Produktionsnotizen zu Black Hawk Down

8. März 2001: Eine neue Mission

08-03-01: Der erste Drehtag von Black Hawk Down in Kenitra, Marokko. Ziel des Films ist die authentische Darstellung der Schlacht von Mogadischu nach dem Buch von Mark Bowden mit größtmöglicher Detailtreue. Gleich nachdem er Bowdens Buch noch als Druckfahne gelesen hatte, wusste Produzent Jerry Bruckheimer, dass die Zeit für eine neue Mission gekommen war: Er wollte die Geschehnisse des 3. und 4. Oktober 1993 so lebensnah und authentisch wie nur möglich auf die Leinwand bringen. Es war der spätere ausführende Produzent Simon West, der den Produzenten auf das Buch aufmerksam gemacht hatte.


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"Ich las das Buch, bevor es in die Buchläden kam, und war völlig begeistert davon", erinnert sich Bruckheimer. "Ich habe schon immer gerne Geschichten erzählt, die Brüderschaft unter Männern thematisieren, über Männer, denen das Leben anderer mehr bedeutet als das eigene Leben. Nichts anderes haben diese Ranger, Delta-Force-Soldaten und Piloten getan. Es war ihnen wichtiger, ihre Kumpel sicher nach Hause zu bringen, als sich selbst zu retten. Das ist Heldentum in einer lebensbedrohlichen Situation - ein wirklich starkes Thema für einen Film."

Mark Bowden, ein angesehener Journalist des Philadelphia Inquirer, begann mit der Arbeit an seiner Geschichte zweieinhalb Jahre, nachdem die Schlacht stattgefunden hatte. Sie war längst aus den Nachrichten verschwunden. Allgemein wurde die Aktion als militärisches Fiasko und peinliche Niederlage der Clinton-Administration in Sachen auswärtige Angelegenheiten angesehen. Bowden widmete sich den Details der Schlacht und ihren Nachwirkungen mit stetig wachsendem Interesse. Wer waren diese Männer, die 18 Stunden lang um ihr Leben kämpften? Was fühlten sie damals? Nach ersten Recherchen erhielt die Schlacht für Bowden schließlich ein menschliches Antlitz. Jim Smith, Vater des Rangers Cpl. Jamie Smith, der während der Kampfhandlungen tragisch ums Leben kam, lud Bowden zu einer Zeremonie ein, bei der ein Gebäude im Namen seines Sohnes eingeweiht werden sollte. Dort traf er zwölf Ranger, die mit Jamie in Mogadischu gekämpft hatten. Alle gaben ihre Zusage für ein Interview. Dies führte Bowden zu weiteren Nachforschungen, zahllosen Gesprächen und einer nicht ganz ungefährlichen Reise nach Somalia im Jahr 1997. Aus diesen Elementen entstand sein Buch " Black Hawk Down: A Story of Modern War", das 1999 unter einstimmigem Beifall der Kritik veröffentlicht wurde.

"Egal, wie kritisch die Geschichte die politischen Entscheidungen, die zu dem Kampf führten, beurteilt", schrieb Bowden im Epilog seines Buches, "nichts hätte jemals die Entschlossenheit und Professionalität der Ranger und Special Forces mindern können, die dort an diesem Tage kämpften." Es war dieser Ansatz, der Bruckheimer besonders faszinierte. "Es ist beachtlich", merkt der Produzent an, "wie Mark Bowden in das Leben dieser jungen Männer eintaucht und dem Leser nahe bringt, was sie an diesem Tag durchgemacht haben. Im heutigen Zeitalter der Massenmedien, in dem lebensentscheidende Ereignisse in 15-Sekunden-Happen mundgerecht zubereitet werden, dauerte es nicht lange, bis die Schlacht wieder vergessen war. Ich hoffe, es gelingt dem Film, dem Leben der jungen Männer, die so viel geopfert haben, ein Denkmal zu setzen."

Für die Leinwandumsetzung von Bowdens Buch dachte Bruckheimer sofort an Ridley Scott, einen der visionärsten Filmemacher unserer Tage, dessen Arbeit das Filmemachen, wie wir es kennen, besonders beeinflusst hat.

Bruckheimer konnte bereits auf eine langjährige Zusammenarbeit mit Ridleys Bruder Tony Scott zurückblicken, der mit dem Produzenten fünf Filme realisiert hat: Top Gun - Sie fürchten weder Tod noch Teufel, Beverly Hills Cop II, "Tage des Donners", (1990), Crimson Tide - In tiefster Gefahr und Der Staatsfeind Nr. 1. Bruckheimer ist überzeugt, dass es sich auch bei Ridley Scott um "einen der größten lebenden Filmemacher" handle. "Ridley ist weltbekannt und seine Filme führen ein ganz eigenes Leben", so Bruckheimer.

"Das letzte Mal, dass ich mit Jerry gearbeitet habe, liegt 30 Jahre zurück. Ich drehte in San Francisco einen Werbespot für eine Company, für die Jerry als Produzent tätig war. Als wir fertig waren, fuhren wir zum Hotel zurück. Und Jerry sagte zu mir: Weißt du, das ist mein letzter Job. Ich fragte ihn, was er machen wolle. Er antwortete, er wolle Filme produzieren. Und ich sagte: Ja, klar!", erinnert sich Scott lachend. "All die Jahre sprachen wir immer wieder darüber, gemeinsam an einem Film zu arbeiten. Dann nahm er schließlich Kontakt zu mir auf, weil er glaubte, das richtige Projekt für mich gefunden zu haben. Es hieß Black Hawk Down."

Ridley Scott erinnert sich, wie er damals auf die tatsächlichen Ereignisse in Mogadischu reagierte: "Ich hielt mich damals in London auf. Ich hatte die BBC-Nachrichten eingeschaltet, in denen man diese tragischen Bilder zweier lebloser, übel zugerichteter menschlicher Körper zeigte. Dann wurde mir klar: ´Oh mein Gott, das sind amerikanische Soldaten´. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt die vergangenen 20 Jahre immer wieder in den USA zugebracht, so dass mir klar war, wie Amerikaner auf solch einen Anblick reagieren würden. Mir war bewusst, dass es ein gewaltiger Schock für das ganze System sein mußste, wenn man diesen Bildern auf dem Bildschirm zu Hause ausgesetzt war."

Scott war nicht überrascht, dass die Schlacht und ihre Nachwirkungen schnell wieder aus den Nachrichtenübertragungen verschwanden. "Wenn man in einer behüteten Gesellschaft lebt, neigt man dazu zu vergessen, dass dieser glückliche Zustand ein Privileg ist", merkt der Filmemacher an. "Wenn man Zeuge von Ereignissen wie in Mogadischu wird, beginnt man zu verstehen, wie es wohl sein mag, in einem Land der Dritten Welt zu leben. Aber beschützte Gesellschaften neigen auch dazu, sich isoliert zu sehen. Wenn man aus einer erfolgreichen Gesellschaft kommt - und Amerika wird als erfolgreichste und wohlhabendste Gesellschaft auf der ganzen Erde angesehen -, lehnt man sich nur zu gerne in seine weichen Kissen zurück ein und verschließt die Augen vor derartigen Schrecken."

Scott fährt fort: "Die vorherrschende Frage war damals, ob es denn wirklich irgendeinen Sinn habe, Amerikaner in einem Teil der Welt in den Kampf zu schicken, den 90 Prozent der Menschen nicht einmal auf einer Landkarte ausfindig machen könnten. Wenn man die vergangenen Ereignisse betrachtet, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass die Entsendung von Truppen bisweilen unvermeidbar ist. Wenn man dies nicht tut, wenn man Dinge einfach vorbeiziehen lässt, weil man nichts unmittelbar damit zu tun hat, dann werden sie eines Tages von einer anderen Seite auftauchen und zubeißen."

Nach der Lektüre von Mark Bowdens Buch war Ridley Scott sofort wild entschlossen, den Film zu drehen. Er hatte sich zu Gladiator bereits mit altertümlicher Kriegsführung auseinander gesetzt. Mit Black Hawk Down sah er die Möglichkeit, eine gleichzeitig zeitlose und doch zeitgemäße Geschichte über Männer im Kampf erzählen zu können. Obwohl schon unzählige Kriegsfilme gedreht wurden, findet man in der Filmgeschichte doch nur wenige Beispiele, in denen sich ein Regisseur die Mühe gibt, sich auf eine einzige Schlacht zu konzentrieren und sie so detailliert wie nur irgend möglich zu porträtieren. Scott sah in Black Hawk Down die Möglichkeit einer mutigen, kompromisslosen Darstellung des Krieges, die weder Schrecken, noch Tragödie, noch Heroismus aussparen sollte.

Wie im Buch wollte Scott keine Hintergrundinformationen über die beteiligten Charaktere geben. Einzig die Geschehnisse während der Schlacht sollten thematisiert werden. Er hatte kein Interesse, die Lebensgeschichten der einzelnen Soldaten zu erzählen. Was die Personen vor oder nach der Schlacht taten, spielt keine Rolle. Wenn man etwas über ihr Privatleben erfahren sollte, dann nur so viel, wie sie während des Kampfes über sich selbst berichten.

Eine große Herausforderung für Scott und Bruckheimer war die Umsetzung von Mark Bowdens komplexer Vorlage in eine dramatischen Filmhandlung. "Die Auseinandersetzung dauerte insgesamt 16 Stunden. Natürlich war es unmöglich, daraus einen 16-stündigen Film zu machen", so Bruckheimer.

"Das Buch ist ein gewaltiges Puzzlespiel über Ursache und Wirkung der Auseinandersetzung", fügt Scott hinzu. "Wenn man die Stücke zusammensetzt, dann ergibt sich daraus so etwas wie die Anatomie eines Krieges, der sich innerhalb von 16 Stunden abspielt. Ich hielt es für eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe, das in einem Drehbuch zum Ausdruck zu bringen."

Unterstützung erhielten Scott und Bruckheimer von dem jungen Autor Ken Nolan, der in zehn Jahren in Hollywood zwar einige Skripts verkauft hatte, von denen aber noch kein einziges verfilmt worden war. "Was mich so unglaublich an Black Hawk Down bewegte", merkt Nolan an, "war die Tatsache, dass man sich buchstäblich in den Schuhen der Soldaten bewegt."

"Alle Ereignisse in einem zweieinhalbstündigen Film unterzubringen war schwierig", berichtet Bruckheimer. "Wir wussten, dass wir uns einige künstlerische Freiheiten nehmen, einige Geschehnisse zusammenfassen und verschiedene reale Figuren in einer fiktiven Figur vereinigen mußsten. Das Buch folgt dem Schicksal von etwa 100 Soldaten. Das ist in einem Film natürlich nicht machbar. Dennoch ist es eine der bemerkenswertesten Leistungen des Drehbuchs, dass man etwa 40 Charaktere kennen lernt und die Ereignisse anhand ihrer Erlebnisse nachvollzieht." (Im Film sind die Figuren Sgt. First Class "Hoot" Gibson, Spec. Grimes, Sgt. First Class Jeff Sanderson und Master Sgt. Chris "Wex" Wexler erfundene Charaktere; der Rest der dargestellten Figuren trägt die Namen ihrer Gegenparts aus dem wahren Leben.)

"Das Publikum mußs sich um die Figuren auf der Leinwand sorgen", meint Ken Nolan. "Letztendlich hoffe ich natürlich, dass die Zuschauer eine emotionale Bindung zu den Figuren und Ereignissen aufbauen."

Eine weitere Entscheidung wurde getroffen. "Man soll die Geschichte aus der Perspektive einer Anzahl von Figuren eines großen Ensembles erleben", erläutert Bruckheimer. "Vor allem aber rückt immer wieder ein junger Ranger-Sergeant in den Mittelpunkt: Matt Eversmann, der das Kommando von Chalk Four übernimmt, nachdem deren Anführer am Tag vor dem Einsatz einen epileptischen Anfall erleidet. Eversmanns Gegenpart ist ein stahlharter Delta-Force-Offizier, genannt Hoot. Er ist der ultimative Soldat, einer der besten Männer der U.S. Army. Hoot hat schon alles mitgemacht und ist eine Art geheimnisvolle, ältere Bruderfigur für Eversmann, der über keinerlei Erfahrung in echten kämpferischen Auseinandersetzungen verfügt."

Während das Drehbuch Formen annahm, besetzte Ridley Scott die wichtigsten Posten seines Produktionsteams - fast alle hatten den Regisseur bereits bei seinen letzten Filmarbeiten unterstützt. Neu an Bord war der polnische Kameramann Slawomir Idziak, der Scott und Bruckheimer mit seiner äußerst einfühlsamen und bisweilen experimentellen Arbeit bei späten Filmen des legendären Krzysztof Kieslowski beeindruckt hatte.

Branko Lustig kam als ausführender Produzent an Bord, um die tägliche Arbeit am Set zu leiten. "Ich bin nur da, um den Filmemachern beim Herstellen des Films zu helfen", erklärt Lustig. "Es gibt Action am laufenden Band, oft passieren irrwitzig viele Dinge gleichzeitig. Und obwohl Ridley es meisterhaft versteht, am Set die Kontrolle zu behalten, wusste ich, dass die Dreharbeiten wahnsinnig komplex werden würden."

Wie man Ostafrika in Nordafrika findet

Wenn ein Filmemacher vor 50 Jahren einen Film vor einem exotischen Hintergrund drehen wollte, dann wurde dieser für gewöhnlich auf einem Studiogelände in Hollywood errichtet. Heutzutage dreht Hollywood vermehrt vor Ort. Paris wird in Paris gefilmt, Tokio in Tokio oder Kathmandu in Kathmandu.

Die Vorstellung, man könne Black Hawk Down tatsächlich vor Ort in Somalia drehen, ist leider nicht mehr als eine Fantasie. Das einstige Reiseziel reicher Italiener ist heute kaum weniger chaotisch und gefährlich als 1993. Branko Lustig erinnert sich: "Als ich das Buch gelesen hatte, erzählte ich Ridley, dass ich mich in Mogadischu nach Drehorten umsehen wollte. Schnell stellte ich fest, dass nirgendwo Visa für Somalia ausgestellt werden. Man kommt nur nach Mogadischu, indem man nach Äthiopien reist und dann versucht, dort ein Boot zu mieten, das einen nach Somalia bringt. Das ist nicht übermäßig praktisch."

"Mogadischu ist ein großes No-No", sagt auch Ausstatter Arthur Max. "Die Stadt ist gefährlich, sie steckt voller bewaffneter Militärs. Als wir wussten, dass ein Dreh dort aussichtslos wäre, suchten wir in der Mittelmeergegend nach geeigneten Drehorten: Israel, Jordanien, Ägypten sowie Südspanien und Nordafrika. Wir entschieden uns schließlich für Rabat und die Nachbarstadt Sale an der Atlantikküste von Marokko. Sie kamen dem Mogadischu, das wir von Recherchefotos und -filmen kannten, in Bezug auf Architektur und Umfeld am nächsten."

"Wir mußsten den Film relativ schnell drehen", sagt Ridley Scott. "Drehstart war im März, und wir wollten den Film bis Dezember fertig stellen. Es geht wirklich nur um Entscheidungen und wie schnell man sie trifft. Während ich Hannibal mixte, bat ich Branko und Arthur, nach Drehorten zu suchen. Wir sahen uns die Fotografien an, die sie mitbrachten, und entschieden uns ohne Umschweife für Marokko. Das nenne ich einen Schnellstart."

Branko Lustig hatte bereits andere Filme zumindest teilweise in Marokko über die Bühne gebracht. Auch Teile von Gladiator entstanden in der südlichen Wüstenstadt Ouarzazate (dem "Wüsten-Hollywood", wie es auch genannt wird). Daher kannte er die marokkanische Filminfrastruktur bestens. Im Lauf der Jahre hatte sich Lustig beispielsweise mit dem bekannten marokkanischen Filmregisseur Souheil Ben Barka angefreundet, der mittlerweile zum Chef der marokkanischen Filmkommission (CCM - für Centre Cinematographique Marocaine) aufgestiegen war. "Ich erhielt einige Garantien von Mr. Ben Barka und dem Wirtschaftsminister, dass wir dort filmen könnten. Nachdem Jerry und Ridley die Locations abgenickt hatten, kehrte ich mit einem Brief und einer ins Französische übersetzten Kopie des Drehbuchs für König Mohammed VI. nach Marokko zurück", erzählt Lustig.

Er fährt fort: "Der König und seine Minister reagierten wohlwollend. Sie verstanden, dass es sich um die Nachstellung eines historischen Ereignisses handelte und der Film keinerlei Beleidigungen des Islam beinhalten würde. Also erteilten sie uns nicht nur die Dreherlaubnis, sondern stellten uns auch zahlreiches marokkanisches Militärmaterial, z. B. Panzer, Humvees und Hubschrauber, zur Verfügung."

"Viele Produktionsfirmen aus der ganzen Welt kommen nach Marokko, um ihre Filme zu drehen", sagt Jerry Bruckheimer. "Im Land selbst gibt es eine bemerkenswerte Gemeinde von Filmschaffenden. So kann man auf zahlreiche exzellent ausgebildete Crewmitglieder zurückgreifen. Wenn man mit einer Produktion anreist, gibt es bereits zahlreiche Techniker, die nur auf einen Einsatz warten."

"Man darf nicht außer Acht lassen, dass Marokko ein wunderschönes und kulturell überaus reiches Land ist", fügt Bruckheimer hinzu. "An freien Tagen gibt es viele Dinge, die die Schauspieler und Teammitglieder unternehmen können. Man kann Marrakesch, Fez, Casablanca oder Tanger besuchen, vielleicht sogar Südspanien, das nur ein paar Stunden von Rabat entfernt liegt. In der Stadt selbst kann man die antike Medina besichtigen oder Kontakt zu den wunderbaren Einheimischen suchen."

Ein internationales Netz wird geknüpft

Während Scott, Bruckheimer und Lustig die Produktionsvorbereitungen vorantrieben, begann auch die Suche nach geeigneten Schauspielern für die mehr als 40 Rollen in Nolans Drehbuch. Obwohl der Film seinen Fokus auf amerikanische Soldaten richtet, hatte Ridley Scott niemals vor, sich bei der Darstellerwahl nur auf amerikanische Akteure zu beschränken. Schließlich besetzte er die Rollen nicht nur mit Amerikanern, sondern auch mit Schauspielern aus England, Schottland, Wales, Dänemark und sogar Australien.

"Ich suche einfach nur nach guten Schauspielern", sagt Ridley Scott. "Mir ist egal, wo sie herkommen. Es war nicht einfach, dieses Ensemble zusammenzustellen, immerhin gibt es mehr als 40 Sprechrollen. Alle von ihnen sind wichtig. Man mußs sehr sensibel sein, wenn man mit Schauspielern spricht, die gewohnt sind, größere Rollen zu spielen und sich möglicherweise darüber beklagen, dass sie im ganzen Film nur vier Szenen bekommen. Ich sage dann: Stimmt, aber es sind vier verdammt gute Szenen. Das Casting war anstrengend. Ich mußste all meine Überredungskünste aufbringen, damit das Resultat herausragend sein würde und sich alle Anstrengungen gelohnt hätten."

Tatsächlich hatten die meisten Schauspieler kein Problem damit, ihr Ego für Black Hawk Down in den Hintergrund zu stellen. Immerhin bot sich für sie die Möglichkeit, mit Ridley Scott und Jerry Bruckheimer an einem bedeutenden Projekt zu arbeiten.

Als besonders wichtig erwies sich natürlich die Besetzung von Eversmann und Hoot. Scott und Bruckheimer waren sich einig, wen sie als Hauptdarsteller haben wollten: Josh Hartnett, einen der vielversprechendsten Jungstars Hollywoods, der gerade neben Ben Affleck und Kate Beckinsale die Hauptrolle in Pearl Harbor gespielt hatte. Bruckheimer sagt: "Ich glaube, Josh ist einzigartig. Einerseits liebt ihn die Kamera ganz offensichtlich, und die Frauen fliegen auf ihn, andererseits ist er ein junger Schauspieler, der vor der Kamera alles gibt. So gut aussehend Josh auch sein mag, er strahlt auch immer eine bemerkenswerte Verletzlichkeit und Menschlichkeit aus - Qualitäten, die absolut perfekt für den Matt Eversmann waren, wie wir ihn uns vorstellten."

Hartnett, der gerade schon in Pearl Harbor eine gewaltige Kriegsnachstellung erlebt hatte, sah Elemente in Black Hawk Down, die den neuen Film grundsätzlich von dem Weltkriegsepos abhoben. "Der Unterschied liegt vor allem darin, dass hier eine Geschichte über etwas sehr Wichtiges erzählt wird, von dem wir alle nicht allzu viel wissen", merkt Hartnett an. "Es ist eine dieser Geschichten, bei deren Betrachtung das Publikum unweigerlich sagen wird: Oh mein Gott, ich kann nicht glauben, dass das wirklich geschehen ist. Hoffentlich wird der Film auch ein gewisses Interesse an anderen Geschehnissen auf der Welt wecken."

Der Australier Eric Bana war Bruckheimer und Scott vor allem mit seiner Darstellung des Soziopathen Mark "Chopper" Read in dem australischen Boxoffice-Hit "Chopper" (2000) aufgefallen. Der außerhalb von Australien bislang unbekannte Schauspieler beeindruckte Regisseur und Produzent gleich bei den ersten Treffen. Bana war begeistert von dem Projekt und dem enigmatischen Delta Sgt. First Class "Hoot" Gibson, den er darstellen sollte.

"Ich bin mit Kriegsfilmen aufgewachsen", berichtet Bana. "Aber Black Hawk Down ist anders als herkömmliche Kriegsfilme. Es geht um moderne Kriegsführung, und davon hat man im Kino bislang noch nicht allzu viel gesehen. Ich war ein bisschen wütend über mich selbst, weil ich nur wenig über die Schlacht von Mogadischu wusste, aber dann merkte ich, dass es den meisten Leuten nicht anders geht. Allein das ist Grund genug, diesen Film gemacht zu haben. So tragisch manche Aspekte der Ereignisse sein mögen, das Heldentum dieser Soldaten ist absolut unglaublich."

Auch Europa steuerte einen ganz besonderen Schauspieler für eine Hauptrolle bei. Ewan McGregor, bekannt geworden durch Trainspotting - Neue Helden, hatte sich in Hollywood bereits mit Star Wars - Episode 1: Die dunkle Bedrohung einen Namen gemacht und avancierte mit Moulin Rouge endgültig zum Star auf beiden Seiten des Ozeans.

Wie Hartnett und Bana fühlte sich auch McGregor aufgrund der Thematik und der Beteiligung des Regisseurs und des Produzenten zu Black Hawk Down hingezogen. Und doch galt es einige Hindernisse zu überwinden. "Ich war gerade dabei, eine Reise nach Honduras zu unternehmen", erinnert sich McGregor. "Kurz vor dem Abflug erhielt ich das Drehbuch. Ich las es auf dem Flug und war sehr angetan. Als ich in Honduras ankam, rief ich sofort meinen Agenten an und machte ihm klar: Stell sicher, dass dieser Film nicht an mir vorübergeht."

"Ich war also mitten im Dschungel", erzählt McGregor weiter. "Wir durften das Satellitentelefon jeden Morgen immer nur für 20 Minuten anschalten, weil wir es nicht wieder neu aufladen konnten. Nach zwei Wochen Marsch durch den Dschungel, was wirklich harte Arbeit war, erhielt ich einen Anruf meines Agenten. Der gab mir zu verstehen, dass ich mich auf eines gefasst machen sollte: Wenn ich diesen Part haben wollte, müsste ich an einer militärischen Ausbildungseinheit teilnehmen, so wie ich wieder zu Hause sei. Ich antwortete, dass ich mich bereits im Dschungel fühlen würde, als befände ich mich in einem Trainingscamp. Aber als ich heimkam, rief ich Ridley sofort an und sagte ihm, dass ich unbedingt mitmachen wollte."

Schnell füllte sich die Besetzungsliste. Die Amerikaner William Fichtner und Tom Sizemore, die bereits für Bruckheimer gearbeitet hatten (u. a. in Pearl Harbor), erhielten tragende Rollen. Sam Shepard wurde als Einsatzleiter engagiert. Dazu kamen die Briten Jason Isaacs und Orlando Bloom, der gerade ein Jahr Dreharbeiten zu den drei "The Lord Of The Ring"-Filmen hinter sich gebracht hatte, und der Schotte Ewen Bremner sowie zahlreiche andere Routiniers und Newcomer.

Ausbildung ... Das Erlernen aller nötigen Kniffe

Der ehemalige Navy S.E.A.L. Harry Humphries, der für seinen Einsatz in Vietnam vielfach dekoriert wurde, hat sich in den letzten Jahren mit der von ihm gegründeten Firma GSGI (Global Studies Group, Inc.) vor allem dem Sicherheits- und Taktiktraining gewidmet. Jerry Bruckheimer zog ihn bereits bei den Dreharbeiten zu Filmen wie The Rock - Fels der Entscheidung, Con Air, Armageddon, Der Staatsfeind Nr. 1 und Pearl Harbor als Berater in Militär- und Technikfragen hinzu.

Für Black Hawk Down wandte sich der Produzent wieder an den Spezialisten, der nicht nur am Set mit Rat und Tat zur Seite stehen sollte, sondern auch das riesige Ensemble auf seine respektiven Rollen als United States Ranger, Delta-Force-Soldaten und Helikopterpiloten vorbereiten sollte.

Bruckheimer, Scott und die ausführenden Produzenten Mike Stenson, Chad Oman und Branko Lustig legten den Grundstein für eine beachtliche Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium, das den Filmemachern sowohl die größtmögliche Unterstützung als auch die Erlaubnis erteilte, die Geschichte von Black Hawk Down so authentisch wie nur irgendmöglich zu erzählen. Natürlich hatte Bruckheimer seit Top Gun - Sie fürchten weder Tod noch Teufel stets beste Beziehungen zum amerikanischen Militär gepflegt. Aber doch war die Zusage des Verteidigungsministeriums überaus beachtlich. Immerhin handelt es sich bei der Schlacht von Mogadischu um eine höchst sensible, auch im Pentagon kontrovers diskutierte Mission.

Bruckheimer meint allerdings: "Das Buch von Mark Bowden ist Standardlektüre beim Militär. Als ich mich also in Washington mit dem mittlerweile ehemaligen Verteidigungssekretär William Cohen traf, begegnete man meinem Plan, das Buch zu verfilmen, mit großem Wohlwollen."

Wie weit das Militär gehen würde, wurde schnell klar, als die Schauspieler von Black Hawk Down eingeladen wurden, am tatsächlichen Training der jeweiligen Abteilungen in den jeweils authentischen Militärbasen teilzunehmen: die Ranger-Darsteller in Fort Benning in Georgia; die Special-Forces-Darsteller (inklusive der Delta Force, die so geheim ist, dass die Army ihre Existenz bis heute nicht wirklich eingesteht) in Fort Bragg in North Carolina; und die SOAR-Piloten in Fort Campbell in Kentucky.

"Wie schon bei Pearl Harbor schickten wir sie zu einem Training - nicht in so ein albernes Hollywood-Boot-Camp, sondern in eine waschechte Ausbildungseinheit", so Jerry Bruckheimer. "Es gibt nichts Besseres als die Realität. Wir wollten, dass die Schauspieler Respekt vor dem Militär bekamen und verstanden, welchen körperlichen Herausforderungen man ausgesetzt wird. Wenn man mit Soldaten spricht, die über echte Kampf- oder Kriegserfahrung verfügen, dann werden sie dir sagen, dass sie entweder von dem Mann direkt neben ihnen oder durch ihre Ausbildung gerettet wurden."

"Es ist mittlerweile schon fast normal, seine Schauspieler in ein Ausbildungslager zu schicken", erklärt Ridley Scott. "Und das ist erfahrungsgemäß durchaus sinnvoll. Sollte irgendein Schauspieler glauben, er sei besser als der Kollege neben ihm, dann wandert diese Einstellung während des Boot Camps unter Garantie in den Müll. Und sollten sie bis dahin körperlich noch nicht in Form gewesen sein, dann sind sie danach in jedem Fall fitter als jemals zuvor. Und wenn sie schon in Form waren, dann schadet ihnen dieses Training sicherlich auch nicht."

Gerade in Fort Benning fühlten sich einige Ranger-Ausbilder persönlich von Black Hawk Down angesprochen. Viele von ihnen hatten in Somalia gekämpft, fast alle kannten Männer, die dort gestorben waren. Das Ziel von Ranger-Training-Detachment-Kommandeur First Sgt. James Hardy war, den 21 Schauspielern ein perfektes Verständnis für die Mentalität und Lebensart der Ranger nahe zu bringen. Sie sollten genau wissen, wie sich die Geschehnisse in Mogadischu entwickelt hatten.

Die Ranger-Ausbilder gaben Kurse angefangen bei Militärgrundwissen (z. B. das korrekte Tragen der Uniform und militärische Umgangsformen) bis hin zu fortgeschrittener Treffsicherheit beim Umgang mit Schusswaffen. Die Schauspieler lernten den Ranger Creed und die Geschichte der Einheit, Nahkampftechniken, das Binden von Knoten und die Benutzung von Funkgeräten. Hugh Dancy, der den Ranger-Sanitäter Kurt "Doc" Schmid spielen würde, arbeitete mit Ranger-Sanitätern in nachgestellten Kampf-Szenarien. Am vierten Tag der Ausbildung feuerten die Schauspieler M16-A2-Gewehre und andere automatische Waffen ab. Während ihrer Zeit in Fort Benning verpasste man ihnen den typischen ausrasierten Ranger-Haarschnitt. Sie trugen Wüstentarnuniformen und Marken mit den Namen der Figuren, die sie zu spielen hatten.

Der Ranger-Ausbilder Sgt. First Class Martin Barreras betont: "Ich wollte, dass sie sich an unsere Art von Teamwork und unsere Beachtung von Details, die von jedem einzelnen, der zum Team gehört, gefordert wird, erinnern."

Josh Hartnett, der gerade schon für Pearl Harbor ein Ausbildungsprogramm hinter sich gebracht hatte, sah sich für seine Rolle des Matt Eversmann mit vollkommen neuen Aufgaben konfrontiert: "Man brachte uns bei, wie Ranger denken und sich bewegen. Man lernt Slogans wie ‚Langsam ist geschmeidig und geschmeidig ist schnell', was so viel bedeutet wie: Wer herumhampelt, kann nicht sehen, was wirklich passiert."

"Das ´Ranger Orientation Program´ war toll", findet Ewan McGregor. "Sehr viel Wert wurde darauf gelegt, wie wir einen Ranger zu porträtieren hatten. Wir marschierten viel herum und verbrachten viel Zeit im Klassenzimmer. Am Ende mußsten wir uns durch Straßen kämpfen, ohne erschossen zu werden."

McGregor weiter: "Ich wurde natürlich getroffen. Aber der psychologische Aspekt dieses Ausbildungsprogramms war faszinierend. Wir trafen einige Soldaten, die tatsächliche Figuren im Film sind. Es war ungemein wichtig zu erfahren, wie sie denken und an was sie sich erinnerten. Unser Waffentraining war von unschätzbarem Wert. Man feuert immerhin nicht täglich scharfe Munition ab. Und für diese Soldaten gehört das einfach dazu, die merken nicht einmal mehr, wenn sie eine Waffe in der Hand halten. Für uns Schauspieler war es mehr so: Uiihh, eine Waffe! Ich bin kein großer Freund von Schusswaffen, aber ich mußs zugeben, das Rumballern hat mir doch Spaß gemacht. Und natürlich war es auch wichtig für die Darstellung unserer Rollen."

Tom Sizemore meint: "Was mich beim Training am meisten bewegt hat, war der Ranger Creed. Ich glaube nicht, dass eine außenstehende Person diese Art von gegenseitiger Hingabe nachvollziehen kann. Es ist, als hätte man 200 beste Freunde, von denen jeder bereit wäre, für mich zu sterben. Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass ich weiß, was das bedeutet. Ich weiß es nicht. Ich komme vielleicht nahe ran. Ich kann nach Fort Benning kommen und die Gemeinschaft erleben, aber ich weiß nicht, ob das in mir steckt, für jemand anderen zu sterben oder mein Leben zu riskieren, um die Körper von toten Soldaten herauszuholen. Dazu braucht es eine andere Art von Mensch - einen Ranger."

"Wir dachten, es sei ein ungeschriebenes Ranger-Gesetz, dass die Ranger niemals einen der ihren zurücklassen", berichtet Jason Isaacs. "Als wir nach Fort Benning kamen, stellten wir fest: Es ist ein geschriebenes Ranger-Gesetz. Der Eid der Ranger wird jeden Morgen aufgesagt, von allen zusammen, en masse, egal wo sie sind. Und sie meinen jedes Wort davon. Bei einem Gespräch mit einigen der Ranger, die in Mogadischu waren, sagte jeder Einzelne von ihnen, dass nach dem Absturz des Black Hawks ihr erster Instinkt gewesen sei, dass sie zur Absturzstelle eilen und jeden ihrer Brüder da rausholen wollten. Für einen Schauspieler ist es ein regelrechter Kulturschock, sich mit dieser Einstellung auseinander zu setzen. Die Ranger kämpfen für den Mann rechts und links von ihnen."

Bei der Special-Forces-Ausbildung in Fort Bragg erhielten Eric Bana, William Fichtner und der Däne Nikolaj Coster-Waldau detaillierte Instruktionen, wie man die Waffen, die von den Soldaten in Somalia eingesetzt wurden, behandelt und bedient. Außerdem wurden sie zum "Breaching Training" eingeladen, bei dem man lernt, wie man gesperrte oder verdeckte Gänge oder Fenster mit Sprengsätzen freiräumt und wie man Gebäude vor möglichen Gefahren sichert.

An ihrem letzten Tag wurden die drei Schauspieler an der Fort Braggs Urban-Terrain-Stätte unterrichtet. Dabei handelt es sich um ein aus Sperrholz gebautes Dorf, in dem Special-Forces-Soldaten zeigten, wie man sich durch eine Stadt bewegt, in der hinter jeder Ecke eine tödliche Gefahr lauern könnte. Eine Situation, die auf Mogadischu an jenem Tag im Oktober 1993 definitiv zutrifft. Die Schauspieler, die auch äußerlich Special-Forces-Männern immer ähnlicher wurden, kämpften sich gegen einen simulierten Feind bis zu einer fiktiven Heli-Absturzstelle durch die Straßen.

Eric Bana, der zuvor entsprechend zugenommen hatte, um "Chopper" Read spielen zu können, hatte das Gewicht sofort wieder verloren, als er erfuhr, dass er die Rolle des "Hoot" spielen würde. In nur drei Monaten speckte Bana mit Hilfe von Gewichtstraining und, wie er es nennt, "einer sehr strikten, aber auch entsetzlich langweiligen Irrsinnsdiät" 15 Kilo ab. Der Schauspieler sagt: "Das Special-Forces-Training machte mich so fit, wie es nur ging. Ich wusste, dass es sehr peinlich werden könnte, wenn ich in schlechtem Zustand am Set aufgetaucht wäre."

"Sind wir doch ehrlich", meint Bana. "Angst vor Peinlichkeit war die Hauptmotivation. Die Ausbildung entpuppte sich glücklicherweise als das Gegenteil von dem, was ich erwartet hatte. Ich hatte eine Art körperliche Folter vorhergesehen, aber es war sehr bodenständig, extrem interessant und sehr spezifisch. Wir haben unglaubliche Dinge gelernt - über einige darf ich nicht einmal reden."

Das Treffen mit echten Delta-Soldaten "war in einer Weise hilfreich, die ich mir nicht hätte vorstellen können", sagt Bana. "Nicht nur, weil wir so viel über Taktik und Waffen lernten. Da wir nur zu Dritt waren, verbrachten wir viel Zeit mit den acht Ausbildern. Wir gingen mit ihnen Essen, hingen mit ihnen rum und lernten sie sehr gut kennen. Sie waren sehr weltoffen, belesen, unglaublich intelligent und hatten einen tollen Sinn für Humor. Das gab mir das Vertrauen, mit meiner Figur einige Dinge durchzuziehen, die ich mir ausgedacht hatte, ohne aber zu wissen, ob sie wirklich relevant wären. Und es half mir beim Spiel mit William und Nikolaj vor der Kamera, das völlig ungekünstelt ist."

William Fichtner beschreibt amüsiert, worin die Unterschiede in ihrer Ausbildung und die Ausbildung der Ranger-Darsteller lag: "Lassen Sie es mich mit einem Beispiel versuchen. Am ersten Tag in Fort Benning saßen die Jungs beim Ranger-Training im Klassenzimmer. Am ersten Tag in Fort Bragg sagten uns unsere Ausbilder: Seht ihr die Tür da - die jagen wir jetzt hoch! Das war eine phänomenale Erfahrung. Wir drei waren wie Schwämme und sogen uns mit Informationen voll. Ich hätte Geld dafür gezahlt, diese Ausbildung mitmachen zu dürfen."

Eine besondere Ausbildung erfuhr auch Nikolaj Coster-Waldau, der den mit einer Congressional Medal of Honor ausgezeichneten Gary Gordon darstellte. "Wenn ich ehrlich bin, wusste ich vor Black Hawk Down nicht einmal, was eine Medal of Honor ist" gibt der Schauspieler zu. "Ich bin Däne und habe immer in Dänemark gelebt. Aber dann wurde ich nach Fort Bragg geschickt, wo ich das Special-Forces-Museum besuchte. Und dort ist Gary Gordons Name an der Wand. Da wurde mir erst klar, welch ein herausragender Held er war. Ich fühle mich geehrt, ihn darstellen zu dürfen."

Wie seine Kollegen war auch Coster-Waldau überrascht davon, dass er mit einigen der Special-Forces-Soldaten sogar Freundschaft schloss. "Ich hatte eine Vorstellung von diesen Leuten, die sich nicht mit der Realität deckte", räumt er ein. "Ich erwartete supertaffe Rambo-Typen, aber diese Jungs waren einfach nur entspannte, freundliche Leute. Ich hätte nie gedacht, dass sie Soldaten sein könnten, wenn ich sie ohne Uniform gesehen hätte."

Währenddessen erlernten Ron Eldard und Jeremy Piven in Fort Campbell in Kentucky einige Kniffe, um überzeugend die so genannten "Nightstalkers" der 160th SOAR (so genannt wegen ihrer überragenden Nachtflugkünste) darstellen zu können. Die Schauspieler trafen mit einigen Somalia-Veteranen zusammen, flogen Missionen im Flugsimulator unter den gleichen Konditionen, wie sie Wolcott und Durant bei ihrem Einsatz ausgesetzt waren, und erhielten genaue Instruktionen von dem kürzlich in den Ruhestand getretenen Mike Durant höchstpersönlich.

Wie viele andere Schauspieler von Black Hawk Down, die ihre realen Gegenparts kennen lernten oder zumindest am Telefon sprachen, hatte auch Ron Eldard die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Mike Durant. "Er wurde mehr als eine Woche als Geisel gehalten und hatte schwerste Verletzungen vom Absturz, aber er überlebte die Tortur", sagt Eldard bewundernd. "Wenn man bedenkt, was er durchmachen mußste, ist er ein Spitzentyp."

"Aber das sind sie alle", fährt Eldard fort. "Sie sind so heldenhaft und gleichzeitig völlig normal. Ich war überrascht, wie sehr ich davon berührt war, sie treffen zu dürfen. Irgendwann dachte ich mir, das könnte auch das Treffen der Schullehrer aus dem Mittleren Westen sein. Sie sind keine aufgepumpten Machotypen. Im Gegenteil: Sie sind sehr ruhig, entspannt, sehr professionell."

Jeremy Piven fügt hinzu: "Beim Fliegen von Black Hawks werden alle motorischen Fähigkeiten gleichzeitig beansprucht, weil die Ruder unglaublich empfindlich sind. Man mußs immer Spitzenleistungen bringen, wenn man sie fliegen will. Wir wurden in Simulatoren ausgebildet und studierten echte Black Hawks am Boden. Diese Maschinen sind das Beste, was es gibt. Man kann sie überall hinsteuern. Man kann sie bei Nacht fliegen. Sie sind pechschwarz, richtig unheimlich. Die Jungs beim 160th SOAR verhalten sich absolut loyal und kameradschaftlich. Alle Piloten, die ich während des Trainings traf, sagten eins zu mir: ‚Mach Cliff Wolcott stolz, weil er so echt war, wie es nur geht. Alles, worum wir bitten ist: Sei auch du so echt wie möglich.'"

Am Puls der Realität ... Das Filmen von Black Hawk Down

Im Anschluss an das Training fiel der umfangreiche Trupp von internationalen Darstellern in die Stadt Rabat in Marokko ein. Ebenfalls mit von der Partie war eine riesige Gruppe von Backstage-Künstlern, Handwerkern und Technikern aus aller Welt, die von Jerry Bruckheimer, Ridley Scott und Branko Lustig organisiert wurde.

Die Crew von Black Hawk Down stellte eine wahrhaft ehrfurchtgebietende internationale Koalition dar. Das größte Kontingent stammte aus Marokko - Facharbeiter aus allen Ecken des Landes, wie Tanger im Norden, Quarzazate im Süden, sowie aus Marrakesch, Casablanca, Fez, aus Städten und kleinen Landdörfern und aus der Rabat/Sale-Gegend. Die zweitgrößte Gruppe kam aus Großbritannien, die einen Großteil der Departments für Spezialeffekte, Bauten, Kostüme, Setdekoration und Arsenal ausmachte. Der Hauptteil der Ausstattungsabteilung unter Arthur Max war in Italien zu Hause und bestand aus Handwerkern, die zuvor mit ihm an den massiven Sets für Gladiator gearbeitet hatten.

Ungefähr 50 Amerikaner, die auf die Produktion und andere Abteilungen verteilt waren, reisten aus New York, Los Angeles und von diversen Stellen dazwischen an. Branko Lustig, ein gebürtiger Kroate, brachte etwa 50 seiner ehemaligen Landsleute in die verschiedenen Abteilungen ein (auch hier fanden sich viele Gladiator-Veteranen), und die Mehrzahl der Stuntleute unter der Koordination von Phil Neilson kam aus der Tschechischen Republik, wobei wiederum auch hier viele für die Action in den blutigen antiken Arenen von Gladiator verantwortlich waren.

Außerdem waren folgende Länderin der Black Hawk Down-Crew repräsentiert: Kanada, Frankreich, die Westindischen Inseln, Deutschland, Irland, Malta, Polen, Wales, Schottland, Spanien, Russland, Slowenien, Österreich, Neuseeland, der Senegal und sogar Thailand. Alles in allem wurde während der anspruchvollsten Drehtage ein fast tausendköpfiges Team benötigt, zusätzlich zu der riesigen Besetzung und den Statisten.

Weiter internationalisiert wurde die Produktion durch die engagierte Gruppe von Statisten, die von William F. Dowd zusammengestellt wurde und die Somalis darstellen würde. "Da nur wenige - falls überhaupt - Somalis in Marokko leben", erklärt Dowd, "mußsten wir Leute aus etwa 30 anderen afrikanischen Ländern organisieren, die in und um Rabat arbeiten oder studieren. Als ich in Nordafrika ankam, hörte ich von einer Gruppe von Leuten aus Nigeria, die den Gottesdienst in der Protestant Fellowship Church in Rabat besuchten. Also ging ich dorthin, lernte den Pastor kennen, und sprach mit den Leuten über den Film. Ich bat sie, in der afrikanischen Gemeinde von Rabat weiterzuerzählen, dass wir Leute einstellen würden, die Somalis spielen sollen."

"Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer", fährt Dowd fort. "Wir bekamen nicht nur Leute aus Nigeria, sondern auch aus Burkina Faso, Ghana, Sierra Leone, Angola, Dschibuti, Senegal und Kongo, um nur einige zu nennen."

Dowd warb auch Marokkaner und viele Berber aus den südlichen Wüsten mit Sub-Sahara-Afrikanischer Abstammung an. Die Afrikaner kreierten ein eigenes Babel mit all den verschiedenen Sprachen wie Kreolisch, Holländisch, Italienisch, Französisch, Englisch und etlichen weiteren Stammesdialekten. Mit Hilfe von Stuntkoordinator Phil Neilson wurden 50 Afrikaner für den Kern der somalischen Miliz ausgewählt. Sie mußsten einem intensiveren Körper- und Waffentraining ausgesetzt werden als andere, um sie in außergewöhnliche Stuntmänner verwandeln.

Drei britische Schauspieler - Razaaq Adoti, Treva Etienne und George Harris - wurden von Ridley Scott für die Besetzung von drei wichtigen somalischen Figuren ausgewählt. Adoti spielt den glühenden Milizkämpfer Mo'alim, Etienne mimt Firimbi, der den Black-Hawk-Piloten Mike Durant gefangen nimmt, und der geschliffene, gebildete Geschäftsmann Osman Atto wird von Harris dargestellt. Alle waren entschlossen, den "Feind", der fest von der Rechtschaffenheit seines Anliegens überzeugt war, mit einem Hauch von Humanität und Ausgewogenheit zu versehen.

Adoti merkt an: "Wenn man jemanden darstellen soll, der für verabscheuungswürdige Taten verantwortlich ist - selbst wenn einem dies persönlich fremd und unvorstellbar ist - mußs man dennoch die Wahrheit und die Gründe, die dahinterstecken, finden, um glaubhaft zu sein. Vom moralischen Standpunkt gesehen, begeht Mo'alim viel Unrecht. Er bringt seine eigenen Leute um. Zugleich verstehe ich, dass Somalia von vielen Nationen besetzt worden ist und dies Misstrauen und selbst Hass gegenüber ausländischen Armeen in ihrer Mitte hervorgerufen hat. Daher sieht Mo'alim die U.N.-Truppen lediglich als eine weitere Besatzungseinheit, anstatt zu erkennen, dass sie dort waren, um seinem Land zu helfen. In seinen Augen ist er ein somalischer Patriot, der das Richtige für seine Leute tut."

Für seine Rolle als Mo'alim mußste Adoti mehrere Worte Somalisch und vieles über die Kultur lernen. "Doch um ehrlich zu sein", sagt der Schauspieler, "als Moslem mit nigerianischen Eltern verfügte ich bereits über ein Verständnis von Koran-Arabisch, das die Basis des Somalischen bildet. Darüber hinaus hatte ich die Gelegenheit, eine andere afrikanische Sprache für Amistad zu lernen, was mir half, mich für Black Hawk Down vorzubereiten."

Produktionsdesign bis zum Maximum

Bevor Darsteller und Team mit den Dreharbeiten beginnen konnten, mußste ein entsprechendes Set geschaffen werden. Nach Die Akte Jane und Gladiator wandte sich Ridley Scott zum dritten Mal an den Produktionsdesigner Arthur Max. "Zu Beginn des Prozesses", erläutert Max, "heften Ridley und ich so viel Bild- und Referenzmaterial, wie wir finden können, an die Wände. Dann reduzieren wir es auf die Dinge, die uns ansprechen, und versuchen uns von bestimmten Bildern inspirieren zu lassen. Dann setzen wir uns davor auf den Fußboden und versuchen, dieses Bilder so gut wie möglich mit dem Kontext der Situation zu verbinden."

"Für Black Hawk Down", fährt Arthur Max fort, "arbeiteten wir mit sehr großen Maßstabsmodellen sowie Luftfotografien, die die Teile der Stadt, an denen wir interessiert waren, zeigten. Anschließend entwickelten wir die eigentlichen Setdesigns und begannen vier Monate vor dem angesetzten Drehbeginn mit den Anfertigungen."

Ein ganzes Nachbarschaftsviertel in Marokko wurde zu Mogadischu umgebaut. Der betreffende Stadtteil von Sale, der als Hintergrund ausgewählt wurde, war ein von Menschen wimmelndes, heruntergekommenes, übel riechendes Arbeiterklasseviertel namens Sidi Moussa bestehend aus zwei- oder dreistöckigen, zumeist illegal errichteten Wohnbauten, bewohnt von ländlichen Marokkanern, die sich in der Stadt ein besseres Leben erhoffen. Was Ridley Scott für seine filmische Vision von Black Hawk Down benötigte, war ein afrikanisches Stadtgebiet, das großflächig genug war, um vom Boden und aus der Luft -- in erster Linie ohne Unterstützung von Spezialeffekten - aufgenommen zu werden. Darüber hinaus sollte es der schmuddeligen somalischen Hauptstadt Mogadischu so ähnlich wie möglich sehen.

"Wir durchkämmten Sale einen Monat lang, machten Luft- und Bodenaufnahmen", kommentiert Arthur Max, "und schlängelten uns durch die Straßennetze, bevor wir Sidi Moussa entdeckten. Dort gab es so viele in Frage kommende Orte, dass wir uns entscheiden mußsten, wo wir nicht filmen würden. In Sidi Moussa gibt es eine reiche Ansammlung von ummauerten Städten aus Kreuzritter-Zeiten, alten Medinas, halb fertig gestellten neuen Siedlungen, Küstenstraßen, Friedhöfen, verlassenen Gegenden und eine prächtige Architektur mit wunderschönen Märkten und Moscheen. Damit hatten wir quasi eine gewaltige Studiokulisse, und wir wollten von allem Gebrauch machen."

An mehreren Plätzen von Sidi Moussa wurden aufwändige Sets konsturiert, wobei an jedem Standort gleichzeitig Crews von mindestens 150 Mann tätig waren. Viele der Kulissen wurden von Grund auf gebaut, andere wurden existierenden Gebäuden hinzugefügt, und manche wurden im Wesentlichen so benutzt, wie sie vorgefunden wurden.

Die größte Veränderung wurde an Sidi Moussas Hauptstraße Avenue Nasser vorgenommen, die von Mietwohnungen und einigen bescheidenen Parterre-Geschäften eingesäumt wird. Hier entwarfen Max und sein Team Mogadischus Hawlwadig Road und bauten auf einem Fussballfeld vollständig das "Zielgebäude" nach, in dem die Ranger und die Delta-Force-Soldaten die Aidid-Leutnants gefangen nehmen mußsten. Da das eigentliche Zielgebäude in Mogadischu ein unscheinbarer Betonbau war, der wenig über seinen Standpunkt preisgab, entschloss sich Max in diesem Fall zu kreativer Freiheit.

"Wir beschlossen, das Ganze von Grund auf nachzubauen", erklärt er, "weil wir hier so viele Actionsequenzen filmen mußsten. Mit den Hubschraubern, Soldaten, die sich in die Straßen rund um das Gebäude abseilen, und Leuten, die auf die Dächer hetzen, wäre es schwierig gewesen, all diese Aktivitäten rund um eine existierende Struktur zu choreographieren. Also bauten wir der Gemeinde ein neues Fußballstadium ein Stück und entwarfen das Zielgebäude anhand von Fotografien, die Mogadischu während der italienischen Kolonialperiode zeigen, in einem arabischen/kolonialen Stil. Es sollte ein leer stehendes Verwaltungsgebäude darstellen, da die somalische Regierung zum Zeitpunkt der Story bereits nicht mehr real existent war. Und da aus der Luft gefilmt werden mußste, versuchten wir es bestmöglich in das existierende Stadtnetz zu integrieren."

Insgesamt wurden 35 quadratische Stadtblöcke der "Innenstadt Sidi Moussas" in die kriegszerrüttete Kulisse von Mogadischu verwandelt.

Außerdem wurde nahe dem Zielgebäude ein verblichener "Überrest" aus Somalias trauriger Kolonialzeit konstruiert. Ein "Arco de Triunfo Dopolare", der von den Italienern während ihres missglückten Ostafrika-Abenteuers errichtet worden war. Max sagt: "Wir bemühten uns, die Atmosphäre von Mogadischu mit seiner äußerst vielschichtigen Geschichte einzufangen. Über viele Generationen hinweg wurde es von verschiedenen Mächten besetzt, wie den ottomanischen Türken, Italienern und Engländern, sowie schließlich von einer sowjetgelenkten Marionettenregierung, die letztlich von Aidid zusammen mit anderen Klans, mit denen sie sich später zerstritten, gestürzt wurde.

Die erste Black-Hawk-Absturzstelle sowie die umliegenden Gebäude ("Alamo"-Komplex), in denen die meiste Action stattfand, wurden in einem unfertigen Wohnprojekt im Hay Arrahma-Viertel von Sale, etwa zwei Meilen von der Avenue Nasser, errichtet. "Wir nutzten die halbfertigen Appartments als Skelett und fügten unsere Kulissen hinzu", erläutert Max. "Sie bestanden aus antiken Bögen, Restaurants, Geschäftsfronten, Friseursalons, Cafés, einem Filmtheater und einem Springbrunnen. Und da es vier Eingänge zu diesem Gebiet gab, das unter unserer Kontrolle stand, glich das Set in der Tat einem Studiogelände. Wir erhielten viel Unterstützung von der marokkanischen Regierung und den Stadtvätern von Sale, um diese Orte für unseren Film nutzen zu können."

Auf die Kulissen wurden präzise rekonstruierte Geschäftsschilder, somalische Graffiti - in ihrer eigenen Sprache und in gebrochenem Englisch - und naiv gemalte Propaganda-Wandgemälde aufgetragen, realisiert mit Hilfe einiger ausgebürgerter Somalis, die als technische Berater fungierten.

Palmen und weitere in Somalia beheimatete Pflanzen wurden von Gärtnern umgepflanzt, um der eher kahlen Landschaft von Sidi Moussa noch mehr Authentizität zu verleihen.

Ein zusätzlicher Teil von Sale, der noch weniger entwickelt war, als die Gegend um die Avenue Nasser, wurde zur zweiten Black-Hawk-Absturzstelle. "Wir konstruierten eine zerstörte Medrassa - eine islamische Religionsschule - neben einer existierenden Moschee in einer verarmten Gegend der Stadt", erklärt Max. "Wir wollten dieses Set hinsichtlich des Stils eher rustikal und traditionell kreieren."

"Rabat und Sale verfügen über eine reiche Geschichte", fährt Max fort, "und wir versuchten so viel Nutzen wie möglich aus der historischen Architektur zu ziehen." Ein Beispiel dafür fand man in der Nähe der berühmten Einkaufsstraße Rue des Consuls in Rabat im Innenhof einer Medina aus dem 17. Jahrhundert, in dem Mogadischus berüchtigter Baraka-Markt nachgestellt wurde, auf dem zwischen Obst und Gemüse Waffen und Handgranaten zum Vekauf angeboten werden. Für die Zeit der Drehtage wurde diese belebte Ecke der Medina in einen atmosphärisch reichhaltigen, jedoch angsteinflößenden Marktplatz des Terrors umgewandelt.

Um den U.S.-Militärstützpunkt in Mogadischu zu rekonstruieren, trafen Jerry Bruckheimer und Branko Lustig Arrangements mit der marokkanischen Regierung, die der Produktion erlaubten, das Royal Marrocan Air Force Field etwa 20 Meilen nördlich von Rabat in dem Küstenort Kenirta zu nutzen, in dem innerhalb der Hangars Gebäude und andere Sets errichtet wurden. Scott und Max schufen hier die sporadischen Baracken für die Ranger und die Delta-Force-Soldaten. Dabei legten Ausstatterin Elli Griff und ihr Team Wert auf die jeweils winzigen Details im Raum und eine Unzahl von persönlichen Gegenständen, die dem jeweiligen Charakter und dem Setting der frühen 90er Jahre entsprachen. Am Strand nahe von Mehdiya, einem beliebten Freizeitgebiet der einheimischen Marokkaner, wurde ein Schießplatz konstruiert.

"Der Unterschied zwischen Gladiator und Black Hawk Down besteht darin, dass wir diesmal in einer existierenden, pulsierenden Stadt arbeiten mußsten. Ich würde den Film eher als Location-Movie bezeichnen, während Gladiator ausschließlich an nachgebauten Sets gedreht wurde", merkt Arthur Max an. "Das war eine interessante und sehr komplexe Herausforderung, um es mal bescheiden auszudrücken."

Epische Story, episches Filmemachen

Am Set von Black Hawk Down in Sale war man täglich Zeuge eines unbeschreiblichen Spektakels. Es fanden sich tausende von Schauspielern und Statisten, die in ihren respektiven Uniformen oder einheimischen somalischen Kostümen positioniert wurden, eine Unzahl von Waffen, Explosionen und Feuer und in der Luft kreisende Hubschrauber, die die Action filmten. All dies inmitten einer Bevölkerung, die dem Treiben der Schauspieler und des Teams entweder fasziniert oder verdutzt gegenüber standen.

Gewaltige Basiscamps wurden für das erste und zweite Drehteam errichtet, mit einer enormen Ansammlung von Wohnwagen, Trucks und anderen Produktionsfahrzeugen sowie zahlreichen Zelten für das Catering, die Statisten und die Kostümierung. Ebenfalls im Basislager - sofern sie nicht auf dem Set eingesetzt wurden - waren dutzende von Militärfahrzeugen, wie Humvees, Panzer, Laster und somalische "Technicals" (alte Pickup-Trucks mit seitlich angebrachten Maschinengewehren) untergebracht, die von der Produktion erworben worden waren und dann entweder erheblich beschädigt oder zerstört wurden. Oft mußsten die Lager zusammengepackt und neu aufgestellt werden, je nachdem, an welchem Platz der Stadt die Produktion am jeweiligen Tag stattfand war.

Ohne Frage waren die Einwohner von Sidi Moussa und anderen Stadtteilen von Sale zeitweise Behinderungen und Nervenanspannungen ausgesetzt, doch die Filmemacher stellten auch eine außergewöhnliche Anzahl von Jobs und finanziellen Kompensationen für die Bewohner zur Verfügung. Angesichts der 85-prozentigen Arbeitslosenrate im Viertel war dies sicherlich eine willkommene Erleichterung. In erster Linie zeigten die Bürger von Sale - insbesondere die von Sidi Moussa - eine erstaunliche Kooperationsbereitschaft und Freundlichkeit gegenüber ihren Besuchern und luden die Crewmitglieder zu dem einen oder anderen Glas des allgegenwärtigen Pfefferminztees und Süßigkeiten in ihre Häuser ein.

"Als wir das erstemal nach Sidi Moussa kamen", erinnert sich Ridley Scott, "sagten einige von uns, ‚Wow, ganz schön hart hier.' Doch als wir uns daran gewöhnt hatten, war es eigentlich ziemlich nett. Fast der ganze Ort versammelte sich jeden Tag am Set und schaute einfach nur zu. Es war schon eine beachtliche politische Leistung, uns überhaupt dort hinzubringen und alle bei Laune zu halten, doch ziemlich schnell ergab sich alles wie von selbst. Wir konnten eine Menge Leute aus Sidi Moussa beschäftigen, und ich glaube, das wurde geschätzt."

Um die ausgedehnten Actionszenen aufzunehmen, filmten Ridley Scott und Kameraleiter Slawomir Idziak normalerweise mit mehreren Kameraeinstellungen - zwischen sechs und acht Kameras entsprachen dem Durchschnitt, wesentlich mehr wurden für die längeren Sequenzen benötigt. Im Gegensatz zu den meisten Actionfilmen, in denen die Szenen in etwa 30 bis 45 Sekunden langen Segmenten gedreht werden, zieht Scott es vor, lange, komplexe Kampfsequenzen vom Anfang bis zum Ende zu filmen, wobei die Kameras ihrer Position entsprechend spezielle Momente einfangen. Diese Technik verlieh den Kampfszenen ihre Spontanität und Authentizität.

Für die Kontrollfragen war der erste Regieassistent und ausführende Produzent Terry Needham mitverantwortlich, der als einer der Besten, Erfahrensten und Unnachgiebigsten in seinem Fach gilt. Dem schillernden Veteranen etlicher Filme Ridley Scotts und des verstorbenen Stanley Kubricks, einschließlich dessen Vietnamkriegsfilms "Full Metal Jacket" (1987), und seiner Produktionscrew gelang es irgendwie, die ganzen verschiedenen Elemente zusammenzuhalten.

"Es sah nach Chaos aus", bemerkt Branko Lustig, "aber es war ein organisiertes Chaos. Jeder wusste, was er oder sie zu tun hatte. Es war ein riesiges Team, bei dem jeder eine andere Sprache sprach, doch sobald Ridley ‚Action!' rief, funktionierte alles irgendwie."

Obwohl viele der Black Hawk Down-Darsteller bereits Erfahrung mit Filmarbeiten in diesem großen Maßstab hatten, waren nur wenige auf den schieren Umfang, den Ridley Scott sich zu verwirklichen vorgenommen hatte, vorbereitet. "Wir filmten eine Aufnahme beim ‚Alamo', die wir einen halben Tag lang vorbereiteten und in circa drei Minuten abdrehten", erinnert sich Josh Hartnett. "Ich renne zu einem Gebäude rüber, hebe ein Lichtsignal auf und werfe es auf das Gebäude, auf dem Männer der somalischen Miliz positioniert sind. Währenddessen schießen sie die ganze Zeit auf mich, und dann fliegen zwei amerikanische Little-Bird-Helikopter über das Gebäude und feuern Maschinengewehrsalven auf die Somalis. Die Art, wie Ridley diese Aufnahme zusammenstellte und drehte, ist Action vom Anfang bis zum Ende der Szene. Es war beängstigend und aufregend, mit all den Sprengkapseln und Explosionen, die um einen losgingen - und verdammt realistisch."

"Du weißt nicht genau, was dich erwartet", fährt Hartnett fort. "Da sind die Männer auf dem Dach, die Platzpatronen auf dich feuern, und du hörst den Krach und die Gewehrschüsse, und du siehst die Granaten und die Explosionen um dich herum. Für einen Schauspieler ist es ein Leichtes, die Realität zu vergessen und zu fühlen, wie es ist, wenn tatsächlich auf einen geschossen wird."

Ewan McGregor fügt hinzu: "Es wurde tatsächlich kein Schauspielern im eigentlichen Sinne verlangt. Es fühlte sich echt an. Das Spezialeffekte-Team war unglaublich. Ich habe Filme gemacht, bei denen all die Spezialeffekte hinterher mit dem Computer eingefügt wurden, und das ist okay, doch wenn man hier die Straße hinunterrannte und überall die Sprengkapseln losgingen, dann war man wirklich inmitten des Gefechts."

"Es ist buchstäblich überwältigend, wenn man dem das erste Mal ausgesetzt ist", bestätigt Eric Bana. "Ich erinnere mich an die erste Aufnahme, bei der 50-kalibrige Maschinengewehre abgefeuert wurden. Es war schlichtweg ein Angriff aufs Gehör. Du weißt, Ridley lässt mindestens 100 somalische Milizmänner gleichzeitig auf dich schießen, und zuerst überlastet es regelrecht deine Sinne. Doch dann gewöhnt man sich gewissermaßen daran, und das ist noch verstörender."

William Fichtner merkt an: "Ich habe noch nie an einem so riesigen Set gearbeitet. Da gibt es keinen Raum für Panikaussetzer. Ridley erwartet, dass du weißt, was du zu tun hast - und sie alle wissen es, wie ein gut geöltes Uhrwerk. Es war außergewöhnlich."

Ridley Scott findet, dass die Besetzung "sich wirklich mehr in die Handlung hineinsteigerte als bei irgendeinem anderen Film, mit dem ich je zu tun hatte. Selbst wenn sie nicht drehten, kamen sie normalerweise zum Set und schauten sich die Prozedur an. Es war faszinierend, dass die Schauspieler diesen Kern bildeten, ein echtes Team. Das war wirklich beeindruckend. Und im Film wirkt es völlig real. Denn am Ende des Tages versuchten wir die Philosophie zu entdecken, die diese Soldaten antrieb. Manche von ihnen meldeten sich, um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Doch mehr als alles andere wollten sie sich selbst testen, suchten nach einer Herausforderung. Für andere war es eine Familienangelegenheit, da ihre Väter und Großväter Soldaten gewesen waren. Sie waren eine sehr interessante Gruppe von Männern, die ihrem Land und ihrer Fahne absolut ernsthaft ergeben sind."

Die Waffenabteilung wurde von Simon Atherton, einem der besten Rüstungsausstatter im Filmgeschäft, geleitet. Für Black Hawk Down mußsten Atherton und seine vorwiegend englische Crew ein riesiges Waffenarsenal, das tatsächlich im Kampf benutzt wurde, zusammenstellen. Dazu gehörten in der damaligen Sowjetunion hergestellte AK-47-Maschinengewehre, raketenangetriebene Granaten (RPGs) und rückschlaglose Gewehre, die von den Somalis benutzt wurden, und für die Amerikaner M-16-Automatikgewehre, Browning-50-Kaliber-Maschinengewehre (mit ihrem erdbodenerschütternden und ohrenbetäubenden Krach), LAWs (leichte Panzerabwehrwaffen), M-60-Maschinengewehre, SAWs (Squad Automatic Weapon) und an den Black Hawks und Little Birds befestigte mörderische Minigewehre - elektrisch betriebene Maschinengewehre, die bis zu 4000 Munitionssalven pro Minute abfeuern können. All dies wurde von Atherton und seinem Team umgebaut, um Übungsmunition zu feuern. Viele wurden als erstaunlich realistische nicht feuernde Gummirepliken für die Statisten dupliziert.

Stuntkoordinator Phil Neilson war bei Gladiator dafür verantwortlich, eine Welt von antikem Waffenrat auf Schlachtfeldern und in Arenen zu kreieren. Nun wurde von ihm verlangt, sich seinen eigenen Background im amerikanischen Militär zu Nutze zu machen, um komplexe Stunts und Kampfaction zu entwickeln. "Ich brachte viel ehemaliges Militärpersonal mit, die das Wissen bereits intus hatten", erklärt Neilson. "Da wir an gigantischen Actionsets arbeiteten, mit hunderten und sogar tausenden von Statisten, mußste ich die Verantwortung delegieren, da ich unmöglich auf alles ein Auge werfen konnte. So haben wir Stuntmänner als Amerikaner, andere als Somalis in geradezu ununterbrochenen Kampfsituationen und Explosionen eingesetzt - nicht zu vergessen die Hubschrauber, die eine ganz eigene Herausforderung repräsentierten."

"An erster Stelle stand für uns die Sicherheit der Besetzung, der Crew, der Statisten und der Leute, die im umliegenden Gebiet des Drehs lebten", berichtet Neilson. (Es sei bemerkt, dass bei Ende der Dreharbeiten nicht eine einzige ernsthafte Verletzung bei der Besetzung, der Crew oder den Statisten zu vermelden war.) Für Neilson war es auch wichtig, sich an Ridley Scotts Prinzip zu halten, die Action so realitätsnah wir möglich zu gestalten. "Ich habe nicht viel für übersteigertes Hollywood-Brimborium übrig", meint Neilson. "Ich mag Realismus, und es war wichtig, Black Hawk Down rau und authentisch zu halten."

Ein entscheidender Faktor, der bei der Nachstellung des Schlachtfeld-Chaos behilflich war, waren die Leistungen der Spezialeffekte- und Prothesenabteilung unter der Leitung von Neil Corbould, der für seine Arbeit an Der Soldat James Ryan mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. "Der größte Teil der Arbeit an Black Hawk Down bestand in der schieren Quantität", führt Corbould an. "Ich war an Kriegsfilmen tätig, bei denen ein Teil des Films aus Streitkämpfen besteht, und dazwischen gibt es ruhigere Momente. Doch dieser Film besteht ununterbrochen aus Kugelhagel, Explosionen und Hubschrauberabstürzen. Wir brachten acht bis dreizehn Meter lange Waggons aus England, die voll mit Luftkanonen, Minenwerferteilen und Radarkontrolleinheiten waren. Und dann brachten wir noch mehr Vehikel, die die benötigten Prothesenmaterialien beinhalteten."

"Für fast jede Aufnahme haben wir typischerweise fünf bis sieben Kameras aufgebaut", erzählt Corbould, "und vor jeder Kamera sollten im extremsten Fall 1200 Kugeln einschlagen und ein oder zwei Explosionen losgehen. Wir benötigten Rauch, Flammeneffekte, prothetische Körper und Blut und insgesamt etwa 40 Specialeffects-Profis."

Corbould und seine Crew konstruierten zudem mehrere originalgroße oder fast originalgroße Nachbildungen der Black Hawks, inklusive der Überreste des abgestürzten Super Six One and Super Six Four. "Wir begannen mit 50 Platten Pressholz, die wir nach einem computergenerierten Modell eines Black Hawks, den wir erworben hatten, designten. Dann gossen wir die Außenform aus und bauten das Innere anhand von Fotografien, die ich in Florida aufgenommen hatte, nach. Es entspricht dem genauen Maßstab, jedes Detail ist inbegriffen."

Am bemerkenswertesten war wahrscheinlich die Aufhängung des Helikopters an Gimbals, die an einem hohen Kran angebracht waren. Corbould hatte die Aufhängung für die Flugszenen, in denen sich die Hauptdarsteller im Inneren des Black Hawks befinden, entworfen und gebaut (obwohl die Besetzung auch bei tatsächlichen Black-Hawk-Flügen gefilmt wurde). Zugunsten der Authentizität wollte Ridley Scott keine altmodischen optischen Blue-Screen-Trickaufnahmen.

"Im Grunde genommen adaptierten wir einen 160 Tonnen schweren Kran mit beweglicher Basis und hängten einen Black-Hawk-Nachbau daran auf, um den Eindruck von echter Bewegung zu erzeugen", erklärt Corbould. "Es war uns möglich, den Helikopter mit einem Bewegungsradius von 360 Grad zu versehen, mit Links-, Rechts-, Rückwärts- und Vorwärts-Neigung. Außerdem konnten wir den Kran umdrehen, so dass es aussah, als ob wir uns tatsächlich durch die Stadt bewegten." Für die Szene, in der Super Six One auf den Platz des "Alamo"-Komplexes abstürzt, erzeugte Corbould eine sogar noch komplexere mechanische Vorrichtung. "Wir benutzten denselben 160 Tonnen schweren Kran und spannten zwei 150 Meter lange Drähte zum Boden hinunter. Dann konstruierten wir ein leichtgewichtiges Black-Hawk-Modell, das wir von den Kabeln hängen ließen. Es bewegt sich an diesen Kabeln entlang nach unten, stürzt in den Springbrunnen auf dem Stadtplatz. Und wenn wir die Kabel lösen, fällt der Hubschrauber auf die Erde, und wir erhalten den Aufpralleffekt."

Da die Explosionen und Sprengkapseln funkkontrolliert wurden, waren Mobiltelefone - unter Androhung von Entlassung - für alle strikt verboten, da sie die von Corbould und seinem Team sorgfältig vorbereiteten Effekte ungewollt losgehen lassen konnten.

Corbould und sein Team schlossen sich mit der Abteilung für prothetische Effekte zu einer Einheit zusammen, so dass alles von derselben Stelle kontrolliert werden konnte. Von etlichen Schauspielern mußsten Ganzkörperabdrücke genommen werden, damit ihre entsprechenden Kriegswunden kreiert und aufgetragen werden konnten. Ihre Anstrengungen wurden von einem ausgedehnten Make-up-Department (das sich zum großen Teil aus Italienern zusammensetzte) unter Leitung des hoch erfahrenen Fabrizio Sforza unterstützt.

Die Berater

Um alles so real wie möglich zu gestalten, wurden zudem der militärische Berater Harry Humphries und zwei Hauptmitarbeiter seines Teams hinzugezogen. Beide waren intensiv an der tatsächlichen Auseinandersetzung beteiligt und hatten sich erst kurze Zeit vor Drehbeginn vom Militärdienst zur Ruhe gesetzt. Colonel Thomas Matthews war der Einheitskommandant der "Nightstalkers", eine Hubschrauberorganisation, die die Special-Operations-Bodentruppen weltweit unterstützt. Special Forces Colonel Lee Van Arsdale war als Offizier für das Joint Operations Center verantwortlich, das den Rettungskonvoi nach Mogadischu führte, um die in der Falle sitzenden Rangers und Delta-Force-Truppen zu retten.

"Harry Humphries spielte eine äußerst wichtige Rolle am Set", bemerkt Jerry Bruckheimer, "da er täglich mit den Schauspielern und Statisten arbeitet, damit alles akkurat aussah. Es war ebenfalls unbezahlbar, Tom und Lee dabei zu haben, da sie den wirklichen Kampf erlebt haben und jede etwaige Frage von Ridley beantworten konnten. Das half uns allen ungemein."

"Es war großartig, Harry, Lee und Tom jeden Tag am Set zu haben", pflichtet Ridley Scott bei. "Sie waren völlig offen, wenn sie etwas nicht völlig authentisch oder realistisch fanden."

"Nach Marokko zu reisen war nicht unbedingt das, was ich mir für meinen Ruhestand vorgestellt hatte", gibt Matthews zu. "Doch in Erinnerung an die Soldaten, die in der Gefechtsaustragung getötet wurden, und ihre Familien, kam ich zu dem Schluss, dass ich dieses Projekt annehmen, meine zweite Karriere vorübergehend auf Eis legen und mein Bestes geben würde, um als technischer Berater für den Film zu fungieren."

Lee Van Arsdale, der sich ebenfalls vor kurzem zur Ruhe gesetzt hatte und eine neue Karriere begonnen hatte, stimmte nicht nur mit Matthews persönlichem Engagement gegenüber den Männern, die in Mogadischu ihren Dienst geleistet hatten, überein, sondern sah seine neue Aufgabe auch als Möglichkeit, nach knapp zehn Jahren viele Missverständnisse zu bereinigen. "Eine Tatsache, die, glaube ich, vielen Leuten entgangen ist, jedoch nicht denen, die aktiv beteiligt waren, ist der Umstand, dass wir, von einem militärischen und taktischen Standpunkt gesehen, eine erfolgreiche Mission vollbracht haben. Es war unser Job, zwei von Aidids Topleutnants sowie ihre Bodyguards zu holen und genau das haben wir auch getan."

"Offensichtlich verlief es nicht nach Plan", fährt Van Arsdale fort. "Wir hatten den möglichen Fall eines Helikopterabsturzes einkalkuliert, doch wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir 18 von unseren Kameraden verlieren würden. Doch ich würde diesen tragischen Verlust von Leben nicht mit einem gescheiterten Ziel verwechseln. Ich war schockiert über die Medienberichte, die die Mission ein ‚Debakel' oder ‚Fehlschlag' nannten. Nach dieser Denkweise war auch die Invasion der Normandie am D-Day ein Debakel', da wir viele amerikanische Leben verloren haben. Wir haben diese Vorstellung entwickelt, dass kein Leben auf dem Schlachtfeld verloren werden könnte. Aus einer gewissen Perspektive betrachtet, ist das gut. Ich habe an diesem Tag in Somalia ein paar sehr gute Freunde verloren, und ich will nicht noch mehr verlieren."

"Doch wenn man sich dem Militärdienst verpflichtet, um in einen bewaffneten Kampf zu ziehen, dann besteht immer das Risiko, dass manche im Gefecht umkommen", fährt er fort. "Wenn dies passiert, bedeutet es nicht, dass die Mission gescheitert ist. Ein paar verdammt gute Soldaten haben etwas vollbracht, von dem ich mir nicht sicher bin, dass es irgendeiner anderen militärischen Streitkraft dieses Planeten unter denselben Voraussetzungen gelungen wäre. Das Gefecht von Mogadischu ist von den meisten Leuten unter den historischen Teppich gekehrt worden. Der Grund, weshalb ich hier bin, ist dabei zu helfen, dass die Geschichte akkurat und realistisch erzählt wird."

Auch Black Hawk Down Stuntmann John Colbett lag persönlich sehr viel am Erzählen der Geschichte. Als einer der Ranger-Spezialisten gehörte er zu einem der vier Trupps, die sich zum Zielgebäude in "the Mog" abseilten und dann den Rest des Tages und der Nacht an der Seite ihrer Kameraden kämpften. Während der Produktion durchlebte Collett seine Erfahrungen täglich auf ein Neues, und das war nicht immer einfach. "Es herrschen viele Missverständnisse darüber, was in Mogadischu vorgefallen ist", sagt Collett. "Ich bin dem Militär beigetreten, um meinem Land zu dienen, und dafür braucht mir keiner auf die Schulter zu klopfen. Doch es ist wichtig, dass die Leute begreifen, dass echte menschliche Wesen hinter dieser Maschine stehen, die für die Freiheit unseres Landes sorgt. Wir wollen unsere Hilfe leisten in der Welt, und manchmal laufen die Dinge schief, doch zumindest versuchen wir, das Richtige zu tun."

"Ich glaube, wir gingen aus den richtigen Gründen nach Mogadischu", bestätigt Collett. "Ich bin der Ansicht, dass bestimmte Dinge an diesem Tag falsch liefen. Ich habe ein paar Somalis, die als Statisten am Film tätig waren, kennen gelernt, die am 3. Oktober 1993 in Mogadischu waren. Wir haben uns hingesetzt und geredet, haben ein paar Bier getrunken, und sie haben mir sogar ein paar Bilder von einem der Black Hawks, nachdem er abgestürzt war, gezeigt. Das war vielleicht eine Erfahrung! Acht Jahre später sitze ich am Tisch in der Hotelbar des Hilton in Rabat den Leuten gegenüber, die damals auf dem Boden waren. Ob sie nun damals auf mich geschossen haben oder nicht, werde ich nie wissen. Werden sie es mir sagen? Nein. Haben sie? Wahrscheinlich. Aber sie glaubten ebenfalls an das, was sie taten."

Die Geschichte wiederholt sich

Von all den Aufgaben, die Jerry Bruckheimer, Ridley Scott, Mike Stenson, Chad Oman, Branko Lustig und den anderen Kommandanten von Black Hawk Down bevorstanden, war keine so groß, wie die außergewöhnlich sensiblen Verhandlungen zwischen der Produktion, der marokkanischen Regierung und dem amerikanischen Außen- und Verteidigungsministerium. Für ca. 100 U.S. Ranger, vier Black Hawks, vier Little Birds und ihre Piloten vom 160th SOAR und dem militärischen Backup-Personal in ihrer Begleitung, mußste Erlaubnis eingeholt werden, über den Atlantik fliegen zu dürfen, um der Produktion zu helfen, die ersten paar Minuten und weitere wichtige Momente während der Mission mit dem nötigen Realitätsgehalt richtig zu rekonstruieren.

Dies war keine einfache Angelegenheit. Selbst angesichts der jüngeren Ereignisse war die Idee, bewaffnete Truppen und Material aus den Vereinigten Staaten zu einem souveränen nordafrikanischen Königsstaat mit moslemischer Bevölkerung zu bringen - egal wie freundlich die Beziehungen zwischen den Ländern auch sein mochten - weit hergeholt, um es freundlich auszudrücken.

"Egal wie begeistert die Regierung von unserem Projekt war", sagt Jerry Bruckheimer, "es gab Bürokratien, mit denen man sich auseinander setzen mußste, und es gab viele Stimmen, die in dieser Angelegenheit gehört werden wollten. Es mußsten viele Dinge zwischen dem Außenministerium und der marokkanischen Regierung ausgearbeitet werden, und es dauerte länger als wir zunächst angenommen hatten."

"Es gab so viele Fragen in Bezug auf die Sicherheit", fährt Bruckheimer fort. "Wer würde die Hubschrauber und die Männer beschützen? Wo würden sie untergebracht werden? An wie vielen Drehtagen würde ihre Mitarbeit benötigt werden? All diese Details mußsten genauestens im Voraus ausgearbeitet werden, und obwohl wir eine hervorragende Beziehung zur Regierung haben, war dies ein wesentlich größeres Unternehmen als alles, was wir je zuvor versucht hatten."

Einige Tage, nachdem die Dreharbeiten begonnen hatten, kursierten bereits Gerüchte über das unmittelbar bevorstehende Eintreffen der Männer und des Equipments, nur um kurz darauf wieder zunichte gemacht zu werden. Branko Lustig bemerkt: "Wie macht man einen Film mit dem Titel Black Hawk Down ohne Black Hawks? Man kann diese Hubschrauber nicht unabhängig für Filmproduktionszwecke erwerben. Sie sind im Besitz der amerikanischen Streitkräfte. Unser Plan für die allerletzte Minute war, falls wir keine Black Hawks bekommen konnten, Huey-Helikopter zu benutzen und sie dann hinterher digital zu bearbeiten und wie Black Hawks aussehen zu lassen."

"Schließlich beschlossen wir, dass der einzige Weg, den Film richtig zu machen, der Einsatz echter Black Hawks, echter Piloten und echter Ranger war", sagt Mike Stenson. "Wir campierten praktisch vor der U.S.-Botschaft. Ständige Verhandlungen zwischen dem amerikanischen Außenministerium, dem marokkanischen Auslandsministerium und dem Verteidungsministerium wurden geführt. Sogar der U.S.-Kongress lieferte entscheidende Unterstützung. Wir verschoben die Helikopter-Arbeit nach hinten, bis wir die Zustimmung endlich fünf Wochen nach Drehbeginn erhielten. Das war 48 Stunden, bevor wir auf die Hueys umsteigen hätten müssen."

Der Dreh der anspruchvollsten Szene, mit der die Mission ihren Ausgang im Zielgebäude in der Innenstadt Mogadischus nimmt, wurde immer wieder verschoben. Doch endlich kam die Nachricht, dass alle nötigen Papiere von den amerikanischen und marokkanischen Behörden (darunter König Mohammed VI.) unterzeichnet worden waren. Zwei C-2-Transportmaschinen konnten auf dem Flughafen nahe Rabat landen. Sie lieferten ihre Fracht, bestehend aus über 100 Soldaten vom 3. Bataillon, der Bravo Company des 75. Rangers Regiment - dieselbe Kompanie, die tatsächlich in Mogadischu gekämpft hatte - vier Black Hawks und vier Little Birds, alle dienstbereit, samt ihrer Piloten des 160th SOAR. Jeder der Black Hawks hatte seinen Namen unterhalb seiner Rotorflügel aufgetragen: Nightstalker, Black Scorpion und - wie es der unglaubliche Zufall wollte - Armageddon und Gladiator!

Offiziell handelte es sich um einen Übungstruppeneinsatz. Nichts könnte mehr der Wahrheit entsprechen, da die Ranger und die Hubschrauber zugunsten des Films ein nicht zu verachtendes Workout erhalten würden. Die Ranger und Chopper stürzten sich sofort in die Action, indem sie den Einsatz in einem halb fertiggestellten Appartementkomplex nicht weit von Sidi Moussa probten. Die SOAR-Piloten begannen, eng mit dem Black Hawk Down-Luftkoordinator und Kamerapiloten Marc Wolff zu arbeiten.

"Der Regisseur sagte mir, was er vor die Kameras haben wollte, und ich erstellte ihm einen militärischen Plan", erläutert Major Brian Bean, Operations Officer vom 160th SOAR, zuständig für die Spezialeinheit, die nach Marokko geschickt worden war. "Wir haben uns sehr eng mit den Luftkoordinatoren des Films engagiert. Sie wohnten allen unseren Sitzungen bei, wir flogen zusammen, kommunizierten über dieselbe Funkwellenlänge. Und von der künstlerischen Seite gesehen, stand ein Mitglied unserer Spezialeinheit immer neben Ridley Scott, ging sicher, dass wir seine Vision verstanden und führten diese unseren Maßstäben und der Sicherheit entsprechend aus."

"Was so besonders daran ist, dass das Militär diesen Film unterstützt", fügt Lt. Col. Kirk Potts, der Spezialeinheiten-Kommandant, hinzu, "ist die erneute Beteiligung der Einheiten, die vor acht Jahren am militärischen Einsatz teilgenommen hatten. Wir hatten tatsächlich drei oder vier der echten Veteranen, die die Helikopter flogen, während der Aufnahmen dabei."

Auf der Avenue Nasser in Sidi Moussa, in Vorbereitung auf das Filmen der besagten Szene, begann Arthur Max' künstlerische Abteilung die Umgebung abzusichern. Dafür wurden alle Wohnungen und Geschäfte nahe dem Zielgebäude - über das acht Helikopter schweben oder landen würden - sorgfältig durchkämmt, um sicherzustellen, dass alle Dächer, Fenster und Fensterläden gut abgesichert waren. Etliche Einwohner wurden aus Sicherheitsgründen vorübergehend umquartiert; andere entschlossen sich, in ihren Wohnungen zu bleiben und sich gelassen die ungewöhnliche Action anzusehen, die sich auf der anderen Straßenseite zutrug.

Am 16. April begann eine Vielzahl von Kameras, sowohl auf dem Boden als auch aus der Luft, zu rollen. Von seinem "A-Star"-Helikopter aus machte John Marzano, Kameraleiter der Luftaufnahmen, sein gyrostabilisiertes Wescam-Kamerasystem mit fast 360-Grad-Blickkreis, bereit. Das kaum wahrnehmbare Geräusch von Hubschraubern in der Entfernung schwoll zu einem gewaltigen Tosen an, als die vier Black Hawks und die vier Little Birds ihre Punkte über dem Zielgebäude und in seiner Nähe erreichten. Aus den schwebenden Black Hawks wurden Seile geworfen, und in dem heftigen Wind und Staub, der von den Hubschrauberrotoren aufgewirbelt wurde, seilten sich die Ranger 20 Meter auf den Boden ab. Gleichzeitig wurden von den Little Birds die Stuntmen, die die Delta Troops darstellten, auf den Dächern abgesetzt. Mit Präzisions-Timing donnerte zwischenzeitlich der aus zwölf Fahrzeugen bestehende Konvoi aus einer nahe liegenden Straße vor das Zielgebäude, während hunderte von Statisten, die die Somalis darstellten, entweder dem Chaos davon- oder mit Waffen in der Hand entgegenliefen.

Um verschiedene Winkel zu erhalten, wurde diese Sequenz von unübertrefflicher Komplexität und ausgetüftelter Organisation und Filmchoreographie nicht weniger als achtmal für die Kameras wiederholt. Dafür standen zwei Tage zur Verfügung.

Nachdem er dieser authentischen "Wiederholung" des Militäreinsatzes beigewohnt hatte, meinte Black Hawk Down-Autor Mark Bowden: "Im Film kann man wirklich Dinge machen, die im Buch unmöglich sind. Die Bildelemente in diesem Film werden außerordentlich sein. Allein hier am Set zu sein und die Rekonstruktion des Angriffs zu beobachten - das ist ein kraftvolles Bild. Als ich das Buch schrieb, mußste ich mir den Einsatz bis ins kleinste Detail ausmalen, doch der Film wird den Leuten Dinge zeigen, die sie nie zuvor gesehen haben."

Die Schauspieler und die Crew waren von dem Pflichtbewusstsein und der Präzision der Ranger und SOAR-Piloten begeistert - und umgekehrt war es genau so. "Unsere Leute hatten einen völlig neuartigen Respekt für die Kameramänner, Grips, Stuntleute und alle anderen, die am Filmen beteiligt waren", bemerkt Major Bill Butler. "Wir hatten keine Ahnung, wie viel Arbeit tatsächlich mit einem Film verbunden ist."

"Ursprünglich waren wir ein wenig skeptisch", gibt Major Bean zu. "Wir waren sehr um das Vermächtnis unserer gefallenen Kameraden besorgt und wollten sichergehen, dass dies für alle an oberster Stelle stand. Doch sobald wir gelandet waren, stellten wir hoch erfreut fest, wir professionell die Produktionsfirma arbeitete. Man zeigte uns, dass man sich wirklich Gedanken um die Erinnerung an unsere Männer machten. Damit waren alle Zweifel hinfällig."

Obwohl die Mehrheit der Ranger nach Drehschluss der geschilderten Szene Marokko verließ, blieben etliche von ihnen, ebenso wie einige der Helikopter und ihre Piloten zurück, um weiterhin am Film mitzuwirken. Stuntkoordinator Phil Neilson und sein Zweitkommandierender, der ehemalige Navy S.E.A.L. Keith Woulard und die Schauspieler begannen die Arbeit mit den Stuntleuten. "Das echte Militär mit den Stuntleuten zusammenzubringen funktionierte großartig", führt Neilson an. "Beide Seiten hatten einen großen Respekt für den Job des anderen. Die Ranger hatten keine Vorbehalte, sich voll in die Sache zu stürzen und sich dreckig zu machen. Und das Militär brachte den Stuntleuten viele Dinge bei, die sie noch nicht wussten."

Ein Besucher, der spät bei der Produktion eintraf, war der ehemalige Staff Sgt. Matt Eversmann, der im Film von Josh Hartnett dargestellt wird. Beide hatten zuvor am Telefon miteinander gesprochen, doch sie hatten einander noch nie gegenübergestanden. "Als ich an diesem ersten Tag zum Set ging", erinnert sich Eversmann, "war es wirklich unheimlich, wie sehr es nach Somalia aussah. Ich mußste buchstäblich einen Schritt zurücktreten. Es war dermaßen surreal."

Der stille "General"

Die Kernbesetzung war trotz Ermüdung vom langen Dreh, der weiten Entfernung von ihrer Familie und den täglichen Anforderungen umgeben von Feuer und Schwefel zutiefst beeindruckt vom Perfektionismus und der Professionalität ihres "Generals" Ridley Scott.

Ständig strahlte er eine beruhigende Autorität und Ruhe vor der Kulisse eines sorgfältig kontrollierten Chaos aus ("Das Auge in der Mitte des Tornados", wie es Tom Sizemore beschreibt). Er kümmerte sich um jedes erdenkliche Detail. Mit seiner allgegenwärtigen Zigarre und seinem messerscharfen Verstand war Scott zu jeder Zeit ansprechbar für Besetzung und Crew - so lange sich die Anliegen auf die Arbeit bezogen und nicht den "Glamour" - als ob so etwas in einer rauhen Location wie Marokko zu finden gewesen wäre.

Während die komplexen Action-Kulissen aufgebaut wurden, arbeitete Scott an seinen sogenannten "Ridleygrammen", Storyboard-ähnlichen Szenenkonzepten, bei denen sein beträchtliches Talent als Tinten- und Trickzeichner zum Tragen kam. Scott war dauernd damit beschäftigt, die bevorstehenden Szenen zu konzipieren und zu rekonzipieren. Wenn es an der Zeit war, die Szene zu drehen, wusste er ganz genau, wie sie aussehen sollte. Diese Skizzen waren darüber hinaus auch insofern hilfreich, als dass der Regisseur dem Team und der Besetzung zu jeder Zeit genau verdeutlichen konnte, was er von ihnen erwartete.

"Ridley ist ein visuelles Genie", schwärmt Josh Hartnett. "Er zeichnet atemberaubende Storyboards. Wenn man hinterher die Aufnahme sieht, gleicht sie geradezu perfekt dem, was Ridley zuvor gezeichnet hatte. Er ist völlig in seine Aufgabe vertieft, er weiß alles, was es übers Filmemachen zu wissen gibt."

Ewan McGregor bemerkt: "Ich kann mich nicht erinnern, jemals mit einem Regisseur gearbeitet zu haben, der so genau wusste, was er wollte und was er brauchte. Ich habe Ridley nie von irgendwas aus der Fassung gebracht gesehen, und er filmt so, wie er den Film schneiden wird. Das spart Zeit. Er ist absolut präzise und treffsicher. Ich glaube, der Film gibt einem einen sehr klaren Eindruck davon, wie es gewesen wäre, an jenem Tag in Mogadischu kämpfen zu müssen."

"Es gibt auf der ganzen Welt niemanden, der unter so viel Druck so gelassen aussieht", meint Eric Bana. "Ich habe keine Ahnung, welche Pillen Ridley nimmt oder was für Yoga-Übungen er macht, aber er ist eindeutig die entspannteste Person am Set. Es ist sagenhaft, von einem solchen Visionär und Künstler umgeben zu sein."

"Ridley besitzt eine einzigartige visuelle Gabe", bestätigt Jason Isascs. "Ich erinnere mich, als ich das erste Mal zum Set kam, sagte er: ‚Ich habe gerade eben im Auto diese kleinen Zeichnungen gemacht, um dir zu zeigen, was in der Szene passieren wird', und ich dachte mir, ‚Wahnsinn, er hat das im Auto gemacht?!!! Darf ich bitte eins davon mit nach Hause nehmen?' Ridley leidet nicht unter dem geringsten Anflug von Zweifel, wo er die Kamera aufbauen soll und was er zu jedem gegebenen Moment mit ihr machen will. Bei ihm sieht alles völlig aufwandslos aus."

Visuelle Effekte: Realitätserhöhung

Bei Gladiator gelang dem visuellen Spezialeffekteleiter Tim Burke die mit einem Oscar belohnte Aufgabe, die Welt der Antike im großen Maßstab zu rekreieren, wofür er die technologischen Wunder von CGI (computergenerierten Bildern) nutzte. Für Black Hawk Down wurde er mit einer ähnlichen Aufgabe betraut, wenn auch im kleineren Maßstab.

"Mein Job bestand darin, eng mit Ridley Scott und Produktionsdesigner Arthur Max zu arbeiten und zu helfen, die verschiedenen, für den Film notwendigen Effekte zu entwickeln", erklärt Burke. "Ursprünglich sollten wir vor allem daran beteiligt sein, einige der Abstürze zu bearbeiten, doch unsere Rolle wurde während des Drehs erweitert. Die Szene in dem unter der Kontrolle der Vereinten Nationen stehenden Sportstadion wurde in Sale gefilmt, doch das tatsächliche Stadion wurde nur zum Teil wirklich gebaut. Daher mußsten wir es im Computer expandieren und fügten Haupttribünen ein, wo keine existierten. Ich bin froh, dass wir in dieser Hinsicht durch unsere Arbeit an Gladiator bereits über viele Erfahrungen verfügten. Wir hatten ein großes Sortiment an Effekten, wie das Hinzufügen von Granaten, Gewehrfeuer, Einschlagblitzen und Staub."

Einmal mehr war es das erklärte Ziel von Burke, die Realität zu erhöhen, indem er die visuellen Effekte in die Kameraarbeit am Set integrierte und diese sich im fertigen Film nahtlos ineinander fügen würden. Ein Beispiel für die perfekte Umsetzung ergab sich in einer Szene, bei der eine Raketengranate auf einen schwebenen Black Hawk abgefeuert wird und Soldat Todd Blackburn daraufhin neben sein Seil greift und 20 Meter zu Boden stürzt. "Es bedurfte einer ziemlich komplizierten Choreographie, um dieses Segment zu erzählen. Daher arbeiteten wir sehr eng mit Schnittmeister Pietro Scalia und filmten bestimmte Flugelemente der Black Hawks. Anschließend setzten wir sie dann in andere Aufnahmen, um sie in die korrekte Umgebung zu versetzen. Daraufhin fügten wir am Computer das Abfeuern von Raketengranaten auf die Black Hawks hinzu, so dass die fertigen Aufnahmen eine Kombination von zwei Elementen waren: Live Action und Computergrafiken."

"Für den ersten Black-Hawk-Absturz gab es ein ähnliches Szenario", fährt Burke fort. "Unsere Aufgabe war es, die Drähte und Kabel von Neil Corboulds Black-Hawk-Kranaufhängung digital zu entfernen, um dann anhand von Computergrafiken die Rotorflügel und ihren Antriebsmechanismus einzufügen. Wenn man im fertigen Film sieht, wie die Rotorflügel zu Boden krachen, abbrechen und an der Kamera vorbeisausen, handelt es sich um unsere digitalen Additionen."

Mission ausgeführt

Die Aufnahmearbeiten von Black Hawk Down wurden am 29. Juni 2001 nach 92 Drehtagen dort abgeschlossen, wo sie begonnen hatten: an der Royal Moroccan Air Force Base in Kenitra. Wieder in Sidi Moussa, war die Ausstattungsabteilung nicht nur damit beschäftigt, die Gebäude auf der Avenue Nasser in ihren Prä-Mogadischu-Look zurückzuversetzen, sondern man verpasste ihnen auch eine attraktive Verschönerung. Das Zielgebäude wurde abgebaut, und das leere Feld konnte nun wieder für Fußballspiele verwendet werden. Für die Einwohner von Sale kehrte wieder der Alltag ein, obwohl viele später zu Protokoll gaben, die Aufregung und die konstante Aktivität der Produktion zu vermissen.

Jetzt war es an der Zeit für Bruckheimer und Scott, sich der komplexen Postproduktion zu widmen. Oscar-Gewinner Pietro Scalia war nunmehr bereits zum viertenmal (nach Die Akte Jane), Gladiator und Hannibal für den Schnitt eines Ridley-Scott-Films zuständig, und Hans Zimmer komponierte den Score.

Hans Zimmer, der ebenfalls mit einem Oscar ausgezeichnet ist, hatte bereits für Bruckheimer-Filme wie "Tage des Donners" (1990), Crimson Tide, The Rock - Fels der Entscheidung und Pearl Harbor sowie für Scotts Black Rain, Thelma & Louise (1991), Gladiator und Hannibal die Musik beigesteuert und setzte somit seine lange Beziehung zu beiden Filmemachern fort.

Hans Zimmer hatte bereits für eine seiner ersten Arbeiten, "Zwei Welten" (1988), mit der Vermischung von traditioneller afrikanischer Musik mit dramatischer Filmmusik Pionierarbeit geleistet. Er führte das Konzept mit "Der Glanz der Sonne" (1992), Der König der Löwen und "Endurance" fort, das er für den Komponisten John Powell produzierte. Einmal mehr war Zimmer also die perfekte Wahl für das, was Scott suchte.

"Ich wollte nicht damit anfangen, Popsongs über diese Ereignisse zu legen", sagt der Regisseur. "Hans' Soundtrack würde sehr von ethnischer und moslemischer Musik beinflusst sein."

Nach vier anstrengenden und anregenden Monaten hatten Darsteller und Filmemacher endlich Zeit, sich über ihre Erfahrungen bei den Dreharbeiten, mit denen sie der jüngeren Geschichte Leben eingehaucht hatten, und über ihre Hoffnungen darüber, was das Publikum aus dieser Filmerfahrung ziehen würde, auszutauschen und nachzudenken.

"Die meisten Soldaten werden dir sagen, dass die in Black Hawk Down thematisierte Mission ein Erfolg war. Die eigentliche Tragik liegt in der Reaktion der Nation im Anschluss an die Aktion", sagt der ausführende Produzent Mike Stenson. "Diese Männer sind Profis und rechnen mit gelegentlichen Todesfällen, wenn sie zu einer derart gefährlichen Mission geschickt werden. Doch sie wollen sichergehen, dass die Öffentlichkeit und die Regierung die potentiellen Verluste verstehen und jede Mission diesen hohen Preis rechtfertigt. In Somalia waren sie nicht darauf vorbereitet."

"Ich glaube, dieser Film wird die guten und schlechten Seiten einer derartigen Operation zeigen", meint Steven Ford. "Ist unser Militär dafür da, den Frieden zu bewahren, Leute zu ernähren oder Kriege auszufechten? In Mogadischu sind die Grenzen verschwommen. Die Dinge passieren heute so schnell in der Welt, dass der Vorfall in Mogadischu auf CNN für drei Tage ein Pieps auf dem Radarschirm war. Falls man im Urlaub war, hat man die Nachricht verpasst, dass einige sehr besondere Männer ihr Leben verloren haben, während sie versuchten, etwas Bedeutungsvolles zu vollbringen."

"Krieg ist sinnlos", sagt Eric Bana, "doch manchmal ist er unvermeidlich. Wir wollen für unsere Mitmenschen das Richtige tun. Leider bedeutet das auch, dass noch viel mehr Kämpfe ausgetragen werden müssen. Ich wünsche mir, dass das Publikum den Eindruck gewinnt, selbst dort gewesen zu sein, im Zielgebäude, im Rettungskonvoi und beim ‚Alamo'. Ich hoffe, die Zuschauer kommen aus dem Kino und fühlen sich, als ob sie selbst das Gefecht mit den Soldaten durchlebt hätten. Sie sollen ein besseres Verständnis davon haben, was von diesen Männern im Kampf erwartet wird."

Johnny Strong, der den Delta Trooper Randy Shugart porträtiert, ergänzt: "Für mich ist es sehr wichtig, wie die Familien der Männer, die dort waren, auf den Film reagieren werden. Falls ich etwas zu ihnen sagen könnte, wäre es die Versicherung, dass wir uns verpflichtet fühlten, diese Menschen so zu spielen, wie sie tatsächlich waren."

"Sie dürfen nicht nach dem Warum fragen, sie müssen Befehle ausführen und sterben", zitiert Orlando Bloom seinen Landsmann Alfred Lord Tennyson aus "The Charge of the Light Brigade" und überträgt dies auf die Ranger, die in Somalia in den Kampf zogen. "Sie gingen nach Mogadischu, taten das, wofür sie ausgebildet waren, und setzten ihr Leben aufs Spiel. Der Umstand, dass ihre Regierung sich kurz darauf aus Somalia zurückzog, entzog sich der Kontrolle der Spezialeinheit. Diese Ranger waren Fußsoldaten. Und jeder, der sich selbst in diese Position begibt, ist in meinen Augen in jeder Hinsicht erfolgreich."

Tom Sizemore: "Ich glaube Black Hawk Down wird vermitteln, wie viel diese Männer ertragen mußsten und wie heroisch sie waren. Ob die Mission erfolgreich oder verpatzt war, ist letztlich nicht der Punkt. Wir brauchen Männer wie diese, um unsere Freiheit aufrechtzuerhalten."

"Letztlich ist Black Hawk Down aus der Sichtweise des universellen Soldaten erzählt", bietet Ridley Scott an. "Die somalische Miliz, obwohl sie weniger gut ausgebildet und ausgerüstet war als die Amerikaner, war effizient, egal ob man ihre Aktionen gutheißt oder nicht. Der Vorfall in Mogadischu war das Aufeinanderprallen zweier Gruppen von leidenschaftlichen Soldaten. Wie es ‚Hoot' im Film sagt: Sobald die erste Kugel an deinem Kopf vorbeizischt, wird die Politik über Bord geworfen. Dann dreht es sich darum, sich um den Mann neben dir zu kümmern und den Job fertig zu kriegen."

"Doch am Ende", meint der Regisseur, "stellt sich die Frage, ob die Vereinigten Staaten ein Recht hatten, in Somalia zu sein. Und ich glaube, wenn ein humanitärer Beweggrund die Basis bildet, lautet die Antwort: ja, ja und ja. Es mußs jemand reingehen und es tun, und es fällt wirklich den USA zu, aufgrund des Einflusses, des Prestiges und der Power des Landes."

Scott weiter: "Im Oktober 1993 sahen wir alle die Körper der toten amerikanischen Soldaten im Fernsehen, sagten ‚Oh, mein Gott' und schalteten auf ein heiteres Programm um. Doch die Welt änderte sich bereits vor acht Jahren, und wie sehr dies der Fall ist, wurde leider am 11. September 2001 verdeutlicht. Und die Lehre ist, wenn man nicht auf seine Hintertür achtet, wird jemand dort reinkommen."

Jerry Bruckheimer findet: "Diese Männer wurden nach Somalia, in eine wirklich brenzlige Zone, ausgesandt und standen unter einem enormen politischen Druck, um den Bürgerkrieg zum Ende zu bringen. Sie kämpften, gaben ihr Leben oder mußsten zusehen, wie ihre Freunde starben. Ich bin mir sicher, das diese Ereignisse jeden, der das durchgestanden hat, für den Rest seines Lebens verändert hat."

" Black Hawk Down wird die Zuschauer in eine grauenhafte Situation hineinversetzen", schließt Bruckheimer. "Sie werden die Komplexität der vorgebenen Situation in Somalia zu dieser Zeit sehen. Sie werden den Heroismus der Männer und ihr Pflichtbewusstsein und ihre Disziplin erkennen. Sie werden sehen, wie brutal Krieg sein kann und - das hat dieser Kampf unserem Land beigebracht - wie man sich zukünftig verhalten sollte."

© Fotos: Senator © 1994 - 2010 Dirk Jasper