Produktionsnotizen zu The Scorpion King

Inspiriert von den legendären Geschichten des alten Ägyptens erzählt der Film vom Scorpion King, der in einer Zeit von Härte und Brutalität lebte, lange, bevor es die große Pyramide gab. Am Anfang der Geschichte ist es der grausame Memnon, portraitiert von Steven Brand, der um jeden Preis König dieser Welt werden will. Doch da taucht Mathayus (The Rock) auf, der das zu verhindern weiß. Der Charakter des Scorpion King wird von Wrestling-Superstar The Rock, der zum ersten Mal in dem Film Die Mumie kehrt zurück, der 2.000 Jahre später spielt, vorgestellt wird, dargestellt. The Rock hatte gerade die Dreharbeiten zu Die Mumie kehrt zurück abgeschlossen, als Universal Pictures ihn ansprach, seinen eigenen Film zu machen, in dem der Scorpion King die Hauptrolle spielt.

"Ich war völlig aufgeregt", erinnert sich The Rock. "Ich wollte immer schon gerne ins Filmgeschäft, und ich wartete einfach auf die passende Gelegenheit. Ich fühlte sofort, dass diese nun gekommen war. Das war einfach die Chance und ich nahm sie wahr."

Als die Studiobosse und Filmemacher das erste Material mit The Rock sahen, waren sie begeistert. Sie fühlten sich als Zeugen der Geburt eines neuen Kino-Action-Stars in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben war und die er dank seiner physischen Kraft voll ausspielen konnte. "Wir waren einfach von seinem Charisma und seiner Präsenz in Die Mumie kehrt zurück hingerissen", erinnert sich Produzent Kevin Misher. "Er sprach sogar seine Sätze in Ägyptisch. Wir wussten sofort, dass wir ein weiteres Projekt mit ihm durchführen wollten."

James Jacks und Sean Daniel, die Produzenten von Die Mumie und Die Mumie kehrt zurück, waren ebenso angetan. Versessen dar-auf, mit The Rock wieder zusammenzuarbeiten, bereiteten sie nach Drehschluss von Die Mumie kehrt zurück sofort die Produktion für The Scorpion King vor. "Nicht nur, dass er eine eindrucksvolle Präsenz auf der Leinwand hat, nein, The Rock ist auch unglaublich pro-fessionell am Set", sagt Jacks. "Sean und ich sind große Fans von ihm".

"The Rock fügt sich in eine lange Reihe von Action-Abenteuer-Helden ein", fügt Daniel hinzu. "Er hat alles: ein natürliches Verhältnis zur Kamera, eine imposante physische Ausstrahlung und einen teuflischen Humor, was zusammen eine irrsinnig tolle Kombination darstellt. Er ist einfach großartig!".

Stephen Sommers, Regisseur und Drehbuchautor von Die Mumie und Die Mumie kehrt zurück, wurde ebenso ein Fan des Darstellers - und auch des Charakters. Als er den Scorpion King in Die Mumie kehrt zurück vorstellte, war er dazu entschlossen, diesen heroischen Charakter weiterzuentwickeln, was er dann als Autor und Produzent dieses Filmes tat.

Das Team war mit Chuck Russell, bekannt für seinen gelungenen Umgang mit Top-Action-Stars (Arnold Schwarzenegger in "Eraser") wie auch mit aufstrebenden Talenten wie Jim Carrey und Cameron Diaz in "Die Maske", als Regisseur komplett. Russells Liebe zu Filmen wie "Die Abenteuer des Robin Hood" und "The Crimson Pirate", die eine spezielle Kombination von Witz, Action, Romantik und A-benteuer verlangten, half ihm, diese Aufgabe zu erfüllen.

"Ich habe schon immer davon geträumt, einen Schwerterfilm zu drehen", sagt Russell. "Diese klassischen Filme bringen ihren ganz eigenen Spaß. Sie entführen dich in eine Welt des Abenteuers, der großen und mutigen Herzen und eines übergeordneten Geistes. Und das wollte ich verwirklichen. The Rock dabei zu haben, war eine unglaubliche Freude für mich".

Russell wurde auf The Rock aufmerksam, als dieser als Darsteller und Komödiant Gastgeber bei "Saturday Night Live" war. "Er imponierte mir auf dem Bildschirm, er sah gut aus, hatte Charisma, und es umgab ihn eine Spur von Gefährlichkeit", erinnert sich der Regisseur. "Ich wusste, er würde seinen Weg gehen".

Der für einen Oscar nominierte Michael Clarke Duncan ("The Green Mile") wurde für die Rolle des Nubiers Balthazar besetzt, ein Riese, der erst gegen und dann Hand in Hand mit Mathayus kämpft. Seit vielen Jahren Freunde, waren The Rock und Duncan natürlich begeistert, zusammen einen Film zu drehen.

"Anfangs mögen sich Mathayus und Balthazar überhaupt nicht", erklärt Duncan ihre beiden Charaktere. "Wir haben diesen unglaublichen Kampf miteinander, und danach hatten wir den größten Respekt voreinander. Es war eine Freude mit The Rock in diesem Film zu spielen, mit dem ich seit vielen Jahren befreundet bin".

Duncan bereitete sich einige Monate lang mit The Rock für diesen anstrengenden Kampf vor, bei dem sie Schwerter, Lanzen und ihre Fäuste einsetzten. Diese Szene war Duncans erster choreographierter Kampf auf der Leinwand, obwohl er in seiner Rolle in Tim Burtons Remake von "Der Planet der Affen" in verschiedenen Massenkämpfen fungierte.

"Michael und ich sind die besten Freunde und wir kennen uns seit Jahren", sagt The Rock. "Als die Produzenten Michael erwähnten, wusste ich, dass wir beide ein fantastisches Paar auf der Leinwand sein würden."

Neben all dem Spaß und den Albernheiten war Duncan aber auch von The Rock als Schauspieler überzeugt. "Er ist schon ein wirklich guter Akteur, und ich glaube, er wird einer der großen Actionhelden werden", sagt Duncan. "Ich bin sehr glücklich, dass ich mit ihm zu dieser Zeit arbeiten konnte."

Die Leichtigkeit, mit der The Rock seine Arbeit bewältigte, beeindruckte Regisseur Chuck Russell sehr. Der Schauspieler mußste täglich mit einigen Herausforderungen, wie einem gewaltigen Sandsturm und riesigen Flammenmeeren, umgehen. Russell hatte niemals das Gefühl, dass The Rock irgendwelche Schwierigkeiten hatte, all das zu meistern.

"The Rock machte das alles mit einer gewissen Anmut", sagt der Regisseur. "Für seine Körpergröße bewegt er sich außerordentlich gut, so wie ein großartiger Schwergewichtsboxer. Man schaut ihm in den Action-Szenen fasziniert zu, wenn er mit dem Schwert oder mit Pfeil und Bogen hantiert. Er legt sein Herz in die Darstellung und er hat eine wunderbare Haltung. Er wird einige Leute überraschen, nicht nur mit seiner Natürlichkeit vor der Kamera, sondern auch mit einer Bandbreite von Gefühlsbewegungen."

Der erfahrene Make-up-Designer Jeff Dawn, der mit Action-Star Arnold Schwarzenegger schon seit fast 20 Jahren zusammenarbeitet, zieht Vergleiche zwischen den beiden Athleten, die später zu Schauspielern wurden. "Viele Leute am Set vergleichen The Rock mit Arnold, als dieser mit seiner Filmkarriere begann", sagt Dawn. "Ich habe 19 Filme mit Arnold gemacht, und er und The Rock haben in vielen Dingen Gemeinsamkeiten. Beide kommen vom Profisport mit einer großen Fangemeinde, und sie sind beide hart arbeitende Männer, die Charaktere geschaffen haben, die die Zuschauer sehen wollen. Ich sehe in The Rock ein wenig von Arnold, als dieser als Schauspieler anfing. Ich habe gehört, dass Arnold auch sehr von The Rock angetan ist und ihn voll unterstützt."

Dawn findet aber auch nur gute Worte für Michael Clarke Duncan, den er für The Scorpion King mit einem innovativen Make-Up-Design bearbeiten mußste, der erst kurz davor eine täglich dreistündige Make-Up-Prozedur für seine Rolle in "Der Planet der Affen" über sich ergehen lassen mußste. Duncan spielt Balthazar, einen Nubier-König. Dawn fand heraus, dass die alten Nubier sich selbst Narben zufügten, und das wandte Dawn bei Duncan auch an.

"Die Nubier sorgten dafür, dass ihr Gesicht und der Kopf mit Narben übersät war. Sie schnitten sich in die Haut und füllten die Wunden mit Asche oder Schmutz. Das Resultat waren dann wulstige Narben. Wir ergänzten dann das Aussehen mit einer wilden Haarpracht, was der ganzen Figur ein bedrohliches Äußeres gab."

Viele der Schlachten in The Scorpion King sind sehr lang und wurden mit wenigen Unterbrechungen gedreht. Die Darsteller The Rock, Michael Clarke Duncan, Steven Brand, Ralf Moeller, Sherri Howard und Kelly Hu, die einen Schwarzen Gürtel in Karate besitzt, machten fast alle Stunts selbst, sodass die Kameras sehr dicht am Geschehen sein konnten, anstatt, wie es beim Arbeiten mit Stunt-Doubles ist, aus einer gewissen Entfernung zu filmen.

Die Proben und die vorher abgestimmte Choreographie für die Kampfszenen erinnerte The Rock an die Wrestling-Arena. Auch hier wird darauf geachtet, dass bei aller Gewalt auch eine gewisse Sicherheit vorher abgestimmt wird. "Mein sportlicher Hintergrund machte mir das Kämpfen für die Leinwand etwas leichter", sagt The Rock. "Alle Stunt-Darsteller waren sehr liebenswürdig und immer hilfsbereit, mir zu zeigen, wie die Dinge richtig zu machen sind. Andy Cheng, Al Leong, Billy Burton und Tom Lupo halfen mir bei der Visualisierung der Kampfszenen. Man kann so sagen - eine falsche Bewegung und ich wäre im Krankenhaus gelandet."

Die Sicherheit bei den Kampfszenen war eine Top-Priorität am Set. "Ich habe meinen Schauspielern und der Crew klar gemacht, dass es sich um einen physikalischen Film mit Feuer, Rauch, Schmutz und Schweiß in jeder Szene handelt", sagt Russell. "Jedoch bei unseren Kampfszenen hatte ich immer mehr davor Angst, dass sich jemand einen Arm bricht oder sich sonst irgendwie verletzt, als mir über die gelungenen Einstellungen Gedanken zu machen. Nichts ist schlimmer, als wenn sich jemand am Set verletzt."

Bei einem Film wie The Scorpion King bedarf es einer sehr detailierten Arbeit durch das Art Department, sodass special effects wie auch Feuer und Rauch am Set reibungslos integriert werden können.

Bei der Kampfszene zwischen Mathayus und Memnon im Throngemach mußsten Flammen, lebende Schlangen, zerbrochene Vasen, Rauchmaschinen und Stunts so kombiniert werden, dass beim endgültig letzten Take alles stimmte. Die Beleuchtung ist also sehr wichtig, und der verantwortliche Kameramann John Leonetti mußste die Herausforderung, einen Film zu fotografieren, der 5.000 Jahre, bevor es elektrisches Licht gab, angesiedelt ist, bewältigen.

"Ich liebte es, die Chance zu erhalten, einen Film zu drehen, dessen Handlung vor so langer Zeit spielt", sagt Leonetti. "Das einzige Licht war zu jener Zeit die Sonne, der Mond und das Feuer, wie mein Kollege Derrick Kolus sagte. Und so kam mir die Idee, das Feuerlicht in Derricks Garage einzusetzen. Derrick und Dan Reilly (key grip) errichteten, wie wir sie nannten, "Feuerräder". Es waren zwei Ringe mit individuellen Glühbirnen, die durch ein Computer gesteuertes Dimmersystem vom Kerzenlicht bis zum grellen Feuer variert werden konnten."

Für Schauspieler Steven Brand gehörte zu den eindruckvollsten Momenten während des Drehs die Arbeiten mit den Skorpionen und den Kobras. "Es waren echte Skorpione und ich wollte jeden einzelnen kennen", lacht Brand. "Ich mußste meine Hand in ein Gefäß legen, was mir wie eine Ewigkeit vorkam, dann mußste ich sie auf meinem Arm platzieren. Nicht davon zu sprechen von den Fässern mit den Schlangen in der letzten Kampfszene mit The Rock. Das waren echte Kobras, was nicht wirklich lustig war. Das sind keine Tiere zum Liebhaben, das kann ich versichern".

Die Filmemacher entschieden, The Scorpion King gänzlich in Kalifornien und Arizona zu drehen. "Wir mußsten nicht nach Marokko oder sonst wo hingehen, wir hatten das alles auch hier", sagt Russell. Eine intensive Locationsuche half hier schnell weiter, und einige Szenen konnten im Studio gedreht werden. Der berühmte "Spartacus Square", der 1953 für Regisseur Stanley Kubricks Film "Spartacus" gebaut wurde, stand noch auf dem Gelände der Universal Studios und wurde von Produktions-Designer Ed Verreaux und seinem Team in den Marktplatz von Gomorrah umgewandelt. Die wildwuchernde Wüstenoase, in der Balthazar Mathayus herausforderte, wurde im Bronson Canyon von Hollywood, der weniger als drei Meilen von den Studios entfernt ist, nachgebaut.

Weitere Locations, die als stürmische Wüste des altertümlichen Mittleren Ostens dienten, fand man in Gegenden von Lancaster, Borrego Springs, Buttercup Dunes, Simi Valley und Canyon Country. Die meisten Innenaufnahmen wurden auf den Bühnen 3, 44 und 28 der Universal Studios gedreht.

Manche Sets, wie das Haupttor von Gomorrah, wurde 20 Meilen nördlich von Los Angeles in der Nähe von Canyon Country geschaffen. Eine große Anzahl von Pferden, Ochsen, Hühnern, Kamelen, exotischen Vögeln und Affen wurden für viele Außenaufnahmen gebraucht. Dies war eine bizarre Angelegenheit, wenn man so nahe der heutigen Zivilisation eine altertümliche Welt aufbaut. Die von John Bloomfield entworfenen Kostüme und die Set-Dekoration von Kate Sullivan machten es den Schauspielern und der Crew leicht, zu glauben, dass sie sich in einer Welt des alten Roms und Karthagos befinden. Sie fühlten sich fast selbst wie die Pharaonen.

"Es war ziemlich anstrengend, den Film zu machen", sagt Russell. "Aber das ist auch ein Grund, warum ich es liebe, Filme zu drehen. Wo sonst kann man am Morgen aufwachen und einen gigantischen Sandsturm kreieren oder eine Festung brennen lassen oder auch eine komische Szene in einem Harem gestalten?"

The Rock war auch sehr zufrieden. "Dieser Film hat all die klassischen Elemente eines großen Films - Action, Komödie, Romantik, special effects, um nur einiges zu nennen", sagt er. "Aber am schönsten war es für mich, dass ich mit diesen großartigen Schauspielern und der Crew zusammen arbeiten konnte und ein Teil des Filmes bin. Und darauf bin ich sehr stolz".

Dirk Jasper FilmLexikon
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