Produktionsnotizen zu Mr. Deeds

Mr. Deeds basiert auf Frank Capras Oscar®-gekröntem Klassiker "Mr. Deeds geht in die Stadt" (1936) nach einem Drehbuch von Robert Riskin, inspiriert durch eine Kurzgeschichte von Clarence Budington Kelland. Die Hauptrollen spielten seinerzeit Gary Cooper und Jean Arthur. In der neuen Fassung wurde die Grundidee der Geschichte beibehalten, das Drumherum jedoch stark verändert: Computer und Corvettes, Finanzhaie und die allgegenwärtige Macht des Infotainment-Fernsehens zeigen, wie sehr sich die Welt seit Mr. Deeds letztem Stadtbesuch verändert hat.

"Es ist eine so genannte ?freie Adaption?", erklärt Regisseur Steven Brill. "Wir nahmen das dramaturgische Grundgerüst des Originalfilms und bauten es um unseren Star Adam Sandler herum. Obwohl der Film in der heutigen, modernen Welt spielt, gibt es dennoch viele Ähnlichkeiten zum Original. Unser Film atmet immer noch Frank Capras Geist."

Adam Sandler ergänzt: "Ich habe nicht das Gefühl, dass wir denselben Film noch einmal gedreht haben. Wir nahmen die Prämisse der Geschichte und reicherten sie mit unseren eigenen verrückten Ideen an. Es gibt viele Ähnlichkeiten, aber es ist trotzdem unsere eigene Story. Und ganz abgesehen davon spielte Gary Cooper ja sowieso in einer ganz anderen Liga." "Tims Originaldrehbuch war schlichtweg großartig", schwärmt Regisseur Brill. "Er schnappte sich all die wunderbaren Ideen des Originalfilms und brachte sie dann auf den neuesten Stand. Und selbst während des Drehs hatte Tim immer noch neue Ideen. Wir improvisierten vor laufender Kamera und versuchten, aus jeder Szene das Komischste herauszuholen. Das ist das Tolle, wenn man mit Freunden arbeitet ? jeder kann seinen eigenen Input geben."

Brill, der schon an diversen Sandler-Filmen mitarbeitete, entdeckt durchaus Ähnlichkeiten zwischen Adam Sandler und der Filmfigur Longfellow Deeds: "Adam ist ein sehr lustiger Typ. Auch wenn die Kamera ausgeschaltet ist. Er mußs sich nicht groß verstellen, wenn er spielt. In dieser Beziehung ist Adam der Figur des Deeds ähnlich, denn dieser Film handelt nicht von einem Mann, der sich im Laufe der Geschichte verändert, sondern dreht sich um einen Mann, der immer derselbe ist ? ein großartiger, charmanter, liebenswürdiger Typ. Gegen Ende der Geschichte hat Deeds zwar eine Krise und weiß nicht mehr, was und wem er glauben soll. Doch er bleibt sich selbst immer treu."

"Deeds ist ein guter Typ", grinst Sandler. "Die meisten Leute würden, wenn sie erfahren, dass sie gerade mehrere Milliarden Dollar geerbt haben, ganz anders reagieren als er. Er aber ist zufrieden mit seinem Leben und scheint instinktiv zu ahnen, dass mit diesem Geld automatisch auch eine Menge Ärger auf ihn zukommt." Adam Sandler spielt nicht nur die Hauptrolle in Mr. Deeds, sondern fungierte auch als ausführender Produzent. Sein Einfluss auf alle Aspekte des Films war enorm. "Adam ist ein erstaunlicher Filmemacher", erklärt Produzent Sid Ganis, der mit Sandler schon zuvor bei diversen Projekten (u. a. Big Daddy) zusammengearbeitet hat. "Von der ersten Minute an, von der Geburt der Idee bis zum letzten Tag der Post-Produktion, ja selbst im Kopierwerk noch ist Adam involviert. Er war jeden Tag im Schneideraum dabei, er war dabei, als die Filmmusik aufgenommen wurde, er war am Set, selbst wenn er selbst gar keine Szene zu drehen hatte. Die meisten Leute sehen in Adam einen Mann, den sie lieben und der sie zum Lachen bringt. Sie wissen nicht, dass er auch ein Mann ist, dessen Leidenschaft zum Medium Film enorm ist. Er legt all sein Herz und seine Seele in seine Projekte."

Adam Sandlers weiblicher Co-Star in Mr. Deeds ist die Oscar®-nominierte Winona Ryder. Über ihre Rolle als Journalistin Babe Bennett führt sie aus: "Babe wollte Reporterin werden, seit sie in die fünfte Klasse ging. Sie verehrte Walter Cronkite und Dan Rather. Aber im Laufe der Zeit erkannte sie, dass man auch in diesem Beruf eine Menge Kompromisse machen mußs. Sie mußste ganz unten in der Hierarchie anfangen. Und nun arbeitet sie für ein Klatsch-und-Tratsch-TV-Magazin. Innerlich macht sie das total mürbe. Sie weiß, dass diese Sendung peinlich ist. dass sie kein Niveau hat und keine Moral. Doch Babe muckt nicht auf, denn sie hat keine anderen Job-Angebote. Sie wohnt sogar in der Redaktion, seit sie ihr Freund aus dem Appartement geschmissen hat. Und dann kommt diese einmalige Chance ? die Geschichte des Milliardenerben Deeds. Und diese Geschichte stellt Babes Leben völlig auf den Kopf!"

" Winona Ryder ist zeitlos", schwärmt Regisseur Steven Brill. "Sie hat eine umwerfend sensible Aura. Winona liebt alte Filme und das spürt man. Die Figur der Babe ist eine schwierige Rolle und wir brauchten eine Schauspielerin, die all ihre Nuancen zeigen kann."

Auch Ryder selbst war von der Rolle überaus angetan: "Meistens sind die weiblichen Rollen in romantischen Komödien nicht besonders toll. Sie sind meistens nur Staffage neben dem männlichen Star. Doch bei Mr. Deeds ist das anders, hier ist die weibliche Hauptrolle ebenso komisch wie die Rolle des männlichen Hauptdarstellers."

Ryder erzählt, sie sei schon immer ein Fan Adam Sandlers gewesen. dass sie nun in dessen inneren Zirkel aufgenommen wurde, war für sie eine große Freude. "Diese Leute arbeiten seit Jahren zusammen, sie sind alle Freunde", erklärt Ryder. "Anfangs war ich sehr nervös, ob ich mich da nicht wie ein Außenseiter fühlen würde. Doch es war wunderbar! Jeder hieß mich herzlich willkommen und ich fühlte mich auf Anhieb wie zu Hause.

Und das war sehr wichtig, denn ich glaube, man kann nicht komisch sein, wenn man nicht völlig entspannt ist. Wir haben hart an diesem Film gearbeitet, aber trotzdem waren wir alle so gut drauf, dass ich mir manchmal vorkam, als wäre ich in eine Episode der ?kleinen Strolche? hineingeraten. Und auch über die darstellerischen Qualitäten ihres Schauspielpartners hat Winona Ryder nur lobende Worte übrig: "Adam ist ein grandioser Hauptdarsteller. Er brachte mich ständig zum Lachen. Doch ich fand seine Vorstellung mitunter auch aufrichtig anrührend."

Peter Gallagher, der mit Regisseur Brill bereits in dem Klassiker "Sex, Lügen und Video" (1989) vor der Kamera stand und für seine Rolle neben Tony Randall in dem Theaterstück "Long Day?s Journey into Night" mit dem Tony Award ausgezeichnet wurde, erwies sich ebenfalls als Idealbesetzung. "Peter und ich sind Freunde", erzählt Brill, ?und wir haben immer darüber geredet, dass wir mal wieder zusammenarbeiten sollten. Es erwies sich, wie man jetzt nachprüfen kann, als großartige Idee!"

Steven Brill erklärt, dass ihm seine Arbeit als Schauspieler beim Regieführen überaus dienlich ist: "Ich kann mit den Darstellern besser sprechen. Ich genieße ein größeres Vertrauen als manch anderer Regisseur, da ich aus eigener Erfahrung weiß, wovon ich rede. Ich kümmere mich sehr um die Darsteller und ich habe mehr Respekt vor Schauspielern als andere Filmemacher, weil ich selbst mal ein Schauspieler war."

Die Rolle des kuriosen Dieners und Deeds-Vertrauten Emilio übernahm John Turturro. "Wir dachten bereits beim Schreiben des Drehbuchs an John", erklärt Adam Sandler. "Wenn wir eine Figur erfunden haben, die wir wirklich komisch finden und von der wir glauben, dass ein Darsteller viel Spaß mit ihr haben kann, dann bieten wir sie einem unserer Lieblingsschauspieler an."

Es war auch Sandler persönlich, der den schillernden Reverend Al Sharpton zu einem Gastauftritt überreden konnte. Der in den USA überaus populäre Sharpton, der bereits Cameos in Spike Lees "Malcom X" (1992) und "Bamboozled" (2000) gab, spielt auch in Mr. Deeds sich selbst. "Ich warte verzweifelt auf einen Regisseur, der mir anbietet, einmal jemand anderen als mich selbst darzustellen, damit ich endlich mein großes Schauspieltalent unter Beweis stellen kann", lacht der Reverend. Über Adam Sandler hat er dennoch nur lobende Worte: "Adam ist sehr feinfühlig. Er möchte, dass man sich in seiner Nähe wohl fühlt. Manchmal kommt er einem eher wie ein gutherziger Betreuer als wie ein Star vor. Er ist ein aufrichtig netter Mensch." Und, fügt Sharpton mit einem Augenzwinkern an, "meine Tochter ist ein großer Sandler-Fan. Seit meinem Auftritt in Mr. Deeds bin ich in ihrer Achtung mächtig gestiegen."

Allen Covert spielte in zahlreichen Sandler-Filmen mit, darunter Big Daddy, The Waterboy, Little Nicky, The Wedding Singer und Happy Gilmore. In Mr. Deeds spielt er Marty, Babes eifersüchtigen Kollegen beim TV Sender. "Das ist die beste Rolle, die Allen je gespielt hat", lacht Sandler. "Er hat sich dafür 30 Kilo angefressen. Gott segne ihn!"

Abgerundet wird das Mr. Deeds-Ensemble von Jared Harris, der den Moderator von "Inside Access" spielt, Erick Avari als Chuck Cedars Komplize Anderson, Conchata Ferrell als Jan und Stand-up-Komiker JB Smoove, der den kalauerfreudigen Fahrstuhlführer Reuben spielt.

Produktionsdesigner Perry Andelin Blake genoss es außerordentlich, diese illustre Besetzung mit einer eindrucksvollen Kulisse zu drapieren, die die glamouröse Atmosphäre des alten Hollywood verbreiten sollte. "Ich iebe den alten Original-Deeds-Film, er hat Stil und Klasse", schwärmt Blake. "Und ich habe versucht, diesen Stil in die Jetztzeit herüberzuretten."

Blake und sein Team besuchten fast 50 verschiedene Kleinstädte, um jenen Ort zu finden, der später im Film als Deeds? Heimatort Mandrake Falls fungieren sollte. Den tatsächlichen Drehort New Milford, Connecticut, fanden sie dagegen bloß aus Zufall. Er stand nicht auf ihrer Liste, sondern sie hielten dort nur außerplanmäßig an, um eine Mittagspause einzulegen. Sofort erwies sich das Städtchen als perfekt! "Es hatte einen ganzen Straßenzug voll alter Gebäude aus echtem Mauerstein, eine Kirche, einen kleinen Gemischtwarenladen ? und das alles vor dem Hintergrund malerisch grüner Hügel", beschreibt Blake das Städtchen. Und selbst das Restaurant, in dem sie zu Mittag aßen, erwies sich als ideal, um später im Film als Deeds? Pizzeria zu dienen.

Im krassen Gegensatz zum malerischen New Milford alias Mandrake Falls wollte Blake New York als riesigen, opulenten Ort zeigen: "In allen alten Filmen wurde Reichtum und Macht visuell dargestellt, indem man große freie Flächen zeigte. Alles war riesig. Man zeigte niemals die obere Kante von Fenstern oder gar die Decke eines Raumes. Deshalb habe ich alle Räume und auch deren Innenausstattung in völlig übertriebenen Proportionen bauen lassen. In seinem gigantischen Bett etwa sieht Adam Sandler wie ein verlorenes kleines Kind aus."

Blake, der mit Adam Sandler bei all seinen Filmen zusammenarbeitete, erklärt: "Es steckt eine Menge Herz in allen Filmen, die Adam gedreht hat. Egal, worum es in dem Film geht und welchen Charakter Adam spielt ? es gibt immer eine starke emotionale Komponente. Das ist ihm sehr wichtig." Diese dramaturgische Wärme will Blake stets auch optisch umsetzen. Deshalb wurden bei Mr. Deeds die Farben Rot, Orange und Gelb überproportional eingesetzt: "Es sollte alles schimmern, reich und schön aussehen. Einfach zeitlos."

Als komplizierteste Szene des Films erwies sich die Landung von Chuck Cedar und Cecil Anderson in Mandrake Falls. Eine kleine Wiese in Candlewood Farms, Connecticut, wurde ausgewählt, um im Film den "Flughafen" von Mandrake Falls darzustellen. Nicht nur, dass etliche Statisten für diese Szene benötigt wurden, es tummelten sich auch Hunderte von Sandler-Fans am Set, während der gigantische Sikorsky-Helikopter, an dessen Bord 19 Menschen Platz haben, über der Wiese kreiste. Es existieren bislang nur vier dieser Maschinen auf der Welt, und da sich der Sikorsky noch in der Testphase befindet, darf er erst 2003 offiziell geflogen werden. Außer den Piloten durfte sich deshalb niemand anders an Bord der Maschine aufhalten. Während der Helikopter zur Landung ansetzte, rannten immer wieder Kinder, Schafe und einmal auch ein paar entlaufene Kühe auf die Wiese. "Unkalkulierbarer kann ein Drehtag kaum sein", lacht Regisseur Brill. Am Ende war die Szene, allem Chaos zum Trotz, dann jedoch wie gewünscht im Kasten.

Winona Ryder hatte dagegen ihren schwersten Drehtag, als sie jene Szene spielen mußste, in der sie im Eis einbricht und von Deeds aus dem eiskalten Wasser gerettet wird. Für diese Sequenz mußste Winona Ryder etliche Stunden lang immer wieder für mehrere Minuten tatsächlich in eiskaltes Wasser steigen, vollständig bekleidet. Schläuche mit heißem Wasser, das sie vor einer Unterkühlung retten sollte, waren unsichtbar unter der Eisschicht installiert worden. In den Drehpausen wurde die geplagte Schauspielerin in dicke Decken gewickelt und mit Unmengen von heißem Tee versorgt. Die Unterwasserszenen dagegen wurden in einem Wassertank im Studio gedreht. Für jene Szene schließlich, in der Ryder Adam Sandler angstvoll durch eine dicke Eisschicht anschaut, mußste sie in einen engen Glascontainer klettern und die Luft anhalten, während sie ihr Gesicht auf das als Eis getarnte Glas drückte.

Die Frage, die sich wohl jeder am Set stellte, lautete: "Was hätte ich getan, wenn ich 40 Milliarden Dollar geerbt hätte?" Steven Brill beantwortet sie mit einer ähnlichen Gelassenheit wie die Filmfigur Longfellow Deeds: "Ich hätte wohl diesen Film gedreht. Ansonsten würde ich nichts ändern wollen. Na ja, vielleicht würde ich mir mal ein neues Hemd kaufen."

Abschließend stellt Brill fest, was den besonderen Reiz von Mr. Deeds ausmacht: "Es ist wunderbar, einmal einen Menschen auf der Leinwand zu sehen, der nicht korrupt oder unmoralisch, sondern einfach aufrichtig liebenswürdig ist. Und ganz abgesehen davon gibt es im Film haufenweise erstklassige Gags, köstliche Ausstattungsdetails und ein großartiges Schauspieler-Ensemble zu sehen."

Dirk Jasper FilmLexikon
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