Produktionsnotizen zu Rollerball (2001)
Spielbeginn "Das Studio arbeitete bereits seit Ewigkeiten an diesem Projekt", sagt Rollerball (2001)-Regisseur John McTiernan. "Sie hatten jede Menge Drehbücher, alle voller Science Fiction und diesen typischen ,400 Jahre später?-Floskeln. Jeder Autor, der engagiert wurde, siedelte es noch weiter entfernt in der Zukunft an."

"Ein Executive von MGM machte sich seine Gedanken über das Projekt und fragte mich nach meiner Meinung", fährt McTiernan fort. "Ich sagte: Ihr macht eine Story über Menschen, denen Schmerzen zugefügt werden, damit andere Menschen mehr Geld verdienen und an Macht gewinnen. Ihr glaubt, Ihr müsst das in die Zukunft verlegen? Das ist nicht nötig. Das passiert doch schon jetzt auf der ganzen Welt.?"

McTiernans Rollerball (2001) ist ein Remake des gleichnamigen Filmklassikers von 1975, der unter der Regie von Norman Jewison entstand. Es ist bereits das zweite Mal, dass McTiernan sich an ein Remake eines Jewison-Films wagt: Sein "Die Thomas Crown Affäre", (1999) war eine Adaption von Jewisons gleichnamigem Film aus dem Jahr 1968.

Obwohl er Gemeinsamkeiten zwischen seinem Rollerball (2001) und dem Original freimütig zugibt, sieht McTiernan die Unterschiede als entscheidender an: Jewisons Film spielt in der Zukunft, McTiernans Story sozusagen am Tag nach dem heutigen - und außerdem findet das Spiel bei McTiernan nicht in den USA statt.

"Alles, was in Nordamerika oder in West-Europa abgeht, findet man bald danach auf der ganzen Welt", merkt McTiernan an. ?Wie sich dieser unternehmerische Kapitalismus auf der Erde ausbreitet, interessierte mich. Die Idee von Rollerball (2001) ist, dass sich dieser aggressive Kapitalismus auf der Erde ausbreiten kann, ohne dass es eine moralische Instanz als Regulator gibt."

McTiernan weiter: "Ich überlegte mir, was wohl passieren würde, wenn etwas wie die WWF (World Wrestling Federation) in einer weniger moralischen Gesellschaft entstehen würde und jemand den Einfall hätte: Hey, mit ein bisschen mehr Blut könnten wir unsere Einschaltquoten um zehn Prozent nach oben treiben. Was geschieht, wenn man einen Extremsport an einen Ort verpflanzt, wo es die Beschränkungen, die wir als gegeben hinnehmen, nicht gibt? Und was passiert, wenn ein paar ganz normale amerikanische Jungs in die Sache einsteigen?"

" Rollerball (2001) ist ein Märchen über Wirtschaftskriminalität", fährt McTiernan fort. ?Es war eine Gelegenheit, eine Geschichte über Verbrecher zu erzählen, die davon profitieren, dass sie Gewalt verkaufen. Ich glaube nicht, dass man dazu weit in die Zukunft blicken mußs. Wie ich bereits sagte: Das passiert fast jetzt."

Shooting-Star Chris Klein, der den jungen Helden von Rollerball (2001), Jonathan Cross, spielt, stimmt zu: "Wenn jemand beim American Football eine tolle Aktion hinlegt, dann wird die Szene endlos wiederholt. Das gleiche geschieht, wenn sich jemand verletzt. Man zeigt eine Nahaufnahme, man schafft die Mikrofone ran, damit man hört, was abgeht. Dann wird auf eine Großaufnahme der Verletzung geschnitten - und, zack - Werbepause, weil alle aufmerksam und gebannt vor dem Bildschirm sitzen."

"Ich meine, man mußs sich nur den Erfolg einer Realityshow wie ,Survivor? ansehen", überlegt Klein weiter. "Das Publikum ist fasziniert, wenn sich Menschen wie Wilde benehmen. Dieser Film geht dieser Frage nach. Was passiert, wenn der Sport seine Unschuld verliert?"

Die Spieler Chris Klein hat sich mit Rollen in Filmen wie American Pie, dessen Fortsetzung American Pie 2 und "Election" (1999) schnell nach oben gespielt. Er war begeistert von der Idee, in einem waschechten Actionfilm von John McTiernan die Hauptrolle zu spielen. "Ich habe das Drehbuch vor langer Zeit gelesen", sagt er. "Ich habe es damals schon gemocht. Neben den interessanten Themen, die angerissen werden, ist es eine ziemlich coole Achterbahnfahrt. Ich bin ein großer Fan von Actionfilmen. Eine bessere Gelegenheit, in diesem Genre zu arbeiten, konnte sich nicht bieten. Das Spiel, die Figur, McT (wie McTiernan von den Schauspielern genannt wird) - mehr kann man sich als Schauspieler nicht wünschen."

Klein gefiel die Herausforderung, eine Figur zu spielen, die sich mit den Komplikationen auseinandersetzen mußs, die sich aus plötzlichem Starruhm ergeben - eine Situation, die sich durchaus mit seiner eigenen Karriere vergleichen läßt. "Jonathan ist am Anfang nur ein Typ in San Francisco, für den die Dinge nicht allzu toll laufen", sagt er. "Er sucht verzweifelt nach etwas, das ihn lebendig werden läßt. Am Anfang ist es bloße Eitelkeit, dass er sich für Rollerball interessiert. Mit einem Mal wird der Nobody einer der berühmtesten, mächtigsten und reichsten Rollerball-Spieler. Schließlich mußs er erkennen, dass er einen hohen Preis dafür bezahlen mußs."

Verbindet man die Charakterzeichnung seiner Figur mit dem Training für die atemberaubende Action und die komplexen Stuntsequenzen, dann ergab sich für Klein die Aussicht auf einen extrem aufregenden Dreh. Marcus Ridley, Jonathans bester Freund und Rollerball-Kollege, wird von Erfolgsrapper LL Cool J gespielt, der sich mit Rollen in Filmen wie An jedem verdammten Sonntag oder Deep Blue Sea längst auch einen Namen als ausgezeichneter Schauspieler gemacht hat. Ridley ist es, der Jonathan von Rollerball überzeugt und damit in ein Spiel schickt, in dem auch außerhalb des Spielfelds mit harten Bandagen gespielt wird.

"Anfangs geht es meiner Figur nur um den Gehaltsscheck. Er will nur bezahlt werden und ein sicheres Leben führen", meint LL Cool J. "Schließlich erkennt er jedoch, dass er in eine lebensgefährliche Situation manövriert wurde, weil andere Menschen davon profitieren können. Er mußs herausfinden, wie er darauf reagieren soll. Er beschliesst, dass Freundschaft, Liebe und Integrität wichtiger sind als Geld. Ich finde, das ist cool. Das ist keine leichte Entscheidung, aber es ist die richtige. Marcus kämpft für etwas, das wichtig ist."

Obwohl der Dreh unglaublich herausfordernd und körperlich anstrengend war, zeigte sich LL Cool J begeistert davon, ein Teil des Teams zu sein. "So etwas hat man noch nie gesehen", sagt er. "Das ist etwas völlig Neues. Rollerball (2001) ist intensiv - Motorräder und Explosionen, Effekte, Menschen, die durch die Luft wirbeln. Nimm dazu McT?s Brillanz und die Sorgfalt, mit der er den Film zusammensetzt - das befördert Rollerball (2001) auf eine völlig neue Ebene. Ich glaube, das Publikum wird förmlich weggeblasen werden."

Rollerball (2001) ist ein Sport nicht nur für Männer. Die Figur der Aurora, gespielt von Rebecca Romjin-Stamos, geht weit über jedes konventionelle Frauen-im-Sport-Klischee hinaus. Das Supermodel war höchst erfreut, eine derart starke, sinnliche Figur zu spielen. ?In diesem Film spiele ich nicht die typische blonde California-Mieze", lacht sie. ?McT wollte mir das letzte Stückchen Kalifornien austreiben." Beim Erarbeiten der Figur entschieden sich der Regisseur und die Schauspielerin für pechschwarzes Haar und eine verwegene Narbe, die sich über ihr gesamtes Gesicht zieht. "Aurora sieht die hässliche Seite des Lebens", meint Rebecca Romijn-Stamos. "Die Narbe ist ein Ausdruck ihrer Weltsicht. Sie hat die Narbe seit Jahren und schämt sich dafür. Es ist verblüffend, welchen Effekt Narben auf andere Menschen haben."

Romijn-Stamos beschreibt Aurora als eine höchst düstere Person, eine Einzelgängerin, die es gelernt hat auf der Hut zu sein. "Sie gibt sich nicht mit den anderen Spielern des Teams ab", erzählt sie. "Sie geht nicht weg, sie macht nicht bei Partys mit. Die einzige Person, zu der sie eine Beziehung pflegt, ist Jonathan."

Im Film haben Aurora und Jonathan eine heiße Affäre, die sie allerdings vor den anderen Spielern und den Eigentümern der Mannschaft geheim halten. Klein hatte großen Spaß, so eng mit Rebecca Romijn-Stamos zu arbeiten. "Die Arbeit mit ihr war phänomenal", freut er sich. "Sie ist hinreißend, sie meistert ihre Rolle fabelhaft. Wir haben echt Glück, dass sie mit dabei war."

Nicht jeder in Rollerball (2001) spielt auf der Seite des Teams. Der französische Weltstar Jean Reno, bekannt aus Mission: Impossible oder Leon - Der Profi, spielt Petrovich, den verräterischen Teambesitzer und russischen Unternehmer, der mit durchtriebener Manipulation Reichtum und Erfolg anhäuft. "Petrovich ist unausgeglichen", erklärt Reno. "Er ist ein ehemaliger KGB-Agent. Er ist verrückt, völlig durchgeknallt, besessen von Macht. Ihm gefällt es, mit Menschen zu spielen. Das ist für ihn der eigentliche Grund, sich für Rollerball zu engagieren. Er kontrolliert die Spieler, er kontrolliert die Fans, er kontrolliert die Firmen. Er besitzt alles und jeden."

Zunächst erscheint Petrovich wie eine Vaterfigur für Jonathan Cross. "Jonathan ist sein Protegé", meint Reno. "Aber ihre Beziehung ist tatsächlich viel komplexer. Er mag Jonathan, aber er will seinen Willen brechen. Er setzt alles daran, dass Jonathan sich so verhält, wie er es möchte. Weil er so unberechenbar und verrückt ist, wagen es nur die wenigsten, sich ihm zu widersetzen. Als Jonathan zu rebellieren beginnt, kann Petrovich das nicht zulassen." Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr wird Petrovich zum Symbol dafür, wie zersetzend die Macht des Geldes sein kann.

Der Film ist voller turbulenter Actionszenen und schmerzhaften Crashs - eine ziemlich harte Angelegenheit. Aber genau das ist die Idee, die dahinter steckt. Reno findet, dass Rollerball (2001) ein starkes Statement gegen Gewalt abgibt. "Der Film ist eine Absage an die Gewalt", sagt er. "Ja, es gibt gewalttätige Szenen zu sehen, und es ist ein sehr feiner Balanceakt, wieviel Gewalt man zeigen darf, um sich gegen sie auszusprechen. Letztendlich lehnt der Film allerdings Gewalt im Sport ganz entschieden ab." Der Film ist ein Kreuzzug gegen all das, was Petrovich und andere Geschäftsmänner nur zu gern in die Realität umsetzen würden.

Trainingslager Vor Beginn des Drehs von Rollerball (2001) mußsten die Stars erst einmal ein hartes Training über sich ergehen lassen, um sich auf die schwierigen, körperlich anstrengenden Spielszenen vorzubereiten. Für die rasend schnellen Spiele im Rollerball (2001)-Rund mußsten Rebecca Romijn-Stamos und LL Cool J perfekte Motorradfahrer werden. "Ja, auf dem Hobel bin ich ein richtiges Biest", lacht Romijn-Stamos. "Ich hatte nicht den blassesten Schimmer, wie man ein Motorrad fährt, aber schon am vierten Drehtag mußste ich einen Stunt absolvieren, also mußste ich schnell lernen. Ich habe gleich zehn Stunden am Stück auf dem Motorrad verbracht." Motorrad-Stunts sind ausgesprochen gefährlich und werden zumeist ausschließlich echten Profis überlassen, aber die Schauspielerin ließ sich nicht einschüchtern. Sie stürzte sich mit vollem Einsatz ins Training. ?Es machte Spaß?, meint sie. ?Ich habe überhaupt nicht gezögert."

Tatsächlich machte ihr das Motorradfahren so viel Freude, dass sie sich in Drehpausen immer wieder mit Chris Klein davonstahl, bis besorgte Produzenten sie baten, sie möge nur noch vor der Kamera fahren. LL Cool J saß ebenfalls noch nie zuvor auf einem Motorrad. "Ich nahm Unterricht bei einem unglaublichen Lehrer", sagt er. Außerdem bereitete er sich auf vielfältige Weise auf die erforderte Motorradathletik vor. "Ich bin in meinem Garten Trail gefahren" erzählt er. "Ich fuhr Hügel hoch, machte alle möglichen Dinge. Ich fuhr auch in die Berge und bin dort rumgekurvt. Ich machte alles, was mir möglich war, und trainierte so intensiv, wie es ging. Außerdem änderte ich mein übliches Workout-Programm. Ich lief mehr, etwa fünf Kilometer am Tag, um auf dem Motorrad leichter zu sein. Mein Hintergedanke war, dass ich nicht einfach nur gut auf dem Motorrad sein, sondern mich dort auch richtig wohl fühlen wollte. Es ist eine Sache, auf eine Maschine zu steigen und herumzufahren. Aber es ist ein völlig anderes Ding, wenn jemand ,Action!? brüllt und man aussehen soll wie ein erfahrener Motorradfahrer, der komplizierte Manöver fährt und Chris hinter sich herzieht. Ich mußste selbstbewusst genug sein, damit weder mir noch Chris etwas zustoßen konnte."

Chris Klein ließ das härteste Training von allen Schauspielern über sich ergehen. Um das Inline-Skaten zu erlernen, besuchte er vor Drehbeginn die olympische Eisschnelllaufanlage im kanadischen Calgary. "Ich habe mich auf diesen Film härter vorbereitet als jemals zuvor", berichtet er. "Ich mußste das Inline-Skaten lernen, was ich zuvor nur einmal an der Highschool ausprobiert hatte. Ich ließ mich von einem Spezialisten namens Andrew Baron ausbilden, der mein Programm im olympischen Zentrum erarbeitete."

Das klingt einfach, aber Klein mußste schnell erkennen, wieviel Körperbeherrschung und Technik dafür nötig waren. ?Es war eine schrecklich erniedrigende Erfahrung, weil ich mich eigentlich für einen ziemlich athletisch-durchtrainierten Typen halte. Ich fahre gern Mountainbike, wandere viel und liebe es, Gewichte zu heben und schwimmen zu gehen. Dann begann ich das Training, und da wurden Dinge von mir verlangt, die ich zunächst rein körperlich nicht bewältigen konnte."

Damit nicht genug. "Zuerst war ich sehr zuversichtlich", erinnert er sich. "Ich fiel hin und alles war okay. Aber je länger das Training andauerte, merkte ich, dass ich einfach nicht genug Muskelmasse besaß, um das zu leisten, was von mir verlangt wurde. Das war unglaublich frustrierend. Ich hielt mich länger als einen Monat dort auf, brachte meinen Körper in Form und lernte das Skaten."

Seine Ausbildung ging weiter, als er kurz vor Drehstart in Montreal eintraf. Die Produktion begann mit dem Zusammenstellen des Rollerball (2001)-Teams, darunter einige zwischen 18 und 19 Jahre alte Extremskater aus der Umgebung. "Ich begann mit der Arbeit mit den Extremskatern", sagt Klein. "Die waren allesamt jünger als ich. Ich übte mit ihnen einen Monat lang auf einer Übungsbahn, und sie brachten mir bei, wie man in einer Halfpipe fährt, wie man eine Wand hochskatet, all dieses Zeug. Ich studierte diese Jungs sehr genau und wie sie miteinander umgingen, ohne Angst und voller Begeisterung." Das Studium ihrer Einstellung, ihres Stils und ihrer radikalen, todesverachtenden Stunts half Klein weiter, an seiner Figur zu feilen und sich darauf vorzubereiten, Rollerball (2001) zu spielen.

Anpfiff Im Film sind vier Rollerball (2001)-Spiele zu sehen. Sie wurden in chronologischer Reihenfolge gedreht. Den Anfang machte das Heimspiel der "Horsemen" gegen die "Horde". Die von Chris Klein, LL Cool J und Rebecca Romijn-Stamos dargestellten Figuren sind Mitglieder der Horsemen. Um die gegnerischen Teams zu bestücken, griff McTiernan immer wieder auf die gleichen Darsteller zurück und versteckte ihre Identität hinter aufwändigen Kostümen und Helmen. "Wir benutzten die Schauspieler bei jedem Spiel aufs Neue", erzählt McTiernan. "Wir gingen davon aus, dass man beim Fortlauf der Spiele einen gewissen Lerneffekt bezüglich des Skatens und Motorradfahrens nutzen konnte. Mit jedem neuen Spiel wurden sie besser und als Teams zusammengeschweißt. Beim vierten, dem letzten, dem entscheidenden Spiel waren sie fabelhaft."

Wie erwähnt, waren die für die Schauspieler vorgesehenen Stunts ungewöhnlich komplex. LL Cool J merkt trocken an: "Allein das Schauspielen auf Skates sollte man als Stunt betrachten." Immer wieder zog LL Cool J seinen Kollegen Chris Klein an seinem Motorrad durchs Rund, damit er genug Schwung hatte, um zahlreiche Hindernisse und Rampen auf dem Spielfeld zu überspringen. Klein wurde auch an Kabeln aufgehängt, sprang von großen Höhen auf Matten und wurde bis zum letzten Spiel ein fast perfekter Skater. LL Cool J meisterte ein kompliziertes Manöver, bei dem er ein Motorrad treffen mußs, das weggerissen wird, als er von oben darauf prallt und die Stuntfrau dabei vom Sitz reißt. Damit nicht genug: Das Motorrad stand auch noch in Flammen.

Die Schauspieler wagten diese Stunts nicht aus Eitelkeit, sondern um die Glaubwürdigkeit des Films zu erhöhen. McTiernan und sein Kameramann Steve Mason wollten die Kamera auf dem Spielfeld direkt neben die Schauspieler platzieren, um die Zuschauer das Adrenalin und die Gefahr des Spiels unmittelbar spüren zu lassen. Weil die Kamera nicht von ihrer Seite wich und ihr Gesicht ständig zu sehen war, mußsten die Schauspieler ihre eigenen Stunts durchführen.

Der Ball rollt Indem er anamorphe Objektive und verschiedene Winkel einsetzte, wurde das Rollerball (2001)-Spielfeld durch die Kameraarbeit von Steve Mason in einen brutalen, gewaltigen Kurs verwandelt. Er und McTiernan wollten etwas noch niemals Gesehenes festhalten, etwas greifbar Echtes. So nah wie nur möglich wollten sie den Spielern auf die Pelle rücken. Doch das setzte einige Experimente im Vorfeld voraus. Mason versteckte Lippenstiftkameras in den Skates der Schauspieler und befestigte Kameras auf Kränen in den Rängen, die sich blitzschnell über das Feld und zurück in die Tribünen bewegen konnten.

Grundsätzlich versuchten sie, das unmittelbare Feeling von Handkameras zu reproduzieren. Die Herausforderung war es, sich mitten ins Geschehen und ins Spiel hinein zu wagen. Eine Steadicam wurde an dem Kameraassistenten Mike O?Shea angebracht, der auf ein Motorrad gebunden wurde, das durch das Spielfeld kurvte.

McTiernan setzte während der Produktion einen unkonventionellen Drehstil ein: Er drehte zuerst die einzelnen Spielszenen und erst dann die dazu gehörigen Totalen. Im Grunde war er der Coach, und die Besetzung und sein Stab waren sein Team. Jeden Tag verteilten die Regieassistenten die Pläne mit den Spielzügen, sprich: den Aufnahmen, die man schaffen wollte. Diese Spielzüge wurden auf einer Tafel gelistet, auf der sich eine von Hand gezeichnete Abbildung des Spielfeldes befand, auf der die genauen Bewegungen und Manöver der jeweiligen Szene festgehalten wurden. Nach einem Monat Dreh zeigte McTiernan seinen Mitstreitern eine erste kurze Montage der Aufnahmen, die Cutter John Wright zusammengestellt hatte. Nach all der harten Arbeit waren sie begeistert von dem Resultat. Steve Mason arbeitete eng mit Beleuchter Mo Flam zusammen, um das Spielfeld exakt auszuleuchten.

Grundsätzlich änderte sich das Feld im Verlauf der vier Spiele nicht. Die künstlerische Abteilung malte das Set jedes Mal lediglich wieder anders an. Kleine Änderungen in der Ausleuchtung perfektionierten daraufhin die Illusion, man befände sich jedes mal wieder in einer völlig neuen Arena. Gleichzeitig konnte man die verschiedenen Phasen des Spiels betonen. "Wir leuchteten das Spielfeld für drei verschiedene Stadien aus. Niedrige Strahler, Spotlights und blinkende Lichter unterstrichen die Atmosphäre vor dem Spiel und betonten die Anspannung der Spieler. Während des Spiels richteten wir die volle Ausleuchtung auf den Kurs, während sich die Zuschauer im Dunkeln befinden - wie bei einer Rock?n?Roll-Show", berichtet Mason.

Tatsächlich hatte sich Flam bei der Ausleuchtung von Rockshows inspirieren lassen. "Das war eine sehr theatralische und extravagante Ausleuchtung mit vielen bunten Farbschemata", sagt er. "Wir setzten Beleuchtungsinstrumente ein, die bei Dreharbeiten höchst ungewöhnlich sind. Und davon kamen viele zum Einsatz."

Das Spielfeld wurde auf dem Grund einer ehemaligen Zementfabrik errichtet. Flam sagt: "Weil es sich um eine alte Fabrik handelte, konnten wir die vorhandenen Stromanschlüsse nutzen. Wir hatten Beleuchtungstrafos und 16.000 Ampere Leistung. Das ist mehr als bei jeder anderen Hollywood-Produktion, an der ich bisher beteiligt war. Man hätte 14 Generatoren gebraucht, um diese Leistung zu erzielen."

In der riesigen Zementfabrik errichtete man auch die Umkleideräume der Teams, mehrere Tunnels, in denen sich Horden von Fans tummeln konnten, und einen dekadenten Club, den man Club Galore nannte. Der Fabrikkomplex befindet sich in Blainville, Quebec, das vor allem aus öden Einkaufspassagen und Autohändlern besteht und etwa eine halbe Autostunde von Montreal entfernt ist. Die Aufgabe, dieses Areal auszustatten, fiel Produktionsdesigner Norman Garwood zu. "Am Anfang war das nervenzehrend, immerhin mußsten wir eine völlig unbekannte, neue Welt definieren", erinnert er sich. "Da die Spiele in Kasachstan stattfinden, prallen viele verschiedene Kulturen aufeinander. Es war, als müsste man Cadillacs und Kamele in ein und dieselbe Szenerie packen. Einerseits gibt es diese mafia-artige Struktur, die die Spiele kontrolliert, andererseits setzt sich das Publikum in erster Linie aus armen Arbeitern zusammen. Auf dem Weg zur Arena sollten diese Massen von Menschen Werbetafeln passieren, auf denen für Parfüms, Kleidung oder andere Luxusprodukte geworben werden sollte - alles Dinge, die mit ihrer Realität nicht das geringste zu tun haben."

Garwood fügt hinzu, dass er sich bei seiner Arbeit von den Locations der Außenaufnahmen inspirieren ließ. Dazu zählten verschiedene Örtlichkeiten in Old Montreal, eine kunterbunte restaurierte Gegend der Stadt am St. Lawrence River. In den Kopfsteinpflasterstraßen stehen stattliche Gebäude aus dem 19. Jahrhundert und die berühmte neoklassische Notre-Dame-Kathedrale Seite an Seite mit gläsernen Bürogebäuden und neu ausgestatteten Lofts. Vor allem nutzte die Produktion die riesigen Kornsilos des alten Hafens, deren strenge, industrielle Erscheinung schon Persönlichkeiten wie Bauhaus-Vordenker Walter Gropius und den einflussreichen Architekten Le Corbusier beeindruckt hatten. Das Montreal Casino und die Rue St. Jacques mit ihrer architektonischen und kulturellen Geschichte wurden ebenfalls als Drehorte genutzt.

Dazu kamen Drehs am Flughafen von St. Jean sur Richelieu. Die Produktion dekorierte ihn mit einem riesigen Hercules-Frachtflugzeug, einem nicht minder stattlichen Convair-Flugzeug und einem schicken Passagierjet, einem Citation III. Allen, wurde das "Horsemen"-Logo aufgedruckt.

Die Mannschaft Nachdem man die Hauptfiguren besetzt hatte, war es die Aufgabe des Casting-Direktors Pat McCorkle, John McTiernan bei der Suche nach den restlichen Rollerball (2001)ern zu helfen. "Es war die komplizierteste Besetzungsarbeit meines Lebens", erklärt McCorkle. ?Die Spieler mußsten eine Kombination aus sportlichem Können und schauspielerischen Fähigkeiten und ein bestimmtes Aussehen - Rollerball (2001) wird in Eurasien gespielt - mitbringen. Also mußsten wir anders an die Sache rangehen, als wir es üblicherweise tun würden."

McCorkle weiter: "Neben zusätzlichen Vorsprechterminen stöberten wir uns im Internet durch die Welt der Extremskater. Wir studierten Sites über Rollerblading und Extreme Rollerblading, um herauszufinden, wer die relevanten Persönlichkeiten auf diesem Gebiet sind." Schließlich gelang es McCorkle, die diversen Teams aus einer Ansammlung von Athleten und Schauspielern mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten zusammenzustellen.

Oleg Taktarov, der Deneken spielt, ist ein Ultimate-Fighting-Champion aus Russland. Er arbeitet mittlerweile als Schauspieler (man sah ihn neben Robert De Niro und Edward Burns in 15 Minuten Ruhm. Ursprünglich hatte er sich für das Free Fighting entschieden, um eine Green Card zu erhalten. Der gut aussehende, mit markanten Zügen gezeichnete Taktarov hat vor Rollerball (2001) niemals auf Skates gestanden und übte Sprünge und Slides ohne Unterlass in den Drehpausen. Grinsend sagt er, dass er die Kunst des Fallens als Kämpfer gelernt hätte - was ihm bei den ersten schmerzhaften Skate-Erfahrungen geholfen habe.

Lucia Rijker ist eine der besten weiblichen Boxerinnen der Welt. Aber für Rollerball (2001) mußste sie vor allem lernen, wie man Schläge nicht austeilt. Um einen Punch für die Kamera zu landen, brachte man Rijker bei, wie man einen Schlag genau am Ziel vorbeiführt, ihn aber wie einen bösartigen Rundumschlag aussehen lässt. Die in den Niederlanden geborene Rijker war WIBO Boxing Champion 1999 und ist vierfache Kickboxing-Weltmeisterin. Die New York Times nannte sie "die beste Frau im Ring".

Anatoly Zinoview stammt aus Moskau und gehörte neun Jahre zum russischen Eisschnelllaufteam, bevor er nach Kanada auswanderte. Auch Zinoviev fand die Tricks schwierig, weil gänzlich andere Techniken als beim Eisschnelllauf zum Einsatz kamen. Selbst Eitan Kramer, ein Trickskater, der im Guinness Buch der Rekorde für den "höchsten Sprung über einer Half Pipe" geführt wird, empfand die Rollerball (2001)-Laufbahn als große Herausforderung. Kramer ist einer der ursprünglichen New Yorker Vert-Skater und ist für seine eleganten "Lui Kangs" und todesmutigen 720er bekannt.

Zum Glück konnten die Teams auf die Ratschläge und Tipps einiger "Experten" zurückgreifen: Extremskater im Teenager-Alter aus Montreal. Die Jungs sind pausenlos in Bewegung und führen am laufenden Band die atemberaubendsten Stunts durch - der Film ist voll von faszinierenden Aufnahmen mit ihnen. Skater springen von Zylindern über der Laufbahn, werfen sich todesmutig über strategisch angebrachte Hindernisse und schleudern sich gegen das weit oben parallel zum Boden angebrachte Glas, um den Ball im Tor unterzubringen. Andere kurven dicht aneinander gedrängt um die Plexiglasbande. Ein einzelner Spieler skatet mit Affenzahn eine unglaublich enge, kurvige Rampe hinab, um sich am wilden Treiben zu beteiligen. Die Darsteller und Teammitglieder brachen regelmäßig in spontanen Applaus aus, um ihre Leistungen zu würden. Und die "Extremes", wie man sie nennt, dienten als Cheerleader und sparten nicht mit wertvollen Ratschlägen.

Aber in den Rollerball (2001)-Mannschaften sind noch weitere Frauen zu erleben. Darunter Yolanda Hughes, eine Weltklasse-Bodybuilderin und zweifache Gewinnerin des Miss International Awards; Kata Dobo, eine winzige ungarische TV-Darstellerin; Alice Poon, eine kanadische Stuntfrau; Ruth Chiang, eine Schauspielerin, die McTiernan entdeckte, als sie als Kellnerin in einem örtlichen Restaurant jobbte; und Marisol Harding, ein glatzköpfiges Model, deren Skate-Erfahrung sich auf Eislauf beschränkte. Zwar war keine dieser Damen eine professionelle Skaterin, aber sie brachten Herz, Talent und den Willen zur Übung als Kompensation für ihren Mangel an Erfahrung mit ans Set.

Neben den Sportszenen gibt es in Rollerball (2001) noch weitere Stunts von Spitzensportlern zu erleben. In den furiosen Bergab-Skate-Szenen in San Francisco sieht man neben Chris Klein auch Biker Sherlock. Sherlock war EDI Downhiller of the Year 2000 und EDI World Champion Downhill Skateboarder 2000. Von 1996 bis 1999 hielt er den Titel des EDI National Street Luge Champion. Er ist der am meisten ausgezeichnete Downhill-Skateboard- und Street-Luge-Athlet in der Geschichte der ESPN X-Games und NBC Gravity Games.

Todd Lehr ist in besagter Szene das Stuntdouble von Chris Klein. Sein Renomée in der Szene kommt dem von Biker Sherlock gleich. Er war Zweitplatzierter beim Downhiller of the Year 2000 Award. Tatsächlich ist er bestens mit Sherlock befreundet, mit dem er in New Jersey aufwuchs. Sie gelten als unübertroffen in ihrem Sport. Wenn man sie Seite an Seite einen Berg hinab rasen sieht, weiß man, warum McTiernan sie für seinen Film haben wollte. Es ist aufregend, sie zu beobachten - eine wunderbare Beigabe zu den wilden Rollerball (2001)-Szenen.

Schnelle Schlitten: Die Autos Natürlich brauchten die Rollerball (2001)er entsprechende fahrbare Untersätze, wenn sie sich nicht gerade auf dem Spielfeld befanden. Rollerball (2001) präsentiert eine Flotte glänzender, teurer Sportautos - die bevorzugten Fortbewegungsmittel der Horsemen-Stars. Die Wagen sind ganz besondere Automobile: ein lilafarbener Lotus, ein gelber Mongoosta, ein roter Ferrari und eine rote Corvette. Der Clou ist jedoch ein azurblauer und ein silberner Shelby Daytona Cobra, Baujahr 1964.

Der Cobra, ein waschechtes Rennauto, wurde direkt nach einem Wettrennen aus England ans Set geflogen. Sein tiefes Brummen machte Darsteller und Team sofort auf seine nahende Ankunft aufmerksam. Der Cobra war 1964 ein bahnbrechendes Auto. Es erschien dem Autodesigner und Rennfahrer Carroll Shelby in einem Traum. Wie in Shelbys Biographie angemerkt wird, war der Cobra "das schnellste Auto des Planeten". Und Shelbys Gruppe von Bastlern machte ihn noch schneller. Sie gewannen die FIA Manufacturers Grand Touring World Championship, was davor noch nie einem amerikanischen Auto gelungen war. Shelby selbst besuchte das Rollerball (2001)-Set und hat einen Cameo-Auftritt im Film.

Glücklicher Chris Klein! Er war derjenige, der den Cobra fahren durfte. Außerdem sitzt er am Steuer eines weiteren Shelby-Modells, des kurvenreichen, silbernen und brandneuen Series 1. Tatsächlich setzte die Produktion zwei dieser Modelle ein; eines davon wurde ausgeschlachtet, um es am Ende in die Luft zu sprengen.

Die Produktion hatte viel Freude daran, die Vehikel für die nahe Zukunft von Rollerball (2001) zu erschaffen. "Weil der Film sozusagen übermorgen spielt, wollten wir, dass die Wagen zwar bekannt aussehen, ihrer Zeit mußsten sie aber doch ein bisschen voraus sein", sagt Gino Lucci, der Autoberater des Films. "Wir nahmen ganz gewöhnliche Fahrzeuge und übertrieben ein wenig. Zum Beispiel nahmen wir einen zweitürigen Jeep Cherokee und fügten zwei weitere Türen hinzu. Dann machten wir den Wagen ein bisschen länger, damit er zwei Hinterachsen aufnehmen konnte. Wenn man ein Auto verlängern will, schneidet man es in zwei Hälften und fügt in der Mitte Teile hinzu."

Lucci weiter: "Wir kauften auch zwei Modelle eines Porsche, um die nötigen Modifikationen an dem Auto vornehmen zu können, das LL Cool J in San Francisco fährt. John McTiernan wollte, dass es ein wenig aus der Rolle fällt. Es ist ein C-2 Porsche 911, dem wir einen Turbolook verpassten: sehr breite Reifen, die Karosse wurde den Reifen angepasst. Dieses Auto bauten wir binnen vier Tagen komplett um."

"Wenn alle Komponenten zusammenpassen, können wir Wunder bewirken", berichtet Lucci weiter. "Wir nahmen auch einen Transport-Minivan von Pontiac und vergrößerten seinen Radstand und die Reifen. Wir wollten, dass aus seiner Motorhaube Auspuffgase kommen sollten wie bei einem Hotrod. Dann hatten wir einen Oldsmobile namens Aurora, bei dem wir die Radaufhängung derart veränderten, dass wir größere Reifen einsetzen konnten."

Lucci meint, dass man diese Wahnsinnsautos der Fantasie McTiernans zu verdanken habe, mit dem er bereits zweimal gearbeitet hatte: "Die Arbeit mit John macht Spaß, weil er über ein verblüffend großes Wissen verfügt. Er hat eine Vision, die von hier bis zum Mond reicht. Die Autos in diesem Film sind witzig, weil wir experimentieren konnten und die meisten Wagen erst einmal umgearbeitet wurden. Wir probierten ständig neue Dinge aus. Hoffentlich gefällt dem Publikum das Endresultat."

Luccis Team konstruierte auch die Motorräder in Rollerball (2001) - eine Mischung aus so vielen Einzelteilen, dass Romijn-Stamos ihren Ofen liebevoll "mein Frankenbike" nannte. "Es war John McTiernans Einfall, mit einem leichtgewichtigen Motorrad anzufangen", erzählt Lucci. "Es wiegt etwa 70 Kilo, wir haben es in Spanien gefunden. Wir nahmen Kontakt zu der Firma auf und sicherten uns zwölf Modelle. Unser Hauptanliegen war Sicherheit, weil die Räder einigen Menschen ziemlich nahe kommen würden. Sie waren sehr spritzig, hergestellt aus einer Chromlegierung, die sehr stabil und doch wahnsinnig leicht ist und vor allem bei Rennmaschinen eingesetzt wird. Wir nahmen die Motorräder und veränderten sie so sehr, wie es uns möglich war. Wir entwarfen eine Grundkarosserie für die Teambikes, die, abgesehen von der Farbe, identisch waren."

Er meint außerdem: "Wegen der Geschwindigkeit der Original-Maschinen, die viel Power unter dem Sattel hatten, experimentierten wir etwa zwei Monate mit einem kleineren Motor, um das Tempo zu drosseln. Wir wollten ja keine Geschosse auf dem Spielfeld. So gelang es uns, ein Motorrad zu entwikkeln, das leicht war und gefährlich aussah."

"Natürlich wird man erkennen, dass einige der Maschinen dem individuellen Charakter ihrer Fahrer angepasst wurden", fährt er fort. "LL Cool J fährt einen Harley-Verschnitt, und Rebeccas Ofen verpassten wir einen radikalen Look. Die Konfiguration ist unglaublich: Das Vorderrad ist winzig, während das Hinterrad wahnwitzig übersteigert wirkt. Irrsinn!"

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