Produktionsnotizen zu Die Königin der Verdammten

Nach sehr langer Zeit wacht der Vampir Lestat wieder auf.

Wir kennen den charmanten Anti-Helden bereits aus Anne Rices erstem Roman der "Chronik der Vampire": "Interview mit einem Vampir". Diesmal übernimmt der irische Schauspieler Stuart Townsend seine Rolle. "Als Lestat zum Vampir wird, ist er etwa eine halbe Stunde lang von seiner schier unbegrenzten Macht wie berauscht", erklärt Townsend. "Doch dann wird ihm klar, zu welchem Monster er mutiert ist - nie wieder wird er normale menschliche Beziehungen pflegen können. Von da an geht es bergab."

Entweder wollte er nicht ewig im Schatten dahinvegetieren - oder er konnte es einfach nicht. Jedenfalls fühlte sich Lestat völlig vom Leben ausgegrenzt, und so beschloss er vor 100 Jahren, lieber zu verschwinden als sich dieser grausigen Existenz zu unterwerfen.

Lestat verbarrikadiert sich in einer Gruft auf dem Friedhof Lafayette in New Orleans. Dort ruht er bis in die 90er-Jahre. Dann dringt ein Sound an sein Ohr, der seine Meinung ändert: Er spürt, dass er eine neue Chance bekommt. "Einsam und gelangweilt hat er 100 Jahre lang in dem Verlies verbracht", sagt Regisseur Michael Rymer. "Doch dann hört er Rockmusik, findet sie höchst anregend und steigt aus seinem Grab, um mehr zu erfahren. Er schaut sich die Kids an: voller Tattoos und Piercings, sehr erotisch, die klaren Grenzen zwischen den Geschlechtern verschwimmen. Als Vampir des 18. Jahrhunderts, den die strikte Moral in Europa extrem frustriert hat, wirkt diese Begegnung wie eine fantastische Offenbarung."

Sofort spürt Lestat, dass er in dieser freizügigen Epoche völlig offen auftreten kann - er mußs seine wahre Natur vor der ahnungslosen Masse in keiner Weise verbergen. "Er steigt aus seinem Grab und behauptet: Ich bin ein Vampir. Da lachen seine Bandmitglieder nur und halten ihn für eine Art Marilyn Manson", erklärt Rymer. "Doch seine Macht als Vampir birgt natürlich ein ungeheures Potenzial, das sich auf seine Musik überträgt und ihn über Nacht zur Rockstar-Sensation aufsteigen lässt."

Bald hat Lestat weltweit großen Erfolg, und sein unwiderstehlicher Sound dringt auch an das Ohr von Akasha, der Mutter aller Vampire. Sie wird von dem uralten Vampir Marius in einer Gruft unter Verschluss gehalten. Die Rolle der Akasha übernimmt der international gefeierte Nachwuchsstar Aaliyah. Die Vampir-Ahnin erwacht nach Jahrtausenden, als sie in Lestats Musik die Stimme einer verwandten Seele vernimmt: Nur er ist ihr ebenbürtig, und so will sie ihre frühere Macht zurück, um mit ihm die Welt zu beherrschen. "Plötzlich taucht Akasha auf und schnappt sich Lestat", sagt Rymer. "Ihr Angebot: Willst du die Sonne wiedersehen? Dann begleite mich, und wir beide werden die Welt beherrschen. Lestat wird so zum legendären Zauberlehrling: Er entfesselt Kräfte, die er nicht mehr im Zaum halten kann."

Nur eine einzige Sterbliche hat Lestats sklavischer Abhängigkeit von Akasha etwas entgegenzusetzen: Die junge Jesse fasziniert ihn. Gespielt wird Jesse von Marguerite Moreau, die Kinofans vor allem als Connie aus den drei "Mighty Ducks"-Filmen kennen. "Jesse ist eine der wenigen Sterblichen in unserer Story", verrät Moreau. "Als Mitarbeiterin des Instituts Talamaska übersetzt sie alte philosophische Schriften und erforscht paranormale Vorgänge. Sie kommt mit ihrem eigenen Leben überhaupt nicht zurecht, hat ihren Platz in der Welt noch nicht gefunden. Doch je näher sie den Vampiren kommt, desto lebendiger fühlt sie sich. Ähnlich wie Lestat spürt sie erstmals, dass sich jemand für sie interessiert."

Die Welt der Sterblichen liegt Lestat zu Füßen, aber die Gemeinschaft der Vampire hasst ihn dafür. Eine der wichtigsten Grundregeln für Vampire lautet: Sie dürfen sich oder ihre Schicksalsgefährten nie einem Sterblichen offenbaren - es sei denn, der Sterbliche wird selbst zum Vampir. Obwohl unsterblich, sind die Vampire nicht unverwundbar, und wenn die Sterblichen von ihrer Existenz erfahren, werden sie die Untoten jagen, bis der letzte vernichtet ist. Doch jetzt steht Lestat unbekümmert im gleißenden Licht der Öffentlichkeit, er gibt alle Geheimnisse preis, die die Vampire zu ihrer eigenen Sicherheit über Jahrtausende bewahrt haben. Das finden sie überhaupt nicht komisch.

"Lestat sehnt sich nach der Öffentlichkeit", führt Produzent Jorge Saralegui aus. "Er hält sich für übermächtig. Ich habe keine Angst, sagt er. Warum sollte ich mich verstecken? So gesehen verhält sich Lestat wie ein pubertierender Jugendlicher, der erstmals spürt, dass er etwas bewegen kann. Seine Hormone spielen verrückt. Da fragt er sich doch: Warum eigentlich nicht? Ich bin unbesiegbar - ich rase in meinem Wagen ohne Licht mit 200 Sachen durch die Gegend, weil's eben Spaß macht. Doch irgendwann begreift der Teenager, dass man sich in der Gesellschaft nicht so aufführen kann - in diesem Fall ist es die Gesellschaft der Vampire."

Trotzig plant Lestat ein gewaltiges Konzert im kalifornischen Death Valley, um seine Gegner zu provozieren. Die Vampire nehmen die Herausforderung an, aus aller Welt kommen sie zusammen, um dem Verräter ein für allemal das Maul zu stopfen. Und während sich Akasha unaufhaltsam in sein Leben drängt, haben Marius und die Alten alle Hände voll zu tun, sie aufzuhalten. Denn Akasha könnte sie alle ins Verderben stürzen. Auch Jesse setzt sich mit Todesverachtung höchster Gefahr aus, indem sie an Lestats Seite bleibt. Wer wird in dieser Schlacht die Oberhand behalten?

Stars mit spitzen Eckzähnen 1998 erwähnte Michael Rymer bei einem Treffen mit den Warner-Bros.-Pictures-Managern, dass er sehr gern das nächste Buch aus Anne Rices "Chronik der Vampire" verfilmen würde. "Beim Lesen der Romane ließ ich mich begeistert in diese ganz eigentümliche Welt entführen", sagt Rymer. "Verblüffend, mit welchem Einfallsreichtum Anne Rice sich in die Situation der Vampire hineinversetzt. Bei manchen Kapiteln dachte ich: Wenn es tatsächlich Vampire gibt, dann müssen sie sich wohl mit genau diesen Problemen herumschlagen." Der Zufall wollte es, dass Warner Bros. tatsächlich eine Option auf das Buch hatte und es Rymer sofort anbot.

Seine besondere Vorliebe fürs Horrorgenre teilt Rymer mit Produzent Jorge Saralegui. Der Buchautor Saralegui hatte für seinen ersten Roman ebenfalls ein Vampir-Thema gewählt, und Rymer begeisterte sich schon als Kind für Gruselfilme. "Ich war wie besessen hinter Dracula und den anderen Vampirfilmen her", verrät Rymer. "Gerade die übernatürlichen Elemente hatten es mir angetan. Ich identifizierte mich immer mit den Monstern, denn sie waren die Außenseiter - verachtet und missverstanden. Solche Figuren gefielen mir deutlich besser als der Rest."

Saralegui merkte schnell, dass sich Rices Roman "Die Königin der Verdammten" nur schwer in ein Drehbuch umsetzen ließ. "Wir haben ziemlich lange gebraucht", erinnert er sich. "Denn die Romanhandlung ist so reich an Details. Für den Film mußsten wir also den Kern der Geschichte herauslösen. Wir hielten es für wichtig, Lestats Ursprünge als Vampir zu zeigen. Deswegen übernahmen wir auch wesentliche Elemente des Romans "Der Fürst der Finsternis". Doch in allen Entscheidungen ließen wir uns vom Geist der Anne-Rice-Romane leiten."

Anne Rice ist mit ihren gefeierten Bestsellern zur Königin des Genres aufgestiegen. Sie ist davon überzeugt, dass die Filmemacher eine kluge Auswahl getroffen haben. "Der Film überträgt die Chronik der Vampire sehr dynamisch und originell auf die Leinwand", sagt sie. "Der elegante Look ist einfach überwältigend, die Schauspieler überzeugen mich voll und ganz. Diese mitreißende Inszenierung wird auf jeden Fall ihren Platz unter den bemerkenswertesten Interpretationen der Vampirmythologie einnehmen."

Produzent Saralegui fand seinen Lestat in dem Moment, als er Stuart Townsend in "Resurrection Man" (1998) sah. Townsend spielt in diesem Film den berüchtigten Mörder Victor Kelly: "In der ersten Szene verlässt Stuart als Victor sein Elternhaus, bleibt im Vorgarten stehen, schaut direkt in die Kamera und grinst nur. Wir schauten uns das an und spürten gleichzeitig: Das ist Lestat! Er ist genauso sexy und gefährlich wie der Vampir - die entsprechende Prise Bösartigkeit nicht zu vergessen."

"Stuart übertrifft alle unsere Erwartungen", fügt Rymer hinzu. "Weil Lestat sich als Rockstar neu inszeniert, mußste unser Star beides spielen können: Einen Rockmusiker und einen Vampir. Wir brauchten also einen äußerst charismatischen Darsteller, der gleichzeitig Lestats düsteres, grüblerisches Innenleben sichtbar macht. Stuart kann das alles - er wächst über sich selbst hinaus."

"Vampire gehören zum festen Inventar unserer Kultur", kommentiert Townsend. "Als Schauspieler haben mich solche Rollen immer schon angezogen. Man taucht in eine von Trieben gesteuerte, sehr sinnliche Welt ein. Lestat birgt eine Menge interessanter Aspekte: Manchmal wirkt er wie ein echtes Monster - und dann erscheint er auch wieder sehr menschlich. Eine komplexe Figur - ein wahrer Segen für mich als Schauspieler."

Die wohl schwierigste Besetzung stellte die Rolle der ruchlosen Akasha dar - die einstige ägyptische Königin verfügt über eine immense Macht. Sie hat zwar nicht so viele Szenen wie die übrigen Hauptdarsteller, aber als entscheidender Gegenpol zu Lestat treibt sie die Handlung voran. Die Rolle der Akasha übernahm Popsängerin/Schauspielerin Aaliyah, die am 25. August 2001 22-jährig bei einem Flugzeugabsturz auf tragische Weise ums Leben kam. Während der Dreharbeiten sagte sie: "Schon als kleines Mädchen fand ich Vampire toll. Mir haben die dunklen Gestalten immer mehr Spaß gemacht als die Helden. Für düstere und finstere Dinge bin ich immer zu haben. Außerdem interessiere ich mich für Ägypten und die ägyptische Kunst. Und da stellt sich heraus, dass Akasha nicht nur ein ganz übler Ober-Vampir ist, sondern auch Ägypterin! Die Rolle war wie für mich gemacht, ich wollte sie unbedingt spielen!"

"Aaliyah war als Mensch die Liebeswürdigkeit in Person", sagt Rymer. "Die Rolle entspricht also gar nicht ihrem Wesen. Akasha ist eine Kreatur aus dem Reich der Finsternis - so hinterhältig und bösartig wie Aaliyah lieb und nett war. Akasha gehört also eindeutig auf die Seite der Bösen - und dennoch gibt es Momente, in denen wir uns in sie hineinversetzen können. Wider besseres Wissen fühlen wir uns zu ihr hingezogen, obwohl wir ihr Vernichtungspotenzial genau kennen."

Jorge Saralegui erinnert sich genau, wie ihn Aaliyah von Anfang an in ihren Bann schlug. "Wir haben sie als Erste besetzt", sagt der Produzent. "Wir alle fanden diese Entscheidung sehr riskant, denn Aaliyah war damals gerade mal 22 Jahre alt, und wir vertrauten ihr eine sehr schwierige Rolle an. Akasha ist ein 4000 Jahre alter Vampir, sie war Königin von Ägypten, ist absolut bösartig und äußerst mächtig. Die Schauspielerin mußste also eine Rolle meistern, in der sie sich gebieterisch Respekt zu verschaffen weiß - auch den Respekt der übrigen uralten und ebenfalls grausamen Vampire."

"Ich machte mir große Sorgen, denn Aaliyah war ja keine ausgebildete Schauspielerin", berichtet Rymer. "Und Akasha stellt selbst an eine erfahrene Darstellerin höchste Anforderungen. Also habe ich mich mir ihr zusammengesetzt und die Karten auf den Tisch gelegt. Sie sagte einfach: ?Was soll ich machen? Was nötig ist, das packe ich auch.' Sie nahm also Schauspielunterricht, machte Bewegungstraining, übte mit Sprachlehrern. Sie mußste für mich drei sehr harte Probeaufnahmen absolvieren - ich habe ihr die schwierigsten Sachen abverlangt, die mir in den Sinn kamen. Ich ließ sie eine sehr komplizierte, lange Szene aus Oscar Wildes ?Salome' lernen - abgefasst in einer extrem gedrechselten Kunstsprache. Sie hat die Szene einstudiert und vorgespielt - ganz wunderbar. Die eigentlichen Dreharbeiten waren dann ein einziges Vergnügen - vor allem dank Aaliyah."

Aaliyahs Bruder Rashad, der ihre Szenen nachsynchronisiert hat, war von der Darstellung seiner Schwester tief bewegt. "Wenn ich den Film sehe, empfinde ich das anders als alle anderen, denn ich weiß genau, wie ernst sie ihren Beruf nahm. Was Aaliyah am liebsten tat, war singen, schauspielen, auftreten. Wenn ich also den Film sehe, freue ich mich, weil ich weiß: Wenn ich ihr zusehe, dann ist sie glücklich." Für die Rolle der Jesse, der einzigen Sterblichen unter den Vampiren, wählten die Filmemacher Marguerite Moreau aus. "Jesses Gefühle sind völlig verkümmert", erzählt sie. "Doch als sie in Lestats Bannkreis gerät, blüht sie regelrecht auf. Im Grunde spürt sie das wahre Leben erst in Gesellschaft der Untoten."

"Natürlich fühlt sich Lestat sehr viel weniger von Jesse angezogen als sie von ihm", erklärt Jorge Saralegui. "Doch irgendetwas in ihr bringt in ihm neue Saiten zum Klingen. Er erinnert sich daran, was Menschen besonders auszeichnet. Und dann schweißt sie das Schicksal derart zusammen, wie es niemand voraussehen kann."

Lena Olin und Vincent Perez übernahmen die Hauptrollen der beiden uralten Vampire, die Akasha in ihrem Vernichtungswahn aufhalten müssen. Lena Olin spielt Jesses Tante Maharet - sie gehört zu den ältesten und mächtigsten Vampiren auf Erden. Von vornherein hatte Rymer Lena Olin in der Rolle der Maharet gesehen: "Sie begeistert mich mit jedem neuen Film. Ich hatte riesiges Glück, und ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass sie die Rolle akzeptiert hat."

Perez spielt den Vampir Marius, Lestats Mentor. "Er hat Lestat erschaffen", erklärt Perez. "Die beiden verbindet also eine Art Vater-Sohn-Verhältnis. Marius ist äußerst durchtrieben, sehr humorvoll und so ganz anders als meine bisherigen Rollen. Gerade das macht mir Spaß: Ich möchte so viele unterschiedliche Filme wie nur möglich machen. Ich habe mir nie vorstellen können, einen Vampir zu spielen. Aber Marius ist ein derartiger Fiesling, dass ich dem Vergnügen einfach nicht widerstehen konnte." "Genau wie Lena hat Vincent echte Klasse - was er gestaltet, bekommt Substanz, verleiht dem Film die nötige Ausgewogenheit", stellt Rymer fest. "Beide zeigen sie Spitzenleistungen."

Die Pop-Rhythmen eines Vampir-Rockers Mit Königin der Verdammten stellt Jonathan Davis seine erste eigene Filmmusik vor. Er ist Leadsänger der Heavy-Metal-Band KoRn - Komponist Richard Gibbs lernte ihn über die Agentur kennen, die beide Künstler betreut. Gemeinsam schrieben sie den Soundtrack - und damit die Musik, die Lestat und schließlich auch Akasha zu neuem Leben erweckt.

"Im Roman wird die Goth-Musik der 80er beschrieben", erklärt Jorge Saralegui. "Wir nahmen uns also vor, das Goth-Element in unsere Musik einzubringen, die aber mehr unserer heutigen Zeit entsprechen soll. Da erfuhren wir, dass sich Jonathan Davis von der Band KoRn gern neuen Aufgaben stellt - er hat bereits Songs zu Filmmusiken beigetragen. In Richard Gibbs fand er einen äußerst versierten Partner: Ihre Musik benutzt den Metal-Sound von KoRn als Grundgerüst. Gibbs fügt dann ein atmosphärisches, geheimnisvolles Element hinzu, das die Filmmusik anspruchsvoller macht. Darin ist alles enthalten: Der Triebcharakter der Vampire, ihre perverse Sinnlichkeit."

Noch bevor die Besetzung der Rollen feststand, arbeiteten die beiden Komponisten bereits am Soundtrack - natürlich nicht nur an der orchestralen Untermalung der Szenen, sondern auch an den Rocksongs, mit denen Lestat auftritt. "Einige Songs haben wir zu Hause geschrieben, andere auf Tournee", erinnert sich Davis. "Ein paar der Titel sind Richard und mir eingefallen, während wir in New Jersey mit 150 Sachen über die Autobahn bretterten - man kann sich vorstellen, wie wir da im Bus um zwei Uhr morgens durchgeschüttelt wurden."

Davis fühlte sich beim Komponieren in Lestats Psyche ein: Wie lebt ein Vampir eigentlich? "Ich versuchte mir vorzustellen, 700 oder 800 Jahre alt zu sein: Seine Freunde sind längst tot. Er ist extrem einsam, das Leben kann ihm rein gar nichts bieten. Die Liebe ist keine Lösung, weil die Geliebten über kurz oder lang sterben müssen. Also ein wirklich einsames Leben."

Davis persönlich leiht Lestat im Film seine Singstimme, und seine zusammen mit Gibbs komponierten Songs werden von den bekanntesten Rockern der Szene interpretiert. Marilyn Manson steuert den Titel "Redeemer" bei. "Ich kenne Jonathan schon lange", sagt Manson. "Wir arbeiten bestens zusammen, denn unsere Auffassungen von Musik sind sich sehr ähnlich. Wir gebrauchen unsere Stimmen als Instrument, um das rüberzubringen. Ein Vampir bin ich zwar nicht - aber in diesem Song stelle ich einen dar."

Wayne Static von Static-X singt "Not Meant for Me". "dass man auf meine Mitwirkung Wert legt, ehrt mich sehr", sagt Static. "Denn ich bin ein großer Fan von KoRn und Jonathan Davis. Klar, das war toll: Musik umzusetzen, die er geschrieben hat. Im Herzen bin ich ein Goth geblieben - denn mit diesen finsteren Metaphern bin ich aufgewachsen." Jay Gordon von der Gruppe Orgy singt "Slept So Long". Er zeigt sich beindruckt von Davis' Fähigkeiten, mit seinen Liedern Lestats Gemütsverfassung wiederzugeben. "Jonathan trifft die Stimmung haargenau. Er erweckt die Rolle mit Musik zum Leben."

Außerdem steuert David Draiman von der Gruppe Disturbed den Titel "Forsaken" bei, und Chester Bennington von Linkin Park singt "System". Weiterhin enthält das Album bereits veröffentlichte Tracks von Tricky, The Deftones, Papa Roach und Godhead. In den USA ist das Soundtrack-Album seit Februar auf dem Markt, in Deutschland ist es bei WEA erschienen.

Dreharbeiten im Reich der Finsternis Regisseur Michael Rymer drehte seinen Film daheim im australischen Melbourne. "Natürlich weiß ich, dass wir in Melbourne auf zahlreiche hervorragende Theaterschauspieler zurückgreifen können - die Besetzung der Nebenrollen stellt dort also überhaupt kein Problem dar. In der Praxis erwies sich sofort, wie recht ich damit habe."

Die alten Viertel von Melbourne gleichen der viktorianisch-englischen Architektur auffallend, aber auch die Szenen, die laut Drehbuch in New York, Los Angeles, New Orleans, in der Karibik und auf einer italienischen Insel spielen, ließen sich an Schauplätzen in der Umgebung der Stadt problemlos abdrehen. "Als wir feststellten, dass sich alle Schauplätze in Melbourne finden ließen, haben wir über Alternativen gar nicht mehr nachgedacht", sagt Rymer.

Ganz zu Anfang standen die drei vollständigen Musik-Videos auf dem Drehplan, in denen Lestat und seine Gruppe auftreten - Ausschnitte davon sind auch im Film zu sehen. In diese Videos bauten die Filmemacher einige Anspielungen auf ihre Horror-Favoriten ein: Thematisch orientieren sich die Videos an "Das Kabinett des Dr. Caligari", Murnaus "Nosferatu" und Tod Brownings "Dracula".

Eine Schlüsselszene des Films entwickelt sich vor dem Hintergrund eines gewaltigen Rockkonzert-Spektakels; dort kommt es zum Showdown zwischen Akasha und den alten Vampiren. "Die Vampire sind tierisch sauer, weil Lestat als Rockstar Karriere macht", erklärt Townsend. "Gerade deswegen veranstaltet er dieses große Konzert, denn er weiß genau, dass sie kommen werden, um sich an ihm zu rächen."

Aber wo sollte der Mega-Event stattfinden? Rymer mußste dabei eine Reihe von logistischen Schwierigkeiten aus dem Weg räumen. "Im Buch findet Lestats Auftritt in einer altmodischen Konzerthalle statt", sagt er. "Das kam für uns nicht in Frage, denn in der Szene explodieren die Vampire, und derartige Feuereffekte kann man in geschlossenen Räumen nicht ohne Risiko inszenieren. Mir schwebte ein Event namens "Burning Man" vor, das jährlich in der kalifornischen Wüste veranstaltet wird - eine Art neo-heidnischer Zusammenkunft. Unser Konzert findet also im Death Valley statt: ein Stammestreffen. Lestat formuliert es zwar nicht mit genau diesen Worten, aber letztlich lockt er Akasha mit seiner Musik an, und dieses Konzert wirkt eigentlich gar nicht wie ein Pop-Event - eher schon wie eine religiöse Kulthandlung.

Das Film-Konzert wurde drei eiskalte Nächte lang in einem stillgelegten Steinbruch bei Melbourne gedreht. Mehrere Bands heizten das "Goth"-Publikum an, das über etliche Zeitungsartikel und Radioberichte eingeladen worden war. Im Zentrum der Aufnahmen stand Townsend als Lestat, der mit seiner Band zum Playback der bereits aufgenommenen Songs mimte. "Ich war von zwei- oder dreitausend johlenden Zuschauern umringt", erinnert sich Townsend.

"Und da bekam ich es echt mit der Angst. Ich kam mir vor wie bei der Theaterpremiere eines neuen Stücks - außer dass ich hier singen und den ganzen Rockstar-Zirkus abziehen mußste. Ich war tierisch nervös. Doch das änderte sich schnell - letztlich war dies das tollste Dreherlebnis meiner Karriere. In dieser gottverlassenen Ecke des Globus wurde Kino zum Rockkonzert, zum Goth-Event. Die Atmosphäre war so aufgeheizt - sie knisterte förmlich."

Bei seinem dramatischen ersten Auftritt schwebt Lestat aus großer Höhe auf die Bühne. Um diesen Effekt zu erreichen, wurde Townsend mit einem Stahlseil gesichert und an einem Kran hoch über die Menge gehievt. Dazu Townsend: "Ich habe mir angesehen, wie die Stuntleute die Sache ein paarmal vormachten, und dachte mir: Naja, sieht gar nicht so schlimm aus - so hoch ist es auch wieder nicht: Packen wir's an. Doch dann stehe ich plötzlich da oben und kann mich nicht mehr rühren. Völlig panisch. Hätten da nicht 3000 Leute erwartungsvoll auf mich gestarrt, hätte ich gekniffen und mich wieder runterhieven lassen. Letztlich hat sich mein Ehrgeiz wohl durchgesetzt; jedenfalls brachte der Flug mehr Spaß als das ganze Konzert. Jedesmal, wenn ich wieder hochmußste, kam ich mir vor wie ein Bungee-Springer."

Greg McMurray war für die visuellen Effekte verantwortlich, er ließ sich ein paar neuartige Tricks einfallen, um die vorgegebenen Einstellungen auf Celluloid zu bekommen. "Im Film gibt es eine Szene, in der zwei Personen in Zeitlupe schreiten", sagt Rymer. "Während sie gehen, bewegt sich die Welt um sie herum mit zunehmender Hektik. Es war äußerst kompliziert, diesen Effekt überzeugend umzusetzen. Greg hat dafür einen Roboter gebaut, auf den die Kamera geschnallt wurde: Das Gerät konnte sich über die Straße bewegen und sogar Bordsteine überwinden. Dabei mußste die Roboterbewegung genau mit dem Objektivverschluss der Kamera synchronisiert werden - sonst funktionierte das nicht. Wir haben es geschafft - ganz ohne große Gerüste oder Schienen für die Kamera. Einfach traumhaft."

Produktionsdesigner Graham "Grace" Walker stand vor der Frage, wie Vampire wohl ihre jenseitige Behausung einrichten würden. "So etwas spornt mich natürlich an", freut sich Walker. "Denn der Fantasie sind ja in diesem Fall keine Grenzen gesetzt. Bei vielen Sets ließ ich mich von Orten auf Bali und in Kambodscha inspirieren. Ich bin übrigens extra nach Kambodscha gereist und habe dort bestimmte Bauwerke in Siem Reap und Phnom Penh fotografiert, um Vorlagen und Anhaltspunkte für meine Sets zu bekommen: Es ging vor allem um Maharets großen Saal und Marius' Villa. Wir haben aber auch den Friedhof Lafayette in New Orleans nachgebaut: Dort legt sich Lestat zur Ruhe, dort wacht er 100 Jahre später wieder auf. Und Teile des Observatoriums im Griffith Park von Los Angeles haben wir ebenfalls kopiert."

"Grace Walker hat überwältigende Sets geschaffen", kommentiert Saralegui. "Der schwierigste Aspekt bestand natürlich darin, eine Vampirwelt aus dem Hut zu zaubern, die atmosphärisch stimmig wirkt und den Eindruck einer Parallelwelt vermittelt. Genau das ist ihm mit den Sets gelungen. Sie sind wundervoll ausgestattet, reich an Oberflächendetails und überlebensgroß - eben nicht ganz von dieser Welt."

Für den blutigen Alltag der Vampire war Makeup-Guru Bob McCarron zuständig: tödlich spitze Eckzähne, Blut und die vielen entsprechenden Bisswunden. "Für einen Maskenbildner ist solch ein Film ein echter Traum", sagt McCarron. "Aber er bedeutete auch reichlich Arbeit für mein Team. Michael Rymer hatte ganz exakte Vorstellungen: Blut gibt es natürlich zu sehen, aber es wird eher angedeutet - eimerweise wird es nicht verspritzt."

"Meiner Erfahrung nach erregen Splatter-Szenen nur Ekel - aber gruselig sind sie deswegen noch lange nicht", sagt Rymer. "Hoffentlich ist es mir gelungen, die Spannung gerade dadurch zu steigern, dass ich nicht zu drastisch vorgegangen bin." "In anderen Szenen wollten wir durchaus auch die hässlichen, grausigen Seiten der Vampirexistenz zeigen", fügt Saralegui hinzu. "In solchen Momenten erscheint ein blutiges Gesicht sehr abstoßend. Das ist genau der gewünschte Effekt. Blut setzen wir also unter dramaturgischen Gesichtspunkten ein."

Die prächtigsten Kostüme des Films darf Aaliyah als Akasha tragen. Dazu Kostümbildner Angus Strathie: "Als sie anfangs aus ihrem Schlaf erwacht, trägt sie einen äußerst detailliert gearbeiteten, überreich verzierten Kopfschmuck. Dafür haben wir einen Spezialisten für derartigen Kopfschmuck extra eingeflogen. Dann trägt sie einen Muschelrock, auf den jede Muschel einzeln aufgenäht wurde. Ein Bildhauer modellierte ihren Brustschmuck. In einer Badeszene mit Lestat trägt Akasha ein handgefertigtes, mit Juwelen auf Gold verziertes Mieder, das ein Goldschmied extra für sie geschaffen hat. Für ihr Showdown mit Maharet mußste Aaliyah komplizierte Abgüsse von ihrem Körper machen lassen, denn wir brauchten eine ihr in jedem Detail entsprechende Puppe, um ihr das metallene Top quasi auf den Körper zu schmieden. Auch das hat sehr viel Zeit gekostet. Doch Aaliyah ließ die gesamte Prozedur geduldig über sich ergehen. Und ich finde, es hat sich wirklich gelohnt, denn sie sieht in ihren Kostümen einfach überwältigend aus."

Aaliyah spürte, wie ihr die Kostüme bei der Gestaltung der Rolle halfen: "Es war ein langwieriger Prozess, aber er war den Aufwand wert", sagte sie. "Ich fühlte mich in meiner Rolle erst wohl, als ich das Makeup und die Kostüme trug: Dann erst war ich Akasha." "Wir mußsten derart viele Details aufeinander abstimmen, dass die Logistik uns das meiste Kopfzerbrechen bereitete", erklärt Rymer. "Stunts, Spezialeffekte, Makeup, Augen, Zähne, Kostüme - es dauerte wirklich lange, bis alle Einzelheiten stimmten. Aber solch eine Arbeit macht natürlich riesigen Spaß - wir haben eine Fantasy-Welt geschaffen, in der wir das Kind in uns allen ausleben konnten. Ständig mußste ich entscheiden, wie groß die Zähne in dieser oder jener Szene sein sollten, und ich erinnerte mich daran, wie ich als Kind mit den Plastikfängen und Kunstblut im Mund Vampir spielte. Jetzt bin ich erwachsen und mache nichts anderes - allerdings auf höchst professioneller Ebene!"

Rymer und Saralegui sind beide davon überzeugt, dass Königin der Verdammten sehr viel differenziertere Vampire auf die Leinwand bringt als ihre zahlreichen Genre-Vorgänger. "Erstmals in einem Film sind die meisten handelnden Figuren Vampire", sagt Saralegui. "Atypisch ist auch, dass die Vampire nicht unbedingt die Bösewichte sind. Im Laufe der Geschichte empfinden wir sogar Mitgefühl mit diesen erstaunlichen Wesen - wir erfahren von ihren Wünschen, Begierden, Motiven, Schwächen - und von der Einsamkeit, die aus ihrer Existenz nicht wegzudenken ist. Langsam begreifen wir, dass die Vampire zwar Blut trinken müssen, um zu leben, dass sie sich letztlich aber gar nicht so sehr von uns Sterblichen unterscheiden - weniger jedenfalls, als wir glauben möchten."

So stolz die Filmemacher auf ihr Werk sind, das sie mit Königin der Verdammten geschaffen haben, so sehr fühlen sie sich gleichzeitig von der Tatsache geehrt, dass ihr Film als Aaliyahs Vermächtnis Zeugnis von ihrem Talent, vom Engagement für ihren Beruf ablegt. "Aaliyah auf der Leinwand zu sehen ist traurig und wunderbar zugleich", sagt Rymer. "Denn wir erkennen ihr Potenzial, ihre große schauspielerische Begabung. Sie hatte das gewisse Etwas, und der Film ist der beste Beweis dafür."

Der Soundtrack Music From the Motion Picture Königin der Verdammten ist der nicht ganz normale Soundtrack zum nicht ganz normalen Film. So zeichnet er einen repräsentativen Querschnitt durch die wichtigsten aktuellen Rock-Stilrichtungen aus und wartet zudem mit einer Besonderheit auf: Fünf der Songs, die Jonathan Davis, Sänger der kalifornischen Formation KoRn, im Film singt, werden auf dem Soundtrack von den Lead-Sängern der derzeit angesagtesten Rockbands ganz im Geiste des unheimlichen Spektakels interpretiert.

Erwartungsgemäß hart präsentiert sich Marily Manson mit "Redeemer", nicht weniger überzeugend nimmt sich Linkin Park-Frontshouter und Fanliebling Chester Bennington mit seiner Version des Songs "System" aus. Wayne Static, Bandleader und Sänger/Gitarrist der kalifornischen Hardcore-Band Static-X, interpretiert "Not Meant for Me", Jim Gordon, Sänger der Science-Fiction-Metal-Band Orgy, machte sich an "Slept So Long", und David Draiman von Disturbed präsentiert ein kraftvolles "Forsaken". Durchaus interessant und anregend, wie sehr die Top-Rockshouter dieser Tage sich die Filmtracks zu eigen machen und mit ihrem ganz individuellen Leben füllen.

Die Chicagoer Formation Disturbed und die Wahlkalifornier Static-X sind auf Q Königin der Verdammten mit weiteren, eigenen Songs vertreten, nämlich mit "Down With the Sickness" aus dem 2000er Disturbed-Album "Sickness" und mit "Cold" aus dem Static-X-Album "Machine" von 2001. Papa Roach steuerten den Song "Dead Cell" aus ihrem Top-10-Major-Debut "Infest" bei, das sie nach jahrelangem Underground zu den ganz Großen gehören ließ. Die Nu-Metal-Ikonen Deftones, deren aktuelles Album "White Pony" von 0 auf 11 in die deutschen Charts ging, sind mit dem Underground-Hit "Change (In The House Of Flies)" vertreten. Weiterhin sind Godhead, Kidneythieves und Tricky mit von der Partie.

Des weiteren mußs man sich auf einige Newcomer gefasst machen, zum Beispiel Earshot, die noch in diesem Jahr ihr Debut "Letting Go" bei Warner veröffentlichen werden, und Dry Cell, deren Song "Body Crumbles" einer der Gründe ist, sie als die Entdeckung des Jahres 2002 zu bezeichnen. Alles in allem eine stimmige Mischung an Musik, die die dunkle Atmosphäre des Films perfekt einfängt und zudem einige Leckerbissen für Musik-Fans bereithält.

Dirk Jasper FilmLexikon
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