Ausführlicher Inhalt zu Mr. Deeds

Szenenfoto Medien-Mogul Preston Blake (Harve Presnell) ist 82 Jahre alt, fühlt sich jedoch fit wie ein Turnschuh. Zu Unrecht, wie sich an jenem verhängnisvollen Tag herausstellt, an dem er bei einer Gebirgsexpedition das Zeitliche segnet. Neben einer tiefgefrorenen Leiche hinterlässt Blake einen 49-%-Aktienanteil an seinem gigantischen Wirtschaftsimperium. Wert des Portfolios: 40 Milliarden Dollar!

Chuck Cedar (Peter Gallagher), der geldgeile Geschäftsführer von Blakes Konzern, und sein deutlich gutmütigerer Assistent Anderson (Erick Avari) finden nach intensiver Recherche den rechtmäßigen Erben der unglaublichen Summe: Longfellow Deeds (Adam Sandler), Pizzeria-Besitzer in Mandrake Falls, New Hampshire ? einem Kaff so unfassbar brav und idyllisch, dass selbst Norman Rockwell schreiend von dort geflüchtet wäre.

Der sanftmütige und irritierend freundliche Deeds reagiert auf die Neuigkeit bemerkenswert gelassen. Und auch seine Freunde und Nachbarn finden es deutlich aufregender, das neue Grußkarten-Gedicht zu hören, dass Hobby-Poet Deeds sich ausgedacht hat, als sich mit der Multimilliarden-Dollar-Erbschaft auseinander zu setzen. Eine nette Seniorin gibt Deeds immerhin den wohlmeinenden Rat, nicht das ganze Geld auf einmal für irgendeinen modernen CD-Player hinauszuschmeißen.

Cedars Plan ist simpel: Er will Deeds mit nach New York nehmen, ihn ein paar Tage lang im Luxus ruhig stellen und dann die Papiere unterschreiben lassen, mit denen Deeds seine gesamten Aktien an Cedar überschreibt. Ein scheinbar grenzdebiles Landei wie Deeds wird ? so Cedars Theorie ? niemals kapieren, welch unfassbare Macht er mit dieser Unterschrift aus der Hand gibt. Die Identität des Milliardenerben soll bis dahin streng geheim bleiben. Denn wie alle klugen Schurken bevorzugt es auch Cedar, seine Missetaten nicht im Rampenlicht zu begehen.

Szenenfoto Doch er hat nicht mit dem TV-Team des Boulevard-Magazins "Inside Access" gerechnet! Der schmierige Moderator Mac McGrath (Jared Harris), die ehrgeizige Reporterin Babe Bennett (Winona Ryder) und deren tumber Kollege Marty (Allen Covert) haben Deeds längst aufgespürt und einen Plan geschmiedet, mit dem sie stets exklusiv an der Tratschgeschichten-Quelle sitzen werden: Die ausgebuffte Babe verwandelt sich mit braver Frisur und biederem Outfit in die jungfräuliche Pam Dawson, eine angebliche Schulkrankenschwester mit ländlicher Herkunft. Als Geburtsort improvisiert sie sich das fiktive Städtchen Winchestertownville, Idaho, zurecht. Babe alias Pam inszeniert einen Handtaschenraub, bei dem der galante Deeds als ihr Retter fungieren kann. Zwei plüschige Augenaufschläge und ein zuckersüßes Seufzen später ist Deeds der hübschen Journalistin bereits hoffnungslos auf den Leim gegangen.

Szenenfoto Deeds verhält sich keineswegs so, wie Cedar es erhoffte. Er ist zwar naiv, provinziell und mit den Gepflogenheiten der großen Stadt nicht einmal ansatzweise vertraut, doch er ist keineswegs eingeschüchtert. Ganz im Gegenteil: Anstatt staunend und demütig dem Moloch New York zu Füßen zu liegen, legt Deeds vielmehr großen Ehrgeiz an den Tag, den urbanen Rüpeln ein wenig Benimm beizubringen. New Yorks berühmtesten Footballspieler, der in Gegenwart einer Dame das F-Wort benutzt, streckt er beispielsweise zur Strafe mit einem gezielten Fausthieb nieder. Und auch die großkotzigen Arroganzlinge, die sich im Nobelrestaurant über ihn und die scheinbar mauerblümelige Pam lustig machen, werden schlagkräftig abgestraft. dass es sich bei den Herren, die nach Deeds Attacke winselnd am Boden liegen, u. a. um einen weltberühmten Opernsänger und um den Kurator des Guggenheim handelt, beeindruckt Deeds eher weniger. Denn dazu müsste man ja erst mal wissen, wer oder was so ein Guggenheim eigentlich ist.

Szenenfoto Pam alias Babe ist begeistert. Sie hat eine Minikamera im Dekolleté versteckt, hält damit alle spektakulären Auftritte des Milliardenerben fest und verhilft ihrem Boss so zu sensationellem Filmmaterial, das die Einschaltquoten in die Höhe schnellen lässt. Als sich zu Pam und Deeds noch das Tennis-Enfant-terrible John McEnroe gesellt und Deeds mit Unmengen von Alkohol abfüllt, ist die Sensationsstory komplett: "Inside Access" weiß in seiner nächsten Sendung zu berichten, dass Multimilliardär Deeds ein versoffener, prügelfreudiger Vollidiot ist.

Während die Öffentlichkeit Deeds mit Abscheu zu betrachten beginnt, ist der engste Kreis um ihn längst zu einem Fanklub mutiert. Der außerordentlich eigentümliche Diener Emilio (John Turturro), der eine ebenso große Vorliebe für überraschende Auftritte hat, wie er gern fremde Füße befingert, wird schnell vom loyalen Bediensteten zum guten Freund. Und auch alle anderen Ex-Lakaien ? vom Fahrstuhlführer übers Zimmermädchen bis zum greisen Butler ? sind bald dicke Kumpel des Mr. Deeds. Denn die Gutmütigkeit, die Großzügigkeit, der Sanftmut und die bedingungslose Ehrlichkeit des frisch gebackenen Milliardärs sind einfach entwaffnend.

Szenenfoto Selbst Reporterin Babe wird in der Nähe ihres Opfers langsam weich. Es ist zwar unsagbar peinlich, als Deeds sie als Überraschungsausflug in das kleine Städtchen Winchestertownville fliegt ? wer hätte gedacht, dass ein Kaff dieses Namens wirklich existiert?! ? und sie natürlich kein Mensch dort erkennt, doch es ist auch zutiefst rührend und aufmerksam von Deeds, sie mit einem Trip zu ihren angeblichen Wurzeln beglücken zu wollen. Und als Deeds dann eines Abends todesmutig in ein brennendes Haus rennt, sieben Katzen und eine Zwei-Zentner-Frau vor dem sicheren Tod rettet, passiert, was nie passieren sollte: Sie verliebt sich in den Mann, der eigentlich nur ihre "Story" sein sollte!

Szenenfoto Babe hat die heldenhafte Rettung auf Film, doch McGrath schneidet den Bericht um, unterlegt ihn mit irreführenden Kommentaren und erweckt so den Eindruck, Deeds hätte das Katzen-Septett nicht vor dem Flammentod bewahrt, sondern vielmehr abgemurkst und die Dame aus dem brennenden Haus aufs Gröbste sexuell belästigt. Babe ist empört und weigert sich gegenüber McGrath, weiterhin in diesem dreckigen Spiel mitzuwirken.

Deeds, der von all dem nichts ahnt, ist derweil aufgeregt wie noch nie in seinem Leben, denn er will Pam einen Heiratsantrag machen. Sie ist die Frau fürs Leben, da ist er sich sicher. Doch bevor er um ihre Hand anhalten kann, sieht er im Fernsehen, wie McGrath Pams wahre Identität enthüllt. Die angebliche Schulkrankenschwester ist eine knallharte Reporterin! All ihre Zuneigungsbekundungen waren offenbar bloß eine Lüge! Deeds ist entsetzt. Zutiefst verletzt verkauft er seine gesamten Aktien an Cedar, spendet den Erlös an karitative Zwecke und kehrt nach Mandrake Falls zurück. Er will alles, was geschehen ist, vergessen. Pam, das heißt: Babe, folgt ihm zwar und bittet ihn verzweifelt um Verzeihung, doch Deeds kann ihr nicht mehr trauen. Das Happy End scheint auszubleiben.

Szenenfoto Und das ist noch nicht alles: Cedar plant als frisch gebackener Besitzer der Aktienmehrheit, unverzüglich das gesamte Blake-Imperium zu zerstückeln und zu verscherbeln. 50.000 Menschen sollen ihre Jobs verlieren.

Das kann Longfellow Deeds ? Grußkartendichter, Pizzabäcker und Ex-Multimilliardär ? dann doch nicht zulassen. Kurz entschlossen macht sich der streitbare Provinzler noch einmal nach New York auf ...

Dirk Jasper FilmLexikon
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