Ausführlicher Inhalt zu Monsoon Wedding

Szenenfoto Die Monsun-Wolken ziehen sich am Horizont schon bedrohlich zusammen, als die über den ganzen Erdball verstreuten Mitglieder der Punjabi-Sippe Verma nach und nach in Neu-Delhi eintreffen, um die Hochzeit Aditis mit Hemant zu feiern. Ort der Zeremonie ist das ansehnliche Haus des zu relativem Reichtum gekommenen Stoffhändlers Lalit Verma, der es kaum mehr erwarten kann, dass seine Tochter endlich unter der Haube kommt. Drei Tage sind es noch bis zu diesem (nicht nur) freudigen Ereignis und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die neureiche Verwandtschaft ist aufgeregt, Chaos ist angesagt, nichts will so richtig klappen und doch kommt schließlich irgendwie alles ins Lot, während die fünf geschickt verknüpften Handlungsstränge sich langsam entwirren.

Da sind zum Beispiel der 50-jährige, genervte Vater der Braut, Lalit (Naseeruddin Shah), und dessen um fünf Jahre jüngere, stets ruhelose Frau Pimmi (Lillete Dubey), die eine für Indien typische arrangierte Ehe mit all ihren Höhen und Tiefen führen. Als die Tochter nun im Begriff steht, das elterliche Nest (den Göttern sei Dank) zu verlassen, gehen die beiden einmal mehr auf Schulterschluss und erkennen dabei, was für eine große Stütze sie einander über die Jahre waren.

Die Braut Aditi (Vasundhara Das), 24 Jahre alt, wiederum kann sich von ihrem Ex-Liebhaber und Chef Vikram (42) nicht so richtig lösen. Nur widerwillig willigt sie ein, Hemant (Parvin Dabas), den 32-jährigen Ingenieur aus dem texanischen Houston, zu ehelichen. Oder doch nicht? Zumindest einmal muß sie sich noch mit dem verheirateten Fernsehmann Vikram treffen. Vielleicht gibt es ja noch ein Fünkchen Hoffnung für ihre Beziehung und sie kann dem amerikanischen Hausfrauendasein entfliehen.

P.K. Dubey (Vijay Raaz) hingegen ist voll in seinem Element. Erst 25 Jahre alt, zum großen Leidwesen der Mutter leider immer noch unverheiratet, gehört er zur aufstrebenden indischen Mittelklasse. Dank seines mobilen Hochzeitszelts und des gut funktionierenden Catering-Unternehmens ist er in ganz Delhi ein gefragter Mann. Sein wichtigstes Arbeitsgerät stellt das Handy dar, die Basis seines Erfolgs sind sein rhetorisches und händlerisches Geschick. Alles läuft nach Plan ...

Szenenfoto ... bis P.K. die wunderschöne Alice (Tilotama Shome) erblickt. Die 20-jährige Angestellte der Vermas verschlägt dem geschäftstüchtigen Hochzeitsausrichter einfach den Atem. Vorbei ist's mit Dubeys Arbeitswut, als er Alice dabei ertappt, wie diese sich das Hochzeitskleid ihrer Chefin überzieht und sich mit deren Juwelen schmückt. Wie soll er sich jemals dieser Schönheit nähern? Die Lösung lautet Ringelblumen - jenes Gewächs, das traditionell zu einer indischen Hochzeit gehört.

Während für P.K. der Himmel voller Geigen hängt, steht Aditis unverheiratete Cousine Ria (Shefali Shetty) mit beiden Beinen fest am Boden. Die 28-jährige Schriftstellerin beobachtet amüsiert und schockiert zugleich wie ihre Familie ob des anstehenden Fests vollends aus dem Häuschen gerät und sich Aditi kopfüber in ihr Verhängnis stürzt. Weiß sie denn nichts von Männern? Vom lieben Onkel zum Beispiel, der doch so gern mit den kleinen Mädchen spielt. Höchste Zeit, dass die Familie endlich etwas von dessen "Vorlieben" erfährt.

Szenenfoto Und dann ist da - last but not least - noch der 17-jährige Teenager Ayesha (Neha Dubey), eine noch "ungepflückte" Versuchung auf zwei Beinen. Als Cousine der Braut verkörpert sie das, was man weltweit ein sexy babe nennt und wonach sich die Herren der Schöpfung verzehren. Studenten wie der 19-jährige Rahul (Randeep Hooda) etwa, eingeschrieben an der Universität von Sydney, Australien. Mit so einer Frau hat er in Delhi sicher nicht gerechnet - wie er überhaupt noch ein, zwei Dinge übers zeitgenössische Indien lernen muß.

Schließlich ist er dann da, der lang ersehnte Hochzeitstag. Es wird getanzt und getrunken, gegessen und gelacht. Alte Rechnungen werden beglichen, neue Allianzen geschlossen und junge Lieben gestiftet. Den Mutigen gehört die Welt und kein Herz bleibt ihnen verschlossen. Kein Wunder also, dass da der Monsun - einer Katharsis gleich - endlich aus den Wolken niedergeht, die erhitzten Gemüter abkühlt, jeglichen Schmutz in die Gosse fegt und mit wunderbarer Leichtigkeit Hochzeitslader und Gäste in harmonischen Einklang bringt ...

Dirk Jasper FilmLexikon
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