Hintergrund zu Tattoo
Szenenfoto Gesamtkunstwerk Haut - Über den Kult um die faszinierende Hülle des Menschen Haut ist immer ehrlich. Wer versucht, seine Gefühle zu verbergen, scheitert spätestens an ihr. Sie lässt erröten, erblassen, Haare zu Berge stehen, sie reagiert auf Scham, Furcht, Ekel, erzeugt wohliges Kribbeln oder unangenehme Schauer. Nicht umsonst gilt sie als Spiegel der Seele. Wer sich nicht wohl fühlt in seiner Haut, fühlt sich nirgendwo wohl.

Haut umschließt uns, hält uns warm. Als größtes Organ des Menschen bringt sie es auf bis zu zwei Quadratmeter Fläche und auf bis zu zehn Kilogramm, würde man sie gefaltet auf eine Waage legen. Und schön ist sie: makellos und durchsichtig wie der feinste Schleier. Durch ihn hindurch können wir tasten, nehmen Vibrationen wahr und auch Schmerz. Haut verbirgt unser Innerstes. Wird sie verletzt, setzt der Körper alles daran, seinen verloren gegangenen Schutz wieder herzustellen.

Der Mensch selbst pflegt seine Haut. Und seit Tausenden von Jahren schmückt er sie: mit Farben, Mustern, Symbolen. Das Tätowieren gehört zu den ältesten Künsten der Geschichte. Durch sie verschafft sich der Mensch eine zweite Haut als Ausdruck seiner Individualität und seiner Kultur.

Im alten Griechenland dienten Stechmalereien zur Kennzeichnung von Sklaven und Kriminellen, bei den neuseeländischen Maori verhalfen sie den Kriegern zu einem furchteinflößenden Äußeren. Rund um den Globus fungieren Körperbilder als Schutz vor Geistern, als Ausdruck von Tapferkeit, als Zeichen der Stammeszugehörigkeit oder des Erwachsenseins. Die älteste Tätowierung wurde am 5300 Jahre alten Ötzi entdeckt. Die Linien, die Schenkel und Rücken seines Körpers zieren, sollten vermutlich als Heilmittel dienen.

Das vielleicht bekannteste Land mit einer traditionellen Kultur des Tätowierens ist Japan. Fotografien japanischer Tätowierkunstwerke dienen Haut-Künstlern auf der ganzen Welt gerne als Vorbilder - auch hierzulande.

Für heutige Tätowierer ist das Medium Haut längst zur einzig wahren Kunstfläche geworden. Bilder werden auf ihr zum Teil so geschickt platziert, dass das Spiel der Muskeln ihnen Leben einhaucht.

Der Körper ist zur Kunst geworden, der Mensch zum Gesamtkunstwerk. Kunst und Natur sind auf diese Weise untrennbar miteinander verknüpft.

Dirk Jasper FilmLexikon
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