Ausführlicher Inhalt zu The Majestic

Szenenfoto Hollywood, Anfang der 50er-Jahre. Drehbuchautoren stehen in der Studiohierarchie etwa auf gleicher Stufe wie die Chauffeure: Diese bittere Erfahrung mußs auch der hoffnungsvolle Nachwuchsautor Peter (Jim Carrey) machen. Er träumt davon, mit sozialkritischen Stoffen die Welt zu verändern, und er hat auch schon seine persönliche Bestleistung beim Studio eingereicht, die die Welt mindestens so aufrütteln soll wie "Die Früchte des Zorns": Peters Drehbuch "Ashes to Ashes" handelt von einem historischen Arbeiterstreik, es geht um Wahrheit, um die "condition humaine". Doch ob je ein Film daraus wird, steht in den Sternen.

Kreativität ist nicht gefragt - die nehmen die Studiobosse für sich selbst in Anspruch - auf der Drehbuchkonferenz werfen sie sich die Versatzstücke für eine "neue" Story wie Bälle zu - eine derart hanebüchene Ansammlung von Klischees, dass Peter nur mit Mühe Haltung bewahrt. Zu sagen hat er sowieso nichts, denn der Autor sitzt nur dabei, um die Geistesblitze seiner Bosse abzunicken.

Dennoch ist Peter glücklich: Sein Name steht nämlich endlich auf einem richtigen Filmplakat. Die billige Abenteuerplotte, mit der er sich seine ersten Sporen verdient, heißt "Sand Pirates of the Sahara", und er ist über beide Ohren verliebt in die Hauptdarstellerin Sandra Sinclair (Amanda Detmer). Das Schönste dabei: Sie liebt ihn ebenfalls.

Szenenfoto Während die beiden in Grauman's Chinese Theatre auf den Beginn ihres gemeinsamen Kinofilms warten, turteln sie derart intensiv, dass die Wochenschau ungesehen an ihnen vorüberflimmert: Unter der Knute des berüchtigten Kommunistenjägers Senator Joe McCarthy sind die "Hollywood 10", Autoren und Regisseure, die sich seinen Einschüchterungsversuchen widersetzt haben, zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Am nächsten Morgen holt die Realität Peter gnadenlos ein. Sein Studioanwalt Kevin Bannerman (Ron Rifkin) teilt Peter mit, dass er fristlos entlassen worden ist, weil sein Name plötzlich auf der "Schwarzen Liste" steht (die offiziell natürlich nicht existiert). Peter ist von anderen verdächtigen "Roten" denunziert worden: als Teilnehmer einer Veranstaltung, die 1945 von einer linken Vereinigung abgehalten wurde - heute steht sie als "kommunistisch" am Pranger.

Szenenfoto Peter beteuert, dass Politik ihn nicht interessiert. Er ist nie Kommunist gewesen, war 1945 allein deswegen auf der Veranstaltung, weil das Mädchen hinwollte, in das er damals verliebt war. Sofort ist er bereit, vor dem "Senatsausschuss zur Untersuchung unamerikanischer Umtriebe" auszusagen, um diesen Umstand zu klären und dann weiter arbeiten zu können. Bannerman weiß aber, dass Peter in diesem Fall Namen von Bekannten nennen mußs, die damals als "Rote" galten.

Peter verfällt in eine tiefe Depression und lässt sich in seiner Lieblingskneipe Coco Bongo Bar voll laufen. Weil er nicht mehr weiter weiß, steigt er angetrunken in sein Cabriolet und fährt einfach drauf los, "bis der Tank leer ist". Er folgt der nächtlichen Küstenstraße nach Norden. Auf einer einspurigen Holzbrücke steht plötzlich ein Tier im Scheinwerferlicht, Peter reißt das Steuerrad nach rechts, der Wagen durchbricht das Brückengeländer und stürzt in den Fluss. Peter kann sich zwar aus dem Wrack befreien, doch in der starken Strömung schlägt sein Kopf heftig gegen den Brückenpfeiler.

Szenenfoto Als er erwacht, liegt er in strahlendem Sonnenlicht am Meeresstrand und kann sich an nichts mehr erinnern. Der greise Stan Keller (James Whitmore) findet ihn und begleitet ihn in den nächsten Ort, das Städtchen Lawson. Dort wird er von freundlichen Menschen zum Frühstück eingeladen - sie alle erzählen spontan, wie bekannt er ihnen vorkommt. Im Restaurant sitzt der alte Harry Trimble (Martin Landau) - er ist vom Donner gerührt, denn er erkennt in Peter seinen Sohn Luke. Luke hat bei der Landung der Allierten an der Normandieküste im Juni 1944 Heldentaten vollbracht und die Kameraden seines Zuges gerettet, wird aber seitdem vermisst. Das ist 9 ½ Jahre her.

Szenenfoto Lawson hat im Krieg viele Söhne geopfert, und die Einwohner, allen voran der enthusiastische Bürgermeister Ernie Cole (Jeffrey DeMunn), lenken ihre überbordende Heldenverehrung nun auf den verlorenen und wieder gefundenen Sohn der Stadt. Peter erinnert sich an nichts, und so führt Vater Harry ihn auf den Friedhof, wo viele Grabsteine von Lukes tapferen Kameraden zeugen. Peters Selbstzweifel werden von Harrys neu erwachtem Lebensmut hinweggespült: Harry will sein verrottetes, seit vielen Jahren geschlossenes Kino renovieren und wieder eröffnen - gemeinsam mit seinem Sohn Luke.

"Luke" trifft auch seine Jugendliebe Adele (Laurie Holden) wieder. Sie ist die Tochter des örtlichen Doktors Stanton (David Ogden Stiers) und beendet gerade ihr Jurastudium. Ihr Vorbild ist Emile Zolá, wie sie ihn aus dem Kino kennt: Mit einer flammenden Rede einen unschuldigen Angeklagten wie Hauptmann Dreyfus verteidigen - allein gegen eine verblendete Nation: Davon träumt die frischgebackene Anwältin.

Szenenfoto Auch Adele ist von widersprüchlichen Emotionen überwältigt, begreift aber, dass sie Luke wegen seiner Amnesie die Vergangenheit erst "beibringen" mußs. Sie zeigt ihm das einstige gemeinsame Versteck im Keller des Rathauses und den Leuchtturm, auf dem sie sich zum ersten Mal geküsst haben.

Auf einer rauschenden Willkommensparty werden Luke und Adele von der gesamten Stadt gefeiert. Doch nicht alle sind einhellig begeistert: Barmann Bob (Karl Bury), der im Krieg einen Arm verloren hat, glaubt nicht, dass Peter der echte Luke ist. Und auch Doc Stanton macht sich Gedanken, die er Harry anvertraut: Wo hat Luke in den vielen Jahren seit Kriegsende gesteckt? Hat er vielleicht ein anderes Leben, eine Familie, an die er sich nicht erinnert? Natürlich will der überglückliche Harry von derartigen Zweifeln nichts wissen.

Szenenfoto Lukes frühere Klavierlehrerin zwingt Luke, dem Festpublikum etwas vorzuspielen. Aber mit Liszts Ungarischer Rhapsodie Nr. 2 kann Luke überhaupt nichts anfangen. Stattdessen schlagen seine Finger wie von selbst einen fetzigen Jazzrhythmus an, der alle begeistert mitwippen lässt - außer der Klavierlehrerin, die mit Entrüstung reagiert: "Von mir hat er das nicht gelernt!" Da kommt ihm Kartenabreißer Emmett (Gerry Black) zur Hilfe, der im Keller des Kinos wohnt und eng mit Luke befreundet war. Er berichtet, dass er Luke den Jazz damals heimlich beigebracht hat.

Harry und Luke stürzen sich mit großer Energie in die Restaurierung des Majestic, aber beim Kalkulieren der Finanzen stellt Luke schnell fest, dass es ohne fremde Hilfe nie klappen kann. Vater und Sohn wenden sich an die Ratsversammlung der Stadt und bekommen von allen Geschäftsleuten sofort unbürokratische Hilfe zugesagt. Das Majestic erstrahlt in neuem Glanz - am Eröffnungstag läuft "Ein Amerikaner in Paris", das Kino ist ausverkauft, jedermann beglückwünscht die Trimbles zu ihrem Erfolg. Wenig später wird Adele als Anwältin zugelassen.

Einige Zeit danach steht ein neuer Film auf dem Programm des Majestic: "Sand Pirates of the Sahara". Als Luke den unerschrockenen Forscher im Zweikampf mit dem verschlagenen Wüstenscheich auf der Leinwand sieht, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen: Er kann die Dialoge aufsagen, noch bevor er sie hört. Schlagartig erinnert er sich an sein Leben als Drehbuchautor. Gleichzeitig bricht der alte Harry oben in der Vorführkabine zusammen. Luke/Peter bringt es nicht übers Herz, dem Alten auf dem Sterbebett die Wahrheit zu gestehen.

Szenenfoto Die Kommunistenjäger sind inzwischen nicht untätig geblieben. Sie haben Peters Spur aufgenommen, das Wrack seines Autos am Strand gefunden und ihn in Lawson aufgespürt. Bei Harrys Beerdigung gesteht Peter Adele, dass er nicht Luke ist. Gleich darauf wird er auf offener Straße von einer Agenten-Armada gestellt - er bekommt unter Strafandrohung eine neue Vorladung vor den Senatsausschuss in die Hand gedrückt.

Alle seine Freunde wenden sich sofort von ihm ab, denn die Stadt hält den Kriegshelden Luke in Ehren, nicht den schamlosen Betrüger Peter. Nur Emmett und die Süßwarenverkäuferin Irene stehen Peter im Majestic weiter treu zur Seite. Zuschauer kommen keine mehr. Peters Anwalt unterbreitet ihm das Angebot des Senatsausschusses: Wenn er sich zu seinen "subversiven Schandtaten" bekennt und einige Namen von ehemaligen Kommunisten nennt, kann er damit seinen Namen reinwaschen.

Szenenfoto Peter ist dazu bereit, denn er will so schnell wie möglich aus diesem Albtraum aufwachen. Doch Adele stellt ihn zur Rede: "Wir sind doch hier in Amerika. Wie kannst du dich darauf einlassen? Du warst kein Kommunist. Sag es einfach, und die Wahrheit wird siegen." Von "Missachtung des Ausschusses" und "Schwarzer Liste" will sie nichts hören.

Der Tag der Vernehmung ist gekommen. Peter hat jeden Mut verloren. Vor ihm liegt die vorformulierte, abgesprochene Aussage, die sein Problem lösen soll. Einfach vorlesen und Schluss. Doch die Ausschussmitglieder unter Leitung des Kongressabgeordneten Doyle (Hal Holbrook) halten sich nicht an die Abmachung.

Dirk Jasper FilmLexikon
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