem Drehbuch von "Greenfingers".

Der Film wurde in fünf Wochen an britischen Schauplätzen in Cotswolds und Surrey gedreht. Als Gefängnis verwendete die Produktion die Yehudi Menuhin Musikschule in Surrey. Der bereits für den Oscar nominierte Produktionsdesigner Tim Hutchinson begründet diese Wahl: "Die Schule war einfach perfekt. Da sie moderne Architektur und alte Gebäude miteinander verbindet, ähnelte sie von außen einem offenen Gefängnis. Wir mußsten uns nur noch Schuppen und Gewächshäuser ausdenken."

Buchstäblich im letzten Augenblick, etwa eine Stunde bevor die Dreharbeiten beginnen sollten, fanden Hershman und sein Location-Manager Ben Rimmer den Ort für eine der Schlüsselszenen des Films: Durch puren Zufall entdeckten die beiden eine abgelegene, leicht herunter gekommene Scheune mit steinerner Treppe und auch mit dem Raum, in den Colin nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis einzieht.

Bei der Entstehung des Films zeigte sich der Wettergott ausgesprochen gnädig: Statt des notorisch feuchten, kühlen Klimas herrschte an den Drehorten für die Außenaufnahmen in England nahezu konstant sonniges Wetter.

Die Aufnahmen vom Wettbewerb entstanden 1999 am Originalschauplatz in Hampton Court, wo sich die Organisatoren bereit erklärten, das Drehteam nach Kräften zu unterstützen. "Sie waren einfach fantastisch," sagt Produzent Daniel J. Victor. "Ohne sie wäre der Film nicht zu realisieren gewesen. Es ist ihnen hoch anzurechnen, dass sie sehr schnell die positive Botschaft des Films erkannt haben."

Als die offizielle Drehgenehmigung für die Hampton Court Palace Flower Show erteilt war, galt es die offensichtliche Hürde zu nehmen, einen Garten zu gestalten, der des Wettbewerbs würdig sein würde. Die Abteilung für Produktionsdesign konsultierte Spezialisten für Gartengestaltung aus der Filmindustrie und fand die Pflanzen heraus, die bei der Show am besten ankommen. "Der größte Haken an der Angelegenheit war," so erinnert sich Tim Hutchinson, "dass die meisten Teilnehmer an der Hampton Court Show schon neun Monate zuvor mit den Vorbereitungen beginnen, und wir kaum sechs Wochen Zeit für Entwurf und Ausführung hatten."

"Einige Mal stolperten Leute aus dem normalen Publikum in der Annahme in unseren Film-Garten, wir würden am Wettbewerb teilnehmen," erinnert sich die ausführende Produzentin Trudie Styler. "Und sie versicherten uns, dass es ziemlich ungerecht sei, dass wir nicht den ersten Platz gemacht hätten."

Regisseur Joel Hershman und die Produzenten Daniel J. Victor und Travis Swords, allesamt US-Bürger, waren begeistert von der Warmherzigkeit und dem Engagement ihres britischen Teams. "Ich habe es sehr genossen, in England zu drehen," meint Hershman. "Der Stab bestand nicht nur aus vollendeten Fachmännern, sondern alle waren auch ganz schrecklich zivilisiert - Teepausen und all so was, na ja, Sie wissen schon."

Zu den Lieblingsszenen von Regisseur Hershman zählen die Aufnahmen von der Gala-Nacht: "Da haben wir einen verurteilten Mörder, der eine piekfeine junge Dame küsst, während hinter ihnen ein Feuerwerk abbrennt. Für mich ist das so ein magischer, romantischer Kino-Augenblick, der normalerweise ungebrochenen Filmhelden vorbehalten bleibt. Ich glaube, das ist das Interessante am Leben schlechthin: Jedem kann alles passieren."

Dirk Jasper FilmLexikon
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