Historischer Hintergrund zu Die Lady und der Herzog
Szenenfoto

Grace wird um 1760 als Tochter einer schottischen Familie geboren. Nach ihrem Studium in Frankreich heiratet sie Sir John Elliott, lässt sich aber bald wieder scheiden und wird die Mätresse des Prinzen von Wales, des zukünftigen Georg IV. Ihm gebärt sie eine Tochter. Prinz Philippe, Herzog von Orléans, wird auf sie aufmerksam und nimmt sie 1786 mit nach Frankreich. Ihre Liaison geht zu Ende als die Revolution beginnt, aber trotz ihrer politischen Divergenzen bleiben sie Freunde.

Der Film basiert auf Grace Elliotts Memoirenband "Journal of My Life During the French Revolution", in dem die intime Beziehung der Autorin zum Herzog geschildert wird. Der Zeitraum umfasst dabei fünf wichtige Daten in der Geschichte der Französischen Revolution:

14. Juli 1790: Fest der Föderation Der Jahrestag des Sturms auf die Bastille wird mit großem Pomp auf den Champs-de-Mars gefeiert. Der Herzog von Orléans, gerade von einer Mission aus England zurückgekehrt, nimmt an der Seite seines verhassten Cousins, des Königs, daran teil. Zur Vorbereitung dieses Ereignisses kommen die Pariser aller Klassen in Scharen zusammen, um das Gelände dafür herzurichten und intonieren dabei nach der Melodie eines populären Tanzes das berühmte "Ça ira ...", das später als die Marseillaise in die Geschichte eingeht. Zu jener Zeit hat das Lied noch nichts Aggressives, es huldigt die Treue des Königs zur Verfassung.

"Ah! Ça ira , ça ira, ça ira!
Nour l'avons juré, nous serons tous fidèles
Dans tout l'univers chacun parlera
De ce beau serment que le coeur tiendra!"

"Ah! Das geht ran, das geht ran, das geht ran!
Wir haben's geschworen: wir bleiben treu.
Die ganze Welt wird von ihm reden,
diesem großen Schwur der Herzen für jeden!"

10. August 1792: Der Sturz Luwigs XVI. An diesem Tag werden die Tuilerien von der Pariser Bevölkerung und den Delegierten der Provinzen gestürmt. Ludwig XVI. wird gefangen genommen und ins Gefängnis gebracht. Grace Elliott gelingt es, aus Paris in ihr Landhaus in Meudon zu fliehen. 3. September 1792: Die September-Massaker Anfang September kommt das Gerücht auf, dass eine Verschwörung gegen die Nation in den Gefängnissen in Gange sei. Banden, mehr oder weniger organisiert und bis zu einem gewissen Grade manipuliert, brechen in die Gefängnisse ein und folterten die Insassen, zumeist Priester und politischen Häftlinge. Grace kehrt auf die Bitte einer Freundin nach Paris zurück, um einem Geflohenen zu helfen. Als Grace in einer Kutsche am Carmes-Gefängnis vorbeifährt wird sie Zeugin einer Prozession der "sans culottes". An ihr zieht aufgespießt der Kopf der Prinzessin von Lamballe, einer Freundin der Königin und Schwägerin des Herzogs, vorbei. Grace entdeckt, dass der Geflohene kein anderer als der Gouverneur des Tuileries-Palastes ist, ein persönlicher Feind des Herzogs von Orléans und ein Mann, den sie selbst verachtet. Dennoch versteckt sie ihn unter größtem eigenen Risiko. Trotz der großen Abneigung gegen den Mann sorgt der Herzog dafür, dass dieser kompromittierende Gast sicher nach England eskortiert wird. 21. Januar 1793: Exekution König Ludwigs XVI. Grace hat den Herzog, der jetzt zum Revolutions-Konvent gehört und den Spitznamen "Egalité" trägt, nicht daran hindern können, für den Tod des Königs zu stimmen. Aus sicherer Entfernung, von der Terrasse ihres Hauses in Meudon, erlebt Grace die Hinrichtung des Monarchen. Zu diesem Zeitpunkt scheint die Freundschaft zwischen Grace und dem Herzog entgültig zerbrochen zu sein, aber nur einen Monat später finden sie wieder zueinander. Da sich die Lage im Land zunehmend verschlechtert, versucht der Herzog vergebens seine Kontakte spielen zu lassen, um für Grace einen Pass zu bekommen. 1. April 1793: Der Verrat von General Dumouriez General Dumourierz, dem eine Verurteilung durch den Konvent droht, läuft zum Feind über. Er nimmt seinen Adjutanten Herzog Chartres, Sohn des Herzogs und späteren König Louis-Philippe, mit. Über die Orléans-Familie wird der Bann verhängt. Der Herzog selbst wird zunächst unter Aufsicht gestellt. Dann wird er verhaftet, nach Marseille verschleppt und ein paar Monate später wieder zurück nach Paris gebracht, um dort verurteilt und guillotiniert zu werden. Grace wird ein erstes Mal verhaftet und dann ironischerweise auf eigenen Befehl von Robespierres wieder freigelassen. Wenig später wird sie erneut verhaftet. Sie entkommt der Guillotine und stirbt 1923, nachdem sie zunächst in England unter dem britischen Empire und dann wieder in Frankreich unter der Restauration gelebt hatte.
Dirk Jasper FilmLexikon
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