Produktionsnotizen zu Verbrechen verführt
Vom Skript zum Film Die Idee zu einer Actionkomödie mit zwei weiblichen Buddies hatte der erfolgreiche Komödienautor Kim Fuller bereits vor ein paar Jahren. Die britische Produktionsfirma Fragile Films hatte mit ihm bereits bei dem ersten Film der Spice Girls, "Spiceworld - Der Film", beste Erfahrungen gemacht und erkannte das grosse Potenzial des Stoffes. "Die Entscheidung, in das Projekt einzusteigen, fiel uns leicht", betont Produzent Uri Fruchtmann. "Das Drehbuch macht unglaublich viel Spass, es ist gut geschrieben und hat jede Menge Tempo."

Fuller war es wichtig, dass seine beiden Protagonistinnen mutige, entschlossene junge Frauen sind: "Ich hasse dieses Verschrecktes-kleines-Mäuschen-Syndrom?zahlreicher Filme: Da müssen Frauen immer vor Gefahr davonlaufen. In Verbrechen verführt gehen sie auf die Gefahr zu. Sie sehen ihr ins Auge, gehen damit um und werden damit fertig." Fuller war begeistert, als Mel Smith zusagte, die Regie zu übernehmen. Die beiden hatten bereits bei "Not the Nine O'Clock News" miteinander gearbeitet. So wusste Fuller, dass Smith genau der richtige Mann für den Job sein würde: "Wenn es um Komödie geht, dann liegen Mel und ich exakt auf der gleichen Wellenlänge."

Schon in Smith' frühen Tagen als Theaterregisseur hatten die Produzenten Barnaby Thompson und Uri Fruchtmann hohen Respekt vor den Fähigkeiten des Filmemachers: "Mit diesem Film hatte Mel wieder einmal die Möglichkeit, sein ganzes Talent auszuspielen."

Smith bestätigt, dass ihn genau diese Herausforderung an dem Projekt interessierte: "Was mich am meisten an dem Stoff überraschte, war seine Vielzahl an tonalen Qualitäten. Er ist ein Thriller, ein Actionfilm mit Verfolgungsjagden und eine Komödie. Die Gelegenheit, mit all den verschiedenen Bälle zu jonglieren, reizte mich." Natürlich sprach ihn auch das Drehbuch an: "Ich konnte es einfach nicht niederlegen. Man wird richtig in die Geschichte reingesogen. Und die Geschichte ist gut. Das ist einfach nicht zu schlagen."

Realismus war ein wichtiger Faktor, als Fuller das Skript verfasste: "Es ist ein Krimi, der aus der Sicht zweier ganz normaler Menschen erzählt wird. Das konnten genau so gut du und ich sein. Das sind keine Leute mit besonderen Fähigkeiten oder Mutanten mit ungewöhnlichen Kräften. Die Idee dahinter ist, dass sich das Publikum mit ihnen identifizieren soll."

Dieser Ansatz lässt sich blendend mit einer Szene verdeutlichen, in der die Heldinnen Shannon und Frances in die Wohnung von Danny einbrechen. Frances zerbricht beim Versuch, das Schloss der Haustür zu knacken, mehrere Kreditkarten und Mitgliedsausweise - ein Trick, der wie Fuller sagt, "bei "Drei Engel für Charlie" immer funktioniert." Dem Autor gefällt die Wahrhaftigkeit der Szene: "Man liest immer, dass man abgeschlossene Türen mit Kreditkarten mühelos knacken kann. Ich habe es bei meinen eigenen Türen ausprobiert, aber es ist gar nicht so einfach. In Filmen geht es immer zack, zack, und man fragt sich: Wie schaffen die das so schnell?"

Die richtige Balance zwischen Komödie und Thriller zu bewahren war eines der Hauptanliegen der Filmemacher. Kim Fuller sagt: " Verbrechen verführt ist weder Thriller noch Komödie, sondern eine Kombination der beiden Genres. Wenn man beim komischen Teil zu sehr auf die Tube drückt, leidet die Spannung darunter. Wir erzählen die Geschichte auf eine Weise, dass das, was am Anfang sehr komisch und leicht ist, zunehmend gefährlicher wird. Und je gefährlicher es wird, desto aufregender wird der Film."

"Mel hat es wunderbar gemeistert, die Thrilleraspekte des Films zur Geltung zu bringen", erklärt Furchtmann. "Diese Balance ist eine der grossen Leistungen von Verbrechen verführt: Er ist spannend, man bangt um die Figuren und fürchtet um ihr Leben. Gleichzeitig wird all das mit einem Augenzwinkern serviert."

Das Ergebnis ist eine umwerfende Fusion der beiden Genres. Explosionen, Schiessereien und spannende Konfrontationen auf Leben und Tod wechseln sich ab mit witzigen Pointen, verrückten Eskapaden und einem Running Gag mit zwei urkomisch dargestellten und absolut inkompetenten Polizisten, die auf den Fall angesetzt werden. Beim Showdown des Films gibt es eine unerwartete und hoch originelle Überraschung. Denn da sind die beiden Mädchen gezwungen, ihre jeweiligen Talente - bei Frances Schauspiel und bei Shannon das Wissen um Medizin - als Foltermittel einzusetzen, um endlich das zu kriegen, wofür sie so hart gekämpft haben.

Gangster, Thrills, Lacher und das, was Smith als einen guten, altmodischen Feel-Good-Krimi bezeichnet, stellen sicher, dass Verbrechen verführt gleichzeitig unterhaltsam, zeitgemäss und originell ist. Fruchtmann sagt: "Ich halte es für sehr interessant, ein Genre zu nehmen und es auf den Kopf zu stellen. Ich finde, das ist uns mit diesem Film durchaus gelungen."

Von Hoxton nach Hackney Die Dreharbeiten von Verbrechen verführt begannen im Juli 2000. Drehorte waren die Ealing Studios und Originalschauplätze in und um London. Viele der Szenen von Shannon und Frances wurden in den angesagten Stadtvierteln Hoxton, Hackney und Hatton Gardens gedreht. Ihr ausgesprochen urbaner Lebensstil steht in direktem Kontrast zu den pittoresken, ländlichen Schauplätzen in Surrey und Kent, wo die skrupellosen Killer Kerrigan und Mason in Saus und Braus leben.

Location-Managerin Sarah Lee erklärt, warum ihre Wahl auf Hoxton fiel: "Wir wollten dem Film einen Stil verpassen, den man im zeitgenössischen britischen Kino bislang noch nicht gesehen hat. Ich finde, uns ist ein Feeling geglückt, wie man es bestenfalls aus Greenwich Village in New York kennt, indem wir interessante, urbane, schicke Drehorte mit richtig viel Herz gewählt haben. Dort arbeiten und leben die Girls in einer richtigen Gemeinde. Die Atmosphäre ist fast ein bisschen amerikanisch, und das wirkt sich auf den visuellen Stil des Films aus. Er ist stylisch und interessant."

Lee und Smith hatten bewusst nach neuen Schauplätzen für ihren Film gesucht: "Wir haben viele Drehorte entdeckt, die man noch nie in einem Film gesehen hat. Für einen Film, der in London spielt, ist das außergewöhnlich." Smith stimmt zu: "Wir haben London in einer Weise gefilmt, wie man es nicht kennt. Man erhält ein richtiges Gefühl für die Grösse der Stadt, weil wir viele Aufnahmen aus der Luft gemacht haben. London sieht in Verbrechen verführt ziemlich sexy aus, finde ich."

Trotz der amerikanischen Atmosphäre waren die Produzenten nie versucht, den Film in Amerika anzusiedeln: "Es stand der Vorschlag im Raum, den Dreh nach Los Angeles zu verlegen. Aber genauso, wie wir es interessant fanden, zwei Mädchen als Hauptfiguren einzusetzen, erschien es uns origineller, einen Film in amerikanischem Stil in England zu drehen."

Die Welt, in der die Bösewichte Mason und Kerrigan leben, unterscheidet sich deutlich vom Universum der Girls. "Die Häuser von Mason und Kerrigan erinnern ein wenig an die Hollywood Hills", erklärt Sarah Lee. "Bei unserer Suche nach Locations entwickelte sich Masons Figur ständig weiter und wurde immer feiner ausgearbeitet. Als wir mit Mel herumfuhren, hatten wir den Einfall, aus ihm einen ehemaligen Armeeoffizier zu machen, mit einer grossen Waffensammlung, ererbtem Geld und einer umfassenden militärischen Ausbildung. So sollte er einen beleseneren, souveräneren Eindruck machen."

Schliesslich fand man für Mason ein stattliches Anwesen in der hübschen Ortschaft Kingswood in der Grafschaft Surrey, das mit antiken Möbeln, Gemälden und Kunstwerken angefüllt war. Man errichtete eine falsche Fassade für die Frontseite, wo sich die vorletzte Szene des Films abspielen sollte. Lee sagt: "Das war eine ganz schöne Leistung, immerhin hatten wir dort fünf Nächte lang eine ausgedehnte Schiesserei, u. a. mit einem Maschinengewehr, zu drehen. Also mußsten wir erst einmal jemanden finden, der nichts dagegen hatte, dass wir einen Teil seines Hauses umbauten, danach in die Luft sprengten und schließlich wieder in Stand setzten."

Als Kerrigans Zuhause wurde der historische Eltham Palace in Kent ausgewählt, ein imposanter Besitz, der für seine Mischung aus Art-Deco-Dekoration und mittelalterlicher Architektur berühmt ist. Das Haus gehört der Courtauld-Familie, den ursprünglichen Besitzern der Ealing Film Studios. Ironischerweise sind Fragile Films, die Produzenten von Verbrechen verführt, die neuen Mitbesitzer der legendären Studios.

Ein geräumiges Ziegelstein-Loft über einem Schuhreperaturladen in den Gassen von Hackney erhielt den Zuschlag als Dannys Wohnung. Für Sarah Lee strahlt das Appartment mit seinem Junggesellenchaos, überquellenden Aschenbechern, herumliegenden Erotikmagazinen und überall verstreuter Schmutzwäsche ein "West Side Story"-Feeling aus. Die Notaufnahme, in der Shannon arbeitet, fand man in einem alten Krankenhaus in Borough, und die Szenen der ersten, gescheiterten Geldübergabe wurden im Victoria Park in Hackney gefilmt.

Von Anzügen zu Stilettos Bei einem Film mit zwei derart gewitzten Heldinnen stand von Anfang an fest, dass die Kostüme eine grosse Rolle spielen würden. Shannon ist zu Beginn des Films ein sehr direkter, konservativer Typ, was sich auch in ihren simpel geschnittenen, netten Ensembles und deren eher matten Farben ausdrückt. Kostümdesignerin Jany Temime erläutert: "Shannons Klamotten entsprechen ihrer direkten Art. Sie ist nicht gerade jemand, der viel Aufhebens um ihr Auftreten macht. Ich orientierte mich an den Qualitäten von Krankenschwestern. Sie sind stark, organisiert, adrett - und das spiegelt sich in ihrer Garderobe wider."

Temime verrät, dass Shannons Krankenschwester-Outfit von Vivienne Westwood höchstpersönlich geschneidert wurde: "Sie ging vor wie bei einem Couture-Kleid. Minnie mußste zweimal zu Anproben kommen, damit ihr die Uniform auch wirklich perfekt passte. Irgendwie sollte das Outfit sexy sein, aber auf die denkbar unoffensichtlichste Weise."

Frances wiederum strahlt Selbstsicherheit aus: "Frances ist das genaue Gegenteil von Shannon. Sie ist extrovertiert, ihre Kleider sollen einen bleibenden Eindruck auf andere Menschen machen. Ich wollte den Eindruck erwecken, dass ihre Garderobe richtig eklektisch, ja, sogar anarchisch ist. Sie mischt alte Sachen mit Designer-Klamotten, Unkonventionelles mit Glamourösem, ein richtiges Rock'n'Roll-Girl."

Der Kontrast zwischen den beiden Frauen und ihre Entwicklung im Verlauf des Films hielt die Kostümabteilung gehörig auf Trab, wo es doch zahllose subtilste Botschaften zu transportieren galt. "Kleidung ist ausgesprochen wichtig in Verbrechen verführt: Sie reflektiert die Gefühlswelt der Girls wesentlich stärker, als es bei Jungs in den Hauptrollen der Fall gewesen wäre", sagt Temime.

Sie fährt fort: "Der graduelle Wandel in ihrem Auftreten spiegelt den Weg der emotionalen Reise wider, den unsere beiden Heldinnen im Verlauf des Films gehen. Wenn Shannon sich zunehmend selbstsicherer und stärker fühlt, dann sieht man das auch daran, wie sie ihre Kleidung trägt. Am Schluss sind die Schnitte sexier und die Farben intensiver. Frances verändert sich weniger extrem, aber ihre Outfits sind nicht mehr ganz so grell, als sie bemerkt, dass sie sich nicht mehr ständig beweisen mußs. Gleichzeitig nähern sie sich einander immer mehr an. Ihr persönlicher Triumph ist viel wichtiger als das Geld, das sie ergattern."

Ihr Wandel lässt sich auch an ihren Frisuren und ihrem Make-up ablesen. Make-up-Spezialist Paul Gooch meint: "Je aggressiver Shannon bei ihren Erpressungsversuchen vorgeht, desto zerwühlter wird ihr Haar und desto stärker wird ihr Make-up. Wenn man mehr Make-up einsetzt, dann wirken Frauen oft gefasster und entschlossener. Diesen Effekt wollten wir auch bei Shannon erzielen. Frances' Look ist konstanter - mit Ausnahme der letzten Szene, als wir ihr ein komplettes Make-over zukommen liessen, um zu zeigen, dass sie das erbeutete Geld für sich selbst ausgegeben hat."

Minnie Driver opferte ihre berühmten Locken und liess sich einen schicken, stufigen Bob verpassen, während man Mary McCormacks Haar mit künstlichen Strähnchen dicker erscheinen liess. Gooch sagt: "Wie bei den Kostümen wollten wir einen Kontrast zwischen den beiden Figuren erzielen. Shannons Haar ist ordentlich, und Frances' Haar ist chaotisch."

Visueller Stil Der besondere Stil der Sets, der Schauplätze und der Figuren trug zu einem Gesamtlook bei, den man normalerweise wohl nicht mit einem britischen Film in Verbindung bringen würde, wie Kameramann Steven Chivers anmerkt: "Wir einigten uns darauf, dass der Film in einer Art überhöhter Realität stattfinden sollte. Damit erzielt man automatisch viel Atmosphäre." Koproduzent Nicky Kentish sagt dazu: " Verbrechen verführt hat einen fantastischen Look. Steven hat den Film ganz wunderbar ausgeleuchtet, so dass er visuell restlos überzeugt." Crew und Besetzung Als Crew versammelte Fragile Films weitgehend die gleichen Könner, die 1999 hinter den Kameras bereits zum Erfolg der BAFTA-nominierten Fragile-Produktion "Ein perfekter Ehemann" (1999) beigetragen hatten. Koproduzentin Nicky Kentish Barnes, Locationmanagerin Sarah Lee, Make-up-Spezialist Paul Gooch und der erste Regieassistent Richard Hewitt waren damals ebenso mit von der Partie wie die Hauptdarstellerin, Minnie Driver. Barnaby Thompson hält viel von dieser Art Kontinuität: "Die Herstellung eines Films ist ein ulkiger Vorgang, weil man seine Truppen jeweils nur für eine sehr kurze Zeit zusammentrommelt. Wenn man auf Leute zurückgreifen kann, die bereits gut miteinander gearbeitet haben, vereinfacht man den Prozess deutlich." Die Dreharbeiten von Verbrechen verführt dauerten zehn Wochen. Danach kehrten Minnie Driver und Mary McCormack wieder in die USA zurück. Über die Besetzung - Shannon und Frances Für die Produzenten Thompson und Fruchtmann bestand nie der Hauch eines Zweifels, dass Minnie Driver die Idealbesetzung für die Rolle der Shannon war. Die beiden waren bereits bei "Ein perfekter Ehemann" begeistert von ihrem komödiantischen Talent und Timing gewesen. "Minnie hat einen gewaltigen Sex-Appeal und ist eine fabelhafte Komödiantin", lobt Thompson. Mary McCormack ist bisher in amerikanischen Produktionen wie "Private Parts" (1997) und "Deep Impact" (1998) aufgefallen. Mel Smith erinnert sich an ihr Vorstellungsgespräch: "Ich habe viele namhafte Schauspielerinnen gesehen, aber dann kam Mary, mit deren Arbeit ich nicht allzu gut vertraut war, und blies mich einfach um."

Die Leinwandchemie zwischen Minnie Driver und Mary McCormack ist so überzeugend, wie sie nur zwischen zwei Schauspielerinnen sein kann, die schon seit langem miteinander befreundet sind. Ein gemeinsamer Freund hatte sie seinerzeit miteinander bekannt gemacht. Und jetzt freuten sich beide darüber, zum ersten Mal gemeinsam zu arbeiten. "Es ist nett und selten zugleich, mit Freunden vor der Kamera stehen zu können. Normalerweise wird man mit anderen Leuten zusammengebracht, die man nicht kennt. Einen Film mit jemandem zu drehen, mit dem man befreundet ist und der dann auch im Film eine Freundin spielt, ist spitze", berichtet Minnie Driver. McCormack sagt: "Wir hatten einen Riesenspass! Wir sind wirklich wie alte Freunde, haben einen ähnlichen Humor, ähnliche Ziele, ähnliche Ansichten. Das gute Verhältnis zwischen uns überträgt sich auch auf die Leinwand."

Auch Smith war von der Chemie zwischen den Darstellerinnen sehr beeindruckt: "Das kann man nicht mit Geld bezahlen. Und man kann diese Chemie nicht künstlich erzeugen. Sie ist einzigartig. Jeder, der den Film bislang gesehen hat, war zutiefst beeindruckt." McCormack hatte es vor allem das Drehbuch angetan: "So ein Skript gibt es nur selten. So selten, dass Schauspielerinnen in L.A., die es gelesen hatten, sich gegenseitig anriefen, um sich davon zu erzählen. Wann kommt es schon vor, dass es in einem Drehbuch zwei Frauen sind, die die Witze machen, die Waffen tragen und mit dem Geld abhauen? Es ist sehr erfrischend, dass ausnahmsweise wir lügen, betrügen und stehlen, anstatt einfach immer nur die Jungs zu küssen."

Driver stimmt ihrer Kollegin in allen Punkten zu: "Es ist rar genug, dass zwei Frauen die Hauptrollen in einem Film spielen. Und dieses Drehbuch war obendrein noch richtig witzig - ein echtes Plus!" Mel Smith gibt zu, dass das Drehbuch in der Industrie heiss gehandelt wurde: "Das Skript sprach vielen Schauspielerinnen richtiggehend aus der Seele. Diese Art von Film gibt es nur selten: Es gibt keine Liebesgeschichte, dafür konzentriert sich die gesamte Handlung auf zwei beste Freundinnen. Es ist ihr Film, ganz klar, und sie haben Spaß und müssen alle möglichen Abenteuer bestehen. Ich konnte mich jedenfalls nicht über einen Mangel an Bewerbungen für die Rollen beschweren."

Auf die unausweichlichen Parallelen zu "Thelma & Louise" (1991) angesprochen, betonen die Schauspielerinnen, dass es sich bei Shannon und Frances nicht um Opfer handelt. "Sie sind nicht geknechtet", meint Minnie Driver. "Es ist nur, dass sie ihr Leben als langweilig und unausgefüllt empfinden. Aber sie werden nicht von den Männern in ihrem Leben unterdrückt." Driver und McCormack genossen das Privileg, von einem Vollprofi wie Mel Smith dazulernen zu können. Mary McCormack erklärt: "Komödie ist für Mel so etwas wie eine Wissenschaft. Er sagt einem: Ja, das ist gut und witzig, aber wenn du noch ein bisschen länger wartest, ist es noch witziger. Dann folgt man seinem Rat und erkennt, dass er natürlich Recht hat, dass der Lacher auf diese Weise noch größer ist. Es ist aufregend, ihm zuzusehen."

Driver greift den Faden auf: "Bei Komödien können leicht die Instinkte abstumpfen. Wenn man eine Szene immer und immer wieder wiederholt, dann weiß man nicht mehr, was witzig ist. Da mußs man sich auf einen Regisseur verlassen, der weiß, was er tut. Und Mel weiß das." Obwohl sowohl der Autor und der Regisseur Männer sind, merkt Driver noch an, dass "der Humor wunderbar weiblich und komisch" ist.

Zudem gefiel Mary McCormack der Realismus, aber auch die Unberechenbarkeit des Drehbuchs. Sie sagt: "Was mir am besten gefällt: Diese Geschichte könnte tatsächlich passieren. Zumindest ist sie so geschrieben, dass man ihr jede Wendung abkauft. Ich hoffe, dass das Publikum von jeder neuen Wendung überrascht sein wird. Denn das war es, was mich so mächtig beeindruckte: Ich hatte keinen blassen Schimmer, worauf die Story hinauslaufen würde."

Tremaine und McGill Immer wieder taucht das Polizistenduo Tremaine und McGill auf, das auf scheinbar unzusammenhängenden Verbrechenstatorten ständig Hinweise auf "eine Blondine und eine Brünette" erhält.

Mark Williams und Kevin Eldon hatten keine allzu klingenden Namen, als sie als das ahnungslose Polizeibeamtenduo besetzt wurden. Aber sie kamen sofort blendend miteinander aus und begeisterten die Crew auch nach Drehschluss noch mit ihren urkomischen Gags. Obwohl die beiden Filmnewcomer sind (lediglich Williams hatte bisher kleine Gastauftritte in größeren Produktionen, Eldon gibt sein Filmdebüt), war das Duo von der Arbeit mit dem Regisseur begeistert: "Die Arbeit mit Mel ist sehr produktiv, weil es zu seinen Qualitäten gehört, die Schauspieler vor der Kamera wunderbar zu entspannen. Die ganze Atmosphäre am Set war relaxed."

Mason und Kerrigan Als Kim Fuller an die Arbeit ging, die Bösewichte Kerrigan und Mason zu skizzieren, umschiffte er bewusst typische Gangsterklischees: "Es wird viel über den britischen Gangsterfilm gesprochen. Das Spannende an unserem Film ist, dass er kein Gangsterfilm als solcher ist, weil er aus einer anderen Perspektive erzählt wird. Unsere Gangster laufen nicht die ganze Zeit rum und raunzen sich harte Sprüche zu."

Kevin McNally gefiel gerade dieser Ansatz ganz besonders gut. Ursprünglich war er dafür vorgesehen, den Polizisten McGill zu spielen. Doch er selbst bat explizit darum, die Rolle des harten, berechnenden Mason übernehmen zu dürfen. Mel Smith, ein alter Kollege, stimmte zu: "Mit Mason werden Shannon und Frances nicht so leicht fertig. Er ist kein undisziplinierter Schläger. Er hatte eine Karriere beim Militär, ist also bestens ausgebildet und organisiert. Wenn er etwas vorhat, dann ist es genau geplant und haut auch hin." Bis jetzt zumindest. McNally spielt seinen Part mit Gänsehaut erregender Genauigkeit. Fuller lobt den Schauspieler denn auch für seinen "großartigen Einsatz" für die Rolle.

McNally gefiel überdies die Balance von Komödie und Thriller: "Das Drehbuch ist gleichzeitig sehr komisch, aber auch sehr düster. Die Balance ist sehr fein. Gleichzeitig wird die Spannung ständig erhöht, für alle Beteiligten steht immer noch mehr auf dem Spiel. Und wenn man glaubt, der Höhepunkt sei erreicht, schlägt die Story einen Haken und treibt die Spannung noch einmal voran. Die Überraschungen reißen nicht ab. Sogar ich bin verblüfft, wie gefährlich Shannon und Frances sind und was für ein fieser Typ ich sein kann."

McNally fährt fort: "Wir wollten weder Designer-Gangster spielen noch Bösewichte, die keinen Plan haben. Uns war daran gelegen, sie so echt und bedrohlich wie nur möglich rüberkommen zu lassen. Wenn die Mädchen sie dann anrufen und erpressen, soll es dem Publikum eiskalt den Rücken runterlaufen."

Michael Gambon merkt schmunzelnd an, dass er ungefähr ebenso viel Zeit mit den Make-up-Vorbereitungen für die Rolle des leicht überzogen dargestellten, aber immer eiskalten Kerrigan verbrachte wie vor der Kamera. Man schminkte ihm eine riesige Narbe auf die Brust und eine tiefe Narbe über ein Auge. Dazu kamen noch eine graue Perücke und intensive Sonnenbräune. Das war wichtig, um die Idee eines gebildeten Kriminellen mit einem luxuriösen Lebensstil und zweifelhafter Vergangenheit zu transportieren.

Die Gangster-Crew wird mit Len Collin in der Rolle des Barry, dem Handlanger im Dienst von Mason, ergänzt. Während es Mason ausreicht, seine Opfer psychisch zu foltern, ist Barry der Mann fürs Grobe. "Meine Figur ist der zuverlässige Vollstrecker, der leicht lenkbar ist. Mit anderen Worten: Er ist nicht unbedingt der Hellste!" merkt Collin an. Und schließlich ist da noch Danny, eine kuriose Mischung aus nassforschem Gauner und leicht zu erschreckendem Jungen. "Ich bin das schwache Glied in der Kette", erklärt Danny Dyer. "Ich bin der Nervöse, der Typ, wegen dem alles auffliegt."

Er erklärt: "Danny ist im Grunde seines Herzens kein schlechter Mensch. Genau das ist aber sein Problem. Er ist angreifbar, und dafür mußs er schließlich bezahlen. Er ist ein Unsicherheitsfaktor. Eigentlich hat er von Anfang an keine richtige Chance. Ich glaube, dass das Publikum Mitleid mit ihm haben wird."

Dyer war am Tag der Vorsprechtermine der Erste, der sich um die Rolle des Danny bewarb. Obwohl nach ihm noch 16 weitere Schauspieler vorsprachen, waren die Produzenten von Anfang an sicher, dass er der Richtige für den Part war.

Überhaupt waren die Produzenten hoch zufrieden mit den Darstellern, die sie für das Ensemble von Verbrechen verführt auswählten. Die Chemie stimmte von Anfang an, ob nun Shannon Frances in schwesterlicher Solidarität umarmt, Mason Danny zu Tode ängstigt oder Tremaine McGill wegen seiner Inkompetenz anplärrt. "Es ist schön, einen Film zu drehen, dessen Schauspieler man besetzt, weil sie beim Vorsprechtermin geglänzt haben. Oft werden Schauspieler aus einer unendlichen Vielzahl von Gründen besetzt, und man bekommt nicht immer den besten Darsteller für die jeweilige Rolle. In diesem Fall ist es uns aber gelungen", erklärt Mel Smith abschließend.

Dirk Jasper FilmLexikon
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