Produktionsnotizen zu Die Mothman Prophezeiung - Tödliche Visionen

Die Mothman Prophezeiung - Tödliche Visionen basiert auf Ereignissen, die von John A. Keel in seinem gleichnamigen Buch festgehalten wurden - in einer persönlichen Beschreibung der Geschehnisse, die sich über 13 Monate hinweg in und um die Kleinstadt Point Pleasant, West Virginia, zutrugen und sich schließlich in einer Tragödie entluden, die im Dezember 1967 auf der ganzen Welt für Schlagzeilen sorgte.

Als moderne Geschichte in die Gegenwart verlegt, zeigt der Film Richard Gere in der Hauptrolle des Washington-Post-Reporters John Klein, der nach einem schrecklichen privaten Verlust in außergewöhnliche Ereignisse gerät, die die Existenz völlig normaler Menschen beeinflussen. Gere sagt: "Die Geschichte, die wir erzählen, ist psychologischer Natur. Meine Figur mußs mit einem fürchterlichen Verlust fertig werden: Gleich zu Beginn des Films verliert er seine Frau.

Alles, was er erlebt, hängt unmittelbar mit dieser Tragödie, seinem Trauma, zusammen. Stets bietet unser eigenes Universum die Projektionsfläche für die vermeintlich unerklärlichen Ereignisse. Ich würde sagen, eines unserer Anliegen in dem Film ist es zu zeigen, dass jeder ein Ereignis ein wenig anders sieht. Es ist ja auch nicht so, dass jede Zeichnung eines Ereignisses, die man von den unterschiedlichen Zeugen anfertigen lässt, gleich aussehen würde. Manche Menschen hören etwas, manche Menschen sehen etwas, und manche Menschen spüren etwas. Die Interpretation der Wahrheit ist immer abhängig von der mentalen oder emotionalen Beschaffenheit des Einzelnen."

Genau dieser psychologische Aspekt der Geschichte weckte das Interesse von Regisseur Mark Pellington: "Richard Hatem, der ursprüngliche Drehbuchautor, leistete ganze Arbeit bei der Adaption des Buchs. Indem er die Figur des John Klein als Pol erfand, um den herum sich die Ereignisse abspielen, schuf er einen Helden für die Geschichte." Über seine persönliche Herangehensweise sagt Pellington: "Man begibt sich mit solch einer Geschichte auf vertracktes Terrain, bei dem man sehr leicht in melodramatisches Fahrwasser gerät oder ganz einfach nur noch bizarr wirkt. Weil die Geschichte eigentlich unglaubwürdig ist, mußs man tiefer graben, bis man einen metaphysischen, natürlich surrealen, enigmatischen, geheimnisvollen Platz erreicht, an dem ein solches Material funktioniert. Ansonsten wäre der Film völlig lächerlich."

Obwohl sich der Film grundsätzlich an die Details des Buchs hält, richtete Pellington seinen Fokus vor allem auf die menschliche Rahmengeschichte, um die psychologische Wirkung voll entfalten zu können. Das hält der ausführende Produzent Richard S. Wright für die herausragende Leistung des Regisseurs: " Die Mothman Prophezeiung - Tödliche Visionen sollte verfilmt werden, seitdem das Buch auf den Markt kam. Eine Reihe von Autoren haben sich an den Stoff gewagt, aber es ist nicht einfach, nicht daran zu scheitern.

Mark Pellington ist derjenige, der den richtigen Ansatz gefunden hat." Wright fährt fort: "Wir haben uns sehr früh dazu entschlossen, alle etwaigen UFO-Referenzen wegzulassen. Stattdessen konzentrierten wir uns auf die Elemente, die wir interessanter fanden, wie z. B. Menschen, die merkwürdige Lichter am Himmel sehen und Telefonanrufe erhalten, bei denen unheimliche Stimmen mit ihnen reden. Wir etablieren den Mothman als reale Präsenz. Natürlich haben wir uns ein typisches Latexmonster aus der Lagune verkniffen. Unser Mothman ist nicht so offensichtlich, aber dafür umso beängstigender." Nicht von ungefähr sagte Pellington ganz zu Beginn des Drehs zu seiner Crew: "Wir dürfen die Wörter ?Kreatur' oder ,Monster' aus unserem Vokabular streichen. Auf diese Weise kann sich der Mothman in keiner bestimmten Form manifestieren: Jeder erlebt ihn anders, wobei es natürlich Gemeinsamkeiten gibt."

Lakeshore-Entertainment-Präsident und Produzent Gary Lucchesi begleitet das Projekt bereits seit längerem. Die Glaubwürdigkeit der Geschichte überzeugte ihn davon, dass der Film gemacht werden mußste. "Als Produzent vertraue ich auf die Ansicht: Wenn es mir zustoßen kann, dann bin ich interessiert", sagt er. "Man mußs nur die großen Hitchcock-Filme ansehen. Wenn man James Stewart in Das Fenster zum Hof mit seinem gebrochenen Bein sieht, wie er Zeuge eines Mordes wird, dann sagt man zu sich: Das könnte mir auch passieren. Das finde ich faszinierend. Das ist typisch Hitchcock. Es ist das, was geschieht, wenn ganz normale Menschen mit dem Unfassbaren konfrontiert werden. In unserem Fall ist das Unfassbare ein Bote des Schicksals, ein Bote des Todes."

Lucchesi hatte in der Vergangenheit bereits viermal mit Richard Gere gearbeitet. Die Besetzung der Hauptrolle fiel ihm also nicht schwer. Er erklärt: " Richard Gere ist ein beliebter Filmstar, ein Mann, der ein großes Publikum anspricht. Er war perfekt für die Rolle des John Klein." Regisseur Pellington gibt dem Produzenten recht: "Er war eine großartige Wahl. Man mußs einen Schauspieler haben, dem man glaubt, wenn ihm Menschen erzählen, sie hätten diese Dinge gesehen, oder wenn er sagt: Ich bin von einer Erscheinung angerufen worden, die sich Indrid Cold nennt. Sonst würde die Geschichte niemals funktionieren." Er fährt fort: "Überhaupt mußs man für jede Rolle den perfekten Darsteller finden. Genau das war unser Ziel. Das Material zog die Schauspieler förmlich an. Es fiel uns nicht schwer, diese hochkarätige Besetzung zu finden. Und das ist dem Material zu verdanken."

Lucchesi berichtet in Hinblick auf den Stoff: "Eines unserer Hauptanliegen bei der Arbeit an dem Drehbuch war es, mit John Klein eine Figur zu etablieren, die durch und durch pragmatisch handelt. Er ist ein Journalist der Washington Post. Sein ganzes Leben dreht sich um Tatsachen. Und jetzt stößt er auf etwas, das er nicht mit herkömmlicher Logik erfassen kann, von dem er weiß, dass es eigentlich nicht existieren kann. Für ihn geht es darum, ob er etwas glauben kann, das übernatürlich oder metaphysisch oder spirituell ist."

Mark Pellington liefert seine eigene Beschreibung von John Klein ab: "Er ist ein klar denkender rationaler Mann, den ein emotionales Trauma empfänglich gemacht hat für intuitive Wahrnehmung. Er ist ein Denker, der eine große Sensibilität für die Ereignisse um sich herum entwickelt."

Gere greift diesen Gedanken auf: "Ich glaube, dass dieser Mann eine ungewöhnliche Offenheit entwickelt, sodass er nicht länger Beweise für all die Geschehnisse benötigt." Die Erkenntnis seiner Figur hat eine sehr menschliche Qualität: "Dieser Vorgang berührt viele Menschen, die auf ganz unterschiedlichen Ebenen Heilung bedürfen und sich gegenseitig helfen, was ich an diesem Projekt für sehr spannend halte. Hier geht es um Menschen, die normalerweise nicht einmal in Kontakt miteinander treten würden. Es wäre beispielsweise undenkbar, dass meine Figur und Gordon, der von Will Patton gespielt wird, außerhalb der Ereignisse unserer Geschichte eine Beziehung haben könnten. Daraus entsteht eine sehr eigentümliche Freundschaft."

Eine ähnlich bemerkenswerte Beziehung entwickelt sich auch zwischen John Klein und der von Laura Linney gespielten Kleinstadt-Polizeibeamtin Connie. Über Linney und ihren Part sagt Richard Gere: "Es hatte mir bereits große Freude gemacht, mit ihr in Zwielicht zu spielen. Ich hielt sie für die perfekte Wahl für die Rolle. Sie ist absolut glaubwürdig als Person aus einer Kleinstadt, die aber auch sehr smart und offen ist. Sie ist jemand, der in einer Kleinstadt eine absolute Vertrauensfigur wäre. Laura kann in ihrer Arbeit auf eigene Lebenserfahrungen zurückgreifen, was sie absolut hinreißend macht."

Regisseur Pellington findet ebenfalls, dass Connie eine stete Quelle der Inspiration für andere wäre: "Sie mußste eine echte Stärke, echtes Rückgrat ausstrahlen. Nach nur fünf Minuten wusste ich, dass Laura mit ihrer beeindruckenden Bandbreite an Emotionen die perfekte Connie wäre. Sie ist die perfekte Mischung aus Charakterdarstellerin und waschechtem Filmstar, so wie es auch für Meryl Streep oder Jessica Lange zutrifft. Wie diese beiden ist Laura sehr attraktiv, aber ihr Aussehen steht ihrer Glaubwürdigkeit nie im Weg."

Laura Linney war begeistert von dem Projekt, nicht nur weil sie eine sehr untypische Rolle spielen konnte, sondern auch weil sie die Geschichte selbst für eine große Herausforderung hielt: "Es ist ein ziemlich riskanter Stoff - einer der Gründe, warum ich den Film machen wollte. Der Hauptgrund war aber natürlich, dass ich wieder mit Richard arbeiten wollte. Zudem kannte ich die Produzenten schon seit langer Zeit. Und Mark Pellington halte ich für einen visuell überaus begabten Filmemacher, sodass mir klar war, dass das Ergebnis auf jeden Fall ungewöhnlich werden würde."

Der Wiederaufbau von Point Pleasanjt - "Eine hermetisch abgeriegelte Welt" Weil Die Mothman Prophezeiung - Tödliche Visionen auf realen Ereignissen mit realen Figuren basiert, war es von Anfang an klar, dass Stab und Darsteller den Einwohnern von Point Pleasant nur mit dem größten gebührenden Respekt entgegentreten würden. Laura Linney sagt über die Stadt: "Sie erscheint weit entfernt, wie eine Stadt, die sich nur um sich selbst dreht, eine hermetisch abgeriegelte Welt. Es ist eine Gemeinde voller Leute, die schon sehr lange dort wohnen. Ihre Familien leben seit Generationen in Point Pleasant."

Gleichzeitig zieht Linney vor dem Respekt und dem Stolz dieser Menschen vor ihrer Gemeinde den Hut. "In dieser Stadt gibt es keine dämlichen Landeier", sagt sie. "Das ist eine echte Gemeinde. Die Menschen sind dort gemeinsam aufgewachsen. Ihre jeweiligen Geschichten sind eng miteinander verbunden. Dementsprechend ist meine Figur im Film auch eine verantwortungsbewusste Person. Sie ist eine Gesetzeshüterin und trägt Verantwortung für die Stadt. Das kann einem Angst bereiten, aber sie ist selbstsicher genug zu wissen, was ihre Welt ausmacht. Ich glaube, dass sie von dem Gefühl bestimmt wird, über all das Kontrolle zu haben. Bis zu einem gewissen Punkt stimmt das auch." Gerade dieser Aspekt beeindruckt auch Produzent Gary Lucchesi. Er hat den Eindruck, dass die große Kultiviertheit, mit der Linney die Polizistin spielt, einer der Hauptgründe dafür ist, warum die zwei Hauptfiguren so gut miteinander funktionieren: "Wir haben zwei sehr logische, praktisch veranlagte Figuren: eine Polizeibeamtin und einen Journalisten. Sie hat John Klein im Fernsehen in "Meet the Press" gesehen und erkennt ihn wieder. Sie ist kein kleingeistiges Mädchen vom Land."

Ebenso wichtig wie die einzelnen Figuren war auch die Stadt Point Pleasant selbst für den Film. Nachdem man zunächst die Möglichkeit in Betracht gezogen hatte, tatsächlich vor Ort in Point Pleasant zu drehen, fanden die Filmemacher heraus, dass die Kleinstadt in West Virginia nicht nur nicht die nötige Infrastruktur für die Bedürfnisse einer Filmproduktion besaß, sondern seit der thematisierten Katastrophe auch keine Brücke mehr besitzt, die ins Stadtzentrum führt.

Man begab sich also wieder auf Suche und wurde schließlich in der Umgegend von Pittsburgh fündig, wo am 24. Januar 2001 die Dreharbeiten begannen. Richard Wright erklärt: "Wir verlegten die Produktion aus drei Gründen nach Pittsburgh. Die Gegend kann man ohne Bedenken für West Virginia halten. Es war die richtige Basis für eine Filmcrew und verfügte über die nötigen Dienste, die man für einen Dreh benötigt. Und die Stadt liegt in der Nähe einer Kleinstadt mit einer Brücke, die man für Filmarbeiten schließen konnte." Zudem fand man in der Gegend auch noch Viertel, die man für Georgetown und Chicago halten konnte, die ebenfalls Kulissen in der Geschichte sind.

Kittaning, eine Kleinstadt in Armstrong County, Pennsylvania, wurde als Ersatz für Point Pleasant ausgewählt. An einem Drehtag erhielt die Produktion Besuch von echten Bürgern aus Point Pleasant, die den Dreharbeiten beiwohnen wollten. Einer der Beobachter, Polizeichef Dale Humphrey, blickte durch das Fenster eines Café-Sets, das die Designcrew für den Film gebaut hatte, und merkte an: "Das kann man von Point Pleasant überhaupt nicht unterscheiden. Wir haben ein Barbecue-Restaurant, das absolut genauso aussieht."

Am 28. Februar 2001 verlegte die Produktion ihren Sitz komplett von Pittsburgh nach Kittaning, wo man quasi die gesamte Stadt einen Monat lang mit Beschlag belegte. Richard Gere hatte es die Location in besonderem Maße angetan: "Als ich die Stadt zum ersten Mal sah, war ich richtig hingerissen. Ich fühlte mich an eine Stadt in Pennsylvania aus meiner Jugend erinnert. Diese Siedlungen haben sich im Verlauf der letzten 100 Jahre nicht übermäßig verändert. Man kann die alte Architektur erkennen, manches befindet sich nicht unbedingt im besten Zustand, aber es gibt noch eine klassische Innenstadt ohne neue Gebäude. Die Einkaufszentren haben hier noch nicht wirklich Einzug gehalten."

Das Point Pleasant, nach dem Mark Pellington suchte, mußste mehr sein als bloß eine Kleinstadt: "Irgendwie mußste sich die Stadt eigenartig anfühlen, allerdings ohne offensichtlich komisch oder gruselig zu sein. Sie mußste einfach und traurig sein." Für den ganz besonderen Look, der ihm vorschwebte, kam Ausstatter Richard Hoover zum Einsatz.

"Mark bringt sich visuell stark ein und ist um jeden Aspekt auf eine ganz besondere Weise bemüht", erzählt Hoover. "Mir macht das Spaß, auch wenn dieser Schaffensprozess schmerzhaft sein kann. Aber bei gemeinsamen Arbeiten ist das nun mal so, und mir bereitet es Freude, wenn man die verschiedenen Vorstellungen so zusammenführt, dass es funktioniert. Ich brachte eine Menge Ideen über die globalen Aspekte der Geschichte mit. Sie findet in den Vereinigten Staaten statt, und wir haben an einem Ort gedreht, den man kennt: Pennsylvania. Ihn einfach nur aussehen zu lassen wie West Virginia ist einfach. Aber Mark und ich gingen das Drehbuch drei Wochen lang Seite um Seite durch und hielten unsere Gedanken in einem 130-seitigen Dokument fest, in dem jede Szene genau durchdiskutiert wird. Was sieht man in dieser Szene? Was will man in jener Szene?"

Dieses Dokument wurde eine Art Führer, auf den alle Abteilungen der Produktion zurückgriffen, um die Vision und den Ton zu verstehen, die sich Pellington für Die Mothman Prophezeiung - Tödliche Visionen vorstellte. Es handelte sich weniger um eine genaue Beschreibung jeder Szene als vielmehr eine Art Landkarte des Films, die die Stimmung und Atmosphäre der Orte und Szenen erklärte. In diesem Dokument hielt Pellington alles fest, von einer Liste von Schlüsselworten wie "Ambivalenz, Subtilität, erschreckend und schön gleichzeitig" oder "schaurig und merkwürdig, aber doch einladend" bis hin zum letzten Satz: "Das Ziel ist es, alle Bilder zu bekommen, die wir benötigen, um den Film zu machen. Punktum!"

Hoover beschreibt die subtile Verwandlung, die die Stadt durchmachte: "Dies ist die Geschichte eines Mannes, der immer alles unter Kontrolle hat und plötzlich die Kontrolle verliert. Das ist ein Fakt. Er hat keinen Einfluss, mental oder physisch, auf seine Welt, als er in die Stadt kommt. Also beschlossen wir, die Stadt auf ganz hintergründige Weise merkwürdig aussehen zu lassen, denn in Wahrheit ist es ja das Innere von Johns Kopf, das wir visualieren. Also reduzierten wir die natürliche Farbpalette und setzten viel Schwarz ein. Gleichzeitig entfernten wir alle Zeichen bis auf jene, die man unbedingt sehen sollte. Wir erforschen eine absolut generische Welt, wie man sie in Amerika überall findet. Aber durch sie zieht sich das Gefühl einer versunkenen Welt - auch das ist Teil des Inneren von John Kleins Kopf."

Der Wiederaufbau der Silver Bidge - "Real ist besser" Eines der wichtigsten und schwierigsten Elemente im Look des Films ist die Brücke, die über den Ohio River in die Stadt führt. Die Brücke, die sich zwischen Point Pleasant und Gallipolis, Ohio, über den Fluss erstreckte, war eine besondere Art von Hängebrücke, wie sie heute nicht mehr gebaut werden. "Die Brückensequenz ist für mich wie der Überraschungsangriff auf Troja. Man ahnt nie, dass die Story auf diese Katastrophe hinausläuft", erklärt Hoover. "Aber die Szene ist so gewaltig, dass man sie mit einer Sinfonie vergleichen kann. Sie ist als psychologisches Crescendo in der Geschichte zu verstehen, gleichzeitig ist sie aber auch ein tatsächliches Ereignis."

Um dieses Ereignis nachzustellen, mußsten gewisse Grundvoraussetzungen geschaffen werden. Spezialeffekt-Leiter Peter Chesney entwarf und überwachte die Konstruktion eines tatsächlichen Abschnitts der Brücke, der exakt so aussah wie die Brücke, die nach Kittanning führt. Dieser Abschnitt, den die Filmemacher als "Stuntbrücke" bezeichneten, wurde in Los Angeles gebaut und dann nach Pennsylvania geschickt, wo man ihn mit Autos beladen und bis zu 40 Grad kippen konnte, damit die Autos über die Oberfläche rutschten. Eine Computer generierte Komponente mit den Hängetürmen und Ketten wurde in der Postproduktion hinzugefügt. Und doch sagt Richard Hoover: "Ich lerne gerade eine Lektion: Real ist besser. Mit Computern kann man Akzente setzen, aber die Grundlage einer solchen Szene mußs die Realität sein."

Ein weiteres Element für die Totalen der Brücke ist schließlich ein Modell, das in der Nähe von Los Angeles errichtet wurde. Es ist 40 Meter lang, neun Meter hoch und hat eine knapp zwei Meter breite Oberfläche. Über diese Struktur sagt Hoover: "Sie ist riesig!" Und dann fügt er hinzu: "Wir haben Karten von Point Pleasant angefertigt, damit jeder weiß, wo sich die Dinge im Verhältnis zur Brücke befinden. Wenn alles getan ist, fügen sich die vier verschiedenen Komponenten im Film zu einer Brücke zusammen."

Regisseur Mark Pellington sieht die Komplexität der Geschichte weniger in der Mechanik der Effekte als vielmehr in der emotionalen Wirkung, die der Film beim Publikum hinterlassen soll. "Zu Beginn des Films sagte Richard Gere, dass man die Dinge einfach geschehen lassen mußs. Das ist es, was bei diesem Film passiert. Jede Darstellung, jede Entscheidung findet in einem Rahmen statt, in dem sie sich richtig anfühlt." Er erläutert: "Das ist natürlich subjektiv, aber wenn es sich für mich und alle anderen richtig angefühlt hat, dann haben wir das durchgezogen."

Seine eigenen Erwartungen beschreibt Pellington folgendermaßen: "Wahrnehmung ist eine komische Sache. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen, und jeder bildet sich manchmal Dinge ein und fragt sich, ob das denn wahr war oder nicht. Das reicht von einfachen Déjà-vu-Erlebnissen bis hin zu Blackouts. Es ist schwierig, dieser Abstraktion einen prickelnden Namen zu geben. Wie packt man so was auf ein Poster?"

Pellington sagt: "Mein Ziel ist, dass die Menschen im Kino glauben, was sie sehen. Sie sollen etwas fühlen, auch wenn sie keine Ahnung haben, was gerade vorgeht. Umso mehr sich die Puzzleteile zusammenfügen, fragt man sich, warum John so ist, wie er ist, und was passieren wird. Dies sind die Fragen, die beantwortet werden müssen. Wenn sie beantwortet sind und das Publikum das Kino mit einem gewissen Gefühl verlässt, dann haben wir gute Arbeit geleistet."

Die Geschichte des Mothman Die Legende des Mothman reicht lange zurück und hat viele Facetten. So wie er von John A. Keel in seinem Buch "The Mothman Prophecies" beschrieben wird, reichen die einzelnen Interpretationen von außerirdischen Phänomenen bis zur Manifestation eines 200 Jahre alten Fluchs, der der Region von dem Shawnee-Häuptling Cornstalk auferlegt wurde. Nur ein wenig Recherchearbeit reicht allerdings aus, um die diversen Erfahrungen jeweils mit dem Mothman in Verbindung zu bringen.

Der Mythos nimmt seinen Ausgang im frühen 20. Jahrhundert, als eine Gegend außerhalb von Point Pleasant zur McClintic Wildlife Reserve ernannt wurde. Unter anderem war es eine Zuflucht für seltene Vögel. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Teile des Reservats platt gewalzt und in ein Munitionslager umgewandelt, wo man etwa 100 Zement- und Stahliglus errichtete, um Waffen und Raketen zu lagern. Später wurden sie an verschiedene Gewehrpulver-, Chemie- und sogar Biochemiefirmen veräußert. Bald schon kannten die Anwohner die Gegend lediglich als T.N.T. Für Jugendliche war es ein beliebter Ort, um Partys zu feiern. Es ist die Gegend, in der viele der Begegnungen mit dem Mothman stattfanden.

Im Sommer 1966 begannen Manifestationen des Mothmans in der Umgegend des Ohio River. Eine Frau gab zu Protokoll, sie hätte etwas gesehen, das einem riesigen Schmetterling, etwa 1 Meter 80 groß, ähnelte. An einem anderen Abend sah eine Gruppe von Totengräbern etwas aus den Bäumen fliegen, was sie als "braune Menschengestalt" beschrieben. Später im November beobachtete ein Mann in Salem, West Virginia, wie zwei rote Objekte über einem Feld schwebten. Sein Schäferhund rannte den Objekten hinterher und wurde nie wieder gesehen.

Gleich am nächsten Abend fuhren zwei verheiratete Paare durch das T.N.T.-Areal. Sie sahen eine Gestalt, die einer der beiden Männer als "wie ein Mann geformt, nur größer" beschrieb, etwa 1 Meter 90 groß, mit großen Flügeln, die auf ihren Rücken gefaltet waren. Seiner Frau fielen vor allem die großen roten Augen auf, die wie Rückblenden eines Autos leuchteten. Der Mann, der das Quartett fuhr, flüchtete mit dem Wagen und beschleunigte dabei bis auf 160 Stundenkilometer. Zu diesem Zeitpunkt breitete die Kreatur ihre Schwingen aus und folgte dem Wagen. Die zweite Frau im Auto bemerkte, dass die Figur eine Flügelspanne von mehr als drei Metern gehabt haben mußste und überhaupt nicht mit ihnen geschlagen hätte. Außerdem behauptete sie, dass die Gestalt ein quietschendes Geräusch von sich gab, "wie eine große Maus".

Die zwei Paare suchten sofort das Büro des Sheriffs von Mason County auf, um zu berichten, was sie gesehen hatten. Hilfssheriff Millard Halstead begleitete sie zurück zum T.N.T.-Areal und sagte, dass sein Polizeiradio einen eigenartigen Ton von sich gab, ganz wie ein zu schnell abgespieltes Bandgerät, als sie den Fleck passierten, an dem die Figur zuerst gesehen wurde. Er fand nichts und kehrte zurück ins Büro, um seinen Bericht zu erstellen. Am nächsten Morgen folgten weitere Meldungen. In jeder war von demselben "Vogel" die Rede, den man in der Gegend fliegen gesehen haben wollte.

Am nächsten Morgen hielt Sheriff George Johnson eine Pressekonferenz ab. Alle Zeugen wurden von Reportern interviewt. Am 16. November 1966 gab Mrs. Mary Hyde, die Redakteurin des Point Pleasant Register, die eine prominente Rolle im Buch von John A. Keel einnimmt, die Geschichte weiter an den Associated-Press-Nachrichtendienst. Einer ihrer Redakteure gab dem Wesen den Namen Mothman.

Nachdem weitere Nachrichten das Interesse zusätzlich angekurbelt hatten, wurde das T.N.T.-Gehege folglich allnächtlich von mehr als 1000 Neugierigen aufgesucht. Fernsehcrews ließen sich im alten Kraftwerk nieder, in der Hoffnung, die erschreckende Kreatur auf Film festhalten zu können. Die meisten Menschen wollten einfach nur einen Blick auf den Mothman werfen, andere wollten Kontakt aufnehmen, und wieder andere hatten die Absicht, ihn zur Strecke zu bringen. Während viele der festen Ansicht waren, dass es sich um einen Außerirdischen handeln mußste, hatten andere den Eindruck, der Mothman sei ein Engel, der eine Nachricht überbringen wollte. Wieder andere vermuteten, es müsse sich um eine Laune der Natur handeln, einen verirrten Vogel, der von den Iglus auf dem Gelände vom Weg abgebracht wurde, sich von Chemikalien ernährte und auf diese Weise zu einem bizarren Wesen mutierte. Mit anderen Worten: Man sah den Mothman als Personifizierung unserer ökologischen Verfehlungen.

In den folgenden Monaten wurden mehr und mehr Begegnungen in der Umgegend von Point Pleasant registriert. Der Point Pleasant Register war nie um neue Geschichten verlegen. Manche Menschen sahen die Kreatur einfach nur, andere konnten sie hören, und wieder andere spürten ihre Anwesenheit in Form einer beklemmenden Angst. Viele gaben an, dass die Begegnungen von Vorahnungen eines bevorstehenden Desasters begleitet wurden. Alle Meldungen hatten jedoch grundsätzliche Gemeinsamkeiten, darunter die glühenden hypnotischen Augen.

Die Geschichten kulminierten schließlich am 15. Dezember 1967 mit dem Einsturz der Silver Bridge. Danach wurde zunächst keine einzige Sichtung des Mothman mehr gemeldet. Die Spekulationen über die Zusammenhänge der Ereignisse sind zweigeteilt. Löste der Mothman die Katastrophe, die 47 Menschen das Leben kostete, aus oder war er nur zur Warnung des bevorstehenden Unglücks erschienen? Vielleicht hörten die Bewohner von Point Pleasant im Angesicht einer echten menschlichen Tragödie und großer Trauer nur auf, weiter Ausschau nach dem bizarren Besucher zu halten. Im Lauf der Jahre wurde der Mothman immer wieder gesehen, aber nie mehr in der gleichen Häufigkeit wie zwischen dem November 1966 und Dezember 1967. Es gibt sogar Berichte, dass man die Kreatur kurz vor anderen schlimmen Unglücken rund um den Globus gesehen haben wollte, wie beispielsweise zeitgleich mit dem Erdbeben von Mexico City 1985 oder dem Nuklearunfall in Tschernobyl 1986.

Die Legende des Mothman lebt weiter. Es gibt T-Shirts, Websites, Comics, Sammelkarten - selbst ein Rockalbum über die Kreatur wurde veröffentlicht. Einstweilen halten die Begegnungen an. Allein in den letzten fünf Jahren gab es mehr als 50 Berichte. Im späten September 2001 veröffentlichte der Wissenschaftler Stan Gordon folgenden Report: "Ein 19-jähriger Zeuge behauptet, einen gewaltigen Vogel in South Greensburg gesehen zu haben. Diese Beobachtung fand am 25. September 2001 statt. Ich führte ein ausführliches Gespräch mit dem Zeugen per Telefon. Am Donnerstag besuchte Dennis Smeltzer, ein Forscher mit einem ernsthaften Interesse an Ornithologie, den Ort des Geschehens und führte ein Interview mit dem Zeugen.

Die Begegnung begann um 19.30 Uhr Ortszeit, als es gerade dunkel wurde. Der Zeuge befand sich zu dieser Zeit draußen und hielt sich in der Nähe der Route 119, einem großen Highway, auf. Der Zeuge beobachtete die Lastwägen und Autos, die vorbeifuhren, als seine Aufmerksamkeit von einem Klang "wie Fahnen, die in einem Sturm wehen" nach oben gelenkt wurde. Er sah einen großen Vogel, der schwarz zu sein schien oder zumindest dunkelgrau oder graubraun. Der Zeuge war überrascht von der Spannbreite der Flügel, die er auf drei bis fünf Meter schätzte.

Der Kopf des Vogels soll knapp einen Meter lang gewesen sein, ungefähr so groß wie ein kleiner Hund. Als er den Vogel zum ersten Mal sah, gab der Zeuge an: "Ich würde nicht behaupten, dass er seine Flügel anmutig geschlagen hätte, er schlug sie eher erschreckend langsam und verschwand dann hinter vorbeifahrenden Lastwägen." Die Kreatur schien dem Lastwagenverkehr zu folgen und flog in einer Höhe von etwa 20 Metern. Der Vogel flog etwa 50 Meter die Straße entlang, bis er zu einem Waldstück kam. Er breitete seine Flügel aus und steuerte einen abgestorbenen Baum in der Nähe einer Plakatwand an. Der Zeuge beobachtete, wie sich der Vogel niederließ, die Federn aufplusterte und seinen Kopf bewegte. Nach einigen Sekunden erhob sich der Vogel von dem Baum. Der Mann hatte den Eindruck, als müsste der Baum unter dem großen Gewicht zerbrechen. Dann flog der Vogel weiter in Richtung eines anderen Waldstücks, bis er aus dem Blickfeld des Zeugen verschwand.

Die gesamte Begegnung dauerte etwa eineinhalb Minuten. Direkt danach rannte der Mann in ein nahe liegendes Geschäft, um herauszufinden, ob dort jemand das Gleiche gesehen hatte wie er. Außerdem sprach er eine Frau in der Nähe an, aber sie hatte ebenfalls nichts gesehen. Der Zeuge war aufgebracht, weil offensichtlich niemand außer ihm die Kreatur wahrgenommen hatte. Smeltzer überprüfte die Gegend des Baums, auf dem der Vogel vermeintlich gelandet sein sollte, fand aber keine Beweise. Smeltzer hat den Eindruck, dass der Zeuge diese Ereignisse nicht erfunden hat und sich Mühe gab, das Gesehene so genau wie möglich zu beschreiben. Der Zeuge ist wohl vertraut mit Vogelarten wie dem großen blauen Reiher, dem Geier und dem Adler. Er ist sich sicher, dass es sich bei dem Gesehenen nicht um einen von ihnen handelte."

Dirk Jasper FilmLexikon
© Fotos: Concorde © 1994 - 2010 Dirk Jasper