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"Ich mußste die Geschichte finden, die ich erzählen wollte", berichtet Michael Mann über seine Anstrengungen, ALI auf die Leinwand zu bringen. "Sie beginnt im Jahr 1964 und endet 1974. Auf einer gewissen Ebene ist die Story denkbar simpel: Ein Mann gewinnt die Box-Weltmeisterschaft im Schwergewicht. Der Titel wird ihm ungerechtfertiger Weise aberkannt. Er kämpft darum, dass die Entscheidung zurückgenommen wird, und er begibt sich auf den beschwerlichen Weg, seine Krone zurückzuerhalten. Er mußs aber erkennen, dass die Zeit nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist und seine Kräfte nicht mehr mit denen von einst zu vergleichen sind. Nun mußs er sich in Zaire mit George Foreman, einem jüngeren, stärkeren Boxer messen."
Der Film wirft einen sehr persönlichen Blick auf den Champ. Sein Ziel ist es, dem Zuschauer Alis Wesen nahe zu bringen. Will Smith beschreibt den Ansatz folgendermaßen: "Wir befinden uns mit Ali in dem Hotelzimmer, nachdem er sich geweigert hat, bei der Einberufungsbehörde nach vorne zu treten, als er aufgerufen wurde. Wir erleben die Nacht, in der er seine erste Frau kennen lernt. Man sieht Ali, wie er in der Tankstelle in Chicago sitzt, um sich die Olympischen Spiele im Jahr 1968 im Fernsehen anzusehen. Man erlebt den Aufstieg und den Fall - aber nicht durch die Schlagzeilen, sondern durch die Augen seiner Freunde und durch seine eigenen Augen."
Was sich als noch schwieriger erwies, als Ali im Ring zu spielen, war es, sich Zugang in seinen Kopf zu verschaffen. Smith hatte eine Fülle von Persönlichkeitsfassetten darzustellen: Unruhestifter, Diplomat, Großmaul, Rapper und Champion.
"Die Leute werden sehr zufrieden mit dem sein, was sie zu sehen bekommen", sagt Angelo Dundee, Alis Trainer, der der Produktion als technischer Berater zur Verfügung stand und im Film von Ron Silver dargestellt wird. "Will macht seine Arbeit hervorragend. Diesem Jungen zuzusehen war spitze, denn er hat die Schritte von Muhammad perfekt drauf. Wenn er Seil springt, dann sieht man Muhammad." Howard Bingham, einer der ausführenden Produzenten und seit knapp 40 Jahren ein enger Freund von Ali, sagt, dass Will Smith die gewaltige Herausforderung hervorragend meisterte: "Er ist ein Komödiant, ein Athlet und ein toller Schauspieler. Das ist Wahnsinn."
Der Film trägt das Gütesiegel des Champs. "Dies ist der einzige Film, der es so erzählt, wie es war", sagt Ali. "Ich bin der Einzige, der die wahre Geschichte meines Lebens kennt. Und Will Smith und Michael Mann sind die einzigen Menschen, denen ich das nötige Vertrauen dafür entgegenbringe, dass sie sie für die Leinwand erzählen. Ich stehe ihnen bei. Ihr Film ist der einzige, den ich unterstütze."
Smith mußste sein Können als Boxer und als Schauspieler einbringen, um eine ganze Dekade von Alis Leben und Karriere überzeugend rüberzubringen. "Am schwersten war es, glaube ich, die Figur voll und ganz auszufüllen. Nur Will konnte das schaffen. Will verinnerlichte sich Ali in einer Weise, dass er in Alis Sprache träumte", lobt Michael Mann bewundernd. "Wie denkt man mit 22, wenn man Cassius Clay ist? Wie unterscheidet sich das von der Denkweise Muhammad Alis, als dieser 32 war? Wenn man Will als Ali sieht, dann weiß man, was Ali denkt, ohne dass er den Mund aufmachen mußs. Und man weiß ganz genau, wann das Gesagte einfach so harmlos dahingesagt ist und wann Ali seine Äußerungen genau kalkuliert, um einen Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen - im Ring und außerhalb."
"Um Fragen wie diese im Vorfeld zu beantworten, analysierten wir unter anderem seine Sprache ganz genau", erinnert sich Michael Mann. "Es gibt da ein Interview von Clay kurz vor dem Kampf gegen Liston, in dem ihn ein Reporter bittet, eine Vorhersage (prediction) zu machen. In seiner Antwort, die man nicht wirklich als Antwort bezeichnen kann, sagt er das Wort ,prediction' auf drei verschiedene Weisen: ,prediction', ,perdiction' und ,pudiction'. Als wir das ein bisschen genauer unter die Lupe nahmen, wurde uns bewusst, dass er in ungefähr fünf Zeilen Dialog drei Figuren spielte. Das ist einfach eine einstudierte Übung. Diese Erkenntnis, wie er mit Sprache spielt, mit ihr antäuscht, wie er pausenlos neue Figuren spielt, war eine der großen Offenbarungen."
Um Alis Sprache zu perfektionieren, übte Smith seinen Louisville-Dialekt mit Sprachtrainerin Denise Woods. Es gab Momente, da ließ sich selbst Lonnie Ali, Muhammads Frau, von Smiths perfekter Annäherung an Sprache und Stimme des Champs täuschen. Smith rief Lonnie an und unterhielt sich mit ihr mit der Stimme des jungen Ali. "Ich hätte schwören können, dass ich Muhammad höre, wie er vor 20 oder 30 Jahren geklungen hat", sagt sie.
Während Smith an seiner emotionalen Wandlung feilte, arbeitete er parallel dazu hart daran, sich körperlich immer mehr einem echten Boxer anzunähern. Dazu gehörte es auch zu lernen, Schläge von professionellen Faustkämpfern einzustecken. "Will arbeitet in diesem Film ohne Stuntdouble", erklärt Mann. "Er steckt echte Treffer ein. Er steckt echte Schläge ein. Und er kann auch austeilen." Angelo Dundee überwachte Teile von Smiths Training, speziell wenn es darum ging, ihm beizubringen, wie Ali sich bewegte und kämpfte. Dundee glaubt: "Muhammad fühlt sich pudelwohl, dass er von Will Smith gespielt wird. Wenn ich mit Will trainieren hätte können, als er 20 Jahre alt war, hätte ich einen Champ aus ihm machen können. Er hat die körperlichen Voraussetzungen und - und das ist noch wichtiger - er hat das Herz dafür."
"Ich habe Will ganz schön vermöbelt", erinnert sich Charles Shufford, der als George Foreman zu sehen ist. "Ich meine, Michael wollte, dass es echt aussieht. Will sagte: ,Los, mach schon, teil mal richtig aus. Brems die Schläge nicht ab.' Will ist perfekt in Form und weiß, wie man boxt. Also ging's los, und wir hauten beide richtig zu. Klar, wir schlugen nicht auf den Kopf, wie man es im richtigen Kampf machen würde, aber bei Schlägen auf den Körper zogen wir nicht zurück."
"Die Vision von Mann und Smith war identisch: In diesem Film sollte nichts angetäuscht sein, auch die Schläge nicht", sagt Trainer Darrell Foster, der Jahre seines Lebens mit Boxgrößen wie Sugar Ray Leonard arbeitete. "Um Muhammad Alis Leben richtig darstellen zu können, mußste Will die Erfahrung machen, wie sich echte Schläge anfühlen." Smith sparrte mit Foster, der ihm ein schier endloses Arsenal an Angriffs- und Verteidigungstaktiken beibrachte.
Michael Mann brachte überdies Dr. James Puffer, den Chef der Sportmedizinabteilung der UCLA und ehemaligen Chefarzt des amerikanischen Olympiateams, an Bord. Dr. Puffer verbesserte Smith' Hand- und Augenreflexe, indem er elf von Alis typischen Bewegungen aus dem legendären Clay-Liston-Kampf auf Videoloops anordnete und dem Schauspieler vorführte. Smith lernte schnell. Er arbeitete Alis Finten und Kopf- und Schulterbewegungen, mit denen er seine Gegner in seinen besten Tagen verwirrte und ablenkte, nahtlos in seine eigenen Bewegungsabläufe ein. Neben den technischen Anweisungen absolvierte Smith ein körperliches Training, das auf fünf Tage die Woche, sechs Stunden am Tag angelegt war. Es bestand daraus, in der dünnen Luft von Aspen in Kampfstiefeln durch den Schnee zu laufen, Gewichte zu heben und zu boxen. Am Beginn des Gewichttrainings konnte er knapp 80 Kilo stemmen. Am Ende des Jahres waren es knapp 165 Kilo.
Schließlich begann er mit dem Sparring mit anderen Boxern. Unter den echten Kämpfern, mit denen es Smith im Verlauf des Films zu tun haben würde, waren der ehemalige Halbschwergewichts-Champion Al Cole, der ehemalige Mittelgewichts-Champion James Toney, der ehemalige WBO-Schwergewichts-Titelträger Michael Bentt und der gegenwärtig aktive Schwergewichts-Boxer Charles Shufford.
"Ich wollte nicht einfach nur wie ein Boxer aussehen; ich wollte lernen, wie ein Boxer zu denken", sagt Smith. "Um das zu erreichen, mußste ich essen wie ein Boxer, schlafen wie ein Boxer, Situationen beurteilen wie ein Boxer … kurzum: Ich mußste ein Boxer werden." Während der Produktion sollte sich dann zeigen, ob sich das Training ausgezahlt hatte. Das tat es - und wie! Am Ende jedes der erschöpfenden, zwölfstündigen Drehtage, an denen die Kampfsequenzen auf dem Plan standen, wirkten Smith und Mann, als könnten sie noch einmal zwölf Stunden draufpacken.
Außerdem sprach Smith mit so vielen Menschen, die Ali damals gekannt hatten, wie er nur finden konnte. Und er traf den Champ selbst. "Das erste Mal, als sich die beiden trafen, machte Smith Ali vor dessen Augen nach", erinnert sich der Ausführende Produzent Bingham. "Will legte voll los mit so einem typischen Ali-Standard. Er war verdammt gut. Nach einer Minute beugte sich Ali zu mir rüber und fragte: War ich wirklich so verrückt?"
"Ich habe den Eindruck, dass wir viel gemeinsam haben", antwortet Smith auf die Frage, ob er Vergleiche zwischen sich und Ali ziehen könne. "Ich verstehe seine Liebe für das Leben. Ich verstehe seine Liebe für seine Kinder. Ich verstehe sein Bedürfnis, sich mit Menschen und Freunden zu umgeben. Ich stehe vielen Dingen, die ihn antreiben, sehr nahe. Aber ich weiß nicht, ob ich in meinem Leben jemals so etwas Großes leisten kann wie er. Die Rolle spielen zu dürfen, ist ein Gottesgeschenk. Aber wenn man weiß, was er alles durchzumachen hatte, um der Größte aller Zeiten zu werden, dann ahnt man, dass immer ein bittersüßer Beigeschmack mit dabei war."
Alis Einfluss auf seine eigene und alle seither nachfolgenden Generationen ist unbestritten, aber auch offen für Interpretation. Er ist ein Mann, der, wie sein Biograf Thomas Hauser in seinem Buch "Muhammad Ali: His Life and Times" aus dem Jahr 1992 sagt, "einen Status genießt, der nur einer Handvoll von Männern und Frauen auf diesem Planeten zuteil wurde: Er ist schon zu Lebzeiten unsterblich geworden."
"Er mußs kein Wort sagen", sagt Bingham. "Wenn er einen Raum betritt, kontrolliert er diesen Raum. Er wird von jedem auf dieser Welt geliebt."
Bingham berichtet die Geschichte einer Kellnerin in Los Angeles, die in Alis Gegenwart zu schluchzen begann: "Ali ist ihr Bindeglied zu ihrem Vater, als sie aufwuchs. Sie sahen Alis Kämpfe miteinander an. Er erinnert sie an die gute Zeit, die sie damals gemeinsam hatten. Ich habe es erlebt, dass Menschen auf Ali zukamen und sagten: ,Ich habe mein Leben nach Ihrem Vorbild gestaltet.'" Angelo Dundee stimmt zu: "Muhammad ist etwas Besonderes. Er ist eine lebende Legende. Am beeindruckendsten ist, dass er heute härter arbeitet und mehr reist als jemals zuvor."
Fest steht auch, dass er allen an der Produktion beteiligten Leuten sehr viel bedeutet. "Die Dinge, die Alis Leben prägten, hatten großen Einfluss auf alle Menschen meiner Generation", erläutert Michael Mann. "Wer die Bluttaten in Vietnam oder kurz davor in Selma und Birmingham sah, der war von großem Zorn erfüllt. Das war eine Wut, die nicht einfach wieder verging. Als Ali das internationale Parkett betrat, wurde er von genau dieser Wut angetrieben. Gleichzeitig war er dreist, witzig und unverschämt. Er stellte sich in schöner Regelmäßigkeit gegen das Establishment und seine Konventionen - und dafür haben wir ihn geliebt."
Für Smith verkörpert Ali ein Maß an spiritueller Überzeugung, die auf einer Ebene mit den größten religiösen Führern der Welt wie Gandhi oder Martin Luther King, Jr. steht. "Er entdeckte die Simplizität im Leben", sagt Smith. ",Ich werde mein Leben nach bestem Vermögen nach dem Wort Gottes ausrichten', sagte er und fügte hinzu: ,Und mein Gott befiehlt mir, keine Menschen in Vietnam zu töten. Also ist es ganz einfach: Ihr macht das mit mir, was ihr mit mir tun müsst. Wenn ich dabei etwas verliere, ist das in Ordnung, denn ich habe meine Prioritäten längst geordnet.' Wir sehen ihn heute an und sagen: ,Wow, er ist so tiefsinnig und komplex.' Egal, was dir versprochen wird, ob du bedroht wirst, ob deine Handlungen unangenehme Folgen nachsichziehen - gestalte dein Leben nach der Überzeugung, die du für richtig hältst. Das ist ein simples Konzept, aber es ist nicht einfach umzusetzen."
Smith gibt zu, dass Menschen seines Alters oder jünger die Bedeutung von Ali erst lernen müssen, weil sie ihn nicht aus erster Hand erlebten. "Ali schlug Liston im Jahr 1964. Da war ich noch nicht einmal geboren", meint der Schauspieler. "Ich mußste mich erst einmal auf meinen Hosenboden setzen und lernen, wer Muhammad Ali eigentlich ist. Ich wusste, dass er ein Boxer war, und ich wusste, dass er sich gegen den Vietnamkrieg ausgesprochen hatte. Die Kids von heute haben kein wirkliches Verhältnis zu der damaligen Zeit, haben keine Ahnung von der Bürgerrechtsbewegung oder den Protesten gegen den Vietnamkrieg. Und dennoch assoziieren sie Ali automatisch mit all dem. Was ihnen fehlt, ist eine Vorstellung davon, wie viel Schmerz und Leiden ausgelöst wurden, damit diese Verbindung entstehen konnte."
Den meisten jungen Menschen ist nicht klar, wie hoch der Einsatz Alis war, um seinen politischen Standpunkt überhaupt vertreten zu können. Auch verstehen sie das wahre Ausmaß seines Kampfes nicht, um das wiederzugewinnen, was ihm als Konsequenz aus seiner politischen Haltung genommen wurde. Ali waren Opferbereitschaft, Spott und Verzweiflung nicht fremd. "Ali hat immer das gemacht, was er für richtig hielt", sagt Howard Bingham. "Um seinen Prinzipien treu zu bleiben, hat er Millionen von Dollar aufgegeben. Nach seinem Namenswechsel weigerten sich die Leute, ihn Muhammad Ali zu nennen. Sie nannten ihn weiterhin Cassius Clay. Man nahm ihm seine Krone weg. Aber er blieb standhaft, wie ein Mann."
Ali wusste, was er Hunderten von Millionen Menschen bedeutete. Als er nach seinem Boxexil sein Comeback in Angriff nahm, speziell vor seinem Kampf gegen den vermeintlich unschlagbaren George Foreman in Zaire, war er für viele ein Sinnbild für Mut und Hoffnung.
"Kurz vor dem Kampf in Zaire rief ich bei ihm zu Hause an", erinnert sich Jon Voight, der Ali 1968, kurz vor der Veröffentlichung von "Asphalt-Cowboy" (1969), kennen gelernt hatte und in ALI als Sportmoderatorenlegende Howard Cosell zu sehen ist. "Es war nicht meine Absicht, den Kampf überhaupt zu erwähnen, aber wie viele andere beschäftigte mich diese Angelegenheit so sehr, dass ich gleich zu Beginn des Gesprächs herausblökte: ,Na, was wird bei dem Kampf passieren?' Normalerweise antwortete er immer wie aus der Pistole geschossen. Diesmal ließ er sich Zeit. Er sagte: ,Nun, ich mußs wohl gewinnen, oder?' Er wusste, welches Gewicht auf seinen Schultern lastete. Er wusste, dass er seinen Titel für sich zurückgewinnen mußste. Aber ihm war auch klar, dass es vielen anderen ebenfalls viel bedeutete. Wir alle wollten, dass er zurückgewinnt, was ihm weggenommen worden war."
Voight respektierte den privaten Muhammad Ali und den politischen Muhammad Ali. Auf den gleichen Grundsteinen basierte auch Howard Cosells Beziehung zu Ali. Jon Voight verweist auf die gewaltige Prominenz der beiden in der Sportwelt und ist überzeugt, dass Alis und Cosells Freundschaft eine wichtige Rolle im Kampf gegen die vorherrschende Bigotterie der explosiven 60er und frühen 70er Jahre spielte.
"Howard stand voll und ganz hinter Ali und mußste deshalb viel Kritik einstecken", erklärt Voight. "Als er sich als erster traute, Muhammad Ali bei seinem muslimischen Namen zu nennen, erhielt er Tausende von Briefe, in denen er dafür beschimpft wurde. Wegen seiner öffentlichen Unterstützung Alis wurde er vermutlich sein gesamtes Leben lang von bigotten Menschen attackiert. Aber er wich keinen Millimeter."
Alis Einsatz und Charakterstärke inspirierte die Menschen auf vielfältige Weise. "Für mich war Ali vor allem der beste saubere Athlet aller Zeiten", sagt Jamie Foxx, der Drew "Bundini" Brown spielt, den extravaganten Cutman des Schwergewichtschamps. "Es gibt keinen Sport, der härter ist als Boxen. Allein weil er ein unglaublicher Athlet ist, halte ich ihn für so einzigartig. Ich bewundere, dass er so eine tolle Show hingelegt hat, zu einer Zeit, als es für einen Brother nicht allzu cool war, so zu reden. Er strahlte pure Energie und Stil aus."
Die Hoffnung, die Ali den Armen und Unterdrückten gab, erstreckte sich weit über die Grenzen der USA hinaus. In dieser Hinsicht hat sein Einfluss im Lauf der Jahre nicht im Geringsten gelitten. "Mexikanische Amerikaner, speziell eingewanderte Farmarbeiter, die keine Gelegenheit hatten, ihn kämpfen zu sehen, bewundern ihn für das, wofür er stand", sagt Paul Rodriguez, der als Ringdoktor Ferdie Pacheco zu sehen ist. "Er hatte den Mut, einen Standpunkt zu beziehen und zu sagen: ,Ich lasse mich nicht wie ein Sklave behandeln.' Er war ein Revolutionär!"
"Ali ist ein Mann aus unserer Mitte", sagt Howard Bingham. "Er verbringt seine Zeit lieber mit ganz normalen Menschen als auf dem Golfplatz oder im Büro einer Firma. Er war schon immer so. Menschen bewegen ihn. Er bezieht seine Kraft von anderen Menschen. Er wird geliebt, weil er den einfachen Mann niemals belogen hat. Ali war immer ehrlich."
"Muhammad Ali elektrisierte die Menschen auf eine ganz eigenwillige Art - nicht nur in Amerika, sondern auf der ganzen Welt, weil er sich gegen den Wehrdienst erhob, als er seinen moslemischen Namen annahm und sich öffentlich gegen die Regierung erhob", sagt Mario Van Peebles, der in ALI als Malcolm X zu sehen ist. "Die ganze Welt beobachtete, was er machte und was er sagte."
"Er ist mehr als bloß ein Sportheld", sagt Nona Gaye, die Alis zweite Ehefrau Belinda spielt. "Er erreicht das durch die Art und Weise, wie er die Menschen berührt. Man hört ihn reden - und ist sofort gebannt. Ich traf ihn das erste Mal als kleines Mädchen mit meinem Vater (dem verstorbenen Soulsänger Marvin Gaye). Dann sah ich ihn erst Jahre später wieder, nachdem ich die Rolle bekommen hatte. Und er lehnte sich zu mir rüber und flüsterte in mein Ohr: ,Du siehst genauso aus wie dein Daddy.' Ich lief rot an und benahm mich total albern. In seiner Gegenwart kann man nicht anders, weil er über dieses unglaubliche Charisma verfügt. In ihm brannte immer schon dieses Feuer und diese Leidenschaft für alles, was er tat. Man wusste sofort, dass er immer gewinnen wollte, dass er sich ganz sicher war, dass er gewinnen würde. Er wusste das einfach, er verstand das instinktiv."
"Es ist eine gewaltige Aufgabe, Ali in einem Film einfangen zu wollen", gesteht Michael Mann. "Aber es ist auch sehr aufregend. Deshalb haben sich Will und ich da rangetraut. Man macht das, weil man dabei in Fahrt kommt, weil man das Material liebt. Weil man den Mann liebt. Weil man liebt, wofür dieser Mann steht - heute genauso wie vor 30 Jahren."
Zu den ersten davon gehörten die Sports Arena und das Olympic Auditorium in Los Angeles. Das erste Mal boxte Ali 1962 in der Sports Arena, zuerst im Juli gegen Alejandro Lavorante, dann wieder im November gegen eines seiner Idole, Archie Moore. Beide Male gewann er. Das Olympic Auditorium besuchte er nur als Zuschauer, aber diese Sportstätte ist ganz einfach die berühmteste Boxarena von Los Angeles. Von dort aus wurde in den 50er und 60er Jahren regelmäßig am Freitag die Boxsendung "Live from the Olympic Auditorium" ausgestrahlt.
Danach ging es mitten im Winter weiter in Manns Heimatstadt Chicago, wo man vor allem in Alis altem Viertel auf der Südseite der Stadt die Kameras laufen ließ. Mann hatte die Windy City zuvor bereits bei seinem Film "Der Einzelgänger" (1980), Teilen von "Blutmond" (1986) und der Fernsehserie "Crime Story" als Location verwendet. Zu den Drehorten von Ali zählte das Haus, wo Elijah Muhammad lebte, ganz in der Nähe des Hauses von Ali.
Bei der Suche nach Locations führte Michael Mann und Will Smith der Weg genau in diese Straße, weil sie herausfinden wollten, ob sie einen Blick auf Alis ehemaliges Zuhause in der Jeffrey Street werfen könnten. Die Besitzer führten sie bereitwillig durch das ganze Haus. Ganz beiläufig fragte Mann, ob Ali irgendwelche persönlichen Besitztümer zurückgelassen hätte, als er weggezogen sei. Zu ihrer großen Überraschung antwortete der Besitzer: "Er hat alles dagelassen." Ali interessierte sich ganz einfach nie sehr stark für materielle Besitztümer.
An einem eisigen Abend blockierte die Produktion fünf Straßenblocks entlang der 79th Street, um eine Sequenz zu drehen, in der Ali an den Sehenswürdigkeiten seines alten Viertels vorbeiläuft. Alte und junge Fans standen auf den Gehsteigen und sahen dem Dreh zu, der sich bis in die Nacht erstreckte. Während die jungen Zuschauer gekommen waren, um sich anzuschauen, wie Mann seinen Star Smith in Szene setzte, genossen die älteren Semester einen kleinen Spaziergang in die Vergangenheit. Viele konnten sich daran erinnern, wie der echte Muhammad Ali hier entlanggelaufen war. "Ich glaube, ich habe keine Sinclair-Tankstelle mehr gesehen, seitdem Ali weggezogen ist", vermutete ein Mann aus dem Viertel. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Ali hier immer mit seinen Kumpels rumhing."
Die Tiger Lounge war für Ali von besonderer Bedeutung. Dort ging er mit Howard Bingham regelmäßig zum Tanzen. Dort hatte er sein erstes Date mit seiner ersten Frau Sonji. Aber die Filmemacher stießen auf ein kleines Problem beim Dreh der Szene, in der Will Smith und Jada Pinkett Smith in den Fußstapfen des echten Alis durch den Raum schwoften.
"Die Tiger Lounge ist ein perfektes Beispiel für Michael Manns Vorliebe, an realen Orten zu drehen, weil er dort ein Gefühl für Geschichte verspürt", erklärt Ausstatter John Myhre. "Die Tiger Lounge war einst der angesagteste Laden in ganz Chicago. Wenn Ali in die Stadt kam, fand er dort seine Freunde. Und dort ging er auch zum Tanzen."
Doch Myhre räumt ein: "Als wir ankamen, mußsten wir feststellen, dass die Tiger Lounge bereits seit 20 Jahren geschlossen war. Längst hatte man einen Möbelladen daraus gemacht. Fast die ganze Decke war weggerissen worden. Einige der Wände hatte man ebenfalls entfernt. Aber es gab noch ein kleines Eck in dem Laden, in dem man diese wunderbaren gekurvten Beschläge und beleuchtete Glaseinlagen und einen herrlichen zerbrochenen Spiegel fand, den man an eine wellige Wand gehängt hatte. Natürlich dachten wir uns: Okay, wunderbar, bauen wir den Laden im Studio wieder auf. Aber Michael sagte: Keine Chance, wir bauen den Laden nicht nach, wir bauen ihn wieder auf."
Michael Manns Philosophie, nach der das Ambiente die Stimmung und die Darstellungen beeinflusst, war der Leitfaden für Myhres Abteilung: Seine Leute schoben die Möbel aus dem Weg, zogen einige Mauern ein und drehten die Szenen an dem Ort, an dem Alis erste Romanze erblühte. An Stelle der Jukebox ließ Mann ein paar Sängerinnen auftreten.
Nachdem die Produktion sich kurze Zeit in New York niedergelassen hatte, um dort einige Szenen zu drehen, in denen Ali mit Malcolm X in Harlem durch die Straßen geht, ging es weiter nach Miami, wo Ali lebte, während er für den ersten Sonny-Liston-Kampf trainierte. Eine der ersten Locations dort war der Hinterhof eines Hauses im Overton-Viertel, in dem Ali einst lebte. An einem freien Tag, kurz nachdem der Dreh in dem Haus abgeschlossen worden war, kam Ali in die Stadt. Bingham bot ihm an, ihn in seine alte Nachbarschaft mitzunehmen, wo der Champ immer noch viele Freunde hat.
"Er ließ sich in seinem alten Friseursalon die Haare schneiden, traf ein paar Leute, die er einmal kannte. Dann wollte er sein altes Haus sehen", berichtet Bingham. "Also trat er gegen die Tür und weckte dadurch den Besitzer. Der kam an die Tür, hielt sich seine Hose mit einer Hand fest und rieb sich mit der anderen die Augen. Als er mitbekam, wer da bei ihm im Hausgang stand, ließ er aus Überraschung fast die Hose fallen."
Ein weiterer legendärer Drehort war die 5th Street Gym in Miami, die im Besitz von Angelo Dundee war, der den jungen Herausforderer Cassius Clay für seinen ersten Meisterschaftskampf trainierte.
"Die 5th Street Gym ist ein wichtiger Bestandteil unserer Geschichte, aber leider wurde sie bereits vor 15 Jahren abgerissen", sagt Myhre. "Angelo Dundee, der dem Film als Berater zur Seite stand, lebt immer noch im Süden von Florida. Er half uns dabei, ein anderes Gebäude zu finden. Als wir eines gefunden hatten, das wir in die engere Auswahl nehmen wollten, ging er mit uns durch die Räume und sagte: ,Yeah, das hier riecht genau richtig. Das könnte es sein. Das haut hin.' Außerdem erklärte er uns, wie eine richtige Trainingshalle auszusehen hat."
"Ich habe früher schon an historischen Filmen gearbeitet, aber meistens sind die beteiligten Personen dann schon ein paar hundert Jahre tot", fährt Myhre fort, der für seine Arbeit an "Elizabeth" (1998) eine Oscar-Nominierung erhalten hatte. "Aber bei diesem Film, mit Angelo und Howard Bingham stets an unserer Seite, konnten wir einfach den Telefonhörer abnehmen und fragen: ,Welche Farbe hatte dieses Auto?' oder ,Auf welcher Seite der Straße befand sich das Haus?' Im Falle der Trainingshalle ließ uns Angelo wissen: ,Nein, nein, der Boxring befand sich in dieser Ecke' oder ,Ich hatte keinen edlen Schreibtisch, nur einen kleinen, der in der Ecke stand.'"
Von Miami aus war es eine 17-stündige Reise nach Johannesburg in Südafrika. Und von dort war es noch eine weitere Flugstunde nach Maputo, Mosambik, wo man die Dreharbeiten fortsetzte.
1974 fand der "Rumble in the Jungle" in Kinshasa im damaligen Zaire statt. 27 Jahre später ist die Demokratische Republik Kongo, wie sie nunmehr heißt, eines der politisch instabilsten Länder in ganz Afrika. Es stand von vornherein fest, dass man den Film dort nicht drehen konnte.
"Michael verliebte sich förmlich in die Architektur von Maputo", erklärt Associate Producer Gusmano Cesaretti, ein Fotograf, der mit Michael Mann seit dem TV-Film "Ein Mann kämpft allein" (1979) arbeitet. "Es wurde in erster Linie von Portugiesen Mitte des letzten Jahrhunderts errichtet. Es gibt da Gebäude mit traumhaften Art-déco-artigen Rundungen und Bögen neben anderen mit geraden Linien im Blockstil der 60er Jahre. Alle waren gealtert und verwittert. Das sah ziemlich genauso aus wie das Kinshasa der 70er Jahre."
Niemals zuvor war in Maputo ein 35-mm-Film gedreht worden, geschweige denn eine Produktion von diesen gewaltigen Ausmaßen und einem vergleichbar hohen Budget. Südafrika hätte sicher die einfachere Location dargestellt. Aber nach einer Reihe von Locationtrips hatte Michael Mann den Eindruck, dass Mosambik, obwohl kriegsgebeutelt, die stärkste und beeindruckendste Kulisse für den dritten Akt des Filmes bieten würde.
Cesaretti sagt: "Ein Großteil der Infrastruktur wurde von den Portugiesen zerstört, als sie das Land 1975 verließen. Unmittelbar danach brach der Bürgerkrieg aus, der 19 Jahre dauerte und noch mehr Schaden anrichtete." Das ist der Hauptgrund, warum sich die Produktion mit einer ganzen Reihe logistischer Probleme konfrontiert sah: Kameras mußsten aus den USA eingeflogen werden; Wohnwagen wurden aus Großbritannien geschickt; Kabel und Scheinwerfer, eigentlich auf dem Weg nach England, mußsten von Neuseeland nach Mosambik dirigiert werden. Aufgrund der knappen medizinischen Möglichkeiten und Einrichtungen in Maputo und wegen der großen Menge Statisten, die für die Stadionszenen gebraucht wurden, mußste die Produktion ihre eigene Medizinmannschaft, Notfallflugzeuge und Ärzte, die rund um die Uhr zur Verfügung standen, anheuern.
Koproduzent John D. Schofield und Herstellungsleiter Kevin W. De La Noy wurden wegen ihrer Erfahrungen bei Drehs in Afrika eingeflogen. Um Manns Vision zum Leben zu erwecken, stellten sie eine Crew zusammen, die sich aus vielen Nationalitäten und Sprachen zusammensetzte. Die Crewmitglieder sprachen Englisch, Französisch, Lingala, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Afrikaans und eine Reihe von Stammessprachen. Sie kamen aus den USA, Großbritannien, Italien, Australien, Südafrika, Mosambik, Ghana, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo sowie einer Anzahl weiterer afrikanischer Nationen. Mit dieser multiethnischen Ansammlung von Mitarbeitern war es ein Leichtes, dem internationalen Charakter der Geschichte gerecht zu werden.
Aber nicht nur die fehlende Infrastruktur erschwerte die Dreharbeiten. Zahlreiche Überschwemmungen hatten Mosambik heimgesucht, deren Folgen die Arbeit zusätzlich belasteten. Cesaretti erklärt: "Ein Jahr vor dem Dreh wurde Mosambik von einer Springflut nach der anderen überrascht, die Straßen und Brücken zerstörten, Landminen frei spülten und Häuser wegwuschen. Am schlimmsten traf es den Norden des Landes, der zum Glück relativ weit davon entfernt ist von dem Ort, wo wir die meisten Szenen drehen wollten."
Das Hochwasser erschwerte es beispielsweise, Teile der N'Sele-Ansiedlung nachzubauen, wo Ali sein Lager 100 Kilometer nördlich von Kinshasa in der Marracuene-Gegend aufgeschlagen hatte. Eine Folge der Flukatastrophen war auch die Bedrohung durch Moskitos, die Malaria übertragen können. Um diesem Problem Herr zu werden, wurden die Innenaufnahmen der N'Sele-Szenen in zwei Locations gedreht: in Key Biscayne, Florida, und der Turnhalle einer Schule in Maputo, die dem N'Sele-Gebäude architektonisch genau entsprachen. Für die Außenaufnahmen errichtete die Produktion eine Kopie des Lagers in dem flutbedrohten Marracuene.
Einer der wichtigsten Drehorte für Außenaufnahmen war eine Gegend, die sich Mavalane A nennt und gleich in der Nähe des Flughafens liegt. Wenn man nach Maputo fliegt, kann man das Labyrinth aus Hütten und unbefestigten Straßen aus der Luft sehen. Aber erst am Boden erkennt man das wahre Ausmaß der unglaublichen Armut, die in dieser Gemeinde herrscht. Nur wenige in Malavane A besitzen Elektrizität oder Wände aus Beton. Die meisten leben unter Dächern, die sie aus Wellblech und Plastik gefertigt haben und die mit Drähten zusammengehalten werden.
Die meisten Einwohner von Malavane A haben in ihrem Leben noch nie einen Film gesehen, geschweige denn dem Dreh eines Films beigewohnt. Kein Wunder also, dass sich Hunderte von Einwohnern auf den engen Straßen einfanden, um Will Smith als Ali beim Joggen durch die Stadt zu beobachten. Einige hatten von Smith gehört - vor allem wegen seiner Musik -, aber kaum einer wusste, dass er auch ein Filmstar ist.
Während des dreitägigen Drehs in Malavane A gewann Smith aufgrund seines unkomplizierten Umgangs mit den Menschen zahlreiche neue Fans. Aber niemandem war so richtig klar, wie eng das Band zwischen ihm und den Einwohnern von Malavane A war, bis die letzte Aufnahme im Kasten war. "Da waren etwa 100 Kids, die als Statisten angeheuert waren, die mit mir durch die Straßen liefen und "Ali boma ye!" schrien. Wir hatten das an den Tagen zuvor bereits in verschiedenden Variationen durchexerziert", erinnert sich Smith. "Wir sind also mit der letzten Aufnahme fertig, Michael ruft: ,Das war's!' und wir waren dabei, uns zu verabschieden, als die Kids immer erregter wurden, wie es Kids nun mal tun. Ich fing an zu tanzen, sie begannen zu tanzen, wie bei einem Spiel. Ich singe und sie stimmen Gesänge an. Und auf einmal heben mich die Kids hoch und tragen mich durch die Straßen."
"Es war komisch", fährt er fort. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie mich trugen, weil ich berühmt bin. Ich hatte vielmehr das Gefühl, dass wir eine gemeinsame emotionale Wellenlänge gefunden hatten. Es war eine sehr spirituelle Erfahrung. Mit einem Mal verstand ich, wie sich Ali gefühlt haben mußs, als er nach Afrika kam. Das war sehr inspirierend: Ich wollte dieser Bewunderung gerecht werden."
Wenn das die Belohnung war, dann sollte die Bestrafung auf den Fuß folgen: An acht Tagen mußsten die acht Runden eines der unmenschlichsten Kämpfe in Alis Karriere auf Zelluloid gebannt werden.
Ungefähr fünf Kilometer nordwestlich von Maputo befindet sich das Machava-Stadion, in dem die Szenen des legendären "Rumble in the Jungle" gedreht werden sollten. Das Stadion mit seinen 64.000 Sitzen war während der portugiesischen Kolonialherrschaft gebaut worden. Vor dem Dreh war es vor allem bei großen Fußballspielen zum Einsatz gekommen. Es war allerdings bereits eine Weile her, dass das Stadion bis auf den letzten Platz gefüllt gewesen war. Wie viele andere öffentliche Stätten in Maputo war es längst baufällig. Es gab keinen Strom, also mußste die Produktion zwölf Generatoren aus Südafrika einfliegen. Bevor man mit dem Dreh beginnen konnte, mußsten Ausbesserungen, Reparaturen und Straßenarbeiten im Wert von mehr als 100.000 Dollar vorgenommen werden. Gleichzeitig wurde ein 30 Meter langer und breiter Boxring mit einer Überdachung in 13 Metern Höhe errichtet. Die ganze Vorrichtung wog mehr als 40 Tonnen. Außerdem installierte man einen neuen Tunnel, der zur Arena führte, und stellte vier 35 Meter hohe Lichtmasten auf. Von jedem Turm hängte man 13-Meter-Plakate mit dem Antlitz von Diktator Mobuto, unverkennbar mit seinem obligatorischen Leopardenhut.
Mehr als 10.000 Statisten mußsten für die Szene, in der Ali ins Stadion kommt, eingewiesen werden. Dazu hatte man Flugblätter in ganz Maputo verteilt, auf denen die Menschen eingeladen wurden, "beim Filmen zuzusehen" und "bei einem Mal-Wettbewerb mitzumachen", bei dem man T-Shirts, Fernseher und sogar Motorräder gewinnen konnte. 2.000 weitere Statisten wurden von der Produktion gezielt besetzt. Sie erhielten Kostüme und wurden auch bezahlt, damit sie die deutlich sichtbaren Plätze rund um den Ring besetzten.
Am Abend von Alis großem Auftritt strömten 30.000 Menschen ins Stadion.
"Ich hatte Will ausdrücklich angewiesen, sich vor seinem Auftritt gezielt von der Arena fernzuhalten, bis der Moment der Aufnahme gekommen war", erzählt Michael Mann. "Als es schließlich soweit war, explodierten die 30.000 Anwesenden förmlich, weil das kombinierte Charisma von Will und Ali sie förmlich von den Sitzen riss. Diese unglaubliche Energie erlebt man im Film. Man sieht, welchen Eindruck diese Reaktion auf Wills Gesicht hinterlässt, und man spürt, wie authentisch seine Darstellung in diesem Augenblick ist."
Nacht für Nacht, von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang, spielten zwei Boxer einen der berühmtesten Boxkämpfe in der Geschichte des Sports nach: den "Rumble in the Jungle".
"Die dritte Runde des Kampfes wird die ,Mord-Runde' genannt", sagt Mann. "George Foreman hatte acht seiner elf letzten Gegner in Runde drei k.o. geschlagen. In dieser Runde wollte er auch Ali zu Boden schicken. Jede Runde eines Boxkampfes erzählt ihr eigenes Drama. Und das Drama von Runde eins und zwei war ganz eindeutig: Wird Ali Runde drei überstehen können? Beinahe hätte er es nicht geschafft. Foreman legte alles, was er zu bieten hatte, in diese eine Runde. Jedes Mal, wenn es Ali gelang, seinen Kopf rechtzeitig wegzudrehen, um aus einem tödlichen Treffer einen Fehlschlag zu machen, war das ein Gegentreffer mitten in die Psyche Foremans."
Alis Strategie war klar: Foreman sollte sich mit seinen bulligen Schlägen selbst müde machen. Diesen Plan zog er mit kompromissloser Konsequenz durch - und mußste deshalb nicht nur in besagter dritten Runde, sondern auch in den Runden davor und danach mehr Schläge einstecken und überstehen, als man es für möglich gehalten hätte.
"Foreman war der wuchtigste Boxer mit dem härtesten Schlag in der Geschichte", bemerkt Smith. "Und Alis Plan war: ,Okay, ich lasse ihn auf mich einhämmern, bis er nicht mehr kann.' Das war ein dummer Plan. Das war ein schrecklicher Plan. Das war ganz einfach schlimm. Aber: Er hat funktioniert."
Und es tat weh - sowohl im damaligen Kampf als auch vor der Filmkamera 27 Jahre später. Nicht von ungefähr ist Charles Shufford, der als George Foreman ebenfalls einige heftige Schläge einzustecken hatte, ein professioneller Boxer, der auf internationalen Setzlisten als Schwergewichtler geführt wird. Wie auch bei den anderen Kampfszenen blieben echte Treffer nicht aus: Wenn das Adrenalin erst einmal durch den Körper der Schauspieler raste, dann kam es zu richtigen Sparringszenen.
Viele Fans wundern sich, warum Boxer so viel Zeit und Energie darauf verwenden, Körpertreffer zu landen. "Ich würde mal sagen, dass nur jeder zehnte Schlag auf den Körper sitzt. Aber wenn man dann so einen Volltreffer auf den Körper einsteckt, dann wünscht man sich inständig, der Gegner hätte auf die Nase geschlagen. Ein Volltreffer auf den Körper ist, als würde alles auf einmal ausgeschaltet. Am schlimmsten daran ist, dass man dem Gegner auf keinen Fall zeigen darf, wie schwer man getroffen wurde. Beim Dreh des Kampfes habe ich etwa sechs oder sieben einstecken müssen. Das nenne ich Schauspielerei!"
Aber Smith überlebte und Ali gewann - wie damals vor 27 Jahren.
Und dann, mitten während der sechsten Woche voller kalter und Insektenverseuchter Nächte und heißer, staubiger Tage in Mosambik, konnte man diese Phase der Dreharbeiten endlich abschließen. Ein paar Leute der Crew und Besetzung flogen sieben Stunden nach Accra in Ghana, wo Ali 1964 erstmals afrikanischen Boden betrat, um dieses Ereignis nachzustellen. Alle anderen flogen wieder nach Hause.
"Michael Mann ist ein Perfektionist", sagt Smith abschließend. "Er ist besessen. Aber ich liebe diese Besessenheit. Und ich liebe die Herausforderung."
"Ich habe zwei Jahre mit diesem Projekt zugebracht", erklärt Mann. "Will verbrachte eineinhalb Jahre damit. Das ist irrsinnig viel für einen Schauspieler. Und wir taten all das, ohne dass es um eine persönliche Genugtuung ging - mal abgesehen von der Belohnung, dass man eine solche Chance vielleicht ein oder zweimal in einer Karriere hat, wenn man Glück hat. Es gab da ab und zu kurze Momente, meistens spät in der Nacht, da haben wir uns angesehen und beide gedacht: ,Mann, kannst du glauben, dass wir das wirklich gerade erleben?'"
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