Produktionsnotizen zu Montecristo

"Gott wird mir Gerechtigkeit verschaffen."
Edmond Dantès

Schon bei der Besetzung von Montecristo legte man größten Wert auf Gegenwartsbezug, auf ein modernes Erscheinungsbild. "Nicht zuletzt deshalb suchten wir nach neuen Talenten", erklärt Gary Barber. "Jim Caviezel war überragend in Der schmale Grat und ebenso Guy Pearce in L.A. Confidential. Darüber hinaus hat Guy in Europa durch die australische Seifenoper "Neighbors" bereits große Popularität erreicht." "Wir wollten eine junge, talentierte und natürlich auch attraktive Besetzung", stimmt Roger Birnbaum Gary Barber zu. "Frisches Blut sollte den Film wirklich spektakulär aussehen lassen". Dazu zählt auch die aufregende Neuentdeckung Dagmara Dominczyk als Mercédès. Die Hauptrollen rundet schließlich Schauspielerlegende Richard Harris als Abbé Faria ab.

" Montecristo beschreibt die Reise eines Mannes zu den dunkelsten Abgründen seiner Seele", erklärt Jim Caviezel seine Figur, die sich von einem aufgeschlossenen Idealisten zum eiskalten Rächer wandelt. "Meine Brücke zu dieser Rolle war der Gedanke, seinen Glauben zu verlieren, Gott zu hassen, aber einen Weg zurück zu seinem Frieden zu finden. Der Mann, den ich spiele, geht durch die Hölle, um ein besserer Mensch zu werden. Für den jungen Dantès ist die Welt gut, er sieht sie im Grunde wie ein Kind. Diese Sichtweise verändert sich allmählich. Dantès wird durch die Umstände zum Opfer und versteht nicht, warum ihm das passiert. Ich habe versucht, mich damit zu identifizieren, indem ich auf eigene Erfahrungen aus meinem Leben zurückgriff."

Zur Vorbereitung auf seine Rolle stützte sich Caviezel auf den Roman. "Ich habe mir keine der Verfilmungen angesehen, weil ich unbeeinflusst bleiben wollte", erklärt Caviezel seine Strategie. Ich bin Schauspieler und wenn ich jemanden beobachte, nehme ich unbewusst Dinge an, die mir gefallen. Wenn ich also etwa Richard Chamberlain oder Gérard Depardieu in dieser Rolle gesehen hätte, wäre genau das passiert. Man hätte gesagt 'Oh, das ist Depardieu'. Genau deshalb habe ich mich so akkurat wie möglich an Dumas gehalten."

Um sich auf die Rolle einzustimmen, betrieb Caviezel umfangreiche historische Recherchen. "Ich habe sehr viel über Napoleon und sein Leben gelesen", erinnert sich der Schauspieler. "So erfuhr ich viel über seine korsische Herkunft, seine Zeit in einer Militärschule und über seine gesellschaftliche Position dort, die unter der seiner Mitschüler war. Diese Situation war mir aus eigener Erfahrung vertraut, als ich auf eine Schule wechselte, in der ich mich wie ein Außenseiter fühlte. Diese Parallelen nutzte ich für die Ausarbeitung meiner Rolle." Guy Pearce, der vielseitige Star aus L.A. Confidential, "Priscilla - Königin der Wüste" und Memento, ist in der Rolle von Fernand Mondego, Dantès' Erzrivalen, zu sehen. "Ich fand Guy großartig in L.A. Confidential", schwärmt Kevin Reynolds. "Er ist durch und durch Schauspieler und schlüpft wirklich in die Haut der von ihm porträtierten Figuren. Genau diese Fähigkeiten suchte ich für die Rolle des Fernand, und Guy enttäuschte mich nicht. Ihn bei der Arbeit zu beobachten, hat wirklich Spaß gemacht."

Mondego ist ein sehr komplexer Bösewicht und bildet einen ganz eigenartigen charakterlichen Kontrast zu Dantès. "Mit diesem Film", so Pearce, "haben wir uns die Freiheit erlaubt, diese beiden Hauptfiguren zu Jugendfreunden zu machen. Damit steht innerhalb dieser Beziehung noch mehr auf dem Spiel als noch bei Dumas. In der außergewöhnlichen Vorlage kennen sich diese Männer kaum. Fernand ist jung und liebt Mercédès, weiß aber, dass ihr Herz einem anderen gehört und versucht deshalb alles, um den Rivalen loszuwerden. Auch in unserem Film führt Eifersucht schließlich zum Verhängnis, aber das Gefühl, dabei einen Freund verraten zu haben, erhöht das Konfliktpotenzial erheblich."

Pearce faszinierte die Herausforderung, einen Mann zu verkörpern, der seinem Freund das Leben rettete, es ihm später aber auch nahm. "Mondego hat im Grunde alles, was er will - von der gesellschaftlichen Position bis hin zu großem Reichtum. Trotzdem ist er unglücklich. Dantès hingegen, besitzt nichts dergleichen, aber er ist unendlich glücklich, weil Mercédès ihn liebt. Das macht aus Fernand eine frustrierte, neidische Figur, die darüber hinaus auch sehr voreingenommen und herablassend ist.

Weil ich als Kind selbst einige Jahre auf eine ziemlich exklusive Privatschule ging, sind mir verzogene Wichtigtuer durchaus vertraut. So verstand ich das Gefühl, in einen gnadenlosen Wettbewerb mit anderen eintreten zu müssen, die Arroganz und die Selbstsucht. Das alles konnte ich gut in meine Darstellung einfließen lassen. Wenn Fernand neben Verbitterung und Eifersucht auch Schuldgefühle gegenüber Edmond fühlt, dann unterdrückt er sie. Sowohl seelisch als auch körperlich entwickelt er sich so allmählich zu einer hässlicheren Person. Besonders in späteren Lebensjahren ist das körperliche Erscheinungsbild eines Menschen im Grunde eine Reflexion seines seelischen Zustands. Genau deshalb war es wichtig, den älteren Fernand schroff und etwas lahm erscheinen zu lassen. So sehr er sich auch bemüht, seine Überlegenheit durch Verhalten und Auftreten spürbar werden zu lassen, wird er doch von seinem Aussehen verraten. Frauen, Wein und andere typisch extravagante Laster hat dieser Mann zu sehr genossen.

Die Peinlichkeit seiner Figur erhöht sich noch dadurch, dass er sich immer noch für den Pfau hält, der er vielleicht einmal gewesen ist. In dieser Geschichte geht es um Rache. Der Zuschauer soll sich mit Dantès völlig identifizieren, sozusagen selbst Rache an Fernand nehmen können."

ine wie keine Jim Caviezel und Guy Pearce unterzogen sich einem einmonatigen Intensivtraining, um sich auf die Fechtszenen vorzubereiten. "Jeden Tag haben wir mindestens drei Stunden geübt", erzählt Caviezel, "und darüber hinaus noch freiwillige Trainingseinheiten investiert. Es reicht nicht, zum Training zu erscheinen, zu üben und dann wieder zu gehen. Man mußs viel mehr Zeit dafür opfern, bis an einem Punkt angelangt, an dem man nicht mehr denkt, sondern nur noch reagiert. Die letzte Szene im Weizenfeld zu drehen, war besonders problematisch, denn es war extrem rutschig. Es war großartig, zusammen mit Guy die Fechtszenen zu üben. Gerade in diesen Momenten erkannte ich seine Arbeitsweise, seine Disziplin und sein großes Engagement. Guy ist herausragend - sowohl als Athlet als auch als Schauspieler."

"Eigentlich habe ich bereits mit ungefähr elf Jahren Fechten gelernt", erinnert sich Guy Pearce. "Und ich hielt mich für ziemlich gut, nahm an Kämpfen teil und gewann einige Medaillen. Genützt haben mir diese Erfahrungen für die Dreharbeiten aber nicht. Denn als ich in Irland ankam, mußste ich feststellen, dass ich alles verlernt hatte und ganz von vorne beginnen mußste. Schließlich waren über 20 Jahre vergangen. Fechten ist eine sehr schwierige Sportart mit vielen kleinen spezifischen Details, auf die man sich konzentrieren mußs."

Dagmara Dominczyk kannte den Roman von Dumas bereits aus ihrer High School-Zeit. "Ich liebte diese smarte Geschichte", schwärmt die in Polen geborene Newcomerin, "diese Mischung aus Romantik und Intrige. Mir gefiel auch, dass Mercédès im Drehbuch ganz weiblich wirken, aber in ihrer Verletzlichkeit auch Stärke demonstrieren durfte. Sie ist bereit, Kompromisse zu machen, erkennt aber in ihrer Opferbereitschaft ihre Kraft. Ich mochte auch, dass man ihre Entwicklung mitverfolgen konnte - vom 18-jährigen, total verliebten Mädchen bis hin zu dieser Frau, die sie nach all den Jahren und Ereignissen schließlich wird."

Diese Veränderung von der idealistischen 18-jährigen zur vom Leben abgehärteten Frau und Mutter darzustellen, empfand die klassisch ausgebildete Schauspielerin als große Herausforderung. "Wenn man Mercédès zu Beginn sieht", so Dominczyk, "hält sie die Welt in ihrer Hand, ist voller Hoffnung und Freude. Das alles wird ihr weggenommen. Ich habe mich erinnert, wie ich 18 und erstmals richtig verliebt war. Aber es geht nicht nur um die Emotion, sondern auch das Erscheinungsbild, die Stimme und die Kostüme. Mercédès sieht aus wie ein Engel, aber sie kann sich auch durchsetzen, ist temperamentvoll und um keine Antwort verlegen. Dann mußs ich mit ihr einen Sprung von zehn, elf oder zwölf Jahren machen.

Aufgrund eigener Erfahrungen verstehe ich diese Reifung, dieses Gefühl von Verantwortung, das sich ergibt, wenn man einen Haushalt führen mußs." Bei der Ausarbeitung ihrer Rolle empfand die junge Schauspielerin Regisseur Reynolds als große Hilfe. "Wir haben uns gegenseitig total vertraut", erzählt Dominczyk. "Kevin hat die Figur ganz in meine Hände gelegt. Es gibt eine sehr emotionale Szene, als mein Filmsohn Albert seinen 16. Geburtstag feiert und ich erkenne, dass der Graf in Wirklichkeit Edmond Dantès ist.

Es ist eine herzzerreißende Situation und wir haben verschiedene Takes davon aufgenommen. Durch sehr konkrete, mir zugeflüsterte Hinweise hat Kevin kleine Nuancen verändert. Er war wie ein Dirigent und stets sehr prägnant in seinen Anweisungen. Ich habe jede seiner Anregungen sofort umsetzen können. Gegenseitiges Vertrauen zeichnete unsere Beziehung aus. Ich konnte improvisieren, aber auch mit seiner Hilfe rechnen, wenn ich sie denn brauchte."

Auch von ihren beiden Partnern vor der Kamera war Dominczyk sehr angetan. "Die Zusammenarbeit war großartig, denn Jim und Guy unterscheiden sich nicht nur in ihren Persönlichkeiten, sondern auch ihren schauspielerischen Techniken. Jim ist wie ein Ingenieur, arbeitet sehr bedächtig und introvertiert, aber sobald die Kamera läuft, ist er präsent. Sein Blick ist sehr intensiv, gerade durch diese großen blauen Augen, die alles vermitteln können. Guy dagegen ist spontaner und spricht über eine Szene, bevor sie gedreht wird."

Die irische Schauspiel-Legende Richard Harris spielt Dantès' Mithäftling und Mentor, den weisen alten Abbé Faria. "Nach 35 Jahren, in denen ich Richard Harris im Kino bewundern konnte, empfand ich es als Privileg, mit ihm zusammenarbeiten zu können", gesteht Kevin Reynolds. Wie alle Profis weiß auch er genau, wie er sich und seine Figur am besten in Szene setzen kann. Unglaublich, welche Nuancen er in eine bestimmte Situation einbringen kann. Nur ein Blick, eine Geste oder eine bestimmte Betonung kann so vieles aussagen, und seine große Erfahrung hat ihn gelehrt, was er in einem bestimmten Moment einsetzen mußs."

"Richard Harris ist eine Ikone", stimmt Gary Barber in das Lob ein. Die Rolle des Abbé ist maßgeschneidert für ihn. Er könnte sie auch ohne besonderes Make-up oder ein spezielles Kostüm ohne Qualitätsverlust spielen." Für den Abbé entwarf Harris eigens eine biografische Vorgeschichte, weil er die Figur und das Skript sehr mochte. "Als junger Mann", so Harris, "war der Abbé ein Idealist, gehörte zur Armee Napoleons und träumte von der Republik. Dann, eines Nachts, wird ihm eine schreckliche, inhumane Tat befohlen. Später wird er von Reue gequält, desertiert und wird Priester. All das spielt sich vor den Ereignissen des Films ab.

Noch vor seinem Dienst an Gott wird er Privatsekretär eines sehr reichen Mannes. Mit dem Tod des Mannes verschwindet sein Vermögen spurlos. Napoleon glaubt, Faria kenne das Versteck und tatsächlich irrt er sich nicht. Aber Faria schweigt und landet im Gefängnis. Und auch dem neuen Regime verrät er das Versteck des Schatzes nicht, der nur für einen guten Zweck eingesetzt werden soll."

An diesem Punkt lernt man den Geistlichen im Film kennen. Er hat gerade versucht, durch einen selbst gegrabenen Tunnel auszubrechen, verkalkuliert sich aber und landet in Dantès' Zelle. Das markiert den Beginn einer langen und engen Freundschaft. "Der Abbé unterrichtet Dantès in Wirtschaft und Mathematik", erläutert Harris weiter, "lehrt ihn aber auch, sich zivilisiert und nicht rachsüchtig zu verhalten. Wäre dem Abbé die Flucht geglückt, wäre aus ihm wahrscheinlich ein Mann wie Nelson Mandela geworden. Ich bin Mandela einmal begegnet und war sehr beeindruckt von ihm. Ich fragte ihn, ob seine lange Inhaftierung dafür verantwortlich war, dass er sich von der Gewalt lösen konnte, und er bejahte meine Frage. Dem Abbé wäre es wohl ähnlich ergangen."

Die grüne Insel und die Festung der Einsamkeit Gedreht wurde Montecristo zu großen Teilen in Irland. In den Ardmore Studios entstanden die große Treppe und die bedrohlichen Gänge, die Zellen und Ecken des Chateau d'If sowie Mondegos luxuriöses Stadthaus. Der andere zentrale Drehort war Malta, das vor allem wegen seiner gut erhaltenen Bausubstanz ausgewählt wurde. "Wir suchten das Authentische, wollten aber finanziell einen bestimmten Rahmen nicht überschreiten", begründet Gary Barber die Auswahl der Schauplätze. "In Irland fanden wir beides erfüllt und erhielten darüber hinaus von den Einheimischen wunderbare Unterstützung. Die Entscheidung für Malta fiel aufgrund seiner Lage und der Optik von Natur und Architektur. Wir konnten eine tolle Panorama-Aufnahme vom Hafen drehen und mußsten dabei das Geld nicht zum Fenster hinauswerfen."

Bevor Kevin Reynolds und Produktionsdesigner Mark Geraghty in Maltas historischem Hafen fündig wurden, hatten sie ganz Frankeich und Italien nach einem geeigneten Drehort durchkämmt, um den Hafen von Marseilles des Jahres 1814 auf Film bannen zu können. "Im größten Teil Europas dominiert längst moderne Architektur", so Reynolds, "aber Malta sieht immer noch einzigartig aus mit seinen alten, aus riesigen Steinblöcken errichteten Festungen. Ich kann mir keinen anderen Ort vorstellen, an dem wir einen Mittelmeerhafen um 1815 hätten nachbilden können." Und Mark Geraghty fügt hinzu: "Die Architektur ist nahezu perfekt. Wenige Häfen sind so wie dieser in der Lage, riesige Schiffe aufzunehmen."

Zur Vorbereitung auf den Film recherchierte die Designcrew in den unterschiedlichsten Quellen, durchforstete das Internet und alte Zeitungsausschnitte, las historische Bücher über Rom, Paris und Marseille, studierte frühere Verfilmungen des Stoffes und nahm jedes erdenkliche Detail auf, um dann einen neuen, ganz individuellen Look zu kreieren. "Wir ließen uns von großen Künstlern wie Turner und Canaletto inspirieren", erläutert Geraghty. Wichtig war vor allem, die kontrastierenden Lebensstile herauszuarbeiten, wie Dantès sich vor seiner Inhaftierung und schließlich 13 Jahre danach präsentierte."

Auf der bei Malta gelegenen Insel Comino fand man den perfekten Schauplatz für das berüchtigte Chateau d'If, für eine Festung, die auf der Spitze schwindelerregend hoher Felsen über dem Meer thront. Am Fuß der Klippen fand die Crew eine Höhle, die schließlich als Gefängniseingang genutzt wurde. "Es war einfach unglaublich", schwärmt Geraghty. "Wir haben sogar das Drehbuch geändert, als wir auf diesen Ort stießen. Ursprünglich gingen wir nach Comino, um dort die Szenen auf der Insel Monte Christo zu drehen, wenn nach dem legendären Schatz gesucht wird. Und dann hat uns der Anblick schlicht überwältigt. Wir hätten es selbst nicht besser entwerfen können. So haben wir den Entwurf für unser Gefängnis an diese Szenerie angepasst. Jetzt fliegen die Leichen der Insassen nicht mehr über die Zinnen der Festung, wie es ursprünglich im Skript stand, sondern vom Klippenrand tief ins Meer. Das sieht viel dramatischer aus."

Für das opulente Stadthaus Mondegos baute die Crew eine luxuriöse und extrem detaillierte Nachbildung eines historischen Pariser Hauses auf. Das französische Vorbild war Regisseur Reynolds Jahre zuvor aufgefallen und wurde nun zum Modell, das Geraghty für den Film akkurat duplizierte. "Mark hat Wunderbares geleistet", schwärmt Reynolds, "das Innenleben des Hauses gehört zu den schönsten Sets, auf dem ich je drehen durfte."

Kostüme aus der Napoleonischen Zeit zu entwerfen, war für Tom Rand keine gänzlich neue Erfahrung, hatte er doch vor langer Zeit an Ridley Scotts Regiedebüt "Die Duellisten" mitgearbeitet. "Ich hoffe, ich habe in den vergangenen 24 Jahren einiges dazugelernt", erzählt Rand. "Ich jedenfalls fühle mich heute viel besser präpariert als damals. Mein Ziel ist es immer, dass die Charaktere in ihren Kostümen widergespiegelt werden. Es soll letztlich nicht Kostüm, sondern Kleidung und dem Darsteller bei der Ausarbeitung seiner Figur behilflich sein." Weil sich die drei Hauptfiguren im Verlauf der Handlung dramatisch verändern, fällt auch der Kleidung eine zentrale Rolle zu. "Sie ist mitentscheidend für einen Film wie diesen", weiß auch Kevin Reynolds. "Die Persönlichkeiten sind auch über ihre Kleidung repräsentiert. So war es zum Beispiel enorm wichtig, und dies habe ich auch Tom Rand gesagt, dass Dantès bei seiner Rückkehr als Graf eine kommandierende Autorität ausstrahlen mußs, wenn er den Saal betritt. Man mußs es ihm sofort ansehen."

"Das Schwierigste war dabei, Dantès für seine neue Identität komplett neu zu erfinden", gibt Rand einen Einblick in die Probleme seiner Arbeit. "Protzigen Aufputz wollte ich dabei unter allen Umständen vermeiden. Zur Orientierung habe ich mich strikt an zeitgenössische Porträts gehalten. Lord Byron bereiste den Nahen Osten und trug danach Turbane und exotische Roben, das war mein Ansatzpunkt für die Einkleidung des Grafen." Ein ganz anderes Kapitel ist Mondego. "Er sieht aus wie ein extravaganter Regent und Platzhirsch aus dieser Zeit, ein bisschen wie auf den Porträts von Beau Brummell. Mondego liebt sich und sein Image, aber er pflegt es relativ schlampig. Er trinkt viel zu viel, trägt feine Kleidung, aber pflegt sie nicht. Er sieht stinkvornehm aus, aber wirkt dabei doch etwas schlampig."

Die Zeit und den Rahmen der Geschichte akkurat wiederzubeleben, lag den Filmemachern in allen Bereichen am Herzen. "Für mich bedeutete schon immer das Detail absolut alles", erläutert Rand sein Credo. "Daraus nämlich erwächst Wirklichkeit und in der Folge schließlich Romantik. Wenn man sich nur auf die Fechtduelle konzentriert, wird man am Ende einen Film im Kasten haben, wie ihn Hollywood in den Dreißigerjahren produzierte. Man mußs immer authentisch, ganz nah an der Realität bleiben. Nur das Wirkliche ist wirklich interessant."

Dirk Jasper FilmLexikon
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