Produktionsnotizen zu Mord nach Plan

Die Idee zu Mord nach Plan hatte Produzent Richard Crystal. Seit langem fasziniert ihn der historische Mordfall Leopold & Loeb von 1924. Dabei handelte es sich um zwei intelligente junge Männer, die sich einen Kidnapping- und Mordplan als ausgeklügeltes Spiel ausdachten - einfach nur um das "perfekte Verbrechen" zu begehen.

Autor Tony Gayton bekam den Auftrag, das Drehbuch zu schreiben. Für Castle Rock hat er bereits "The Salton Sea" verfasst. Gayton gab der Geschichte die Richtung vor, indem er die energische Kriminalistin Cassie Mayweather in den Mittelpunkt stellte. Dadurch wirkt die Story zeitgemäßer, sie wird aus Cassies Sicht erzählt. "Während wir das Projekt entwickelten, gewann die Story zusehends an Komplexität", sagt Crystal. "Zwischen Cassie und den Jugendlichen entspann sich ein echtes Katz-und-Maus-Spiel - als ob man einer Schachpartie zuschaut."

Regisseur und Oscar-Kandidat Barbet Schroeder kam mit seiner langjährigen Produktionspartnerin Susan Hoffman an Bord. Schroeder drehte damals gerade "Our Lady of the Assassins" im kolumbianischen Medellin. Als Hoffman das Drehbuch zu Mord nach Plan las, arbeitete sie an "The Believer", den Henry Bean schrieb und mit Ryan Gosling in der Hauptrolle inszenierte.

"In Hollywood kursieren viele Drehbücher, die man als ,recht ordentlich' einstufen kann", erklärt Hoffman. "Aber für uns bedeutet ein Film ein ganzes Jahr Arbeit - also suchen wir nach wirklich außergewöhnlichen Stoffen, die eine echte Herausforderung darstellen. Mord nach Plan ist so ein außergewöhnlicher Stoff. Uns gefiel das Konzept der Story, und wir erkannten sofort, wie man sie psychologisch intensivieren kann."

"Es geht mir genauso wie vielen anderen: Der Fall Leopold & Loeb hat mich nie ganz losgelassen", sagt Schroeder. "Aber vor allem möchte ich Richard und Justins Geschichte an die heutige Zeit anpassen. Wir stellen eine komplexe Protagonistin in den Mittelpunkt, eine Expertin für wissenschaftliche Polizeiarbeit, wie sie zu Leopold & Loebs Zeiten noch gar nicht existierte. Dadurch ergibt sich ein psychologischer Schlagabtausch, wie er nur in unserer Gegenwart denkbar ist."

Dazu Hoffman: "Wir haben uns an moderneren Vorbildern orientiert, Truman Capotes "Kaltblütig" und den Dartmouth-Morden: Im Jahr 2000 ermordeten zwei junge Männer zwei College-Professoren einfach nur so zum Spaß." "Barbet dreht am liebsten Filme, in denen alle Figuren voll zu ihrem Recht kommen", sagt Hoffman. "Diese beiden Jungen haben eine recht tragische Dimension. Eigentlich sind sie natürlich die Bösewichte, aber dennoch entwickeln wir Mitgefühl für sie. Barbet stellt gern Frauen ins Zentrum seiner Geschichten. Er schätzt es, wenn eine Frau die Handlung vorantreibt. Also war der Film wie für ihn gemacht: ansprechende Spitzbuben, eine handfeste Heldin und jede Menge Psychologie."

Sandra Bullock hatte für Castle Rock gerade die Hitkomödie Miss Undercover produziert und interessierte sich sehr für einen Psychothriller, der sich aus einem verzwickten Fall entwickelt. Bullock beschreibt ihre Rolle als "Kriminalistin, die bisher reibungslos gearbeitet hat. Doch der neue Fall und das Mordopfer machen ihr emotional schwer zu schaffen. Die Kollegen werfen ihr das vor - sogar die Lösung des Falls wird dadurch in Frage gestellt."

Schroeder hält Sandra Bullock für die ideale Besetzung der Cassie Mayweather. "Ich habe Sandra Bullock sehr gern eine Rolle angeboten, mit der die Tradition der komplexen und hartgesottenen Filmheldinnen der 40er-Jahre fortgeführt wird - Cassies Verletzlichkeit bewegt uns dadurch sehr viel unmittelbarer."

"Bei ungemütlichen Dingen ist Barbet in seinem Element", sagt Sandra Bullock. "Ein Psychothriller lebt ja vor allem von dem, was nicht ausgesprochen oder gezeigt wird, wie man den Bildausschnitt wählt und wie viel oder wenig die Schauspieler ausdrücken. Barbet gibt ganz präzise Vorgaben, was wir zeigen dürfen und was nicht. Er hat Sinn fürs Makabre, was gerade einer solchen Story zugute kommt."

Cassie mußs sich widerwillig mit ihrem neuen Partner Sam arrangieren, der dem Morddezernat zugeteilt wird - diese Rolle übernimmt der britische Schauspieler Ben Chaplin. "Sam ist gerade von der Sitte zum Morddezernat versetzt worden", erklärt Chaplin. "Er ist ein kluger Kopf, kennt sich aber auf der Straße noch nicht aus. Aufgrund seiner Verdienste wird er befördert, aber im Morddezernat bleibt er der Außenseiter."

Neben den menschlichen Abgründen der Geschichte interessierte sich Chaplin auch für die Wissenschaft der Spurensicherung, die hier eine wichtige Rolle spielt. "Wie perfekt man sein Verbrechen, seinen Mord auch planen mag - Fehler begeht jeder, es gibt immer Spuren", sagt er. "Ich finde das echt faszinierend und irgendwie auch beruhigend." Sam erkennt sofort Cassies hervorragende berufliche Qualitäten, aber er durchschaut auch ihre abweisende Fassade. Ihre Weigerung, Persönliches mit anderen zu teilen, ignoriert Sam einfach. Richard Crystal erklärt: "Sam ist ein heller Kopf und äußerst umgänglich. Auf diese Weise bildet er den passenden Gegenpol zum Energiebündel Cassie."

"Wir sind zur Zusammenarbeit gezwungen - da trifft Feuer auf Wasser", sagt Bullock. "Sam ist ein echter Spießer. Er hält sich derart strikt an die Vorschriften, dass ich durchdrehe. Ich kann so etwas nicht ausstehen. Ich nehme mir das Recht heraus, ihn links liegen zu lassen, und handele auch danach. Respekt kann er als Greenhorn von mir nicht erwarten. Aber das ändert sich mit der Zeit. Und das ist das Schöne an diesem Film: Der erste Eindruck täuscht immer."

Cassie hält Richard und Justin für verdächtig - aber mehr aus dem Bauch heraus als aufgrund belastender Beweise. "Ich spüre das einfach", erklärt Bullock. "Während wir die Umstände analysieren, entdecke ich ein Verhaltensmuster, aber die anderen weigern sich, meiner Überzeugung Glauben zu schenken. Mir fallen diese beiden Jungs aus dem gutbürgerlichen Viertel sofort auf, doch es gibt keine handfesten Indizien dafür, dass sie überhaupt mit der Sache zu tun haben. Das ist mein ganz persönliches Ding. Ihr Auftreten, ihr Alibi sind einfach zu perfekt. Erst ganz allmählich kommen Dinge zum Vorschein, die mir Recht geben."

Ryan Gosling spielt Richard Haywood. Das Publikum wurde auf ihn aufmerksam, als er 2001 auf dem Sundance Film Festival als jüdischer Skinhead in Henry Beans "The Believer" großen Eindruck machte - dafür erhielt er den Jury-Preis des Festivals. Gosling wurde außerdem für den Darstellerpreis des Independent Feature Project SPIRIT und der Londoner Filmkritiker nominiert.

Genau dieselbe Intensität bringt der charismatische 19-Jährige auch in die Rolle des Richard Haywood ein: Ein gestörter Jugendlicher, der seinen Freund Justin dazu anstiftet, mit ihm gemeinsam das perfekte Verbrechen zu begehen. Gosling bekam nach "The Believer" etliche Drehbücher angeboten, aber "Mord nach Plan" unterschied sich deutlich von allen anderen. "Die meisten Drehbücher dieses Genres bringen alle fünf Seiten einen Mord", sagt er. "So etwas gibt es hier nicht. Ich fand die Möglichkeit äußerst interessant, mich mit den komplizierten Konsequenzen des Mordes auseinanderzusetzen. Mir wurde klar, dass man sein Leben nur bis zu dem Punkt unter Kontrolle hat, an dem die eine Entscheidung fällt, die das Leben nachhaltig verändert."

Gosling erklärt, dass es Richard und Justin längst nicht nur um die Aussicht geht, als Mörder unbehelligt zu bleiben. "Sie wollen überhaupt etwas fühlen", sagt er. "Sie wollen ein intimes Geheimnis teilen, das anders nicht vorstellbar wäre. Eine Beziehung zu ihren Eltern existiert praktisch nicht, sie haben keine Freunde. Sie träumen von einer herausragenden Leistung. Ich glaube, dass Richard Justin damit auf ewig an sich binden will."

Susan Hoffman hat sowohl "The Believer" als auch Mord nach Plan produziert - sie wollte unbedingt weiter mit dem begabten Nachwuchsdarsteller arbeiten. "Ryan bringt eine inspirierte Begabung mit, wie man sie selten erlebt", sagt Hoffman. "Er wirkt so überzeugend, weil er sympathisch ist. In ,The Believer' spielte er einen jüdischen Neonazi, und trotzdem war das Publikum auf seiner Seite. Als ich erstmals erlebte, wie charismatisch er auf das Publikum wirkt, wurde mir klar, dass für Richard nichts unmöglich ist."

"Ryan ist seinen Altersgenossen um Lichtjahre voraus", begeistert sich Bullock. "Es ist sehr spannend zu erleben, wie er seine Dialogzeilen mit einem Lächeln rüberbringt und wir gleichzeitig genau spüren, was er wirklich meint: ,Ich leg' dich um!'" Michael Pitt aus New York spielt den grüblerischen und introvertierten Justin Pendleton, der ebenso schüchtern wie hochbegabt ist und sich bestens in polizeilichen Untersuchungsmethoden und in der Gerichtsmedizin auskennt. Aktuell war Pitt in sehr unterschiedlichen Filmen zu sehen: Gus Van Sants "Forrester - Gefunden!", Larry Clarks "Bully" und John Cameron Mitchells "Hedwig and the Angry Inch".

"Beim Casting habe ich mehrere Schauspieler gefunden, die Richard durchaus überzeugend hätten spielen können, falls Ryan Gosling nicht zur Verfügung stand. Aber Michael Pitt war der einzig mögliche Justin: Es gab keine Alternative."

Pitt schwärmt von seiner Rolle, die sich von allen seinen bisherigen unterscheidet: "Justin ist irre intelligent, gerät aber unter schlechten Einfluss", sagt er. "Er ist sehr zurückhaltend und geht bei allem sehr systematisch vor, weil er ständig nachdenkt - bis er schließlich überschnappt, was mir besonders Spaß macht. Richard und Justin sind ziemlich abgedrehte und kaputte Typen. Sie sind völlig aufeinander fixiert, weil sie sich von der Welt betrogen fühlen."

Pitt erklärt, Justin begreife den Mord als wissenschaftliches Experiment oder als mathematische Aufgabe. "Er entwickelt den Plan ganz langsam, vor allem aus Langeweile, denn er hat nichts zu tun, wünscht sich eine Herausforderung." Doch während des Mordes regt sich Justins Gewissen, er fühlt sich schuldig - über Reue hatte er nicht nachgedacht. "Justin hat einen sehr komplexen Charakter", sagt Bullock. "Die Rolle erfordert einen Darsteller, der schwächlich wirkt - aber stille Wasser sind tief. Ohne Dialog, nur auf seinem Gesicht kann man ablesen, dass da ungeheure Dinge in ihm vorgehen. Genau das gelingt Michael. Er arbeitet sehr intensiv, ganz von innen heraus."

"Michaels Spiel ist derart verinnerlicht, dass man es gar nicht mitbekommt", sagt Hoffman. "Aber auf der Leinwand sieht man dann, wie menschlich, absolut anrührend und glaubwürdig er spielt - ganz naturalistisch."

Eine weitere Hauptrolle spielt Chris Penn ("Reservoir Dogs") als Highschool-Hausmeister Ray, dem Richard und Justin den Mord in die Schuhe schieben wollen. "Wir möchten schon seit zehn Jahren zusammenarbeiten, und ich freute mich riesig, als er die Rolle übernahm", sagt Schroeder. "Denn ich wusste genau, dass er Ray menschlich und mit dem nötigen Nachdruck verkörpert. Der Hausmeister erscheint anfangs sehr bedrohlich und verschlagen, entpuppt sich am Ende aber als harmlos-unschuldiges Opfer."

Die Nachwuchsdarstellerin Agnes Bruckner spielt Lisa Mills, Richards und Justins hübsche Klassenkameradin, über die sich die beiden Freunde zerstreiten. "Als Agnes vorsprach, merkten wir sofort, dass sie Selbstsicherheit mit jugendlicher Frische und Sinnlichkeit kombiniert - dadurch wird sie zur Geheimwaffe unseres Films", sagt Schroeder. Außerdem wirkt R.D. Call als Rod mit - er spielt einen Kollegen im Morddezernat der Polizei von San Benito.

Der Weg nach San Benito Die erste Klappe zu Mord nach Plan fiel am 27. Februar 2001. Die Außenaufnahmen fanden im südlichen Kalifornien und im San Luis Obispo County im Landesinneren statt. Die Innenaufnahmen entstanden in den Raleigh Studios in Hollywood.

Luciano Tovoli, Mitglied der Associazione Italiana autori della fotografia cinematografica (A.I.C., Verband der italienischen Kameraleute) und der American Society of Cinematographers (A.S.C., Gesellschaft der US-Kameraleute), arbeitet wie schon oft mit seinem Freund, dem Regisseur Barbet Schroeder, zusammen und prägt Mord nach Plan mit seinem persönlichen Stil. Gemeinsam drehten Schroeder und Tovoli unter anderem den Oscar-Kandidaten "Die Affäre der Sunny von B.", "Kiss of Death", Davor und danach" und "Weiblich, ledig, jung sucht ...".

"Das schöpferische Teamwork zwischen Barbet und Luciano gilt unter ihren Mitarbeitern inzwischen als Legende", sagt Susan Hoffman. "Luciano ist ein Meister aller Klassen, ein genialer Erfinder, der für jedes Problem eine Lösung parat hat. Jedem seiner Filme drückt er seinen unauslöschlichen Stempel auf. Das ergibt sich vor allem aus seiner Kooperation mit Barbet - eine beeindruckende und oft auch komische Symbiose. Es ist sehr witzig, die beiden beim Dreh vor den Monitoren zu erleben."

Als die Aufnahmen in den zahlreichen Sets der Raleigh Studios beendet waren, drehte das Team in der Stadt San Luis Obispo weiter - sie liegt auf halber Strecke zwischen Los Angeles und San Francisco und dient als Vorbild für den fiktiven Schauplatz San Benito.

"Eine Großstadt kam für den Film nicht in Frage", sagt Produzentin Susan Hoffman. "Denn wir wollten uns die Erklärung für das Verbrechen nicht allzu einfach machen - etwa dass die Jugendlichen reiche, verwöhnte Stadtkinder wären. Also suchten wir uns eine sehr amerikanische Umgebung aus - nicht genau zu lokalisieren, wohlsituiert, aber nicht ausgesprochen wohlhabend. Auf Motivsuche fuhren wir von Los Angeles bis hinauf nach Oregon, entschieden uns dann aber für San Luis Obispo: ein sehr schöner Ort und genau die Stadt, die wir uns als sozioökonomisches Umfeld vorgestellt hatten."

"Ich hatte sofort ein gutes Gefühl dabei, diese ,Jahrhundertwende'-Geschichte in der westlichsten Ecke des Landes anzusiedeln", sagt Schroeder. "Der Osten schien mir nicht geeignet, obwohl das Florida aus "Bully" auch funktioniert hätte. Die Küstenregion im mittleren Abschnitt von Kalifornien ist von berauschender Schönheit. Und Wasser spielt in unserer Geschichte eine wichtige Rolle."

"Als Schauplatz für unsere Story brauchten wir eine Umgebung, in der man derartige Ereignisse nie erwarten würde", sagt Produktionsdesigner und Oscar-Kandidat Stuart Wurtzel. "Deshalb schufen wir uns die fiktive Stadt San Benito - mit San Luis Obispo als Vorbild. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass man gut dort leben kann, ein hübsches Städtchen, das viel auf Tradition hält und stark von spanischen Einflüssen geprägt ist. Dadurch bekommt unsere Story ein reales Fundament."

Wurtzels größtes Problem bestand darin, ein Haus auf der Steilküste zu finden, in dem Justin und Richard ihre Pläne aushecken. "Mir schwebte ein ausladender, großzügiger Bau vor", sagt Wurtzel. "Deswegen suchte ich nach Häusern im Stil der Herbergen, die in den 20er-Jahren in den Nationalparks entstanden. Bei der Innenausstattung orientierten wir uns an der Ahwahnee Lodge im Yosemite National Park - sie ist aus Stein und Holz."

Bei der Gestaltung der Innenräume des Polizeireviers von San Benito, die im Studio gebaut wurden, ließ Wurtzel sich vom Distrikt-Gerichtsgebäude in San Luis Obispo inspirieren. "Das schöne Gebäude enthält viele Art-Deco-Elemente", sagt er. "Ich wollte auf jeden Fall den Look typischer Polizeireviere vermeiden, auch das übliche, allseits bekannte Chaos und die Hektik normaler Genrefilme gibt es nicht. Wir befinden uns hier in einer ruhigen Kleinstadt, wo Morde eine große Seltenheit sind."

Die Kostümbildnerin Carol Oditz (Der Eissturm) aus New York hielt sich bei ihren Entwürfen für die Detectives und die Jungen eng an die Vorgaben von Barbet Schroeder und Stuart Wurtzel. "Die südlich geprägte Architektur in San Benito dominiert das optische Konzept", sagt Oditz. "Ich habe also Western-Elemente in die Kleidung einfließen lassen, was vor allem bei den Nebendarstellern und Statisten zur Geltung kommt: jenen Anwälten und Detectives, die in vielen Filmszenen zu sehen sind. Dieser Western-Touch bestimmt die Bilder, prägt die Architektur, die Inneneinrichtungen und die Kostüme."

Sandra Bullock/Cassie Mayweathers Outfits gestaltete Oditz in nur wenigen Farben: Grau, Schwarz und Lila. Cassie trägt meist eine abgetragene schwarze Lederjacke und Rollkragenpullover. "Cassie tritt sehr bestimmt und selbstsicher auf, immer nach dem Motto: ,Lass mich mal machen'", sagt Oditz. "Ihr Äußeres wirkt immer ausgeglichen, doch darunter kommt ein instabiles geheimes Innenleben zum Vorschein. Ihr Markenzeichen, die Rollkragenpullis, sind einerseits natürlich sehr praktisch. Andererseits wirken sie wie eine Metapher für die Geheimnisse, die im Laufe der Story ans Licht kommen."

Den jungen Richard Haywood beschreibt Oditz als "arroganten Möchtegern-Filmstar, der sich James Dean und Steve McQueen als Vorbild nimmt". Deswegen verpasst sie ihm eine rote Lederjacke, die eine Art Charaktereigenschaft darstellt. "Im Laufe des Films wird die Jacke zum Symbol für ihren Träger", sagt sie. "Genau wie der Junge wirkt seine Kleidung arrogant, teuer und provozierend."

Für Justin Pendleton entwickelte Oditz den Look eines Kopfarbeiters, der sich nicht darum schert, wie er aussieht. "Er trägt nur braune Kleidung, die seinen dürren Körper und den krummen Rücken betonen", sagt Oditz. "Sogar die Absätze seiner Schuhe sind verschieden hoch - dadurch geht er ganz eigentümlich, als ob er die Füße nicht hochbekommt."

Dirk Jasper FilmLexikon
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