Ausführlicher Inhalt zu Rufmord - Jenseits der Moral

Szenenfoto Gouverneur Jack Hathaway (William Petersen) sitzt mit seiner Angelrute in einem Ruderboot, als auf der Brücke über ihm ein PKW von der Fahrbahn abkommt und in den See stürzt. Hathaway springt ins Wasser und taucht zu dem Wrack, in dem eine junge Frau um ihr Leben kämpft. Als es ihm beim zweiten Anlauf gelingt, die Wagentür zu öffnen, ist es zu spät ? die Frau ist ertrunken.

Drei Wochen zuvor ist der amerikanische Vizepräsident gestorben, und Präsident Jackson Evans (Jeff Bridges) sucht einen Nachfolger. Im Fernsehen wird der populäre Hathaway als aussichtsreicher Kandidat gehandelt. Die spektakuläre Rettungsaktion sorgt für positive Schlagzeilen.

In einem persönlichen Gespräch mit Hathaway bezeichnet auch der Präsident dessen Einsatz als "heldenhaft". Doch dann erklärt er ihm, dass die Rettungsaktion zu sehr an Ted Kennedys Autounfall in Chappaquiddick 1969 erinnere, bei dem eine junge Frau ertrank. Ihn nun zum Vizepräsidenten zu berufen ? "das könnte uns politisch schaden". Der Präsident bespricht kurz darauf mit seinem Stabschef Kermit Newman (Sam Elliott) und Pressesprecher Jerry Toliver (Saul Rubinek) die Alternative: Evans will die Senatorin Laine Hanson (Joan Allen) berufen. Erstmals soll eine Frau das zweithöchste Amt bekleiden.

Szenenfoto Hanson gehört als engagierte Politikerin der demokratischen Partei an. Sie kennt die Szene: Ihr Vater Oscar Billings (Philip Baker Hall) war lange republikanischer Gouverneur von Ohio. Laine ist verheiratet mit William Hanson (Robin Thomas), der ihr als Wahlkampfstratege zum Einzug in den Senat verholfen hat. Die beiden haben einen Sohn, den sechsjährigen Timothy. Die Nachricht von Laine Hansons Nominierung stößt bei dem erzkonservativen Republikaner Shelly Runyon (Gary Oldman) auf Widerstand. Er hält Laine für absolut ungeeignet. Offenbar ist auch Pressesprecher Toliver nicht ganz von Evans' Entscheidung überzeugt, denn er flüstert Runyon zu, dass Hathaway durchaus noch eine Alternative zu Laine wäre.

Szenenfoto Runyon stellt ein (von der Verfassung vorgesehenes) Komitee zusammen, das die Wunschkandidatin des Präsidenten prüfen soll. Reginald Webster (Christian Slater), ein junger demokratischer Abgeordneter, bittet Runyon, ihn in das Komitee zu berufen. Er macht klar, dass er (obwohl er Laines Parteigenosse ist) sie dennoch nicht stützen werde. Runyon akzeptiert den ehrgeizigen Nachwuchspolitiker daraufhin im Komitee.

Hinter den Kulissen stellt Runyon ein Team von Handlangern zusammen, "die mit Laine", so Runyon, "kurzen Prozess" machen sollen. Kurze Zeit später erhält Laines Pressesprecher Lewis Hollis (Mike Binder) jenes Dossier, das Runyon gegen Laine vorbereitet hat: Fotos von einer Orgie aus ihren College-Tagen zeigen eine junge Frau in eindeutig sexueller Position zusammen mit zwei Männern. Laine ist erschüttert, als sie die Fotos sieht. Stabschef Newman stellt sie zur Rede, doch Laine ist hartnäckig: "Mein privates Sexualleben geht niemanden etwas an. Ich war damals erst 19." Newman fordert sie auf, sich zu wehren. Doch sie entgegnet: "Es ist unter meiner Würde, darauf einzugehen!"

Szenenfoto Widerstrebend trifft sich Laine mit ihrem Hauptgegner Runyon ? und spricht ihn direkt auf die belastenden Fotos an. Doch dieser lässt sich nicht beirren und kündigt an, ihre "abwegigen Sexpraktiken" an die Öffentlichkeit zu bringen. Laines Einwand, Sex sollte in der Anhörung kein Thema sein, schlägt Runyon nieder. Verachtend konstatiert er: "Man mußs nicht unbedingt in Kennedy oder Lincoln sein, um dieses Amt zu übernehmen. Aber man mußs zumindest das Potenzial solcher Größe mitbringen. Und das haben Sie wahrlich nicht."

Präsident Evans ist von der Haltung Laines, die Geschehnisse nicht zu kommentieren, beeindruckt und möchte sie weiterhin unterstützen. "Die Republikaner wollen uns einen Virus in die Regierung pflanzen. Also seien Sie auf die Angriffe gefasst, lassen Sie sich nicht einschüchtern!"

Bei der Anhörung wird Laine zunächst vereidigt, aber sofort von Webster angegriffen: Wenn sie schwöre "so wahr Gott mir helfe", sei sie bereits unglaubwürdig, denn sie habe sich öffentlich für die Trennung von Staat und Kirche ausgesprochen. Das waren nur die einleitenden Worte ? eine Hetzkampagne gegen Hanson beginnt und es dauert nicht lange, bis Laines angebliche Verfehlungen am College inklusive der voyeuristischen Fotos Tagesordnung im Komitee und Tagesthema in den Medien werden. Zeugen tauchen auf, die Laines Eskapaden beurkunden.

Szenenfoto Runyon kündigt ferner einen FBI-Bericht an, der über Laines mögliches "kriminelles Verhalten" Auskunft geben soll. Schonungslos wird sie in den Anhörungen mit Fragen konfrontiert ? zu den Folgen einer möglichen Schwangerschaft als Vizepräsidentin, zum äußerst sensiblen Thema Abtreibung und zu ihrem Wechsel der Partei hin zu den Demokraten vor vielen Jahren. Unbewegt nimmt sie Stellung zu allen die politische Zukunft des Landes betreffenden Fragen und lässt sich nicht zum Gegenangriff bewegen.

Unterdessen erfährt Webster, wie Runyon und seine Handlanger Informationen gegen Laine fabrizieren und gezielt streuen. Mit dieser Schlammschlacht will er nichts zu tun haben und er bittet Laine um eine Unterredung. Er fordert sie eindringlich auf, sich zu wehren, doch Laine entgegnet: "Wenn ich ein Mann wäre, hätten meine sexuellen Kontakte als Student heute keinerlei Bedeutung. Deshalb sollten sie auch in meinem Fall keine Rolle spielen." Als Runyon schließlich Cynthia Lee (Mariel Hemingway) vorlädt, fährt er ein schweres Geschütz auf: Cynthia war William Hansons erste Ehefrau und eine gute Freundin von Laine. Laine, damals unverheiratet, begann mit William eine Affäre. Runyons Vorwurf, Laine habe Ehebruch begangen, ist zwar leicht zu entkräften ? denn technisch gesehen beging nur William den Ehebruch ? trotzdem entschuldigt sich Laine tief bewegt auf einer Pressekonferenz öffentlich bei ihrer Freundin. Mit Tränen kämpfend wendet sie sich an den Präsidenten: "Ich bin bereit zurückzutreten. Aber mein Privatleben bleibt mein Privatleben."

Szenenfoto Parallel dazu legt das FBI seinen Abschlussreport vor, von dem nur Stabschef Newman und Präsident Evans wissen. Am Abend vor der Rede des Präsidenten zur Lage der Nation trifft sich Evans zu einem Essen mit Shelly Runyon, der sich natürlich nach wie vor weigert, Laine als Vizepräsidentin zu akzeptieren. Evans gibt in dem Gespräch nach ? er ist bereit, Runyons Wunschkandidat Hathaway zu berufen, falls Runyon sich öffentlich für Hathaway verbürgt. Runyon triumphiert und entspricht der Forderung des Präsidenten vor den Mikrofonen derJournalisten.

Zum Showdown bestellt der Präsident seinen engsten Stab, Runyon und die beiden Kandidaten ins Oval Office. Und plötzlich stellt sich heraus, dass die Schlacht zwar geschlagen ist ? aber mit einem ganz unerwarteten Sieger ...

Dirk Jasper FilmLexikon
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