Produktionsnotizen zu Blade 2

Wesley Snipes übernimmt erneut die Rolle des Marvel-Comic-Heldens Blade, den er schon in dem gleichnamigen Kassenknüller von 1998 so überzeugend porträtierte. Das Blut in Blades Adern ist halb menschlicher und halb vampirischer Natur, denn seine Mutter wurde vor seiner Geburt von einem Vampir angefallen. "Das verleiht Blade einzigartige Fähigkeiten", sagt Snipes, der den Film auch produziert. "Er verfügt über die Stärken der Vampire, ohne unter ihren Schwächen zu leiden. In seiner Welt wimmelt es nur so von den ihm verhassten Vampiren, und so macht er es sich zur Lebensaufgabe, den Erdkreis von ihnen zu säubern, wo immer er ihrer habhaft werden kann."

Allerdings hat Blade sich seit seinem ersten Kinoabenteuer verändert. "Er findet sich mit seinem Schicksal ab", sagt Snipes. "Was er zu tun hat, macht ihm inzwischen auch Spaß. Manchmal trinkt er sogar Blut - dieses Trauma hat er also überwunden. Er passt sich besser an, hat mehr Freude am Leben. Er ist viel lockerer, ohne seine Wildheit zu verlieren."

"Im ersten Film war Blade ein eher grüblerischer Superheld", sagt Regisseur Guillermo del Toro, der dem Horror-Genre mit Filmen wie "Cronos", "Mimic" und aktuell "El espinazo del diablo"/"The Devil's Backbone" ganz neue Seiten abgewonnen hat. "Diesmal legt er sich begeistert mit den bösen Buben an - er scheint jedenfalls mehr Spaß daran zu haben." Blades Mentor und Waffenmeister Whistler (Kris Kristofferson) hat ein Serum entwickelt, mit dem sich Blade auch bei Tageslicht frei bewegen kann. "Whistler und Blade sind Partner", sagt Filmveteran Kristofferson. "Sie jagen Vampire - auch Whistler, weil sie seine Familie auf dem Gewissen haben und weil er Blade als Kind von der Straße geholt hat. Er ist Blades Ersatzvater."

Als Blade und Whistler sich im ersten Film trennten, mußste Blade annehmen, dass sein Freund tot ist. In Wahrheit kommt es noch schlimmer: Whistler hat sich mit dem Vampir-Virus infiziert. In seinem neuen Wohnort Prag erfährt Blade, dass Whistler noch am Leben ist. Also macht er sich auf die Suche nach ihm. "Ein Krieger lässt seinen Kameraden nie hinter den feindlichen Linien zurück", sagt Snipes.

Blade findet einen neuen Gefährten: Scud (Norman Reedus) hat die Arbeit nicht gerade erfunden - dafür aber ungewöhnliche und ausgeklügelte Waffen, mit denen die beiden gegen Vampire vorgehen. "Anfangs nimmt Scud Whistlers Platz ein", sagt Reedus. "In der Werkstatt tüftelt er mit Blade an Waffen zur Vernichtung der Vampire. Doch dann taucht Whistler wieder auf und gerät sofort mit Scud aneinander. Scud will eigentlich nur seinen Spaß haben. Beim Waffenbasteln raucht er eine Menge Joints. Und er freut sich darauf, Vampire umzunieten."

Auf ihrer Jagd entdecken sie das Hauptquartier von Blades erklärtem Erzfeind: Damaskinos (Thomas Kretschmann), Herrscher über die Vampire, bittet Blade um Hilfe, denn plötzlich sehen sich beide einer tödlichen Bedrohung gegenüber, die jedes bekannte Ausmaß weit übersteigt. Nyssa (Leonor Varela), Damaskinos' starke und exotische Tochter, und ihr Krieger Asad (Danny John Jules) suchen Blade auf, um einen Waffenstillstand zu schließen. Denn nur gemeinsam können sie es mit den Reapers (Sensenmännern) aufnehmen - einer "Superrasse von Vampiren", sagt del Toro. "Diese Vampire erscheinen wie Blutegel, simple Blutsauger. Erotik spielt bei ihnen keine Rolle. Sie wirken eindimensional, haben es ausschließlich auf den Lebenssaft der Opfer abgesehen. Ein ewiges Leben versprechen sie nicht. Auch keine Nächte im Mondschein. Sie saugen Blut, bis nichts mehr übrig ist."

Die Reapers haben rasiermesserscharfe Zähne und übermenschliche Kräfte - sie sind schnell wie der Blitz. Sie jagen nicht nur Menschen, sondern auch Vampire. Um sie aufzuhalten, mußs Blade sich mit einem Team hartgesottener Killer verbünden, das eigentlich nur darauf abgerichtet ist, Blade persönlich zu jagen - das Bloodpack: Chupa (Matt Schulze), Priest (Tony Curran), Snowman (Donnie Yen), Lighthammer (Daz Crawford) und Verlaine (Marit Velle Kile). Angeführt werden die Killer von Reinhardt (Ron Perlman). "Reinhardt ist Berufssoldat", sagt Perlman. "Er führt die Elite-Truppe, die den Herrscher des Vampir-Reiches bewacht und versorgt. Ich nehme mal an, dass er das schon seit Jahrhunderten tut. Er erledigt seine Aufgabe sehr effektiv." Nyssa ist sehr diszipliniert und bringt außerordentliche Fähigkeiten mit - insofern passt sie bestens zu Blade. "Seit etwa zwei Jahren trainiert Nyssa nun schon in der taktischen Spezialeinheit, die Blade ausschalten soll", sagt Varela, die mit ihrer Titelrolle in dem Fernsehmehrteiler "Cleopatra" bekannt wurde. "Ihr Ehrenkodex ähnelt dem der Samurai - das verbindet sie mit Blade."

Die Reapers sind Mutationen ihrer Vampir-Vorfahren - sie überfallen Menschen ebenso wie Vampire und stecken sie mit dem Reaper-Virus an - innerhalb weniger Wochen werden sich Tausende infizieren. Die Spur des Virus lässt sich zum "Patient Zero" Jared Nomak (Luke Goss) zurückverfolgen: Blade und das Bloodpack müssen ihn vernichten, bevor die Reapers die gesamte Menschheit ausradiere ...

Blade 2 - Das Herzstück einer Trilogie Bekannt wurde der legendäre Superheld Blade durch die Marvel-Comics - der Film Blade erweckte ihn 1998 zum Leben auf der Leinwand. Produzent Peter Frankfurt und Drehbuchautor David S. Goyer haben schon den ersten Film gemeinsam konzipiert. "Ich kenne David Goyer als totalen Comic-Freak", sagt Peter Frankfurt. Bei den Vorarbeiten zur Fortsetzung war von vornherein klar, dass Goyer auch den neuen Film schreiben mußste. "All diese Ideen stammen aus seinem Kopf - ohne ihn läuft gar nichts."

Goyer, der gleichzeitig als Executive Producer fungiert, hat "Blade" schon beim Schreiben des ersten Skripts als Filmtrilogie angelegt. Entsprechend plante er bei Teil 1 Anknüpfungspunkte für ein Sequel mit ein. "Eines dieser Verbindungsglieder besteht darin, dass wir im ersten Film nicht direkt auf der Leinwand erleben, wie Whistler eine Kugel in den Kopf bekommt. Man hört zwar den Schuss, sieht aber nicht, was tatsächlich passiert", erklärt Goyer.

Sowohl Goyer als auch Frankfurt schätzen Guillermo del Toros Fähigkeiten als Regisseur sehr. Seine Affinität zum Unheimlichen prädestiniert ihn als idealen Kandidaten für "Blade II". Frankfurt und del Toro kennen sich, seit Frankfurts Design-Firma Imaginary Forces die Titelsequenz zu "Mimic" gestaltete. "Ich fand ,Mimic' wunderbar, und damals arbeiteten wir erstmals zusammen", sagt Frankfurt. "Aber David Goyer und ich begeistern uns schon seit ,Cronos' für seine Filme, waren also ganz euphorisch, als er an Bord kam. Guillermo denkt überwiegend in Bildern, er weiß genau, wie sein Film aussehen soll. Wenn man jemanden wie Guillermo engagiert, braucht man ihm den Look des Films nicht vorzuschreiben, die Verantwortung dafür übernimmt er selbst." Goyer fügt hinzu: "Ich bin mit Guillermo seit Jahren befreundet - er wusste also, dass ich Blade 2 schrieb. Mehrfach kündigte ich an: ,Wenn ich fertig bin, machen wir dir ein Angebot.'"

Die Filmemacher waren sich darüber einig, dass Blade 2 erheblich unheimlicher werden soll als Teil 1. Dazu Frankfurt: "Guillermo hat genau verstanden, was den ersten Film zum Erfolg gemacht hat. Er wollte das Konzept unbedingt fortführen und es an bestimmten Stellen noch intensivieren - sein Spezialgebiet sind haarsträubende Gruselsequenzen."

Wie Goyer ist auch del Toro ein leidenschaftlicher Comic-Fan. "Guillermo ist mit Comic-Heften aufgewachsen - genau wie ich", sagt Goyer. "Ich habe fanatisch gesammelt - mein Bruder und ich besaßen als Kinder ungefähr 12.000 Comic-Hefte. In dem Metier kenne ich mich daher wirklich gut aus."

Del Toro kam gar nicht auf die Idee, am Drehbuch herumzufeilen, denn Goyer und Wesley Snipes haben ja mit Teil 1 die Richtung klar vorgegeben. "Ich möchte den Film atmosphärisch an Comics und an japanische Zeichentrickfilme angleichen", sagt der Regisseur. "Entsprechend habe ich mich nochmals in die Quellen eingelesen, viele Filme angeschaut. Und ich analysierte die Rohaufnahmen des ersten Films sehr genau: Es gibt vier Kisten voll mit Videobändern, und ich sah mir jede Kassette von Anfang bis Ende an, um voll und ganz zu begreifen, wie der Originalfilm funktioniert. Ich habe Stephen Norringtons umwerfenden Erzählstil präzise studiert - eine sehr elegante Arbeit."

Wesley Snipes freute sich darauf, wieder Blade zu spielen: "Mir gefällt die Rolle sehr. Es bringt Spaß, seine Fähigkeiten in einem Sequel zu testen: Schaffe ich es, die Qualität des Originals wieder zu erreichen, gar zu übertreffen?" Peter Frankfurt fügt hinzu: "Wesley und Blade sind nicht zu trennen, denn er hat die Rolle maßgeblich mit gestaltet und verinnerlicht sie ganz instinktiv. Die Kämpfe, die Handhabung der Waffen, die Haltung geht er mit höchster Konzentration an. Er ist sehr ernsthaft bei der Sache, dabei aber immer ausgeglichen und gut gelaunt."

"Wesley kennt Blade sogar besser als David Goyer, besser als ich oder sonst jemand vom Team", sagt del Toro. "Er spürt instinktiv, was der Rolle entspricht und was nicht. Immer, wenn er eine Änderung vorschlägt, ist das ein eindeutiges Plus für die Szene." Weil er auch diesmal wieder produziert, war Snipes von Anfang an intensiv an den Vorbereitungen beteiligt - "vom Drehbuch bis hin zur Choreografie der Kampfszenen".

Wesley Snipes hat die Arbeit mit del Toro genossen. "Er ist mit Leib und Seele dabei, das gefällt mir", sagt der Star. "Immer wieder staune ich, welche Energie er aufbringt. Er engagiert sich leidenschaftlich für den Film, investiert 110 Prozent seiner Kraft und Zeit. Dabei weiß er immer genau, was er will, hat ein unbestechliches Auge und ein hervorragendes Gefühl für Rhythmus. Aber er ist auch begabt und selbstsicher genug, um sich offen anzuhören, was die anderen im Team beitragen können. Ich möchte unbedingt wieder mit ihm arbeiten - denn was er hier leistet, ist einfach fantastisch."

Snipes ließ sich gern von der unheimlichen Atmosphäre einfangen, die del Toro dem Film verleiht. "Ich komme mir vor wie ein kleiner Junge in der Geisterbahn", sagt Snipes. "Als Schauspieler sieht man das im Kino und denkt: ?Wow! Solch einen Film möchte ich auch mal machen!' Und jetzt bekomme ich tatsächlich die Gelegenheit dazu - zusammen mit einem wahren Experten. Wir trafen uns in New York, und Guillermo stellte mir seine Ideen vor - wie er die Waffen, die Reapers gestalten wollte. Da dachte ich nur: ,Wer sich so etwas ausdenken kann, mußs ganz einfach die Regie übernehmen!'"

Martial Arts: Tanz der Vampire Um der körperlich sehr anspruchsvollen Rolle gerecht zu werden, bereitete Snipes sich akribisch vor. Als Knalleffekt gibt es im Film eine ganze Reihe komplizierter Kampfszenen - dafür war der beste Stunt-Coordinator der Branche gerade gut genug. Seit zwölf Jahren arbeitet Snipes mit Jeff Ward zusammen - damals übernahm Ward erstmals die Stunts als Snipes' Double. "Einer der Schlüssel zum Erfolg von Blade ist Jeff", sagt del Toro. "Er bringt den richtigen Instinkt für die Kampfchoreografie mit. Obwohl er dabei mit beiden Beinen auf der Erde bleibt und ganz realistisch vorgeht, gestaltet er sie dennoch mit einer sehr ausgereiften Ästhetik."

Durch ihre jahrelange Zusammenarbeit sind Snipes und Ward mittlerweile eng befreundet, was jedem neuen Projekt zugute kommt. "Wir sind ein Team, arbeiten partnerschaftlich; wir entwickeln die Struktur gemeinsam, und er setzt sie dann um", sagt Snipes. "Außerdem ist er ein hervorragender Martial-Arts-Experte. Wenn wir zwei mit meinem Stuntdouble Clay (Donohue Fonitnet) zusammen sind, geht echt die Post ab."

Zusätzlich engagierte Snipes den berühmten Kampf-Coordinator Donnie Yen aus Hongkong ("Fist of Fury"/"Bruce Lee - Todesgrüße aus Shanghai"; "Iron Monkey"/"Iron Monkey") als Darsteller vor der Kamera und als Choreograf der Kampfszenen, in denen del Toro aber Effekte mit üblicherweise an Drahtseilen durch die Luft segelnden Darstellern weitgehend vermeiden wollte. "Gerade wegen der Martial-Arts-Legenden wie Donnie Yen bewundern wir das Hongkong-Kino", sagt der Regisseur. "Normalerweise sind sehr verspielte Elemente sein Markenzeichen - ich mußste ihn ein bisschen zügeln, denn Blades Kampfstil ist nicht akrobatisch, sondern eher Straßenkampf: sehr brutal, direkt und schlagkräftig. Ich bin von Donnie Yens Choreografie regelrecht begeistert. Die Kombination von Jeff und Donnie hat sich bestens bewährt." Del Toro fügt jedoch hinzu, dass auch "eine Art Geister-Choreograf im Film mitmischte, und zwar Wesley. Wesley hört sich an, welche Ideen die beiden Choreografen entwickeln und was ich mir optisch vorstelle - und dann gibt er das hinzu, was ich mal als die ,Blade-Politur' bezeichnen möchte."

Blut für Blade: Sauger und Spender Bei der Besetzung der weiteren Rollen bemühten sich die Filmemacher zuallererst darum, Kris Kristofferson als Whistler wieder an Bord zu holen. "Sobald feststand, dass wir eine Fortsetzung drehen würden, wollten wir Whistler unbedingt wieder dabei haben", sagt Snipes. "Blade ist ein einsamer Krieger - er braucht Whistler als Führer, Lehrer und Vertrauten." David Goyer fügt hinzu: "Wir waren ganz aus dem Häuschen, als Kris den Vertrag für das Sequel unterschrieb. Er spielt diesmal eine sehr viel intensivere Rolle. Kris und Wesley funktionieren als Team auf der Leinwand ganz hervorragend."

"Ich bin dankbar, dass ich wieder mitmachen darf", sagt Kristofferson. "Und ich erlebe die Arbeit mit Guillermo als sehr angenehm. Er verleiht dem Sequel eine sehr interessante Dimension, lotet die Figuren deutlich tiefer aus als in Action-Filmen sonst üblich. Guillermo und Wesley inspirieren sich gegenseitig zu brillanten Eingebungen."

Luke Goss ist mit dem Pop-Duo Bros weltweit bekannt geworden. Er spielt Blades Hauptgegner, den fürchterlichen Reaper Nomak. "Als Bösewicht hat er durchaus ein Anliegen - das bringt Spaß", sagt Goss, der sich drei Monate lang intensiv auf die Kampfszenen mit Blade und den anderen vorbereitet hat. "Wesley ist sehr ernsthaft bei der Sache, und er hat sehr präzise Vorstellungen", sagt Goss. "Sein konzentrierter Arbeitsstil kommt mir sehr entgegen: Ich werde voll in den Prozess einbezogen. Nach Feierabend ist Wesley ein sehr angenehmer und zugänglicher Typ, der niemals den Boss herauskehrt. Ich komme bestens mit ihm aus. Doch sobald wir am Set sind, zählt nur noch die Szene, für die wir alles geben."

Locations: Das Reich der Finsternis Laut Drehbuch beginnt der Film dort, wo Blade aufhörte: in Moskau. Die Dreharbeiten fanden allerdings ausschließlich in den industriellen Außenbezirken von Prag statt. Del Toro wollte Blade in einer osteuropäischen Stadt wie Prag ansiedeln, um einen Kontrast zum amerikanischen Look des ersten Teils zu schaffen. "Die Entscheidung für Prag fiel vor allem wegen der günstigen Kostensituation", sagt der Regisseur. "Aber die Idee war durchaus nicht weit hergeholt, weil Teil 1 ja in Moskau endet - warum nicht in Prag weitermachen? Wir konzentrieren uns also auf die brachliegenden Industrieanlagen, denen wir einen ,Goth-Tech'-Look verpassen."

"Die Filmtechniker in Osteuropa bringen ganz erstaunliche Dinge zustande", sagt David Goyer. "Sie bauen wunderbare Sets - im Vergleich zum ersten Film wirken sie echt gewaltig." Für die Ausstattung engagierten del Toro und Goyer Carol Spier. "Carol gehört zu den besten Produktionsdesignern der Branche", sagt Goyer. Del Toro hat mit ihr bereits "Mimic" gemacht - er fügt hinzu: "Carol schafft es immer wieder, auch die seltsamsten Sets durchaus realistisch wirken zu lassen. Seit ,Mimic' können wir uns fast telepathisch verständigen. Das ist eine Art Steno-Kommunikation: Ich skizziere ein paar sehr grobe Zeichnungen, und sie versteht auf Anhieb ganz genau, was mir vorschwebt. Für diesen Film brauchte ich dringend ein unfehlbares und unermüdliches Arbeitstier. Und genauso engagiert und hart arbeitet sie auch."

Spier war nur zu gern bereit, einen weiteren del-Toro-Film zu gestalten. "Die Arbeit mit Guillermo ist deswegen so angenehm, weil er sehr gute Ideen entwickelt und ein unbestechliches Auge hat", sagt die berühmte Produktionsdesignerin, die auch etliche Filme für Regisseur David Cronenberg ausgestattet hat: "M. Butterfly", "Crash" und "eXistenZ". "Er ist selbst Künstler - es ist wunderbar, wenn der Regisseur ein eigenes visuelles Konzept mitbringt."

Im November 2000 traf Spier in Prag ein und begann mit der Gestaltung der Sets nach del Toros und Goyers Vorgaben. Das Produktionsteam mußste zehn gewaltige und sehr unterschiedliche Sets an sieben verschiedenen Drehorten errichten. "Guillermo orientiert sich am Look der Comic-Hefte", sagt Spier. "Also haben wir alles etwas übertrieben, überlebensgroß gestaltet. Das verbindende Element der verschiedenen Sets besteht in ihren gigantischen Ausmaßen. Ich werde gar nicht erst versuchen, die Wagenladungen Zement und Gips aufzuzählen, die wir für die Kanalisationssets verbraucht haben."

"Ganz erstaunlich, wie Carol es immer wieder schafft, Guillermos Ideen in konkrete Bilder umzusetzen", sagt Frankfurt. "Trotz der sehr begrenzten Vorbereitungszeit hat sie Unglaubliches geleistet. Es ist schön zu erleben, wie begeistert Guillermo auf ihre Arbeit reagiert."

Die Kostümdesignerin Wendy Partridge stimmte ihr Konzept mit Spier ab, um del Toros fantastischer Welt auch in den Kostümen Ausdruck zu verleihen. "Mir kam natürlich sehr entgegen, dass Wendy bereits Erfahrung mit Monumental- und Samurai-Filmen vorweisen kann", sagt del Toro. "Ich weiß genau, wie gut sie sich dem Stil anderer Epochen und Länder anpasst. Außerdem lässt sie sich von den Kostümmengen, die wir brauchen, nicht einschüchtern. Was will man mehr?"

Partridge sieht ihre Aufgabe so: "Natürlich ist es sehr wichtig, dem Look des ersten Films gerecht zu werden und eine vergleichbare Atmosphäre zu schaffen - dennoch mußs ein wenig Luft für neue künstlerische Ideen bleiben. Blade soll diesmal einen Hightech-Look bekommen - der Stil des Originals bleibt erhalten, wird aber etwas aufgepeppt. Blades schwarzes Outfit stellt in allen Szenen ein gewisses Problem dar. Ich habe mich also sehr bemüht, tausend verschiedene Schwarztöne zu kreieren - da sind die Varianten praktisch unbegrenzt."

Regelrecht austoben konnte Partridge sich dann bei den radikaleren Skriptvorgaben und bei der individuellen Gestaltung der Bloodpack-Mitglieder. "Ich bin nicht auf eine bestimmte Epoche festgelegt", stellt sie fest. "Ich verwende also japanische Elemente, Husaren-Elemente, futuristische Ideen. Chupa sieht ein bisschen wie ein Kreuzritter aus, wir verwenden launige Horror-Versatzstücke. Verlaine zum Beispiel trägt Federn. Wenn wir uns an keinerlei Vorgaben halten müssen, bringt das natürlich am meisten Spaß."

Bilder und Effekte für den Superhelden Kameramann Gabriel Beristain war sehr überrascht, als del Toro ihn anrief. Er stammt wie der Regisseur aus Mexiko, doch Beristain hat vor allem in Großbritannien gearbeitet, wo er mit "Caravaggio" ("Caravaggio") international bekannt wurde. "Gabriel hat zwei Filme gedreht, die vom Look her zu meinen Favoriten zählen: ,Dolores Claiborne' ("Dolores") und ,Caravaggio'", erklärt del Toro. "Ich traf mich also mit Gabriel und gab nur die grundsätzliche Richtung vor: ,Wir machen den Film so schön wie ,Caravaggio' - und trotzdem wird es ein harter Action-Film."

Ein bisschen ausführlicher haben del Toro und Beristain dann doch über die Optik des Films gesprochen. Erst als del Toro Beristain den Comic "Hellboy" zeigte, passte plötzlich alles zusammen. "Auf dem Umschlag war die Hauptfigur Hellboy abgebildet - vor einem bernsteinfarbenen, dunklen Nachthimmel." So sollte der Film aussehen. "Wir schufen einen sehr unkonventionellen Look und brachen etliche Regeln, um dieses Comic-Konzept umzusetzen - ohne tatsächlich einen Comic daraus zu machen. Mir diente der Maler Magritte als Vorbild: Seine Bilder sind surreal, aber dennoch unauffällig und überhaupt nicht prätentiös." Del Toro fügt hinzu: "Ich wünsche mir einen düsteren Look, sehr stilisiert, mit den Hell-Dunkel-Effekten der klassischen Meister."

"Guillermo lässt sich in Stilfragen von niemandem beeinflussen - er hat seinen eigenen Stil, den ich umsetze", sagt Beristain. "Ich habe selten mit Regisseuren zu tun, die so viel Talent mitbringen und ein derartiges Tempo vorlegen. Sein Verstand arbeitet rasend schnell, und er formuliert ganz klar, was er will."

Mit Hilfe von Beristain und den Experten für visuelle Effekte schuf del Toro den von ihm so genannten "L-Cam"-Effekt - eine entfesselte Kamera, die sich auf ungewohnten Bahnen bewegt. "In manchen Sequenzen folgen wir den Personen mit Bewegungen, die normale Kameras nicht ausführen können: zum Beispiel eine Einstellung, in der Wesley Snipes einen Korridor hinunterrennt - aber vier Stockwerke über dem Erdboden. Dann lässt er sich 60 Meter tief fallen, und die Kamera folgt dem von ihm abgefeuerten Geschoss 20 Meter weit."

Die visuellen bzw. speziellen Effekte spielen im Film eine wesentliche Rolle - beide Trickteams werden von Oscar-Preisträgern geleitet: Nick Allder, zuständig für die Special Effects, gewann den Oscar mit "Alien" ("Alien - Das unheimliche Wesen aus einer anderen Welt"), und Nick Brooks, der die visuellen Effekte betreut, wurde für "What Dreams May Come" ("Hinter dem Horizont") mit dem Oscar ausgezeichnet.

Allder stellte seine englisch-tschechische Crew relativ schnell zusammen, wenn man die Größenordnung des Films bedenkt. 80 Tonnen Ausrüstung wurden aus Großbritannien nach Prag transportiert. Was del Toro in seinen Skizzen vorgegeben hatte, mußste nun in drei Dimensionen umgesetzt werden. "Unser Regisseur denkt wunderbar in Bildern - als ich ihn kennen lernte, trug er mir auf: ,Alles soll wie in einem Comic aussehen - und zwar riesengroß.'" Das galt auch für die Explosionen und abgefeuerten Schüsse. "In einer Einstellung schlugen etwa 200 Einschüsse um unseren Stuntman ein, und er selbst wurde, glaube ich, von 52 Kugeln getroffen", sagt Allder. "In dieser Größenordnung bewegen sich Guillermos Vorstellungen." Während der Dreharbeiten entwickelten die Experten ständig neue Techniken und brauten neuartiges Blut zusammen. "Wir haben literweise Blut produziert, sogar in Orange- und Bernstein-Tönen", stellt Allder fest.

Beim Konzept der Reapers ging del Toro von organischen Vorbildern aus. "Ich nenne dieses Design das Zoo-Konzept", witzelt er. "Das heißt, wir orientieren uns bei der Gestaltung ausschließlich an Tieren, die es wirklich gibt - nicht an filmischen Vorbildern." Die Reapers sollten nach del Toros Vorstellungen "Mäuler haben, die ihr halbes Gesicht einnehmen. Blutegeln ist ihr Aussehen völlig egal. Es gibt einfach keine hässlichen oder gut aussehenden Blutegel - sie sind allein dazu da, Blut zu saugen. Wir entwickelten daraus das Konzept eines Wesens, das sein Mundwerkzeug sorgsam verbirgt - bis zum Moment der Nahrungsaufnahme."

Del Toro will den Comic-Look auch in den visuellen Effekten und im Make-up des Films ausdrücken - beispielhaft kommt das in der gewaltigen Feuerball-Sequenz in der Kanalisation zum Tragen. Das Hauptdrehteam hatte an diesem Set seine Aufnahmen abgeschlossen und war zum nächsten Schauplatz abgerückt. Brooks sagt: "Wir nennen diese Szene die Hiroshima-Sequenz, denn hier mußs ich massenweise Tod und Vernichtung inszenieren."

Brooks und Allder arbeiteten dabei mit einem kleinen Team: Bei laufender Hochgeschwindigkeitskamera sprühten sie flüssiges, brennendes Propangas in die Abwassertunnel. Natürlich achtete Spier beim Bau des Kanalisationssets darauf, dass die Tunnel diese Feuerstöße auch aushalten konnten. Dazu Allder: "Ich habe lange mit Nick Brooks darüber diskutiert, wie wir seine Vorstellung von dieser Szene umsetzen könnten. Daraufhin habe ich einen Gasmörser entwickelt, der flüssiges Propan abfeuert - ein grausiges Bild. Der gewaltige Feuerstoß sieht absolut spektakulär aus."

Alle Mitwirkenden - von den Darstellern bis zum technischen Team - ließen sich von dem Gedanken leiten, dass der Film beim Anschauen genauso viel Spaß machen soll, wie die Macher ihn beim Dreh hatten. "Wir wollen nicht mehr und nicht weniger, als den Comic in einen unterhaltsamen Realfilm umzusetzen - ein funkelndes, atemberaubend schönes Bild, das sich bewegt und uns köstlich unterhält", sagt Allder. "Dazu gehören deutlich mehr Spezialeffekte als üblich, und sie werden anders in die Action integriert. Unsere digitalen Effekte gehen nahtlos ins Make-up, in die Masken und Puppentricks über - alles Bestandteile jeweils einer einzigen Szene, bei der die Zuschauer nie sicher sein können, was echt ist und was nicht. Diese Effekte sind die illusionären Kreationen hochkarätiger Taschenspieler - eine wahrlich rasante Achterbahnfahrt."

Dirk Jasper FilmLexikon
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