Produktionsnotizen zu The Time Machine
Zeitsprung Zu seinen Lebzeiten nannte man den legendären H. G. Wells, Autor des klassischen Science-Fiction-Romans "The Time Machine" (Die Zeitmaschine), "den Mann, der in die Zukunft schaut". Wenn er tatsächlich in die Zukunft hätte sehen können, hätte er sicher gestaunt: Sein berühmter Roman wurde nicht nur einmal, sondern zweimal verfilmt.

Über 100 Jahre sind vergangen, seit er sein Buch veröffentlichte, und die Welt hat sich stark verändert. Doch H. G. Wells' Fenster in die Zukunft, seine Idee einer Zeitmaschine fasziniert die Leser und Zuschauer nach wie vor. Produzent Walter Parkes stellt fest: "Um 1960 regten Filme wie "20.000 Meilen unter dem Meer" und "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" unsere Fantasie an. Doch George Pal mit "Die Zeitmaschine" lief allen den Rang ab. Heute steht uns eine Tricktechnik zur Verfügung, mit der wir H. G. Wells' Visionen wirklich angemessen umsetzen können - das war damals noch nicht möglich. Also machten wir uns begeistert an die Arbeit. Denn die Geschichte des Mannes, der in Weste, Krawatte und Jackett in die wunderbare, handgefertigte viktorianische Maschine klettert und in die Zukunft reist, fasziniert uns heute noch genauso wie vor 40 Jahren."

Produzent David Valdes pflichtet Parkes bei: "Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich George Pals Film damals im Kino gesehen habe. Er bot wirklich alles, was wir uns als Kinder von einem Film erträumten. Ich glaube, ich habe ihn in der ersten Woche dreimal gesehen. Allein die Idee der Zeitreise hat uns mitgerissen - dadurch begann ich mich für Science-Fiction zu interessieren. Ich darf ehrlich behaupten, dass er zu den zwei, drei Filmen gehört, die mich letztlich zu einem Filmproduzenten gemacht haben.

Die neue Version von The Time Machine fühlt sich den Vorlagen verpflichtet, und zwar sowohl ihrem Schöpfer H. G. Wells als auch der ersten Verfilmung durch den verstorbenen George Pal. Executive Producer Arnold Leibovit erzählt: "Ich habe "The Time Machine" mit neun Jahren erstmals gesehen und war völlig überwältigt. Seitdem bin ich George-Pal-Fan. Viele Jahre später habe ich seine Leistungen in der Filmdoku "The Fantasy Film Worlds of George Pal" gewürdigt. Da erst wurde mir und den Zuschauern klar, welch eine außergewöhnliche Filmkarriere er gemacht hat. Ich bin stolz auf unsere neue Filmfassung der The Time Machine, denn mit der heutigen Technik gehen wir einen Schritt weiter als das Original, ohne es zu verleugnen. Ich sehe unseren Film als Hommage an Pal, wir zitieren etliche seiner emotional aufgeladenen Szenen und optischen Einfälle."

Der neue Film hält sich enger an H. G. Wells. Inszeniert hat ihn der Urenkel des Autors, Simon Wells. Natürlich spielt nicht die Verwandtschaft die entscheidende Rolle, sondern Wells' Talent als Filmregisseur: Vor allem als Co-Regisseur des DreamWorks-Zeichentrickepos Der Prinz von Ägypten hat er die Produzenten beeindruckt.

"In der Animation hatte er bereits sein außergewöhnliches Talent demonstriert. Wir trauten ihm also durchaus auch einen Realfilm zu", sagt Parkes. "dass er sogar mit H. G. Wells verwandt ist, wusste ich damals gar nicht. Erst als er sein Interesse an unserem Film bereits bekundet hatte, erfuhr ich davon. Wer also an so etwas wie Kismet im Filmgeschäft glaubt, dürfte sich hier bestätigt sehen."

Simon Wells kommentiert: "Ich habe vor allem im Zeichentrickbereich gearbeitet, wollte aber immer schon zum Realfilm wechseln und Action-Abenteuer drehen. Als ich las, dass DreamWorks die Neufassung von The Time Machine plante, sprach ich Jeffrey Katzenberg an, um mich als Kandidat ins Gespräch zu bringen. Später traf ich mich dann mit Walter Parkes und Laurie MacDonald - sie mochten mein Konzept, denn es entsprach ihren eigenen Ideen."

Drehbuchautor John Logan hatte gerade Gladiator für das Studio geschrieben und arbeitete die Vorstellungen der Filmemacher in sein Skript ein. "Als Parkes mir vorschlug, das Skript zu The Time Machine zu schreiben, habe ich ganze zwei Sekunden überlegt, bis ich zusagte", berichtet Logan. "Fünf Minuten später kam ich zur Besinnung und fragte mich: ,Worauf hast du dich da eingelassen?' Denn nicht nur der Roman gehört zu den Klassikern, sondern auch George Pals Film hat einen festen Platz in der Filmgeschichte - ich schätze ihn genauso wie Millionen andere Fans."

"Es ging uns von Anfang an darum, das Konzept der wissenschaftlichen Entdeckung aus dem Roman zu übernehmen", sagt der Autor. "H. G. Wells hat sich eingehend mit Evolution, Futurismus, Klassenbewusstsein und Sozialismus auseinandergesetzt, überall im Roman finden sich entsprechende philosophische und soziologische Anspielungen. Die Idee einer Zeitreise hat Wells jedenfalls als Erster derart intellektuell und spannend beschrieben. Mitreißend, wie er den Leser in diese Reise mit einbezieht. Wahrscheinlich hat Wells deswegen seinem Zeitreisenden keinen Namen gegeben - so können wir uns mit ihm identifizieren, die Wunder und die Schrecken der Zukunft hautnah miterleben. Denn Wells hielt beides für möglich. Entscheidend für ihn war, wie man individuell auf die Situation reagiert. Genau deshalb finde ich, die Geschichte sollte neu erzählt werden."

Aus der Vergangenheit in die Zukunft Für die Neufassung änderte man die Geschichte in einigen Details. Zu allererst erhielt der Zeitreisende einen Namen: Alexander Hartdegen. Doch zu dem Namen gehört auch ein Gesicht, das ihm der preisgekrönte Australier Guy Pearce leiht. Wie der Zufall es will, ist auch Rod Taylor, George Pals Hauptdarsteller, in Australien zu Hause.

David Valdes erinnert sich: "Wir alle waren von Guys Auftritten in "Priscilla - Königin der Wüste" und "L.A. Confidential" begeistert. Doch dann hörte Walter von seiner hervorragenden Leistung in einem Film namens Memento, der noch gar nicht gestartet war. Wir konnten eine Vorführung arrangieren und wussten auf der Stelle, dass wir unseren Zeitreisenden gefunden hatten."

Auch Guy Pearce findet Zeitreisen faszinierend, seit er als Kind George Pals "Zeitmaschine" gesehen hat. "Zeitreisen dürften wohl die anstrengendsten Reisen überhaupt sein. Sie sind der reine Eskapismus: Statt sich den Anforderungen des Lebens zu stellen, verlassen wir uns lieber auf unsere Fantasie und flüchten in die Zukunft oder in Erinnerungen. Ich wollte vor allem darstellen, dass Alexander vor der Gegenwart flieht - seine Reise ist eine hyperreale Flucht zum Anfassen. Er hat bestimmt kein konkretes Ziel vor Augen, als er den Beschleuniger betätigt und der Zeitmesser mit rasender Geschwindigkeit zukünftige Jahre anzeigt. Er wird allein von dem Gefühl getrieben, in der Gegenwart am falschen Platz zu sein. Und dieses Gefühl kennen wir doch alle nur zu gut. Alexander gelingt es mit Hilfe seiner Maschine, das Nicht-Existierende sichtbar zu machen: die Vergangenheit und die Zukunft."

Simon Wells stellt fest: "Niemand könnte Alexander besser spielen als Guy, denn sein Image ist das eines Intellektuellen. Man mußs allerdings hinzufügen, dass er gleichzeitig auch als blendend aussehender Hollywood-Held überzeugt. Diese Zweigleisigkeit war die Voraussetzung für seine überzeugende Entwicklung in der Geschichte: Anfangs wirkt er wie ein wissenschaftlicher Fachidiot, am Ende zieht er als Action-Star alle Register. Guy lag viel daran, diesen Spannungsbogen allmählich aufzubauen, ohne dass es einen offensichtlichen Schlüsselmoment gibt, in dem er sich plötzlich verwandelt."

"Guy lotet in der Figur ganz neue Dimensionen aus", fügt Parkes hinzu. "Anfangs erleben wir Alexander als Bücherwurm, in sich gekehrt: Er lebt in einer abstrakten Welt. Erst durch seine Reise lernt er mit seinen Emotionen umzugehen, er blüht regelrecht auf. Traumhaft, wie Guy seine Rolle in diesem Sinne gestaltet."

Das Motiv, das Alexander zu seiner Reise treibt, wurde für die neue Verfilmung erst erfunden: Er erlebt eine persönliche Tragödie. Dazu Logan: "Wir hatten das Gefühl, dass wir dem heutigen Publikum einen überzeugenden, wirklich handfesten Grund liefern müssen, der Alexander antreibt und die Maschine bauen lässt. Unsere Fragestellung: Was bringt einen Mann dazu, trotz der schier unüberwindlichen Hindernisse die Grenzen der Zeit zu sprengen?"

Logan findet, dass die Liebe das sicherlich stärkste Gefühl überhaupt auslöst. Deswegen führt er die Figur der Emma ein: Alexanders vergötterte Verlobte wird von Sienna Guillory dargestellt. "Sienna ist dabei, sich in England einen Namen zu machen. Als wir sie kennen lernten, waren wir einfach hingerissen", sagt Wells.

Emma ist also der Auslöser, der Alexander nur noch an seine Aufgabe denken lässt: Er mußs die Zeitmaschine konstruieren, um zum Tag der Tragödie zurückzukehren und den Ereignissen eine neue Wendung zu geben. Vier Jahre lang schottet er sich von der Welt ab - ihn kümmert nicht einmal, was sein bester Freund Philby und seine herzensgute Haushälterin Mrs. Watchit davon halten.

Mark Addy übernimmt Philbys Rolle. Wells hält Addy "für einen ganz erstaunlich warmherzigen und liebenswerten Schauspieler. Wir verstanden uns auf Anhieb. In seiner ersten Szene glaubt man ihm sofort, dass er schon zehn Jahre mit Alexander befreundet ist. Dabei hatten Mark und Guy sich noch nie im Leben gesehen."

Phyllida Law spielt Mrs. Watchit. Ihr Vorsprechen in England verlief recht ungewöhnlich. Wells berichtet: "Sie platzte aus Versehen herein, als gerade eine andere Schauspielerin vorsprach. Sie öffnete die Tür, schaute herein, sagte: ,Oh, I'm sorry!' und ging wieder. David Valdes und ich sahen uns an und sagten: ,Das ist unseres Mrs. Watchit, die und keine andere.' "

Philby und Mrs. Watchit haben keine Ahnung, woran Alexander so besessen arbeitet, und sie können sich nicht vorstellen, dass ihm überhaupt irgendetwas gelingen könnte - von einer Zeitmaschine ganz zu schweigen. Doch Alexander schafft es tatsächlich, reist in die Vergangenheit, schafft neue Voraussetzungen für die Gegenwart - nur um eine schreckliche Lektion zu lernen: Die Vergangenheit lässt sich letztlich nicht ändern. Seine Schlussfolgerung: Vielleicht findet er sein Heil in der Zukunft. Er steigt wieder in die Zeitmaschine, reist ins Jahr 2030 und lernt dort Vox kennen, ein Computer-Hologramm, das ihm jede nur denkbare Frage beantworten kann.

"Vox ist praktisch das Internet mit eingebautem Sarkasmus", lacht Wells. "Dargestellt wird er von Orlando Jones, der die Rolle entscheidend mitgestaltet und riesigen Spaß dabei hat." Jones kommentiert mit einem Augenzwinkern: "Vox ist ein Lexikon, das das gesamte menschliche Wissen speichert. Grundsätzlich weiß er alles - das heißt also: Er ist mir sehr ähnlich. Nein, im Ernst: Die Arbeit war das reine Vergnügen, vor allem mit Simon bringt das Spaß. Er hat mir bei der Gestaltung der Rolle ungeheuer geholfen. Also hat er natürlich auch Schuld, wenn die Zuschauer Vox auf der Leinwand unsympathisch finden. Doch falls die Zuschauer Vox mögen, liegt das natürlich an mir!"

Klar ist somit: Vox' Antworten stellen Alexander vor neue Fragen. Bevor er jedoch in seine Gegenwart zurückkehren kann, wird er 800.000 Jahre in die Zukunft katapultiert. Dort lernt er das Volk der Eloi kennen, das sein Dorf an eine senkrechte Felswand gebaut hat. Zwei junge Eloi, Mara und ihr kleiner Bruder Kalen, nehmen Alexander in ihrer Behausung auf und freunden sich mit ihm an. Sie führen ihn in eine seltsam fremdartige Welt ein.

Wer das Buch gelesen und den Film von 1960 gesehen hat, kennt Mara als Weena. Die Filmemacher spürten jedoch deutlich, dass jenes Mädchen, das sich gegen sein Volk stellt und sich mit dem Fremden anfreundet, mehr dem heutigen Frauenbild entsprechen mußs. Seine frisch erkämpfte Unabhängigkeit bescherte ihm auch einen neuen Namen: Mara.

Es wäre reines Understatement, die Besetzung der Mara einfach nur als "schwierig" zu bezeichnen. Die Filmemacher suchten ein neues Gesicht - gleichzeitig wollten sie mit diesem Gesicht ausdrücken, in welche Richtung sich die Evolution der Menschheit entwickelt. "Wir stellten uns ein frische, aufregende junge Frau vor, die als eine Eloi in ferner Zukunft überzeugt", stellt Valdes fest. "Um zu zeigen, wie wir in tausenden von Jahren aussehen werden, mußs man von der heutigen Situation ausgehen. Die Weltbevölkerung wächst zusammen, vermischt sich. Unsere Mara sollte also exotisch aussehen. Deswegen schickten wir unsere Besetzungschefs rund um die Welt: einen nach Sydney, einen nach London, einen nach New York, einen nach Los Angeles und einen nach Jamaica. Im September ging es los, doch Ende Januar hatten wir immer noch keine Hauptdarstellerin. Dabei war der Drehstart am 5. Februar bereits in Stein gemeißelt. Ich gebe es gerne zu: Uns stand der Angstschweiß auf der Stirn."

Zu diesem Zeitpunkt hatte Besetzungschefin Mindy Marin einen Termin mit Samantha Mumba. Die irische Sängerin hatte es mit ihren Songs bereits ganz nach oben in die britischen Charts geschafft und bereitete ihren ersten Auftritt in den USA vor. Marin drehte Testaufnahmen und schickte die Cassette an Wells, Parkes und Valdes.

Parkes erinnert sich: "Meine Frau (Executive Producer Laurie MacDonald) und ich schauten uns die Cassette an and waren ganz aus dem Häuschen. Da kommt meine Tochter rein und sagt: ,Hey, das ist doch Samantha Mumba, die ist ein großer Popstar.' Wir hatten keinen Schimmer. Einfach erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sie keinerlei Erfahrung als Schauspielerin hat? ein echtes Naturtalent."

Wells ging es genauso: "Manchmal kommt das vor: Da fällt es einem wie Schuppen von den Augen. Samantha hat außergewöhnliches Talent, wir waren hingerissen. Sie hat die Gabe, auch ganz subtile, gefühlsmäßige Regieanweisungen in ihr Spiel zu integrieren. Sie arbeitete hochkonzentriert, gab 100 Prozent, jeden Tag."

Mumba berichtet, dass mit ihrer ersten Rolle "ein Traum in Erfüllung ging. Als die Nachricht eintraf und ich die Rolle bekam, stand ich total unter Schock. Ich konnte es einfach nicht glauben. Und dabei ist es eine so schöne Rolle. Mir hat die Arbeit sehr gefallen. Mara hat einen starken Charakter, sie trägt einen klugen Kopf auf ihren jungen Schultern."

Als Samantha Mumba besetzt war, brachte sie einen unerwarteten Bonus mit. Dazu Wells: "Zufällig ist Samanthas kleiner Bruder genauso alt wie Maras jüngerer Bruder Kalen in unserer Story. ,So etwas gibt es doch gar nicht', dachte ich mir, und dann: ,Warum eigentlich nicht? Wir testen ihn einfach.' Auch er erwies sich als Naturtalent - überflüssig zu erwähnen, dass die beiden als Geschwister natürlich völlig überzeugen."

Als Samantha Mumba erfuhr, dass ihre Szenen 800.000 Jahre in der Zukunft angesiedelt sind, war sie sehr überrascht, denn die Welt der Eloi erscheint überhaupt nicht futuristisch. "Ganz im Gegenteil", stellt sie fest. "Das ganze Leben hat sich wieder zurück zur Natur hin entwickelt. Die Eloi sind ein wunderbares Volk, doch sie müssen sich mit schrecklichen Dingen auseinandersetzen."

Anlass für diese Schrecken sind die Morlocks, wilde Kannibalen, die aus ihrer unterirdischen Welt auftauchen, um die Eloi zu jagen. Jahrhunderte evolutionärer Entwicklung haben die Morlocks in verschiedene Kasten getrennt: die Spione und die Jäger. Die Jäger werden von einem überraschend klugen, furchteinflößenden, menschenartigen Herrscher angeführt, der "Über-Morlock" genannt wird.

Fans von "The Time Machine" könnten annehmen, dass John Logan diese Figur neu dazuerfunden hat, aber Simon Wells weist auf ein besonderes Detail im Werk seines Urgroßvaters hin: "Der Über-Morlock ist der Kopf der ganzen Bande. Er übt seine Macht mit einer Art Hypnose aus. Zufällig entdeckte ich dieses Motiv in einer früheren Fassung des Romans. Aus der später veröffentlichten Fassung hat er es gestrichen, doch wir nehmen es wieder auf, um für Alexander einen Gegner zu schaffen, der seiner würdig ist."

Nur ein Name kam für die Besetzung des Über-Morlock in Frage: Jeremy Irons. "Der Über-Morlock mußs seine Untertanen in den Bann schlagen, er ist eine charismatische Figur, die mit Angst regiert. Es gibt nur sehr wenige Schauspieler, die zu seiner solchen Darstellung in der Lage sind. Jeremy Irons stand auf unserer Liste ganz oben", berichtet Valdes. Und Parkes fügt hinzu: "Uns schwebte folgendes vor: Wenn man diesem schrecklichen Herrschaftssystem auf den Grund geht, findet man einen mächtigen, einnehmenden, intelligenten, wortgewandten, angsteinflößenden MENSCHEN. Es geht also nicht so sehr um eine gruselige Maske, sondern vor allem um den Schauspieler. Und Jeremy Irons gehört ganz einfach zu den besten Darstellern der Welt."

Jeremy Irons sagt: "Am meisten Spaß macht mir die Tatsache, dass ich beim Konzept dieser Rolle aktiv mit einbezogen werde. Ich will mit dieser Figur überraschen - der Über-Morlock soll keinem Klischee entsprechen, auf das die Zuschauer vorbereitet sind. Ursprünglich war er als Erzbösewicht angelegt. Aber mich interessiert immer das Gute in den Schurken - und das Böse in den Helden: also die Grauzonen dazwischen. Selbstverständlich erfüllt der Über-Morlock seine dramaturgische Aufgabe. Aber innerhalb dieser Funktion haben wir das Konzept bis zum Anschlag ausgereizt: Wir wollen die Zuschauer ebenso amüsieren wie gruseln. Sie sollen ihre vorgefasste Meinung in Frage stellen, auch die Schlussfolgerungen des Helden erweisen sich als trügerisch. Er mußs seine Zielsetzung mehrfach überdenken, ja er mußs mit dem Scheitern seiner Mission rechnen - das ist nun mal das Risiko, wenn man es mit Menschen zu tun hat. Als wir dann die ersten Szenen drehten, hat der Über-Morlock uns selbst überrascht - manchmal ist er sehr amüsant, manchmal einfach furchterregend. Ich habe mich dieser Aufgabe sehr gern gestellt - das war wirklich Teamarbeit mit allen, die an diesem schöpferischen Prozess beteiligt waren."

Die Morlock-Jäger und die Morlock-Spione werden eher durch ihr Äußeres als durch ihre darstellerischen Qualitäten charakterisiert. Durch seine Erfahrung mit der Animation fällt es Simon Wells nicht schwer, Figuren auf dem Papier zu entwerfen. Die ursprünglichen Entwürfe stammen von ihm - sie bildeten den Anhaltspunkt für den mehrfach Oscar-preisgekrönten Special-Effects-Makeup-Guru Stan Winston.

"Wir haben uns beim Design der Morlocks sehr eng an Simons Vorgaben gehalten", kommentiert Winston. "Von Anfang an war klar, dass es nicht reichen würde, Schauspieler nur zu schminken - das war bei der Schädelform, bei der Position von Augen und Mund nicht machbar. Stattdessen schufen wir komplett animatronisch gesteuerte Gesichter: Sie können die Augenbrauen heben, die Augen rollen, Lippen und Kiefer bewegen und so weiter. Dadurch drücken sie jede nur denkbare Emotion aus."

Die Köpfe der Morlock-Spione und -Jäger ähneln sich stark - in beiden sind etwa 32 Servo-Motoren eingebaut. Die Gesichtsbewegungen in jedem Kopf werden von jeweils drei Puppenspielern gesteuert. Da die Morlocks künstliche Augen haben, mußsten sich die Schauspieler, die in ihnen stecken, an einer winzigen Kamera mit Monitor orientieren, die in die Nase eingebaut war und ihnen so erlaubte, sich in der "Außenwelt" zu bewegen.

Für das Fell der Morlocks wurde ein kompletter Körperabdruck jedes einzelnen Darstellers angefertigt. Auf den Abguss goss man dann Schaumgummi, das im Ofen getrocknet und zusammengenäht wurde - ein perfekt sitzender Anzug. Die Farbe trug man anschließend mit Hilfe von Gummikleber auf. Schließlich wurde das Fell Haar für Haar aufgeklebt. Ein fertiger Morlock-Anzug wiegt gut zwölf Kilogramm - wahrlich kein Vergnügen für den Stuntman, der in dem Kostüm steckt.

Stunt-Coordinator Jeff Imada berichtet: "Immer wenn die Darsteller Anzüge tragen müssen, die ihre Körperformen durch Maskenteile verändern, gibt es zwei grundsätzliche Probleme: Wie vermeide ich, dass es drinnen zu heiß wird, und wie gewährleiste ich eine normale Atmung? Hinzu kommt, dass die Wahrnehmungsfähigkeit der Männer stark eingeschränkt ist: Sie haben keine normalen Hände mehr zur Verfügung, mit denen sie etwas greifen könnten. Sie können kaum etwas sehen; sie starren stattdessen auf einen winzigen Schwarzweiß-Monitor, der die übliche dreidimensionale Sicht völlig verzerrt."

Aber das Resultat war die Mühe wert, wie David Valdes bestätigt: "Das Tollste daran: Wenn die Morlocks auf der Leinwand erscheinen, jagen sie mir genauso viel Angst ein wie vor 40 Jahren." Samantha Mumba stimmt dem zu: "Als ich sie das erste Mal sah, hatte ich große Angst. Wirklich gruselig, wenn diese Horden auf uns losstürmen."

Im Vergleich dazu hatten die Darsteller der Eloi mit ihren Kostümen keinerlei Probleme. Allerdings mußsten sie sich Ganzkörper-Tattoos schminken lassen. An manchen Tagen tätowierten die Maskenbildner bis zu 120 Schauspieler und Statisten mit ihren Farbpistolen.

Vier Welten Die Handlung der The Time Machine entführt uns in vier verschiedene Welten. Laut Wells ist "die erste Welt das New York am Ende des 19. Jahrhunderts. Dann reisen wir in die für uns nahe Zukunft, in die Jahre 2030 und 2037. Schließlich gelangen wir in die weit entfernte Zukunft, in der die idyllische Welt der Eloi mit der Unterwelt der Morlocks konfrontiert wird - sie erinnert an Dantes "Inferno". Jede dieser Welten ist durch einen ganz spezifischen Stil geprägt."

Die ersten Sequenzen spielen 1899 in New York City. Auch darin weicht der Film vom Roman ab, der in London beginnt. "Das New York der letzten Jahrhundertwende war eine außergewöhnliche Stadt", erklärt Wells. "Sie wuchs exponenziell - ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen, aber auch der Nährboden für wissenschaftlichen Fortschritt. Ein besserer Schauplatz für unsere Story lässt sich nicht vorstellen."

Die Filmemacher verzichteten auf Studiobauten, lieber drehten sie im Norden des Staates New York, der sich den europäischen Charme der damals schnell wachsenden Stadt New York bewahrt hat. Produktionsdesigner Oliver Scholl und sein Team fügten nur noch ein paar Details aus der alten Zeit hinzu, und die Kostümabteilung lieferte ihrerseits Kleidung aus jener Epoche, die im wesentlichen fertig bei Kostümverleihen in Los Angeles und Großbritannien zur Verfügung standen. Zweimal wurde das Produktionsteam von Schneestürmen heimgesucht. "Mitten im Winter standen wir in knietiefem Schnee", erinnert sich Wells. "Wir froren erbärmlich. Aber das war die Sache wert, denn kein Studioschnee wirkt jemals echt. Vor allem sieht man den Atem der Schauspieler - das ist kein Spezialeffekt!"

Besonders bei diesen Aufnahmen an Außendrehorten bauten die Filmemacher ihre Verbeugungen vor George Pals originaler Verfilmung ein: Alan Young hat vor 40 Jahren den Philby gespielt - diesmal taucht er in einem Gastauftritt als Blumenverkäufer auf. Ein fast unglaublicher Zufall ereignete sich, als Young bei der Einkleidung den steifen Kragen seines Kostüms ins Empfang nahm: Der mit verblasster Tinte hineingeschriebene Name lautete "Alan Young" - es war kaum zu fassen, aber er hatte bei den Dreharbeiten 1960 genau diesen Kragen getragen.

Die Außenansicht des Hartdegen-Hauses fand man in Albany. Sein Labor und Gewächshaus entstanden allerdings im Warner Bros. Studio im kalifornischen Burbank. "Das Labor haben wir mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet", sagt Wells. "Denn an seiner Beschaffenheit lässt sich die Psyche unserer Hauptfigur ablesen. Die Zuschauer erfahren so eine ganze Menge über ihn, ohne dass dies in Worte gefasst werden mußs."

Der Innenrequisiteur Victor Zolfo hatte viel Freude daran, für die damalige Zeit charakteristische Utensilien zu besorgen oder nachzubauen. Zolfo nennt den Wissenschaftler Alexander "fast einen Mann der Renaissance. Alles, was damals Schlagzeilen machte, interessiert ihn: die Evolution, die Physik, Astronomie, Elektrizität. Mit all diesen Disziplinen beschäftigt er sich gleichzeitig und auf engstem Raum."

Ein waschechter Mathematiker wurde engagiert, um die riesigen Wandtafeln mit authentischen Gleichungen vollzuschreiben. Als äußerst schwierig erwies sich die Beschaffung der zahllosen Uhren aus jener Zeit, die demonstrieren, wie sehr Alexander von der Zeit besessen ist. Ungefähr 100 Uhren in allen erdenklichen Formen und Größen kamen schließlich zusammen. Eine davon spielte bereits in der "Zeitmaschine" von 1960 eine wichtige Rolle. Doch auch diesmal war es der Zufall, der den Filmemachern diese kleine Verbeugung vor ihrem Vorbild ermöglichte. Bei der Gestaltung des Lebensraumes von Eloi und Morlocks konnten Simon Wells und Oliver Scholl ihrer Fantasie dagegen freien Lauf lassen. "Meine Erfahrung im Zeichentrickbereich erwies sich als äußerst nützlich - denn hier ging es um die Gestaltung einer Welt, die es ganz einfach nicht gibt", sagt Wells. "Aber das bin ich gewohnt: Ich sitze vor dem weißen Blatt Papier und erschaffe eine ganze Welt aus dem Nichts."

"Ich habe als Illustrator angefangen, er in der Animation", fügt Scholl hinzu. "Und so haben wir stundenlang gemeinsam gearbeitet - wir haben uns die Ideen per Zeichnung buchstäblich zugeworfen. Ich empfinde es als große Gabe bei einem Regisseur, wenn er die Probleme des Designs versteht und mit den unendlichen Möglichkeiten spielerisch umgehen kann." Trotz der fruchtbaren Zusammenarbeit fiel ihnen die konkrete Gestaltung der Eloi-Welt reichlich schwer - bis DreamWorks-Chef Steven Spielberg einen Vorschlag machte. Scholl erinnert sich: "Steven sagte in einem Nebensatz, dass die Häuser der Eloi vielleicht himmelwärts ausgerichtet sein sollten - zum Licht, zur Freiheit. Denn die Morlocks leben als Kontrast in der Finsternis."

Wells fügt hinzu: "Steven stellte die Idee in den Raum, dass die Eloi eigentlich versuchen, so weit wie möglich vom Erdboden wegzukommen. Sie schließen sich nachts aus Sicherheitsgründen in eine Art Käfig ein. Oliver ist über sich hinausgewachsen, um diese Ideen in das Konzept zu integrieren. Über Nacht entwarf er die am Kliff hängenden Schwalbennester - sie sind weniger der Erde als der Luft verbunden."

Hoch über dem Fluss klebt das Eloi-Dorf an der senkrechten Felswand - Brücken und Stege verbinden die Behausungen. Das Dorf entstand im wesentlichen in der riesigen, 30 Meter hohen Studiohalle 16 der Warner Bros. Studios. Die Konstruktion über dem Abgrund enthält einen echten Wasserfall und ist 20 Meter hoch, sie besteht aus einem Stahlgerüst, dessen Außenhaut aufgeschäumt wurde. Die röhrenförmigen Stahl-"Hütten" und Stege präparierte man so, dass sie wie Bambus aussehen. Der Wasserfall wurde aus einem Wassertank gespeist, der drei Millionen Liter fasst. Eine Acht-Zoll-Bewässerungspumpe förderte das Wasser hinauf in einen 1600-Liter-Tank am oberen Ende des Kliffs. Von dort lief es über eine Wasserrinne zur Felskante und stürzte dann in den "Fluss" am Fuß des Sets.

Der Abgrund unter dem Dorf war für Crew und Darsteller durchaus keine Illusion, sondern sehr real. Walter Parkes meint lachend: "Am Anfang gab es dauernd misslungene Einstellungen, weil die Schauspieler während des Dialogs ängstlich nach unten schielten. Sie waren zunächst höchst irritiert."

"Die Arbeit auf diesem Set war reichlich problematisch", gibt auch Guy Pearce zu, der fast eine Woche 20 Meter über dem Erdboden zubrachte. "Wir balancierten über 60 Zentimeter breite Stege - auf beiden Seiten lugte der gefährliche Abgrund. Klar, dass wir da sehr aufpassen mußsten, wo wir hintraten."

Natürlich konnte sich Alexander in dieser ungewohnten Umgebung den Luxus leisten, etwas unsicher über die luftigen Stege zu klettern. Doch die Eloi-Darsteller kamen nicht in den Genuss dieses Privilegs. Dazu Stunt Coordinator Jeff Imada: "Die Eloi müssen sich in der Felswand logischerweise völlig natürlich bewegen, denn sie kennen ja kein anderes Leben. Ohne Zögern müssen sie über die Stege laufen, klettern oder sich von den Felsen schwingen. Wir halfen mit ein paar Extra-Geländern nach, und einige Schauspieler wurden durch Drahtseile gesichert, damit jeder angstfrei agieren konnte."

Kameramann Donald McAlpine leuchtete die Kliff-Sequenzen je nach Tageszeit mit hellem Sonnenlicht oder mit dem Schein von Lagerfeuern aus. Das Tageslicht bestand aus riesigen Scheinwerfern, die jeweils in den Ecken der Halle installiert waren. Eine 20 mal 12 Meter große "Wolke" hing von einem gewaltigen Industriekran herab, um gegebenenfalls die Dämmerung zu simulieren. Das flackernde Licht der glimmenden Lagerfeuer, die die Dämonen der Finsternis vertreiben sollen, ließ sich dagegen mit subtilem Scheinwerferlicht imitieren. Die Dämonen der Eloi erscheinen in Gestalt der gefürchteten Morlocks, die in einem unterirdischen Labyrinth aus Tunneln und Höhlen wohnen. Oliver Scholl: "Die Eloi bauen sehr gut konstruierte Hütten aus natürlichen Materialien, während der Baustil der Morlocks völlig chaotisch ist. Sie verwenden künstliche Materialien. Und sie versuchen sich die Natur zu unterwerfen."

In der Kammer des Über-Morlocks gibt es Wasserbecken, die das Licht an die 2.50 Meter hohe Decke reflektieren. McAlpine berichtet: "Wir wählten einen tiefen Kamerawinkel, und das Wasser der Becken reflektiert das Licht auf die Gesichter der Darsteller - ein sehr beeindruckender Effekt."

Die Zeitmaschine Fraglos bildet die eigentliche Zeitmaschine das zentrale Design des Films. Parkes nennt die Maschine "einen direkten Nachfahren der Maschine aus dem ersten Film - sogar einen handgefertigten Friseurstuhl mit Lederbezug haben wir wieder verwendet. Wir legen großen Wert darauf, bestimmte Aspekte aus George Pals Film zu übernehmen. Das wichtigste Requisit ist natürlich die Zeitmaschine selbst."

Simon Wells pflichtet ihm bei: "Wir schätzen den ersten Film über alle Maßen. Also habe ich schon bei den ersten Arbeitssitzungen mit Oliver Scholl klargemacht, dass wir rotierende Scheiben brauchen. Das gehört zu Zeitmaschinen nun mal dazu", grinst er. "Dabei haben wir die unterschiedlichsten Materialien ausprobiert. Dann fiel mir ein, dass der Zeitreisende im Roman als Professor der physikalischen Optik eingeführt wird. Also haben wir Fresnel-Linsen benutzt, wie sie in Leuchttürmen verwendet werden. Sie bilden die lichtbrechenden Elemente, die kreisförmig zusammengefügt sind."

Die abgesegneten Konzept-Entwürfe und Illustrationen erhielt dann Computer-Designer Tim Wilcox als Vorlage. Er baute im Rechner ein komplett dreidimensionales digitales Modell, das sich aus jedem beliebigen Blickwinkel betrachten lässt. Damit konnte man die Bewegung der Maschine simulieren.

Die virtuelle Vorlage diente wiederum den Modellbauern Dana Juricic und Andrew Jones zur Orientierung bei der Fertigung eines maßstabgetreuen Modells der Zeitmaschine, an dem man Details und die Oberflächenstruktur überarbeitete. Man probierte aus, wie sich die Einzelteile zusammensetzen ließen, und wie der Schauspieler darin Platz findet. Wenn etwas geändert werden mußste, ging das Modell wieder an Wilcox, der das digitale Modell entsprechend modifizierte. Schließlich fertigte Ausstatter Darrell Wight den endgültigen Entwurf an, fügte entsprechende Details aus dem 19. Jahrhundert hinzu und verstärkte die Statik der Maschine, so dass Special-Effects-Leiter Matt Sweeney und sein Team endlich ein originalgroßes Modell bauen konnten. "Das war eine sehr intensive Bauphase", sagt Sweeney. "Denn die Maschine enthält unglaublich viele bewegliche Teile. Etwa ein Dutzend Hebel setzen entsprechende Elektromotoren in Gang. Allein der Antrieb besteht aus drei verschiedenen Motoren. Über die Elektrik werden die Scheibenelemente ein- und ausgefahren. Und der Hauptmotor steuert die Rotation der oberen und unteren Scheibe gegenläufig."

Die fertige Maschine ist 3,15 Meter hoch und wiegt etwa 2,7 Tonnen. Darsteller und Filmemacher zeigten sich schwer beeindruckt. "Ich habe den Eindruck, dass wir alle nicht darauf vorbereitet waren, als wir die fertige Maschine endlich bestaunen konnten", sagt Wells. "Bei solchen Gelegenheiten schießen einem die Tränen in die Augen. Sie besteht aus drei Tonnen Aluminium und Kunststoff, sieht aber absolut so aus wie aus Messing und Glas gefertigt. Sie ist so schön, dass es uns vor Ehrfurcht die Sprache verschlug."

Vor allem Guy Pearce fühlte sich inspiriert, denn er sollte die Maschine ja tatsächlich besteigen. "Als Schauspieler ist man immer auf die Kostüme, das Makeup und die Requisiten angewiesen, um sich wirklich in die Rolle hineinzuversetzen. Als ich die Zeitmaschine erstmals in voller Funktion erlebte, spürte ich förmlich, welchen Ehrgeiz Alexander in sie investiert hat - ein echtes Genie."

Tatsächlich war aber erst ein Teil der Wegstrecke geschafft. Jetzt kam es darauf an, den Zuschauer zu überzeugen, dass diese viktorianische Maschine Alexander tatsächlich durch die Zeit transportieren kann. Wells' Kommentar: "Wir legten einfach fest, dass die Maschine eine Sphäre erzeugt, in der die Zeit vergeht. Die Maschine reist nur auf der Zeitachse, bleibt aber immer am selben Ort."

Das Effekte-Team schuf die Zeitsphäre im Computer. Verantwortlich dafür war James E. Price. "In einer bestimmten Phase müssen die Scheiben schneller rotieren, als das praktisch machbar ist. In diesem Moment übernehmen wir und schaffen eine digitale Version der Scheiben, die sehr viel schneller rotieren. Bei Höchstgeschwindigkeit erscheint ein im Computer generiertes Licht, das Alexander bei der Zeitreise wie ein Kokon umgibt", sagt Price.

Digital Domain stellte seine Effekte-Künstler zur Verfügung, um jene Bilder zu liefern, die Alexanders Reise durch die Zeit sichtbar machen. Dabei legte Drehbuchautor John Logan auf eine Sequenz besonderen Wert. "Wenn ich Bekannten erzählte, dass ich das Skript zu The Time Machine schrieb, hieß es in jedem Fall: Die Szene mit dem Schaufenster des Bekleidungsgeschäfts unbedingt wieder auftauchen. Also blieb das Modegeschäft auch in meiner Fassung, und mit den während der Zeitreise sich ständig verändernden Rocklängen verbeugen wir uns ein weiteres Mal vor dem wunderbaren George Pal."

Als dramatischer und ungleich komplizierter erwies sich die Reise durch 8000 Jahrhunderte - wir erleben, wie sich die Welt geologisch und ökologisch völlig verwandelt. Für die Filmemacher stellte sich beim Remake von "The Time Machine" grundsätzlich die Frage: Wenn es eine solche Machine gäbe, würden wir sie benutzen? "Ich nicht", sagt Logan. "Als Autor möchte ich mir die Zeitreise lieber vorstellen. Natürlich ist es ein menschliches Grundbedürnis, über die Zukunft nachzudenken; aber wenn ich sie real erleben könnte, wäre es ja vorbei damit. Durchaus möglich, dass es eines Tages so etwas wie Zeitreisen geben wird. Aber ich werde sie sicher nicht in Anspruch nehmen."

Guy Pearce hat ähnliche Einwände: "Ich weiß wirklich nicht, ob ich eine solche Möglichkeit wahrnehmen würde. Sicher stimmt die These, dass wir nichts dazulernen, wenn wir kein Risiko eingehen. Aber ist es nicht besser, wenn wir uns ganz der Gegenwart widmen, in der sich das Leben auf natürliche Weise entfaltet und Zukunft oder Vergangenheit das bleiben, was sie letztlich sind - Illusion?"

"Für mich stellt sich in solchen Momenten immer die unlösbare Frage nach dem Paradox der Zeitreisen: Wenn ich in die Vergangenheit reise und meine Großmutter erwürge, kann ich doch auch nicht geboren sein, ich kann also gar nicht zurückreisen, um meine Großmutter zu erwürgen?" überlegt Simon Wells. "Selbst wenn ich in die Vergangenheit reisen könnte, wäre ich unmöglich in der Lage, die Ereignisse zu ändern, die mich betreffen, denn sie haben meine Existenz bestimmt, und diese stellt wiederum die Weichen für meine Zukunft."

"Durch die Zeitreise wird eine Grundfeste unserer Existenz in Frage gestellt: Wir leben in der Gegenwart", reflektiert Walter Parkes. "Ich glaube, dass ich letztlich aus Angst die Finger von der Zeitmaschine lassen würde. Doch wie der Über-Morlock zu Alexander sagt: Wir haben alle unsere Zeitmaschinen. Unsere Erinnerungen lassen uns in die Vergangenheit reisen, und in die Zukunft entführen uns die Träume. Irgendwo dazwischen steckt die schwer fassbare Emotion, die Zeitreisen so faszinierend erscheinen lässt."

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