Ausführlicher Inhalt zu Montecristo

Szenenfoto Elba, im Jahr 1814. Ein Ruderboot legt an der Insel an, an deren Ufer britische Soldaten patrouillieren, um die Flucht Napoleon Bonapartes aus seinem Exil zu verhindern. Weil sein sterbender Kapitän dringend medizinische Hilfe benötigt, wagt sich Seemann Edmond Dantès (Jim Caviezel) eigenmächtig mit seinem besten Freund Fernand Mondego (Guy Pearce) an Land.

Nach einem kurzen, aber heftigen Gefecht mit den Briten werden die beiden Franzosen zu Napoleon geführt. Als der Morgen anbricht, treten sie die Heimreise an. Niemand weiß, dass der gutmütige, naive Dantès Bonaparte versprochen hat, einen geheimen Brief nach Frankreich mitzunehmen. Ein Brief, dessen Inhalt Dantès nicht kennt, der aber sein glückliches Leben tragisch verändern wird.

Zurück in Marseille erwartet den jungen Seemann im Büro seines Chefs Morrell eine faustdicke Überraschung. Während Danglars (Albie Woodington), der intrigante Maat, Dantès der Befehlsverweigerung beschuldigt, belohnt Morell den selbstlosen Einsatz für seinen sterbenden Vorgesetzten mit der Beförderung zum Kapitän. Entsetzt nimmt nicht nur Danglars diese Nachricht hin, sondern auch der reiche und versnobte Mondego, der sich erneut von seinem gesellschaftlich weit unter ihm stehenden Jugendfreund überholt sieht. Denn jetzt verdient Dantès genug, um endlich seine große Liebe Mercédès (Dagmara Dominczyk) heiraten zu können, die Mondego ohne Wissen seines Freundes umwirbt. So zieht sich der heimliche Rivale gedemütigt zurück, während Mercédès und Edmond ihren Gefühlen nachgeben. Sie ahnen nicht, dass das erste auch das letzte Mal sein wird. Denn Mondego denkt an Verrat und weiß auch schon das Mittel, um Dantès mit Danglars Hilfe für immer von Mercédès zu trennen.

Szenenfoto In der nächsten Nacht wird der arglos Liebende aus dem Haus seines Vaters geholt. Villefort (James Frain), Marseilles oberster Richter, bezichtigt ihn des Hochverrats, doch der grundehrliche Dantès kann den Ankläger überzeugen, dass er, des Lesens und Schreibens nicht mächtig, den verschwörerischen Inhalt des Briefs nicht kannte, der Napoleons Rückkehr nach Frankreich vorbereiten sollte.

Als sich schon alles zum Guten zu wenden scheint, nennt Dantès den Namen von Bonapartes bisher nicht aufgetauchter Kontaktperson und besiegelt damit sein Schicksal. Hilflos mußs er zusehen, wie die Einsicht Villeforts ins Gegenteil umschlägt, wie der Brief vor seinen Augen verbrannt wird und eine vergitterte Kutsche auf ihn wartet, die ihn zum berüchtigen Inselgefängnis Chateau d'If bringen soll.

Szenenfoto Als sich Dantès am Hafen die Chance zur Flucht bietet, nutzt er sie. Nur noch einer kann ihm jetzt helfen: sein bester und einflussreicher Freund. Doch im luxuriösen Anwesen Mondegos erwartet ihn schon der Degen eines Mannes, der jetzt Verachtung und Hass in seinen Gesichtszügen trägt. Es kommt zum Duell, in dem mangelnde Erfahrung und Ungeschicklichkeit gegen aristokratische Eleganz und Fechtkunst chancenlos bleiben. Als Villeforts Männer eintreffen, überlässt Mondego Dantès seinem Schicksal. "Zur Erinnerung an bessere Zeiten" sind seine letzten Worte, mit denen er eine Schachfigur in die Hände seines Freundes legt, der nun für immer matt gesetzt ist. Denn das Chateau d'If verlässt man nur als Leiche.

Verzweifelte, dickste Mauern durchdringende Schreie empfangen Dantès, als er die entlegene, hoch auf einem Felsplateau thronende Festung betritt. "Ich bin unschuldig", ruft er Dorleac (Michael Wincott) zu. "Ich weiß", antwortet der sadistische Gefängnisleiter gelassen und lässt Dantès mit der Peitsche spüren, wie er hier Neuankömmlinge begrüßt und sie von nun an jedes Jahr an diesen Tag erinnern wird. Während in Marseille sich Mondego heuchlerisch für seinen Freund einsetzt, wird eine kleine, hässliche und düstere Steinzelle zum frühen Grab eines jungen Mannes. "Gott wird mir Gerechtigkeit verschaffen" ritzt er in die nackte Wand, doch die Jahre vergehen ohne die Spur einer Hoffnung, dass dieser Wunsch auch wirklich einmal erfüllt werden wird.

Szenenfoto Sieben lange Jahre in quälender Einsamkeit ziehen dahin, bis sich eines Tages plötzlich der Boden bewegt, Steine aufbrechen und ein alter Mann dem erstaunten Dantès in die leeren Augen blickt. Fünf Jahre hat Abbé Faria (Richard Harris), wie Dantès unschuldig zum Sterben verdammt, an einem Tunnel in die Freiheit gegraben. Zu seiner sichtlichen Verwunderung in die falsche Richtung. Das Missgeschick des ehemaligen Geistlichen bringt die beiden Männer zusammen, lässt sie einen Pakt schließen, der beiden nützen soll. Für die Mithilfe beim Graben eines neuen Tunnels wird Faria Dantès in Sprachen, Kultur, Mathematik, Philosophie, Wirtschaft und Fechten unterrichten. So wird aus dem verzweifelten Häufchen Elend ein athletischer, gebildeter, aber auch gefühlskalter Mann, in dessen Herz nur der Gedanke an Rache Platz zu haben scheint.

Szenenfoto Weitere sechs Jahre vergehen, in denen die Männer zu engen Freunden werden. Faria erkennt, dass der Schlüssel zur Verbannung seines Mithäftlings Bonapartes Kontaktperson sein mußs, deren Enttarnung als Landesverräter Villeforts Karriere sofort beendet hätte. Nun erfährt Dantès auch von dem geheimen Schatz, der Farias Schicksal besiegelte, weil er dessen Versteck Bonaparte nicht verraten wollte. Tag für Tag arbeiten sich die Freunde im Tunnel vor, bis der Weg in die Freiheit ganz nah scheint. Da begraben einstürzende Gesteinsmassen den alten Abbé unter sich.

Doch die Tragödie des einen wird zum Glück des anderen. Eingeschnürt in einen Leichensack, nimmt Dantès Farias Platz ein, wird hinaus zu den Klippen getragen und ins Meer geworfen, bevor die Nachricht der Entdeckung seiner List ihr Ziel erreichen kann. Im Fallen zieht er Dorleac mit in die Tiefe, befreit sich im Wasser, das sein Grab werden sollte, und erstickt den Mann, der ihn 13 lange Jahre mit sadistischer Freude quälte.

Szenenfoto Als der Flüchtige von der See an Land gespült wird, scheint sich das Leben ein weiteres Mal gegen ihn verschworen zu haben. Luigi Vampa - Pirat, Schmuggler und gegebenenfalls auch Halsabschneider - bestaunt mit seinen Männern das merkwürdige Treibgut und zwingt Dantès zu einem Duell auf Leben und Tod mit dem Piraten Jacopo (Luis Guzman), der in Ungnade gefallen ist und sterben soll. Fast mühelos besiegt Dantès den versierten Messerstecher, verschont sein Leben und gewinnt einen Freund, der ihm ewige Treue schwört.

Zurück in Marseille sucht er Morrell auf, der seine Firma an Danglars verloren hat und seinen ehemaligen Schützling nicht wiedererkennt. So wahrt Dantès sein Geheimnis, erfährt vom Selbstmord seines Vaters und dem Treueverrat von Mercédès, die schon einen Monat nach seiner Einlieferung ins Chateau d'If Fernand Mondego geheiratet und einen Sohn namens Albert hat. Geschockt und in seinen Racheplänen gestärkt, reist Dantès mit Jacopo nach Monte Christo und findet den Schatz. Jetzt ist er ein reicher Mann, der alle seine Feinde ruinieren und vernichten kann. Sie sollen leiden, denn der Tod wäre zu große Gnade.

Szenenfoto Monate später stellt sich Dantès der Pariser Gesellschaft mit einem pompösen Ball und einem grandiosen Entree als Graf von Monte Christo vor. Unnahbar und geheimnisvoll bleibend, setzt er seine Rachepläne unerbittlich in die Tat um. Über Strohmänner kauft er sich in die Schulden Mondegos ein, der nicht nur sein Vermögen, sondern sich auch längst die Zuneigung seiner Frau verspielt hat. Mit einer inszenierten Entführung Alberts und folgender heroischer Befreiung gewinnt er das Vertrauen des Jungen, zu dessen 16. Geburtstag er wie ein orientalischer Großfürst erscheint. Und mit Hilfe des ahnungslosen Albert setzt er Informationen über den Schatz gezielt in die Welt und stellt damit Danglars eine Falle, die ihn das Leben kostet. Auch Villefort verfängt sich rettungslos im ausgelegten Netz und endet dort, wo Dantès' Leidensweg begonnen hatte: im Chateau d'If.

Die gnadenlose Härte des besessenen Rächers kapituliert schließlich nur vor Mercédès, die die wahre Identität des Grafen längst durchschaut hat. Noch immer trägt sie den Liebesbeweis aus jenen glücklichen Tagen und öffnet Dantès die Augen, warum sie so schnell Mondego heiraten mußste. Für eine einzige Nacht weicht erstmals der Hass, lässt einen Mann wieder lieben, der nach 16 Jahren erfährt, dass nicht sein größter Feind, sondern er selbst einen Sohn hat. Doch die Vollendung der Rache bleibt stärker als die Hoffnung auf Glück. Denn noch lebt der Mann, der endlich bezahlen, endlich den Tod finden soll ...

Dirk Jasper FilmLexikon
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