Produktionsnotizen zu Was nicht passt, wird passend gemacht

Eigentlich ist die Realisierung von Was nicht passt, wird passend gemacht einem großen Zufall zu verdanken. Und dieser geht auf das Jahr 1996 zurück. Damals war Peter Thorwarth Student an der Münchner Filmhochschule und suchte gerade nach jemandem, der sein Kurzfilmprojekt "Was nicht paßt, wird passend gemacht" produzieren wollte. Schließlich erklärte sich Christian Becker bereit, die Sache in die Hand zu nehmen, obwohl er selbst gerade mit Iris Berben und Katharina Böhm den aufwändigen Kurzfilm "Living Dead" von Dennis Gansel produzierte.

Becker erinnert sich: "Ich komme aus Krefeld, das liegt zwischen Duisburg und Düsseldorf, also hatte ich eine Art Verpflichtung, diesen Film umzusetzen. Und dann haben wir in sehr kurzer Zeit diesen Film besetzt. Ralf Richter kannten wir schon und dann konnten wir auch Diether Krebs überreden mitzumachen." Der Kurzfilm als Basis Als der Kurzfilm zahlreiche Preise - darunter auch eine Nominierung für den Studenten-Oscar® - gewinnen konnte, kam schon bald die Idee auf, daraus eine Langfassung zu machen. Aber Thorwarth wollte erst einmal nicht wieder etwas über Bauarbeiter machen und entschied sich, gemeinsam mit Christian Becker Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding zu realisieren. Während Thorwarths Leinwand-Debüt auf dem Filmfest München mit dem Förderpreis der HypoVereinsbank ausgezeichnet und von Publikum wie Kritik gleichermaßen euphorisch aufgenommen wurde, entwickelte Becker bereits mit dem Autoren-Duo Mathias Dinter und Martin Ritzenhoff das Drehbuch zu Was nicht passt, wird passend gemacht. Natürlich war Diether Krebs, der im Kurzfilm den Willi Wiesenkamp spielt, auch für die lange Version fest eingeplant. "Doch", so Becker, "leider ist Diether acht Monate vor Beginn der Dreharbeiten gestorben, worauf wir das Ding erst mal sein lassen wollten. Dann haben wir aber überlegt, dass wir zu Ehren von Diether Krebs weitermachen und die Rolle in seinem Sinne besetzen wollen." Die Villa von Billy Reina Gedreht wurde Was nicht passt, wird passend gemacht vom 25. August bis zum 19. Oktober 2000 an Schauplätzen in Unna, Dortmund und Umgebung. Dabei wurde das Team insbesondere bei der Suche nach einem geeigneten, halb fertigen Haus, das als Baustelle von Werner Wiesenkamps Bruder Ernst dienen konnte, auf eine harte Probe gestellt. Nachdem man im ganzen Ruhrgebiet einfach nicht fündig wurde, kam den Filmemachern der Zufall zu Hilfe. Peter Thorwarth fand schließlich in der Nähe von Unna das Haus des Dortmunder Stürmers Billy Reina: "Obwohl wir beide in der gleichen Kleinstadt aufgewachsen sind und ich mal für zwei Monate in der C-Jugend von Rot-Weiß Unna gespielt habe, sind wir uns nie bewusst über den Weg gelaufen. Billy hat das Grundstück direkt neben dem eines Kumpels von mir gekauft.

Als wir so beim Grillen im Garten saßen und ich von Was nicht passt, wird passend gemacht erzählte, fiel uns gleich der Rohbau ins Auge. Später hat unser Location Scout noch nach Alternativen gesucht, aber nichts Vergleichbares gefunden. Also habe ich Billy gefragt - für mich als Dortmund-Fan war das eine willkommene Gelegenheit. Der Rest war dann kein Problem mehr."

Dank der großzügigen Finanzierung durch die Filmstiftung NRW, der Filmförderungsanstalt und den Koproduzenten Senator Film Produktion stand den Produzenten von Was nicht passt, wird passend gemacht ein Budget von rund 5,4 Millionen Mark zur Verfügung. Doch Christian Becker gibt zu: "Es war viel Geld, aber am Ende hat es nicht ganz gereicht. Weil wir den Film noch weiter verbessern und mit neuen Gags spicken wollten, haben wir einiges nachgedreht. Dafür sind wir jetzt mit dem Resultat um so zufriedener."

Auch wenn der Spätsommer des Jahres 2000 nicht gerade von strahlendem Sonnenschein geprägt war, so konnten die Dreharbeiten doch ohne größere Wetterprobleme durchgeführt werden. Flexibilität und Spontaneität bewiesen Becker und Thorwarth allerdings schon am ersten Arbeitstag, an dem die Gartenparty gedreht wurde. In der Eröffnungsszene des Films ist Heinrich Schafmeister als Stadtrat zu sehen. "Wir haben uns über ihn kaputtgelacht," amüsiert sich Becker, "über seinen spießigen Bart und wie er das rübergebracht hat. Deshalb haben wir schon am nächsten Wochenende beschlossen, ihn im Film nochmals auftauchen zu lassen." Tatsächlich hat Thorwarth kurzerhand eine neue Szene geschrieben. Um diese Änderung zu realisieren, wurden 60 Mann umdisponiert und ein Wochenendtag extra genommen. "Heinrich war so begeistert davon, dass er den Tag umsonst gespielt hat", erinnert sich Becker.

S für Siegel Bei einem der Nachdrehs kam es zu einem witzigen Zwischenfall. Mit kleinem Team wurde im Garten der Was nicht passt, wird passend gemacht-Maskenbildnerin eine Szene der Grillparty gedreht. Peter Thorwarth: "Wir hatten ein Videotape dabei, um die Anschlüsse von der bereits geschnitten Szene zu checken. Dummerweise war der Videorecorder im Haus kaputt. Also ging ich mit der Kassette zu den Nachbarn. Nach drei Absagen kamen wir an eine große, weiße Villa mit einem goldenen S über dem Eingang. Sah ziemlich übertrieben aus. Ein älterer Herr machte uns die Tür auf. Ein gläserner Fahrstuhl führte in den Keller und die Wände hingen voll mit goldenen Schallplatten. Bereitwillig führte uns der Mann zu seinem Bang & Olufsen-Fernseher. Nach fünf Minuten haben wir uns dann auch schon wieder verabschiedet. Erst die Maskenbildnerin klärte uns dann auf, dass in der Villa Ralph Siegel wohnt." Digitale Zauberkiste Im Ruhrgebiet kann man sich bekannterweise nie ganz sicher sein, ob man festen Boden unter den Füßen hat. Schließlich findet man dank Kohlebergbau fast an jeder Ecke einen Stollen. Diese Eigenheit haben auch die Macher von Was nicht passt, wird passend gemacht für einen netten Trick verwendet. Denn am Ende des Films sackt das Haus von Ernst Wiesenkamp in sich zusammen. Für diesen Effekt mußste man natürlich in die digitale Zauberkiste greifen. Dazu Regisseur Thorwarth: "Das gesamte Haus ist im Maßstab 1:10 nachgebaut worden. In einer großen Halle in Berlin haben wir dann das Modell versinken lassen. Das Werk, das auch schon für die digitalen Effekte zu Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding verantwortlich war, hat die Modellszenen mit dem realen Bildmaterial im Computer zusammengebaut." Und nicht ohne Stolz fügt er hinzu: "Kamerafrau war übrigens Anna Förster, die bei Roland Emmerichs 'Independence Day' das Weiße Haus gesprengt hat, cool oder?" Offen und ehrlich Wie schon in Peter Thorwarths Leinwand-Debüt Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding kommt auch in Was nicht passt, wird passend gemacht den verschiedenen Charakteren eine enorm wichtige Bedeutung zu. Produzent Becker weiß denn auch um die Qualitäten seines Regisseurs: "Peter ist ein Meister, die Figuren aus dem Ruhrgebiet so zu zeichnen und zu zeigen, wie sie jeder kennt. Ob Bauunternehmer, Schwarzarbeiter oder Frauenheld - sie alle kommen bei ihm einfach wahnsinnig ehrlich und offen rüber. Deshalb liegen sie mir auch so am Herzen."

Von Anfang an war klar, dass Ralf Richter und Willi Thomczyk ihre Rollen aus dem Kurzfilm auch in der langen Version wieder übernehmen würden. Da die Filmemacher jedoch der Meinung waren, dass sich die Figuren von Richter und Ömer Simsek zu sehr ähneln - beide verkörpern im Kurzfilm durchtrainierte Frauenhelden -, fiel die Wahl schließlich auf Hilmi Sözer. Man machte sich diese Entscheidung nicht leicht, aber, so Becker: "Wir wollten drei verschiedene Charaktere, den älteren Witwer, den Frauenhelden und eben den türkischen Familienvater."

Die Rolle von Diether Krebs wurde in Was nicht passt, wird passend gemacht durch einen geschickten dramaturgischen Kniff nicht wieder besetzt. Denn Dietmar Bär spielt nicht Krebs' Figur Willi Wiesenkamp, sondern dessen Sohn Werner. Belegt wird dies im Film durch eine Fotomontage, auf der man Diether Krebs alias Wiesenkamp gemeinsam mit seinen Söhnen Werner und Ernst (Jugendbilder von Dietmar Bär und Michael Brandner) sieht. Trotzdem war es nicht leicht, Dietmar Bär für die Rolle zu gewinnen, erinnert sich Christian Becker: "Er hatte zunächst Bedenken, in Diethers Fußstapfen zu treten. Der Anspruch war groß. Aber das, was Dietmar geschafft hat, ist nicht nur eine eigene Interpretation der Rolle, sondern auch eine Weiterentwicklung. Wir sind wahnsinnig stolz darauf, was Dietmar geleistet hat."

Stocksteifer Spießer gesucht Weitere Schlüsselrollen kommen Horsts Tochter Astrid sowie dem schüchternen Architekten Philipp zu, die sich im Lauf der Geschichte ineinander verlieben. Astrid wird gespielt von Alexandra Maria Lara, die bereits in der Becker/Häberle-Produktion "Südsee, eigene Insel" als Tochter von Herbert Knaup zu sehen war. Doch die Filmemacher selbst kamen gar nicht auf die nahe liegende Idee, bei Lara anzufragen. Dazu Becker: "Es war ein Schulfreund von Peter Thorwarth aus Unna, der uns vorschlug, Alexandra Maria Lara zu besetzen. Wir selbst hatten in dem Moment gar nicht daran gedacht. Es war wohl einfach zu offensichtlich. Sie hat schließlich sofort zugesagt, ohne das Buch zu kennen."

Die Rolle von Philipp zu besetzen, gestaltete sich zunächst etwas schwierig. Das lag vor allem daran, dass - so Becker - "Peter eine sehr genaue Vorstellung von diesem stocksteifen Spießer hatte. Denn er kennt diesen Menschen persönlich. Leider konnte beim Casting keiner der Darsteller diese Figur adäquat spielen. Und so haben wir aus der Not eine Tugend gemacht, und Peter hat die Rolle wie auch schon im Kurzfilm schließlich selbst übernommen. Und ich finde, er hat das wirklich prima hingekriegt."

Und was unterscheidet die lange Version nun eigentlich von der kurzen? Christian Becker: "Der Kurzfilm ist eine Art gespielter Witz, alles zielt nur auf diese Pointe ab. Davon wollten wir uns klar differenzieren, verabschieden und etwas Vielschichtigeres bringen. Und so ist eine Arbeiter-Komödie entstanden - ein Milieu-Studie aus dem Ruhrgebiet, mit viel Herz und Charme, aber nicht ganz so böse wie der Kurzfilm."

Dirk Jasper FilmLexikon
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