Produktionsnotizen zu Crime is King

Crime is King spielt mitten im quirligen Hochglanzchaos der Internationalen Elvis-Woche in Las Vegas: Tausende von Elvis-Imitatoren bevölkern die Stadt, um wenigstens ein paar Minuten im Rampenlicht zu stehen. "Ein Dieb kann sich gar keine bessere Situation ausdenken", sagt Regisseur Demian Lichtenstein. "Die Situation ist für einen Überfall in jeder Hinsicht äußerst günstig - überall Durcheinander, Menschenmassen, kostümierte Leute. Was will man mehr?"

Auftritt der "Elvi 5", fünf Ex-Knackis: Alle fünf haben sich in Elvis-Anzüge gezwängt und mit Sonnenbrillen getarnt, aber nur einer von ihnen trägt seine Koteletten auch aus Überzeugung. "Murphy ist überzeugt, der uneheliche Sohn des King zu sein. Er leidet darunter, dass niemand ihm das abnimmt", sagt Kevin Costner, der als Produzent und Regisseur von Der mit dem Wolf tanzt zwei Oscars gewonnen hat. Hier spielt er Murphy, den Anführer der Räuber. "In Bezug auf Elvis versteht er überhaupt keinen Spaß. Mit dem King verbindet ihn eine regelrechte Hassliebe."

"Kevins Murphy zählt zu den klassischen Schurkenfiguren", sagt Lichtenstein. "Für mich persönlich gehört Murphy auf eine Stufe mit Darth Vader: ein Mann, der für Geld alles tut. Ein ganz durchtriebener Spitzbube."

Murphys rechte Hand bei der Planung des Coups ist sein ehemaliger Zellengenosse Michael, den Kurt Russell darstellt. Russell hat bereits 1979 Elvis Presley gespielt, und zwar in John Carpenters Fernsehfilm "Elvis - the King". Laut Kurt Russell ist Michael zwar nicht so bösartig wie Murphy, aber dennoch einer der Bösen. "Loser sind sie beide", sagt Russell, der mit seinen letzten Filmen Breakdown und Star Force Soldier Hits verbuchen konnte. "Doch trotz seiner kriminellen Energie entdeckt Michael jetzt sein Gewissen. Das hält ihn zum Beispiel davon ab, beim Überfall mit derselben brutalen Härte vorzugehen wie Murphy. Er will einfach nur das Ding drehen, ohne aufzufallen, ohne mit den Kanonen herumzufuchteln."

Zu Murphys Gang gehören außerdem Hanson, gespielt von Christian Slater "Rufmord - Jenseits der Moral"; "True Romance"; Gus, gespielt von David Arquette ("Ready to Rumble"; Scream - Schrei!; und Franklin, gespielt von Bokeem Woodbine "The Big Hit"; "Dead Presidents". Der Sportler/Schauspieler Howie Long Operation: Broken Arrow stellt Jack dar, den Helikopterpiloten, dem beim Überfall eine Schlüsselrolle zukommt.

Murphys Plan ist einfach: Rein, Geld abgreifen, raus - und zwar schnell. Doch leider läuft nicht alles wie geplant: Das Casino verwandelt sich in ein Trümmerfeld, es kommt zu einem Gemetzel, in dem auch Franklin getroffen wird. Dennoch gelingt es den Räubern in ihren Glitzeranzügen, 3,2 Millionen Dollar zu erbeuten und per Helikopter vom Hoteldach zu entkommen.

Als es darum geht, die Beute aufzuteilen, wendet Murphy sich plötzlich gegen sie: Er will die anderen ausschalten, um mit den Millionen allein abzuhauen. "Jedes Mitglied der Gang spielt bei dem Überfall eine entscheidende Rolle", sagt Lichtenstein. "Dann entpuppt Murphy sich als perfider Verräter - Michael ist so schockiert, dass das explosive Duell zwischen den beiden schon vorprogrammiert ist. Michael ist zu clever, um sich so einfach aus dem Weg räumen zu lassen."

Michael überlebt den Komplizenmord, schnappt sich die versteckte Beute und macht sich auf den Weg, um die registrierten Banknoten bei einem Hehler einzutauschen - doch Murphy bleibt ihm auf den Fersen. Michael wohnt passenderweise im Last Chance Motel, wo er sofort mit Cybil anbändelt - dargestellt von Courteney Cox, die vor allem als Monica aus der langjährigen Hitserie Friends bekannt ist. "Der Typ sieht gut aus, hat eine Menge Kohle", sagt Cox. "Da denkt sie sich: ,Der lädt mich mindestens zum Essen ein, vielleicht bleibt er auch über Nacht, und möglicherweise kann ich sogar mit ihm von hier verschwinden.' Sie nutzt ihn einfach aus."

"Michael ist von Cybil schwer beeindruckt", sagt Lichtenstein. "Sie ist eine Wildkatze, schlagfertig und witzig. Und er ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden!" Was die Sache kompliziert macht: Cybil hat ihr eigenes Päckchen zu tragen, nämlich ihren vorlauten kleinen Sohn Jesse (David Kaye), der zur Kleptomanie neigt, weil ihm ein väterliches Vorbild fehlt.

Nach einer wilden Liebesnacht mit Cybil merkt Michael, dass sie und Jesse seinen langgehegten Traum von der grenzenlosen Freiheit auf seinem Boot ernsthaft gefährden. Russell weist darauf hin, dass Michael nicht einfach nur ein Krimineller ist, der sich nach diesem letzten Coup zur Ruhe setzen will - er mußs gleichzeitig seine Vergangenheit aufarbeiten, deretwegen er sich von der Welt abgeschottet hat. "dass Cybil und Jesse ihm die unausgesprochene Sehnsucht nach einer Familie erfüllen könnten, macht ihn angreifbar", sagt Russell. "Er fühlt sich zu ihr hingezogen, möchte ihr vertrauen, weiß aber nicht, ob er sich das leisten kann. Und auch mit dem kleinen Jungen versteht er sich immer besser. Die Szenen zwischen den dreien liegen mir besonders. Ein ungewöhnliches Trio, das unter reichlich chaotischen Umständen zur Familie zusammengeschweißt wird."

Michael und sein unverhoffter Familienzuwachs irren mit einem verbeulten Plymouth Valiant durch den Westen, während Murphy ihnen in dem knallroten 59er-Caddy-Cabrio folgt, das er Michael gestohlen hat. Fünfeinhalb Jahre haben die beiden in derselben Zelle gesessen - sie können also sehr gut einschätzen, wie der andere sich in jeder Situation verhalten wird. Das Blatt wendet sich mal zugunsten des einen, dann des anderen, doch an der Ziellinie gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden - immer verfolgt von Ordnungshütern der Bundes-, Staats- und der örtlichen Polizei.

Trotz ihrer tödlichen Differenzen halten Michael und Murphy die ungeschriebenen Regeln ihres Ehrenkodex ein. Russell erklärt: "Ihr Verhältnis bleibt während der gesamten Handlung intakt. Beide bekommen sie die Gelegenheit, den anderen wegen des Überfalls zu verpfeifen, aber sie tun es nicht."

Russell glaubt, dass jedermann von einem solchen großen Coup träumt. "Filme über solche Coups stellen ein typisch amerikanisches Genre dar - das hat mit unserer Vergangenheit zu tun", sagt er. "In der Hinsicht bleiben wir unverbesserliche Romantiker - Gesetzlose sind attraktiv, weil sie der Autorität trotzen. Der Film macht riesig Spaß - es gibt viel zu lachen, gefährliche Situationen, Abenteuer, und man weiß nie, was als nächstes passiert."

"Wenn es um Millionen geht, dann legt jeder die Karten auf den Tisch - charakterlich trennt sich die Spreu vom Weizen", sagt Costner. "Ein Schüchterner wird plötzlich mutig; Helden zeigen ihre fiesen Seiten. Beiden Hauptfiguren geht es ums Geld, aber aus verschiedenen Gründen. Murphy wird jedenfalls so lange kämpfen, bis einer von ihnen tot am Boden liegt." "Wir alle finden die Vorstellung toll, dass man gegen jede Chance groß absahnen könnte, um dann mit dem Mädchen in den Sonnenuntergang zu segeln", sagt Lichtenstein. "Ich wünsche mir, dass es den Zuschauern Spaß macht, für kurze Zeit die Zügel einfach mal loszulassen und mit unseren Hauptfiguren sehr gefährlich zu leben." "Ein echt abgedrehter und witziger Film", stimmt Cox zu. "Und die Liebe kommt auch nicht zu kurz."

Die Gang wird rekrutiert Als sich plötzlich hochkarätige Stars wie Kevin Costner, Kurt Russell und Courteney Cox für das Projekt interessierten, merkte Regisseur Demian Lichtenstein, dass er einen echten Knüller gelandet hatte. "Diese Darsteller stehen an der Spitze ihrer Zunft", sagt er. "Natürlich hatte ich mir immer gewünscht, dass ich eine Riege von gestandenen Schauspielern zusammenbekommen würde - aber jetzt habe ich mein Dream-Team."

Mit unerschütterlichem Enthusiasmus und etlichen Storyboards bewaffnet sprach Lichtenstein zunächst bei Costner vor. Dazu der Schauspieler: "Demian hatte mich auch zuvor schon ein paarmal besucht, allerdings nicht, um speziell dieses Projekt zu besprechen. Er achtete höflich darauf, dass er mit seinem Wunsch nicht wie ein Orkan über mich hereinbrach. Wie er die Story dann präsentierte, war einfach toll. Er hat das Zeug dazu, war auf alles vorbereitet."

Lichtenstein hatte sich ursprünglich Kevin Costner als Held Michael vorgestellt - Kurt Russell sollte den Schurken Murphy spielen. Doch die Schauspieler reagierten anders als vorgesehen: Costner fand den Bösen attraktiver. "Michael erinnerte mich zu sehr an die Rolle, die ich in Perfect World gespielt habe", sagt Costner. "Solche Figuren habe ich schon dargestellt - sie drehen durch und hören nicht mehr auf ihr Gewissen, wenn sie provoziert werden. Doch für mich ganz neu war dieser pathologische Kriminelle, der von vornherein überhaupt kein Gewissen hat. Den fand ich am interessantesten. Also habe ich Demian vorgeschlagen, die Murphy-Rolle mir zu geben."

Zu Costner und Lichtenstein gesellte sich der Produzent Richard Spero, der den Stoff Elie Samaha und seiner Firma Franchise Pictures anbot. Samaha gab grünes Licht, und die Filmemacher besetzten die restlichen Rollen. Lichtenstein war immer schon ein Kurt-Russell-Fan - natürlich reagierte er begeistert auf Russells Zusage. "dass Kurt mitmacht, hat dem Projekt einen entscheidenden Impuls gegeben", sagt Lichtenstein. "Seine Persönlichkeit wird von außergewöhnlicher Integrität und Intensität geprägt. Er arbeitet Michaels Schwächen heraus, und nicht zuletzt auch seinen Humor. Er macht den Kriminellen sympathisch." "Für den Film und auch für mich persönlich war es ein Glücksfall, als Kurt an Bord kam", fügt Costner hinzu. "Ich schätze ihn als Kollegen und als Mensch."

Ins Kreuzfeuer zwischen Michael und Murphy gerät die sehr differenziert gezeichnete Figur der Cybil: Zunächst erscheint sie als einfach gestricktes Mädchen vom Lande, doch Cybil erweist sich als erstaunlich sicher im Umgang mit mörderischen Schwerverbrechern wie Michael und Murphy. Es war gar nicht so einfach, eine Darstellerin zu finden, die alle Eigenschaften dieser Femme fatale überzeugend ausloten und gleichzeitig Starpartnern dieses Kalibers Paroli bieten kann. Lichtenstein hat den Eindruck, dass Cox als Cybil "dem Film die Seele gibt. Courteney ist schön, anmutig, eine Powerfrau, sie entwickelt die komplexe, emotionale Rolle aus dem Bauch heraus."

"Sie macht das einfach traumhaft", fügt Russell hinzu. "Cybil befindet sich emotional auf einem halsbrecherischen Achterbahntrip - doch Courteney hat dabei mit keiner Wimper gezuckt. Sie hat das wunderbar im Griff."

Die Rolle der Cybil stellte die Schauspielerin vor eine echte Herausforderung - sie ist ihren Fans vor allem als anspruchsvolle und ehrgeizige Köchin Monica in der erfolgreichen TV-Serie Friends bekannt. "Cybil unterscheidet sich völlig von der Rolle, die ich täglich im Fernsehen spiele", sagt Cox. "Cybil ist ein Freigeist, abenteuerlustig, auch Gaunereien nicht abgeneigt, überall entdeckt sie ihre Chancen und packt sie beim Schopf. Sie setzt sich durch, hat aber auch ihre schwachen Seiten, doch die Opferrolle liegt ihr gar nicht. Ich glaube, dass die Zuschauer vor allem deswegen mit ihr fiebern werden, weil sie einen so unbändigen Lebenswillen hat."

Als die Hauptrollen besetzt waren, konnten die Dreharbeiten zu Crime is King beginnen. "Ich war sprachlos, echt völlig fertig, dass ich meinen Film mit all diesen Stars machen darf", sagt Regisseur Lichtenstein.

Den Jungen David Kaye rekrutierte die Besetzungschefin vor Ort im kanadischen Vancouver - er sollte sich die Schuhe, oder besser: die Cowboystiefel von Cybils Sohn Jesse Waingrow anziehen. Der elfjährige David ist zwar schon in mehreren Filmen aufgetreten, hat aber noch nie eine so wichtige Rolle neben Superstars gespielt. "Ich bin zu einem Vorsprechtermin gegangen und durfte dann sogar nach Los Angeles fliegen", schwärmt der junge Schauspieler. "Man brachte mich zu einer riesigen Villa, aber ich hatte keine Ahnung, wen ich dort treffen sollte. Dann öffnete jemand die Tür und sagte, dass Kurt uns erwartete - ich konnte es echt nicht fassen, dass ich bei Kurt Russell zu Hause war!"

Kaye und Russell verstanden sich auf Anhieb. Genau wie Kaye hat Russell seine Karriere schon als kleines Kind begonnen. Kaye erzählt: "Kurt sagte, dass er mit Elvis Presley in ?It Happened at the World's Fair' (Ob blond - ob braun) aufgetreten ist, als er genauso alt war wie ich. Damals mußste er in einer Szene Elvis gegen das Schienbein treten. Witzigerweise trete ich ihm jetzt auch gegen das Schienbein, und er ist als Elvis verkleidet."

Lichtenstein erwies dieser filmgeschichtlichen Fußnote seine Reverenz, indem er eine Szene während des Überfalls einfügte, in der Michael (Russell) einigen Elvis-Fans Autogramme gibt - einer hält ihm das damalige Soundtrack-Album zu "It Happened at the World's Fair" entgegen. Russell hatte nicht nur schon als Junge die Gelegenheit, mit Presley vor der Kamera zu stehen, er spielte den King auch in dem Fernsehfilm "Elvis" (Elvis - The King, 1979), der ihm eine Emmy-Nominierung einbrachte. Doch als er für Crime is King das Elvis-Kostüm ein weiteres Mal anzog, war das ein völlig anderes Gefühl, wie er sagt: "Diesmal mußste ich mich nicht in Elvis verwandeln, sondern nur das Outfit tragen, und schon das ist der Spaß wert."

"Allein schon in Vegas als Elvis herumzulaufen hat sich für mich gelohnt", sagt Christian Slater, der Hanson darstellt. "Ich werde nie vergessen, wie wir durch das Casino marschierten - mit den Kanonen unter den Elvis-Capes. Durch das Elvis-Motiv setzt sich der Film deutlich von anderen Filmen des Genres ab. Eine wunderbare Idee, den Überfall während eines Elvis-Kongresses durchzuführen."

Auch David Arquette ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, dieses legendäre Kostüm zu tragen. "Ich persönlich finde so abgefahrene Klamotten toll", sagt der Schauspieler. "Ich stehe auf diesen bombastischen 70er-Jahre-Look. Elvis war der King, hat diesen Stil dominiert. Ich streifte den Anzug also über und fing sofort an, mit den Füßen zu wippen, die Stirn zu zerknittern, meine Lippen aufzurollen, all das Zeugs. Die Perücken und Koteletten sind nicht gerade bequem, aber zusammen mit der Brille, dem Gürtel, Riesenkragen und Cape ist das ein Heidenspaß? warum hat Elvis bloß dieses Cape getragen?"

Das Elvis-Glitzerkostüm darf der legendäre Footballer Howie Long zwar nicht tragen, aber in der Rolle von Murphys Freund, dem Helikopterpilot Jack, prescht er dennoch als Mittelstürmer durch die atemberaubenden Action-Sequenzen des Films. Long spielte seine erste Filmrolle in John Woos Operation: Broken Arrow - Pyrotechnik und Stunts sind ihm also bestens vertraut. Als schwierigsten Teil seiner Rolle empfindet Long allerdings das Singen: Das Drehbuch sieht vor, dass der Pilot einen Paul-Simon-Hit trällert, während er mit dem Helikopter über den Vegas Strip fliegt.

Der Schauspieler, Musiker und Plattenstar Ice-T spielt Hamilton, einen Murphy-Kumpel der abgebrühtesten Sorte. "Witzigerweise kam ich mir bei den Dreharbeiten untersetzt vor - mindestens drei Zentimeter kleiner als Kevin und reichlich kleiner als Howie", berichtet Ice-T. "Aber auf der Leinwand wirkt das dann völlig anders: Wenn die Zuschauer mich sehen, merken sie sofort: Aha, jetzt mußs gleich einer ins Gras beißen."

Dem Rapper machen die gelegentlichen Ausflüge vor die Kamera Spaß, auch wenn die Musik weiterhin an erster Stelle steht. "Meine Schauspielerei plane ich nicht so wie Schachzüge. Wenn ich wie in diesem Fall den Eindruck habe, dass die Dreharbeiten cool werden könnten, dann mache ich gerne mit." Ebenfalls dabei sind Kevin Pollak, Thomas Haden Church und Jon Lovitz, außerdem ein paar Überraschungsgäste. Pollak und Church spielen die Gesetzeshüter, die anscheinend immer zu spät kommen, während Lovitz den Antiquitätenhändler darstellt, der sich als Geldwäscher etwas dazuverdient.

Viva Las Vegas! Als die beeindruckende Star-Besetzung feststand, begannen die zweieinhalbmonatigen Dreharbeiten in Las Vegas - wo sonst? Dort beginnt der Film mit einem spektakulären Knalleffekt.

Einige Szenen entstanden in der menschenleeren Wüste rund um Las Vegas, doch die Schlüsselszenen wurden nachts mitten zwischen den Menschenmassen an den Touristentreffpunkten Freemont Street und Riviera-Hotel/Casino gedreht. Nirgendwo sonst hätte man den Marsch der verkleideten "Elvi 5" zum Ort des Überfalls drehen können als in der Freemont Street. Der legendäre Strip ist für seine Neonlichter berühmt - hier ist die ganze Nacht durch etwas los. Als das Filmteam und die Weltstars sich dort einrichteten, wuchs die neugierige Menge um ein Vielfaches.

"Wir benötigten etwa 100 Polizisten, um die Zuschauer zurückzuhalten", erinnert sich Lichtenstein. "Das war einfach irre. Uns kam es vor, als ob 15.000 Leute uns zusahen." Der Sicherheitsdienst hatte alle Hände voll zu tun, und die Logistik dieser Szenen war ein Albtraum, aber die Mühe hat sich gelohnt, sie bescherte dem Film unschätzbare authentische Aufnahmen. "Es war einfach umwerfend zu sehen, wie Kurt Russell, Kevin Costner, Christian Slater, David Arquette und Bokeem Woodbine in voller Elvis-Montur die Straße hinuntermarschierten, und dazu hörten wir ,Stayin' Alive'", erinnert sich Lichtenstein. "Da war es völlig unmöglich, die Blitzlichter von sechstausend Touristenkameras im Zaum zu halten - sehr schnell ging alles drunter und drüber."

Costner merkte bald, dass für ihn und die Kollegen die größte Schwierigkeit darin bestand, der Situation in diesem extravaganten Kostüm schauspielerisch noch eins drauf zu setzen. "In Vegas mußs man einfach übertreiben", fügt Slater hinzu. "Dort wirkt man in einem Elvis-Kostüm völlig normal."

Das Special-Effects-Team schottete einen Bereich des Riviera-Casinos ab und präparierte ihn für die entscheidene Schießerei mit "Einschuss"-Knallfröschen. Costner fand, dass die Waffen in dieser Sequenz "wie die schwere Ausrüstung zur Bekämpfung von Terroristen" aussehen. Der ohrenbetäubende Lärm der ständigen Gewehrsalven übertönte den Geräuschpegel der Black-Jack-Tische und klingelnden Glückspielautomaten. Immer wieder wurden die Casinogäste über Lautsprecher darauf hingewiesen, dass es sich um Dreharbeiten handelte und dass trotz der Schüsse kein Grund zur Sorge bestand. Dazu Lichtenstein: "dass wir in einem funktionierenden Casino drehen und einen Teil gar in die Luft jagen durften - das war eine reife Leistung. Hut ab vor der Riviera-Leitung und der gesamten Produktion!"

Das berühmte Wüstenhotel öffnete 1955 seine Pforten und erwarb sich sofort seinen Ruf als "Entertainment Center von Las Vegas". Das gilt noch heute - die Stars, die dort aufgetreten sind, repräsentieren das gesamte Showbusiness. Auch Hollywood hat oft dort angeklopft - Hotel und Casino waren die Kulisse zahlreicher Filme wie zum Beispiel Martin Scorseses Casino.

Für die Aufnahmen in dem rund um die Uhr geöffneten Casino war der erfahrene Kameramann David Franco "Keine halben Sachen" verantwortlich. Zahllose spiegelnde Flächen und vorhandene Lichtquellen in den Spielautomaten und Neonreklamen mußste er in seine Bildkompositionen einplanen. Jede Nacht mußste sein Team alle zusätzlichen Filmscheinwerfer auf- und wieder abbauen, denn von den Dreharbeiten durfte im Casino nichts zurückbleiben, während die Crew tagsüber schlief.

"Ich bin selbst 15 Jahre lang Kameramann gewesen", sagt Regisseur Lichtenstein. "Und ich weiß genau, welch entscheidene Verantwortung mein Kameramann übernimmt. Ich konnte mich in dieser schwierigen Phase der Dreharbeiten zwar auf eine Menge Leute verlassen, aber wenn es hart auf hart ging, dann wusste ich, dass ich bei meinem Kameramann David Franco am besten aufgehoben war."

Die Dreharbeiten auf der Freemont Street erwiesen sich ebenfalls als problematisch, vor allem wegen der Menschenmassen und der Lichtershow über ihren Köpfen, die während der Dreharbeiten ständig unterbrochen wurde und aufs Neue begann. Franco drehte seine Einstellungen während der Pausen: Er folgte den Schauspielern auf ihrem Marsch, wobei die SteadiCam hinten auf einen Golfwagen montiert war - erschöpfte Produktionsassistenten mußsten Francos Leibgarde spielen. Die Dreharbeiten in Las Vegas nahmen mehrere Wochen in Anspruch. Anschließend ging es über die Grenze nach Norden ins kanadische Vancouver. Drehorte in der Stadt und in der ländlichen Umgebung doubelten die Schauplätze im Nordwesten der USA - sie waren eine willkommene Erholung nach der drückend heißen Wüste.

Lichtenstein ist mit der Popkultur aufgewachsen, er nahm sich vor, eine stark stilisierte, seltsame Filmwelt für seine Figuren zu erschaffen. Zur Umsetzung seiner Ideen wandte er sich an Produktionsdesigner Robert de Vico und Kostümbildnerin Mary McLeod. "Ich habe sie aufgefordert, genauso über die Stränge zu schlagen, wie sie es sich immer schon gewünscht haben - nur dass man sie bisher nie gelassen hat", verrät der Regisseur.

"Demian wollte den Film in der Gegenwart ansiedeln - doch die Atmosphäre sollte nostalgisch wirken", sagt de Vico. Er ließ sich von den Autofarben der 50er-Jahre inspirieren und setzte in seinem Design Farben und Materialien ein, die heute ein wenig exzentrisch wirken. "Der Überfall und das Nachspiel sind in knalligem Rot gehalten", fährt de Vico fort. "Und wenn wir uns im Lauf der Handlung immer weiter von dem Coup entfernen, wenn sich die Hoffnung auf einen Ausweg herausbildet, bewegen wir uns mehr und mehr in Blautöne hinein."

Mary McLeod arbeitet eng mit de Vico zusammen und orientierte sich mit ihren Kostümen an diesem Konzept. Eine gewisse Ausnahme stellen jedoch die Kostüme des "Elvi 5"-Teams dar. McLeod wählte einen weißen Anzug für Russell und Schwarz für Costner - sie repräsentieren Gut und Böse. Slater trägt Rot, Arquette Blau und Woodbine ein knalliges Gelb.

Als McLeod im Internet nach Elvis-Kostümen suchte, landete sie einen Volltreffer: "Ich fand die Firma, die per Lizenz die echten Elvis-Kostüme schneidern und die Pailletten-Ornamente nachmachen darf. In relativ kurzer Zeit lieferte sie mir je fünf Duplikate für jeden der fünf Räuber. Elvis selbst trug damals Kostüme aus Woll-Gabardine - sehr warm und schwer: Kein Wunder dass man ihn manchmal von der Bühne tragen mußste, weil er überhitzt zusammenbrach." McLeod erlaubte den Schauspielern, sich sehr viel freier zu bewegen - sie verwendete Kunstfasern und das Skihosen-Lastex der 60er-Jahre.

"Der Anzug macht immer wieder Spaß", sagt Kurt Russell. "Denn man fühlt sich echt wie Elvis." Christian Slater stimmt ihm zu: "Ich merke, wie Elvis' Rhythmus in mir aufsteigt. Das flutet durch meinen Kopf, und für ein paar Sekunden glaube ich selbst, dass ich der King bin. Echt toll. Als ich das Ding anzog, dachte ich sofort: ?Elvis wusste ganz genau, warum er das machte.'"

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