Ausführlicher Inhalt zu Ich bin Sam

Szenenfoto Sam Dawson (Sean Penn) arbeitet im Kaffeehaus Starbucks, deckt die Tische und serviert den Kaffee. Zum Kaffeekochen reicht es nicht ganz: Sam ist geistig behindert, er hat den Intellekt eines Siebenjährigen. Als er die obdachlose Rebecca bei sich aufnimmt, wird sie schwanger. Aber sie ist nicht bereit, ihre Mutterpflichten zu übernehmen. Nach der Geburt verschwindet sie aus dem Krankenhaus und lässt Sam mit seiner Tochter im Arm auf der Straße stehen.

Sams Nachbarin Annie (Dianne Wiest), eine begabte Pianistin, leidet unter Platzangst: Sie hat das Haus seit Jahren nicht verlassen. Aber sie kümmert sich rührend um den allein erziehenden Vater und seine Tochter, die der glühende Beatles-Fan Lucy Diamond nennt. Der allseits beliebte und herzensgute Sam ist Teil einer Clique ebenfalls behinderter Freunde, die nach festen Ritualen Video- und Restaurantabende zusammen verbringen. Gemeinsam kaufen sie ein, und wenn Sam nicht genug Geld hat, um Lucy Schuhe zu kaufen, dann legen die Kumpel zusammen.

Als Lucy (Dakota Fanning) sieben Jahre alt ist, spürt sie erstmals selbst, dass sie Sam geistig überlegen ist. Sie will nicht, dass er es merkt und weigert sich, in der Schule zu lernen. Was noch schlimmer ist: Ihre Mitschüler lachen über den einfältigen Sam. Wie sehr Sam von den festen wöchentlichen Ritualen abhängig ist, merkt Lucy, als sie darauf besteht, einmal ein anderes Restaurant zu besuchen: Sam ist unfähig, sich auf die andere Speisekarte einzustellen und will seine Bestellung exakt so aufzugeben, wie er es gewohnt ist. Es kommt zu einer unschönen Szene mit der überforderten Kellnerin.

Als eine Prostituierte mit dem ahnungslosen Sam anbandelt, werden beide verhaftet, Sams Fall wird aktenkundig, und die Sozialarbeiterin Margaret Calgrove (Loretta Devine) nimmt sich seiner an. Sie platzt ausgerechnet in die Überraschungsparty, die Sam und seine Freunde zu Lucys achtem Geburtstag ausgerichtet haben. Dort behauptet einer von Lucys Mitschülern, sie habe gesagt, sie sei nicht Sams Tochter, sondern nur adoptiert.

Beim ersten Gerichtstermin bestimmt die Richterin, dass Lucy vorläufig in ein Heim kommt, bis der Fall in einem Verfahren geklärt ist. Sam begreift nicht, warum man ihm seine Tochter wegnimmt - nur so viel: Er mußs sich einen Anwalt nehmen. Gemeinsam mit seinen Freunden sucht er im Telefonbuch eine Anwaltskanzlei aus, die "einen guten Eindruck macht".

Szenenfoto So erscheint Sam im Büro der Star-Anwältin Rita Harrison (Michelle Pfeiffer). Sie ist völlig überarbeitet, findet nicht einmal Zeit für ihren eigenen Sohn Willy und sagt Sam höflich und bestimmt zwischen zwei Telefonaten, dass er sie gar nicht bezahlen kann.

Erst als ihr auf einer Party von Kollegen unterstellt wird, sie würde sich nie sozial engagieren und für eine gute Sache umsonst arbeiten, erwacht plötzlich ihr Ehrgeiz: Nun behauptet sie, sie habe Sams Fall von Anfang an übernehmen wollen.

Beim Besuch im Heim spürt Sam, wie unglücklich Lucy ist. Wieder sucht er Rita auf, bittet sie zumindest um die Vermittlung an einen anderen Anwalt. Dabei überfällt er sie in ihrem Büro mitten in einem Klientengespräch. Rita ist peinlich berührt und versucht die Situation in den Griff zu bekommen. Das einzige, was Sam versteht: Sie übernimmt seinen Fall - ganz umsonst. Gemeinsam nehmen Sam und Rita den gerichtlich verfügten Termin bei einer Psychologin wahr. Sam kauft einen Anrufbeantworter, damit Lucy ihn auch anrufen kann, wenn er arbeitet.

Szenenfoto Um sich für die Verhandlung zu wappnen, mußs Rita Zeugen beibringen, die bestätigen, dass Sam ein guter und fähiger Vater ist. Leider sind seine Freunde als glaubwürdige Zeugen nicht geeignet.

Am ersten Verhandlungstag sagt die Psychologin aus und bestätigt im Sinne des Staatsanwalts Turner (Richard Schiff): Sam ist als Erziehungsberechtigter überfordert. Rita weiß von der Psychologin, dass deren Sohn an einer Überdosis Drogen gestorben ist, und zwingt sie zuzugeben, dass auch "normale" Eltern manchmal durchaus überfordert sein können.

Rita selbst benennt Dr. Blake (Mary Steenburgen) als Zeugin - diese ist von einer behinderten Mutter erzogen worden. Staatsanwalt Turner nimmt Dr. Blake ins Kreuzverhör und will beweisen, dass es eigentlich Dr. Blakes Großeltern waren, die in ihrer Erziehung die Verantwortung hatten. Dabei wird er ausfallend und zeigt, wie wenig er von dem ganzen Fall hält. Seine Sorge gilt allein Lucy: Wenn sie nicht bei kompetenten Pflegeeltern aufwächst, so nimmt er an, wird sie in zehn Jahren als jugendliche Straffällige wieder vor dem Kadi stehen.

Szenenfoto Beim nächsten Besuchstermin im Heim überredet die traurige Lucy ihren Vater, mit ihr zu fliehen: Sie will ganz weit wegfahren und unter falschem Namen ein neues Leben beginnen - gemeinsam mit Sam. Die beiden kommen nicht weit. Rita eilt auf die Polizeiwache, um Sam Vorhaltungen zu machen, sieht sich dort aber mit Sozialarbeiterin Margaret konfrontiert und appelliert an deren Mitgefühl - natürlich hätten Sam und Lucy keinen schlechteren Zeitpunkt für ihre Flucht wählen können.

Nachbarin Annie springt endlich über ihren Schatten, wagt sich aus dem Haus und erscheint bei der Verhandlung, um für Sam auszusagen. Als intellektuelle und redegewandte Frau ist sie genau die Zeugin, die Rita braucht: Annies Argumente überzeugen. Doch Turner findet ihre Achillesferse: Als er Annie nach ihrer eigenen Erziehung, nach ihrem Verhältnis zu ihrem Vater fragt, kann sie plötzlich nicht mehr weitersprechen.

Szenenfoto Abends begleitet Sam Rita in ihr prächtiges Haus - sie treffen den introvertierten Willy dort allein an: Sein Vater hat ihn ebenso im Stich gelassen wie Rita. Sie hat sich ihrem Sohn schon fast völlig entfremdet. Heimlich stopft sie Süßigkeiten in sich hinein, um ihre Hilflosigkeit und ihren Frust zu kompensieren.

Rita versucht Sam für seine eigene Aussage in der Verhandlung zu präparieren, probt mit ihm Fragen und Antworten. Sie merkt, dass Sam absolut nicht in der Lage ist, die Unwahrheit zu sagen oder die Wahrheit auch nur zu schönen.

Szenenfoto Um die gerichtliche Auflage zu erfüllen und mehr Geld zu verdienen, will Sam bei Starbucks nun auch Kaffee kochen, doch schnell wird klar, dass er damit überfordert ist. Hinter der Theke löst er eine mittlere Katastrophe aus. Deswegen erscheint er verspätet zum Gerichtstermin: Völlig bekleckert tritt er in den Zeugenstand. Doch er konzentriert sich und macht mit Ritas Hilfe eine bravouröse Aussage, gibt seine eingeschränkten Fähigkeiten zu, besteht aber darauf, dass Lucy die Liebe ihres Vaters braucht. Doch dann nimmt Turner ihn in die Zange - es fällt ihm nicht schwer, Sam zu verwirren und aus dem Konzept zu bringen. Er zwingt Sam zuzugeben, dass Lucy mehr verdient, als Sam ihr geben kann.

Szenenfoto Lucy wird an die Pflegefamilie Carpenter vermittelt, und Randy Carpenter (Laura Dern) bemüht sich sehr um das unglückliche Kind. Sam verliert jede Hoffnung, reagiert nicht auf Telefonanrufe, geht nicht mehr aus dem Haus und verschanzt sich in seinem Wohnzimmer hinter einer Wand aus selbst gefaltetem Papier. Rita bricht in seine Wohnung ein, um mit ihm zu sprechen, denn noch sind nicht alle juristischen Möglichkeiten erschöpft. Sam wirft ihr vor: "Du fühlst doch überhaupt nichts!" Da bricht der seit langem aufgestaute Frust aus Rita heraus: Weinend gesteht sie ihr Unglück, die Untreue ihres Mannes, die nicht mehr überbrückbare Distanz zu Willy. Sam ist beeindruckt. Er rät ihr, sie solle sich von ihrem Mann trennen. Und er ist bereit, mit Rita weiter um Lucy zu kämpfen.

Szenenfoto Er besucht Lucy bei den Carpenters - die Kleine ist wütend, weil er sie so lange nicht besucht hat. Sam kündigt Randy Carpenter an, dass er Lucy zurück haben will. Doch die Carpenters wollen Lucy adoptieren, und das Sozialamt hat nichts einzuwenden.

Sam bezieht ein neues Apartment in der Nähe der Carpenters, um Lucy öfter besuchen zu können, und tritt einen neuen Job in einer Pizza-Hut-Filiale an. Außerdem führt er Hunde aus und verdient so ein paar Dollar zusätzlich. Rita unterstützt ihn, sie hat sich inzwischen tatsächlich von ihrem Mann getrennt. Und sie gesteht Sam, dass sie von ihrer Freundschaft zu ihm viel mehr profitiert als er.

Lucy sehnt sich so sehr nach ihrem Dad, dass sie nachts aus dem Fenster steigt, an der Hauswand hinabklettert, zu Sams Wohnung läuft, dort auf den Balkon im ersten Stock klettert und Sam aus dem Schlaf trommelt. Sam bringt sie zu den Carpenters zurück. So sehr Randy sich auch bemüht, eine verständnisvolle Ersatzmutter zu sein - Lucy hält es ohne Sam nicht aus. Und der neue Gerichtstermin, an dem Randy als Pflegemutter zu dem Fall vernommen werden soll, rückt immer näher ...

Dirk Jasper FilmLexikon
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