Produktionsnotizen zu Panic Room
Der Panic Room: Der beste Ort im schlimmsten Fall Im Mittelalter wurde der Ort Refugium genannt. Im 20. Jahrhundert gab es Bombenbunker und später Schutzräume bei Sturmalarm. Mittlerweile findet sich sogar im Weißen Haus der so genannte "Situation Room" - ein gesicherter, mit modernster Technik ausgestatteter Komplex im Untergeschoss des Gebäudes, der zur Zeit der Kennedy-Administration eingerichtet wurde.

In dem Film Panic Room besteht besagter Zufluchtsort aus vier Mauern aus Stahl, einer eigenen versteckten Telefonleitung, die nicht mit der normalen Hausleitung gekoppelt ist, einem eigenen Belüftungssystem und einer Reihe von Beobachtungsmonitoren, mit denen nahezu jede Ecke des Hauses eingesehen werden kann. Draussen bleibt die Welt, wie wir sie kennen, abgeschirmt von einer undurchdringbaren Tür aus dickstem Stahl.

Meg Altman (Jodie Foster) zieht mit ihrer Tochter Sarah (Kristen Stewart) in ein New Yorker Sandsteinhaus, das von seinem Vorbesitzer mit einem Panic Room ausgestattet wurde. Die beiden können nicht wissen, wie bald sie ihn brauchen werden. Als drei Männer gleich in der ersten Nacht im neuen Heim einen genau geplanten Einbruch in das Haus durchführen, verschanzen sich Meg und Sarah in der Sicherheit des Panic Rooms - und ahnen nicht, dass genau der Panic Room das Ziel der Einbrecher ist ... und diese vor nichts Halt machen werden, um dort hineinzugelangen.

"Der Panic Room wurde von einem exzentrischen Millionär gebaut, der sich schützen wollte, sollte jemals in sein Haus eingebrochen werden", erzählt Jodie Foster. "Dieser Raum ist etwas Besonderes. Er ist mit acht Videomonitoren ausgestattet, die mit Kameras im ganzen Haus verbunden sind. Er ist voller Vorräte und Dinge, die man brauchen könnte, zum Beispiel eine Feuerdecke oder ein Anzünder. Es gibt sogar eine eigene Wasserleitung. Wenn man sich einen Monat im Panic Room verstecken müsste, dann könnte man das ohne weiteres durchziehen."

Je stärker Verbrechen, Terrorismus und internationale Entführungen amerikanische Nachrichtensendungen dominieren, desto allgegenwärtiger ist der Panic Room in den Häusern amerikanischer Bürger geworden: ein bestens beschützter Ort, in den man sich im Fall eines bewaffneten Angriffs zurückziehen kann. Angst, Paranoia und Schutzinstinkte sind die ultimative Motivation, vor allem für die, die die nötigen Mittel besitzen. Und obwohl Statistiken belegen, dass die Verbrechensrate an sich zurückgeht, "unternehmen die Menschen die nötigen Schritte nicht auf Grund des eigentlichen Risikos, sondern wie sie selbst das Risiko einschätzen", wie Jeff Fryar vom National Crime Prevention Institute in Louisville in einem Interview in dem New-York-Times-Artikel "The New ,God Forbid' Room" sagte.

"Je unsicherer wir sind, desto mehr ziehen wir uns zurück", gibt Edward J. Blakely, Direktor der School of Urban Planning der USC, im selben Artikel zu Protokoll.

"Das Ausmaß der Paranoia ist absolut unglaublich", berichtet ein Spycam-Hersteller dem Wall Street Journal. Wie besessen statten sich Amerikaner mit Dingen wie Spionagekameras, Telefonüberwachungsdetektoren und Computer-Keyboard-Verfolgern aus. Die Umsätze von Spionageausrüstungen für Bürger steigerten sich von 30 auf 60 Prozent und ließen den Sicherheits- und Überwachungszweig zu einer 5-Milliarden-Dollar-Industrie anwachsen. Wie das Wall Street Journal berichtet, verkaufte die in Los Angeles ansässige Bolide International allein in den letzten zwei Monaten 3.200 Spy-Kameras - doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr.

In Südkalifornien hat das immer stärker um sich greifende Gefühl von Unbehaglichkeit vor allem unter Studiochefs und anderen Businessmagnaten die Nachfrage nach Sicherheitsräumen in ungeahnte Höhen treiben lassen. Gary Paster, ein in Kalifornien ansässiger Bauarbeiter, stattete seinen ersten Sicherheitsraum für eine Persönlichkeit aus der Unterhaltungsindustrie im Jahr 1980 aus. Er erzählte dem Los Angeles Business Journal, dass er noch in den frühen neunziger Jahren im Schnitt sechs solcher Räume pro Jahr baute. Mittlerweile ist diese Zahl auf 60 Räume im Jahr angewachsen.

Zu Pasters Sicherheitsräumen, deren Kosten sich je nach Ausstattung bis auf 100.000 Dollar belaufen können, gehören spezielle Security-Türen, die aus kugelundurchlässigem Armortex und elektromagnetischen Schlössern bestehen, die sowohl Schüsse aus 9-mm-Automatikwaffen als auch Schläge von Baseballschlägern aushalten. Am beliebtesten sind Sicherheitstüren, die ein unauffälliges Anziehzimmer oder Badezimmer in einen Sicherheitsraum verwandeln.

Wenn man Javier Trevino, dem Präsidenten von Safeguard Security Services Inc. in San Antonio, die gepanzerte Wände aus Armortex liefern, glauben darf, dann steigt die Nachfrage weiterhin. "Das Schöne ist, man kann unsere Wände tapezieren und mit Bildern behängen - niemals käme man darauf, dass diese Wände gepanzert sind", sagte er der New York Times.

Architekten, die Häuser für die Reichen und Mächtigen entwerfen, planen die Panic Rooms zunehmend ganz normal in ihre Entwürfe ein. In aufwendigen Besitztümern gehören sie längst zur notwendigen Grundausstattung, und auch in den Hauptniederlassungen großer Firmen und den Büros von Managern gelten sie mehr und mehr als mußs. Die Pläne selbst werden geheim gehalten, vom Blaupausenstadium bis zum Ende des Baus. Erst im letzten Moment werden die Räume von einem gesonderten Sicherheitsteam installiert.

"Unsere Klienten fragen danach", erzählte einer dieser Architekten der New York Times, "speziell unmittelbar nach Unruhen, Erdbeben oder einer Panik wegen der bevorstehenden Apokalypse."

Die Gründe, die Kunden für den Bau eines Panic Rooms angeben, sind so vielfältig wie die technischen Ausstattungsmöglichkeiten. Manche wollen einfach nur ein ganz einfaches Versteck für den Fall eines Angriffs. Andere sind der festen Überzeugung, dass ein Panic Room die einzige Möglichkeit ist, ihre angehäuften Reichtümer vor modernen Plünderern zu schützen. In David Finchers neuem Film könnte der Panic Room die letzte Chance sein, um Meg Altman und ihrer Tochter das Leben zu retten.

Dirk Jasper FilmLexikon
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