Produktionsnotizen zu The Majestic

Darabont entführt uns ins Hollywood der 50er-Jahre, als über der Traumfabrik das Damokles-Schwert behördlicher Untersuchungen schwebte - eine verwirrende Zeit voller irrationaler Ängste, geheimer Intrigen und Feindseligkeiten. Solche Ängste riefen Überreaktionen in der Politik hervor - subversiven Elementen wollte man jede Einflussmöglichkeit entziehen: Alle derart eingestuften Künstler bekamen Arbeitsverbot in der Filmindustrie und landeten auf einer Schwarzen Liste, denn das Kino galt als mächtiges Instrument zur psychologischen Manipulation des Publikums. Flüsterparolen wurden als Anklagen formuliert; die so Angeprangerten waren Opfer eines Apparats, der sie oft genug zwang, ihrerseits Freunde und Arbeitskollegen zu verraten.

Drehbuchautor Michael Sloane beschäftigt sich schon lange intensiv mit jener Ära und der Schwarzen Liste. "Diejenigen, die sich damals weigerten, vor dem Komitee Namen zu nennen, werden heute als Helden gefeiert", sagt Sloane. "Andererseits sind jene Schurken, die entsprechende Aussagen gemacht haben. Damals war es genau umgekehrt."

Aus Sloanes Drehbuchidee entwickelte sich die Geschichte eines Kleinstadtkinos vor dem Hintergrund der Auswirkungen, die Hollywoods Schwarze Liste hatte. Eines Abends gab er das fertige Skript zu The Majestic seinem alten Freund und Kollegen Frank Darabont zu lesen.

"Wir kennen uns seit vielen Jahren und tauschen Drehbücher aus", sagt der Regisseur. "Anders gesagt: Kritische Leser, denen man vertrauen kann, sind äußerst wertvoll - Leute, die ehrlich ihre Meinung sagen. Unter diesem Vorzeichen hat Michael meine Bücher seit Jahren beurteilt - und umgekehrt. Deswegen gab er mir auch dieses neue Drehbuch. Meine erste Reaktion: ,Mensch, den Film würde ich selbst gern machen.' Mir gefiel die Story außerordentlich."

Peter Appleton hat gerade die Premiere des ersten von ihm geschriebenen Films "Sand Pirates of the Sahara" gefeiert, als der Parlamentsausschuss zur Untersuchung unamerikanischer Aktivitäten (H.U.A.C. - House Un-American Activities Committee) ihn plötzlich vorlädt. Der Vorwurf: Er sympathisiere mit den Kommunisten. Deprimiert fährt Peter nachts in nördlicher Richtung an der kalifornischen Küste entlang. Nach einem Unfall kann er sich an nichts mehr erinnern. In der Kleinstadt Lawson ruft sein plötzliches Erscheinen sehr emotionale Reaktionen hervor. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist der Ort praktisch gelähmt - 62 junge Söhne der Stadt sind für das Vaterland gefallen. Peter sieht dem vermissten Kriegshelden Luke Trimble zum Verwechseln ähnlich - von Luke hat man seit der Invasionsschlacht im Juni 1944 nichts mehr gehört.

Vor allem Lukes Vater Harry Trimble ist wie vom Donner gerührt. Harry gehört das heruntergekommene Kino Majestic, doch nachdem seine Frau gestorben ist und der Sohn nicht aus dem Krieg zurückkehrte, hat er allen Lebensmut verloren. Jetzt erkennt er Luke in Peter wieder und führt seinen "Sohn" in das Leben ein, das er damals zurücklassen mußste. Die ganze Stadt schließt sich Harrys Euphorie an - auch Lukes alte Flamme Adele Stanton, die schöne Tochter des örtlichen Arztes. Durch Lukes Rückkehr wird Harry angespornt, das Majestic zu renovieren und wieder zu eröffnen. Und alle Bewohner von Lawson sind von der Idee begeistert.

Peter kann sich an seine Vergangenheit überhaupt nicht erinnern und lässt sich in seiner Unsicherheit gern von den Bürgern der Stadt vereinnahmen. Er glaubt langsam selbst, er sei der Kriegsheld Luke Trimble, hilft seinem "Vater" Harry bei der Renovierung des alten Filmtheaters und verkauft am Premierenabend stolz die Karten für Vincente Minnellis Musical "Ein Amerikaner in Paris".

Die Wochen vergehen - an der Fassade des Majestic werden die beliebten Filme jener Zeit beworben: "Endstation Sehnsucht" und "Der Tag, an dem die Erde stillstand". Dann kommt der schicksalhafte Tag, an dem Peter den B-Film "Sand Pirates of the Sahara" bucht, ein Wüstenabenteuer, das ein Drehbuchautor namens Peter Appleton verfasst hat.

Plötzlich erinnert sich Peter - was ihn in einen schrecklichen Zwiespalt stürzt: Er weiß jetzt, dass er ein Leben unter falschem Namen führt - wird er alles beim Alten belassen, sein beschauliches Leben in Lawson weiterführen und Adele heiraten? Oder wird er seinen neuen Freunden reinen Wein einschenken und nach Hollywood zurückkehren, wo er sich dem Ausschuss stellen mußs und seine beruflichen Aussichten äußerst düster sind? Sloanes Thema ist die künstlerische Freiheit, die damals mit Füßen getreten wurde: "Wir machen uns auch heute kaum klar, wie sehr wir uns damals dem Faschismus annäherten. Faktisch stellte das Komitee Meinungen und Überzeugungen unter Strafe. Wenn ich zu der Zeit gearbeitet hätte - ich weiß nicht, ob ich den Mut gehabt hätte, öffentlich gegen die Regierung aufzubegehren. Gerade weil ich meiner gar nicht sicher bin, fühlte ich mich angespornt, diesen Film zu schreiben." Laut Sloane thematisiert sein Film aber auch den Einfluss, den das Kino ausübt: "Ich kann in dieser Story auf mehreren Ebenen direkt zum Ausdruck bringen, woran ich fest glaube: Kino ist eine ganz außergewöhnliche Form der Kunst."

Regisseur Darabont pflichtet ihm bei: "Begeisterung fürs Kino spielt in jedem meiner Filme eine Rolle. In "Die Verurteilten" wird Rita Hayworths "Gilda" im Gefängnis vorgeführt. In The Green Mile wird der alte Tom Hanks zum Erzählen seiner Geschichte angeregt, als er "Ich tanz' mich in dein Herz hinein" im Fernsehen sieht. Und in dem neuen Film ist das nicht anders - diesmal dürfen wir gleich mehrere hervorragende Filme zitieren."

Darabont fährt fort: "Sprüche wie ,Was ich mit diesem Film sagen will' vermeide ich tunlichst. In der Kunst mußs der Betrachter die Antwort selbst finden. Der Zuschauer formt sich ein eigenes Bild nach dem, was er wahrnimmt. Doch in diesem Ausnahmefall will ich mein Filmthema kommentieren: Als ehemaliger Immigrant, der erst später die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hat, erlebe ich Michaels Story als konkrete Umsetzung meiner eigenen starken Überzeugungen: Im Mittelpunkt stehen Grundrechte und Ideale, die von den Mächtigen ständig angegriffen und korrumpiert werden."

Jim Carrey beschreibt die Story zu The Majestic als "sehr komplex. Es geht darum, was einen Menschen ausmacht. Wie kann man in dieser Welt vor sich selbst bestehen? Wie viele Menschen werden von meiner richtigen oder falschen Entscheidung betroffen? Ich halte die Filmfiguren Peter und Luke für Facetten ein und derselben Person. Denn wenn ich mich verkrieche, vor der Verantwortung drücke, verwandle ich mich - ich bin nicht mehr ich selbst. Wie viele Sorgen könnten wir ausradieren, wenn wir noch einmal ganz von vorn anfangen könnten - wenn uns das bisherige Leben nicht mehr belasten würde."

Martin Landau sagt: "Als Harry glaube ich fest daran, dass mein Sohn zurückgekommen ist, als Peter in der Stadt auftaucht. Und weil dieser Mann nicht weiß, wer er ist, lässt er sich beeinflussen, macht einfach mit - sogar als er sich wieder erinnert. Die Geschichte thematisiert auf intelligente Weise, welch schrecklichen Druck die Schwarze Liste damals auf Hollywood ausübte. Ich kannte selbst einige Leute, die sehr darunter litten. In unserem Film wird das angesprochen - aber ohne Moralpredigt."

Der Schauspieler David Ogden Stiers erinnert sich ebenfalls, wie er als Jugendlicher daheim in Urbana/Illinois die McCarthy-Verhöre im Fernsehen verfolgte: "Damals habe ich erstmals politisches Bewusstsein entwickelt. Ich verstehe sehr gut, was Frank an diesem Thema gereizt hat. Wir alle erinnern uns gern an die scheinbar gute alte Zeit, weil sie so einfach erscheint - man nimmt nämlich immer nur wahr, was einem in den Kram passt. Grundsätzlich richten wir unser Leben derart intensiv nach vorn aus, dass wir häufig vergessen, die Vergangenheit als Ganzes zu erfassen."

Laurie Holden sagt: "Die Gelegenheit, in diesem Film mitzuwirken und der Adele Leben einzuhauchen, ist für mich ein großes Geschenk. Ich erlebe unsere Welt als sehr zynisch, harsch, schnelllebig und kommerziell. Es ist schön, sich daran zu erinnern, wie es früher war. Die Erinnerung ist ein Wert an sich. In The Majestic geht es für mich um die Entscheidung: Wie finde ich mein wahres Ich, wie werde ich ein besserer Mensch - egal, welche Ängste ich überwinden und was ich dafür aufgeben mußs. Wir lassen uns allzu leicht von unseren Ängsten einschüchtern. Mir gefällt in der Geschichte vor allem der Scheideweg-Effekt: Was wäre, wenn? Was macht man in so einer Situation? Welche Richtung schlägt man ein, wenn man plötzlich mit einer völlig unbekannten Situation konfrontiert ist? Lässt man sich darauf ein, oder verkriecht man sich aus Angst und Unsicherheit? Geht man lieber auf Nummer Sicher, oder bringt man den Mut auf, dem großen Unbekannten mit Würde entgegenzutreten? Diese zutiefst menschlichen Fragen berühren universelle Wahrheiten."

Die Einwohner unserer kleinen Stadt Wie bei seinen beiden vorigen Filmen versammelte Regisseur Darabont wieder ein sehr buntes Ensemble von Spitzendarstellern um sich - sie bevölkern die kleine Stadt in The Majestic. "Ein wahrhaft wunderbares Team", begeistert sich der Regisseur. "Ganz erstaunliche Darsteller. Ich bin so dankbar dafür, mit Schauspielern zu arbeiten, die sich aktiv um wahre Teamarbeit bemühen und sich in ein Gemälde integrieren, in einen Wandteppich verweben lassen. Und so ein Wandteppich ist hier entstanden - genau wie mit The Green Mile. Persönlichkeiten wie Martin Landau, James Whitmore, David Ogden Stiers und Jeff DeMunn tragen dazu bei ? Die Namen kennt man vielleicht nicht so gut, aber ihre Gesichter sind bekannt. Und wenn Jim als Peter in die Stadt kommt, wird das Publikum sich dort sofort wie zu Hause fühlen."

"Als Frank sich bereit erklärte, den Film zu machen, fragte er mich nach meinen Vorstellungen zur Besetzung", erinnert sich Sloane. " Jim Carrey verkörpert genau das, was ich mir als Peter Appleton vorstellte. Ein umwerfender, absolut erstaunlicher Typ. Diesmal versucht er sich an einer völlig anderen Rolle - er war einfach prädestiniert, den Peter zu spielen." Darabont wollte Carrey für die Rolle, weil "er in seiner Integrität nie steif wirkt - er bringt jene natürliche Aufrichtigkeit mit, die James Stewart auszeichnete, und er hat alle Ebenen des Drehbuchs verinnerlicht."

Carrey war von Darabonts "klaren Vorstellungen angetan. Frank unterstützt uns sehr, verbreitet eine positive Stimmung. Ihm liegen der Film, der Dialog und die Darsteller wirklich am Herzen." The Majestic ist Carreys erster Film nach dem größten Kassenknüller des Jahres 2000, Der Grinch. Er beschreibt die neue Rolle: "So etwas habe ich bisher noch nie gemacht, nicht mal in Die Truman Show. Und darum geht es mir vorrangig: Ich möchte neuartige Rollen spielen, will mich nicht wiederholen. Deswegen hat es mir der Peter Appleton so angetan: Er ist erfrischend originell."

"Eines war von vornherein klar: Nur ein fabelhafter Schauspieler kann Peter überzeugend darstellen. So kamen wir auf Jim", sagt Besetzungschefin Deborah Aquila, die für Darabont auch schon dessen zweiten Film "Die Verurteilten" betreut hat. "Viele Elemente im Film haben wir an Filmstars der 40er- und frühen 50er-Jahre orientiert, also zum Beispiel an James Stewart und Carol Lombard. Jim passte genau in dieses Konzept, und er hat es hervorragend umgesetzt."

Martin Landau erklärt: "Jim spielt praktisch zwei höchst unterschiedliche Rollen, und beide geht er sehr differenziert an. Das ist gar nicht so einfach, aber bei ihm wirkt das absolut spielerisch. Eine erstaunliche Leistung - viele Zuschauer wird er damit sehr überraschen."

Die wichtige Rolle der Adele vertraute man Laurie Holden an. Deborah Aquila gibt gern zu, dass Holden diesen Umstand vor allem Darabonts Produktionschefin Anna Garduño zu verdanken hat, die auch Schauspielerin ist und wie Holden die Hollywood High School besucht hat. "Anna schwärmte uns von Lauries Leistungen im Schauspielunterricht vor. Als Laurie dann zum ersten Mal vorsprach, wirkte sie äußerst überzeugend. Wir hatten die fünf schwersten Szenen für das Vorsprechen ausgesucht", berichtet Aquila. "Laurie trat sehr selbstbewusst auf, denn wenn man eine Szene mit einem charismatischen und energischen Partner wie Jim spielt, mußs man wirklich reichlich Standvermögen beweisen. Sonst läuft das nicht."

"Mir lag viel daran, dem Publikum ein wenig bekanntes Gesicht vorzustellen", bemerkt Darabont. "Laurie hat zahlreiche Konkurrentinnen aus dem Feld geschlagen, und sie wird sich auf jeden Fall in die Herzen der Zuschauer spielen - ich hoffe sehr, die Kritiker werden ihre Leistung in diesem Film zu würdigen wissen. Das Zeug zur Schauspielerin, das Charisma eines Stars hat sie auf alle Fälle."

Als die beiden Hauptrollen feststanden, kümmerten sich Darabont und Aquila um die restlichen Darsteller. Über Oscar-Preisträger Martin Landau sagt Aquila: "Seine Rolle war schwer zu besetzen. Martin ist ein wunderbarer Darsteller, und das beweist er auch wieder mit seiner Leistung in unserem Film. Kein Wunder, dass so viele Kollegen ihn zum Vorbild nehmen."

Carrey hat seine Arbeit mit Landau genossen: "Ich freue mich immer, wenn ich Menschen kennen lerne, die sich für ihre Arbeit voll einsetzen. Und genau das ist das Schöne an der Arbeit mit Martin", erklärt Carrey. "Er ist bei jeder Wiederholung begeistert bei der Sache - jede Szene geht er mit unermüdlichem Enthusiasmus an - so wie Kinder sich am Heiligabend ans Auspacken machen. Er reißt uns einfach mit. Ich bin sehr froh darüber, dass wir hier mit all diesen traumhaften, großen und bewährten Talenten zusammenarbeiten. Niemand geht in der Story unter - jeder Einzelne spielt eine wichtige Rolle."

Darabont wollte den bewährten Darsteller David Ogden Stiers als Doc Stanton, den Arzt von Lawson. Er hatte Stiers' Filme gesehen und ihn bei der Besetzung von "Die Verurteilten" 1993 auch schon kennen gelernt. Die Arbeit an The Majestic empfand Stiers als reine Freude. "Schauspieler werden ja selten als tatsächlich schöpferische Mitarbeiter behandelt. Aber diesen Film gestalten wir wirklich mit", sagt Stiers. James Whitmore hat selbst als Soldat am Zweiten Weltkrieg teilgenommen. Er übernahm gern auch diese neue Rolle für Regisseur Darabont, weil ihn die Story stark bewegte. Und Jeffrey DeMunn spielt als Lawsons Bürgermeister Ernie Cole bereits zum fünften Mal für Darabont (zuletzt in The Green Mile). "Als Ernie Cole bin ich Bürgermeister einer Kleinstadt im nördlichen California", erzählt DeMunn. "Lawson hat außergewöhnlich viele seiner Söhne durch den Krieg verloren - praktisch ist eine ganze Generation der Männer einfach ausradiert worden. Davon hat sich der Ort noch nicht erholt."

Ein "majestätisches" Ambiente Fast herrschte bei den Dreharbeiten die Atmosphäre eines Klassentreffens, denn insgesamt wirkten 13 Freunde und ehemalige Schüler der Hollywood High School mit. Neben Autor Michael Sloane (Abschlussjahrgang '76), Produktionsdesigner Gregory Melton ('77) und Kostümbildnerin Karyn Wagner ('78) engagierte Regisseur Darabont ('77) die Friseurinnen Nina Paskowitz ('77) und Emmy-Preisträgerin Katherine Rees ('77), Los-Angeles-Aufnahmeleiter John Grant ('78) und Steve Ringel ('78), Meltons Ausstatter Tom Walsh ('74), Schauspielerin April Ortiz ('76), Transportchef Craig Lietzke ('78), die Innenrequisiteure Shannon Wade ('80) und Charlie Nicholson ('77) und die Leiterin der Produktionsabteilung bei Darkwoods Productions (Darabonts Firma), Anna Garduño ('77).

The Majestic entstand komplett im Staat California. Etliche Schauplätze in und um Los Angeles (Grauman's Chinese Theater, das Formosa Café) bilden den Hintergrund für den ersten Teil der Handlung. Und der fiktive Ort Lawson wurde anschließend durch Motive in den Gemeinden Ferndale, Mendocino und Ft. Bragg dargestellt. Die Innenaufnahmen drehte man in den ehemaligen Goldwyn Studios in West Hollywood, die heute als "The Lot" bekannt sind.

Ein Großteil der Dreharbeiten fand in dem Städtchen Ferndale statt, in dem es allerdings kein Kino gibt. Das viktorianisch geprägte Dorf liegt in einem Waldgebiet mit den gigantischen Redwood-Bäumen an dem als "Lost Coast" bekannten Küstenstreifen etwa 30 km südlich von Eureka. Der abgeschiedene Ort wurde 1852 gegründet und bekam 1893 das Stadtrecht. Er ist für seine fruchtbaren Weiden und die Milchwirtschaft bekannt: Ferndale stellte um 1900 als erste Gemeinde Schlagsahnebutter her. Heute leben dort knapp über 1400 Einwohner. Ferndale zeichnet sich auch dadurch aus, dass es als einzige Stadt ins kalifornische Verzeichnis historischer Denkmäler aufgenommen wurde.

Darabont lernte den kleinen Touristenort bei einem zufälligen Besuch vor zehn Jahren kennen und wusste daher genau, wie geeignet er für sein jetziges Vorhaben war. "Ich weiß noch, ich war auf dem Weg nach Norden, um meinen Bruder in Seattle zu besuchen. Ich fuhr von der Autobahn ab, um mir den Ort anzusehen. Mir hat das Ambiente auf Anhieb gefallen. Ich erinnere mich - mein erster Gedanke war: Das wäre bei einem entsprechenden Stoff ein wunderbarer Filmschauplatz. Als ich dann Michaels Skript las, fiel mir Ferndale sofort wieder ein. Der Ort hat sich viel von seiner historischen Atmosphäre bewahrt und sieht aus wie aus dem Ei gepellt."

"Abgesehen vom Wetter, das sich als notorisch unzuverlässig erweist, war der Drehort perfekt", sagt der Regisseur. "Wo gibt es das schon: Man steht auf der Hauptstraße und schaut nach beiden Seiten, ohne ein Fast-Food-Restaurant zu entdecken. Die Stadt übernimmt in unserem Film eine sehr wichtige und vitale Hauptrolle."

Gleich zu Anfang der Vorbereitungen nahm Aufnahmeleiter Rory Enke Kontakt zu den städtischen Behörden auf - es blieb also genug Zeit, um alle Probleme rechtzeitig vor Beginn der Dreharbeiten im Frühjahr 2001 zu klären. Ferndale hat bereits Hollywood-Erfahrung: 1978 entstand dort die Miniserie nach Stephen Kings "Brennen mußs Salem", und 1995 Wolfgang Petersens Viren-Thriller "Outbreak - Lautlose Killer".

Produktionsdesigner Gregory Melton übernahm die Leitung der Filmbauten vor Ort. Melton und Darabont merkten schnell, dass sie eigens ein komplettes Kino errichten mußsten, um die verschiedenen Stadien des Verfalls zu illustrieren. Also wurde der öffentliche Parkplatz von Ferndale mit Beschlag belegt, und dort entstand das Majestic mit seiner ungewöhnlich prächtigen Fassadenbeleuchtung in gleißendem Neon.

"Der Parkplatz war genau die richtige Stelle für unser Kino", stellt Darabont fest. "Greg Melton setzte dort seine wunderbaren Ideen um - mit Hilfe des Bautrupps und der Dekorateure. Ein echter Traum, wirklich atemberaubend. Immer wenn wir die Fassadenbeleuchtung einschalteten, stieg meine Stimmung sofort. Schön wäre es gewesen, die Fassade mit nach L.A. zu nehmen und sie vor einem echten Kino zu installieren. Absolut fantastisch!" "Übrigens habe ich das Kino bereits entworfen, als noch gar nicht feststand, dass wir in Ferndale drehen würden", erinnert sich Melton. "Das Parkplatzgrundstück dort passte wie angegossen. Wir haben den Entwurf überhaupt nicht ändern müssen - einfach perfekt."

Meltons Entwurf ging davon aus, "dass der Filmpalast in dem fiktiven Städtchen schon etwa 50 Jahre alt ist. Denn die Kinos, die zur Handlungszeit, also um 1951, entstanden, waren eher von Art-Deco-Elementen geprägt - in den Nachbarorten Arcata und Fortuna kann man sie noch sehen. Doch mir schwebte die Architektur der 1890er-Jahre vor: Das Theater wurde ursprünglich als Opernhaus errichtet und dann zum Nickelodeon oder Vaudeville-Palast umfunktioniert, um schließlich als Kleinstadtkino zu dienen."

In seinem Drehbuch beschreibt Sloane das Majestic als "dadaeske Ansammlung der unterschiedlichsten Baustile". Er wollte damit ausdrücken, dass selbst eine kunterbunte Mischung der Stile durchaus wirkungsvoll sein und schön aussehen kann. Melton forschte in etlichen Buchhandlungen nach Bildbänden mit Fotos alter Theater. "Die Stilrichtungen sind zusammengewürfelt: Ich bin in mehreren Schritten vorgegangen und fing mit dem Victorianismus an. In den 20er-Jahren prägte die ägyptische Mode den Kinostil, Lichtspielhäuser sahen damals sehr exotisch aus: Sie entführten die Zuschauer in eine andere Welt. Auch das haben wir integriert."

Die aufwändige Neonfassade des Majestic schuf eine Firma namens Heaven or Las Vegas in Los Angeles. Geleitet wurde sie von dem Handwerker Kip Smith, der mit seinem Team viele Wochen in Ferndale zubrachte: Die Glasröhren für die spektakuläre Neonbeleuchtung wurden mundgeblasen. Meltons Handwerker der Ausstattungsabteilung (unter Führung des alten Filmhasen Tom Walsh) hatten dann die Aufgabe, das im Film anfangs völlig heruntergekommene Gebäude im Lauf der Handlung schrittweise buchstäblich in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Das Team zauberte auch zwei weitere wichtige Sets ins Zentrum von Ferndale: Mabel's Diner, ein schickes, modernes Restaurant im Stil der 40er-Jahre, und das Rathaus von Bürgermeister Cole. Die Innenrequisiteurin Natali Pope, Requisiteurin Maureen Farley, Kostümbildnerin Karyn Wagner und Michael Price (verantwortlich für die zeitgenössischen Autos) verliehen dem Ort und dem ganzen Film die entsprechende Patina jener Zeit. Unter den Händen dieser Experten verwandelte sich Ferndale wie mit einem Zauberstab in ein idyllisches Dorf mit perfektem Postkarten-Look.

Um die Statisten einzukleiden, durchstöberte Kostümbildnerin Karyn Wagner "jeden Kostümverleih in Los Angeles - wir liehen Kostüme an der Ostküste und sogar bei ,Angels' in London, und wir ließen uns Stoffmuster aus New York und London schicken." Der Film spielt zwar 1951, doch laut Wagner orientierte sich der Stil "eher am New Yorker Look, den Dior 1947 geschaffen hatte. In den Hollywood-Szenen haben wir die damalige Mode übernommen, während die Kleinstädter noch so aussehen wie zu Kriegszeiten. Das hat emotionale und praktische Gründe: Erstens hinkt unsere Kleinstadt dem Großstadtstil natürlich hinterher. Und zweitens haben die Leute dort ihre Kleidung auch nicht so schnell aussortiert - sie wurde getragen, bis sie verschlissen war. Ex und hopp - so etwas gab es in dieser kleinen Gemeinde nicht. Die Omas tragen also noch Kleider aus den 30er-Jahren."

Eine der quirligsten Szenen entstand in den Warner Bros. Studios: Die Einstellung zeigt die Betriebsamkeit auf dem Gelände der fiktiven HHS-Studios. Wagner engagierte selbst die Statisten, die als Schauspieler und Team-Mitglieder jener Zeit über das Gelände hasten. Besonderen Wert legte sie darauf, dass die Gesichter den Filmszenen und Sets entsprachen, in denen sie auftreten: "Statisten sprechen keine Dialoge - sie müssen ihre Geschichte also mit dem Gesicht und dem Kostüm erzählen."

Wagner wählte alte Kostüme, um die geschäftige Arbeitsatmosphäre in dem fiktiven Studio zu simulieren: Etliche Genre-Kostüme wurden umgearbeitet, andere fertigte sie neu an; die ausstaffierten Statisten illustrieren jene ganz unterschiedlichen Filme, die damals in solch einem Studio gedreht wurden.

Weil Regisseur Darabont in seinen Filmen immer Hinweise auf Kinoklassiker einbaut, könnte man davon ausgehen, dass wahrscheinlich "Ich tanz' mich in dein Herz hinein" und "Gilda" auf der Fassade seines persönlichen Majestic-Palastes prangen würden. Dazu Darabont: "Tatsächlich waren es eher "Ist das Leben nicht schön?" und "Casablanca". In der nächsten Woche dann "Der Tag, an dem die Erde stillstand" und "Die Dämonischen". Und eine Woche später "Der dritte Mann" und Hitchcocks "Saboteure"; mit Bob Cummings und Priscilla Lane. Anschließend "Alarm im Weltall" und "Kampf der Welten", dann "Sullivans Reisen" und "Es geschah in einer Nacht". In unserer Geschichte durften wir uns mit diesem Motiv richtig austoben."

Dirk Jasper FilmLexikon
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