Produktionsnotizen zu Schiffsmeldungen
Über die Story Schiffsmeldungen basiert auf dem Pulitzerpreis gekrönten Roman von E. Annie Proulx und erzählt die ergreifende Geschichte eines Mannes, dessen Leben so lange von Schmerz und Verlust beherrscht wird, bis er nach Neufundland aufbricht, um in der zerklüfteten wie schönen Heimat seiner Ahnen Seelenfrieden und eine Zukunft zu finden. Lasse Hallström beschreibt, warum er den Stoff inszenieren wollte: "Annies Erzähltalent ist grenzenlos, es reicht vom Drama über die Komödie bis zur Farce, mischt Triviales und Faktisches und gefiel mir am meisten, weil Menschen hier ehrlich und realistisch gezeichnet sind. Es ist eine Geschichte vom Erwachen eines Mannes, der ohne Respekt für sich gelebt hat und Selbstwertgefühl erst als erwachsener Mann entdeckt. An solchen Außenseitern bin ich interessiert, weil ich die Situation kenne und mich mit ihnen identifizieren kann. Letztlich ist das der Hauptgrund, warum ich Filme mache: Um zu zeigen, dass die Menschen mit ihren komplexen Gefühlen nicht allein auf der Welt sind."

Alle weiteren Beteiligten an dem Projekt hatten keinen Zweifel daran, dass der Regisseur von "Mein Leben als Hund" oder "Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa" der denkbar beste Mann für diese komplexe Familiengeschichte wäre. Produzentin Leslie Holleran: "Lasse ist einer unserer großen Humanisten, der die wunderbar imperfekte Natur der Menschen liebt. Er beherrscht es seit "Mein Leben als Hund", unsere Stärken, Schwächen und Widersprüche zu untersuchen und menschliche Emotionen auf anrührende und authentische Weise freizulegen." Kevin Spacey als Darsteller der Hauptfigur Quoyle ergänzt: "Niemand versteht die Dynamik in Familien so gut wie Lasse und Schiffsmeldungen ist im Herzen nicht nur eine Story über Quoyles Selbstfindung und sein ungenutztes Potenzial, sondern eine Geschichte über Familienverbindungen, die über Generationen gestrickt werden und uns als Menschen definieren."

Während des Adaptionsprozesses mußsten die Filmemacher einige Nebenplots und periphere Figuren aus dem Roman auslassen, um eine kompaktere Filmstruktur zu ermöglichen - zum Beispiel wurden Quoyles zwei Töchter im Buch zu einem Kind im Film reduziert. An Quoyles Charakteristika wurde indes nicht geändert. "Davon abgesehen", räumt Hallström ein, "dass unser Quoyle schon von Beginn an etwas mehr innere Stärke haben könnte, die aber durch Misshandlungen unterdrückt wurde. Seitdem ist alles bei ihm verinnerlicht. Er leidet still - aber er heilt auch unmerklich, ohne Emotionen, was sehr schwer zu spielen war und absichtlich unterkühlt inszeniert werden mußste." Kevin Spacey zu dieser Arbeit: "Ich habe noch nie eine solche Figur gespielt, und Quoyle hat keinen ironischen Knochen in seinem Körper. Die Herausforderung bestand darin, ihm jede Aktivität zu nehmen. Er reagiert nur. Er lebt nicht, sondern lässt sich vom Leben treiben."

Nicht minder sorgfältig widmeten sich die Verantwortlichen von Schiffsmeldungen den familiären Konflikten in der Geschichte - angefangen bei Quoyles Demütigung durch seine Eltern bis zum Hineinwachsen in die eigene Vaterrolle. Produzentin Holleran: "Lasse hat sich in allen Fil-men den Schmerzen und Schwierigkeiten der Kindheit gewidmet, und hier schien es uns am besten, Quoyles erdrückende Vergangenheit durch Träume zu versinnbildlichen, die in seinen Alltag hineinragen und ihm sprichwörtlich die Luft zum Atmen rauben. Dadurch verstehen wir auch besser, warum es Quoyle als Vater an Aufmerksamkeit und Kommunikationskraft mangelt. Und darum gaben wir seiner Tochter Bunny auch die Gabe der Intuition - oder machten sie zur "Sensiblen", wie sie auf Neufundland sagen. Indem sie Orte, Geschehnisse und Menschen ohne Worte erspüren kann, besitzt sie auch ein unsichtbares Band zur Vergangenheit und zum Bewusstseinsstrom ihres Vaters."

E. Annie Proulx über Neufundland und einige Fakten zur Insel Neufundland ist eine Insel vor der kanadischen Ostküste und wurde von Schiffsmeldungen-Autorin E. Annie Proulx entdeckt, als sie über eine Karte der Insel stolperte und sich an viel versprechenden Ortsnamen ihre Fantasie entzündete. Dead Man's Cove, Seldom Come Bay, Bay of Despair, Exploits River, Plunder Beach - voller Neugier auf die Geschichten und Geheimnisse hinter den Titeln stattete Proulx der Insel einen Besuch ab, verliebte sich sofort in die raue Schönheit des Landstriches wie auch in den kauzigen Humor der Menschen und recherchierte Soziologie, Historie und Kultur Neufundlands bei einem Dutzend weiterer Besuche.

"Ich habe nur zugehört", beschreibt die Autorin, "und mich treiben lassen, habe an Tischen gesessen oder bin mit Booten hinausgefahren. Überall begannen Gespräche mit Einheimischen - sie sind alle gute Erzähler, und jeder hat eine gute Geschichte." Lasse Hallström ging es bei der Vorbereitung für die Schiffsmeldungen-Verfilmung ähnlich an. "Nach einem Besuch", sagt er, "war mir klar, dass die Insel als Drehort durch nichts zu ersetzen wäre, weil das Land so viele Impulse für Ideen oder visuelle Entscheidungen beisteuerte. Es war ein wirklich einmaliges Erlebnis, hier zu arbeiten und sich von den Menschen inspirieren zu lassen."

Fakten zu Neufundland Die Geografie:
Neufundland ist eine dreieckig geformte Insel von 112.000 Quadratkilometern Größe vor der nordöstlichen Küste des nordamerikanischen Kontinents.

Die Historie:
Es wird angenommen, dass Neufundland zuerst von Beothuck Indianern bewohnt wurde, die über die Beringsee aus östlichen Regionen, möglicherweise aus Malaysia, nach Amerika gereist waren - auf der Flucht vor kriegerischen Stämmen, bis sie Neufundland als sicheren Hafen fanden. Nachdem Siedler aus Grönland, Frankreich und Spanien schon vereinzelt neufundländische Gestade erreicht hatten, wurde die Insel 1847 von John Cabot vereinnahmt, der Route, Insel und exzellente Fischfanggründe für die britische Krone in Besitz nahm obgleich an der Küste bereits rund tausend baskische Fischfangboote lagen. Nach Jahren des Streits gaben die Franzosen ihre Ansprüche an Neufundland für ein Küstenstück in Afrika auf. 1949 ging Neufundland nach einem hart umkämpften Referendum in kanadisches Gebiet über.

Die Sprache:
Viele Leute sagen, dass Neufundlands Sprache und Kultur symptomatisch für die Lage der Inselhauptstadt St. John seien. Diese liegt nämlich an der nordöstlichen Spitze des Landes und damit so weit weg von Kanada und Amerika wie möglich, sich förmlich gen Europa reckend. Was erklärt, dass auf Neufundland ein sehr eigener englischer Dialekt gesprochen wird, der stark an britische und irische Vorfahren erinnert.

Die Wirtschaft:
Die Bürger der Provinz leben fast ausschließlich vom Fischfang.

Die Architektur:
Quoyles Haus in Schiffsmeldungen ist ein klassisches Beispiel für den Baustil auf Neufundland - um Winden von über hundert Meilen pro Stunde standzuhalten, müssen die Häuser mit Tauen befestigt werden.

Das Wetter:
Von allen kanadischen Städten herrscht in Neufundlands größter Stadt St. John der meiste Nebel (im Schnitt 124 Tage im Jahr), der meiste Schnee (359 cm), der heftigste Niederschlag (1514 mm), der stärkste Wind (24.3 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit) und die häufigste Bewölkung (nur 1497 Sonnenstunden jährlich). Neufundland genießt überdies die Reputation als stürmischster Flecken des Kontinents.

Die Charaktere Schiffsmeldungen ist reich an ungewöhnlich titulierten Figuren wie Petal Bear, Wavey Prowse, Beety oder Nutbeem. Doch die Erklärung ist einfach - Autorin Proulx blickte einfach in ein neufundländisches Telefonbuch und suchte fünfzig, sechzig Lieblingsnamen heraus, um Authentizität zu garantieren. Wie er diese reichhaltigen Charaktere adäquat auf die Leinwand brachte, beschreibt Regisseur Lasse Hallström im Folgenden: "Ich komme von der Filmemacherschule eines Milos Forman, John Cassavetes oder Ken Loach - das heißt, dass ich nach ständiger schauspielerischer Entwicklung strebe und Improvisationen anrege. Oft treffe ich daher kreative Entscheidungen erst in letzter Minute, um einer Szene ihre Frische zu bewahren - dieser Ansatz enthält auch das Vertrauen in die Schauspieler, deren Ideen auf jedem Level willkommen sind: in Performance, Story oder bei Dialogen."

Über die Nuancen seiner Figur des Quoyle und die Zusammenarbeit mit Lasse Hallström sagt der zweifache Oscar-Preisträger Kevin Spacey: "Ich war oft unsicher in Bezug auf Quoyle, denn die Veränderungen seines Wesens sind im Laufe der Geschichte so zart und subtil, ohne dass man sich an Schlüsselmomenten orientieren könnte. Es ist unabdingbar, die ganze Zeit jemanden wie Lasse zu haben, der einem nicht nur Orientierung verschafft, sondern auch die Sicherheit ausstrahlt, diese Einzelelemente am Ende organisch zusammenzufügen." Der bescheidene Hallström spielt den Ball zurück: "Kevin ist ein hochsensibler, intelligenter Schauspieler, der hier ein großes Maß emotionaler Ehrlichkeit ausstrahlen mußste und das Tag für Tag schaffte. Für ihn ist es ein spannender Part, da Kevin oft smarte, schlagfertige Figuren gespielt hat. Doch Quoyle ist enorm introvertiert, und als Schauspieler kann sich Kevin nicht auf verbale Ausdruckskraft verlassen."

In der Rolle von Quoyles verhängnisvoller explosiver Frau Petal Bear ist Cate Blanchett ("Elizabeth") zu sehen, die sagt: " Schiffsmeldungen ist großartig, weil dem Material jegliche Sentimentalität abgeht. Meine Funktion in der Geschichte ist es, ein schlechter Mensch zu sein, und als Schauspielerin konnte ich aus vollen Zügen genießen. Warum sich Petal ausgerechnet auf Quoyle stürzt? Ich denke, dass diese Frau in ihrem Leben alles tut, um so viel wie möglich so schnell und so leicht wie möglich zu bekommen. Das macht ihre Beziehung zu Quoyle sehr simpel. Sie will ihn und presst etwas Spaß heraus - doch für ihn folgen auf einen überraschend glücklichen Monat sechs Jahre des Leidens, als Petal seine Unentschiedenheit zu verachten beginnt und ihn bloß aus materiellen Gründen erträgt."

In Neufundland trifft Quoyle mit Wavey eine Frau, deren Güte und Geduld sie zum genauen Gegenteil von Petal machen und die von Julianne Moore verkörpert wird. Über Schiffsmeldungen sagt die Schauspielerin: "Der Film erzählt davon, wie Individuen in einer Gemeinschaft aufgenommen werden und Familien unser Sein prägen. Die Geschichte ist zudem sehr von dem Ort geprägt, an dem sie angesiedelt ist. Die Menschen hier besitzen eine spezielle Identität als Neufundländer, und abgehärtet durch Abgeschiedenheit und klimatische Bedingungen sind sie sich darüber im Klaren, so ziemlich alles aushalten zu können. Meine Figur der Wavey Prowse ist interessant, weil sie allem Anschein nach sehr offen und direkt ist, aber darunter ein Geheimnis verbirgt, das sie schwer belastet und Quoyles Schmerzen nachfühlen lässt."

Die dritte einflussreiche Frau in Quoyles Leben ist seine resolute Tante Agnis, die von Oscar-Preisträgerin Judi Dench dargestellt wird. Regisseur Hallström begründet die Besetzung: " Judi Dench ist eine meiner favorisierten Schauspielerinnen, und als ich letztes Jahr Chocolat mit ihr drehte, spürte ich, dass sie auch die Komplexität von Agnis perfekt erfassen würde. Diese Figur ist in Neufundland aufgewachsen, und das harsche Klima findet sich in ihrer Persönlichkeit wieder - sie ist unsentimental, praktisch, direkt, aber zugleich auch warmherzig mit einem gesunden Sinn für Humor." Dame Judi Dench ergänzt: "Ich will nicht zu viel über Agnis verraten, da sie sich ihre Geheimnisse sorgfältig bewahrt, aber nachdem ich in Neufundland ankam, war mir klar, warum jeder hier Geborene zu seinen Wurzeln zurückkehren würde - ganz gleich, wie dunkel diese Wurzeln auch sein mögen."

Den Besitzer der "The Grammy Bird"-Zeitung Jack Buggit spielt Scott Glenn, der wie ein guter Geist in die Story eintaucht und herausschwebt, bis er am Ende wirklich von einer gesunden Portion magischen Realismus gestreift wird. "Laut Lasse ist Jack eine Art Puppenspieler", erinnert Glenn, "der die Fäden zusammenhält und mit Weisheit durchaus auch die Menschen um ihn herum formt.

Er kann den Leuten gewissermaßen in die Seele blicken und nicht nur spüren, welche Ereignisse bevorstehen, sondern auch lebensverbessernde Wege für andere öffnen. Das mag damit zu tun haben, dass er viel Zeit auf See verbringt - ich bin ernstlich davon überzeugt, dass Menschen mehr Weitsicht entwickeln, die andauernd in der Natur leben." Zur redaktionellen Crew von Buggits Zeitung gehört in der Rolle des Pretty der kanadische Star Gordon Pinsent, der tatsächlich in Neufundland geboren und aufgewachsen ist. "Er ist die Seele Neufundlands", sagt Hallström lachend, "und eine solche Inspiration für jeden von uns, dass ich ihn am liebsten mit nach Hause genommen hätte."

Weiterhin gehört der seit "Notting Hill" bekannte Brite Rhys Ifans als Nutbeem in Schiffsmeldungen zur "Gammy Bird"-Redaktion und erklärt seine kuriose Figur wie folgt: "Nutbeem ist ein englischer Abenteurer, der ursprünglich von Brasilien aus ins multikulturelle Manhattan segeln wollte, bis er wegen fragwürdiger Navigationskünste in Neufundland ankam. Er ist exzentrisch, aber nie auf Effekthascherei aus." Den dritten Kollegen von Schiffsmeldungen - Kolumnist Quoyle spielt Pete Postlethwaite ("Im Namen des Vaters") als Tert X. Card, "der äußerst frustriert davon ist, den Laden zwar effektiv zu schmeißen, aber letztlich immer vom Verleger Jack Buggit abhängig zu sein - wobei das natürlich eine beidseitige Abhängigkeit ist, die beiden Männern als Triebfeder dient." Buggits Sohn Dennis wird von Jason Behr aus der US-Serie "Maxwell" gespielt, der mit Scott Glenn auch abseits des Set konzentriert an der prekären Vater-Sohn-Dynamik der Buggits arbeitete.

Die Entstehung des Films Produzentin Linda Goldstein Knowlton las E. Annie Proulx' Roman Schiffsmeldungen erstmals 1993, also noch bevor das Buch veröffentlicht wurde. "Annies einzige Bedingung beim Verkauf der Rechte bestand darin", erinnert Knowlton, "dass wenigstens ein Teil des Filmes auf Neufundland gedreht werden sollte. Von da an dauerte es ungefähr ein Jahr, bis ich Produktionsfirmen für den komplexen Stoff interessieren konnte - was nicht unwesentlich dadurch erleichtert wurde, dass der Roman den Pulitzer Preis, den National Book Award und den Irish Times International Fiction Preis gewann."

Für einige Jahre befand sich Schiffsmeldungen dann bei Sony in Entwicklung und wäre fast von Fred Schepisi mit John Travolta beziehungsweise von und mit Billy Bob Thornton verfilmt worden, bis die Deals im letzten Moment wieder platzten und der Stoff von Miramax übernommen wurde. Dort konnten Lasse Hallström und Kevin Spacey schnell vom Mitmachen überzeugt werden - der Star hatte schon seit sieben Jahren die Hoffnung gehegt, in Schiffsmeldungen zu spielen und ist heute davon überzeugt, "dass sich Geduld bei den ganz speziellen Stoffen auch über so lange Zeit auszahlt." Hallström wiederum fühlte sich beim Lesen des Romans an Motive aus "Mein Leben als Hund" erinnert und heuerte Chocolat-Drehbuchautor Robert Nelson Jacobs für die Adaption des Romans an. Die Dreharbeiten begannen dann am 12. März 2001 in Dartsmouth, Nova Scotia.

Das Design und die Location Obwohl die Crew von Schiffsmeldungen alle Innenaufnahmen und verschiedene Außenmotive in Dartsmouth abdrehte, ging das Team für einen Monat für Außendrehs nach Neufundland. Lasse Hallström erörtert die Gründe: "Ich bevorzuge Locations, denn die wahre Welt bietet mehr Ideen für den Kameramann, die Designer oder Schauspieler, was einfach nicht mit dem Kreieren einer visuellen Welt im Studio vergleichbar ist. Das gilt natürlich besonders für Neufundland, einer rauen entlegenen Gegend am Ende der Welt, die als metaphorischer Hintergrund der Story dient und Atmosphäre bietet, die unmöglich reproduzierbar wäre."

Produktionsdesigner David Gropman ergänzt: "Neufundland ist architektonisch und geografisch mit keinem mir bekannten Ort zu vergleichen, weil die extremen Kontraste zwischen Ozean und zerklüfteten Bergen ein noch naturalistischeres Küstenbild hervorbringen als etwa in Maine oder Nova Scotia. Zur Vorbereitung bereisten wir jeden Winkel der Insel per Auto, Flugzeug oder Boot, um uns von der Landschaft bei der Wahl der Drehmotive förmlich leiten zu lassen. So hatten wir am Ende gemeinsam mit der Newfoundland Film Corporation wahrscheinlich jeden bekannten und unbekannten Hafen auf Film gebannt, um Lasse die optimale Auswahl zu ermöglichen."

Insbesondere die Gemeinde New Bonaventure im Bezirk Trinity Bright hatte es dem Schiffsmeldungen-Team letztlich angetan - Trinity Bright liegt drei Stunden von der Hauptstadt St. John entfernt und beherbergt zwölf Gemeinden mit insgesamt rund 2000 Bewohnern, die mehrheitlich von Siedlern des britischen West Country abstammen. "Die Gebäude hier wurden seit dem 18. Jahrhundert kaum verändert", erläutert Location-Manager Charlie Harrington, "und von allen Orten, an denen ich je gearbeitet habe, war dies vielleicht der abgelegenste und magischste." Hallström fügt hinzu: "Es gibt ein Schlüsselmotiv in Schiffsmeldungen, das ein grünes Haus zeigt, wie es von Menschen unter äußerster Anstrengung mit Seilen über das scheinbar ewige Eis gezogen und an einen vorbestimmten Platz gebracht wird. Dieses Bild prägte mein visuelles Konzept des Filmes - ein Haus als sicherer Ort, der uns wie eine Familie vor der harschen Außenwelt schützen, aber im Sturm auch selbst zur Bedrohung werden kann."

Produktionsdesigner Gropman führt fort: "Um Lasses Konzept einer möglichst authentischen und ehrlichen Bildsprache umzusetzen, reduziere ich die Szenenbilder zunächst, indem ich alle unnötigen Farben oder Formen herausnehme, bis wir eine Art ikonographische Einheit haben, bei der den Betrachter nichts irritiert." Wie wichtig diese Vorarbeit ist, beschreibt Hallström wie folgt: "David hat mir schon in zwei Filmen mit außergewöhnlichem Set-Design geholfen, denn er arbeitet so exakt und storydienlich, dass er immer Locations schafft, die auf die Emotionen der Szenen abgestimmt sind und die Schauspieler teils unterbewusst zu noch besserer Arbeit animieren."

Bei allem kreativen Einverständnis war die Schiffsmeldungen-Crew auf Neufundland dennoch mit massiven Schwierigkeiten konfrontiert, die in Logistik und Klima ihren Ursprung hatten. "Nachdem wir uns für New Bonaventure entschieden hatten", erinnert Harrington, "flog ich per Helikopter in jede Richtung fünfzig Meilen die Küste entlang und mußste erkennen, dass hier so gut wie keine Straßen verliefen. Ganz Neufundland hatte vor 1965 überhaupt keine Straßen, weil sich die Menschen per Boot fortbewegten. Folglich hatten wir perfekte Drehorte, aber keinen Weg, sie regelmäßig zu erreichen. Die Lösung bewerkstelligte letztlich die Regierung von Neufundland - zu Gunsten ihrer abgelegensten Bürger und mit Blick auf mehr Tourismus durch die Filmveröffentlichung genehmigte sie den Bau einer neuen Hauptverkehrsstraße, woran wir uns aber finanziell beteiligten."

Weiterhin wurden die Dreharbeiten nicht eben durch die Tatsache erleichtert, dass Neufundland im Frühjahr 2001 den schneereichsten Winter seit 119 Jahren erlebte - so fielen in der Hauptstadt St. John in den drei Wintermonaten 605 Zentimeter Schnee. "In diesem Klima zu arbeiten", relativiert Set-Designer Gropman, "half uns allerdings auch, die Schwierigkeiten für die Figuren der Story besser zu verstehen. Unsere Bauten mußsten schnörkellos, funktional und ehrlich sein, damit sie einen wirklichen Wall gegen die Elemente boten. Besonders viel Arbeit steckten wir natürlich in den Bau des grünen Quoyle-Hauses, das wir auf einer Bühne im kanadischen Halifax errichteten. Von dort transportierten wir es in Einzelteilen per Fähre nach Neufundland, wo wir uns dem Drehort wiederum fast nur per Schneemobil nähern konnten."

Dirk Jasper FilmLexikon
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